www.introspektiva.de - Die Wirklichkeit psychischer Krankheiten - Subjektivität als Maßgabe und Menschenrecht - ein Buchprojekt vom KLuW e.V.

Meine Kommentare auf scilogs.spektrum.de 2020/05 (T.J.)


Kommentar vom 31.05.2020 17:22
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/das-einmaleins-psychischer-stoerungen//

@Soziologischer Ansatz

Hier ein interessanter Artikel um Thema:

https://www.spektrum.de/news/die-wurzeln-psychischer-krankheit/1737226

Hier geht es darum, dass die einzelnen psychischen Krankheiten in allen möglichen Formen immer dieselben Leute betrifft. So ist dann zunächst mal klar, wieso hier die Diagnosen bei ein und dem selben Patienten so vielfältig ausfallen. In dem Artikel denkt man dann gleich an eine grundsätzliche Gehirnstörung auf Basis von grundsätzlichen genetischen Dispositionen.

Ich denke da allerdings gleich an die soziologischen Aspekte: Wer einmal mit irgendeiner psychischen Störung zu tun hat, die gravierend genug ist, dass er zunächst kurzfristig nicht mehr arbeiten kann, gerät immer in die selbe soziale Situation: Auf Stigmatisierung folgt Ausgrenzung und Entmündigung und meistens auch Langzeitarbeitslosigkeit und Armut.

Derart in sozialen Schwierigkeiten, wird die Sache ganz schnell chronisch, auf die ursprünglichen Probleme, die die Störung ausgelöst haben, kommt dann der Hammer der Diagnosen und dessen Folgen dazu. Das kann kaum einer einfach so wieder abschütteln. Die Beobachtung in dem angesprochenen Artikel wundert mich überhaupt nicht, das ist für mich nichts Neues. Viele Psychiatriekarrieren laufen im Laufe der Zeit mit wechselnden Symptomatiken. Offiziell bleibt man gerne bei der Eingangsdiagnose, aber das tatsächliche Krankheitsbild wandelt sich über die Jahre.

Sozial vorbeugend wäre eine Gesellschaft mit weniger Leistungsdruck, und auch könnte man sich besser wieder integrieren, wenn man auch mit verringerter Leistungsfähigkeit wieder eine halbwegs hinreichend entlohnte Arbeit finden könnte. Die Behindertenwerkstätten helfen vielen nicht, zumal auch, weil man mit einem Stundenlohn von unter 1 € in unserer Leistungsgesellschaft keinerlei Ansehen erwerben kann.

Mit einer derart prekären sozialen Situation kommt ein Mensch nicht so oft wirklich gut klar. Egal, welche Probleme erstmals zur Eingangsdiagnose geführt haben. Jeder, der hiermit nichts zu tun hat, kann sich im Prinzip freuen, dass dieser Kelch an ihm vorübergegangen ist. Vermutlich kämen die meisten Menschen mit der sozialen Situation, die eine psychiatrische Diagnose einleiten kann, auch nicht viel besser zurecht, als die psychisch Kranken, die es tatsächlich erwischt hat.



Kommentar vom 29.05.2020 13:05
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-15-ein-unterrichtsmodul-fuer-die-klassen-7-bis-12-zu-verschwoerungsmythen/

@Michael Blume 29.05. 10:16 Mythen und Wissenschaft

„Die Wissenschaft verdrängt den Mythos.“

Ich bin auch für einen erkenntnistheoretischen Pluralismus. Sinn und Gemeinschaft macht ohne wirkliche Geisteswelten eben wenig Sinn, das ist doch gerade meine Kritik an den Wissenschaften, wenn diese ihren Geltungsbereich überschreiten. Wenn sie nicht nur sagen, sie kennen das nicht, sondern wenn die Wissenschaft sagt, die Geisteswelten gibt es nicht.

Deswegen finde ich ja auch, dass Religion eben kein Auslaufmodell ist. Ich meine nur, dass man die alten Komplettpakete nicht unbedingt braucht. Auch, weil die Wissenschaft einen erheblichen Teil der ehemals auch welterklärend gemeinten Lehren ersetzt hat. Diese Welterklärung gehört ja auch zu den Komplettpaketen dazu, deshalb meine ich ja, dass wir diese Pakete auch aufschnüren können.

So haben wir ja auch heutzutage viele Filme, und auch Romane, die sich mit dem Leben auf Basis von lebendigen Fantasiegeschichten auseinandersetzten.

Mit Ihrem demografischem Argument habe ich aber ein logisches Problem: Mag ja sein, dass Gläubige mehr Kinder bekommen, und auch dass Menschen, die keine personifizierten Gottheiten anbeten, auf die Dauer immer wieder aussterben. Das wäre für mich aber ganz und gar kein Argument gläubig zu werden, und auch nicht, nur deswegen den Glauben bei Anderen zu fördern. Das ist für mich aber ein Argument dafür, dass man das Kinderkriegen von Staatswegen eben entsprechend fördern sollte.

Letztlich ist es die Konsequenz daraus, dass Frauen Karriere machen dürfen, dass die das dann auch tun. Dies führt zu dem zu beobachtenden Geburtenmangel, der dann wiederum u.a. zum Verschwörungsmythos der Umvolkung führen kann.

Man müsste hier mindestens 500 Euro im Monat für jedes Kind springen lassen, dann könnten qualifizierte Frauen schon während des Studium ihre Kinder bekommen. Und wenn man dann auch noch Kitas vor Ort in den Universitäten hätte und Frauen mit Kindern etwas langsamer studieren dürften, wäre das vermutlich für manche eine Option. Dann müsste keine Frau Angst davor haben, dass ihre Beziehung in die Brüche geht und sie deswegen mitsamt ihrer Kinder in der Armut landet. Finanzieren könnte man das gerne mit spürbaren und effektiven Erbschaftssteuern. Letztlich nützt das Erben wenig, die meisten Erbschaften kommen erst, wenn die Kinder längst aus dem Haus sind, und man die Erbschaft gar nicht mehr braucht.

Dass das alte Modell mit dem Mann, der viel Geld verdient und der Frau, die den Haushalt macht und die Kinder erzieht, dasjenige ist, dass zu mehr Kindern führt, hängt doch auch damit zusammen, dass man die Alleinerziehenden und ihre Kinder von Staats wegen viel zu wenig unterstützt. Ich glaube nicht, dass das nur an der Religiösität liegt, das Familien mit der klassischen Rollenverteilung mehr Nachwuchs haben. Ich meine, dass das vor allem an der schwierigen Vereinbarkeit von Kindern und Karriere bei den Frauen liegt.

Wenn hier kein solventer Mann zur Seite steht, oder die Beziehung zu ihm auch nur etwas unsicher ist, werden Kinder schnell zum Armutsrisiko. Hier bleibt der Frau dann nichts anderes übrig, als sich erstmal selbst beruflich zu etablieren, und danach erst Kinder zu bekommen. Ist die Frau erstmal 30, 35 oder 40, dann ist es öfter schon zu spät für 2 oder 3 Kinder, auch weil nicht immer der passende Mann zur Verfügung steht.

Das hat doch wenig direkt mir Religion zu tun.



Kommentar vom 29.05.2020 00:36
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-15-ein-unterrichtsmodul-fuer-die-klassen-7-bis-12-zu-verschwoerungsmythen/

@Michael Blume 26.05. 16:32 Mythen und Wissenschaft

„Idealerweise gelingt es uns, das miteinander in Einklang zu bringen: religiös zu sein, aber zu wissen, was Religion ist. Dann kann ich Religion und Wissenschaft gleichermaßen respektieren.“

Genau das ist richtig wichtig.

Im Laufe der Aufklärung und im weiteren Fortschritt der Wissenschaft sind immer mehr Mythen durch besseres Wissen ersetzt worden. Die Komplettpakete der verschiedensten Religionen sind dann jeweils für sich davon betroffen, und im Prinzip schrumpfen die einzelnen Vereine immer weiter auf das zusammen, was an Mythos übrigbleibt.

Damit man dann nicht doch zuwenig im verbliebenen Komplettpaket anzubieten hat, würde ich vorschlagen, dass man sich doch gleich bei den Mythen der anderen Religionen auch bedient. So finde ich z.B. auch Laotse hochinteressant, weil die Texte, die auf ihn zurückgehen, wesentlich komprimierter als z.B. die Bibel sind.

Also ich lese solche religiösen Texte so, dass ich viele einzelne kleinen Mythen gleich abhake, als inzwischen von der Wissenschaft überholt. Was an Mythen bleibt, was von der Wissenschaft dann doch nicht widerlegt werden kann, das ist jetzt aber umso wertvoller, finde ich.

Wenn ich z.B. die Idee des Einen Gottes so interpretiere, dass hier die gesamte Geisteswelt eben durchgängig von einer einzigen Organisation gestaltet ist, dass hier keine Streitigkeiten und Kriege herrschen, dann finde ich dieses gleich in mehren Religionen wieder.

Und dass überhaupt keine Geisteswelten existieren, das wird zwar von manchen Zeitgenossen so gesehen, aber die Wissenschaft ist keineswegs so weit gekommen, dass man diese wirklich ausschließen kann. Die ganze Disziplin der Physik sucht ganz gezielt nur nach Regelmäßigkeiten im Sinne einer klaren mathematischen Formulierbarkeit, und kann genau deswegen zum Thema z.Z. nichts beitragen. Hier ist also ganz klar Platz für Mythen, die zwar nicht selbst erwiesen sind wie die wissenschaftliche Erkenntnisse, aber sich doch in einem Raum des Möglichen bewegen.

Und das finde ich ganz wichtig. Mit Mythen, die wirklich gar nicht wirklich sein können, kann ich nichts anfangen, egal wie schön sie sein mögen.

Und den materialistisch geprägten Wissenschaftlern lasse ich auch gerne ihre eigen Mythen, wozu auch gehört, dass der Rest der Welt, der noch nicht erforscht ist, sich irgendwann genauso in klaren mathematischen Formeln fassen lässt, wie das, was man bisher erfolgreich untersucht hat. Auch wenn ich hier an ganz andere Sachen glaube.



Kommentar vom 28.05.2020 01:04
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/das-einmaleins-psychischer-stoerungen/

@Wolfgang Richter organische Aspekte

Klar gibt es öfter organische Ursachen für psychische Störungen, die in der Tat von den diagnostizierenden Psychiatern zu wenig gesucht werden. Und hier hoffe ich tatsächlich auch auf Fortschritte, die die Zukunft bringen kann. Inwieweit noch Krankheitserreger und Reaktionen des Immunsystems in die Ursachen von psychischen Störungen hineinreichen, da erwarte ich durchaus noch Einiges, was hier zu erforschen wäre.

Aber die verstärkte Beachtung der soziologischen Ebene erscheint mir noch wesentlich erfolgversprechender. Jeder weiß, wie sehr eine gute und erfüllende Arbeit, und richtig gute Beziehungen in der Familie, zu Freunden und zu Arbeitskollegen Wunder wirken können. Wer hier ein richtig glückliches Leben führen kann, der hat mit psychischen Störungen sehr viel weniger zu tun.

Wenn man dagegen kein vernünftiges Leben leben kann, dann kann man auch nicht wirklich psychisch störungsfrei sein. Da Fällt mir ein gute Witz zu ein: Ist einer beim Psychiater und der sagt: Ich muss Ihnen sagen, sie haben keine Depression, Sie haben ein Scheißleben.

Was die Unsicherheiten der psychiatrischen Diagnosen angeht, so ist die so groß, dass man sich echt fragen muss, in wie weit die denn in den Kliniken und den Facharztpraxen überhaupt wissen, was sie da machen. Angesichts dessen, dass niemand wirklich weiß, wie denn eine gesunde Psyche überhaupt im Detail funktioniert, wundert das dann aber auch wieder nicht.

Die Seele bzw. das Wachbewusstsein sind ein Phänomen, dass womöglich in wesentlichen Teilen jenseits der uns bekannten Physik funktioniert. Zumindest weiß man wenig genug, wie das Gehirn und die psychologisch betrachtbare Psyche funktioniert, dass man hier auch uralte religiöse Mythen in Teilen noch gelten lassen kann, finde ich.

Dass Glaube und Spiritualität einen Rieseneinfluss auf die Psyche und den Menschen haben, das ist auch den Experten bekannt, wird aber eher selten in die Diagnostik und die Therapie mit einbezogen. Dabei ist auch ein Miteinander nicht nur ein rein Verbales in den Beziehungen, sondern hat was von direktem Kontakt von Seele zu Seele sozusagen. Und Seelenbeziehungen erweitern sich auch ganz klar gegenüber Haustieren, sowie im Weiterem gegenüber der Natur, in der man aktuell zuhause ist, wie auch gegenüber der Natur insgesamt und dem ganzen lebendigem Kosmos.

Gerade eine leidvoll erlebte Einsamkeit kann auch auf einem Mangel an gelebter Spiritualität zurückgeführt werden, meine ich. Gerade in dieser Leistungs und Profitgesellschaft haben wir verbreitet einen richtigen Lebensbeziehungsmangel. Beziehungen brauchen auch Zeit, Ruhe und Nähe. Dafür muss man auch Zeit und Energie für frei haben. Der Rausch des finanziellen Erfolges und der folgende Konsumrausch mag erheblich sein, das ganze Leben ist das aber ganz und gar nicht. Das ist hier auch ein Bereich, in dem ich auf Fortschritte für die Zukunft hoffe.



Kommentar vom 27.05.2020 01:26
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/das-einmaleins-psychischer-stoerungen/

@Gutes Miteinander

Ich fände es sehr zukunftsweisend, wenn man unser Miteinander mehr in den Fokus nehmen würde. Das wäre was für die Behandlung von psychischen Störungen, für die Vorbeugung erst recht und käme dem Wohlbefinden Aller entgegen. Dazu gehört ja auch gerade, dass die Menschen im Miteinander weniger auf die Maximierung der eigenen Konten achten, sonder dem Wert des Miteinanders selbst mehr Beachtung schenken.

Hier geht es nicht nur um die Menge sozialer Kontakte, sondern auch um deren Qualität. Gerade im Gesundheitsbereich ist es ziemlich übel, wenn man mir eine Knie-OP aufdrängt, die überflüssig ist. Generell fühlt sich Betrug ziemlich mies an.

Ein Problem des derzeitigen Gesundheitssystems ist sicherlich das Versicherungsprinzip. Das kann sehr teuer werden, wenn es der Patient nicht mal mitbekommt, was hier eine unsinnige Behandlung gekostet hat. Müsste man alles selbst bezahlen, würde man sich sicher nicht so schnell was Unsinniges andrehen lassen. Natürlich ist das Versicherungsprinzip alternativlos, aber hier ist sicher viel Platz für Reformen, die die Versorgung verbessert, Kosten spart und gleichzeitig auch die Belastung der Beschäftigten im Gesundheitssystem reduziert.

Man müsste ja nur alle Maßnahmen erfolgreich unterbinden, wo die Ärzte selber ganz genau wissen, dass es nur des Geldes wegen unternommen wird. Das zu organisieren ist wohl die Schwierigkeit dabei.

Wenn es um ein gutes Miteinander geht, so kann es auch z.B. in der Psychotherapie hilfreich sein, wenn man den Patienten beibringt, wie er selber zu einem besserem Miteinander im eigenen Umfeld beitragen kann. Aber die strukturellen großen Zusammenhänge kann man natürlich nicht über die Behandlung derer ändern, die es nicht mehr aushalten. Allem voran die auf Konkurrenz aufgebaute Schulbildung, und die Gnadenlosigkeit der folgenden Arbeits- und Geschäftskultur.

Ich denke, unser Sozialsystem ist schon mal wenigstens ganz gut für die, die nicht mehr mithalten können. Die andern, die sich noch am Rand des Erträglichen befinden, könnten aber endlich auch mal eine Entlastung gebrauchen. Eine Entspannung in dem Bereich könnte dann auch den Wiedereinstieg ins Berufsleben bei denen entscheidend erleichtern, die wegen psychischer Störungen erwerbsunfähig waren, aber langsam wieder auf die Beine kommen.

Wenn hier generell weniger Stress und mehr wirklich menschliches Miteinander Praxis wäre, ginge es uns allen besser, glaube ich. Nur Umsatz ist von Grund auf irrsinnig, das passiert zwar mit realen Menschen immer wieder, aber man sollte es nicht zur Tugend des gesunden Wettbewerbs machen, und nicht noch durch die Rahmenbedingungen fördern. Wirtschaftstätigkeit, die komplett unprodukiv ist, macht auch den Beschäftigten nicht so richtig Spaß, die damit ihr Geld verdienen müssen. Ein Übermaß an Sinnlosigkeit bekommt Mensch einfach nicht so recht, das greift selbst die Psyche wieder an.



Kommentar vom 26.05.2020 18:22
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-15-ein-unterrichtsmodul-fuer-die-klassen-7-bis-12-zu-verschwoerungsmythen//

@Michael Blume 26.05. 08:03

„Klar verkünden Religionen und Weltanschauungen einen Anspruch auf Wahrheit, @einer. Die Frage ist, ob sie behaupten, diese zu “besitzen”.“

So ganz verstehe ich den Unterschicht zwischen Wahrheit beanspruchen und Wahrheit besitzen jetzt aber nicht.

Ich würde an einen vernünftigen Mythos eher den Anspruch haben, dass er wenigstens wahr sein könnte, auch wenn ich jetzt nicht wissen kann, ob dem so ist. Und wenn ich mehrere Mythen zur Auswahl habe, die alle gleich nicht unmöglich aber auch gleich unsicher sind, dann würde ich den bevorzugen, mit dem ich konkret besser leben kann.

“Idealerweise gelingt es uns, das miteinander in Einklang zu bringen: religiös zu sein, aber zu wissen, was Religion ist.“

Das ist eine richtig gute Idee, meine ich auch. Aber die Religion, die gerade den Glauben selbst zum oberstem Prinzip macht, ist doch hier von Grund auf richtig problematisch. Nicht nur die Bibel gilt als Autorität, nein, auch der richtige Glauben selbst gilt als das wichtigste Faktum im Leben des Menschen. Das verträgt sich nur mit ganz viel Biegen mit einer toleranten Einstellung zu anderen Religionen und Weltdeutungen, finde ich.

Das Christentum erscheint in historischer Zeit als grundsätzlich vollkommen intolerant und gewalttätig missionierend. Das passt auch viel besser ins Konzept von Gottes geschriebenen Wortes und vom Glauben als dem wichtigstem Faktum. Die moderneren Auslegungen sind womöglich reiner Opportunismus, um als Religion von Gestern von aufgeklärten Menschen nicht ganz verworfen zu werden.

Hier scheint ein Anspruch ganz zentral zu sein: „Du - musst – das – Glauben.“

Ich glaube es aber nicht. Dagegen kommt mir Hoffnung dann wiederum sehr entgegen. Vor allem die Hoffnung auf kein Leben nach dem Tod, ich will mich viel lieber wieder im kosmischem Geist auflösen, wo ich auch hergekommen bin. Was soll ich denn in der jenseitigen Ewigkeit die ganze Zeit machen? Das ist ja grauenhaft.

Ein Mythos, von dem mir klar ist, dass er nicht stimmen kann, den kann ich nicht glauben, das geht einfach mit meinem Kopf nicht, der macht sowas einfach nicht mit.



Kommentar vom 22.05.2020 01:05
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-15-ein-unterrichtsmodul-fuer-die-klassen-7-bis-12-zu-verschwoerungsmythen//

@Michael Blume 21.05. 14:09

„Denn selbstverständlich besagen obige Zeilen gerade nicht, dass keine Kritik geübt oder alles klasse gefunden werden solle – sondern nur, dass es ein “Grundvertrauen in das Funktionieren guter Ordnungen” brauche – also in die Möglichkeit, dass Dialog, Demokratie, Rechtsstaat, Wissenschaft usw. tatsächlich funktionieren können.“

Hier würde ich aber die Betonung auf „Möglichkeit“ und „können“ legen. Gerade die Demokratie soll es ja auch ermöglichen, eine Regierung abzuwählen, deren Wirken eben nicht im Sinne der Wähler funktioniert.

Jetzt muss man aber gerade bei populistisch auftretenden Parteien nochmal ganz vorsichtig sein, ob die denn wirklich was für „den kleinen Mann“ machen wollen, oder ob sie den nur als Mittel zum Zweck missbrauchen, um ihn dann hinterher erst recht in die Pfanne zu hauen.

So hat zum Beispiel nach der russischen Revolution die neue Führung die Revolutionäre der ersten Stunde recht bald ins Gulag geschickt, nachdem die Macht gesichert war. Wohl wissend, dass autoritätsrenitente Persönlichkeiten auf die Dauer jede etablierte Macht angreifen werden, auch die, die sie selbst erst ermöglicht haben.

Ich finde darüber hinaus ein Grundvertrauen in im wesentlichen positive Geisteswelten mindestens genauso wichtig. Sofern man selber nicht an üblen Dinge arbeitet, sollte es klar sein, das man ganz persönlich im Leben von Seiten der Geisteswelt überwiegend gut behandelt wird. Und wenn man an wirklich guten Dingen arbeitet, kann man auch damit rechnen, spürbar dabei unterstützt zu werden.

Grundsätzlich ist ein „Grundvertrauen in das Funktionieren guter Ordnungen” aber doch etwas ganz anderes als ein Grundvertrauen in Geisteswelten, würde ich sagen. Auch üble Personen mit übler Agenda können an die Macht kommen, und riesige Schäden verursachen, auch wenn sie einstmals demokratisch gewählt worden sind. Solche lokalen Katastrophen ändern aber nichts an der Qualität der eher kosmischen Geisteswelten.



Kommentar vom 21.05.2020 14:25
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-12-die-guten-mythen-von-star-wars-dank-an-george-lucas-joseph-campbell/

@Andromed/Demolog/Memorand

„Aber, wie gesagt, die christliche Deutung ist nicht die einzige und nicht die einzig wahre. Sie ist vielmehr eben nur die Anerkennung und Hinnahme der Wirklichkeiten einfach aus Ohmmacht – für die meisten Menschen nur die einzig mögliche Deutung.“

Sie reden von geistigen Wirkungen, die sich mit Vergiftungen verstärken, und bis zur Degeneration der Gehirne von Menschen führen. Mir erscheint das Problem darin zu sein, dass sie nur Chemie und andere Menschen dafür verantwortlich sehen, wie sich Ihr eigenes psychisches Leben über die Zeit entwickelt. Obwohl sie hier geistige und telepathische Mitwirkung einbeziehen, scheinen Sie überhaupt kein Konzept für die Geisteswelt selbst zu haben.

Wenn es Geist in der Welt gibt, dann wird dieser ja wohl selbst organisiert sein, und wird viel eher die Menschen selbst beeinflussen, inspirieren, als dass er die einen Menschen den anderen Menschen ausliefert. So vielfältig Geist in der Welt unterwegs ist, so vielfältig sind auch die Menschen selbst unterwegs. Die herrschenden Menschen haben die Massenmedien wohl ganz gut unter Kontrolle, aber daraus zu schließen, dass sie auch die Geisteswelten kontrollieren, das ist hier der Unsinn, finde ich.

So macht es auch überhaupt keinen Sinn, bei geistig bedingten Schwierigkeiten dieses den weltlichen Herrschern dieser Welt anzuhängen. So groß das Unheil auch ist, was diese stellenweise anrichten.

Die zunehmenden Zahlen von psychischen Erkrankungen aufgrund von Umweltgiften und aufgrund von Stress in modernen Zeiten mag eine gewisse Rolle spielen, aber hier auch noch herrschaftsgeistige Schädigungen anzunehmen, das führt zu nichts.

Wenn Sie hier telepathische Wechselwirkungen annehmen, entwerfen sie doch implizit ein Modell von Geisteswelten, in denen nichts vorkommt, das nicht von anderen Menschen kommt. Als wenn wir der ganze Geist dieses Universum wären. Es ist einfach nur töricht, hier so konsequent nur den Menschen als einzigen Geist in der Welt zu sehen.

Man mag darüber streiten, wie gut oder böse der geistige Kosmos mit einem selbst umgeht, und auch darüber, wie man selbst wiederum darauf reagiert. Aber die kosmischen Weiten der Geisteswelt einfach für dumm zu halten, dass sie hier den Mächtigen dieser Welt, die es geschafft haben, an die Regierung zu kommen, auch noch die Kontrolle über die Geisteswelten überlässt, das entbehrt jeder Vernunft.

Eine Perspektive im Leben kann man nicht so gut finden, wenn man gegen die Windmühlen einer fantasierten Psychokontrolle kämpft, während das eigentliche potentielle Geistesleben an einem selbst unbeachtet vorbeizieht. Ich suche mir lieber Perspektiven für Inspiration und Erkenntnis, und seh zu, dass ich Lebensweise und Miteinander konstruktiv gestalte. Das gelingt einfach besser, wenn ich die wirklichen Geisteswelten erkenne, anerkenne, und selber einen Kurs der Zusammenarbeit suche und praktiziere.

Reine Abbrucharbeiten, die hier manche Zeitgenossen attraktiv finden, sind nicht meine Vorliebe. Die mögen manchmal nötig sein, aber ich mag doch eher das Konstruktive.



Kommentar vom 20.05.2020 17:55
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-12-die-guten-mythen-von-star-wars-dank-an-george-lucas-joseph-campbell/

@Demolog/Memorand 18.05. 21:33

„Nervengifte als “pädagogisches” Therapeutikum? Anhand der Symptomatik jedenfalls durchaus möglich. Und was möglich ist (ohne, das man es leicht nachweisen kann) wird auch getan.“

Theoretisch doch eher schwierig, schätze ich. Einige Schwermetalle sowie spezielle Nervengifte als Umweltbelastung gibt es tatsächlich, die sich auf das Gehirn und die Psyche auswirken. Aber in umweltüblichen Dosen ist die Wirkung kaum messbar. Wenn man jetzt viele Einzelpersonen, alle die desintegriert sind, gezielt noch mal Extra vergiften würde, wäre das leicht per Blutuntersuchung diagnostizierbar. Wie soll man das geheim halten?

Und ich habe keine Anhaltspunkte, wieso diese Schwermetalle und Nervengifte gerade die Stärke von telepathischen Effekten vergrößern würden. Ausnahmen sind sicherlich akute Vergiftungen mit Halluzinogenen. Sehr wohl gibt es aber bei psychotischen Erkrankungen nicht selten auch verstärkte telepathieartige Effekte zu beobachten. Wenn man damit entsprechend über Wochen und Monate geistig völlig überaktiv unterwegs ist, und kaum noch Schlaf findet, da raten die Ärzte dann dringend zur Einnahme von Neuroleptika, was oft auch die Probleme reduziert, zumindest mittelfristig.

Was kratzt das die demokratische Gesellschaft, wenn einige anders Denken? Die Medienmacht hat für Jahrzehnte die Demokratie hinreichend stabilisiert. Ich denke, dazu brauchte es überhaupt keine Vergiftungen von Störern. Die hatten einfach kaum Möglichkeiten, ihre abweichenden Meinungen zu veröffentlichen. Mit begrenzter Telepathie kommt man nicht gegen die Macht der Medien an, das geht nicht. Ohne einen auch materiellen Zugang in der Kommunikation kann Telepathie nicht viel ausrichten.

Da wo die Medienmacht jetzt wirklich Konkurrenz bekommt, kommen auch die ganzen radikalen Kräfte auf, die sich über das Internet immer mehr Anhänger organisieren. In Ländern wo eine Arbeitsmarktkrise dazukommt, sind diese inzwischen an der Regierung, wie in Italien und Griechenland.

„-> Hm, na was denn nun? Ist der Geist (nach ihrer Diktion/ansicht) nun “kosmisch” oder ist er irdisch?“

Ich vermute, dass Geisteswelten schon eine Grundfunktion der Vakuumenergie sind, und im ganzen Universum zur Verfügung stehen. Aber insbesondere in der Nähe von Lebewesen sind diese Geisteswelten auch aktiv. Also denke ich schon kosmischer Geist, aber mit einer eigenen Abteilung für diesen Planeten. Und gerne auch auf ganz individueller Ebene, wenn es nur um einen einzelnen Menschen geht.

So vermute ich ja auch, das unser lokales Bewusstsein eine Synthese unseres lokalen Gehirns mit dem kosmischem Geist ist. Von daher ist die ganz individuelle Ebene fast schon die wichtigste Ebene. Inwieweit hier diese Gesellschaft uns für desintegriert hält, wird das den Geist dieser Welt vermutlich nicht die Bohne interessieren. Bei der Verwirklichung von Telepathie kommt man wohl kaum ohne die Mitwirkung der Geisteswelt aus. Darüber zu versuchen, die Demokratie zu stabilisieren, erscheint mir aussichtslos.

Was Drogen vom Schwarzmarkt angeht, so halte ich diese auch für ein erhebliches Gesundheitsrisiko. Hier wäre ich entschieden für saubere Drogen, die man beziehen darf, wenn man einmal wirklich süchtig ist. Die vielfältigen Schäden der Prohibition überstiegen um eine vielfaches die Schäden, die nur die saubere Droge verursachen würde. Zu den Schäden gehören auch die Kosten für Polizei, Justiz und Strafvollzug, wie auch die Kapitalanhäufung bei der organisierten Kriminalität.

Das man auf diesem Weg tatsächlich versucht, Desintegrierte zu bekämpfen, schient mir wirklich ein Aspekt dieser unseligen Drogenprohibition zu sein.



Kommentar vom 19.05.2020 13:56
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-12-die-guten-mythen-von-star-wars-dank-an-george-lucas-joseph-campbell/

@Alubehüteter Heidegger ein Sith?

Interessanter Vergleich, hier von Heidegger und Anakin.

„..gerät so in den Sog eines neuen Diktators (Hitler), der einen kompromisslosen Weg aus der Krise verspricht und zudem im Namen seines Volkes ein neues Zeitalter, gleichsam einen dritten, erdnahen Weg jenseits von Kommunismus und Kapitalismus ankündigt.“

Dabei kam dann am Ende das Gegenteil heraus: der 2. Weltkrieg, den vor allem die Europäischen Nationen gegeneinander führten, hat dann erst die Supermächte UDSSR und USA so richtig groß gemacht. Nicht nur die Entwicklung der Atomwaffen war Grundlage der Nachkriegsordnung, auch die Europäischen Staaten waren in Folge des Krieges in Ost und West getrennt.

Jetzt ist fast ganz Europa vereint, und gerade jetzt macht sich viel Kritik breit, befeuert durch das Internet, dass hier entscheidend von US-Firmen moderiert wird. Der Brexit war der Anfang, im Zuge der corona-gegenmaßnahmen-bedingten Wirtschaftskatastrophe, die sich gerade abzeichnet, wird wohl auch eine Bewährungsprobe für die EU anstehen.

Der Wahnsinn der Nazis versprach die Lösung, aber bewirkte das Gegenteil. Vielleicht ist das auch ein entscheidendes Kriterium, um zwischen gutem und weniger gutem Geist zu unterscheiden. Eine Agenda, die auch wirklich zum Ziel führt, ist aber auch im persönlichem Leben Gold wert.

„Die Möglichkeit, sich im Zeichen der Angst auf sich selbst zu besinnen, steht dabei nach Heidegger im Prinzip immer offen:...“

Warum nicht? Die Psychologie lehrt heute auch, dass man Gefährliches besser gut einschätzen und den tatsächlichen Gefahren auch ins Auge sehen muss, wenn man denn Lösungen dagegen finden will. So kann man die meisten Ängste einfach abarbeiten. Wo man sich dann tatsächlich nicht gegen wehren kann, da kann man dann auch die folgenden Schäden besser abschreiben, wenn man erkannt hat, dass sie nicht abzuwenden sind.

Bei Anakin war die Angst vor dem Tod das eigentliche Motiv für den Fall. Hier würde ich dann empfehlen, sich mit der Sterblichkeit wirklich abzufinden. Das ist im Leben überaus hilfreich. Eben weil der Tod wirklich nicht abwendbar ist.

Das Starwarsprinzip mit den zwei Seiten der Macht ist aber auch eher der Dramaturgie eine Filmserie geschuldet. In der Wirklichkeit der Geisteswelten gibt es mutmaßlich auch große hellgraue Bereiche, mit vielen dunkleren Ecken an verschiedenen Stellen. Ob es praktisch ist, und am Ende auch funktioniert, dass sind hier die entscheidenden Fragen, würde ich sagen.

Rücksichtslosigkeit und ein übermäßig paranoider Standpunkt verursachen immer noch die größten Schäden auf der Welt. Das Streben nach mehr Sicherheit durch mehr Reichtum bewirkt im sozialem Zusammenhang einen verschärften Konkurrenzkampf, der am Ende die größten Sicherheitsrisiken verursacht. Das hat kaum was mit Geisteswelten zu tun.

Auch Heideggers Kritik an dem „Gestell der Technik“ ist in diesem Zusammenhang ziemlich nutzlos. Technik steht nicht gegen das Bewusstsein von Geist im Leben. Es mag Menschen geben, die halten viel von Technik und glauben gleichzeitig an gar keine Geisteswelten. Das hat aber nichts mit Technik, und auch wenig mit Wissenschaft zu tun.

Da ist eher noch die Wissenschaft und ihre Vermittlung an Schulen und Universitäten ein Faktor, der gerne eine komplett geistfreie Welt propagiert. Aber das muss ja niemand glauben, schließlich weiß die Wissenschaft selber sehr genau, dass sie immer vorläufig ist.

Die Arbeit an der eigenen Mythologie scheint mir aber ein lohnendes Projekt zu sein, wie hier die ganze Podcastfolge von Michael Blume deutlich macht. Selbst geistlose Mythen sind Mythen, oder zumindest Fiktionen, und ohne dem kann man die Welt nicht erfassen. Weder die Welt noch unser Verstand funktionieren rein rational. Das kann man nicht ändern, so wie man die Sterblichkeit nicht ändern kann.



Kommentar vom 17.05.2020 00:52
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-12-die-guten-mythen-von-star-wars-dank-an-george-lucas-joseph-campbell/

@Demolog/Memorand 16.05. 17:57

Dann scheine ich das jetzt halbwegs verstanden zu haben.

Was ich jetzt nicht nachvollziehen kann, ist wieso es Metalle und Nervengifte braucht, damit telepathieartige Effekte zwischen Menschen wirksam werden können. Wenn es Telepathie gibt, und insbesondere die Gesetze des Kosmos dies zulassen, dann würde ich jetzt davon ausgehen, das jedes Gehirn das kann, mit und ohne Vergiftungen.

Eine relevante Frage wäre hier die, wie man diese telepathischen Anteile im Miteinander für sich selbst so kultiviert, dass man damit klar kommt. Am besten so, dass es das Leben erweitert, und nicht einschränkt, aber auch nicht übermäßig kompliziert macht. Ein Gespür für das, was andere meinen, ist sehr praktisch, und auch generell kann eine gute Inspiration im Leben sehr hilfreich sein.

Was ihre Überlegung zu eventuellen außerirdischen Geisteswesen angeht, die hier zwischen den Menschen mitmischen, da mache ich mir eigentlich keine Sorgen. Unser Planet mit seinem Weltumspannenden Ökosystem ist ein Wirkungszusammenhang, der von anderen belebten Planeten im Universum allein aufgrund er astronomischen Entfernungen sehr, sehr unabhängig ist. Hier ist mit ziemlicher Sicherheit eine hohe planetare Autonomie sinnvoll nachvollziehbar.

Was diese jetzt angeht, so habe ich hier vor der planetaren Abteilung der kosmischen Geisteswelten doch einigen Respekt. Ich persönlich jetzt. Hier suche ich auch durchaus Zusammenarbeit, soweit das möglich ist. Das Gedeihen des gesamten Planeten mitsamt seinen Menschen, die hier gerade alles auf den Kopf stellen, scheint mir hier ein gemeinsames Projekt zu sein, an dem ich gerne mitarbeite.

Mir geht es aber auch ganz gut, und ich habe hier keinen Grund, mich über mir schadende Geisteswelten zu beschweren. Einen ganz lieben Gott, der immer nur das Beste für mich will, den kenne ich jetzt aber auch nicht. Und wem es echt schlecht geht, der hat auch ein Motiv, sich zu beschweren.



Kommentar vom 16.05.2020 00:42
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-13-tag-der-befreiung-und-die-juedische-mystik-zur-grossen-rede-von-richard-von-weizsaecker/

@Querdenker 14.05. 15:48

Ehrlich gesagt halte ich von der Interpretation von heiligen Schriften auch nicht so viel. Wenn es denn direkt inhaltlich überzeugt, und die Schriften gute Inspiration liefern, dann find ich es in Ordnung. Aber die Schrift allein als Autorität gelten zu lassen, und das geschickt mit viel Bibelkenntnis so hinzubiegen, wie es gerade in den Kram passt, dann führt das doch eindeutig in Richtung Manipulation derjeniger, die weniger in den heiligen Schriften bewandert sind.

Es ist ja selbst ein Grundmythos in allen Abrahamsreligionen, dass die Bibel als Gottes eigenes Wort gilt. Und zwar ein Mythos, der in seinen Konsequenzen ein sehr unguter ist. Gerade diese Autorität der Schrift ist genau der Ansatzpunkt, mit dem sich die Schrift dann für gewiefte Schriftkundige zur Manipulation missbrauchen lässt.

Die Bibel als interessante Fundgrube für Inspirationen zu nutzen, mag aber sinnvoll sein.

„Und wie kann man die beiden Weltkriege als Erkenntnis vom Wirken Gottes interpretieren !? Wie kann man 70 Millionen Menschen, die in diesen beiden Kriegen abgeschlachtet wurden, mit Gott in Verbindung bringen ?“

Nun gut, das Abschlachten fand mitten im Leben statt, und insofern der Geist Gottes oder allgemeiner formuliert kosmischer Geist zum Leben grundlegend dazugehört, insofern kann er auch mitten im Morden nicht abwesend sein. Wenn ich Gott verstehe als das absolut Gute und nichts als das Gute, dann muss ich hier wohl die Abwesenheit seines Wirkens in der Welt annehmen, zumindest lokal und zeitweise.

Wenn uns aber Geisteswelten generell im Leben begleiten, dann auch mitten im Krieg. Was in keinster weise bedeutet, dass wir nicht selbst dafür verantwortlich sind, was wir tun. Ursache der Weltkriege war menschliche Rücksichtslosigkeit und menschliche Niedertracht, aber eben diese gehören ganz klar erfahrungsgemäß zum Menschsein dazu. Und auch die Möglichkeit, ganze Völker so zu manipulieren, dass man sie in den eigenen Wahnsinn mitreißen kann.

Natürlich gibt es immer jede Menge Menschen, die sich nicht so einfach manipulieren und verführen lassen. Wenn die aber hinreichend in der Minderheit sind, und man erst Staat und Medien unter Kontrolle gebracht hat, nützt das zunächst nichts mehr. Dann nimmt der Wahnsinn erst ein Ende, nachdem er unübersehbar an der Wirklichkeit gescheitert ist.

Das konnte z.B. auch beim Ende des Kommunismus 1989 gut beobachtet werden. Hier haben sogar die Parteigänger eingesehen, dass ihr System wirklich am Ende ist, und darauf verzichtet, das Elend noch mit nackter Gewalt zu verlängern.



Kommentar vom 15.05.2020 13:46
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-14-semiten-sklaven-chasaren-die-wurzeln-des-rassismus-im-16-jahrhundert/

@H.Wied 15.05. 10:03

„Das war eine ganz neue Dimension im Bereich der kulturellen Zugehörigkeit, die Einbeziehung der Vorfahren als Kriterium der Einteilung. Und diese Auffassung hat sich bis ins 20. Jahrhundert erhalten, und hatte im 3. Reich ihren Höhepunkt.“

Entscheidend und außergewöhnlich war im 3. Reich vor allem, dass man anhand des Kriteriums der Abstammung festgelegt hat, wen man ausrauben und umbringen kann.

Ansonsten ist das Kriterium der Abstammung normalerweise entscheidend, wer in ein Land einwandern darf und wer nicht. Das ist jetzt schon fast weltweiter Standard. Und das macht schon einen gewissen Sinn, dass man eben keine unkontrollierte Zuwanderung haben will. Das ist schon egoistisch im Sinne derer, die alteingesessene Staatsbürger sind, mit allen Rechten und Pflichten, die dazu gehören. Man will nicht unbedingt sein Land mit allen teilen, die gerne einwandern möchten.

Hier ist jetzt aber auch wichtig, ob man jetzt persönlich von Einwanderung profitiert, oder nicht, je nach persönlicher Situation. Entsprechend unterschiedlich sind die Haltungen gegenüber dem Ausmaß von Migration. Wer billige Arbeitskräfte gebrauchen kann, und angesichts schrumpfender Bevölkerungsentwicklung Mieter für seine zahlreichen Immobilien benötigt, wird die Sache anders sehen, als einer, der nur gering Qualifiziert ist, und im Niedriglohnsektor arbeiten muss.

Aus Gründen der Menschlichkeit Verfolgten eine Zuflucht zu gewähren, wäre glaube ich eher konsensfähig, wenn nicht gleichzeitig so viele Arbeitsmigranten einwandern würden. Entsprechend größer ist das Problem auf dem Wohnungsmarkt, und auch in manchen Bereichen des Arbeitsmarktes. Für die Einen. Die anderen, die hier alles besitzen, die verdienen doppelt daran.

Das ist keine Verschwörung, auf beiden Seiten nicht. Sondern ein ganz normaler Konflikt um das Besitzstreben, mit Vermietung mehr Geld zu verdienen bzw. als Mieter Mietkosten zu sparen. Radikal oder menschenfeindlich bzw. menschenfreundlich ist das nicht automatisch.

Wobei es wirkliche Menschenfeindlichkeit auch noch gibt, auch Gruppenbezogene. Die kann sich gegen bestimmte Ethnien richten, aber auch gegen vermeintlich selbstverschuldet weniger Leistungsfähige unter der ansässigen Bevölkerung.



Kommentar vom 14.05.2020 13:57
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-13-tag-der-befreiung-und-die-juedische-mystik-zur-grossen-rede-von-richard-von-weizsaecker/

@Grausige Zeiten

Also ich hätte auch ohne Holocaust und 2. Weltkrieg die Naziherrschaft als grausig empfunden. Gleichschaltung des ganzen geistigen Lebens, intellektuelle Unredlichkeit bis es kracht auf allen Nachrichtenkanälen und das Verbot praktisch in allen Bereichen eine eigene Meinung zu äußern wären schon für sich eine schreckliche Zeit gewesen.

Jetzt muss ich aber darauf hinweisen, dass hier die Nazis wohl wirklich nicht die einzigen Kriegstreiber waren. Man weiß jetzt nicht, wer sonst einen ähnlichen Krieg vielleicht ein paar Jahre später angezettelt hätte. Die Geschichte hat ja immer nur einen Versuch, die Gelegenheiten wiederholen sich nicht direkt, und in Europa waren es eben die Nazis, die angefangen haben.

Aber Fakt ist dennoch der Kalte Krieg, der schon ein paar Jahre später von den USA angefangen wurde. Angeblich als Widerstand gegen eine kommunistische Expansion, was aber dann eben doch andersherum war: man hat ganz gezielt versucht, den Kommunismus kaputt zu rüsten, am Ende sogar mit Erfolg. Obwohl das dann doch sehr lange gedauert hat, bis die Sowjets dann endlich in den 80er Jahren pleite gegangen sind.

Ich bin kein Freund vom Sowjetkommunismus, aber mich hat dabei die ganze Zeit sehr gestört, dass man letztlich Milliarden von Menschenleben riskiert hat, nur weil den USA die Wirtschaftsform der Kommunisten nicht gefiel. Ich denke nicht, dass der kalte Krieg viel mit demokratischen Freiheiten zu tun hatte. Die selbe USA hat jeden Menge Demokratien z.B. in Südamerika kaputt gemacht. Und hatte selbst Pläne in der Schublade, für den Fall dass in Italien die demokratischen Kommunisten an die Regierung kommen, da militärisch einzugreifen.

Letztlich wollten hier die US Konzerne überall in der Welt ungestört und unbehelligt von sozialistischen Wirtschaftmodellen ihr Kapital investieren und ihre Geschäfte machen. Mit Demokratie hatte das nur indirekt zu tun, mit der Freiheit der Menschen auch nicht viel.

Das Risiko, dass nur ein versehentlich ausgelöster weltweiter Atomkrieg mit sich brachte, war meiner Ansicht nach schon viel zu hoch, und die Sache wirklich nicht wert gewesen. Insbesondere aus deutscher Sicht, zufällig waren wir geografisch bedingt das vorgesehen Hauptschlachtfeld, von dem gar nichts mehr übrig geblieben wäre.

Und unter Trump sind die USA inzwischen wieder dabei, hier vergleichbare Risiken einzugehen. Die Vorwarnzeiten angesichts der neuen Mittelstreckenraketen, die jetzt entwickelt werden, werden wieder auf an die 5 Minuten reduziert. Das ist zu wenig Zeit, um einen Fehlalarm aufzuhalten zu können. Hier stellt sich jetzt vor allem die Frage, was das denn überhaupt soll, solche Risiken einzugehen. Das ist doch der reinste Wahnsinn.



Kommentar vom 14.05.2020 01:16
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@Demolog/Memorand 13.05. 15:46

Ich versuche das mal zu verstehen, was sie meinen.

Der Mensch ganz ohne Metalsalze im Gehirn kann normal und unabhängig denken was er will. Wenn er jetzt eine niedrige Dosis abbekommt, wirkt sich das so aus, dass eine Art telepathischer Wechselwirkung mit den Gehirnen der Menschen in seiner Umgebung stattfindet, was sie mit „Verschränkung“ bezeichnen.

Diese Wechselwirkungen laufen aber darauf hinaus, das einige Aktivere, die eben geistig etwas stärker sind, die anderen mehr beeinflussen. Wenn das in eine ungewünschte Richtung geht als es den heimlichen Herrschern dieser Welt ins Konzept passt, greifen diese ein.

Die reagieren dann darauf, dass sie die Störenfriede mit hohen Dosen der Metalsalze und anderen Nervengiften vergiften, mit der Wirkung, dass die Opfer dann so geschwächt werden, dass sie wiederum ihre komplette geistige Freiheit einbüßen, und telephatisch so eng kontrolliert sind, dass sie nur noch das denken können, was die heimlichen Herrscher wollen.

Das ganze sieht dann aus wie eine psychische Krankheit, ist aber vergiftungsbedingt. Und genau damit schafft es die Demokratie, trotz vordergründiger Gedankenfreiheit dann doch die Gedanken der scheinbar freien Menschen sehr wirksam zu kontrollieren.

Die Verschränkung in den Modellen der Quantenphysiker ist vielleicht so was ähnliches, aber so weit ich weiß, denken Physiker jetzt nicht, dass verschränkte Elementarteilchen Telepathie vermitteln. Wie dem auch sei. Dass sich ihre Welterfahrung mit der meinigen nicht so gut deckt, habe ich glaube ich schon mal geschrieben. Aber das ist jetzt nichts ungewöhnliches, finde ich.



Kommentar vom 13.05.2020 13:07
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-10-regiert-die-cia-ueber-den-vorwurf-des-verschwoerungstheoretikers-die-deutschen-medien/

@Dietrich von Bern 12.05. 14:27

Insofern die EU sich gemeinsam gegen internationale Konzerne behauptet, wäre das ihre wichtigste Aufgabe, meine ich. Wenn hier aber vor allem der Freihandel gefördert wird, und die Mitgliedsstaaten noch eher in einen verschärften Wettbewerb um die Investitionen der Wirtschaft getrieben werden, finde ich das kontraproduktiv.

Einen Bedarf für eine nationale Identität sehe ich eigentlich wenig. Als Mensch und Weltbürger kann ich gut leben, psychologisch gesehen. Aber eine national orientierte Politik, die demokratisch organisiert das Zusammenleben gut regelt, ist mir dennoch wichtig. Das Problem an der EU ist eben neben der fehlenden gemeinsamen Sprache die daraus folgende fehlende gesamteuropäische Diskussion. Das ist dann eben im Ergebnis eine sehr bürokratische EU-Politik, mit einem Minimum an politisch-demokratischer und vor allem öffentlicher Auseinandersetzung.

Dazu kommt der unselige Euro, der den wirtschaftlich schwächeren Mitgliedern die Möglichkeit nimmt, einfach regelmäßig ihre nationale Währung abzuwerten, um die unterschiedlichen wirtschaftlichen Möglichkeiten so auszugleichen, dass sie dabei nicht Pleite gehen. Eine entsprechende europäische Wirtschaftspolitik bräuchte es, um langfristig den Euro auch zum Erfolg in den schwächeren Ländern zu machen. Aber die ist nach wie vor nicht in Sicht. Jede Nation versucht weiterhin, soviele Investoren wie irgend möglich ins eigenen Land zu locken. Das kann langfristig nicht funktionieren.

Die durch die Corona-Gegenmaßnahmen verursachte Wirtschaftskatastrophe, die sich hier gerade anbahnt, wird eben dieses Problem massiv verschärfen. Gerade die südeuropäischen Länder, die vom Tourismus leben, werden dermaßene Ausfälle haben, dass ich mich fast wundern würde, wenn das die EU bzw. vor allem der Euro unbeschadet überleben würde. Diese Katastrophe wäre mal eine Gelegenheit für praktizierte Solidarität – aber auch eine Gelegenheit, die gewohnte Rücksichtslosigkeit einfach fortzusetzen, mit der Option, dass das mit dem Crash vor die Wand endet.

Eine EU mit einfach weniger Aufgaben wäre meine ich gar keine schlechte Wahl. Gerade aus Sicht der demokratischen Auseinandersetzung, die wohl doch eine gemeinsame Sprache braucht, wären mehr Kompetenzen wieder auf der nationalen Ebene besser, meine ich. Und kein Euro ist auch langfristig besser als ein Euro ohne die nötige gemeinsame Wirtschaftspolitik.

Einfach europäische Standards nur um des Prinzips wegen brauchen wir doch überhaupt nicht. Wenn es z.B. um die Aufnahme von Migranten geht, so sind die Situationen in den einzelnen Ländern so unterschiedlich, dass hier eine gemeinsame Politik vollkommen sinnlos ist.



Kommentar vom 13.05.2020 01:00
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-13-tag-der-befreiung-und-die-juedische-mystik-zur-grossen-rede-von-richard-von-weizsaecker/

@einer 12.05. 11:56

„Wichtig ist, denke ich, nur was die Menschen damals mit den Texten gemeint haben.“
Ich muss hier einerseits @einer zustimmen, dass es schon öfter wesentlich ist, was die Autoren wirklich gemeint haben.

Manche Bibelstellen sind aber auch eher wie Gedichte, die mehr inspiriert als konstruiert sind, und die dann tatsächlich von der Auslegung leben. So wie es z.B. auch in der Malerei darauf ankommen kann, wie man die Bilder sieht.

Bevor man allerdings eine Heilige Schrift zurecht biegt, sollte man vielleicht konsequenter weise sich von dem Text gleich ganz distanzieren. Gruppierungen, die dies aber nicht gerne zulassen, müssen dann wohl oder übel öfter biegen, wenn sie auf der Höhe der Zeit bleiben wollen. Immer noch besser, als ganz zu erstarren, wie bei den Amish People.

Insgesamt fördern wohl gerade sehr alte Schriften die Auslegbarkeit, weil eben kein Zeitgosse mehr da ist, und protestieren kann, wenn hier was ganz anderes hereingelesen wird, als das was der Autor mitteilen wollte.

Dann haben wir gerade in der Bibel eine bunte Sammlung von verschiedenen Autoren aus verschiedenen Jahrhunderten. Das führt dann dazu, dass man ziemlich viele Positionen dort vorfindet. Und weil die Bibel so viele Seiten voll davon hat, braucht man reichlich Expertise, wenn man richtig eloquent mit der Bibel argumentieren möchte.

Die Menge ist hier glaube ich Teil des Problems. Das wird mir einfach zuviel. Da ziehe ich es vor, weder die Bibel noch die östlichen Weltreligionsschriften komplett zu lesen. Argumentieren muss ich dann eben rein inhaltlich, aber das ist sowieso mein bevorzugter Argumentationsstil.

@Michael Blume „Mir scheint es aber wichtig zu sein, dass Sie einen Blick auf die lebendigen Auslegungstraditionen zu allen religiösen Texten entwickeln konnten.“

Insgesamt freue ich mich über Menschen wie von Weizsäcker und Steinsaltz, die einen Teil ihrer Weisheit auch aus den religiösen Schriften entwickelt haben. Ein Überblick über das ganze Fachgebiet ist jetzt aber auch zu umfangreich für einen Menschen, wie auch in allen anderen Wissenschaften im 21. Jahrhundert.

Angesichts dessen wäre eine weltweite Glaubensdiskussion wohl praktikabler, wenn man eben möglichst wenig über die Schriften und die vielen möglichen Auslegungen arbeitet und argumentiert. Weil das die Sache immer komplizierter macht, so dass da hinterher kaum noch jemand mehr so richtig durchblickt.

Ich wünsch mir eine religionsübergreifende Glaubensdiskussion mal überwiegend auf Basis der menschlichen Selbsterfahrung und mehr auf Basis der Psychologie und den anderen Wissenschaften. So kann man dann auch Atheisten besser mitnehmen, auf der Suche nach lebbaren Konzepten. Und auf der Suche nach vielleicht auch ganz neuen Mythen, die auch als Fiktionen taugen, die irgendwann in der Zukunft wenigstens die Chance haben, sich sogar in Wissen zu verwandeln.



Kommentar vom 12.05.2020 13:46
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-13-tag-der-befreiung-und-die-juedische-mystik-zur-grossen-rede-von-richard-von-weizsaecker/

@Michael Blume 12.05. 07:18 Auslegungen

Offenbar sind hier die Auslegungen von von Weizsäcker und Steinsaltz auch von hoher Qualität. Neben der Inspiration der alten Texte bietet die Orientierung an den Schriften auch eine gewisse Basis für ein Miteinander. Anderseits kann genau dies dann auch wieder die Menschen trennen.

Neben den verschiedenen Auslegungen der abrahamitischen Schriften gibt es ja noch Laotse, Buddha und Konfuzius, wenn man sich diese auch noch zu Rate zieht, wird es immer schwieriger, hier noch zu einer gemeinsamen Linie zu kommen.

Von daher suche ich am liebsten in der eigenen Erfahrung und in der eigenen Inspiration. Und die Auseinandersetzung mit allen aktuellen Positionen.

So war der Erfinder des Urknalls, ein gewisser Lemaitre, auch wohl nicht ganz zufällig ein Mann der katholischen Kirche. „Und Gott sprach, es werde Licht. Und es ward Licht.“ passt genau zum Urknall. Aber für die Ausarbeitung der ganzen doch recht komplexen Urknalltheorie konnte man dann doch die Bibel weglegen.

Und das mit dem Licht passt auch zur Entstehung des Sonnensystems. Zufällig, wahrscheinlich.



Kommentar vom 11.05.2020 11:36
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-13-tag-der-befreiung-und-die-juedische-mystik-zur-grossen-rede-von-richard-von-weizsaecker/

@Michael Blume

Das war jetzt wirklich ein erhellender Podcast.

Eine Wiederentdeckung der jüdischen Traditionen im Sinne modernen Fortschritts halte ich in der Tat für gewagt. Manch einer kommt auch nicht aus dem Lager der Weltreligionen, und sieht die Dinge aus atheistischem oder auch naturreligiösem Hintergrund ganz anders. Diese Auseinandersetzung mit Gewalt zu führen zu versuchen, wie radikale Dualisten es teilweise vorhaben, ist aber in der Tat grotesk.

Geheimes Wissen wie die Kabbala schützt sich in der Geheimhaltung auch vor Kritik. Und neben dem wohl unvermeidlichem Gekungel innerhalb der Geheimgesellschaften können wir auch mythisch unterstützten Ingroup-Effekt erwarten, der zugleich immer den Outgroup-Effekt nach sich zieht. Die jüdischen Geschäfte gehen vermutlich vor, das Leben der Nichtjuden kommt erst an 2. Stelle, so das, was man zumindest realistischerweise von Geheimgesellschaften erwarten würde.

Nun gut, die Kaballa als geheime mündliche Überlieferung soll ja inzwischen kaum noch geheim sein.

Ich glaube jetzt aber nicht, dass die Juden seit 3000 Jahren wissen, wie die Welt funktioniert. Wer das vorgibt, macht sich womöglich selbst zur Zielscheibe von Idioten – und tut sich damit keinen Gefallen, und der Welt auch nicht so viel. Der Semitismus ist letztlich noch älter als der Antisemitismus.

Kann ja sein, dass man mehr von sich hält als man ist, und dann sogar Ärger dafür bekommt, dass einem das vorgeworfen wird, was man am Ende gar nicht kann. Keine Entschuldigung für Gewalttätigkeiten, aber als Kritik dann dennoch zu bedenken.

Die wesentliche Frage ist die Überwindung des religiösen Dualismus würde ich sagen. Und hier scheint von Weizsäcker und Rabbi Steinsaltz doch ganz gut vorangekommen zu sein. Keine zwei Mächte, sondern eine helle und dunkle Seite der einen Macht eben.

Und wer hat hier jetzt die Macht? Gottes dunkle Seite, die Menschen benutzend, die eine Neigung zur dunklen Seite haben? So kann dann auch Hitler von Gott benutzt worden sein, gemäß seiner eigenen geschädigten Psychologie allerdings. Also doch die Kabbalisten-Weltregierung, und auch eine gleichzeitig dunkle? Nein, Hitler wurde nicht von geheimen Kabbalisten, sondern von der dunklen Seite der Macht selbst benutzt. Das ist der entscheidende Unterschied. Und nicht nur Hitler, sondern seine Gefolgsleute genauso. So, wie es dann ihrer eigenen Psychologie ganz gut entsprach, das waren harte Zeiten, auch für NS-Anhänger. Man hat sich da einfach immer mehr reingesteigert. Und den Untergang gab es dann planmäßig inclusive.

Die Kabbalisten konzentrieren sich wohl eher auf die bessere Hälfte. Und haben wohl eher nur ihre eigenen Vereine im Sinn, mutmaßlich. Keine Weltregierung. Vielleicht ein paar Beiträge zur Weltkultur, das schon. Warum auch nicht.

Der Eindruck, dass die Kabbalisten schon alles wissen, was man wissen muss, ist sicher nicht ganz richtig. Und dass die nur auf die Erlösung warten brauchen, genauso wenig. Die schriftliche Festlegung von Glaubensinhalten, das Kerngeschäft des Semitismus, ermöglicht aber nicht nur die präzise Tradition, sondern kann wohl auch Innovationen erschweren. Mutmaßlich zumindest.

Ich bin beileibe kein Antisemit, aber bei der Suche nach Erkenntnis suche ich nur am Rande in uralten Schriften wie auch nicht in ebenso alten mündlichen Lehren. Wissenschaft, Demokratie und Freiheit sind sehr moderne Errungenschaften, auf dessen Basis die Dinge so sehr anders und neu aussehen, dass die alten Traditionen wirklich in den Hintergrund getreten sind.

Gerade die moderne Umweltproblematik und die immer sinnloser werdende Leistungsorientierung unserer aktuellen Kultur ist eine Situation, die ziemlich neu ist, und die ihre eigenen Lösungen braucht. Auch die Erkenntnisse von Physik und Astronomie verändern unsere Perspektive auf die Welt wesentlich. Und die Psychologie und Hirnforschung ändert die Sicht auf uns selbst. Mythen und Fiktionen brauchen wir aber immer noch – vielleicht aber besser Neue?

Die Zitate von von Weizsäcker und von Rabbi Steinsaltz bezüglich der Geschichte, dass die Nachfahren der Beteiligten aus dem ganzen fast unendlichem Schmerz der Gewalttätigkeiten am Ende doch zu Verständnis und Versöhnung finden können und sollen, fand ich jedenfalls beeindruckend.



Kommentar vom 10.05.2020 15:53
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@Mythensysteme, Missionierung und Fremdbestimmung

Der Mensch braucht Mythen, besser noch Fiktionen, um mit dem klar zu kommen, das er nicht sicher untersuchen kann. Und das ihn dennoch wesentlich betrifft. Jetzt tauchen vielerorts ganze Mythensysteme auf, die versuchen, ein regelrechtes Komplettpaket zu liefern.

Zur Zeit eher nur als Angebot in den demokratischen Ländern, die Religionsfreiheit in ihren Gesetzen stehen haben. Andernorts können spezielle Religionen auch verpflichtend sein, historisch war diese Variante sogar die Regel. Im Mittelalter waren Zustände wie in El-Andalus eine außergewöhnliche Ausnahme, verbreitet war konsequente Verpflichtung auf eine einzige Kirche und deren Mythensystem. Wer dem nicht folgte, riskierte sein Leben.

Im Prinzip kann man sich heute seine eigene Religion zusammenbasteln. Wenn man das will, bzw. Lust dazu hat. Man kann sich überall das heraussuchen, was einem gefällt, oder als besonders nachvollziehbar erscheint, oder was einem einfach in der Wirkung als positiver erscheint. Mir z.B. hat die Idee vom ewigen Leben nie wirklich gefallen, und so habe ich mir eine Alternative überlegt: Wenn ich mein Bewusstsein als eine Synthese meines lokalen Gehirns mit einem kosmischem Geist annehme, kann ich mich nach meinem Tod wieder im kosmischen Geist auflösen. So bin ich entlastet von allen Nebenbedingungen, die über meine konkrete irdische Existenz hinausgehen.

Gleichzeitig bin ich auch alle Ahnengeister los, und in der weiteren Konsequenz auch die zahlreichen kleinen und großen, guten wie bösen Kleingötter. Letztlich sind diese die Konsequenz des Glaubens an ein Leben nach dem Tod, weil irgendwo müssen die ganzen Totengeister ja bleiben. In meinem eigenen Mythensystem sind diese nur in der Fantasie derer vorhanden, die eben das ewige Leben als ihren Mythos gewählt haben, und sind nicht in der geistigen Wirklichkeit real unterwegs.

Missionieren darf man auch in modernen Zeiten, aber man hat dann auch reichlich Konkurrenz dabei. Aber richtig wichtig ist hierbei, dass man sich von allen Missionierungsversuchen fernhalten kann. Als Kind kann das allerdings immer noch problematisch sein. Hier habe ich vielleicht Glück gehabt, dass meine Eltern mich auf diesem Gebiet absolut in Ruhe gelassen haben, und der Religionsunterricht die ersten 6 Schuljahre ausgefallen ist, weil meine Schule keinen Religionslehrer zur Verfügung hatte. Als dann in Klasse 7 erstmalig Religionsunterricht an der Reihe war, war es für mich wohl zu spät: Damit konnte ich überhaupt nichts anfangen.

Einer meiner Kumpels war Moslem und musste deshalb nicht am Religionsunterricht teilnehmen. Also hab ich meiner Mutter ein Schreiben zur Unterschrift vorgelegt, dass ich aus Glaubensgründen nicht am Religionsunterricht teilnehmen kann. Das ging dann auch durch, und das Thema war damit erledigt.

Die aktuellen Verschwörungsmythen mischen sich unter die weltanschaulichen Angebote, und jeder ist im Prinzip selbst dafür verantwortlich, ob er sich davon einfangen lässt. Neben der vielfach sichtbaren Abstrusität wird diese oft mit einer konkret populistischen politischen Agenda verknüpft. Diese Agenda ist hier einerseits von den Verbreitern der Verschwörungsmythen das eigentliche Motiv, aber auch ist es diese Agenda, die auch die eigentliche Attraktivität ausmacht. Hier werden mit dem derzeitigen System Unzufriedene eingesammelt, die auch richtig gute Gründe für ihre Unzufriedenheit haben können.

Das sind in der Regel Menschen, die nicht das Gefühl haben, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Das liegt aber oft nicht daran, dass das hier in diesem System nicht möglich ist, sondern daran, dass sie selber das eben nicht hinbekommen. Die fühlen sich mutmaßlich sowieso nicht selbstbestimmt, die demokratischen Freiheiten können nicht wesentlich genutzt werden. Wir leben eben in einer Leistungsgesellschaft, die für – wenn auch oft nur vermeintlich - Leistungsschwache eigentlich keinen richtigen Platz hat.

Hier kann der Populismus in allen Formen Zustimmung finden. Und die Verschwörungs-Mythensysteme schaffen hier gemeinschaftsstiftende Grundlagen, bei aller Abstrusität und gegen jeden aufgeklärten Verstand.

Vielleicht haben wir nur eine Perspektive, wenn wir wieder mehr Menschen in Freiheit mitnehmen können. Es ist recht schwierig, überhaupt Kinder und Beruf zu vereinbaren, und der Leistungsdruck ist oft so stark, dass man kaum noch hinterherkommt. Wenn dann auch noch die Versprechung von prosperierender Wirtschaft nicht – mehr – eingehalten werden kann, gerät eine Freiheit, die nur das Privileg der Erfolgreichen ist, möglicherweise zum Auslaufmodell.

Der religiöse Dualismus ist sicher ein wesentliches Fundament von radikalen Anschauungen verschiedenster Art, aber er gedeiht unter Unzufriedenen und unter Ausgegrenzten dann doch deutlich besser. Mit mehr und breiterer Bildung auf religiösem Gebiet ließe sich vermutlich das Problem von der anderen Seite her aber auch reduzieren.



Kommentar vom 09.05.2020 14:31
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@Alisier 03.05. 23:01 Religiöser Wildwuchs

„Ansonsten sollten wir für eine Gesellschaft gefährliches Verhalten auch deutlich anprangern und hoch problematischen Positionen nicht zuviel Verständnis entgegenbringen oder sie gar entschuldigen.
Wie Michael Blume weiter oben bereits schrieb: auf die Selbstviktimisierung der AntisemitInnen hereinzufallen sollte keine Option sein..“

Im Sinne von immer vielfältigen Mythen kommt der Mensch auf alle möglichen Ideen. Nicht nur die Traditionen sind sehr vielfältig, auch neue Ideen die Realität der Geisteswelt betreffend sind stets in Produktion und in den Medien zu beobachten. Dazu gehören auch problematische Konzepte.

Aber wie sollen wir das verbieten? Ein erweiterter Radikalenerlaß, eine rechtsverbindliche neue Inquisition? Auf jeden Fall kann z.B. scilogs.spektrum.de so vorgehen, dass sie Beiträge nicht veröffentlicht, wenn der Verlag und seine Autoren das nicht wollen. Da hat ja jetzt niemand Anspruch darauf.

China löst das Problem mit dem Verbot von Beiträgen, die nicht der Wahrheit entsprechen. Wer Unwahrheiten verbreitet und mehr als 1000 Leser hat, macht sich dort strafbar. Das Problem ist hier, dass die Wahrheit öfter nicht so leicht zu ermitteln ist. Insbesondere bei religiösen Mythen ist das sehr schwierig. Weil eben Mythen genau da genutzt werden, wo eben die Realität nicht mehr eindeutig feststellbar ist. Ich weiß jetzt nicht, wie China mit diesem Problem umgeht. Wenn man hier konsequent wäre, müsste man auch die Bibel nur in zensierter Form veröffentlichen dürfen, mit reichlich geschwärzten Passagen.

Wenn ich alles verbiete, dessen Wahrheitsgehalt nicht gesichert ist, verbiete ich de facto jegliche Äußerung religiöser Inhalte. Das kanns jetzt echt nicht sein. Und selbst Neuigkeiten auf dem Gebiet der Wissenschaften sind anfangs unsicher, oft umstritten und erweisen sich im Nachhinein als Unfug. Aber die öffentliche Diskussion ist gerade in diesem Fall absolut wesentlich. Wenn wir hier Verbote einführen würden, würde das auch den Fortschritt der Wissenschaften behindern.

Eine freie öffentliche Diskussion ist richtig wesentlich. Für die Gesellschaft gefährliche Positionen dürfen denn ja auch öffentlich angeprangert werden, und ausdiskutiert werden. Da können sich die Verschwörungsgläubigen auch beschweren so viel sie wollen, wenn sie hier auf öffentlichen Widerstand stoßen, der auch schmerzhaft sein kann.

Wir müssen hier wohl auf den Kampf mit Argumenten setzen. Von Unfug freihalten kann man nur die Webseiten, die einem selber gehören. So weit man das denn möchte. Immerhin finde ich es hier auf scilogs interessant, auch mal die Schwurbler im Original zu lesen, und die jeweiligen Inhalte dann auch zeitnah diskutieren zu können. Nur zu viel des Unsinns ist dann nicht mehr lesenswert, insbesondere wenn hier Inhalte ständig wiederholt werden, oder ganz klar falsche Fakten vertreten werden.



Kommentar vom 07.05.2020 14:34
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-10-regiert-die-cia-ueber-den-vorwurf-des-verschwoerungstheoretikers-die-deutschen-medien/

@little Louis 06.05. 20:32 Volksseele und Hochfinanz

„Denn er glaubt wie diese eben, dass der evolutionäre Kampf der der “Nationalgeister” in den Nationalethnien irgendwann schon zeigen wird, wer das wahre von Gott oder der Evolution wirklich “AUSERWÄHLTE VOLK ” ist.“

Die Volksseele ist zwar ethnisch konstruierbar, und damit theoretisch auch genetisch mitbedingt. Aber eigentlich ist die Volksseele ein Kulturprodukt aus Schulbildung und massenmedialer langjähriger Berieselung. In diesem Sinne dann auch gar nicht konsistent existent im Sinne eines geistig realen Objektes, sondern nur psychologisch-statistisch als ein reines Fragebogen-Objekt in der Fantasie des Menschen existent.

Was nicht heißt, das es keinen Sinn macht, wesentliche Teile des politisch zu Regelnden national anzugehen. Insbesondere insofern eben die internationale Organisation nicht hinreichend existiert.

„Er begreift aber nicht, dass es sowohl eine etnisch-nationalistisch- finanzkapitalistische (Hochfinanz-)Weltdiktatur geben kann als auch eine Hochfinanz-Weltdiktatur die sich zur Tarnung humanistisch – internationalistisch gibt.“

Die angesprochene Hochfinanz wiederum ist auch recht undefiniert. Es gibt Milliardäre, aber auch ein Heer von Millionären, die zusammen die Spezialinteressen von eben den Menschen repräsentieren können, die die Eigentümer dieser Welt sind. Der gemeinsame Nenner ist hier Kapitalerhalt und Kapitalvermehrung.

Insofern agiert hier das von Lobbyisten vertretene Kapital tatsächlich im eigenen Interesse, und auch tatsächlich öfter auch gegen die Interessen derer, die selber kein Vermögen haben. Und das dann auf vielfältigste Weise. Eine gewisse „Verschwörung“ ist hier wohl faktisch, aber das ist auch als legitime Vertretung von natürlichem Eigeninteresse einzuschätzen. Mit durchaus auch gemeinnützigen Anteilen, schließlich kann auch die Gesamtgesellschaft davon profitieren, wenn Kapital sorgsam eingesetzt wird und sozusagen gut gepflegt werden kann.

Aber das geht natürlich auch schnell gegen das Gemeininteresse. Trump z.B. hat mit als erste Aktion die Unternehmenssteuern weiter gesenkt, was dann auch negative Auswirkungen auf den Wohlstand derer hat, die eben keine Kapitaleinkünfte haben.

Eines ist wohl hier dabei real: die „Gesamtfinanz“ ist international wesentlich besser vernetzt als es die Regierungen der Nationalstaaten sind. Insbesondere sind hier große Banken und auch große Konzerne aktiv, und zuweilen in der Lage, die Nationalstaaten gegeneinander auszuspielen. Ganz schnöde bei den Unternehmenssteuern, und auch bei den Arbeitnehmerrechten sowie teilweise bei der Ausstattung und Ausgestaltung der nationalen Sozialsysteme.

Der Begriff Hochfinanz ist hier m.E. irreführend. Auch die Millionäre und die Kleinanleger spielen hier kraft ihres Kapitals über die Organisation der Banken, wo sie ihr Geld angelegt haben, fast genauso mit wie die Milliardäre.

Zu Tarnen gibt es da so viel auch wieder nicht. Nur dass die von den Lobbyisten beeinflusste bzw. auch mal korrumpierte Politik natürlich fleißig dabei ist, möglichst viele Argumente zu finden, womit sie ihre neuesten Zumutungen als im Sinne des Gemeinwohls hinstellen können. Angesichts dieser Bemühungen, die sich über die Jahrzehnte akkumulieren, bildet sich auch ein nicht unwesentlicher Teil der „Volksseele“ heraus. Sozusagen als Nebenwirkung der Arbeit des Kapitals an seiner eigenen Pflege und Vermehrung.

Immerhin haben die Banken und Konzerne und ihre hilfreichen Politiker aber nicht alles in der Hand. Was der einzelne Mensch glaubt und denkt, entscheidet er stets immer noch selbst. Es gibt sicher Dinge, die man den Menschen erfolgreich einreden konnte, aber da ist der Mensch doch immer wieder widerspenstig, und macht und denkt dann doch was er selber will.



Kommentar vom 06.05.2020 01:05
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-12-die-guten-mythen-von-star-wars-dank-an-george-lucas-joseph-campbell/

@Michael Blume Verschärfung des Extremismus

Der eigentliche Denkfehler, bzw. die ungute Tradition ist der religiöse Dualismus. Erst dieser macht den Verschwörungsmythos lebendig: Ohne wirklich geistige Kräfte funktionieren die meisten Verschwörungen nicht. Erst daraus folgt wieder der Antisemitismus, ohne Dualismus und Verschwörung macht dieser alleine keinen Sinn.

Also am besten anfangen, den Dualismus aufzuklären und auch gerne Religionswissenschaftlich angehen. Besser man erledigt das nicht einfach mit dem ansonsten in der Wissenschaft verbreitetem Hinweis, dass überhaupt irgendein Geist nur in der Fantasie des Menschen existiert. Damit kann man Menschen, die grundsätzlich Geist im Leben erfahren und erwarten, nicht erreichen. Besser man geht hier auf die Details der jeweiligen religiösen Ansichten ein. Ihr Hinweis ist hilfreich, Mythen eben danach zu hinterfragen, ob sie denn in der Auswirkung hilfreich sind. Ich würde dem noch hinzufügen, das Mythen noch besser sind, wenn sie eventuell sogar als ernstzunehmende Fiktion taugen können.

Hier fehlte wohl das Schulfach Religionswissenschaft, der reguläre konfessionelle Religionsunterricht hat wohl nicht gereicht, dass die Schüler auf religiösem Gebiet ausreichend Kompetenzen erworben haben. Das wäre eine Idee für die Zukunft, aber das nützt uns kurzfristig nichts.

Bleibt zu hoffen, das der Überbietungswettbewerb im Internet die Schwurbelei in immer noch größere Grotesken treibt, dass nach und nach immer mehr Menschen, die noch einen Restverstand behalten haben, dann doch mal merken, dass sie sich inzwischen ziemlich weit von der Wirklichkeit distanziert haben. Und dass das zu nichts Gutem führen kann.

Sie schrieben, dass neue Medien den Extremismus schon öfter gefördert haben, und das in diesem Sinne die Nationalsozialisten mithilfe des damals neuen Mediums Radio groß geworden sind. Ich bin mir jetzt nicht sicher, aber als das Radio rauskam, waren die da nicht schon längst an der Macht? In jedem Fall war das Medium Zeitung in der Weimarer Republik für die meisten Menschen auch recht neu. In der Zeit davor hatten die meisten Menschen kaum Geld sich Zeitungen zu kaufen und auch kaum Zeit zum lesen.

Jedenfalls waren die Straßenkämpfe in der Weimarer Republik auch auf das Chaos der damaligen Zeitungslandschaft zurückzuführen. Da fehlte jede Linie, da wurde aufeinander gehetzt bis auf Blut und wohl auch reichlich Desinformation verteilt. Das hat sich nach dem 2. Weltkrieg geändert, seitdem haben die etablierten Printmedien fast immer pro Demokratie gearbeitet, und das mit der Zeit auch eher immer mehr.

Das Internet macht hier nicht mit, die Zeitungsverlage haben hier nichts zu sagen, hier kann jeder reinsetzen was er meint veröffentlichen zu müssen. Man hat einfach nicht die Kosten, die man für eine entsprechende Auflage an Printmedien aufwenden müsste, man muss nur Arbeit investieren, wenn man was diskutieren oder bewegen will. Das geht mir selbst nicht anders.

Und die großen US-Datensammler fördern noch nach Kräften alles, was eben noch eins drauf setzt – und vielleicht noch zusätzlich direkt gegen die EU, in eigener Sache ihres datensammelnden Geschäftsinteresses.



Kommentar vom 05.05.2020 13:03
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-12-die-guten-mythen-von-star-wars-dank-an-george-lucas-joseph-campbell/

@Starwars Dramaturgie

Wir haben hier einen Krieg und einen Kampf um die Macht von einer kleinen spirituellen Elite, die wichtigsten Schlachten werden am Ende Mann gegen Mann mit dem Laserschwert ausgetragen. Die galaktische Bevölkerung ist nur Zuschauer, was die Glauben und wie deren spirituelles Leben aussieht, kommt in der Geschichte praktisch nicht vor. Missioniert wird schon mal überhaupt nicht: Der Jediritter braucht viel von diesen die Macht vermittelnden Molekülen im Blut, wer die nicht hat, kann keinesfalls mithalten, auf der guten wie der dunklen Seite nicht.

Na gut, das ist eine Geschichte für den Kinosessel. Aber das Konzept von den zwei Seiten der Macht in einer einzigen Geisteswelt ist m.E. weiterführend. Wobei es rätselhaft bleibt, wieso die gute Seite einerseits von den Plänen des Bösen die ganze Zeit offenbar nichts mitbekommt, und am Ende den Kampf doch gewinnt, weil Darth Vader im letzten Moment die Seiten wechselt, und mit dem Tod des Imperators das ganze Problem aus der Welt ist. Zumindest für ein ganzes neues Zeitalter des Friedens, das dann am Ende der Filmgeschichte auch in galaktischen Scalen gefeiert wird.

Das ist hier ein grundsätzliches Problem mit der Dramaturgie, deren Entfaltung fast zwangsläufig mehr oder weniger Unlogisches in Kauf nehmen muss.

Die Bezüge zur Wirklichkeit sind aber dennoch interessant. Das Böse ergibt sich aus der Psychologie des konkreten Menschen, ist diese problematisch, setzt sich das bis in den Bezug zur Geisteswelt fort. Insbesondere ist der konkrete Mensch in sich individuell mit der Geisteswelt verbunden, und in jeder Person vereinigt sich lokal die Biologie mit einem Anteil an der Geisteswelt. Um diese Synthese zu kultivieren, gibt es dann auch die langjährige Ausbildung zum Jediritter.

Das bietet in der Tat eine mögliche Lösung des Problems der Theodizee. Gott geht eine Synthese mit jedem Individuum ein, und das Ergebnis ist was ganz Spezielles und zugleich was weitgehend Selbstverantwortliches. Die Unterstützung seitens der Geisteswelt ist hier im Film vor allem im Kampf mit dem Laserschwert umgesetzt – das fordert wieder die Dramaturgie.

Im realen Leben geht es eher um Gesundheit, erfüllendes Miteinander und um Inspiration. Der Bedarf an großen Kriegern ist in der Moderne begrenzt.

Der religiöse Dualismus ist in der Starwarserzählung nicht ganz außen vor, aber mit einigem Wohlwollen ist er nur der Dramaturgie wegen so prominent dabei, und in der Summe dann doch recht reduziert, würde ich sagen. Es gibt eben keine eigene böse Geisteswelt, nur vereinzelte böse Menschen, die aber dennoch zuweilen erhebliche Probleme verursachen können.

Dass diesen bösen Menschen ganze Völker mit in den Untergang folgen, soll es ja tatsächlich schon gegeben haben. Hier empfiehlt es sich mitzudenken, und sich sorgfältig zu überlegen, wem man denn folgen will. Diese Verantwortung nimmt uns keine Geisteswelt ab. Inspiration kann sehr wirksam sein, muss aber unbedingt auch in schlüssige Konzepte umgesetzt werden, und das führt dann erst zur vernünftigen Urteilsfindung.



Kommentar vom 05.05.2020 00:20
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-10-regiert-die-cia-ueber-den-vorwurf-des-verschwoerungstheoretikers-die-deutschen-medien/

@Dietrich von Bern 03.05. 19:36 Unabhängige Zentralbanken

„Ach ja, und wieso sind sie dann ‘unabhängig’, das Codewort für ‘Privat'”. Die private US-Fed, die mächtigste ‘Zentralbank’ dieses Planeten (neben der privaten BIS, Basel) muss noch nicht einmal irgendwelche Bilanzen vorlegen.“

Bei Wikipedia steht:
„Der Präsident der Europäischen Zentralbank ist der Leiter der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese Institution ist verantwortlich für den Euro und die Geldpolitik in der Euro-Zone der Europäischen Union.
Der Präsident ist Vorsitzender des EZB-Direktoriums, welches die Geschäfte der EZB führt und sich um die Durchführung der Beschlüsse des EZB-Rates kümmert. Außerdem repräsentiert er die Bank im Ausland, zum Beispiel beim G-20-Gipfel. Der Präsident wird vom Europäischen Rat gewählt. Die reguläre Amtszeit beträgt acht Jahre, eine Wiederwahl ist ausgeschlossen.“

Also Privat geführt ist die Europäische Zentralbank schon mal nicht. Was die USA macht, ist sowieso im amerikanischem Interesse, aber deswegen auch etwas weiter weg.



Kommentar vom 04.05.2020 14:25
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-10-warum-antizionismus-antisemitismus-ist/

@Alisier 03.05. 23:01 Corona-Überreaktion

Die Einschätzung der Gefährlichkeit von Covid19 in Abwägung zu der Verhältnismäßigkeit der Gegenmaßnahmen kann durchaus recht verschieden ausfallen, meine ich.

Nach den neuesten Zahlen haben wir in Deutschland 10 mal so viele bisher Infizierte als wie die registrierten Zahlen. Somit kommen wir auf 1,8 mio bisher Infizierte, das sind 2,2% der Bevölkerung. Gegenüber den 70% der Bevölkerung, die infiziert werden müssen, bis sich dass das Virus von selber nicht weiter verbreitet. Wenn man die Gesamtsterblichkeit von 0,37% darauf rechnet, wären dann maximal 210.000 Todesfälle möglich, wenn hier weder Medikamente noch Impfstoffe zur Hilfe kommen.

Der Lockdown wurde anfangs damit begründet, dass die Infektionskurve so flach gehalten werden muss, dass nicht auch noch die Krankenhäuser überlastet werden. Dieses Ziel hatten wir schon nach 3 Wochen Lockdown mehr als erreicht, und seit dem hört man, dass die Infektionsrate so niedrig wie möglich gedrückt werden soll. Ich halte das für übertrieben. Dass die Krankenhäuser nicht überlastet werden sollen, finde ich aber angemessen.

Ebenso waren die veröffentlichten Infizierten- und Todesfallzahlen immer schon bis zu 14 Tage alt, was aber so nicht kommuniziert wurde. Dadurch entstand ein Eindruck vom Ausmaß der Krise, der entschieden übertrieben war.

Demgegenüber treffen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemiegegenmaßnahmen die Menschen sehr unterschiedlich, je nach persönlicher Situation. Wer einfach reichlich Geld hat, dem ist hier die Gesundheit auch vergleichsweise wichtiger. Genauso muss einer Arbeitslosigkeit nicht fürchten, wenn er so gut qualifiziert ist, dass er sofort einen neuen Arbeitsplatz findet, falls seiner den Coronagegenmaßnamen zum Opfer fällt.

Deswegen sieht hier die Einschätzung der Angemessenheit der Maßnahmen angesichts der persönlichen Situation der Entscheidungsträger ganz anders aus, als wie der Menschen, die wirtschaftlich nicht so gut da stehen. Dazu gehören auch die meisten Personen, die zu rechtsradikalen Auffassungen neigen.

Wir haben hier einen Prioritäten-Konflikt meine ich, mit oder ohne Rechtsradikale.



Kommentar vom 03.05.2020 13:04
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-10-regiert-die-cia-ueber-den-vorwurf-des-verschwoerungstheoretikers-die-deutschen-medien/

@Dietrich von Bern Zentralbanken

Ich denk, die Zentralbanken der Staaten werden von den jeweiligen Regierungen kontrolliert. Nicht von geheimen Satanisten.

Dass aber die Großkapitalisten auch mal einzelne Staaten abstrafen, indem sie da nicht mehr investieren, wenn ihnen z.B. die Unternehmenssteuern erhöht werden, das kann ich mir ganz gut vorstellen. Aber was wollen Sie dagegen machen? Das ist denen ihr Geld.

Wenn hier die EU gut zusammenarbeitet, dann kann sie dieses Problem zumindest reduzieren. An der ganzen EU kommen die Großkapitalisten nicht so leicht vorbei. Das kostet sie dann zuviel Geld, wenn sie hier mit ihren zurückgehaltenen Investitionen dann auch mögliche Geschäfte versäumen.

Ganz davon abgesehen müssen wir uns nicht erpressen lassen. Etwas weniger Investitionen können wir zumindest in Deutschland m.E. sogar gerne gebrauchen: Die damit wegfallenden Arbeitsplätze werden auch dazu führen, dass wir weniger Facharbeitermangel und weniger Mangel bei den Altenpflegern haben, und dass auch eine Menge Arbeitsmigranten wieder nach hause fahren werden. Insbesondere wenn die Großkapitalisten die entsprechenden Investitionen dann in den Herkunftsländern der Migranten tätigen. Irgendwohin müssen die ja ausweichen, wenn sie ihre Geschäfte machen wollen.

Und ich glaube, dass hier nur ganz ausnahmsweise was anderes als gute Geschäfte angestrebt werden. Nicht dass das ganz unproblematisch wäre. Aber das ist letztlich zentraler Bestandteil der aktuell gelebten Kultur, und wird auch von den meisten Menschen im eigenen Verantwortungsbereich selten anders praktiziert.



Kommentar vom 03.05.2020 00:46
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/in-eigener-sache-forschungsgemeinschaft-nun-auch-zu-schadensersatz-verurteilt/

@Elektroniker 02.05. 16:05

Interessant ihre Beobachtung, dass Vektoren in einem Computermodell eine Ähnlichkeit mit Nervenzellen haben. Eine Nervenzelle zeigt ja auch immer irgendwo hin. Was die Bildgebenden Verfahren angeht, so schätze ich aber, dass deren Bildauflösung mindestens tausende von Nervenzellen in einem Pixel zusammenfassen muss. Und wie diese Nervenzellen jetzt lokal verschaltet sind, und wohin die überall hinzeigen, das kann ja 10cm weit sein, das können diese Bildgebenden Verfahren leider noch lange nicht abbilden.

Eine Forschergruppe hat ein winziges Stückchen Mäusegehirn scheibchenweise mit dem Elektronenmikroskop kartiert und daraus dann ein 3D-Computermodell erstellt, in dem jedes Stückchen Dendrit und jede Synapse detailliert zu bestaunen ist.

Wenn dies und weitere derartige Arbeiten noch dazu führen, die Prinzipien des Konnektoms zu enträtseln, dann kann ich mir vorstellen, wie hier in der Kombination mit den Bildgebenden Verfahren dann doch noch recht viel darüber zu erfahren ist, wie wir wirklich funktionieren.

Vorerst allerdings müssen wir uns in der Praxis mit psychologischen Werkzeugen begnügen, um uns zu verstehen und uns gegenseitig zu helfen. Abgesehen von den paar hilfreichen Medikamenten gegen einzelne psychische Schwierigkeiten. Und unser Miteinander mehr in den Blick nehmen, es besser verstehen, und an diesem Miteinander konkret arbeiten. Genau das ist jetzt wiederum so naheliegend, dass auch die beste zukünftige Hirnforschung uns wohl eher nur bestätigen wird, dass es uns vor allem dann besser geht, wenn unser Miteinander gut funktioniert.

@Stefan Schleim

Glückwünsche, dass die Forschungsgelder doch noch kommen.

„In meinem Forschungsprojekt sollte es darum gehen, warum der Schluss von einer gemessenen Hirnaktivierung auf die damit (mutmaßlicherweise) verbundenen psychischen Vorgänge eigentlich so schwierig ist.“

Das ist eine sehr interessante Frage, finde ich. Dazu fällt mir ein, dass die psychischen Vorgänge, die in der eigenen persönlichen Innenwelt sichtbar werden, also die Inhalte unseres aktuellen Bewusstsein, gar nicht rein materiell sein müssen. Mir erscheint die Fiktion als hilfreich, dass das menschliche Bewusstsein erst aus einer Synthese des lokalen Gehirns mit einem allgemeinen kosmischem Geist hervorgeht. Damit kann ich mir sprirituelle Erfahrungen verschiedenster Art erklären.

Für Ihr Projekt hieße das, das es einerseits noch schwieriger wird, wenn das kosmische Bewusstsein da auch immer wieder mal mitmischt. Aber auch wieder einfacher, wenn man denn erklären will, wie Bewusstsein im Detail auf der Ebene der Nervenzellen funktioniert: Nach meinem Modell kommt hier der kosmische Geist zur Hilfe und übernimmt wesentliche Funkionen der Bewusstseinsbildung.

Ich bin mir da nicht sicher, dass das so ist. Aber die weitere Forschung könnte zeigen, was bei der Bewusstseinsbildung wirklich vor sich geht.



Kommentar vom 02.05.2020 15:20
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-10-warum-antizionismus-antisemitismus-ist//

@Alisier 02.05. 08:17 Weitere Aspekte des Antisemitismus

„Deswegen mein “Ja, ich stimme zu!”, aber das war noch längst nicht alles. Irgendwas ist uns allen bisher entgangen, und es könnte entscheidend sein, um diesen hartnäckigen und gefährlichen Verschwörungsmythos endlich zu zerschlagen und unattraktiv zu machen.“

Ein paar Ideen dazu, was hier noch passiert:

1. Lebensfrust und Abrisslust: Es gibt hier durchaus eine Menge Leute, denen ihr Leben nicht sonderlich gelingt. Neben dem Rat, sich eben noch mehr anzustrengen, sich selbst zu optimieren, und aus sich mehr zu machen, entwickelt sich die alternative Idee, die Lust, einfach mal richtig abzureißen.

2. Religiöser Dualismus als Grundneigung: Eine einheitliche Geisteswelt, die grundsätzlich gut ist, und daraus folgend alles Schlechte aus des Menschen Unvermögens zu erklären ist, wird nicht von jedem bevorzugt. Eben gerade das eigene und der Mitmenschen Ungute dem Bösem Geist und dessen Anhängern zuzuschieben, und damit die Auseinandersetzung mit sich selbst und seinen Lieben und Mitstreitern zu vermeiden, gehört zu den möglichen Grundneigungen des Menschen.

3. Überforderung mit der vielfältigen Kultur unter gleichzeitig starkem Leistungsdruck: Wir leben in dieser offenen Gesellschaft, und haben hier grundsätzlich das Problem, dass wir einerseits einen hohen Leistungsdruck haben, wenn wir beruflich was werden wollen. Und andererseits erfordert die Pluralität und Multikulturalität viel Bildung und Mitdenken, wenn man sich hier ein halbwegs schlüssiges Weltbild machen will. Und beides zugleich ist für ziemlich viele überhaupt nicht mehr zu leisten. Diese Überforderung macht Alternativen verlockend.

4. Sammelbewegung grundsätzlicher Abneigung der aktuellen Verhältnisse: So gibt es einen Menge Gründe, die derzeitige Kultur abzulehnen, und innerlich aufzugeben. Der Verschwörungsmythos von Umvolkung und satanistischer Weltregierung liefert hier eine Art Abschiedsbrief an die Beziehung zur disziplinierten Vernunft. Die antisemitischen Traditionen können hier problemlos aufgewärmt werden, sobald der Mensch die Vernunft so weit aufgegeben hat, dass er die Katastrophen der Vergangenheit hinreichend ausblenden kann.

5. Bildungskatastrophe: Die Leistungsgesellschaft hat sich längst selbst zerstört. Im Bestreben, die jungen Menschen immer leistungsfähiger zu machen, hat man in der Schule und auch an den Universitäten mit durchgreifendem Erfolg eine eindimensionale Ausrichtung zu beruflich verwertbarer Leistungsfähigkeit installiert. Das geht zu Lasten der nötigen Bildung, die es braucht, um seine Lebenswelt außerhalb beruflicher Anforderungen mit einem lebbaren Konzept auszustatten. Das einzige, was man hier lernt, ist einkaufen.

6. Keine Zukunftsperspektiven: Wer es jetzt nur so gerade geschafft hat, im unterem Bereich der Arbeitswelt einen Platz zum Leben zu finden, muss den möglichen sozialen Abstieg besonders fürchten. Weil er überhaupt kein Konzept dafür hat, wie er leben soll, wenn er doch noch in Harz4 abrutscht. Die Angst davor kann den Verstand kosten. Die sogenannten Harz4-Looser, die von Anfang an nicht hinterherkommen, sind ja gerade Menschen, die eben nicht in die Leistungsgesellschaft mit voller Hingabe eingestiegen sind, die haben sich mehr mit dem Leben jenseits der Arbeitswelt auseinandergesetzt. Wirklich abstürzen tun die, die mit Haut und Haaren versucht haben, hier ausreichend leistungsfähig zu werden, und dann doch durchs Raster fallen – weil sie gesundheitlich nicht mehr hinterherkommen, oder einfach nur einen Beruf gewählt haben, der künftig wegfällt.

7. Coronapleite: Mitten in diese prekäre Situation unserer Kultur kommt jetzt die große Corona-Pleitewelle. Man kann es als eine gewisse Dekadenz ansehen, wie sensibel hier auf eine verschärfte Grippewelle reagiert wird. Im Versuch, das medizinisch optimale durchsetzen zu können, wird hier offenbar die Gefährlichkeit der Pandemie in der öffentlichen Darstellung um einiges übertrieben. Die Entscheidungsträger leben meist in Verhältnissen, in denen ein vorübergehender Einkommensverlust kaum Auswirkungen hat. Andere wird das mehr betreffen.



Kommentar vom 01.05.2020 14:05
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-10-regiert-die-cia-ueber-den-vorwurf-des-verschwoerungstheoretikers-die-deutschen-medien/

@Alubehüteter 30.04 19:58

Das Unwesen der Lobbyisten und auch der großen Datensammler gerät jedenfalls aus dem Fokus, wenn man sich hier nur jüdische Akteure herauspickt, oder noch satanistische Elemente fantasiert, die einen Großteil dieses Unwesens steuern sollen.

Den wirklichen Akteuren wird das auf jeden Fall recht sein, wenn man hier gegen Windmühlen anrennt. Und die Diskussionen damit vollgestopft werden.

Dieses reale Unwesen jedenfalls ist keine Geheimverschwörung. Das ist recht öffentlich. Ich erinnere mich an die Verschärfung des Mietrechts vor einigen Jahren, da hat der Verein der Grundeigentümer öffentlich dafür geworben, dass das ihr Gesetz ist, was da neu gemacht worden ist. Auch die Initiative Neue soziale Marktwirtschaft war nicht geheim, und doch verheerend.

Und dass die Datensammler ihre Daten für alles nutzen, was Geld bringen kann, ist wohl klar und selbstverständlich, das ist keine Geheimverschwörung, sondern simpel selbstverständliches unternehmerisches Handeln.

Und dass die Datensammler alle ihre Daten mit der NSA teilen, ist auch kein Geheimnis, sondern Normalität.

Hier sollten wir uns mal überlegen, wie wir dieses recht öffentliche Unwesen, das vom Wesen her als korruptionsartig einzustufen ist, reduzieren können. Und nicht mit fantasierten Verschwörungen unsere Zeit und Energie verschwenden.



Kommentar vom 01.05.2020 01:05
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-9-adolf-hitler-als-rothschild-verschwoerer-der-libertaere-antisemitismus/

@Michale Blume Gute und Schlechte Mythen

Genau: „Man muss gute und schlechte Mythen zu unterscheiden lernen, ebenso wie haltbare und unhaltbare Theorien.“

Hierbei ist zunächst interessant, wohin uns ein Mythos führt, wenn wir ihm glauben. Gibt uns das Halt und Vertrauen, oder macht das Angst? Gibt uns das Freiheit oder führt das in die Knechtschaft? Und führt das zu Frieden, oder in den Krieg?

Die zweite wichtige Frage ist, ob das denn überhaupt irgendwie möglich ist, auch wissenschaftlich gesehen. Kollidiert das mit wissenschaftlicher Evidenz? Ist das mit der eigenen Lebenserfahrung vereinbar? Ist das in sich halbwegs schlüssig?

Die dritte Frage ist, wieweit ist ein Mythos schon bekannt, nicht ungeläufig oder sogar verbreitet? Das ist ja ein Vorteil, man kennt das schon und muss das nicht ewig erklären. Aber die ersten beiden Fragen gehen hier klar vor. Was nützt das Geläufige, wenn es Unsinn ist.

Die Frage, ob es schon in der Bibel steht, kommt finde ich als letztes. Die Orientierung an der lebendigen Wirklichkeit ist eine andere Kategorie als ein geschriebenes altes Buch – auch wenn es vorgibt die ewige Wahrheit zu sein. Das glaube ich einfach nicht, eben weil es nach meinem Urteil ein schlechter Mythos ist. Inspirierend ist die Bibel sicherlich, und mit vielen Weisheiten gespickt, auch. Aber als Autorität gegenüber dem eigenen Urteil nicht berechtigt, und damit als eigenständige Evidenz in Diskussionen nicht zulässig.