www.introspektiva.de - Tobias Jeckenburger: Die Reise des Kosmos - Online-Diskussion - KLuW e.V.: Die Wirklichkeit psychischer Krankheiten

Meine Kommentare auf scilogs.spektrum.de 2022/09 (T.J.)


Kommentar vom 26.09.2022 14:21
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/tag-der-weissen-rose-in-crailsheim-gedenkrede-fuer-den-ermordeten-hans-scholl/

@Frankfurter 25.09. 13:25

„Vorschlag also von allen Seiten abgelehnt.
Haben Sie keinen Besseren?“

Im Moment nicht. Dann geht die Schießerei erstmal weiter, bis sich die Frontlinien so verändern, dass alle zufrieden sind. Oder, weil das ja gar nicht möglich ist, bis nach Jahren allen Beteiligten die Lust vergeht. So viele Tote, und Kosten, und Wirtschaftskrieg, und das darum, ob jetzt wer irgend jemand anderen verwalten darf, der dazu gar keine Lust hat, sich verwalten zu lassen.

Das geht zunächst an die Adresse Putins. Selbst wenn er längst gewonnen hätte, wäre die Auswirkung auf das eigene Gemeinwesen Russlands minimal. Ebenso wäre eine Befreiung der Krim ein Bärendienst für die Krimbewohner. So weit ich das mitbekommen habe, wollen die tatsächlich lieber zu Russland gehören.

In den anderen besetzten Gebieten ist die Lage diesbezüglich nicht ganz klar, scheint mir.

Immerhin ist das Ergebnis von militärischer Gewalt eben wenigstens faktisch, und kann Fragen einfach entscheiden. Ob zum Besseren oder nicht, jedenfalls entscheiden.

Nicht gut wäre, wenn Russland zu taktischen Atomwaffen greift, weil es sich anders nicht mehr halten kann. Das Ausmaß von Zerstörung würde dann die Kosten auf beiden Seiten derart erhöhen, das auch das Ausmaß an Unsinn dieser Verwaltungsstreitigkeiten völlig ausufern würde.



Kommentar vom 26.09.2022 00:34
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/sind-hirnscans-nur-kaffeesatzleserei/#comment-76128

@reutlinger 25.09. 16:17

„Die Naturwissenschaft muss selbstverständlich versuchen, zumindest teilweise Determiniertheiten zu erkennen, um Experimente und Vorhersagen machen zu können. Andernfalls wäre es keine Naturwissenschaft!“

Ich dachte, Naturwissenschaft will vor allem die Natur zunächst mal genau untersuchen, und das ergebnisoffen. Als Newton seine Gravitationstheorie vorgestellt hat, war man zunächst etwas erstaunt, dass sich nicht nur die Astronomie so ordentlich mathematisch fassbar regelmäßig verhält, sondern es auch auf Erden sehr ordentlich zugehen kann. Später kamen immer mehr Naturgesetze zum Vorschein, bis dass man gegen Ende des 19. Jahrhunderts so erfolgreich war, das man auf die Idee kam, alles zwischen Himmel und Erde müsse nach für uns fassbar mathematischen Regeln ablaufen.

Das, denke ich, ist aber nicht der Fall. Wir kennen nur die Bereiche, die entsprechend fassbar sind, auch weil viele Naturwissenschaftler meinen, dass man was anderes nicht mehr suchen muss.

Natürlich ist es berechtigt, bevorzugt nach derart Regelmäßigem zu suchen, weil man das eben gut kann und es auch hinterher gut anwenden kann. Aber die Welt ist eben größer, und nicht nur in der Biologie geht es öfter wilder zur Sache, als dass es sich in determinierter fassbaren Weise untersuchen ließe. Man kennt hier nicht die ganzen Kausalketten, und gibt sich praktischerweise mit einfachem Beobachten und Beschreiben zufrieden, einfach weil mehr oft nicht drin ist.

Wir kennen halt nur das Fassbare und Regelmäßige, weil wir nur danach gesucht haben. Wollen wir mehr, dann müssen wir das auch suchen. Die Wirklichkeit hat genug davon, sogar im simplen alltäglichem Leben kann vieles recht chaotisch sein, und trotzdem richtig gut funktionieren, indem es voller Geist sein kann, der mithilft.

Entsprechend versucht der Mensch seit Jahrtausenden auch an seiner Beziehung zu Geisteswelten zu arbeiten. In einer voll technisierten Welt mag das aus dem Blick geraten, muss es aber nicht. Die fMRT-Forschung ist vor allem teuer, bringt aber nicht viel. Die Psyche des Menschen kann man aber eben auch psychologisch und sozial angehen, und hier ist Beziehung ein wesentliches Element. Auch zu Geisteswelten.



Kommentar vom 25.09.2022 15:33
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/sind-hirnscans-nur-kaffeesatzleserei/#comment-76104

@Stegemann 25.09. 14:45

„Tatsache ist aber, dass das Gehirn nur aus Hardware besteht, oder? Alles andere sind, wie reutlionger schon gesagt hat, Abstraktionen.“

Ja aber ohne Abstraktionen sind wir doch dumm wie Brot.

@Elektroniker 25.09. 15:01

„Sehe es wie Sie. Aber es wird kaum jemand behaupten Software wäre ein „Ding“.“

Wenn ich jetzt 2 Wochen mit PHP an einer Webseite gearbeitet habe, das Ding funktioniert und jetzt im Netz ist und von den Nutzern verwendet wird, dann ist das nicht weniger real wie ein Buch auf Papier. Steckt jetzt aber inmitten des Internets und läuft nur, wenn man eine Internetzugang und einen Browser hat. Aber Internet und Browser sind genauso real.



Kommentar vom 25.09.2022 15:04
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/sind-hirnscans-nur-kaffeesatzleserei/#comment-76097

@Stegemann 25.09. 12:35

„Wenn Sie von Seiten der physiologischen Hirnforschung her argumentieren, dann müssen Sie auch dort bleiben und diesen (dubiosen) Begriff Bewusstsein beschreiben als (elektrochemische) Veränderung des Hirns.
Wenn Sie von der Psychiologie aus argumentieren, können Sie von Psyche sprechen usw. Aber durcheinanderbringen dürfen sie die Begriffe nicht.“

Genau, wir haben hier zwei Sichtweisen: einmal die Innensicht als existierendes Lebewesen, dann die Außensicht, wenn wir das Gehirn von außen untersuchen. Interessant ist hier, wenn man ein EEG machen lässt. Man ist verkabelt, und gleichzeitig kann man beobachten, was die Schreiber machen (früher war das mal alles analog). Man muss zwischendurch die Augen zumachen, und auf Kommando wieder auf machen. Bei dem Vorgang reagiert das EEG ganz deutlich.

Wir haben also einmal das EEG-Schreib-Ereignis, im Moment des Augenöffnens, und andererseits erleben wir auch von innen, dass die ganze Welt um uns jetzt wieder sichtbar wird.

Hier haben wir ein einfaches Beispiel, dass wir zwei Perspektiven beschreiben können, auf ein Phänomen, das nur einmal und immer als Ganzes auftritt.

Dabei haben wir keine Ahnung, wie unsere Innenwelten tatsächlich entstehen, wir können nur feststellen, dass die Evolution einen Weg gefunden hat, diese Innenwelten für sich zu nutzen. Und wir können davon ausgehen, dass auch die Architektur des Gehirns genau so aufgebaut ist, dass Innenwelten existieren können. Ein höheres Lebewesen ohne Innenwelt wäre schlichtweg funktionsuntüchtig.

Aber ob wir hier tatsächlich geistige Entitäten haben, die auf einer geistigen Wirklichkeit beruhen, die im Kosmos von Anfang an vorhanden ist und an der wir als Lebewesen nur teilnehmen können, dass ist jetzt eine auch interessante Frage. Die führt jetzt natürlich sehr viel weiter, und landet über Spiritualität dann auch beim Thema Religion.

Dann hätte die Evolution nur gelernt, die ohnehin vorhandene Geisteswelt ins biologische Leben einzubinden, und die Physiologie müsste die Innenwelten nur unterstützen, und gar nicht alleine produzieren. Einerseits eine gewagt These, andererseits verlockend, weil dadurch die Dinge nicht komplizierter, sondern viel einfacher werden.

Ansonsten ändert das nichts daran, dass man grundsätzlich zwei Möglichkeiten hat, auf psychische Krankheiten einzuwirken. Einmal physiologisch mit Medikamenten, andererseits psychologisch mit Gesprächen. Beides kann funktionieren.



Kommentar vom 25.09.2022 00:46
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/tag-der-weissen-rose-in-crailsheim-gedenkrede-fuer-den-ermordeten-hans-scholl/#comment-129110

@Michael 24.09. 22:59

„Es geht also im aktuellen, dialogischen und aufgeklärten Monismus nicht mehr um ein „Selbstgespräch“, sondern um gelingende Rahmen für den dialogischen, auch wissenschaftlichen Austausch der Vielen.“

Es gibt auch innerhalb monistischer Kultur Meinungsverschiedenheiten und Streit. Insbesondere wenn verschiedene Interessen im Spiel sind. Und es gibt natürlich auch Umtriebe, die der Monist wirklich ablehnt.

Wenn sich wer Unfug, Lügen und destruktive Mythen zusammenbastelt, um andere zu manipulieren, und die Manipulierten dass aufnehmen, weil es für sich einfach erscheint, und sie sich so auch selber aus der Verantwortung ziehen können. Aus der Verantwortung gegenüber den Folgen des eigenen Handelns wie auch gegenüber der Notwendigkeit, sich umfassender zu informieren.

Dies kann man wiederum mit Relativismus mehr oder weniger vernebeln.

Letztlich geht es hierbei doch auch um Wahrhaftigkeit. Es ist meistens recht definitiv zu klären, was jetzt Sache ist und was wissenschaftlicher Konsens sein kann. Und was auch innerhalb der Wissenschaft unsicher ist, oder gar eine Modeerscheinung ist. Entsprechend skeptisch kann und muss man auch gegenüber Aussagen von Wissenschaftlern sein. Es ist aber leistbar, die gesicherten Erkenntnisse von den ungesicherten Modeannahmen zu unterscheiden.

So ist zum Beispiel das Ausmaß des zu erwartenden Klimawandels mit richtig großen Unsicherheiten verbunden. Dennoch macht es Sinn, sich an die Mittelwerte zu halten, den die Klimamodelle hergeben. Zu Hoffen und zu Bangen bleibt aber eine Menge Raum.

Monismus ist eben keine besondere Form des Dualismus, auch wenn der Monist Feinde kennt und Gegner bekämpft. Der Unterschied besteht in einer guten Informiertheit und in der Wahrhaftigkeit, die sich vor allem darin zeigt, dass Monisten ihre Streitfragen ausdiskutieren. Zumindest, soweit das möglich ist.

Verschiedene Interessen wie auch ganz verschiedene eigene Welterfahrungen z.B. können aber durchaus eine Diskussion auch unter Monisten erschweren. So gibt es dann eben auch verschiedene Monismen, scheint mir. In der Realität des wilden Lebens, und doch ist es immer noch Monismus. In klarer Abgrenzung zum manipulativem Dualismus und verantwortungslosem Relativismus.

Das Ziel, das man hat, ist vielleicht der entscheidende Punkt. Will ich einfach nur Verhältnisse, von denen ich selber profitieren kann, oder bin ich auf der Suche nach wirklicher Erkenntnis und nach einer wahrhaftigen Diskussion. Die den anderen mit seiner Sicht und seinen Interessen zunächst respektiert, und dennoch ein Ergebnis bezüglich gemeinsamer Sicht und beiderseitiger Interessen sucht.



Kommentar vom 24.09.2022 17:05
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/sind-hirnscans-nur-kaffeesatzleserei/#comment-76022

@Hauptartikel

Da fragt man sich, wer sich noch für die Wirklichkeit interessiert. Kann das denn sein, dass die meisten Forscher einfach fMRT-Gelder auf den Kopf hauen wollen, während dann die Praktiker sich auf Medikamentenumsatz konzentrieren.

Der Mensch, der ist dann wohl dem Experten egal, schließlich ist er selber Schuld, dass er so unverständlich ist. Wo der Experte ja nun wirklich nichts für kann.

Da kann ich auch nur @Maier zustimmen: Wir brauchen ein komplettes Konnektom, dass wir originalgetreu jeden einzelnen Nervenzellenimpuls nachvollziehen können, und müssen diese Gesamtheit dann auch noch überblicken und verstehen. Wobei ersteres unmöglich ist, weil auch in 50 Jahren die Computer dafür noch viel zu schwach sein werden, und zweites auch nicht funktionieren kann, weil die Wirklichkeit zu kryptisch ist, um dann auch noch verstanden zu werden.

Es geht also gar nicht.

Freuen wir uns des Lebens, und arbeiten mit uns und unseren Lieben. Und wenn wir Geisteswelten miterleben, dann tun wir das doch einfach. Und wenn wir uns zusammentun müssen, um z.B. das Klimaproblem oder das Autokratenproblem zu lösen, dann machen wir das eben.

Mit psychischen Problemen wenden wir uns nach Möglichkeit an Menschen, die sich für uns wirklich interessieren, und interessieren wir uns nach Möglichkeit wirklich für Menschen, die psychische Probleme haben. Letztlich sind wir alle Menschen, und müssen gucken, wie wir klarkommen. Zusammen geht meisten mehr als alleine, aber dennoch muss jeder auch für sich klarkommen.

Wir können schlichtweg nicht einfach zu einem Experten gehen, der unser Problem löst. Weil das alles nicht so einfach ist.

Es gibt noch die Idee, dass man doch mal die Menschen genauer untersuchen könnte, die mit psychischen Schwierigkeiten wirklich klar kommen. Das hört sich wegweisend an, finde ich. Wenn der eine Idiot nur auf dem anderen herumhackt, dann kommt keiner vorwärts. Dass die Geschäfte laufen, heißt eben noch lange nicht, dass es auch hilfreich ist.



Kommentar vom 24.09.2022 14:48
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/tag-der-weissen-rose-in-crailsheim-gedenkrede-fuer-den-ermordeten-hans-scholl/#comment-129090

@Mussi 23.09. 20:38

„Wie sehen Sie die Trennung von Monismus zum Dualismus bzw. mögliche Übergänge?“

In der Tat mag es hier Übergänge geben. Gerät ein Mensch in die Fänge der Reichsbürger, dauert das ein paar Wochen, in denen der Mensch nach und nach immer mehr Mythen aufnimmt und annimmt, bis er da nicht wieder von weg kommt. Und andersrum auch. Wenn immer mehr Zweifel aufkommen, kann das auch irgendwann kippen, und der Mensch kehrt zum Monismus zurück.

Hier sind Übergangsformen unvermeidlich, obschon durchaus eine Dynamik von Kippelementen vorkommen kann, dass eben Übergangsformen weniger stabil sind, und entsprechend weniger häufig sind.

Auch kann ein Relativismus immer beigemischt sein. Gerade der Relativismus eignet sich ja für Themenbereiche, in denen man sich sowieso schlecht auskennt, und sich auch recht wahrhaftig eines Urteils enthält. So gibt es etwa ziemlich viele religiöse Vereine, die alle durch die Religionsfreiheit geschützt sind. Die meisten Menschen halten sich da dann auch einfach raus, hier ist ein Relativismus angebracht, gerade weil man sich wenig auskennt. Hier kann bestenfalls ein Religionswissenschaftler sich Urteile erlauben, und so mancher, der sich in das Thema eingearbeitet hat.

Man kann sich auch einen Ökodualismus vorstellen. Wenn man das gesamte Leben auf die Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen reduziert, kommt man zwangsläufig zu eindimensionalen Lösungen. Besser, man guckt sich den Rest des Lebens auch an, und guckt, wie man insgesamt vernünftig leben kann. Man will ja auch noch gut Essen, in Freiheit leben, sich Raum für Religion lassen, die Natur nicht nur schützen, sondern auch erleben wollen oder auch einfach gerne Autofahren. Und man will auch nicht vor lauter Stress krank werden.

Es gibt hier klar eine Aufgabe für die ganze Menschheit, aber die ist eben nicht der ganze Kosmos dessen, was uns Menschen interessiert und bewegt. Was jetzt wiederum nicht heißt, das man nicht auch Glaubensfragen mit der Frage nach ökologisch vernünftigem Handeln verbinden kann. Eine echte Beziehung zu Geisteswelten mag jetzt gerne auch eine konsequente Beziehung zu ökologischer Vernunft haben.



Kommentar vom 24.09.2022 01:13
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/tag-der-weissen-rose-in-crailsheim-gedenkrede-fuer-den-ermordeten-hans-scholl/#comment-129071

@Hauptartikel

„Ich habe die Zerstörungen der Klimakrise und die daraus folgende Hitzemord-Gewalt im Irak gesehen und habe Zweifel, ob wir als Menschheit wenigstens noch einige Regionen der Erde bewohnbar halten können.“

Als Erfahrung sicherlich extrem, diese Situation. Ölbedingte Autokraten im religiösem Wahnsinn und ständigem Krieg gegeneinander, und dann eine Gegend, die sowieso so heiß und trocken ist, dass sie schon ohne Klimawandel an der Grenze des Bewohnbaren liegt.

Ich denke aber mal, dass es neben einer wirklich erfolgreichen Energiewende auch darum geht, wie gut wir uns als Menschheit verstehen und uns gegenseitig unterstützen. Auch in Pakistan mit 45° im Schatten kann man mit grünem Strom und Klimaanlage ganz gut wohnen, wenn man hinreichend Lebensmittel importieren kann, soweit die eigenen Ernten nicht reichen. Und wo Überschwemmungen drohen, da muss man ja nicht unbedingt neue Häuser bauen.

Ich denke, dass sogar ein vernünftiges Miteinander sogar noch grundlegender als die Energiewende ist. Letztlich braucht die Energiewende doch auch ein Bewusstsein unserer gemeinsamen Verantwortung dem Leben auf diesem Planeten gegenüber.

Wie kommen wir da aber hin? Damit ernst machen und anfangen, und gucken, dass immer mehr andere mitmachen. Wenn dann irgendwann kaum noch fossile Energieträger nachgefragt werden, dann geht es vielleicht auch mit den Ölautokratien vorwärts, dass sich da die Verhältnisse nachhaltig bessern.

Aber was machen wir jetzt dagegen? Welche Möglichkeiten haben wir? Die beiden Irakkriege haben in der Tat verhindert, dass sich Saddam Hussein die ganzen kleinen Golfstaaten incl. Saudi-Arabien einverleibt, und der militärische Aufwand hielt sich sogar in Grenzen.

„..dass Putin den Krieg gegen die Ukraine verlieren und die russische Armee zerfallen wird, frage ich mich jeden Tag bange, ob ich einen wichtigen Faktor übersehen und mich vielleicht doch geirrt habe.“

Entsprechend sieht es auch im aktuellem Ukrainekrieg so aus, das Russland sich verschätzt hat, und diesen Krieg nicht gewinnen wird. Offen ist aus meiner Sicht, ob die 300.000 Reservisten, die gerade aktiviert werden, das Blatt nochmal wenden. Wenn nicht, und die Ukraine mit unseren Waffenlieferungen weiter erfolgreich ist, ist es wiederum unklar, wie weit sich Russland zurückdrängen lässt, bis es bereit ist taktische Atomwaffen einzusetzen, um einen weiteren Vormarsch der ukrainischen Truppen zu beenden.

Ist das der aktuelle Frontverlauf, die faktischen Grenzen von nach 2014 oder die völkerrechtlichen Grenzen von vor 2014, wer weiß das? Womöglich nicht mal Putin, kann er sich ja auch immer noch überlegen.

Und dann ist wieder die große Frage, was machen wir denn dann?

Ein feiges Zurückweichen vor irren Diktatoren ist sicher unrühmlich. Aber nach Atomkriegen fragt keiner mehr, wer Schuld war. Weil dann keiner mehr lebt, der das fragen könnte. Mit gutem Grund hat keiner den kalten Krieg heiß werden lassen.

Ich würde also vorschlagen, zunächst mal mit keinem weiterem Vormarsch russischer Truppen sicherheitshalber zufrieden zu sein. Und wenn dieses weiterhin gewährleistet ist, dann kann man gerne mit Putin über ein Ende der Sanktionen verhandeln, die uns offenbar nicht weniger Schaden als Russland.

Russland ist nun mal nicht nur eine Ölautokratie, sondern eine wirklich ernst zu nehmende Atommacht. Sollten auch atomare Auseinandersetzungen unvermeidlich sein, dann haben wir eben verloren und Europa wird nur noch Geschichte sein. Aber wenn es möglich ist, derartiges zu vermeiden, dann wäre es ja wohl einen Versuch wert.

Den Atomkrieg können wir immer haben, da reicht ja schon der berühmt rote Knopf, und nach einer halben Stunde ist es auch schon fertig damit. Demokratische Werte wiederum sind das eine, Verantwortung für den Planeten nicht dasselbe. Die Freiheit mit der Brechstange ist nicht zu haben, Russland wird Autokratie bleiben. Wir können offenbar nur die Ukraine unterstützen. Die Vernichtung des Planeten dagegen, die ist ganz klar machbar, das ist das Einfachste. Die Energiedichte von spaltbarem Uran und Plutonium ist eben phänomenal.



Kommentar vom 23.09.2022 17:42
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/depressionen-kommen-die-fakten-endlich-ans-licht/#comment-75986

@Stephan 23.09. 14:53

„Wenn ich gerade schrieb, dass wir Probleme eher verwalten (“managen”) als sie zu lösen, dann ist dein Kommentar jetzt aber schon irgendwie ironisch.“

Das meinte ich ja auch. Ruhig langsam machen, und vor allem aber weniger. Managen insofern, dass man gut guckt, was man jetzt wirklich machen will.



Kommentar vom 23.09.2022 14:21
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/depressionen-kommen-die-fakten-endlich-ans-licht/#comment-75980

@Stephan 23.09. 04:51 / 04:58

„Ist hier ein Kausalzusammenhang wirklich plausibel, wenn der zeitliche Abstand so groß ist?!“

Den Kausalzusammenhang kann ich hier auch nicht wirklich sehen. Die Psychose kam in einer extremen Stresssituation, die nicht viel mit den Drogenerfahrungen zu tun hatte. Mir viel hier nur die Ähnlichkeiten zwischen Psychose und Drogenrausch auf. Entsprechend erscheint es mir recht sinnvoll, als Psychotiker gewisse Substanzen zu meiden.

„Wenige Wochen später fiel sie – wohl einfach stressbedingt – in einen so schweren Burn-Out, dass sie nicht mehr arbeiten konnte.“

Entsprechend ist Stressmanagement wirklich lohnend, wenn es um Krankheiten aller Art geht. Und auch kommt man mit dem Leben einfach besser zu recht, und kann sich auch eher weiterentwickeln, wenn man alles in Ruhe macht. Ist ja auch schade um die potentiell gute Lebenszeit, wenn man es sich selber verdirbt, weil man einfach zu viel des Guten macht.

Im Prinzip gilt das nicht nur für Einzelpersonen, das gilt für ganzen Firmen wie auch für ganze Gesellschaften. Und auch für den Wissenschaftsbetrieb?

Psychotherapie in Richtung Stressmanagement ist entsprechend auch eine lohnende Investition, und kann gerne auch ein Projekt sein, dass Jahre braucht. Gerade auch eine gewisse Gier nach Erfolg und Effekt ist verzichtbar. Manchmal sind es auch andere, die einen einspannen wollen, wogegen man sich dann besser wehren sollte. Auch das kann man lernen. Letztlich muss man immer wieder gucken, wo man Prioritäten setzt, und was man reduzieren oder streichen kann, um sich woanders zu vertiefen. Als Künstler sowieso, da hat man keinen Chef, der einem die Arbeit einteilt, das kann man nur selber machen.



Kommentar vom 23.09.2022 00:50
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/depressionen-kommen-die-fakten-endlich-ans-licht/#comment-75955

@Belzagor 22.09. 17:01

„Sie werden auf jeden Fall LANG suchen müssen, um irgendeine ‘klinischen’ Nachweis dafür zu finden, dass Sie als Psychotiker nicht eine genau so grosse Chance für ein positives, sogar tatsächlich ‘heilsames’ Trip Erlebnis haben können, wie die eines Negativen.“

Naja, LSD kenne ich nicht, hab aber mal eher versehentlich zuviel Stechapfel angefasst, und auch mal Psylozibin-Pilze gesammelt und mir einen Tee davon gekocht, womöglich eine Überdosis. Jahre später kam dann eine psychotische Episode hinterher.

Was hier auf jeden Fall auffällt, das ist die recht ähnliche Symptomatik von akuter Psychose und eben der Stechapfel- und Psylo-Wirkung. Will man hiervon weniger haben, dann ist es naheliegend, auch diese Drogen wegzulassen.

„Und evtl. Risiken egal welcher Natur kann man sowieso durch Set & Setting und eine passende Trip-Begleitung sehr stark reduzieren.“

Wie mans richtig macht, das ist in der Tat wohl ziemlich wichtig, inclusive einer gelungenen Dosierung. Gerade Stechapfel soll sehr ungeeignet sein, weil kaum genau dosierbar – und potentiell auch tödlich giftig, habe ich mal gelesen. Verlockend eher deswegen, weil man immer wieder Stechapfel in der städtischen Natur finden kann, wenn man sich mit Wildkräutern ein wenig auskennt.

Und wie gesagt, mein Leben ist derzeit auch sowieso mystisch genug. Damit bin ich sehr zufrieden.

„..kommt natürlich hinzu, dass man LSD und Pilze – und auch MDMA – nur ganz wenige Male (oft sogar nur EINMAL) einnehmen muss, um einen verglichen mit einer end- und fruchtlosen jahrelangen Gesprächs-Therapie durchschlagenden Erfolg damit zu erzielen.“

Wohl weil die dabei gemachte Erfahrung eben ein Schatz ist, der Jahre wirken kann. Was m.E. aber immer auch ganz wichtig ist, dass ist ein vernünftiges soziales Umfeld und keine Überlastungssituationen wie auch keine chronische Unterforderung. Will man das realisieren, dann muss man da ein paar Jahre dran arbeiten – und die mystische Erfahrung kann helfen, ja sogar eine Grundlage dafür sein. Aber die gängigen antipsychotischen Medikamente in einer moderaten Dosis müssen dabei gar nicht stören.

Wenn man es zu eilig hat, dann ist das oft selber ein Problem. Also keine Turbo-Therapie, das Leben bleibt hart und man muss für sich kämpfen.



Kommentar vom 22.09.2022 14:38
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/depressionen-kommen-die-fakten-endlich-ans-licht/#comment-75933

@Belzagor 22.09. 13:05

"Das ganze Thema scheitert dann doch auch schon an der höchst unscharfen Definition von ‘Normalzustand’, ‘Krankheit’ etc. und dem natürlich für die Forscher und Therapeuten angenehmen Rückzug auf das ICD, der alles ausblendet, was man eh nicht in den Griff bekommen kann oder will. Zeitgeist? Politik? Welt- und Menschenbilder? Gar Philosophisches? Fehlanzeige."

Sehen wir es doch positiver: Die Innenwelten sind doch faszinierender, um Größenordnungen größer und vielfältiger als es der Durchschnittsarzt oder Therapeut kennt und auch nur kennen kann. Die materialistischen Abbildungen auf die entsprechenden Konzepte sind nur Schattenwürfe, bei denen das Leben selbst verloren geht.

Wohl dem, der diesen Experten so weit aus dem Weg gehen kann, dass die ihr Weltbild behalten aber man selbst seine Wege gehen kann.

Hier ist bisher vor allem über depressive Varianten geschrieben worden. Dass hier LSD und ähnliches hilfreich sein kann, kann ich mir gut vorstellen. Als Psychotiker habe ich allerdings keinen weiteren Bedarf an Bewusstseinserweiterungen, und mache auch um Cannabis lieber einen großen Bogen.

Wobei ich mit meinen mystischen Eigenerfahrungen durchaus meinen Frieden gefunden habe, es reicht aber. Während ich durchaus Psychotiker kenne, die von den eigenen Erfahrungen überfordert sind. Was vielleicht auch wiederum an Therapeuten liegen kann, die am liebsten alles Mystische im Leben mit Neuroleptika wegmachen wollen. Weil sie eben selber keine Ahnung davon haben.

Vielleicht würde es entsprechend helfen, wenn sich die Therapeuten mal was reinpfeifen würden.



Kommentar vom 21.09.2022 13:39
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/depressionen-kommen-die-fakten-endlich-ans-licht/#comment-75869

@Belzagor 20.09. 16:26

„Es geht hier um Themen von Bewusstsein und Metaphysik – und dazu hat die Forschung auch und speziell die sog. ‘Bewusstseinsforschung’ wie sie von unserer aktuellen Wissenschaft lächerlicherweise mit Apparaten durchgeführt wird, statt dass die Wissenschaftler selbst auf die ‘Reise in den Weltraum der Seele’ (Gelpke) gehen, so gut wie überhaupt nichts beizutragen.“

In der Tat könnte es sehr einfach sein. Aber die Leute wollen einfach nicht.

„Aber was beschreibe ich hier wieder einem Blinden die Farbe – daran sind schon zu viele gescheitert.“

Stur muss er ja auch sein, der Mensch. Vermutlich. Psychische Stabilität kann nun auch hilfreich sein.

Ich persönlich mühe mich auch nicht mit Nachweisen ab. Habe aber mal ausgearbeitet, welche Konsequenzen reale Geisteswelten auf ein Weltbild haben können. Unter dem Titel „Die Reise des Kosmos“ kann man das hier nachlesen:

http://introspektiva.de/etitel/index.php#starti

„MACHEN sie es selbst mal, dann reden sie wieder mit.“

Eine Möglichkeit sind sicherlich entsprechende Substanzen. Das Leben kann aber auch jenseits dessen zu geistigen Einblicken kommen. Und man kann hier auch gerne vorsichtig sein, auf Trips kann man hängen bleiben, und generell kann das Thema Geist im Leben auch anstrengend sein. Entsprechend respektiere ich auch, wenn da einer keine Lust zu hat. Mitreden ist dann aber in der Tat schwierig.



Kommentar vom 21.09.2022 00:28
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/depressionen-kommen-die-fakten-endlich-ans-licht/#comment-75832

@Holzherr 20.09. 14:51

„Der Gesunde kämpft – ohne es zu merken – ständig gegen geistiges Chaos,…“

In der Tat ist das Leben immer dynamisch, und man muss ständig aktiv für Ordnung sorgen. Die Idee von gewissen Kipppunkten ist gar nicht mal so schlecht. Wir sind aber gerade sehr soziale Wesen, und man kann den Menschen gar nicht sinnvoll isoliert betrachten. So kippt dann auch das Leben mit Arbeitsplatzverlust, Partnerverlust und sehr eingeschränktem sozialem Umfeld. Führt eine psychische Erkrankung jetzt zu entsprechenden sozialen Verlusten, dann haben wir konkrete Kipppunkte erreicht.

Ob sich jetzt der Kranke zurückzieht, oder sich das eigene Umfeld aktiv vergrault, hat dabei das selbe Ergebnis an sozialem Verlust und persönlicher Einsamkeit.

„Der vorher Gesunde und nun plötzlich Kranke hat also eine für ihn nicht sichtbare Schwelle überschritten, eine Schwelle/Tür, die ins Dunkle führt.“

Eine sehr sichtbare Schwelle ist sicherlich ein stationärer Klinikaufenthalt. Das wirkt alleine schon recht destruktiv auf das soziale Umfeld. Eröffnet aber auch gleich Kontakte zu anderen psychisch Kranken, und man kann hier anfangen, sich ein neues Umfeld aufzubauen.

Es gilt hier eben zu bedenken, dass die richtig herben Zustände meistens nur Monate andauern, und zwischendurch Jahre kommen, in denen man halbwegs zurecht kommt und auch ein gewisses soziales Umfeld möglich ist. Und man kann sogar begründet hoffen, dass man eine psychische Krankheit auch ganz überwinden kann. Das System kippt dann eben irgendwann auch wieder ganz zurück in gesunde Verhältnisse.

Leute, die sich ganz schlecht auskennen, - was sehr häufig ist - die behalten entsprechend ewig Vorbehalte, wenn sie wissen dass einer mal in der Psychiatrie war. Der Kontakt zu anderen auch psychisch Kranken hat da den Vorteil, dass die einmal schnell merken, wenn man wirklich wieder in die nächste Krise kommt, und dazu auch wissen, wie man dann damit umgehen kann. Und die auch erkennen, dass man wieder zu gebrauchen ist, nachdem die Krise überstanden ist.

Vielleicht kann das sogar irgendwann eine Smartwatch, wie Sie die ansprechen. Ich würde es mir sehr wünschen, wenn man damit eine psychische Krise durch eine rechtzeitige Warnung verhindern kann. Nicht nur wenn man schon Krisen hatte, sondern sogar ganz von Anfang an. Möglicherweise kann das aber nicht immer helfen. Eine psychische Krise kann auch für so manchen eine Lernerfahrung sein, an der er nicht vorbei kommt. Soweit es wirklich auf die Vermeidung von Überlastung ankommt, wäre hier aber ein Potential, wo man sinnvoll ansetzten kann.

In der Psychotherapie versucht man genau das ja auch, dass man selber und sein engeres Umfeld lernt, wie man erkennt, wenn ein Zuviel an Belastung droht. Das kann ganz gut funktionieren und neue Krisen verhindern. Oft gibt es aber gerade das Problem, dass man chronisch unterfordert ist, und so ziemlich aus dem Training gerät. Das vermindert auch das Potential mit Belastungen klar zu kommen, die man nicht vermeiden kann.



Kommentar vom 20.09.2022 14:56
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/depressionen-kommen-die-fakten-endlich-ans-licht/#comment-75810

@fauv 20.09. 08:40

„Herr Bednarik hat schon eine Tür geöffnet, es hängt auch mit der Phantasie eines Menschen zusammen, und es hängt auch mit der Bereitschaft zusammen sich zu ändern. Ja, der Mensch muss sich ändern, sich der Gesellschaft anpassen.“

Kleine Anmerkung dazu: An die Wirklichkeit muss man sich wirklich anpassen, wenn das was werden soll. Die Gesellschaft ist nur ein Sub-System von geringerer Relevanz. Hier kann man sogar ganz gezielt gegen einzelne Auswüchse agieren, und das auch noch potentiell erfolgreich.

@Bednarik 20.09. 09:26

„Im Prinzip entsteht ein Konkurrenzkampf zwischen der eigenen geistigen Leistungsfähigkeit und der Schwierigkeit der Umgebung.“

Wobei man immer die Wahl hat, in welche Richtung man sich denn selbst bewegen will. Es geht auch oft nicht ums eigene Auskommen, man hat hier Spielraum, und öfter das Bedürfnis, weiter zu gehen und mehr als ein Auskommen zu suchen.

Überhaupt treten wir doch auch einem Kosmos entgegen, der Geisteswelten enthält und geistige Mitwirkung regelrecht suchen kann. Hier sehe ich eher eine geistige Gemeinschaft, die viel grundlegender ist als die „Gesellschaft“, die sowieso im Wandel ist, und global in der Mehrzahl vorkommt und damit keineswegs einen eindeutigen oder beständigen Rahmen setzen kann.



Kommentar vom 20.09.2022 01:07
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/depressionen-kommen-die-fakten-endlich-ans-licht/#comment-75749

@Placebo und soziales Leben

Naja, wenn die Antidepressiva wenigstens Placebostärke haben, dann ist das mehr als nichts. Wenn das hilft, dann ist das doch erstmal gut. Bei gravierenden Nebenwirkungen dann besser nicht verwenden, und nach Möglichkeit auch nicht länger als Monate. Probleme beim Absetzen können ziemlich unangenehm werden. Je länger man die Medikamente einnimmt, desto weniger Sinn macht das wohl auch.

Die Kritik an der biologischen Psychiatrie trifft wohl vor allem, wenn man hier nichtmedikamentöse Möglichkeiten versäumt. So ist man oft gut beraten, wenn man einerseits seine soziale Situation verbessern kann, und andererseits, wenn man psychologisch daran arbeiten kann, wie man mit seiner sozialen Situation besser klar kommt.

Was ich bei psychisch Kranken immer wieder beobachten kann, dass ist auch eine Überlastung, die die Krisen auslöst und eher eine Unterbelastung, die die Krisen verlängert. Wer hier gute Mittelwege findet und gegen äußere Einflüsse verteidigen kann, der kommt auch besser zurecht.

Die Hochleistungsgesellschaft unterstützt dieses Wechselspiel dann auch schnell. Die Arbeitgeber setzen alles daran, das Maximum aus uns herauszuholen, und wenn das dann schief geht, und wir in psychische Krisen geraten, dann lässt man uns einfach fallen, und sucht sich einen neuen Mitarbeiter. Und wir haben dann schnell gar keine vernünftige Beschäftigung mehr, und geraten in eine Langzeitarbeitslosenproblematik, mit der man erstmal fertig werden muss. Nun gut, dann suchen wir uns eben eine interessante Beschäftigung, die uns regelmäßig fordert, ohne zu überfordern.

Letztlich ist das Leben immer persönlich mit durchaus spirituellen Bezügen. Dass man uns in der Schule eingeredet hat, dass der besser ist, der besser leistet, was man von ihm erwartet, ist ja nun auch wieder überwindbar. Welches Miteinander wir hinbekommen, ist dann am Ende entscheidender, als wieviel Geld dabei herauskommt.

Was im Leben wohl sowieso gilt, auch wenn man mit psychischen Störungen gar nicht viel zu tun hat.



Kommentar vom 19.09.2022 14:49
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ein-zweites-buch-leben-oel-und-glaubenskriege-neu-im-jmb-verlag/#comment-128908

@Online-pdf von „Öl- und Glaubenskrise“

Ich habe es mir mal durchgelesen. Eine spannende Zusammenfassung!

„Und solange diese Ketten des schwarzen Goldes nicht abgeworfen sind, werden Appelle, Sanktionen und auch Kriegszüge wenig daran ändern, dass weiterhin Unmengen an „Blut für Öl“ fließen.“

Erfahrungsgemäß ist das wohl so. Wir müssen gucken, wie wir irgendwie da durch kommen, und eben alle Ressourcen, die wir haben, in die Energiewende investieren.

„Und der Erlös dieser Steuern würde wiederum der Erforschung und dem Ausbau erneuerbarer Energien, von Energieeffizienz- und Recyclingtechnologien dienen, bis schließlich die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen überwunden wäre.“

Je niedriger die Preise sind, desto eher funktioniert dieses. Die derzeit hohen Preise vor allem für Gas in Europa motivieren zwar auch, vor allem Gas zu sparen, aber was sollen wir machen, wir können da auch nur auf Kohle und Öl ausweichen.

Die alten AKWs noch ein paar Jahre weiterbetreiben kann helfen, und auch der Zubau von mehr Photovoltaik und Winddrändern lohnt sich natürlich mehr bei den aktuellen Strompreisen. Fragt sich nur, ob die Finanzierungsmöglichkeiten in der aktuellen Energiekrise nicht auch schwieriger werden. Spielraum für mehr Steuern auf fossile Energien jedenfalls fallen erstmal weg. Im Gegenteil, wir gucken gerade verzweifelt, wie wir die bezahlbar halten können.

„Wo auf Agrarland Energie- statt Nahrungspflanzen angebaut werden, stiegen Nahrungsmittelpreise – auf Kosten ausgerechnet der ärmeren Menschen.“

Das sehe ich auch so. Wenn Flächen übrig sind oder Reste anfallen, dann kann man dies gerne als Energiequelle nutzen. Alternativ genauso sinnvoll wäre aber, Moore wieder zu vernässen oder auch mal Aufzuforsten oder auch anfangen, auf Bioanbau umzustellen. Ansonsten ist die Photovoltaik der Photosynthese um den Faktor 10 bis 20 überlegen, und PV braucht auch kein Wasser. Und kann damit komplett an Standorten installiert werden, wo sie keine produktiven Landwirtschaftlichen Flächen wegnimmt.

„Und ab wann sind Verbrauchssteuern keine sinnvolle Maßnahme einer „ökologisch-sozialen Marktwirtschaft“ mehr, sondern eine „unsoziale Abzocke“?“

Wenn man entsprechenden Sozialausgleich macht, dann können Verbrauchssteuern keine Abzocke sein. Was bleibt, ist dass ärmere Menschen eher auf diese Steuern reagieren werden. Wer dagegen richtig viel Geld hat, der wird seinen Lebensstil durch Verbrauchssteuern nicht so schnell ändern.

„Soldaten und Kampfflugzeuge können die Probleme nicht wirklich lösen, die durch unseren eigenen Verbrauch fossiler Rohstoffe entstehen.“

Die Ölautokraten mal zurechtstutzen oder sogar beseitigen ist möglich, aber nicht nachhaltig. Es kommt dann gleich ein Neuer hinterher. Wenn jetzt aber sogar Demokratien angegriffen werden, dann kann man denen freilich helfen, sich zu verteidigen. Aber wie gesagt, die Ölautokratie selbst ist nur abbaubar, wenn die Energiewende gelingt.

Papst Franziskus wird im Buch auch zitiert:

„Ein rechtes Verständnis der Spiritualität besteht zum Teil darin, unseren Begriff von Frieden zu erweitern, der viel mehr ist, als das Nichtvorhandensein von Krieg. Der innere Friede der Menschen hat viel zu tun mit der Pflege der Ökologie und mit dem Gemeinwohl,..“

Ich würde es lieber so formulieren: Spiritualität als eine lebendige Beziehung zu realen Geisteswelten kann denn auch motivieren, die Natur dieses Planeten zu pflegen und auch den Menschen zu ermöglichen, ein Auskommen zu finden, das damit verträglich ist.



Kommentar vom 19.09.2022 13:53
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ein-zweites-buch-leben-oel-und-glaubenskriege-neu-im-jmb-verlag/#comment-128905

@Paul Stefan 18.09. 22:41

„Und Russland spielt nicht mit offenen Karten sondern lügt. Gazprom kann ja die Verträge kündigen, wenn es mit den Feind nicht mehr beliefern will. Stattdessen bastelt man sich dumme Ausreden und fackelt das Gas ab.“

Wieso Putin das so kompliziert macht, verstehe ich auch nicht. Aber mal Fragen, ob es mit weniger Sanktionen wieder Gas geben kann, kann man finde ich mal versuchen.

Will Putin immer noch die Ukraine erobern, und ordnet dem alles Andere unter, dann geht es eben nicht. Unsere Waffenlieferungen sind finde ich nicht verhandelbar, zumindest was Defensivwaffen angeht, und soweit es um die Freiheit der Ukraine geht.

Nicht unbedingt nötig wären aus meiner Sicht Offensivwaffen mit der Option, die Russischen Truppen komplett zu vertreiben, auch von der Krim. Da würde ich zunächst mal Verhandlungen versuchen. Immerhin gibt es hier ein Minderheitenproblem, das womöglich lösbar ist.



Kommentar vom 19.09.2022 00:54
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ein-zweites-buch-leben-oel-und-glaubenskriege-neu-im-jmb-verlag/#comment-128887

@Holzherr 18.09. 15:58

„Einer Zukunft in der alle Güter von Robotern und künstlicher Intelligenz hergestellt werden und in der sowohl Roboter als auch KIs dem Staat gehören, nicht aber den Bürgern.“

Noch sind KI und Roboter nichts viel Anderes als Investitionsgüter, die Erträge bringen. Wie eine Spritzgussmaschine oder ein Mietshaus. Und zumeist im Besitz von Privatfirmen, insbesondere die schon auf KI aufbauenden Internetriesen wie Amazon, Google und Facebook. Wenn diese Segmente weiter wachsen, und immer mehr Kapital Erträge abwirft während gleichzeitig relativ dazu Arbeitseinkommen zurückgeht, dann wird es Zeit von den Kapitalerträgen ordentlich Steuern abzuzweigen.

Schwierig hieran kann es werden, dass man sich international eher mit diesen Steuern gegenseitig unterbietet, als dass man international einheitlich vorgeht.

Es wird m.E. aber noch viele Jahrzehnte dauern, bis das aktuell wird. Noch gibt es zumindest in D genug Arbeit, besser für die Menschen hier wäre es sogar, wenn es etwas weniger würde. Bis dass uns hier wirklich die Arbeit ausgeht, das dauert länger. Und ist dann sowieso vor allem erstmal eine wirklich ernste Beschäftigungskrise, selbst dann, wenn alle Menschen noch gut von den Robotern mitversorgt werden.

„Eine Demokratie in der der Bürger nichts mehr zum Einkommen des Staates beiträgt ist eine Demokratie auf Abruf.“

Ich weiß nicht, das kann dennoch gut gehen. Uns könnten hier Lösungen einfallen, wie wir auch unter diesen Bedingungen noch Demokratie praktizieren können. So kommen ja auch Kanada oder Norwegen als Demokratie gegen den Trend mit Öl- und Gas-Einnahmen klar.

Gerade eine komplette Umorientierung vom Sinn durch produktive Arbeit zum bloßem selbsterfüllendem Sein ist hier eine Herausforderung, die auch vielleicht gerade eine offenen Gesellschaft und einen vernünftig einbezogenen Staat braucht. Zumal hier ein langsamer Prozess über einige Jahrzehnte zu erwarten ist, der immer mehr Automatisierung, Produktivität und auch möglichen Wohlstand bringt und langsam aber sicher immer weniger Arbeitsstunden und Ausbildungsaufwand braucht.

Und das auf einer zunehmend ökologischen Basis, ohne fossile Brennstoffe und auch sonst mit einer Kreislaufwirtschaft, die die vorhandenen Ressourcen nutzt und dabei dennoch erhält.



Kommentar vom 18.09.2022 18:03
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ein-zweites-buch-leben-oel-und-glaubenskriege-neu-im-jmb-verlag/#comment-128866

@Holzherr 18.09. 08:56

„Genau darum liefert Putin ja kein Gas mehr: weil Deutschland und Europa darauf angewiesen sind. In ihrem Kommentar erwecken sie den Eindruck Deutschland und Europa seien (mit-) verantwortlich für den Lieferstopp und es wäre in aller Interesse Konzessionen zu machen und zur „Normalität“ zurückzukehren.“

Naja, unsere Sanktionen gegen Russland sind nun mit dem Gaslieferstopp sehr vergleichbar. Entsprechend mein Vorschlag, bei Putin mal nachzufragen, ob man sich hier nicht auch weniger gegenseitig quälen könnte. Offenbar genügen uns doch zunächst mal unsere Waffenlieferungen an die Ukraine, so wie das aussieht, genügt das zur Verteidigung der Freiheit.

„Normale Beziehungen kann es in meinen Augen aber mit einem Russland, das ein anderes, benachbartes Land auslöschen will, nicht geben.“

Soll Putin doch wollen, wenn er nicht kann, dann ist das nicht so wichtig. Eine ganze Reihe von islamisch geprägten Ländern wollten bzw. wollen Israel vernichten, können es aber nicht.

Und die anderen Rentierstaaten, wo man sonst Öl und Gas einkaufen kann, sind nicht viel besser als Russland. Irgendwo müssen wir einkaufen. Wären wir mit der Energiewende weiter und weniger abhängig, dann hätten wir mehr Spielraum. Und könnten uns den Luxus eher leisten, Autokraten abzustrafen. In der aktuellen Situation schaden wir uns zu sehr selbst, finde ich. Was ist schon normal an unseren Beziehungen z.B. zu Saudi-Arabien?

Wandel durch Handel funktioniert nicht, wie sich zeigt. Aber Handel ohne Wandel geht doch. Zumal, wie soll der Wandel denn funktionieren? Das geht einfach sowieso nicht. Offenbar nicht, solange wir fossile Rohstoffe in diesem Ausmaß brauchen, und Russland andere Kunden finden kann. Uns bleibt kaum was anderes übrig, als uns auf eine erfolgreiche Energiewende zu konzentrieren, dass hilft dann gegen alle Rentierstaaten. Und gegen den Klimawandel.



Kommentar vom 17.09.2022 15:58
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/ein-zweites-buch-leben-oel-und-glaubenskriege-neu-im-jmb-verlag/#comment-128806

@Hauptartikel

„Oder “wollten” Politik, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft eben lieber das einträgliche “Wandel durch Handel” verstärken, als sich den politischen und auch religiös-fundamentalistischen Nebenwirkungen des fossilen Ressourcenfluches zu stellen?“

Ja aber den Handel brauchen wir doch auch. Noch ist die Energiewende nicht geschafft, entsprechend brauchen wir Öl und noch dringender Gas, dass eben nicht beliebig per Schiff transportierbar ist. Und was sollen wir machen, egal wo wir Gas und Öl einkaufen, fast immer steckt eine Autokratie dahinter. Eben weil der Ressourcenfluch eben wirkt.

Ok, den Wandel bekommen wir mit dem Handel eben nicht, dass bleibt es zu bedenken.

Was machen wir nun mit Putin? Es ist ja nun schon mal Gold wert, dass Putin anscheinend militärisch noch nicht mal mit der von uns mit Waffen belieferten Ukraine fertig wird. Entsprechend scheint die Freiheit Europas nun wirklich nicht bedroht zu sein. Zumindest nicht jenseits von Atomwaffen.

Ich weiß nicht, ob es überhaupt von Putin her möglich ist, aber ich finde, wir könnten bald über die gegenseitigen Sanktionen verhandeln, wenn sich hier abzeichnet, dass der russische Vormarsch in der Ukraine wirklich am Ende ist.

Wenn sich hier nur die Weltmarktpreise erhöhen, ohne dass das was an der Situation in der Ukraine ändert, dann profitieren doch nur die anderen Rentierstaaten, und entsprechend des Volumens des Umsatzes verstärkt sich doch das Problem. Das CO2, dass bei den fossilen Energieträgern herauskommt, verursacht zwar das Klimaproblem, das politische Problem wird aber durch das eingenommene Geld verursacht. Entsprechend nimmt das doch zu, wenn hier die Weltmarktpreise sanktionsbedingt steigen.

Die Energiewende, die ist wichtig, denn nur die kann das Problem wirklich lösen. Niedrige Weltmarktpreise sind hier sogar hilfreich, dann kann man hohe CO2-Steuern auf die vorläufig noch benötigten fossilen Energieträger erheben und mit dem Geld den Zubau von erneuerbaren Energien fördern. Bei den aktuellen Preisen geht das eben gar nicht mehr, im Gegenteil, hier sucht man verzweifelt nach Lösungen, wie die Verbraucher noch irgendwie klar kommen können.



Kommentar vom 17.09.2022 13:50
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/loki-otto-hirsch-captain-america-die-avengers-in-stuttgart/#comment-128801

@Joachim Fischer 16.09. 13:51

„Die Römer waren gegenüber den monotheistischen Religionen wenig tolerant.“

Mit der Übernahme des Christentums als Staatsreligion haben sie auch gleich diese Intoleranz aufgegriffen und ausgebaut. Und haben das Christentum vermutlich auch gleich so zurechtgebogen, dass es als Staatsreligion taugt. Etwa die Institution der Beichte ist neu erfunden worden. Ich hab mal gelesen, dass da keiner so recht weiß, wo die Kirchengründer das hergeholt haben.

Die nächsten 1000 Jahre waren dann auch religionstheoretisch recht langweilig. Nun gut, aber eben auch sehr beständig. Eine andere Organisation, die inzwischen sogar 1500 Jahre durchgängig existiert, die hat die Welt noch nicht gesehen. Das ist absoluter Weltrekord.

Die Kirche hat sich mit den Regierenden meistens ganz gut verstanden, gerade mit Autokraten meist besser als mit Demokraten. Entsprechend gehen ohne gewaltsame Unterstützung durch die weltliche Macht der katholischen Kirche auch nach und nach immer mehr Mitglieder verloren.



Kommentar vom 17.09.2022 00:29
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/impulsvortrag-zur-pressesprech-konferenz-in-regensburg/#comment-128777

@Hauptartikel

„Gerade auch Hass und feind-seliger Dualismus sind so konkret, dass sie sich nicht nur abstrakt erfassen und bekämpfen lassen. Auf die Städte und Gemeinden und deren Medienmix und -management kommt es an!“

Früher musste z.B. eine Tageszeitung 100.000 Exemplare mit ihren Beiträgen drucken, um überhaupt wirtschaftlich zu sein. Im Netz kann man ab Auflage 1 Beiträge einstellen, und es kostet nichts. Wo man früher einen Journalisten hatte der alleine 100.000 Leser erreichte, haben wir heute 100 Schreiber, die jeweils 1000 Leser erreichen. Oder sogar 1000 Schreiber, die 100 jeweils Leser erreichen

Will man denen widersprechen, dann hat man ganz viel Arbeit. Genau das könnte den wesentlichen Unterschied machen. Aber haben wir nicht immer noch in den Stadtverwaltungen ganz viele Beamte, die ziemlich wenig Arbeit haben? Können die sich nicht auch ins Getümmel stürzen, und hier ihrerseits Beiträge einstellen, in denen sie ihre Stadt und die Demokratie verteidigen?

Facebook und Instagram sind jetzt allerdings selber suboptimal, besser wären öffentlich-rechtliche Open-Source-Plattformen, die nicht ihre Nutzer ausspionieren und manipulieren. Und wenn man jetzt noch sicherstellen könnte, dass die Klarnamen ermittelbar sind, falls hier Beleidigungen, Drohungen und Verleumdungen feststellbar sind und bei der Polizei angezeigt werden, dann wären wir wohl einen Schritt weiter.

Wenn dann aber wirklich eine wahrhaftige, produktive und in den Umgangsformen respektable Diskussion in Gang kommt, dann hätten wir nicht nur eine Bedrohung durch Feinde der offenen Gesellschaft abgewendet. Wir hätten dann eine neue Öffentlichkeit, die jeden beteiligen kann, der was zu sagen hat.



Kommentar vom 16.09.2022 14:57
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-unfassbare-macht-der-medien-mit-marshall-mcluhan-erkunden/#comment-128756

@Michael 15.09. 19:38

„…, ob sich aus Ihren Überlegungen Empfehlungen für die Wissenschaft bzw. Wissenschaftskommunikation ableiten lassen?“

Zunächst mal ist es wohl wichtig, sich seiner eigenen Grenzen bewusst zu sein. Grundannahmen sind öfter keine gesicherten Erkenntnisse, und das kann man auch so kommunizieren.

Ansonsten kann man die Digitalisierung nutzen, um mehr in Kommunikation zu investieren. Also z.B. die Vorlesungen nicht mehr immer wieder live zu halten, sondern schöne qualitativ hochwertige Videos produzieren. Erstmal können dass dann die Studenten sich zuhause angucken, und müssen weniger zur Uni fahren. Wenn man diese Videos dann ganz frei stellt, dann kann sich die auch jedermann angucken. Das wird dann gleich auch zu Öffentlichkeitsarbeit.

Die frei werdende Zeit können die Professoren dann nutzen, um auch Videovorlesungen bzw. Texte für Fachfremde und Laien zu produzieren. Wenn man diese dann noch online diskutieren kann, in etwa so wie wir das hier auf dieser Plattform machen, dann hat man eine breite Diskussion.

Genauso können sich Wissenschaftler auch mehr an laufenden Online-Diskussionen beteiligen, soweit sie hierzu was beizutragen haben. Diese Arbeit wäre sinnvoll angelegt, scheint mir. Insbesondere zählen hier Beiträge, die nicht hinter einer Paywall versteckt sind.

Ich denke, es gibt generell einen Mikrokulturprozess, der die gesamte menschliche Kommunikation umfasst. Wo hin der läuft, hängt von billionenfachen Kommunikationsakten ab, und wie die Menschen diese auffassen und in ihrem Weltbild verarbeiten. Hier lohnt es sich, sich daran zu beteiligen.

Aktuell hier ein Beitrag zum Thema:

https://www.spektrum.de/news/statistische-irrtuemer-interview-mit-ionica-smeets/2055063

„Dort untersucht sie, wie man Forschungsergebnisse erfolgreich präsentieren und darstellen kann, damit sie möglichst verständlich sind. Auf der anderen Seite erklärt sie Laien in Vorträgen, wie man fehlgeleitete statistische Schlüsse entlarven kann.“

„Wenn die Universität hingegen richtig kommuniziert, dann tun das Studien zufolge auch die meisten Medien.“

„Ich habe zum Beispiel mit einem Wissenschaftler darüber gesprochen, dass Anekdoten und Erzählungen für die meisten Leute viel überzeugender sind als Zahlen.“

„Nicht jeder einzelne Wissenschaftler ist geeignet, sein Wissen nach außen zu tragen. Aber man sollte als Fachbereich dafür sorgen, dass zumindest einige das tun.“

„Eine Stunde lang hörten sich mehr als eine Million Zuschauer an, was er zu Schwarzen Löchern und Unendlichkeit zu sagen hatte. Niemand konnte behaupten, er würde das tun, weil er nicht gut genug für die Forschung sei. Gute Vorbilder sind extrem wichtig.“

Dem kann ich mich nur anschließen. Die Neugier für neue Erkenntnisse ist da, auch bei mir. Im eigenen Interesse wünsche ich schon mehr Inhalte, die gut lesbar sind. Und folgende Diskussionen auch. Wenn jeder seine Grenzen kennt und Geduld hat, dann können auch Laien und Experten in Diskussionen zu Ergebnissen kommen.



Kommentar vom 16.09.2022 01:02
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/loki-otto-hirsch-captain-america-die-avengers-in-stuttgart/#comment-128728

@Joachim Fischer 15.09. 19:42

„Bei den Römern oder Wikingern waren Sie sicher gut dran, wenn Sie zur männlichen Oberschicht gehörten- aber das waren die wenigsten. Das Leben für den Durchschnittsmenschen war wohl eher weniger lebenswert.“

Naja, es gab Trinkwasserversorung und Toiletten in römische Städten, dies war wohl für alle Einwohner komfortabel. Auch gab es vermutlich mehr zu essen als im christlichen Mittelalter, insbesondere bei den Kelten und Wikingern. Weiß man heute aber so recht nicht. Die Römer haben wohl so manches aufgeschrieben, aber es ging dabei vermutlich wenig um das Leben des Durchschnittsmenschen.

„Gerade im römischen Reich gab es scharfe Gesetzesvorschriften, was man zu glauben hatte.“

So weit wie ich weiß, hatte man nur die Menschen verpflichtet den römischen Göttern zu huldigen und denen zu opfern. Es ging hier nicht um Glauben. Und jeder durfte auch zusätzlich gerne noch anderen Göttern huldigen. Das kollidierte hauptsächlich speziell mit Christen, die eben keine anderen Götter als ihren eigenen verehren durften. Und nur im Christentum ging und geht es so zentral um Glauben.

Über die Glaubensfreiheit bei den Kelten und Wikingern weiß man auch nicht viel. Zumindest war da nichts groß aufgeschrieben und damit festgeschrieben. Man weiß wohl nur, dass die Druiden etc. sich durchaus überregional getroffen und vermutlich dabei auch ausgetauscht haben.

Man weiß hier wohl einfach wenig drüber. Zumindest bei Asterix kommen die Kelten aber sehr gut weg.

Zeitgenössische Naturreligion gibt es ja immer noch bei den Nomaden rund um die Arktis. Die kommen ganz gut zurecht, und insbesondere an Essen fehlt es denen gar nicht. Denen geht es offenbar sehr viel besser als den Menschen im Mittelalter.



Kommentar vom 15.09.2022 00:55
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-unfassbare-macht-der-medien-mit-marshall-mcluhan-erkunden/#comment-128678

@Hauptartikel

„Über Medien beeinflussen wir nicht nur unsere eigenen Wahrnehmungen, sondern auch unsere Mitwelt – und wiederum uns.“

Das Eine ist einfach mal denkend und handelnd zu agieren, dass Andere die ganze Wirkung incl. folgender Reaktionen und Wechselwirkungen zu berücksichtigen. Das ist natürlich ein ganz anderer Aufwand, der nicht immer möglich und auch gar nicht immer nötig ist.

„Ob unseren Säugetiergehirnen ein Erfassen und Beschreiben dieser Wechselwirkungen gelingen kann?“

Also im Prinzip ja, aber es braucht ein Vielfaches an Aufwand, den man öfter gar nicht leisten kann und auch öfter eben gar nicht braucht.

Dazu kommt dann noch die Frage der eigenen Interessen und der Realisierung des eigenen Tellerrandes. Wenn es nötig ist, dann ist man eher bereit wenigstens die Wechselwirkungen zu berücksichtigen, die die eigenen Interessen konkret tangieren. Geht es jetzt auch noch ums Allgemeinwohl, dann wird es noch viel komplizierter.

Man kann sich oft gar nicht um alles kümmern, und auch kann man z.B. gegen den Klimawandel als Einzelperson nicht genug ausrichten. Hier kommt der Effekt dazu, dass man bei persönlich unangenehmen Aktionen für das Allgemeinwohl meistens darauf wartet, bis der Gesetzgeber Entsprechendes für alle vorschreibt. Was zwar nicht optimal ist, aber bezüglich menschlichem Verhaltens wohl ziemlich normal sein dürfte.

Das Einzige was hier noch helfen könnte, dass wäre eine religionsartige Hinwendung zur Erhaltung der Natur im Sinne einer ganz persönlichen Beziehungspflege zu realen Geisteswelten. Was nicht zu unterschätzen ist und potentiell sogar verbreitet sein kann.

Aber eins ist klar: Der Denkaufwand wird immer mehr, je mehr man versucht die Wirkungen des eigenen Denkens und Handeln in immer größeren Zusammenhängen zu untersuchen. Oft bleibt einem nichts anderes übrig, als auf Sicht zu fahren und seinem Gefühl zu folgen, und dann zeitnah und kritisch zu gucken, was dabei heraus kommt.

Wobei vor allem auch die Rückwirkungen auf einen selbst sehr interessant sein können. Je nachdem, wie man sich selber verhält, so kommt es öfter auch zurück. Oder es setzt sich fort, was man mit angestoßen hat, und man lernt an den Reaktionen dann selber was dazu.

Die Dialoge, die sich entwickeln, das sind manchmal selber die Fakten, aus denen sich wiederum die Zukunft entwickelt.



Deaktivierter Kommentar vom 14.09.2022 00:39
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/der-hartnaeckige-irrglaube-der-russischen-fuehrung/

@Michael Kuhn 13.09. 18:13

„Dass die russische Führung sich verrannt hat, die europäische Politikelite aber zielsicher, legitim und geschlossen diesen und den nächsten Winter übersteht, dass warten wir vielleicht mal ab…“

So lange zu warten mit entsprechenden Wirtschaftsschäden habe ich eigentlich keine Lust. Sieht so aus, dass sich Putin hier ziemlich verschätzt hat. Lassen wir ihm etwas Zeit, sich neu zu orientieren. Mit Waffenlieferungen mit jede Menge Panzern als Offensivwaffen dort jetzt auch noch einzusteigen, könnte die russische Führung in die Ecke drängen. Noch haben die genug Atomwaffen, um von Europa nichts mehr übrig zu lassen. Dann lieber ein bisschen langsamer, auch wenn der Krieg dann etwas länger dauert.

Außerdem gibt es auch noch Möglichkeiten, das ja durchaus bestehende Minderheitenproblem mit Verhandlungen zu lösen. Zunächst würde ich wie gesagt aber erstmal versuchen, über die gegenseitigen Sanktionen zu verhandeln, und den relativen Stillstand der Front einfach für sich betrachten. Wir können damit zufrieden sein, die Freiheit Europas ist ja inzwischen per militärischer Realität erfolgreich verteidigt.

Und auf Erfolg muss jetzt kein Übermut folgen. Die Autokratie in Russland können wir gar nicht beheben. Das ist völlig unmöglich. Wir können aber an der Demokratie in der Ukraine arbeiten, das scheint möglich zu sein, immerhin will die Ukraine ja in die EU. Und wir können versuchen, weiterhin das Risiko atomarer Auseinandersetzungen zu minimieren.



Kommentar vom 13.09.2022 12:57
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/minus-zweitausend-pro-tag-japans-traditionalismusfalle-und-bevoelkerungsimplosion/#comment-128628

@Quentmeier 12.09. 00:22

„Aber eine Einwanderung einer zu großen Zahl von Menschen mit anderen Wertvorstellungen, Ideologien oder Religion kann eine Gesellschaft, kann ein Land destabilisieren und letztlich zur Unterwerfung, Unterdrückung oder gar Vernichtung der ursprünglichen Bevölkerung führen.“

Wo denn? Da fallen mir nur die amerikanischen Ureinwohner zu ein. Sowas droht in Deutschland wohl eher nicht.

Dennoch erscheint es mir ziemlich suboptimal, wenn die 1. Generation Einwanderer recht spät Deutsch lernt und die 2. Generation an den Schulen überwiegend unter sich bleibt. Viele Einwanderer bringen ein gewisses Patriarchat mit, dass bei uns eigentlich ganz gut überwunden ist. Immerhin vertraue ich auf die Wirkung unserer Gesetze, die eben kein Patriarchat mehr unterstützen. Noch schneller wäre allerdings mehr intensiverer Kontakt von Einheimischen und Zuwanderern und deren Nachwuchs. Gleichberechtigung und sexuelle Freizügigkeit wie auch die Möglichkeit, sich der Religion der Eltern zu entziehen, ist einfach sehr attraktiv und auf die Dauer kaum aufzuhalten. Da sehe ich keine wirklichen Probleme.

„Es kommt allein auf die Dosis an, ob ein Stoff giftig wirkt.“

Das sehe ich bei Zuwanderung auch. Wobei giftig jetzt nicht der richtige Ausdruck ist. Ich würde es dann eher „unpässlich“ nennen. Kommen mittelfristig so viele Migranten, dass sie einen Bauboom auslösen, dann führt das wiederum selbst zu einem Arbeitskräftemangel, und natürlich für Probleme von weniger solventen Einheimischen, eine Wohnung zu finden und zu finanzieren. Zuviele unqualifizierte bzw. schlecht Deutsch sprechende Zuwanderer machen Druck auf den Niedriglohnsektor, was dann für weniger Qualifizierte Einheimische zusätzlich zur Wohnungsnot nochmal unpässlich ist.

Wer immer gewinnt sind freilich Immobilienbesitzer und Vermieter. Hier gibt es keine Obergrenzen. Und wenn es um Menschen in Not geht, dann gewinnen die natürlich auch immer, nur wenn es nicht genug Wohnungen gibt, und die in Zeltlagern untergebracht werden müssen, dann ist das auch für die nicht mehr so komfortabel.

Ich wäre dann eher dafür, ein Ziel von 0,5% im Jahr anzuvisieren, damit eben kein Bauboom ausgelöst wird, und diese Menschen nach Möglichkeit schneller zu integrieren. Das mit den Fachkräften hört sich immer gut an, aber die müssen auch existieren und dazu noch erstmal mehr Deutsch lernen. Zumal wir ja auch wirklich gerne Menschen in Not einladen wollen, das sind eben nicht immer gleichzeitig Fachkräfte.

Wenn wir den Menschen wirklich helfen wollen, dann vielleicht durch bessere Außenpolitik und bessere Entwicklungshilfe. Die hunderte von Millionen Menschen in Afrika, die eigentlich dringend Hilfe brauchen, und die hier alle gerne einwandern würden, die können wir kaum Aufnehmen. Der Hilfebedarf ist hier weit jenseits dessen, was hier mit Migration vernünftig verarbeitet werden könnte.

Was den eigenen Nachwuchs betrifft, so ist der doch ein anderes Problem für sich. Wir brauchen hier in der Tat mehr Unterstützung vor allem von Alleinerziehenden, und generell entspanntere Verhältnisse mit weniger Stress und auch weniger Arbeit. Hier kann moderate Zuwanderung sogar hilfreich sein, solange sie so moderat ist, dass sie keinen Bauboom auslöst.



Kommentar vom 13.09.2022 00:52
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/loki-otto-hirsch-captain-america-die-avengers-in-stuttgart/#comment-128611

@Joachim Fischer 11.09. 12:14

„...der Staat wird nach christlicher Auffassung wie jede menschliche (Not) Ordnung irgendwann vergehen.“

Das scheint mir eine durchaus interessante Idee zu sein. Allein die Idee, dass der Staat seinen Bürgern dienen sollte, und nicht die Bürger dem Ruhm und der Ehre der Obrigkeit dienen sollen, ist doch schon mal nicht nur wegweisend, sondern in vielen Demokratien bereits im Gange. Noch zählt das Geld der Lobbyisten mehr als die Lebensqualität und die Meinung der Untertanen, wir sind keinesfalls am Endpunkt angekommen. Und die Mitwelt zu integrieren ist weiterhin erst am Anfang.

Auch gibt es zuwenig Rücksicht auf andere Staaten, mit vielfältigen unseligen Nebenwirkungen. Zurzeit mal wieder aktuell als dieser Krieg in der Ukraine.

Aber die Grundidee, dass keine Notordnung, sondern ein wirklich vernünftiges und entspanntes Leben auf der ganzen Welt nicht nur möglich ist, sondern auch auf der Planliste der Götter steht, das hört sich wirklich gut an. Gesetze und Polizei werden bleiben, aber wenn alles so organisiert ist, dass jeder gut zurecht kommt, dass man kaum noch merkt, dass man reglementiert wird, dann ist das mehr als eben eine Notordnung.

„Wir schätzen bloss die Errungenschaften des Mittelalters weit weniger als die der Renaisance. Gute Presserbeit der Renaisancevertreter.“

Nun gut, hat bei mir auch funktioniert. Soweit ich in Geschichte aufgepasst habe. Dennoch kann es m.E. was dran sein, dass die Kultur der Römer wie der Kelten oder Wikinger für den Durchnittsmenschen lebenswerter war als das spätere Römischkatholische Christentum. Letztlich sind die Menschen immer mehr zu Leibeigenen geworden, und niemand hat sie mehr gefragt, was sie wirklich selber glauben wollen.



Kommentar vom 12.09.2022 14:16
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/der-hartnaeckige-irrglaube-der-russischen-fuehrung/#comment-27147

@Hilsebein 11.09. 17:02

„Es wird für Putin ein Genuß sein, die Europäer und insbesondere die Deutschen ankriechen und winselnd vor der Tür zu sehen. Dagegen dürfte der Gang nach Canossa ein Sonntagsspaziergang gewesen sein.“

Das stell ich mir ganz anders vor. Wenn wir Putin sagen, dass wir über die Sanktionen reden wollen, weil er den Konflikt militärisch längst verloren hat, und es aus unserer Sicht inzwischen überflüssig ist, dass wir uns wirtschaftlich gegenseitig schaden, dann hat das nichts mit Ankriechen zu tun.

Putin hat dann die Wahl. Spielt er die beleidigte Leberwurst, dann laufen eben die Sanktionen weiter, und wir müssen eben frieren. Ein Ende unserer Waffenlieferungen können wir freilich erst anbieten, wenn Russlands Vormarsch nachhaltig gestoppt ist. Auf ein Ende der Sanktionen kann Putin durchaus drauf eingehen. Den Krieg nicht gewonnen hat er sowieso, so kann er dann wenigstens den wirtschaftlichen Schaden seinerseits noch reduzieren.

Wie er dass den Russen verkaufen kann, da muss er sich eben was einfallen lassen. Er könnte ja auch ganz einfach sagen, dass er die Effektivität der westlichen Waffen unterschätzt hat, und sich inzwischen gezeigt hat, dass Russland zumindest auf konventionellem Gebiet keineswegs noch eine Großmacht ist. Und auch nicht wieder werden kann. Entsprechend bleibt nichts anderes übrig, als ein ganz normales Land zu sein, dass für sich selber seinen Weg geht und guckt, wirtschaftlich irgendwie klar zu kommen. Hier würde es sehr helfen, mit der EU wieder einigermaßen normalen Handel zu treiben.

Auch wir müssen hier nicht beleidigt sein. Putin hat hier einen großen Fehler gemacht, aber wir haben uns erfolgreich eingemischt, und sehen jetzt eine Chance, wieder zu zivilem Verhalten zurückzukehren. Und Angst vor einer weiteren Aufrüstung Russlands müssen wir schon gar nicht haben. Wir können das entspannt beobachten, und rüsten im Fall des Falles einfach mit auf. Das dürfte deutlich kostengünstiger sein, als dauerhafte gegenseitige Sanktionen.

Langfristig wird die Energiewende hier sowieso die Karten neu mischen, dann brauchen wir gar keine fossilen Energieträger mehr, und das Geschäft damit läuft sowieso komplett aus. Das muss letztlich auch Russland im Auge behalten, was seine wirtschaftliche Zukunft betrifft.



Kommentar vom 12.09.2022 01:02
https://scilogs.spektrum.de/beobachtungen-der-wissenschaft/wie-werden-technologien-in-der-zukunft-vorangetrieben-immer-noch-durch-wissenschaft-und-kapitalismus/

@Hauptartikel

„Technologische Anwendungen kommen in rasantem Tempo,...“

Was auch einfach an mehr Wissenschaftlern und an mehr Wirtschaftvolumen liegt. Wenn inzwischen auch China und Indien mit an Innovationen arbeiten, läuft alles noch schneller ab.

„...die sozialen, philosophischen und ethischen Herausforderungen müssen im gleichen Tempo bewältigt werden,…“

Wo dann eher dran gespart wird. Man will ja die anwendbaren Fachrichtungen gerade fördern, damit es schneller geht. Entsprechend kümmert sich kaum einer um Risiken und Nebenwirkungen von Innovationen.

„Ist das Zusammenspiel von Wissenschaft und Kapitalismus dafür noch erstrebenswert?“

Wenn es in Monopole ausartet auf jeden Fall nicht mehr. Wenn Facebook und Amazon kaum noch Konkurrenz haben, dann ist das nicht gut für die Kunden. Hier braucht es wohl dringend öffentlich-rechtliche Open-Source-Plattformen, die nicht die Nutzer ausspionieren und manipulieren. Und auch ist eine Gentechnik mit einem Patent auf Lebensformen monopolgefährdet, hier muss unbedingt ein Patentschutz wie bei Medikamenten auf höchstens 7 Jahre begrenzt werden, damit jeder genau solche Sorten züchten kann, die er wirklich braucht, und dabei auf dem aufbauen können, was schon entwickelt wurde.

Überhaupt zielt der Fortschritt gar nicht immer auf Produktives, das verkauft werden kann. Wir sitzen immer länger an den neuen Medien, weil immer mehr Interessantes dabei herauskommt. So wie wir hier gerade. Das geht durchaus auf die noch freie Arbeitszeit. Was gar nicht mal schlecht ist. Wir brauchen gar nicht möglichst viele Arbeitsplätze, möglichst viel Umsatz und Profit. Das Leben leben geht auch ohne ständig was zu kaufen und zu verkaufen.

Und wenn das insgesamt zuviel Stress macht, dann muss man hier nicht die Nutzung der neuen Medien reduzieren, man kann auch am anderen Ende sparen und weniger Zeit mit bezahlter Arbeit und Geldausgeben verbringen.

Gerade haben doch auch viele Innovationen das Potential, für den gleichen Nutzen weniger Aufwand zu brauchen. Das macht doch auch Luft für ein entspannteres Leben. Neben Innovationen, die neue Märkte eröffnen und mehr Umsatz versprechen.

Um hier entsprechend vorwärts zu kommen könnte man auch z.B. längere Garantiezeiten für alle möglichen Produkte vorschreiben, also für Computertechnik oder Kleidung. So um die 5 Jahre vielleicht. Das spart nicht nur Ressourcen und Energie, sondern auch Arbeitszeit. Das mag einem Kapitalismus, der ständig wachsen will, entgegenstehen. Zunächst aber mal kann Wachstum auch in die Länder getragen werden kann, die noch in Armut leben, das macht ja noch Sinn. Unsere grassierende Verschwendung dagegen nicht so viel. Und auf die Dauer geht es m.E. sogar ohne Wachstum, zumindest solange keine Langeweile aufkommt.



Kommentar vom 11.09.2022 14:10
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/der-hartnaeckige-irrglaube-der-russischen-fuehrung/#comment-27119

@Holzherr 11.09. 12:58 / 11:49

"Frage: Wollen wir uns Staaten, die ausser Atombomben nichts haben terrorisieren lassen."

Die Atombomben sind freilich ein ernstes Hindernis, sollten wir versuchen wollen, Putin gewaltsam abzusetzen. Entsprechend fällt dies als Option unsererseits komplett weg. Russland ist bzw. war für die EU aber ein wichtiger Handelspartner, die haben einiges außer Atombomben zu bieten.

Ich fühle mich derzeit auch überhaupt nicht terrorisiert. Die Ukraine wird hier terrorisiert, keine Frage. Kann sich aber wehren. Und eine Unterstützung mit Waffenlieferungen unsererseits scheint mir eine Option zu sein, insbesondere dass hier Russland seine militärische Schwäche erkennt, und mal einen Gang zurückschaltet.

Dass die uns den Gashahn zugedreht haben ist aus meiner Sicht vollkommen in Ordnung, immerhin tun unsere Sanktion auch Russland entsprechend weh.

Mein Vorschlag wäre dann auch, mit Russland über die gegenseitigen Sanktionen zu verhandeln zu versuchen. Ganz unabhängig vom Militäreinsatz und Waffenlieferungen.

Wenn Russland mit seiner Invasion scheitert, wäre ich ziemlich zufrieden. Und wenn Russland nach eventuell erfolgreichen Verhandlungen mit der Ukraine tatsächlich die Krim behalten darf, während der Rest der Ukraine sich endgültig nach Westen orientieren kann, dann wäre dieses m.E. auch eine passable Lösung.

"Ausblick: Russlands grösste Zukunftsaufgabe ist die, ein normales Land zu werden, das wie Italien und Deutschland sich um den Alltag seiner Bürger kümmert und nicht mehr um seine Stellung in der Welt."

Das trifft die tatsächliche Situation wohl ganz gut. Russland hat überhaupt keine anderen vernünftigen Optionen, und man kann begründet hoffen, dass das auch Putin sogar noch einsieht. Mal gucken, vielleicht funktioniert das ja sogar noch.



Kommentar vom 10.09.2022 14:55
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/minus-zweitausend-pro-tag-japans-traditionalismusfalle-und-bevoelkerungsimplosion/#comment-128447

@Michael 09.09. 06:58

„Nach meiner Auffassung ist mit einem Aussterben großer Menschenpopulationen nur in Abwanderungsregionen zu rechnen.“

Das macht jetzt aber auch nichts, wenn nur noch ein Rest bleibt, der Landwirtschaft und Forstwirtschaft betreibt. Schlecht für den lokalen Immobilienmarkt, aber was solls. Die meisten Immobilieneigentümer haben sowieso mehr Geld, als sie brauchen.

Die Menschen konzentrieren sich entsprechend in eher urbanen Strukturen, in denen die Wirtschaft gut läuft. Bei gleichzeitig geringen Geburtenraten wachsen dort die Einwohnerzahlen entsprechend moderater, dass hier die Bauwirtschaft noch hinterher kommt, und entsprechend Neubauten nachliefern kann. Auch kein wirkliches Problem.

„In demokratisch-freiheitlichen Arche-Regionen werden sich dagegen auch immer wieder kinderreichere, religiöse Traditionen formieren.“

Hier ist langfristig tatsächlich damit zu rechnen, dass es eben doch Bevölkerungsuntergruppen gibt, die so viel Nachwuchs haben, dass sie zunehmen. Das können einmal religiöser Orientierte sein. Aber es mag auch Leute geben, die wie auch immer irgendwie „Kinderverrückt“ sind. Ich selber hatte so eine Tante, die dann auch tatsächlich 4 Kinder hatte, und gerne noch mehr, aber aus gesundheitlichen Gründen schon mit ihrem 4. Kind ihr eigenes Leben riskiert hat.

Will man schon vorher mehr Kinder, dann muss man es auch anfassen, Eltern und vor allem Alleinerziehende mehr zu unterstützen. Was aber zunächst nichts daran ändert, dass derzeit Arbeitskräfte fehlen, das könnte hier empfindlich stören. Vielleicht braucht es auch tatsächlich weniger verschwenderischen Konsum und weniger Exportüberschuss, dann kann insgesamt weniger gearbeitet werden. Und wir haben damit dann so viel Luft im System, dass wir über die 20 Jahre kommen, bis die neuen Kinder auf dem Arbeitsmarkt ankommen.

Entsprechend mehr Zuwanderung nützt eben auch wenig, wenn sie dazu führt, dass die Bauwirtschaft nicht mehr hinterherkommt. Das macht Extraarbeit, auch für neue Infrastruktur, und wenn die Wege zur Arbeit weiter werden, dann ist das auch ein Bremsschuh für eine effektive, aber entspanntere Lebensweise.

Gerade diese Entspannung bräuchten wir vermutlich, dass die Menschen in ihrem Leben Platz für mehr Kinder haben.



Kommentar vom 10.09.2022 13:51
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/der-hartnaeckige-irrglaube-der-russischen-fuehrung/#comment-27091

@Stefan Berg 10.09. 12:06

„Aber welche westlichen Werte meint man eigentlich? Gier, Neid, kapitalistisches Konkurrenzdenken?“

Na Rechtsstaatlichkeit, Gewerbefreiheit, Demokratie, Gleichberechtigung, Religionsfreiheit, Bewahrung der Schöpfung. Clanstrukturen, Patriarchat und die daraus folgende Korruption ist auch gerne abzubauen, als Negativwerte unsererseits. Wieso denn nicht, das ist doch alles gut. Aber nicht mit der Brechstange.

„Die anderen werden sich bedanken.“

So manch einer bedankt sich ja tatsächlich. Etwa afghanische Frauen.

Aber andere gehen auch Wege, die weiterführen können. China etwa hat es schon mal geschafft, wenigstens so viel Freiheit zu lassen, dass die Wirtschaft läuft und man sogar unseren technologischen Vorsprung aufholen konnte.

Russland hat da weniger vorzuweisen, aber immerhin lässt man sich nicht abzocken und man beutet seine Rohstoffe so aus, dass das Geld im Land bleibt.

Ich denke aber auch, dass es uns gar nicht immer um unsere Werte geht. Die USA mögen China vor allem als Konkurrenten auf dem Weltmarkt nicht mehr. Und im aktuellen Konflikt kann uns die USA jetzt auch teures Gas und jede Menge teure Waffen verkaufen, ohne selbst von den Sanktionen gegen Russland groß betroffen zu sein. Während wir überlegen müssen, wie wir über den Winter kommen, machen die noch plus.



Kommentar vom 10.09.2022 00:38
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/loki-otto-hirsch-captain-america-die-avengers-in-stuttgart/#comment-128415

@Joachim Fischer 08.09. 17:32

Die Bergpredigt finde ich nicht wieder. Können Sie die verlinken?

„Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott angeordnet.“

Das legitimiert doch grundsätzlich jede Regierung. Wer es wie auch immer geschafft hat, an die Macht zu kommen, gilt dann als quasi von Gott eingesetzt. Ich finde das ziemlich finster, wenn man jeden noch so üblen Despoten akzeptieren soll.

„Da sprach er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“

Was im Zusammenhang in etwa so zu deuten ist: Wenn wir nun mal Kaiser haben, die mit allen Klauen ihre Macht verteidigen, dann zahlen wir einfach und wenden uns dennoch geistigen Qualitäten zu.

Auch hier freue ich mich doch über einen Staat, der sich auch vernünftig um die allgemeine Lebensorganisation kümmert, und mir ansonsten mehr vom Leben lässt.

Das Mittelalter war in seiner Zeit natürlich nicht viel finsterer als anderswo auf der Welt. Besser war wohl vielleicht die Zeit der muslimischen Herrschaft über Andalusien.

Aber verglichen mit den letzten 200 Jahren war es eine finstere Zeit. Einmal für die Geistesfreiheit, und später auch was die weltliche Freiheit betrifft. Die konnte eigentlich erst nach dem 2. Weltkrieg bei uns im Westen wirklich zulegen. Und das wohl eher gegen den Widerstand der großen Kirchen.

Und verglichen mit den Zeiten der sogenannten Naturreligionen und vielleicht sogar noch zu Zeiten der Kelten, war hier auch das Mittelalter kein wirklicher Fortschritt, sondern insbesondere auch ein finsteres Zeitalter, was die Geistesfreiheit der Menschen betrifft.

Auch Rom ging es nach der Christianisierung nicht besser, im Gegenteil, damit fing der Niedergang der römischen Zivilisation an.

„In der gesamten Orthodoxie(Ausnahme Ägypten) , dem sunnitischen Islam oder dem japanischen Kaiserreich hatte der weltliche Fürst ein Eingriffsrecht in die Religion und ihr Führungspersonal (Fachbegriff “ius in sacris”), davon machte sich die Westkirche (=römische Kirche) sehr schnell frei.“

Immerhin konnten katholische Geistliche ihre Posten nicht vererben, und ein neuer Papst wurde immer von den Kardinälen gewählt. Das ist noch kein demokratischer Standard, weil die Kardinäle wiederum vom vorherigem Papst ernannt wurden. Aber im Mittelalter war dieses sicherlich demokratischer als üblich. Jedenfalls haben die großen Kirchen gegen das Modell der Monarchie nichts unternommen, und bei dessen Überwindung im letzten Jahrhundert eher noch Widerstand geleistet.

Dass hier ganz aktuell der orthodoxe Kirchenfürst mit Putin gut kann, passt hier ganz gut ins Bild.



Kommentar vom 09.09.2022 16:55
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/der-hartnaeckige-irrglaube-der-russischen-fuehrung/#comment-27076

@Omnivor 09.09. 13:08

„Eine Nach-Putin Junta wird versuchen, langfristig wirkliche militärische Stärke aufzubauen, um die russische Erde einzusammeln. Ein neuer kalter Krieg, der viele Ressourcen verbraucht.“

Wenn Russland die technologischen und finanziellen Mittel dazu hätte, dann hätte Putin das doch längst gemacht. Wir brauchen nicht mehr dagegen halten, als wie Russland Geld dafür hat. Das Bruttosozialprodukt der Nato ist 15 mal höher als das von Russland. Das wird sich auch nicht groß ändern. Nicht mit und nicht ohne Sanktionen oder Gashahn zudrehen und wieder aufdrehen.

Vernünftige Politik wäre es, nicht zu versuchen die Menschen in Nachbarländern auch noch zu verwalten, wo doch unterm Strich gar nichts bei rauskommt. Wenn man wirklich was jenseits von Rohstoffverkäufen verdienen will, muss man Korruption überwinden und den Menschen so viel Freiheit lassen, dass sie sich entfalten können, indem sie produktiv sind.



Kommentar vom 09.09.2022 16:23
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/der-hartnaeckige-irrglaube-der-russischen-fuehrung/#comment-27074

@Stefan Berg 09.09. 13:08

„Wir opfern unseren Wohlstand für ein korruptes Oligarchen-Regime, das auf dem Korruptionsindex weit hinter Athiopien und Albanien liegt mit der ammenmärchenhaften Begründung, dort würde unsere Freiheit verteidigt.“

Auch hier könnte sich zeigen, dass eine Ukraine gar nicht EU-tauglich ist. So wie die Türkei kann die Ukraine aber doch Natotauglich sein. Mit Nebenwirkungen dann womöglich auch, immerhin drohte seitens der Türkei schon Krieg mit dem Auch-Nato-Partner Griechenland.

Und das mit unserer Freiheit hat sich auch nicht bestätigt. Im Gegenteil hat dieser Krieg bisher offenbar gezeigt, dass Russland zumindest keine konventionellen militärischen Mittel hat, der Nato gefährlich zu werden. Hier gibt es entsprechend auch praktisch nichts präventiv zu verteidigen.

Das Einzige was ich hier wirklich sehe, dass sind echte Sympathien der Ukraine gegenüber. Auch bei den Protesten in Weißrussland gab es Sympathien von unserer Seite aus. Man muss dem aber eben nicht unbedingt folgen, besser ist das, auch das Gesamtergebnis zu betrachten. Ich persönlich habe auch deutliche Sympathien für eine gesicherte Gasversorgung und finde auch steigende Lebensmittelpreise weniger sympathisch.

Unterm Strich haben wir die Sache angefangen, und sollten sie fortsetzen, bis der Russische Vormarsch nachhaltig gestoppt ist. Eine Rückeroberung der ganzen ehemaligen Ukraine ist m.E. allerdings verzichtbar, so viel Unterstützung ist entsprechend auch der ukrainischen Führung eventuell zu verweigern. Das würde die Gewalttätigkeiten noch mal deutlich ausweiten, da würde ich eine Verhandlungslösung bevorzugen.

@Holzherr 09.09. 15:49

„Es geht einfach nicht, Putin, der Anspruch auf ganz Osteuropa, auf das ganze frühere Sowjetreich erhebt, siegen zu lassen.“

So wie das aussieht, haben wir das inzwischen doch schon erreicht.

„Oder würden sie als Mieter weiterhin in einer Wohnung bleiben, wenn der Vermieter die östliche Hälfte des vermieteten Gebäudes in ein Gefängnis verwandelt.“

Wir wohnen hier nicht im selben Haus. Da sind ein paar tausend Kilometer dazwischen. Entsprechend können wir auch mit einer Autokratie in Russland leben, an der wir sowieso nichts wirklich dran ändern können. Wenn hier mal wirklich was helfen kann, dann ist das eine erfolgreiche Energiewende, die dazu führt, dass Russland nirgendwo mehr fossile Brennstoffe verkaufen kann. Dann muss sich auch Russland um eine effektive Binnenwirtschaft kümmern, die eben auch hinreichende Rechtsstaatlichkeit und Freiheit der eigenen Bürger benötigt.



Kommentar vom 09.09.2022 12:34
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/der-hartnaeckige-irrglaube-der-russischen-fuehrung/#comment-27068

@Webbaer 09.09. 10:57

„Die Idee sich in einen langfristigen Stellvertreter-Krieg gegen Russland zu begeben, ist aus diesseitiger Sicht krank.“

Da hab ich eigentlich auch kein gutes Gefühl bei. Aber die ukrainische Demokratie zu unterstützen hat dennoch was.

„Dr. Webbaer sieht hier auch intellektuelle Schwäche der Führer, äh, Leiter liberaler Demokratie. “Smart Joe” und Annalena denken womöglich zu stringent i.p. Gut und Böse, nicht realpolitisch,…“

Ja nun, Autokratie mögen wir nicht. Aber wir können auch nicht Demokratie verordnen, nur fördern. Wenn es um fossile Rohstoffe geht, so können wir die auch nur da einkaufen, wo sie angeboten werden. Das sind dann überwiegend Autokraten. Was auch einfach daran liegt, dass hohe Einnahmen aus Rohstoffexporten Autokratien begünstigen.

Hier kommen wir nur raus, wenn wir die Energiewende fertig haben.

Frau Baerbock sagte die Tage, man sollte nur mit Ländern Handel treiben, die unsere Werte teilen. Das erscheint mir kaum praktikabel. Ein wiedergewählter Trump würde dann sogar eine Zusammenarbeit mit den USA kritisch machen. Nichts gegen unsere Werte, aber Andere haben auch mal andere Werte.

Unterm Strich können wir nicht einfach jeden Autokraten für illegitim erklären und erst die Zusammenarbeit einstellen, und dann auch noch militärisch niedermachen. Und erfahrungsgemäß kommt dann auch keine Demokratie dabei heraus, sondern nur anhaltender Bürgerkrieg. Das hilft den Menschen schon mal gar nicht.

Die bedingungslose Kapitulation von Deutschland und Japan im 2. Weltkrieg hat dennoch zu funktionierenden Demokratien geführt. Das ließ sich in der Zeit danach aber kaum reproduzieren, insbesondere bei den Auseinandersetzungen in der arabischen Welt kam bei westlicher Einmischung fast immer Bürgerkrieg bei raus.

Hätte Russland seine Atomwaffen nicht, könnte man darüber nachdenken, das dortige Autokratieproblem einfach militärisch zu lösen, wie man es im Irak versucht hat. Nur als Gedankenexperiment: könnte das Erfolg haben?



Kommentar vom 09.09.2022 00:40
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/der-hartnaeckige-irrglaube-der-russischen-fuehrung/#comment-27049

@Hauptartikel

„Die nach einigem Zögern vom Westen gelieferten modernen Waffen sind der Ausrüstung der russischen Armee weit überlegen.“

Das wusste wohl Putin vorher nicht so recht, und wir womöglich auch nicht wirklich. Ein konkreter Krieg ist sehr dynamisch, wie es läuft ist schwer prognostizierbar. Auch die Kampfmoral hat große Auswirkungen.

„Die russische Führung hält gegen alle Realität daran fest, dass die Ukraine nach Russland gehört, die russische Armee überlegen und der Westen verweichlicht ist.“

In der Tat ist man hier teilweise wie eine durchgeknallte Sekte unterwegs. Aber die Existenz der Ukraine scheint ja nun faktisch nicht zu ändern zu sein, egal was Putin glaubt oder nicht glaubt. Wenn das so weiter geht, dann wird die ganze Aktion nichts, und der Westen erweist sich als Entschlossen, aktiv und erfolgreich. Auch das ist dann faktisch.

Ich denke aber, dass uns ein militärischer Sieg reichen kann.

Aus einer Position der Stärke heraus könnte man durchaus versuchen, über die gegenseitigen Sanktionen zu verhandeln. Offenbar sind die Sanktionen aus unserer Sicht gar nicht erforderlich, um das konkrete Problem zu lösen. Warum sollen wir uns das Leben schwer machen, wenn das unnötig ist?

„...unterstützt eine Dreiviertelmehrheit der Russen den Krieg, aber wohl nur, solange sie im Alltag nichts davon bemerken.“

Das ist jetzt die große Frage. Ich vermute mal, dass auch spürbare Sanktionen wenig an der Zustimmung zu Putin ändern werden.

„Andererseits ist die Unterstützung für die Regierung in Kriegszeiten immer recht groß, nicht nur in Russland.“

Eben deswegen.

Also wieso hier frieren und die eigene Wirtschaft beschädigen? Wenn Putin verrückt genug ist, wird er auf keinerlei Angebote eingehen, und den Gashahn zulassen, egal was wir machen. Dann geht es eben nicht.

Aber ein Versuch wäre es wert finde ich. Keiner in Europa und Russland hat was von diesen Sanktionen, auf beiden Seiten nicht. Er kriegt die Ukraine nicht, und wir müssen mit Putin als unfreundlichem Nachbarn weiter leben. Wieso uns gegenseitig noch quälen?

Ich würde mal fragen, welche konkreten Sanktionen wir zurücknehmen müssen, bis dass wieder Gas geliefert wird. Dann können wir überlegen, ob es uns das Wert ist. Wir können natürlich mittelfristig gucken, dass wir auf dem Weltmarkt anderswo Gas auftreiben. Und Russland kann dann selber gucken, ob auch er sein Gas woanders verkaufen kann. Kurzfristig ist für uns und für Russland dann so aber zunächst mal viel gewonnen.

Dass wir hier kein Vertrauen mehr haben, und uns langfristig unabhängig machen werden, wird Putin denn nun wohl verstehen. Dass wir nicht verweichlicht sind haben wir glaube ich längst bewiesen. Auch wenn wir dafür selber frieren müssen, werden wir die Ukraine weiter unterstützen. Aber was gar nicht nötig ist und darüber hinaus auch nichts hilft, dass brauchen wir wohl nicht.

Auf die militärische Kampfkraft der russischen Streitkräfte werden unsere Sanktionen jedenfalls wenig Einfluss haben. Und wenn Russland mit weniger Sanktionen langfristig mehr aufrüstet, dann tun wir das eben auch. Wir in Europa haben immer noch 10 mal mehr Geld als Russland.



Kommentar vom 08.09.2022 14:52
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/minus-zweitausend-pro-tag-japans-traditionalismusfalle-und-bevoelkerungsimplosion/#comment-128362

@Michael 08.09. 14:14

„Menschen werden bereits jetzt regional knapp.“

Ja das kann doch sogar ein Argument sein, Wirtschaft hier zu reduzieren. Mit weniger Verschwendung und wenn möglich auch weniger Exporten in alle Welt.

Ich bin irgendwie auf der Suche nach einer entspannteren Lebensweise, die mit weniger Ressourcen auskommt und sich dann irgendwann auch wieder mehr eigenen Nachwuchs leisten kann.

„Zuwanderungspolitik sollte vorausschauend, humanitär und integrativ sein.“

Wobei ich vor allem dem integrativ nur beipflichten kann. Wenn die 1. Generation teilweise erst nach Jahrzehnten richtig Deutsch lernt, und die 2. Generation in den Schulen weitgehend unter sich bleibt, weil in Ghettos gewohnt wird, dann leidet natürlich die Integration. So sollen in den letzten Jahren 500.000 junge Türken, die hier geboren und gut ausgebildet wurden, in die Türkei zurückgegangen sein. Weil sie sich hier nicht heimisch fühlen, und mit ihrer guten Ausbildung auch in der Türkei was werden können.

Was natürlich für uns ein ärgerlicher Verlust ist.



Kommentar vom 08.09.2022 13:29
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/minus-zweitausend-pro-tag-japans-traditionalismusfalle-und-bevoelkerungsimplosion/#comment-128357

@Webbaer 08.09. 09:10

„...große international tätige Immobilien-Investoren, Vermögensverwalter, werden auch in Japan versuchen politischen Druck auszuüben, damit Immigration versucht wird, auch massenhafte.“

Bei der Beurteilung von Migration kommt es entsprechend sehr drauf an, ob man Mieter oder Vermieter ist.

Am liebsten nehmen wir natürlich dringend benötigte Fachkräfte, es kommen aber halt viele nicht so gut Ausgebildete. Dazu kommt, dass auch diese Fachkräfte oft erstmal im Niedriglohnsektor arbeiten müssen, bis sie genug Deutsch gelernt haben. Das ist jetzt wieder ziemlich schlecht für wenig qualifizierte Einheimische. Ich kann mich an Zeiten erinnern, wo man als Zusteller oder Taxifahrer noch gutes Geld verdienen konnte.

Entsprechend fällt auch bezüglich des Arbeitsmarktes die Beurteilung von Migration anders aus, je nachdem wie qualifiziert man selber ist.

Nun gut, von einer brummenden Wirtschaft profitieren am Ende auch Unqualifizierte. Aber deutlich weniger.

Was speziell Japan betrifft: die haben wenig Platz, und müssen vermutlich viele Nahrungsmittel importieren. Wenn die wirtschaftliche Entwicklung der derzeit noch armen Ländern sich nachhaltig verbessert, könnte es für Japan schwierig werden, sich zu ernähren. Das wäre ein Argument für Bevölkerungsrückgang und gegen Zuwanderung.



Kommentar vom 07.09.2022 15:18
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/minus-zweitausend-pro-tag-japans-traditionalismusfalle-und-bevoelkerungsimplosion/#comment-128323

@Hauptartikel

„Wie sollen ohne mehr junge Menschen etwa die Energie- und Wärmewende, Bildung und Verwaltungen, Gastronomie und Industriebetriebe, Medizin und Pflege oder auch etwa der Ausbau des ÖPNV gelingen?“

Naja, lokal leicht sinkende Bevölkerungszahlen erfordern wenig Neubauten. Das macht schon was aus. In München oder Düsseldorf findet man leichter Arbeit als in Dortmund, dafür geht dort aber auch mehr als das doppelte für Miete drauf. Wenn die Bevölkerung aber so zurückgeht, das massenhaft Wohnungen leerstehen, dann nützt das freilich nichts mehr.

Einerseits steigt die Automation weiter, so sehe ich in Bildung und Verwaltung aktuell ein großes Potential für Arbeitseinsparungen. Anderseits praktizieren Viele eine ziemliche Verschwendung, nicht nur bei Nahrungsmitteln und Fleischverzehr, auch Privatpkw und Fernreisen sind nicht besonders sinnvoll. Hier ist Potential für weniger arbeiten müssen.

Das brauchen wir eigentlich auch, wenn wir wirklich mehr Kinder haben wollen. Die machen nämlich erstmal selber ziemlich viel Arbeit, und kommen erst mit 20 Jahren Verspätung auf dem Arbeitsmarkt an. So paradox es klingt, haben wir wieder 2 Kinder pro Frau, dann muss irgendwer weniger Arbeiten.

Wenn man denn auch mehr Kindergeld zahlt, und vor allem einheitlich und um die 700 Euro, dann können die Eltern und insbesondere Alleinerziehende auch weniger arbeiten und können Zeit und Arbeit in Kinder investieren.

So weit das aber dann auch nicht reicht, dann wird der Rückgang eben nur begrenzt. Aussterben droht ja so schnell nicht.

Immerhin ist der Mensch zuweilen auch eine Landplage, insbesondere der rücksichtslose und verschwenderische Mensch. Zuwanderung aus humanitären Gründen ist auch begründet, allerdings hilft es auch, wenn man z.B. in Afrika mehr Unterstützung vor Ort leistet, dass sich da mal die Lebensverhältnisse bessern. Das könnte nebenbei auch das dortige Bevölkerungswachstum entschärfen. Florierende Wirtschaft und Sozialleistungen sind nicht nur ein wirksames Mittel gegen übermäßigen Kinderreichtum, das hilft auch gegen Clanstrukturen, Patriarchat und Korruption.

Wenn es um die Welternährung geht, spielen die Staatsgrenzen keine große Rolle. Der Bedarf und die Weltmarktpreise sind ziemlich international. Hier kommt es nur auf die Gesamtnachfrage und das Gesamtangebot an. Entsprechend ändert hier Migration nicht so viel, und verschiebt die Probleme nur, statt sie zu lösen.



Kommentar vom 06.09.2022 16:10
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/klimawandel-stadt-haarlem-will-als-erste-auf-der-welt-fleischreklame-verbieten/#comment-75021

@Holzherr 06.09. 15:05

„Gestern hörte ich einen Podcast mit einem deutschen Batterie- und Wasserstoffforscher und der sagte: Wasserstoff hat eine grosse Zukunft aber nicht in den nächsten 10 Jahren, sondern frühestens in 20 Jahren.“

Was den flächendeckenden Einsatz in der Energieversorgung betrifft, dauert das noch, klar. Aber für den Fleischersatz durch Bakterienkulturen braucht man vergleichsweise nur sehr wenig Wasserstoff. Für 250 g Fleischersatz am Tag müssten um die 2 kwh Wasserstoff reichen, die hätte man jetzt schon übrig.

Bzw. nach der aktuellen Energiekrise. Der Anbau von Futtermitteln und die Tierhaltung verbraucht neben Land auch noch mal Energie, die spart man auch ein.

„Allgemein gilt, dass die weltweite Verbreitung der meisten neuen Technologien, vor allem aber von neuen, anderen Ernährungsweisen mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen.“

Erstmal muss das ja funktionieren, dann stellt sich die Frage was das kostet und ob das denn auch schmeckt. Und dann muss man sich noch dran gewöhnen. Das dauert natürlich alles. Vegetarische Würstchen etc. könnten da schneller sein.



Kommentar vom 06.09.2022 14:50
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/klimawandel-stadt-haarlem-will-als-erste-auf-der-welt-fleischreklame-verbieten/#comment-75016

@Holzherr 06.09. 08:48

„Ich könnte mir sogar vorstellen, dass irgendwann alle Nahrung aus dem Labor kommt. Das wäre für die Welt eigentlich gut, denn dann könnte man auf die Landwirtschaft verzichten. Riesige Landstriche könnten renaturiert werden.“

So sähe es dann wohl aus. Aber ein allgemeiner Fleischersatz wäre schon in der Lage, die Anbauflächen schon mal zu halbieren, was dann schon in Richtung neues Naturparadies gehen kann.

Fleischersatz ist auch deswegen effektiver als ein Ersatz pflanzlicher Nahrungsmittel, weil gerade die übliche Fleischerzeugung erstmal Futtermittel braucht, die unter großen Verlusten vom Stoffwechsel des Tieres nochmal umgesetzt werden müssen.

Entsprechend brauchen wir keine Bakterien, die zunächst Futtermittel herstellen, die dann von anderen Bakterien wieder zu Fleischersatz umgesetzt werden. Wenn gleich sofort tierische Eiweiße und Fette von den Bakterien mittels der Energiequelle Wasserstoff hergestellt werden können, ist eine Wirtschaftlichkeit der Methode eher in Sicht.



Kommentar vom 06.09.2022 13:47
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/klimawandel-stadt-haarlem-will-als-erste-auf-der-welt-fleischreklame-verbieten/#comment-75014

@Stephan 06.09. 09:28

„Die Idee, aus Stammzellen Fleisch für den Verzehr herzustellen, klingt auf dem Papier vielleicht verlockend; und besser für die Umwelt und das Tierwohl wäre es allemal. Aber der Ressourcenverbrauch ist immer noch hoch.“

Die Züchtung aus Stammzellen hilft entsprechend nicht weiter, was den Landverbrauch betrifft. Man braucht Zucker zur Ernährung der Kulturen, den muss man per Landwirtschaft produzieren.

Interessanter ist der Ansatz, gleich Bakterien zu züchten, die entsprechende tierische Proteine und Fette herstellen und als Energiequelle Wasserstoff verwerten können. Das ist dann erst unabhängig von Ackerland. Ich fände das gar nicht mal eklig, immerhin nutzen wir Bakterien und Pilze in vielfältigster Form, um Nahrungsmittel haltbarer und schmackhafter zu machen. Etwa Käse, Joghurt, Bier, Wein, Brot, Sojasoße oder Schinken.

„Kurzum, bis auf Weiteres scheint Fleischersatz aus Gemüse und Hülsenfrüchten die bessere (sowie günstigere) Lösung zu sein.“

Klar, diese Bakterienkulturen sind derzeit noch nicht marktreif. Aber wenn das mal funktioniert, dann scheint mir das Potential zu haben.



Kommentar vom 06.09.2022 01:02
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-deutschsprachige-monismus-nach-ernst-haeckel-martin-buber-und-karl-popper/#comment-127681

@Webbaer 05.09. 17:57

„...und je mehr Evidenz bereit steht, desto mehr kann einer wie gemeinten Sichtenbildung vertraut werden.“

Die Evidenz besteht aber doch aus zu beobachtender Regelmäßigkeit, und ist damit mit Beweisen und Wahrheit eng verwandt. Oft kann hier nur mit fortgeschrittener Mathematik die konkrete Regelmäßigkeit überhaupt identifiziert werden. Auch wenn man in der Psychologie Fragebögenumfragen auswertet, kommt man an der Mathematik nicht vorbei. Ebenso beim korrekten Verständnis jeglicher Statistik.

„Beweise, Wahrheit und so sind etwas für tautologische Systeme, der sog. Formalwissenschaft, bspw. ist Mathematik eine Formalwissenschaft.“

Auch diese Formalwissenschaft gründet auf praktischer Evidenz: Der Evidenz, dass kundige Mathematiker einen korrekten Beweis alle richtig finden. So ist ein mathematischer Beweis genau dann korrekt, wenn jeder Mathematiker, der kundig genug ist, ihn als korrekt sieht und empfindet. Nur so funktioniert praktische Mathematik.

Die Intelligenz selbst erweist sich hier als eigene Evidenz. Wo es wild und spirituell wird, da hört das nicht auf, es geht weiter. Lebenserfahrung, Lebensweisheit und Strategien, mit Geisteswelten umzugehen, sind entsprechend in ihrer Wirksamkeit nicht weniger evident als Korrelationen in statistisch erfassten Experimenten.



Kommentar vom 05.09.2022 18:12
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/klimawandel-stadt-haarlem-will-als-erste-auf-der-welt-fleischreklame-verbieten/#comment-74782

@Stephan 05.09. 17:00

„Ich sagte bereits, das Thema hier nun nicht in seiner wissenschaftlichen Tiefe würdigen zu können. Es gehört auch eher in Stefan Rahmstorf KlimaLounge nebenan!“

Leider hab ich von Herrn Rahmstorf schon lange nichts mehr gehört. Inzwischen haben sich bei mir zu dem Thema ein paar Fragen angesammelt:

Ich hab in den Medien gehört, dass die Klimamodelle für Europa nur die Erwärmung, aber nicht die Trockenheit abbilden. Entsprechend ist es möglich, das die seit 5 Jahren andauernd Trockenheit in weiten Teilen Europas eher Zufall als Klimawandel ist.

Dann beobachtet man ein zunehmendes Mäandern des Jetstreams auf der Nordhalbkugel, und auch hier können die Klimamodelle dieses nicht abbilden.

Hierbei existiert der Verdacht, dass die inzwischen installierten Windkraftanlagen eine gewissen Beitrag zur aktuellen Trockenheit wie auch zum Mäandern des Jetstream beitragen. Da würde mich sehr interessieren, was denn die Klimamodelle dazu sagen.

@Stefanie Homberger 05.09. 17:00

„Es existieren auf dieser Erde Wissenschaftler, die die Komplexität der Klimakrise begreifen und durch mathematische Modelle dankenswerterweise Aussagen über die Zukunft treffen können.“

Die Modelle sind allerdings alles andere als genau. Für eine Verdopplung der Treibhausgase prognostizieren diese eine Temperaturerhöhung zwischen 1.5° und 4.5°, wovon inzwischen 1.2° schon erreicht sind. Es erwarten uns also noch 0.3° bis 3.3°. Das ist keine wirkliche Prognose, die uns wissen lässt, was wir zu erwarten haben. Die Risiken, die auf uns zukommen sind offenbar gewaltig, und auch ist es gewaltig unsicher, wie schlimm es wirklich wird.

In den Medien gibt es immer wieder Berichte über gleich mehrere Kipppunkte, betreffend etwa die Abschmelzung der Eiskappen auf Grönland und der Antarktis, dem Auftauen des Permafrostes oder ein Abreißen des Golfstroms im Nordatlantik. Von denen aber eben keiner weiß, wo die genau liegen. Das ist jetzt auch anscheinend mit die Ursache der Unsicherheit in den Modellrechnungen.



Kommentar vom 05.09.2022 17:31
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/klimawandel-stadt-haarlem-will-als-erste-auf-der-welt-fleischreklame-verbieten/#comment-74779

@Holzherr 05.09. 15:40

„...und China kann durch Investitionen in Länder, die durch den Klimawandel bedroht sind, sich Einfluss in wichtigen Regionen verschaffen.“

Na hoffentlich steigen wir hier auch in eine produktive Konkurrenz ein, das würde den armen Länder helfen, und nachfolgend sogar das Bevölkerungswachstum in Afrika beenden können. Wohlstand und Bildung sind wohl hier die wesentlichen Faktoren, je früher das in Afrika was wird, desto weniger erhöht sich noch die Weltbevölkerung.

„Europa wird den Klimawandel über eine steigende Migration spüren…“

Entsprechend wäre eine Belebung der Wirtschaft auch in Afrika auch ein Mittel gegen ungeliebte Migration.

@Wolfgang Richter 05.09. 16:37

„Eine Betrachtung zur zukünftigen Ernährung auch und geradevor dem Hintergrund der zunehmenden Extremwetter erscheint mir nun sehr wichtig.“

In der Tat mache ich mir hier auch die meisten Sorgen. Häuser kann man woanders bauen, wo z.B. keine Überschwemmungen drohen. Insbesondere in den noch armen Ländern muss ja sowieso erst noch vernünftiger Wohnraum gebaut werden. Wenn es dann noch für die Klimaanlage reicht, dann ist doch das Meiste überstanden.

Aber wegen Klimawandel sinkende landwirtschaftliche Erträge, noch steigende Weltbevölkerung und mehr Geld für Fleisch bei Vielen, die heute noch zu arm sind, sich reichhaltig zu ernähren, sind eine ungute Mischung. Als Lösung fallen mir hier neben weniger Fleisch Essen und weniger Wegwerfen nur die Bakterienkulturen ein.



Kommentar vom 05.09.2022 12:39
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/klimawandel-stadt-haarlem-will-als-erste-auf-der-welt-fleischreklame-verbieten/#comment-74759

@Rudi Knoth 05.09. 07:33

„Wenn zur Erzeugung von Strom man einen Wirkungsgrad von 30% erreicht, dann kann man das Heizöl genauso gut direkt zum Heizen nehmen.“

Vollkommen klar, dass eine Wärmepumpenheizung nur richtig Sinn macht, wenn sie mit nicht fossil erzeugtem Strom betrieben wir. Den haben wir tatsächlich auch in der Heizperiode, insbesondere in windigen Phasen, die im Winter durchaus überwiegen. Spätestens ab März kommt die Sonne wieder raus, und kann hier zusätzlich Strom für die Wärmepumpe liefern.

In winterlichen Dunkelflauten wird es entsprechend teuer, wenn man dann Backupstrom nutzen muss. Hier kann eine zusätzliche Alternativheizung sinnvoll sein.



Kommentar vom 05.09.2022 00:43
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/klimawandel-stadt-haarlem-will-als-erste-auf-der-welt-fleischreklame-verbieten/#comment-74736

@Holzherr 04.09. 22:26

„Und 79.9% der heute erzeugten Energie stammt aus der Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas.“

Ich vermute mal, dass die 20.1% nichtfossile Energie aber größere Stromanteile hat, und damit wertvoller ist als die übrigen 79.9%. Wird Primärenergie in Strom umgewandelt oder als Benzin zur Antriebsleistung verwendet, geht viel Energie verloren. Selbst beim Einsatz von Wärmepumpen zu Heizzwecken ist der Strom effektiver als z.B. Gas, wenn es in der Heizung nur verbrannt wird. Dagegen steht, dass nichtfossile Technik auch mal Überschüsse erzeugt, die öfter nicht so effektiv genutzt werden können, wie der Strom, der direkt verbraucht werden kann.

Unterm Strich wären wir also doch schon etwas weiter als bei 20.1%.

„Wenn etwas kontinuierlich ansteigt, dann ist das in erster Linie der Energieverbrauch der Menschheit.“

Das wird in der Tat noch lange so weitergehen, und es ist auch nichts dagegen zu sagen, wenn noch arme Länder aufholen, und auch einen gewissen Wohlstand haben wollen. Bei uns und auch bei Wohlhabenden in an sich armen Ländern ist allerdings viel Luft nach unten. Natürlich auch beim Fleischkonsum.

Was bleibt: Es wird schwierig, teuer und langfristig, bis wir die Treibhausgasemissionen wirklich eingestellt haben. Aber es geht halt nicht anders, wir brauchen mehr Investitionen in Erneuerbare Energiequellen und alles, was da noch zugehört. Wir können aber hoffen, dass die Technik kostengünstiger wird, bis es gar nicht mehr teurer wird, als Neuinvestitionen in fossile Technik inclusive der zugehörigen Brennstoffbeschaffung.



Kommentar vom 04.09.2022 15:20
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/klimawandel-stadt-haarlem-will-als-erste-auf-der-welt-fleischreklame-verbieten/#comment-74715

@etwas weniger Fleisch reicht erstmal

Ich denke mal, dass der Landverbrauch das Hauptproblem des Fleischkonsums ist, die sonstige Klimawirkung ist nur mäßig relevant, und kann auch durch andere Tierarten und sogar anderes Futter für Wiederkäuer reduziert werden. Auch Bioanbau vermeidet meines Wissens schon mal die Stickstoffproblematik, wenn die Gülle vernünftig kompostiert wird. Und um Treibhausgase zu reduzieren gibt es ganz viele andere Möglichkeiten. Beim Flächenverbrauch dagegen gibt es zunächst wenig alternative Lösungen.

Wir müssen nur den Fleischverbrauch etwas reduzieren, bzw. weniger Nahrungsmittel wegwerfen. Gerne auch durch ein Werbeverbot. Dadurch reduziert sich schon der landwirtschaftliche Landverbrauch deutlich. Wenn hier nur 10 bis 20 % eingespart wird, dann haben wir Luft keine weiteren Wälder zu roden, Moore wieder zu vernässen und auch langsam aber sicher auf Bioanbau umzusteigen.

Auch hilft der Bevölkerungsrückgang in den Industrieländern reichlich mit, auch wenn in Afrika immer noch die Bevölkerung wächst. Noch besser natürlich wäre es, wenn der Trend anhält, dass in immer mehr Ländern die Geburtenraten doch noch zurückgehen.

Die Situation würde sich allerdings noch mal ändern, wenn nicht nur China, sondern auch Indien und Afrika aus der Armut halbwegs rauskommt. Dann werden die voraussichtlich auch anfangen, nicht unerhebliche Mengen an Fleisch und anderen Tierprodukten nachzufragen. Vermutlich einfach, weil es den Menschen schmeckt. Aber so weit ist es jetzt noch nicht.

Noch sind wir nah an einer Überproduktion dran. Zuviel Einsparung durch weniger Fleischkonsum bräuchte Maßnahmen, die Bauern zu stützen. Dass die ihre Tierhaltungskapazitäten kontrolliert reduzieren und freiwerdende Flächen aus der Nutzung genommen werden können bzw. auf Bioanbau umgestellt werden.

Wenn es allerdings mittel- oder langfristig gelingt, Bakterienkulturen zu züchten, die nur mit der Energiequelle Wasserstoff gefüttert werden müssen und bevorzugt tierisches Eiweiß und Fett aller Art produzieren, dann wären wir in einer ganz anderen Situation. Die Photovoltaik ist im Vergleich zu Photosynthese 10 bis 20 mal effektiver und braucht kein Wasser, und diese Bakterienkulturen können vielleicht nicht nur Futtermittel ersetzen, sondern gleich tierische Produkte nachahmen.

Dann hätte man nicht nur den Flächenverbrauch im Griff, dann bräuchte man generell kaum noch Tiere zu halten und wäre damit das Tierwohlproblem wie auch den Methanausstoß los. Und auch ein klimawandelbedingter Rückgang der weltweit erzielbaren Ernteerträge wäre kein Problem mehr.



Kommentar vom 04.09.2022 13:06
https://scilogs.spektrum.de/semantische-wettkaempfe/die-redeweise-der-moralisierung-sprachliche-strategien-des-nichthinterfragens/#comment-5009

@Stephan 03.09. 12:11

„Übrigens ist es eine offene psychologische Frage, ob solche Manipulationsversuche automatisch nicht mehr funktionieren, wenn man sie kennt.“

Mit Werten und Koryphäen argumentieren kann ja auch Bestandteil von authentischer Argumentation sein. Erst wenn man anfängt zu verbiegen, wird es richtig manipulativ.



Kommentar vom 04.09.2022 00:52
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-deutschsprachige-monismus-nach-ernst-haeckel-martin-buber-und-karl-popper/#comment-127449

@Stephan 03.09. 13:52

„Über “das Sein” können wir, meiner Meinung nach, jenseits der Phänomenologie gar nichts aussagen.“

Naja, nehmen wir das Beispiel eines Computerspiels. Als Nutzer kann ich nur die Spielwelt beobachten und meinen Avatar steuern, und eben dadurch mitspielen. Wenn ich ein wenig Ahnung vom Programmieren habe, kann ich mir auch überlegen, wie das Spiel in etwa programmiert worden ist. Aber ich kann ganz sicher sein, dass hier eben ein Programm existiert, welches eben genau dieses Spiel hervorbringt.

Entsprechend kann ich vermuten, ja eigentlich sogar sicher sein, dass der Kosmos nun irgendwie definitiv funktioniert, irgendeine durchgehende Funktionalität besitzen muss, die eben alles zwischen Himmel und Erde hervorbringt. Dafür muss ich gar nicht alles kennen, schließlich beweist der Kosmos durch seine Existenz doch selber, dass er eben tatsächlich erfolgreich funktioniert.

Nur wissen, wie alles genau abläuft, dass wissen wir natürlich nicht. Insbesondere die Geistesräume, die sich in uns öffnen, für die haben wir die wenigsten Konzepte. Unsere innere Erlebniswelt ist das unmittelbarste, das wir kennen, und doch haben wir keine Idee, von welcher Art dieser Innenraum denn nun ist. Wir wissen nur, dass er eng mit unserem Gehirn verbunden ist, und über die Sinne zum Abbild der Außenwelt taugt.

Und inwieweit diese Existenz spirituell wird, dafür gibt es offenbar keinen Standard, das scheint bei jedem Menschen anders funktionieren zu können. Pluralismus ist entsprechend grundlegend, wenn es um das konkrete Sein von konkreten Menschen geht.

„Übrig bleibt ein Erkenntnis-Pluralismus, der nicht nur hypothetisch, sondern faktisch vorhanden ist (Soziologie, Psychologie, Neurowissenschaften usw.).“

In der Tat. Außerhalb der Physik haben wir nicht mehr mit elementaren Zusammenhängen zu tun, sondern betrachten größere Komplexe, was dann eben Näherungslösungen erfordert. Die richten sich nach den Anforderungen des Fachs, und müssen eben nicht einheitlich sein, sondern können sich je nach Fachgebiet auch deutlich unterscheiden, wenn nicht sogar widersprechen.



Kommentar vom 04.09.2022 00:00
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/loki-otto-hirsch-captain-america-die-avengers-in-stuttgart/#comment-127446

@Joachim 03.09. 19:22

„Die griechische Bibel nimmt die Monarchie als unvermeidliches Übel hin.“

Ich bin nicht sonderlich bibelkundig, aber dazu fällt mir die Bergpredigt zu ein.

„Die Hochschätzung der Monarchie kommt aus der christlichen Übernahme der Metaphysik des Aristoteles (nicht meines- aber das kann man vertreten) oder aus autoritärem Denken.“

Religion und Regierung arbeiten ja nun gerne zusammen. Entsprechend war das finstere Mittelalter natürlich auch ein Werk der Kirche. Aufgrund der schriftlichen Fixierung der Bibel hat die Schrift diese Zeiten dann aber doch überlebt, und konnte z.B. durch Luther wieder entdeckt werden. Wobei die evangelische Theologie dann später in der industriellen Revolution auch gut mit den Arbeitgebern zusammengearbeitet hat, was dann den Grundstein für die noch aktuelle Leistungsgesellschaft gelegt hat.

Aber auch aktuell findet man dann wohl auch was in der Bibel, das eine Gesellschaft mit tätigem Mitweltbewusstsein und weniger Arbeitsstress unterstützt. Wenn nicht, dann geht es aber auch ohne Bibel. Diese ist ja nun wirklich nicht die einzige Quelle von Erkenntnis, Glaube und Weisheit. Wissenschaftliche Fakten können auch weiterhelfen. Und das Leben mitsamt seinen Dialogen kann sich auch mal selbst erklären.



Kommentar vom 03.09.2022 23:23
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/klimawandel-stadt-haarlem-will-als-erste-auf-der-welt-fleischreklame-verbieten/#comment-74651

@Stephan 03.09. 17:08

„Es hat hier ja niemand den Vorschlag gemacht, dass nur ärmere Menschen weniger Fleisch essen sollen…“

Nein, natürlich nicht. Aber wenn hier die Menschen deutlich mehr für Strom und Gas bezahlen müssen, dann bleibt entsprechend armen Menschen nichts anderes übrig, als auch am Fleisch zu sparen. Das funktioniert ganz gut, weil Fleisch pro Nährwert eben deutlich teurer ist als pflanzliche Kost. Dasselbe gilt, wenn man Fleisch teurer macht, damit die Leute weniger Fleisch konsumieren. Auch das trifft hauptsächlich Leute, die sowieso schon sparen müssen. Wer gut Geld hat, merkt das kaum und kann es sich auch weiterhin leisten, einen rappelvollen Kühlschrank zu haben und jede Menge wegzuwerfen.

Die 5 Euro pro Tag beim ALG II für Ernährung sind auch relativ. Kommt ja drauf an, welche Kosten man dann noch hat. Etwa Tabak oder Alkohol, teure Handyverträge oder einen hohen Stromverbrauch. Muss man unterm Strich sparen, dann muss auch die Ernährung auf den Prüfstand, und man muss gucken, wo man auch da noch sparen kann.



Kommentar vom 03.09.2022 15:18
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/klimawandel-stadt-haarlem-will-als-erste-auf-der-welt-fleischreklame-verbieten/#comment-74591

@Stephan 03.09. 13:58

„Tafeln sind für mich nicht primär eine Lösung des Armutsproblems, sondern eher ein Symptom dafür, dass man es verstetigen will.“

Tafeln sind trotzdem eine gute Idee, weil so weniger weggeworfen wird. Fleisch teurer machen trifft dann auch eher die, die wenig Geld haben. Die sparen meistens sowieso schon, und sind nicht die, die jede Menge wegwerfen.

Zumal die derzeitige Kriegskrise u.a. über hohe Energiekosten nicht nur die Produkte teurer macht, sondern auch noch ziemlich vielen Leuten über die Strom- und Gasrechnung richtig viel Geld kosten wird. Was bei denen, die keine Rücklagen haben, sofort irgendwo anders eingespart werden muss. Hier ist konkret in Sicht, dass die gar nichts mehr wegwerfen können, und auch den Fleischkonsum einschränken müssen, weil sie keine andere Wahl haben.

Hier wäre es sogar ein Segen, wenn die nicht mehr die lecker angerichtete Fleischwerbung vor dem Supermarkt sehen müssen, wo sie sich sowieso kein Fleisch mehr leisten können.

Ich finde aber generell, dass wir keine Fleischwerbung brauchen. Lockvogelangebote sind sowieso irgendwie verzichtbar, und wenn ein Markt mal wirklich z.B. Schinkenschnitzel zu viele hat, reichen auch die Preisschilder an der Fleischtheke. Da können dann die unfreiwilligen Vegetarier einen großen Bogen drum machen.

Es zeichnet sich in der Tat ab, dass der Fleischkonsum krisenbedingt abnehmen wird. Ich vermute mal, dass man den Menschen die Teuerungen nicht komplett mit welchen Ausgleichszahlungen auch immer ausgleichen wird.

Nebenbei dann aber gut für das Klima, für die Tiere, für die Böden und für das Grundwasser. Und auch ohne Fleischwerbung kann das noch mehr werden. Sollen die Bauern mal ihre Produktionskapazitäten abbauen. Derzeit wird in Holland und Deutschland mithilfe von importierten Futtermitteln mehr Fleisch produziert, als bei uns überhaupt gegessen werden kann, und die Böden können die anfallenden Güllemengen gar nicht mehr verarbeiten.

Das muss ja wohl wirklich nicht sein. Und wenn dann auch weniger Futtermittel gebraucht werden, dann kann man z.B. auch die Produktionsmengen reduzieren, indem man anfängt mal endlich nach und nach komplett auf Bioanbau umzustellen. Das stoppt dann auch den Abbau der Bodenqualität durch die derzeitigen konventionellen Anbaumethoden. Im Gegenteil, die Bodenqualität wird dann Jahr für Jahr wieder besser, bis dann irgendwann die Erträge sich wieder normalisieren. Hier wäre die Krise, wenn sie schon mal da ist, sogar eine gute Gelegenheit.



Kommentar vom 03.09.2022 00:51
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-deutschsprachige-monismus-nach-ernst-haeckel-martin-buber-und-karl-popper/#comment-127402

@Hauptartikel

„Aber mir ist trotz all dem dennoch klar, dass auch der Monismus des 21. Jahrhunderts noch viele Beweislücken aufweist und diese vielleicht niemals plausibel schließen kann.“

Wenn jetzt verschiedene Menschen verschiedenen Erfahrungen machen, dann kommen sie natürlich zu verschiedenen Konzepten. Soweit dies fest zum Menschen dazugehört, so weit werden diese Konzepte zwar im Plural vorkommen, aber dennoch ganz klar in einer einzigen monistischen Welt zusammengefasst werden können. Schließlich muss es der Kosmos ja irgendwie realisieren, welchen Weg er auch immer mit jedem einzelnen Menschen geht.

Mit den Beweisen gibt es zusätzlich ein grundsätzliches Problem. Nur was regelmäßig genug abläuft, kann „bewiesen“ werden. Möglichst noch so regelmäßig, dass man mathematische Konzepte finden kann, die klar beschreiben wie es abläuft. Spätestens wenn wir zu spirituellen Erfahrungen kommen, die eben genau und aus Prinzip nicht regelmäßig vorkommen, können wir nur Einzelerfahrungen dokumentieren oder auch noch Statistiken aufstellen, was jetzt wie häufig wie genau abläuft.

Und dann ist auch die Physik keinesfalls damit fertig, ein schlüssiges Gesamtkonzept für den gesamten Kosmos zu liefern. Ich gehe für mich davon aus, dass die Suche nach mathematischer Beschreibung da zu Ende ist, wo der Kosmos selbst sich nicht nach mathematischen konsistenten Regeln verhält.

„Denn die bisherigen Grenzen der Naturwissenschaft sind jetzt gefallen; ihre Herrschaft wird dadurch über das Gesamtgebiet des menschlichen Geistesleben ausgedehnt.“

Was Haeckel hier 1913 versucht, kann selbst heute noch nicht funktionieren. Man dachte damals, man würde den ganzen Kosmos kennen. Inzwischen hat man die Quantenmechanik und einen riesigen Kosmos voller Galaxien und viele offenen Fragen entdeckt, für die man noch keine mathematischen Beschreibungen finden konnte.

Ich persönlich gehe davon aus, das nicht nur das persönliche Leben voller Einmaligkeiten steckt, die letztlich nur spirituell vernünftig zu deuten sind. Auch der Kosmos selbst muss sich nicht unbedingt nur nach mathematisch fassbaren Gesetzen bewegen. Dunkle Materie und Dunkle Energie könnten z.B. einfach Ausdruck einer gezielten Steuerung der großräumigen Strukturen sein. Dann wäre es klar, dass man hierfür keine mathematische Beschreibung finden kann.

Ich lass mich aber auch gerne vom Gegenteil überzeugen, wenn man hier denn doch noch mathematisch fündig wird. Noch sind diese Fragen allerdings schlichtweg offen. Und entsprechend bleibt ein Naturalistischer Monismus auch in diesen Aspekten immer noch ohne konkrete Grundlage.



Kommentar vom 02.09.2022 15:50
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/loki-otto-hirsch-captain-america-die-avengers-in-stuttgart/#comment-127394

@Michael 01.09. 21:56

„Eine wirklich bemerkenswerte Rede unseres Bundespräsidenten!“

Durchaus auf der Höhe der Zeit, wenn auch ein wenig Sonntagsrede mit Kriegslogik. Die Russisch-Orthodoxe Kirche ist nicht als einziger Ausreißer in einer vorbildlichen christlichen Gemeinschaft unterwegs.

Autokratisch organisierte Kirchen haben entsprechend natürlich kein Problem mit autokratischen Regierungen. Und die Beschwörung einer Einheit der christlichen Welt sollte auch nicht absolut gesehen werden. Die interne Ausprägung der einzelnen Vereine sind ein weites Feld, und natürlich brauchen wir einen Dialog, der nicht nur alle Christen, sondern alle Religionen und Weltanschauungen umfasst.

So gibt es eine ganze Reihe von christlichen Gemeinschaften, für die gerade Demokratie als Brutstätte für satanistisch-antichristliche Auswüchse gilt. Auch Rassismus und Antisemitismus ist in vielen Vereinen mit im Programm.

Und auch gehört Umweltzerstörung zuweilen als Bestandteil zu der laufenden unausweichlichen Apokalypse, und ist damit ein Randproblem, weil die nach dem Endkampf kommende Glückseligkeit dann sowieso ganz ohne Welt auskommt.

Ich meine zusätzlich, dass es vielen Vereinen einfach nur um (zahlende) Mitgliedschaft geht, denen dafür auch noch jedes Mittel recht ist. Selbst wenn man mit mehr oder weniger sanfter Gewalt Mitglieder rekrutiert, wird das zuweilen immer noch gerne angenommen.

Insofern spricht unser Bundespräsident natürlich wenigstens Ideale an, die für sich durchaus beachtlich sind. Etwa:

„Diese bunte Vielfalt gehört von Anfang an zu den Wesensmerkmalen des Christentums.“

Da haben wir ja nun schon verbreitet Anderes erlebt.

„Nur Gerechtigkeit, ökologische, ökonomische und politische Gerechtigkeit führt zum Frieden.“

So ist das dann wohl tatsächlich.



Kommentar vom 01.09.2022 00:51
https://scilogs.spektrum.de/semantische-wettkaempfe/die-redeweise-der-moralisierung-sprachliche-strategien-des-nichthinterfragens/#comment-4930

@Holzherr 31.08. 13:41

“Denn davon – von Fläche/Land – haben sie ja genug. Oder nicht?”

Haben sie auch. Das wirklich wertvolle sind die Menschen, und auch hier macht es keinen Sinn, die Menschen von Nachbarländern auch noch zu verwalten. Man kommt nun mal am besten zurecht, wenn man sich darum kümmert, dass die Menschen die richtigen Rahmenbedingungen haben, produktiv zu werden und sich zu entfalten.

Zumindest das mit der Produktivität hat wenigstens auch ein autokratisches China verstanden, und mit Glück verstehen die auch noch, dass Menschen sich auch gerne anderweitig entfalten können, ohne dass dies das Staatswesen gefährden muss.

Gerade der Wirtschaftsboom in Westdeutschland nach dem 2. Weltkrieg, der im Prinzip immer noch andauert, ist auch darauf zurückzuführen, dass sich die Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten und aus der DDR alle bei uns konzentriert haben. Das sorgte für kurze Wege für Mensch und Material, was ziemlich wirtschaftsfördernd ist.

Das war recht kurzfristig schon maßgeblicher als die Zerstörungen des 2. Weltkrieges.

Hier ist es wirklich die Frage, ob es einer Regierung auch um die Menschen geht, und nicht nur um Ruhm und Ehre des Königs und seinem Gefolge.