www.introspektiva.de - Tobias Jeckenburger: Die Reise des Kosmos - Online-Diskussion - KLuW e.V.: Die Wirklichkeit psychischer Krankheiten

Meine Kommentare auf scilogs.spektrum.de 2022/06 (T.J.)


Kommentar vom 30.06.2022 16:14
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/krieg-in-europa/#comment-26875

@hto 30.06. 14:57

„Jede konventionelle Aufrüstung ist Idiotie von der nur die Rüstungsindustrie profitiert, denn würden die Russen uns angreifen ist der Einsatz von Atomwaffen garantiert.“

Nicht solange die Atomwaffen der USA zur Vergeltung bereitstehen. Steigt die USA aus der Nato aus, dann wäre es tatsächlich wichtig, vor allem atomar aufzurüsten. Sicherheitshalber zumindest, wenn wir einen Angriff auf Natoterritorium abwehren können, dann wird Russland wohl von einem Angriff Abstand nehmen. Ein Angriff mit taktischen Atomwaffen wird wohl auch Putin nicht starten. Das ist auch gar nicht so einfach, mit taktischen Atomwaffen vorzurücken, weil man dann durch die verstrahlten Gebiete wochenlang nicht durch kann, und so den eigenen Vormarsch behindert. Verteidigen klappt da viel besser, dann muss der Feind durch die verstrahlte Gebiete durch.

Aber klar, eigene Atomwaffen sind sicherer als zuwenig davon.



Kommentar vom 30.06.2022 14:49
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/krieg-in-europa/#comment-26873

@Clochard 30.06. 13:15

„Die Russen haben der Sezession der Ukraine zugestimmt, auf große Gebiete verzichtet, den Russen der Ostukraine und der Krim sollte man die Sezession von der Ukraine zugestehen. Auch die Ukraine sollte „verzichten“.“

In der Tat haben wir in der Ostukraine ein Minderheitenproblem, dass auch von ukrainischer Seite aus nicht lösungsorientiert gehandhabt wurde. Der Angriff Russlands mitsamt des dort angerichtetem Leid und Zerstörung ist allerdings jetzt wieder ein Faktum für sich. Eine Einigung im Minderheitenkonflikt kommt so nicht näher.

Eine ganz andere Frage treibt mich hier um: Wie stark sind denn nun die konventionellen Truppen Russlands wirklich?

Das entscheidet darüber, wieviel wir in der Nato aufrüsten müssen, um unsere eigene Sicherheit vor russischen Angriffen zu gewährleisten. Ist dagegen die russische Armee ausgesprochen schwach, könnten wir uns sogar einen Austritt der USA aus der Nato leisten. Man weiß ja nun nicht, ob Trump nochmal wiedergewählt wird, und was der dann macht.



Kommentar vom 30.06.2022 00:34
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/monismus-relativismus-dualismus-skript-zum-worthaus-tuebingen/#comment-122304

@Mussi 27.06. 22:21 / 22:31

„Das Prinzip der Wechselwirkung zwischen Und/Oder/Wenn-Dann finden wir verwirklicht in der Quantenmechanik und Schrödingers Katze.
Also,kausal nicht lösbar.Nehmen wir es hin.

Die Wechselwirkung der Aussagenlogik ist wie der Goldene Schnitt.
Es ist da.Warum,weshalb und wie: nicht herausfindbar.“

Wir können einerseits nur beobachten, wie dieser auch irgendwie seltsame Kosmos sich zeigt. Und andererseits auch nur Denken, wie uns das Hirn und der Geist gewachsen ist. Stellenweise passt die Außenwelt gut zur Innenwelt, stellenweise ist es aber auch schwieriger.

Die einfachen Probleme hat Wissenschaft und auch Mathematik längst gelöst, die meisten schwierigen Probleme werden nicht nur nicht gelöst, sie werden einfach ignoriert bzw. man glaubt einfach, dass sie auch einfach sind.

Wobei mir immer wichtig ist, das ist unmittelbare Lebenserfahrung, die überwiegend persönlich bleiben muss, diese dann aber dennoch ins eigene Weltbild zu integrieren.

Denn so wie es ist, so ist es auch dann, wenn es wirklich real seltsam ist. Und unser einfaches Denken übersteigt. So machen sich auch Welten auf, die die Religion zu füllen versucht. Kommen wir damit hin, dass jeder bei sich selber bleibt dabei? Ist das nicht auch ein guter Monismus, dass eben jeder seinen Teil der Welt kennt, und sich bewusst ist, das dieser persönliche Teil nur eine Teilmenge der ganzen Wirklichkeit ist? Aber auch immerhin eine Teilmenge der echten ganzen Wirklichkeit.



Kommentar vom 28.06.2022 14:11
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/krieg-in-europa/#comment-26821

@Peter Müller 28.06. 12:30

„Das gelingt eigentlich nur, wenn man zwischen den Staaten Eurasiens Zwietracht säht, gemäß dem Motto “Teile und herrsche”.“

Gemäß einer reinen Machtlogik wäre es entsprechend folgerichtig, wenn ein Biden erst mit Russland richtig Ärger anfängt, und ein wiedergewählter Trump dann aus der Nato aussteigt, und uns hier mit dem angefangenem Ärger alleine dastehen lässt.

Aber die Welt ist komplexer. Gemeinsame Demokratiezuneigung ist ein Argument, gemeinsame kulturelle Wurzeln auch, für manche sogar eine gemeinsame Rasse.

Dann geht es immer auch um Wirtschaft. Neben einem produktivem Handelsaustausch stehen wir auch in Konkurrenz. Auch hier sind die Interessen der USA von unseren in Europa verschieden. Die Sanktionen gegen Russland helfen der US-Wirtschaft, weil man auch dort Getreide und Gas zu exportieren hat. Uns schaden sie durchweg, vor allem wenn der Gasnachschub stockt.

Dann haben wir noch die US-Waffenindustrie. Die machen reichlich Umsatz, weil wir da jetzt einkaufen, aber auch weil die eigene Aufrüstung in den USA selbst wieder eine neue Rechtfertigung bekommt.

Unterm Strich gibt es jetzt auch noch China. Selbst wenn es gelingt, Europa und Russland in einen umfassenden Krieg zu treiben, hat man damit immer noch nicht die Vorherrschaft über Eurasien. Wenn sich die USA weiterhin die Macht mit Europa teilt, dann hat man insbesondere gegenüber China durchweg bessere Karten.

Und nebenbei gibt es wohl auch in den USA reichlich vernünftige Menschen, die keine gewaltsame Vorherrschaft suchen, sondern am liebsten in einer friedlichen Welt einfach nur gut leben wollen. Und denen die ökologischen Herausforderungen mehr am Herzen liegen als machtpolitische Zugewinne.

Und auch in den USA wird es Menschen geben, die darüber nachdenken, wie man es hinbekommt, dass die ganze Welt in Freiheit und Wohlstand leben kann. Und insbesondere eingesehen hat, dass maximaler Umsatz und Profit nicht das einzige Ziel sein kann. Und dementsprechend Machtpolitik zumindest als Selbstzweck Unsinn sein kann.



Kommentar vom 28.06.2022 00:47
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/krieg-in-europa/#comment-26811

@Artikeltext

Ich denke schon, dass Russland mehr Truppen in den Krieg schicken kann, ohne von Krieg reden zu müssen. Immerhin hat man alle Medien in der Hand. So kann ich mir auch vorstellen, dass die russische Führung einen Weg findet, auch einen Rückzieher der eigenen Bevölkerung als Sieg zu verkaufen.

Die Idee im Baltikum so viele Natotruppen zu stationieren, dass es für Russland aussichtslos ist, dort mit einem Angriff vorwärts zu kommen, die finde ich aber gut.

Klarere Verhältnisse sind grundsätzlich günstig, und können schwierige und komplizierte Situationen positiv beeinflussen.

Ein schneller Vormarsch mit Panzern ist womöglich auch an unseren gelieferten leichten, aber effektiven Panzerabwehrwaffen gescheitert, deshalb jetzt eine nur noch langsam fortschreitende Front. Hätte Putin das vorhergesehen, wäre eventuell jetzt gar kein Krieg. Georgien z.B. wäre einfacher gewesen.

Und überhaupt braucht Putin seine Weltmachtpropaganda eigentlich nicht. Er käme auch ohnedem klar.



Kommentar vom 27.06.2022 00:56
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/abtreibung-bin-prochoice-weil-ich-monistisch-religioes-und-rechtlich-prolife-bin/#comment-122098

@Uneinschätzbarkeit

Ich schätze mal, es ist einfach nicht einschätzbar, ab wann ein ungeborenes Kind Menschenrechte hat. Dem sollte man insofern Rechnung tragen, dass man eine gesetzliche Regelung dann auch möglichst knapp hält. Und der Selbstverantwortung der werdenden Mutter und der beteiligten Mediziner entsprechend mehr Raum gibt.

Hier kommt jetzt auch eine entsprechende Beratungspflicht zur Wirkung. Neben einer genauen Analyse der aktuellen Situation der Schwangeren brauchen wir nicht nur guten Rat, sondern gepaart mit tatkräftiger Unterstützung kann man noch sehr viel mehr Probleme lösen.

Ich habe hier einen Einzelfall im Kopf, wo eine junge Frau gegen Ende ihres Studiums ungewollt schwanger wurde. Ihr wichtigstes Anliegen war es, dass sie ihr mit viel Mühe angefangenes Studium fertig machen wollte. Wenn man hier einfach alles in die Wege hätte leiten können, dass sie auch mit dem Kind ihr Studium mit maximal einem halben Jahr Verzögerung abschließen kann, dann hätte sie sich für ihr Kind entschieden.

Hier müssten einfach die Uni und das Bafögamt mal flexibel sein, und es muss so viel Geld für das Kind geben, dass es nicht zum Armutsfaktor wird. Übrigens eigentlich generell, schließlich ist Kinderaufzucht richtig viel Arbeit an der Gemeinschaft und kein reines Privatvergnügen.

So muss man daran gehen, Leben zu schützen. Nicht mit rigiden Gesetzen, die dann auch noch unterlaufen werden, wenn man die Abtreibungen einfach im Ausland machen lässt.

Auch kann eine Freigabe zur Adoption durchaus eine Option sein, aber das muss die Frau selber entscheiden. Weil es ihre Muttergefühle sind, die sich mit der Geburt nun mal einstellen, mit der sie dann klar kommen muss.

Diese Notlagen sind nun mal unvermeidlich, wenn man Sex außerhalb der Ehe praktiziert, und das mit Männern, die sich für den Fall eines Verhütungsunfalls nicht an der Erziehung beteiligen wollen, oder mit denen die Frau selber schon nicht zusammenleben will.



Kommentar vom 26.06.2022 16:55
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-rechte-der-frauen-auch-auf-abtreibung-die-digital-globale-schlacht-zwischen-monismus-und-dualismus/#comment-122086

@Paul S 26.06. 08:45

„Als ob der Klimawandel allein nicht schlimm genug wäre, denn eine Welt der Autisten-Horden wird ihn nicht aufhalten können.“

Abwarten, es gibt viele, die verstanden haben, dass wir am Klimaschutz nicht vorbeikommen. Das würde ich sogar China zutrauen. Nicht nur als PR, sondern wirklich.

Nebenbei ist die Unabhängigkeit von Öl-Autokratien wohl auch ein eigenes Argument. Und die Energiewende hat tatsächlich das Potenzial von wieder billiger und vor allem unbegrenzter Energie. Wenn man jetzt noch mit grünem Wasserstoff gefütterte Bakterienkulturen hochwertige Nahrungsmittel hinbekommt, dann werden wir sogar von der Ressource Ackerland unabhängiger. Bei entsprechendem Recycling der übrigen Rohstoffe gibt es eigentlich keinen Grund mehr, Kriege zu führen, weil es dann praktisch eigentlich nichts mehr zu Klauen gibt.

Wer seine eigene Wirtschaft in Gang bekommt, hat dann alles was er braucht.

Sowas wie Putins Medienshow um die Wiedererlangung des Weltmachtstatus wird dann zunehmend überflüssig. Aus der auch jetzt schon nichts Vernünftiges draus werden kann. Es fehlen einfach die militärischen Möglichkeiten, auch wenn die Propaganda überschäumt.

Derweil haben wir durchaus noch ein Problem mit den neuen Medien. Während die Autokratien die Inhalte im Netz unter Kontrolle bekommen, und mit immer weniger konkreten Repressionen auskommen, hat unserer eigener Pluralismus offenbar ein Problem mit den Feinden der offenen Gesellschaft, die sich munter im Netz ausbreiten können.

Was da noch draus wird, das weiß ich jetzt auch nicht. Hier wird wohl jede Nation selber seinen Kampf mit haben, mit jeweils eigenen unterschiedlichen Ergebnissen.



Kommentar vom 26.06.2022 00:55
https://scilogs.spektrum.de/tensornetz/was-ist-wissenschaft/#comment-578

@Artikeltext

„Was ist Ihrer Meinung nach zur Wissenschaftsdefinition in der Wissenschaft und Wirtschaft noch zu sagen?“

Wissenschaft entwickelt sich anscheinend längs der gelösten Probleme, die zur wissenschaftlichen Methode passen. Und das auch noch in jedem Fachgebiet einzeln. Klar bleibt hier vieles auf der Strecke, wo der Einzelne wie auch die Gesellschaft eigentlich dran zu knacken haben.

„Soll diese Architektur sich zukünftig um das Gravitationsfeld der Ideen und Emotionen drehen?“

Das leben ist bunt und emotional. Zumindest die Psychologie und die Medizin muss sich ja nun damit befassen. Macht aber auch dieses dann meistens längs der eigenen Methode. So wird nicht die Emotion des Probanden direkt aufgegriffen, es wird dann meistens per Fragebogen abgefragt, und die reale Lebendigkeit auf formale Parameter heruntergebrochen. Klar dürfte hier sein, dass man so insbesondere im Umgang mit Psychisch Kranken eine Distanz aufbaut, die eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem wirklichen Menschen verfehlt.

Emotionen in der Präsentierung der Wettervorhersage mag gutes Entertainment sein. Kann auch nicht schaden, insbesondere eine echte Begeisterung des Experten ist sehenswert. Das schadet in der Forschung aber sicher auch nicht, emotionaler an die Sache heranzugehen. Insbesondere wenn es motiviert, nicht recht uninteressante Details zu erforschen, weil sie so gut zur wissenschaftlichen Methode passen, sondern stattdessen Fragen zu untersuchen, die wirklich brennend sind. Auch wenn das dann viel schwieriger ist.

Evidenzbasierte Medizin etwa konzentriert sich gerne auf Pillen und Spritzen, weil man nur die richtig gut placebokontrolliert auf ihre Wirksamkeit prüfen kann. Andere Maßnahmen, etwa gute Gesprächsführung des Arztes, oder gezielte Psychotherapie oder Physiotherapie werden entsprechend weniger beforscht. So bleibt dann die Medizin am Ende einfach unter ihren Möglichkeiten.



Kommentar vom 25.06.2022 14:50
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/monismus-relativismus-dualismus-skript-zum-worthaus-tuebingen/#comment-122048

@Mussi 24.06. 18:43

„Müssten wir nur noch überlegen,wie der Durchsetzungswille durch Gewalt von so mancher Dunklen Triade einzuhegen ist … 😉
Ich halte soziale Kontrolle für geeignet.“

Demokratie als Institution liefert ja genau diese soziale Kontrolle. Wenn es dann an dualistischen Mehrheiten scheitert, dann fällt mir aber auch nicht mehr viel ein.

Man sieht das ja auch am Scheitern des arabischen Frühlings. Wenn eine frisch erkämpfte Demokratie an islamistischen Mehrheiten scheitert, dann wars das wieder mal.

Im 2. Weltkrieg haben wir insofern Glück im Unglück gehabt, dass Hitler es nicht lassen konnte, die Sowjetunion anzugreifen. So sind dann die Dunklen Triaden aufeinander losgegangen. Es war dafür wohl nötig, dass die USA mit einem Kriegseintritt so lange gezögert hat. Wäre man vor dem Überfall auf Russland eingestiegen, dann hätte sich Hitler wahrscheinlich auf die Verteidigung gen Westen konzentriert, und Russland zunächst in Ruhe gelassen.

Mit der Folge, dass mit konventionellen Mitteln eine Landung auf dem europäischem Festland kaum mehr möglich gewesen wäre. Der Krieg hätte sich noch viele Jahre hingezogen, und wäre dann wohl erst mit einem massivem Einsatz von Atomwaffen entschieden worden.

Im aktuellen Ukrainekonflikt stehen auch nicht einfach das Gute und das Böse gegeneinander. Im Demokratieindex liegen Russland und die Ukraine nicht ganz soweit auseinander:

https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratieindex

Dort sind alle Länder mit einem Demokratiemaß zwischen 0 und 10 eingestuft.
Russland steht als Autokratie auf mäßiger Stufe zwischen 3 und 4,
die Ukraine als Mischform zwischen 5 und 6.
Deutschland kommt als vollständige Demokratie auf 8 bis 9.
Die höchste Stufe von 9 bis 10 finden wir nur in Skandinavien.

Wir haben nun auch in der Ukraine m.E. auch eigenes Fehlverhalten. Nach der Maidan-Revolution 2014 hat man als fast erste Amtshandlung in den von mehrheitlich russischstämmigen Bürgern bewohnten Gegenden Russisch als 2. Amtssprache abgeschafft.

Das rechtfertigt noch nicht eine militärische Reaktion Russlands. War aber selber eine ziemlich undemokratische Maßnahme, und zeigt wohl auch, das die Ukraine eben nur eine Mischform und eben keine Demokratie ist.

Der Hinweis zum Überfall Hitlers auf Russland jedenfalls zeigt, dass es zumindest in diesem Fall gar nicht so unpraktisch war, wenn die Autokraten aufeinander losgehen.

Das bei uns verbreitete Narrativ, dass wir in der Ukraine die Freiheit Europas verteidigen jedenfalls, das erscheint mir auch übertrieben. Russland tönt zwar tatsächlich selber groß rum, dass sie wieder Weltmacht werden, und noch mehr Länder in Osteuropa erobern wollen. Aber hier fehlen doch komplett die militärischen Möglichkeiten. Das sieht man dann schon daran, dass der Angriff auf die Ukraine doch nur recht mäßig vorankommt.

Ein Angriff auf Natomitglieder wäre völligstens aussichtslos. Wenn jetzt eine zukünftige erneute Trumpregierung aus der Nato aussteigt allerdings, dann sähe es wohl anders aus.

Aufrüstung unserseits ist also nicht verkehrt, und insbesondere europäische Atomwaffen diskutabel, scheint mir.

Die Waffenlieferungen an die Ukraine, wenn sie denn tatsächlich den russischen Vormarsch stoppen können, sind von mir aus auch ok. Auch wenn die Ukraine keine Demokratie ist, so will sie es wohl werden, wenigstens. Entsprechend ist unsere Sympathie berechtigt.

Wirtschaftssanktionen, die uns selbst mehr schaden als Russland jedenfalls, die halte ich allerdings für wenig sinnvoll. Die brauchen wir auch gar nicht, um eine russische Expansion aufzuhalten. Die Nato ist stark genug, da ändern auch die Öl- und Gasmilliarden nichts dran.

Und die sanktionsbedingten Preissteigerungen für fossile Energieträger gehen auch gleich in die Kriegskassen der anderen Rentierstaaten, das ist einfach nicht nachhaltig.



Kommentar vom 24.06.2022 14:05
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/monismus-relativismus-dualismus-skript-zum-worthaus-tuebingen/#comment-122024

@Mussi 23.06. 22:46 / 23:04

„Im Grunde ist jegliches philosophieren Zeitvertreib.“

Nicht nur philosophieren, das Leben selbst ist Zeitvertreib. Das Universum hatte Langeweile, und sich das Leben erschaffen. Man denke an die vielen Milliarden Sterne mal die Milliarden Galaxien, wenn die einfach so ohne alles Leben, ohne allen Geist vor sich hin existieren würden, das wäre doch eigentlich wirklich merkwürdig.

„Wenn wir zwischen Natur=Materie und Kultur=Geist debattieren,dann müssen wir um die Wechselwirkung nachdenken.“

Einmal sicherlich dieses. Aber auch in Natur steckt m.E. schon Geist, und in Kultur jede Menge Materie. Die Geistesseite der Natur kümmert sich um sich selbst und auch um unsere Kultur, und unsere Kultur kümmert sich nicht nur um uns Menschen selbst, sondern kann sich auch um die Natur wiederum kümmern, z.B. als Artenschutz und Klimaschutz.

Nicht nur der Mensch hat eine Geistesseite. Und Götter können wir uns nun schon gar nicht einfach denken, und dann so zur Existenz bringen. Die müssen schon vor uns dagewesen sein, wenn sie denn existieren. Wir können unsere eigene Geistesseite nicht erschaffen, aber wir können sie ausleben.

„In meinen Augen ist die völlige ökonomische Bilanzierung der Welt die völlige Hybris der Vertrottelung des Sapiens.“

Die Bilanzierung vom Geben und Nehmen zwischen uns Menschen ist ja nun zunächst mal überaus sinnvoll. Aber man macht hier ja auch jede Menge Ausnahmen, und erlässt Schulden per Abschreibung, erhebt Steuern und verteilt das Geld an Nichtleistungsfähige, oder kümmert sich um gemeinschaftliche Aufgaben wie Infrastruktur und Klimaschutz.

Hier kommt es offenbar darauf an, das Geld und die Märkte so zu lenken, dass das Leben insgesamt floriert, und nicht nur der Umsatz stets maximal gehalten wird. Das hat der Einzelne teils sogar selber in der Hand, wenn er nur soviel Geld verdient, wie er auch braucht, und sich darüber hinaus anderen Zielen und anderen Beschäftigungen zuwendet.



Kommentar vom 22.06.2022 12:52
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/monismus-relativismus-dualismus-skript-zum-worthaus-tuebingen/#comment-121947

@Mussi 21.06. 19:57

„Mythos und Logos: Spaltung und/oder Fusion.
Wenn beides gilt,bleibt es ein ewiges Rätsel.“

Ich finde das gar nicht so sonderlich rätselhaft. Der Logos kann sich nur auf Regelmäßigkeiten beziehen, die entsprechend formalisierbar sind. Das geht aber mit Vielem nicht. So ist unsere Lebenserfahrung z.B. auch mit spirituellen Erlebnissen angereichert, die man respektieren muss. Hier können jetzt Mythen helfen, das zusammenzusetzen.

Also weniger rätseln, dafür aber mehr Offenheit für die verschiedenen Mythen praktizieren, und eben auch mal Bezüge zum Erfassbaren, dem Logos, herstellen. Vielleicht ist es auch einfach persönliches Lebensglück, Erfahrungen zu haben, die sich weniger widersprechen und mehr Konsistenz haben.

@Michael 21.06. 21:11

„Genau deswegen muss sich m.E. auch jeder Monismus dialogisch und erkenntnistheoretisch offenhalten – sonst fiele er selbst in einen Dualismus zurück.“

Wir kommen aus der menschlichen Vielfalt nicht so leicht raus. Die verschiedenen persönlichen Lebenswelten sind zu respektieren, aber können auch jede Menge fruchtbaren Dialog gebrauchen.

Ein Dualismus nach dem Motto „nur diese Religion erfasst die geistige Wahrheit“ und alles andere ist Irrlehre jedenfalls ist mit das Schlimmste, was passieren kann. So wird dann versucht, eine einzelne Erfahrung gegen die Realität der anderen Lebenswelten in Stellung zu bringen, was meistens ohne Gewalt gar nicht zu machen ist.

So hat sich auch z.B. die römisch-katholische Kirche weniger mit Überzeugung als mit nackter Gewalt durchgesetzt und sich rekordverdächtig lange über Wasser gehalten. Man hat aber selbst hier wohl inzwischen gelernt, dass Überzeugung einerseits und Koexistenz andererseits wichtig geworden ist.



Kommentar vom 22.06.2022 00:33
https://scilogs.spektrum.de/hirn-und-weg/wie-gefaehrlich-ist-kuenstliche-intelligenz/#comment-3075

@Holzherr 21.06. 01:18

„Mein Eindruck: in Deutschland gibt es eine weit verbreitete Gleichgültigkeit und gleichzeitig passive Skepsis gegenüber dem Regierungssystem und der Demokratie.“

Naja, in unserer Lobbydemokratie geht es ja nun wirklich auch nach den zahlreichen Lobbyisten und auch nach einem Beamtentum, dass zunächst mal den Staat in eigener Sache zu gestalten versucht. Der Wähler ist in der Tat nur teilweise wirksam.

Besser als nichts allemal, und ich hab auch wenig Verständnis für diejenigen, die gar nicht mehr wählen gehen. Das was drin ist, sollte man doch nutzen.

„Nicht wenige Deutsche wären auch heute noch bereit in einer Diktatur zu leben, solange sie selbst nicht allzu stark in ihren Interessen eingeschränkt werden. „

Man vergisst hier wohl schnell, was Autokratien erstmal anrichten. Klar kann man Glück haben, und auch ein Autokrat macht mal trotzdem gute Politik – aber Rechtsstaatlichkeit und Demokratie schützt davor, dass sich ein Autokrat halten kann, der eben keine vernünftige Politik mehr macht. Und stattdessen auf die eigenen Bürger losgeht, die merken, was für einen Bockmist der Autokrat anrichtet.

Die Unfreiheit hat dann nicht nur Folgen für Leute, die sich für Politik interessieren. Das ruiniert die Kultur gleich mit, und zieht am Ende meistens auch wirtschaftliche Abstürze nach sich.

Es hilft auch gar nix, sich von Populisten was versprechen zu lassen, das hinterher sowieso nicht funktionieren kann. Diese aus Protest zu wählen bringt nicht viel mehr als gar nicht wählen zu gehen. Von den demokratischen Parteien sollte man sich schon eine aussuchen, die einem am ehesten noch zusagt. Je gründlicher man seine Wahl trifft, desto mehr Einfluss kann man als Wähler dann haben. Die Begeisterung mag begrenzt bleiben, aber andere Alternativen sind letztlich nicht in Sicht.

Datenschutz ist sicher noch mangelhaft, und die KI von Privatfirmen wertet die anfallenden Daten auch fleißig aus, um sie dann wirtschaftlich verwerten zu können. Das ist schon ziemlich suboptimal. Vor einer ausufernden staatlichen Überwachung, die die gesammelten Daten zusammenführt und gegen den eigenen Bürger einsetzt, kann letztlich aber nur ein funktionierender Rechtsstaat schützen.



Kommentar vom 21.06.2022 14:59
https://scilogs.spektrum.de/hirn-und-weg/wie-gefaehrlich-ist-kuenstliche-intelligenz/#comment-3072

@Holzherr 20.06. 23:33

„Wen die Menschen also nichts mehr leisten und sie sich nur noch bedienen lassen und das eventuell durch Diener, die ihnen in fast jeder Hinsicht überlegen sind. Denn dann würde es nicht einmal gross auffallen, wenn es plötzlich keine Menschen mehr gäbe.“

Sicher bräuchte dann die Welt den Menschen nicht mehr. Wir wollen aber leben, das ist jetzt maßgeblich.

Und gehört eigene Produktivleistung denn wirklich zum Menschenleben dazu? Man will Leben, man sucht Erkenntnis, man will was bewegen. Aber das geht doch auch ohne die Notwendigkeit, konkret produktiv zu sein. Man kann doch auch einfach spielen.

Etwa Fußball. Hier gibt es Profis, die machen sich das zum Beruf. Hat das irgendeinen Sinn? Offenbar nicht. Man hätte allerdings keine besonderes Interesse daran, gegen eine Robotermannschaft anzutreten. So hat das Spiel überhaupt keinen Sinn. Es geht nur darum, sich an anderen Menschen zu messen, und in diesem Spiel erfüllende Bewegung zu finden.

Oder Wissenschaft. Wenn in Zukunft die Wissenschaft von KI gemacht wird, werden dadurch die wissenschaftlichen Erkenntnisse doch nicht weniger interessant. Wer wirklich neugierig ist, und die Welt erkunden und verstehen will, den wird es doch nicht stören, wenn die KI die neuen Erkenntnisse findet. Das stört doch auch keinen, wenn Supercomputer den Wetterbericht machen.

Der Mensch wird interessiert bleiben, wird sich ausprobieren wollen, wird die Welt nach Kräften zu erkunden versuchen. Dafür braucht es nicht die Notwendigkeit, dabei auch noch produktiv zu sein.

Man wird auch in jedem Fall seine eigenen Kinder aufziehen wollen, einfach weil man sie liebt. Oder auch auf Haushaltsroboter teilweise verzichten mögen, weil solche Maschinen in der eigenen Wohnung stören. Und weil man einfach Lust hat, z.B. selber zu kochen, und selber einkaufen zu gehen.

Nein, ich sehe da überhaupt nicht schwarz für den Menschen, wenn Maschinen auch alles können. Eher sehe ich da schwarz, dass KI die nächsten 100 Jahre da überhaupt hinkommt. Und das muss sie auch überhaupt nicht. Das ist nämlich wirklich egal. Wir brauchen sowas einfach nicht.

Vielleicht wenn, dann noch etwas, das um Welten intelligenter ist wie wir. Das kann uns nämlich unsere brennenden Fragen eventuell beantworten. Zum Beispiel, was denn Geist überhaupt ist.



Kommentar vom 21.06.2022 13:50
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/monismus-relativismus-dualismus-skript-zum-worthaus-tuebingen/#comment-121902

@Mussi 20.06. 12:00

Ihren Link https://www.tagesspiegel.de/meinung/materialismus-und-glaube-halbierte-wirklichkeit/9488886.htm finde ich interessant.

Daraus:

„Die materialistisch-monistische Vorstellung von einem einheitlichen Zement des Universums ist eine Illusion.

Blickt man näher hin, dann ist unsere Urerfahrung von Kausalität das freie Eingreifen des Menschen in die Natur

In Wahrheit ist der Mensch ein Seinsknoten, in dem sich Geist und Materie überkreuzen.“

Bis hierher meine volle Zustimmung.

„Das heißt: Wir sind psychosomatische Wesen mit zwei Polen, einem geistigen und einem materiellen. Aber dann sind alle Formen des Monismus falsch.“

Ich kann mir schon einen Monismus vorstellen, der eben nicht rein materiell ist. Dieser versucht einfach die Welt der Phänomene so zu erfassen, wie man sie erfahren kann. Letztlich wäre auch ein christlicher Gott Bestandteil eines Monismus, der der wirklichen spirituellen Wirklichkeit in Zusammenarbeit mit den materiellen Effekten gerecht wird.

Aus Basis der derzeitigen Unkenntnis müsste dieser Monismus ziemlich agnostisch sein. Aber eine Integration von spirituellen und materiellen Effekten scheint mir selbstverständlich möglich. Wenn eben die gesamte Wirklichkeit konsistent existiert und funktioniert, mitsamt der geistigen Effekte, dann wird es auch eine integrale Beschreibungsebene geben, die beidem gerecht wird.

Auch wenn wir die noch nicht kennen, vor allem weil wir noch kein Konzept für die Natur des Geistes haben, heißt das ja noch lange nicht, dass es dieses Konzept nicht gibt.

Von daher ist eben ein Monismus denkbar, der eben nicht rein materialistisch ist. Und auch Religionen Platz lässt. Entscheidend ist hierbei, dass eben viele verschiedene derzeit existierende Religionen von einem solchen Monismus umfasst werden können.

So wie die Menschheit eine Ansammlung menschlicher Individuen ist, kann es eine Wirklichkeit geben, die eben wirklich jedem individuellem Konzept seine eigene Realität lässt. Diese Realitäten sind dann mit Irrtümern durchsetzt, was unvermeidlich ist. Aber so wie es dann wirklich funktioniert, so ist es dann auch. Und genau das gilt es letztlich herauszufinden.

Der Einzelne mag wahnsinnig sein, ganze Gesellschaften zuweilen auch. Das Universum selbst aber nicht.



Kommentar vom 20.06.2022 13:36
https://scilogs.spektrum.de/hirn-und-weg/wie-gefaehrlich-ist-kuenstliche-intelligenz/#comment-3057

@Holzherr 20.06. 08:50

"Wenn schon sollten unsere Kinder in ihrem zukünftigen Beruf mit Automaten und Robotern zusammenarbeiten und gerade dadurch verantwortungsvollere und erfüllendere Tätigkeiten ausüben können."

Ich kann mir auch vorstellen, das die Arbeitswelt durch KI nicht schlechter wird. Wenn dann unserer Lebensstandard leichter zu erarbeiten wird, dann kann ich mir aber auch vorstellen, dass man etwas weniger arbeiten geht. Also weniger Wochenstunden, mehr Ausbildungszeiten und früher in Rente gehen. Die freie Zeit könnte man u.a. in wieder bestandserhaltenden Kinderreichtum investieren.

Auch kann ich mir vorstellen, dass man mehr sinnvollen ehrenamtlichen Arbeiten nachgeht. Oder dass man Arbeiten, die auch Spaß machen, für weniger Stundenlohn erledigt und so auf diesem Gebiet der Konkurrenz durch Roboter entgegentritt. Hier wäre sowas wie ein Grundeinkommen dann hilfreich.

"Der Mensch sollte die von ihm geschaffene Technik kontrollieren und nicht umgekehrt."

Unbedingt. Zuweilen liegt aber gerade die Stärke der KI darin, dass man so manche komplexe Organisationsaufgabe damit erledigen kann. Etwa die Sortierung in den Zentrallagern von Amazon. Hier weiß nur noch der Computer, wo welche Ware sich befindet, und die Picker laufen den ganzen Tag den Befehlen der Lagerverwaltungs-KI hinterher. Das kann dem Arbeiter aber auch egal sein.

Entsprechend mache ich mir auch vorerst wenig Sorgen, dass eine KI uns so bevormundet, dass es wirklich stört. Mal abgesehen z.B. von Fahrkartenautomaten, die man noch nicht kennt.

Was ich mir recht schwierig vorstelle, das ist eine KI irgendwo zu verbieten, obwohl sie wettbewerbsfähig wäre. Wenn wir es dann nicht machen, dann macht es hinterher die USA oder China.

"Denn die Evolution hat den Menschen als ein sich um seine eigene Existenz kümmerndes Wesen geschaffen, das seinem Leben durch seine eigenen Aktivitäten und das dabei Erreichte Sinn abgewinnt."

In der Tat macht Arbeit auch Bewegung in diesem Sinne. Ich denke aber doch, das der Mensch noch mal deutlich flexibler ist. Insbesondere neue junge Generationen, wenn diese in die Welt von Morgen eintreten, dann werden die schon ihre Wege finden, ein für sie erfüllendes Leben zu führen.



Kommentar vom 19.06.2022 13:57
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/monismus-relativismus-dualismus-skript-zum-worthaus-tuebingen/#comment-121799

@Mussi 17.06. 14:34

„Gerade der Emergente Monismus muss sich damit auseinander setzen, warum es manchmal eben keine Eindeutigkeit geben kann.“

Ja hat der Monismus damit denn ein Problem? Er bezieht sich doch auf die Grundlagen an recht gesichertem Wissen, die Uneindeutigkeiten, die darüber hinausgehen, versucht er doch nur zu umfassen, sozusagen einfach einzuordnen, soweit das möglich ist.

Und der Monismus muss hier viel konkreten Spielraum lassen, weil eben ganz viele Fragen nun mal offen sind.

„Es macht mir eher den Eindruck, dass Gewalt als legitimes Mittel zur Durchsetzung seines “eindeutigen” (monistischen) Rechtes gelten soll.“

Genau hier muss der Gesetzgeber und die zugehörigen Gerichte aufpassen, dass sie den bestehenden Unklarheiten gerecht werden, und sich auch mal einer gesetzlichen Regelung enthalten. So ist beispielsweise die Religionsfreiheit damit zu begründen, dass man eben verschiedene Kulturvorlieben haben kann, und verschiedene persönliche Erfahrungen auf spirituellem Gebiet machen kann. Es gibt hier kein gesichertes Wissen, dass eine Entscheidung für eine konkrete Weltanschauung verlangen könnte.

Und doch kann die Art und Weise, wie man mit religiösen Inhalten umgeht, nun schon ein Thema sein. Mythen sollte man als Mythen nehmen, und eigene Erfahrungen als persönlich einordnen, derweil die Erfahrungen Anderer zu sehen und auch zu respektieren. Und wenn ein Mythos mit gesichertem Wissen kollidiert, dann ist das auch anzuerkennen und zu respektieren.

Und die Grunderfahrung ist ja gerade, dass es viele Religionen gibt, und keine dabei ist, die nun die Wirkliche ist. Wer das nicht verstanden hat, kann selber zum Problemfall werden.

Dazu kommen noch Unklarheiten, die sich aus einem Kenntnismangel auch auf wissenschaftlichem Gebiet ergeben. Z.B. ist der Klimawandel selbst sehr gut belegt, die Klimaprognose aber trotz Supercomputer immer noch sehr unsicher. Entsprechend zögerlich gestalten sich die Konsequenzen, die man ziehen will. Wenn hier entsprechende Unsicherheiten bestehen, dann kommt es auch auf die grundsätzliche Einstellung zu Risiken an, welche Konsequenzen man bevorzugt.



Kommentar vom 18.06.2022 12:18
https://scilogs.spektrum.de/hirn-und-weg/wie-gefaehrlich-ist-kuenstliche-intelligenz/#comment-3042

@Holzherr 17.06. 18:37

„Digitale Überwachung ist schon mit den heutigen Mitteln möglich, fortgeschrittene KI braucht es gar nicht.“

Intelligentere KI kann aber bei der Auswertung der Überwachungsdaten helfen. Das könnte Autokratien helfen, mit weniger Gewalt zurecht zu kommen. Wenn es etwa möglich wird, konstruktive Kritik, harmloses meckern und ernsthafte staatsfeindliche Bestrebungen zu unterscheiden. Gerade wenn man das sicher unterscheiden kann, dann kann man auch viel Kritik durchgehen lassen, und muss nicht pauschal sicherheitshalber stets zu Gewalt greifen.

„Mit fortgeschrittener KI werden aber wohl irgendwann subtilere Formen der Gesellschaftskontrolle möglich.“

Bis eine KI mit Regierungsgegnern so effektiv diskutiert, bis dass die ihre Meinung ändern, ist es wohl noch ein langer Weg. Was näher dran ist, ist dass man missliebigen Menschen einfach den aktiven Zugang zum Internet einschränkt, wenn sie nur versuchen, etwas Kritisches zu posten, wo auch immer.

Je intelligenter die KI, desto mehr Freiheit kann man den Menschen lassen. Je besser die KI einschätzen kann, ob ein konkreter Post für den Staat schädlich ist, desto weniger muss man Gegner reglementieren. Das kann dann für die betroffenen Individuen schon noch ärgerlich sein, wenn sie ihre Meinung dann teilweise eben nirgends mehr Posten können. Aber wenn sie darüber hinaus in Ruhe gelassen werden, dann hätte das ja auch was.

„Leider haben aber autoritäre Systeme in den letzten 10 Jahren Auftrieb erhalten. Und Demokratien haben heute einen schwereren Stand.“

Das mag tatsächlich schon daran liegen, dass in den Autokratien sich die Überwachungsmöglichkeiten längst entscheidend verbessert haben. Und gleichzeitig die Demokratien in einer ausufernden Diskussion in den neuen Medien auf Gegner stoßen, die diese neuen Medien zu nutzen wissen.



Kommentar vom 17.06.2022 00:16
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/bundeskanzleramt-juedische-gemeinde-simon-wiesenthal-institut-in-wien/#comment-121740

@Mussi 16.06. 19:40 / 20:22

„Definieren Sie Bestandserhaltung.
Auch mit 100 mio. stirbt die Menscheit nicht aus.“

Ich meinte hier eine stabile Populationsgröße. In der Tat können wir auch noch weiter schrumpfen, das wäre auf jedem Fall besser als eine Überbevölkerung. Ich meine nur, wenn wir wieder mehr Kinder haben wollen, dann müssen wir etwas weniger arbeiten, und damit das funktioniert, müssen wir weniger konsumieren und auch weniger exportieren.

Wie groß eine optimale Größe der Menschheit wäre, ist scheint mir eine komplexe Frage. Wie glücklich ist ein Menschenleben überhaupt, mit wie vielen Ressourcen können wie viele Menschen gut leben, wie viele Menschen sind optimal in Bezug auf eine Weiterentwicklung der Weltkultur? Und wie viel Lust mag man haben, selber Nachwuchs aufzuziehen?

„Aber man muss sich schon fragen,warum das Besondere immer wieder Überlegenheit anstrebt,nicht einfach nur Akzeptanz.“

So fern man eigene Stärken hat, kann man die auch sehen und nutzen. Warum denn nicht. Eine völlige Überschätzung der tatsächlichen eigenen militärischen Möglichkeiten Russlands jedenfalls kann zu nichts Vernünftigem führen. Wenn China seine Wirtschaftskraft hochhält jedenfalls, dann ist das doch auch eine tatsächliche Stärke.

Vor Chinas Aufstieg zur Wirtschaftsmacht dachte man überwiegend, dass autokratische Systeme zu einer florierenden Wirtschaft nicht fähig sind. Offenbar haben die Chinesen einen Weg gefunden, dies hinzubekommen. Aus meiner Sicht ein in jedem Fall interessantes Experiment. Bisher wohl ohne Vorbild als Präzedenzfall, entsprechend schwierig ist es einzuschätzen, wie es mit China wirklich weitergeht.

Ob der chinesische Wirtschaftsaufschwung doch ein Ende findet, weil die autokratischen Strukturen doch wieder die Produktivität der Menschen lähmt, oder ob man auf der Basis einer großen Zustimmung der Menschen zu ihrem Staat zunächst mehr Meinungsfreiheit, später politische Mitwirkung und am Ende sogar freie Wahlen realisiert.

Kann ja alles noch werden. Bei uns hat sich die Demokratie auch erst langsam weiterentwickelt. Und das nicht nur nach kriegerischen Katastrophen. Die Weiterentwicklung der Kultur wirkt sich öfter auch irgendwann politisch aus.



Kommentar vom 16.06.2022 18:25
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/bundeskanzleramt-juedische-gemeinde-simon-wiesenthal-institut-in-wien/#comment-121724

@Antisemitismus und Autokratie

Offenbar gehört der Antisemitismus zur Autokratrie bzw. autokratischen Bestrebungen dazu. Und ist natürlich ein Ansatzpunkt für demokratieförderlichen Diskurs.

Jetzt gibts aber auch noch andere Ansatzpunkte, um Autokratien entgegenzuwirken. Das eine ist sicherlich ganz aktuell, eben auch militärisch aktiv zu werden. Zumindest, wenn hier mal eine überwiegende Demokratie von einer eher überwiegenden Diktatur angegriffen wird, und das in Europa.

Das nächste ist, hier unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden, und damit Rentierstaaten die Grundlage zu entziehen. Das dauert aber mindestens 20 Jahre, bis hier komplett die Investitionen im Energiesektor auf erneuerbare Technik umgestellt ist. Die Frage ist jedoch: haben wir so viel Zeit auch mit der Förderung von florierender Wirtschaft und Demokratie in den entsprechenden Ländern?

Was auch mindestens 20 Jahre dauert, dass wäre wenn wir mal wieder bestandserhaltenden Kinderreichtum hätten, bis die mal auf dem Arbeitsmarkt ankommen. Derweil sind wir in D zumindest wohl noch auf weiteren Zuzug angewiesen, solange, wie unsere Wirtschaft entsprechende Kräfte nachfragt. Der Sog von freien Arbeitsplätzen ist nun im wesentlichen unwiderstehlich.

Alternativ wäre es allerdings eine theoretische Option, ganz aktiv unsere Wirtschaftstätigkeit zu reduzieren. Mit weniger überflüssigem Konsum und ohne Außenhandelsüberschuss wäre dies ja möglich. Die entsprechenden Lobbyisten, die sich seit vielen Jahrzehnten hier im Land um maximalen Umsatz bemühen, ständen hier allerdings dagegen.

Es wäre jedenfalls auch mehr Kinderreichtum möglich, wenn einfach nur weniger gearbeitet würde, und die damit frei geworden Arbeitskraft in Kinderaufzucht investiert würde. In der Tat gibt es viele Familien, die mehrere Kinder haben und derweil auch noch fleißig arbeiten gehen, aber so fit sind dann sehr viele eben dann doch wieder nicht. Und verzichten dann eben auf Kinder, angesichts des Arbeitspensums, in das sie hereingeraten sind.

Alternativ fände ich es auch nicht schlecht, wenn die inzwischen eingewanderten Hilfskräfte deutlich besser integriert würden. Zumal die wohl überwiegend hier bleiben wollen. Wenn hier Neuankömmlinge gleich zum Deutschlernen motiviert würden, und die 2. Generation nicht in den Schulen überwiegend unter sich bleiben würde, dann würden die sich wohl deutlich schneller in moderne demokratische und vor allem nicht-patriarchale Verhältnisse einleben können.

Die Bekämpfung von dualistischen Einstellungen ist sicher ein wichtiger Ansatzpunkt, aber eben nicht der Einzige.



Kommentar vom 12.06.2022 13:21
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/monismus-relativismus-dualismus-skript-zum-worthaus-tuebingen/#comment-121597

@Mussi 11.06. 15:42 / 16:34

„Wenn man das konsequent weiterdenkt,dann gilt die Gleichzeitigkeit von Determinismus und Zufall!
Das ist logisch ausgeschlossen.
Aber wieso gibt es dann real das Daktylogram?“

Also wenn man Computerprogramme schreibt, und Zufallszahlen braucht, dann liefern hier bestimmte Algorithmen sehr brauchbare Zufallszahlen. Diese sind zwar eigentlich determiniert, aber eben so, dass sie normalverteilt sind und für die meisten Anwendungen als Zufallszahl brauchbar sind.

Wenn man Zufallszahlen aus der Physik holt, dann folgen die dem Regime des Quantenzufalls. Die sind dann nicht determiniert. Ich hab hier mal Experimente mit dem Rauschen einer analogen Fernsehkarte gemacht. Funktioniert auch, klar.

Meine Fragestellung dabei ist aber, ob in den Tiefen der Physis der realen Welt nicht doch noch viel mehr hinter den Quantenzufallsprozessen steckt. Überlegungen hierzu gibts hier:

https://introspektiva.de/Wplatz

So oder so, der Fingerabdruck ist einmalig, auch wenn er ein Zufallsprodukt ist.

„Die einzige wirkliche Lösung,die mir für dieses ganze Dilemma einfällt ist,dass die Menschheit auch mit einer Milliarde Erdenbewohner nicht ausstirbt und sie sich mit Regeneration versöhnt hat.“

Das wäre sicherlich eine sehr entspannte Lebensweise mit Ressourcen ohne Ende und gleichzeitig mit fast so viel wilder Natur wie zu Zeiten ohne den Menschen. Wollen wir das aber?

Wenn wir zu den Sternen fliegen wollen, dann können wir aber auch durchaus Milliarden Menschen gebrauchen, die an den dafür nötigen Raumschiffen arbeiten. Naja, vielleicht reichen hier auch Millionen. Was bleibt ist die Lebensfreude des individuellen Menschen auf Erden. Mehr davon ist auch mehr Lebensfreude, dagegen steht aber auch mehr Lebensleid.

Ein stabiles Miteinander von Natur und Menschen ist auf jeden Fall auch für 5 Milliarden Menschen sehr komfortabel realisierbar. Dann reichen die Ressourcen und es bleibt genug Platz für Refugien wilder Ökosysteme. Wenn man jetzt noch mit Bakterienkulturen, die mit grünem Wasserstoff gefüttert werden, massenhaft hochwertige Nahrung herstellen könnte, dann bräuchte das überhaupt keine landwirtschaftlichen Nutzflächen. Wir kämen dann womöglich sogar mit 20 Milliarden Menschen auch noch gut klar.

Käme es nicht Wissenschaft und Kultur entgegen, wenn wir einfach mehr wären? Oder wäre dies sogar ein Nachteil, indem wir mit dem eigenem Kulturangebot überfordert wären? Man könnte ja zunächst auch mal den Menschen auf der ganzen Welt eine hochwertige Bildung zukommen lassen, das würde auch jetzt schon die Kulturproduktion ankurbeln.



Kommentar vom 11.06.2022 13:46
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/monismus-relativismus-dualismus-skript-zum-worthaus-tuebingen/#comment-121564

@Mussi 10.06. 06:27

„Was passiert aber,wenn man lediglich den Operator ändert und Reduktion UND Emergenz betrachtet.“

Ein Beispiel: Bei der Computerchipproduktion wird eine Datei erzeugt, die eine Belichtungsvorlage für die Belichtung des Chips erzeugt, was dann wiederum die Strukturen erzeugt, die dann am Ende die Funktionalität des Chips verursachen.

Man kann den fertigen Chip immer noch reduktionistisch sehen, als eben einen Molekülverband, der als elektronisches Bauteil funktioniert.

Die Planvorlage bestimmt allerdings darüber, was dieses Bauteil dann leistet.

Kann man das auch auf lebende Strukturen übertragen? Der konkrete Informationsinhalt von genetischen Sequenzen etwa ist ja auch vergleichbar mit solchen Belichtungsvorlagen wie in der Computerchipproduktion.

Und der konkrete Inhalt menschlicher Gedanken folgt ja auch auf der sprachlichen Ebene einer eigenen Logik, und ist dann letztlich auch von einer Art wie diese Belichtungsvorlagen. Die Sprache hat durchaus die Macht, im Gehirn Strukturen zu hinterlassen, die entscheidend für unser persönliches Weltbild sein können. Das ist die Grundlage jeglicher Bildung.

So haben wir also Informationselemente, die im Leben eine entscheidende Rolle spielen. Reduktionistisch kann man das immer noch sehen, wenn man aber mit den Fakten arbeiten will, kommt man weder an der Informatik der Gensequenzen noch an der Informatik sprachlicher Gedanken vorbei. Das UND ist offenbar für das Verhältnis von Reduktion und Emergenz passend.

Ohne eine eigene Ebene von Planvorlagen kann Leben genausowenig funktionieren wie unsere Technik. Nicht nur Computerchips brauchen ihre Belichtungsvorlage, auch ein Auto kann nicht ohne umfassende Konstruktionspläne hergestellt werden. Auch als diese noch auf Papier waren, ging es ohne Pläne nicht.

Selbst der Steinzeitmensch hatte eine genaue Vorstellung von seinem Faustkeil, wenn er anfing, ein Stück Feuerstein zu bearbeiten.

Neben der Art und Weise, wie etwas aufgebaut ist, steht hier immer auch ein Plan dahinter, nachdem es hergestellt wird. Das gilt für Proteine, für Gedanken, für Computerchips, für Autos und für Faustkeile.

Selbst der Löwe auf der Jagd hat eine genauen Plan, wenn er sich an seine Beute anschleicht.



Kommentar vom 10.06.2022 13:19
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/monismus-relativismus-dualismus-skript-zum-worthaus-tuebingen/#comment-121551

@Mussi 09.06. 23:43

„wer hat den Physikalismus=Chemie=Biologie=Physis=Geist geschaffen….die einzige Lösung die ich kenne mündet in mit der ewigen Frage in Agnostizismus..: unentschieden zwischen Wissen und Glauben.“

In der Tat haben wir auf allen Ebenen Unkenntnis und Ungewissheit. Die Interpretation der Quantenwelten ist nicht abgeschlossen, komplizierte Chemie wie die Zellchemie ist in weiten Strecken unbekannt, die Biochemie zu vielfältig, um hier wirklich die Funktionalitäten zu kennen, die Physis ist teils klar erkennbar, teils aber im Detail gar nicht verstanden, die Natur des Geistes am Ende ganz umstritten bzw. ganz unbekannt.

Man hat sich irgendwie dran gewöhnt, man hat ja Kenntnisse, und es kommt regelmäßig neue Erkenntnis dazu. Soviel, dass man schon lange nicht mehr alles lesen kann. Aber die Lücken sind eben doch immer noch gewaltig.

„Wobei,wie gesagt,Glaube möglicherweise entscheidender ist…“

Man entwickelt eben auch einfach einen Glauben aus den Kenntnissen, die man ganz persönlich aufgesammelt hat. Und der baut sich nicht nur aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen zusammen, sondern auch aus der eigenen Erfahrung mit dem eigenen konkretem Leben. Letzteres ist unstrukturierter, aber eben näher an sich selbst dran. Probieren geht über studieren, sagt man ja auch.

Wenn Monismus nur der Glaube ist, dass es eben genau eine Wirklichkeit gibt, auch wenn wir uns ihr nur Annähern können, dann ist dieser Monismus aber immer praktikabel. Und einen Relativismus, der unter den Möglichkeiten einer wirklichen Auseinandersetzung bleibt, den dürfen wir immer ablehnen. Pluralismus jedenfalls lebt in der Tat allein schon aus der realen Individualität heraus. Ob man sich nun die Zeit nimmt, miteinander zu diskutieren, oder wenn man dies eben auch nicht tut.



Kommentar vom 09.06.2022 13:46
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/monismus-relativismus-dualismus-skript-zum-worthaus-tuebingen/

@Michael 08.06. 10:03

„Der Fortschritt von Gesellschaft und Wissenschaft erlaubt entsprechende Gegenpositionen gegen die auch politische Gleichberechtigung und Wissenschaftsleugbung heute faktisch nicht mehr.„

Was heißt erlauben. Es gibt ja nun in der Tat Menschen, die eben Gleichberechtigung nicht so ganz mögen, oder auch den Klimawandel leugnen bzw. ihn für wenig gefährlich halten. Dies sind ganz klar Minderheiten, aber die sind durchaus real.

In der Diskussion mit diesen Minderheiten lehne ich eben diese Auffassungen ab, aber damit sind die ja nicht aus der Welt.

Hier kann ich sogar gewisse Zugeständnisse machen. Die derzeitige Gleichberechtigung ist unvollständig, in dem Sinne dass sie zusammen mit der Leistungsorientierung der Gesellschaft zu einem verbreiteten und anhaltenden Kindermangel führt. Mein Lösungsvorschlag wäre jetzt nicht ein Arbeitsverbot für Frauen, sondern lieber mehr Kindergeld und mehr Betreuungsangebote in einem Klima, in dem generell weniger gearbeitet und konsumiert wird.

Und was den Klimawandel betrifft, da sind dann wohl die Prognosen der Klimawissenschaft alles andere als genau. Wir wissen doch noch gar nicht, was da wirklich auf uns zu kommt. Wenn die CO2-Sensitivität für eine Verdopplung der Konzentration in der Atmosphäre zwischen 1,5 ° und 4,5 ° liegt, dann ist das ein Unterschied zwischen durchaus ungemütlich und völlig katastrophal. Allein die persönliche Einstellung zu Risiken allgemein macht hier schon einen Unterschied. Der Optimist zieht hier ganz andere Konsequenzen als der Pessimist.

Wären die Prognosen genauer, dann wäre vermutlich auch die Reaktion der Menschen eindeutiger. Manch einer versteht die Unsicherheiten der Klimaprognosen als Eingeständnis, dass die Klimawissenschaftler eigentlich keine Ahnung vom eigenen Fach haben. So sehe ich das nicht, ich bin da zuversichtlich, dass die richtig rechnen. Aber die Unsicherheit der wirklich zu erwartenden Erwärmung ist ebenso real wie das Phänomen Klimawandel selbst.

Die letzten Jahre waren in Deutschland zu warm und vor allem zu trocken, und allein deswegen sind inzwischen viel mehr Menschen hierzulande dazu bereit, dass Problem zu lösen und die Energiewende endlich zu realisieren. Dabei war das Klima der letzten Jahre in Deutschland gar nicht zu 100% auf den Klimawandel zurückzuführen. Dennoch hat das die Menschen mehr überzeugt, als die abstrakten Zahlen einer ungewissen Zukunft aus der Klimawissenschaft.

Dummerweise ist der Klimawandel erst zukünftig zu erwarten, erst jetzt, wo er anfängt sich wirklich bemerkbar zu machen, kommt eine hinreichende Reaktion in Gang. Und die Reaktion Energiewende erfordert langfristige Investitionen und das braucht auch wieder noch mindestens 20 Jahre. Für viele Ökosysteme auf der Welt schon längst zu spät.

Hier würde ich auch noch als unterstützende Maßnahme eine Reduktion von Konsum und Verschwendung vorschlagen. Das spart selber direkt Treibhausgase ein, und macht zusätzlich Arbeitskräfte frei, die die erneuerbaren Energieanlagen herstellen und installieren können.



Kommentar vom 08.06.2022 13:37
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/monismus-relativismus-dualismus-skript-zum-worthaus-tuebingen/

@Wege, Welten und Erfahrung

Der Mensch ist begrenzt. Das Individuum kann nur aus seiner Perspektive die Welt erkunden, und sich nur eine limitierte Menge an Input zuführen. Die Verarbeitung des erworbenen Wissens wie auch der eigenen Erfahrungen können auch wieder nur in begrenztem Umfang umgesetzt werden. Entsprechend entwickelt jeder Mensch ein eigenes Weltbild, und gleichzeitig lebt auch die Gesellschaft davon, dass es eine Vielfalt an Fähigkeiten gibt, die sich ja auch wieder auf die Verschiedenheit und Spezialisierung der Individuen gründet.

Der Jurist hat eine andere Erlebniswelt als der Gärtner. Nur so kann der Jurist seine Arbeit tun, und der Gärtner eben seine.

Auf dem weltanschaulichem Gebiet kommt es analog zu den verschiedenen Berufsausbildungen auch zu einer diversifizierten individuellen Entwicklung. Auch die philosophische Welt ist zu groß, als das je ein Einzelner in der Lage wäre, sie auch nur annähernd vollständig zu erfassen. Wir sind hier auch wiederum nur einigermaßen vollständig, wenn wir uns in unseren Weltbildern sozusagen additiv ergänzen.

Beispielsweise gibt es Menschen mit persönlicher Erfahrung von Übernatur, das dann in verschiedenem Ausmaß, und eben auch Menschen ganz ohne derartige Erfahrungsschätze. Hier kann man nun schlichtweg keine Einigung finden, man muss dabei bleiben, dass jeder diesen Teil seines Weltbildes eben persönlich einrichtet.

@Michael 08.06. 09:26

„Das Streben nach einer gemeinsamen Wahrheit muss die Vielfalt der religiösen und weltanschaulichen Perspektiven darauf begrüßen – also nicht-relativistische Pluralität zulassen.“

Gemeinsame Wahrheit ist eben nicht immer praktikabel. Theoretisch in letzter Konsequenz vielleicht, aber in praktischer Hinsicht schon mal überhaupt nicht. Ich kann mir schon ein Weltbild vorstellen, dass eben alle Wirklichkeit kennt. Schließlich muss es ja diese eine Wirklichkeit geben. Aber der Mensch hat nicht die Kapazität, diese wirkliche Wirklichkeit vollständig zu erfassen, insbesondere ist Wirklichkeit vermutlich in weiten Bereichen sozusagen kryptisch.

Ein prominentes Beispiel hierfür ist etwa das menschliche Gehirn. Die ganzen zigmilliarden Nervenzellen und Synapsen sind so verworren zusammengeschaltet, dass man hier nicht so leicht durchsteigen kann. Oder auch die tatsächliche Entwicklung des Weltklimas im Klimawandel ist auch nur mit großer Unsicherheit genau zu beziffern.

Aufgrund dieser Nichterfassbarkeit vieler Bereiche bleiben unsere Modelle einerseits meistens unvollständig, und sind gleichzeitig in verschiedenen Versionen gültig. Diese Versionen wiederum werden von Menschen mit verschiedenen Hintergründen dann unterschiedlich bevorzugt. Das Ergebnis ist dann eben der sich grundsätzlich ergänzende Pluralismus.

Bis hier her sind wir in einem, meine ich, gesundem Pluralismus. Jetzt kommt aber noch dazu, dass der Mensch auch noch dazu neigt, sich Auffassungen zurechtzubiegen, die ihm sozusagen z.B. finanziell entgegenkommen. Und insbesondere z.B. die Kirchen Auffassung zu verbreiten versuchen, die viel fleißig zahlende Mitgliedschaft bescheren kann. Wo hier sozusagen die Wahrhaftigkeit aufgegeben wird zugunsten einer zweckgerichteten Manipulation.

Denkbar ist auch noch, dass auch das Individuum sich was vormacht, aus verschiedenen Gründen. Das Prinzip Hoffnung ist hier nah dran, und man ist ja nun auch ziemlich begrenzt, und kann nicht alles aufnehmen und einschätzen, was man eigentlich bräuchte, um zu validen Urteilen zu kommen. Von daher mag man es sich auch mal durchgehen lassen, wenn man mal die Hoffnung übertreibt.

Nicht nur die Gesellschaft ist in einer Entwicklung unterwegs, das Individuum ja auch.



Kommentar vom 06.06.2022 14:29
https://scilogs.spektrum.de/hirn-und-weg/gehirnmodell-fake-it-till-you-make-it/

@Holzherr 05.06. 23:58

„In Bezug auf die in diesem Beitrag aufgeworfene Frage, wie weit wir das menschliche Gehirn 1:1 nachbilden sollten, bedeuten aber meine Ausführungen, dass das gar nicht nötig ist, wenn es nur darum geht, Menschenähnlichkeit vorzutäuschen.“

Ich denke auch, dass wenn wir besser verstehen, wie unser Gehirn funktioniert, dass wir dann auch Lösungen finden, wie wir dies mit den derzeitigen Computern effektiv nachahmen können. Gerade diese Computer haben ihre eigenen Stärken und sind gar nicht gut darin, neuronale Netze 1:1 zu simulieren.

Sollte es darauf hinauslaufen, dass wir doch keine eigene Lösung finden, wie wir die Funktionalität des Gehirns auf unsere Computer übertragen können, dann müssen wir wohl ganz neue Hardware bauen. Wenn wir heute neuronale Netze simulieren, dann ist das extrem rechenintensiv, weil wir ständig Daten hin und her transportieren müssen, wo eine Nervenzelle nur einen winzigen Impuls an einer Synapse registrieren muss.

Solch eine Simulation würde schlichtweg Unmengen Strom verbrauchen, und für Roboter im alltäglichen Einsatz völlig unbrauchbar sein.

Es gilt also, das Ergebnis der Forschung am Gehirn so gut zu verstehen, dass man Lösungen findet, etwas Ähnliches mit unseren handelsüblichen Rechnern auch zu produzieren. Wenn das dann nicht zu viel Strom verbraucht, dann ist der Weg frei für KI und Roboter, die uns ähnlich sein können. Selbstfahrende Autos etwa wären wohl der nächste Schritt mit solch einer Technik, wobei noch unklar ist, ob das wirklich vollständig realisierbar ist.



Kommentar vom 06.06.2022 00:17
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/monismus-relativismus-dualismus-skript-zum-worthaus-tuebingen/

@Monismus und Relativismus

Gesicherte Erkenntnisse, soweit sie dem Individuum bekannt sind, mögen nun tatsächlich in der Einschätzung anderer Auffassungen zu einem Urteil führen. Dass man eben nicht jedem zustimmt, und manche Auffassungen dann auch ablehnt.

Zusätzlich haben Menschen eigene Erfahrung, die man zunächst nicht unbedingt teilt, die aber im Prinzip zu würdigen ist. Und jeder Mensch baut sich auch ein eigenes Weltbild zusammen, dass offensichtlich vielfältig ausfällt, und dann im praktischem Miteinander auf Pluralismus hinausläuft.

Ein Zuviel an Relativismus wäre es, hier eben nicht zu versuchen, die verschiedenen Weltbilder auf Gemeinsamkeiten, Plausibilität und Konsequenzen abzuklopfen, um sich tatsächlich auf eine inhaltliche Auseinandersetzung einzulassen.

Ein Monismus mitten in der Pluralität wird zur Möglichkeit, wenn er sich auf diese Auseinandersetzung einlässt. Eigentlich können die Übergänge von Monismus zu Relativismus sogar fließend sein. Je weniger man wirklich prüft, desto oberflächlicher wird das Miteinander. Und je mehr man wirklich in die Diskussion kommt, desto fundierter kann auch ein Pluralismus im positiven Sinne werden, und letztlich sogar zu gemeinsamen Überzeugungen führen.

Letztlich spielt dabei die eigene Wahrhaftigkeit eine wesentliche Rolle. Wer nur argumentiert, um hintenherum irgendetwas durchzumogeln, der entfernt sich immer weiter von jedem fruchtbarem Diskurs.

Wenn jetzt stur ein nichtbegründbarer Glaube hochgehalten wird, der eigentlich nur eine manipulative Agenda rechtfertigen soll, dann sind wir auch schnell beim Dualismus angekommen. Wer hier dann nicht mitmacht, der macht sich ohne es zu wollen schon zum Feind.



Kommentar vom 05.06.2022 16:14
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/alternative-fakten-leben-wir-noch-im-selben-universum-podiumsdiskussion-beim-bundesverfassungsgericht/

@Mussi 04.06. 09:04

„Vielleicht noch einen Impuls zum Naturrecht: mir macht es stark den Eindruck,dass Hierachie undBefehl und Gehorsam des Ostens Herausforderung mit der Offenen Gesellschaft ist.“

Naturrecht ist hier womöglich simples Faustrecht? Der Autokrat befiehlt, und wer nicht folgt, wird malträtiert. Im internationalem Zusammenhang macht diese Art Naturrecht richtig komplizierte Situationen. Wenn am Ende jeder sein Süppchen kocht, und die Bündnisse zuweilen wechseln, dann ist immer was los.

Die Rüstungsindustrie freut es allemal, sofern hier der Umsatz floriert.

Die Freiheit vom Faustrecht ist dabei gerade die Freiheit, die wir wirklich suchen? Besser ist es hier, wenn wir uns nicht dazu hinreißen lassen, selber zu Faustrecht zu greifen, nur weil wir die dafür nötige Stärke haben. Insbesondere der Golfkrieg zur Absetzung Saddam Husseins im Irak scheint mir von dieser Art gewesen sein.

Man muss hier schon gucken: Wer selber in Freiheit lebt, der muss in seinen internationalen Beziehungen nicht automatisch die Freiheit anderer im Sinn haben. Dementsprechend führte dieser Golfkrieg eben nicht zur Freiheit der Iraker, sondern in einen Bürgerkrieg, dessen Ende immer noch nicht in Sicht ist.



Kommentar vom 05.06.2022 15:35
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/monismus-relativismus-dualismus-skript-zum-worthaus-tuebingen/

@Vortrag zu Schawuot & Pfingsten

„Der Monismus taugt als gemeinsamer Rahmen dialogbereiter Religionen, Weltanschauungen und Wissenschaften; aber er sollte nie versuchen, an ihre Stelle zu treten. Echte Liebe, ja schon jeder Dialog setzt die Akzeptanz von Unterschieden voraus.“

Der Umgang mit Autokraten ist jetzt aktuell ein Thema. Es wäre in der Tat eine Strategie, überall zu versuchen, demokratische Verhältnisse zu fördern, wo das möglich ist. Das entbindet uns aber nicht davon, dass wir mit den derzeit eben definitiv autokratischen Systemen irgendwie umgehen müssen.

Wir betrachten uns womöglich auch beidseitig als Gegner. So wie wir auch anderswo Menschenrechte einfordern, so haben die Autokraten eben Angst vor Demokratie-Bewegungen im eigenen Land. Wenn die Autokraten jetzt noch Angst vor militärischen Übergriffen unsererseits haben müssen, verstärkt das wohl noch deutlich deren Vorbehalte gegenüber des demokratischen Westens.

Nun gut, dann ist das eben so. Immerhin sind wir nun tatsächlich menschenfreundlich, und auch unsere Bündnispartner sind allesamt freiwillig dabei. Das macht hier eben den Unterschied.

„Auch unserer sozialen und ökologischen Klimaziele werden wir nur erreichen, wenn wir mehr Fachkräfte etwa in Pflege, Handwerk und Technologie gewinnen.“

Aber ist es denn nicht eine Notlösung, wenn wir nur in einigen florierenden Regionen vernünftige Verhältnisse hinbekommen? Die produktiven Menschen, die hier einwandern, die fehlen ja u.U. auch da, wo sie herkommen. Und wenn Klimaschutz nur hier funktioniert, und überall anderswo, wo es eben nicht vernünftig läuft, dann nicht so recht, dann reicht das nicht so weit. Dann gehen die Treibhausgasemissionen weiter.

Wenigstens werden die Kosten für erneuerbare Energieanlagen noch deutlich günstiger werden, wenn die florierenden Regionen mit der Energiewende fertig sind, und damit voraussichtlich so kostengünstig werden, dass sie danach zum Selbstläufer werden können.

Alternativ zu weiter hinzukommenden Migranten kann ich mir aber durchaus auch einen wieder bestandserhaltenden Kinderreichtum vorstellen, der eigentlich nur mehr Kindergeld und Kitas braucht. Die zusätzliche Arbeitskraft, die man dafür bräuchte, kann man m.E. auch mit weniger Konsum und weniger Exportüberschüssen freimachen.

Ein Anderes ist das, wenn es den potentiellen Migranten nicht möglich ist, zuhause ein produktives und erträgliches Leben zu führen. Das ist wohl ein Argument für sich, diese Menschen aufzunehmen.

Alternativ auch hilfreich wäre hier allerdings, wenn man eben die Verhältnisse in den Herkunftsländern verbessern könnte. Insbesondere wenn man schon mal solche überflüssigen Kriege wie diesen Ukrainekrieg verhindern könnte.



Kommentar vom 04.06.2022 14:38
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verbieten-verbreiten-kommentieren-zum-umgang-mit-verschwoerungsmythen-und-terror-texten/

@lioninoil 03.06. 08:55

„Wir sind dann so gut wie unabhängig, die stimmt nicht in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit.“

Nur noch vergleichsweise wenig Rohstoffimporte verringern doch auch die Notwendigkeit, soviel zu Exportieren. Wir können uns doch dann auch weniger Wettbewerbsfähigkeit leisten. Das führt bei uns direkt dazu, dass wir weniger arbeiten müssen.

Ob man das jetzt gut oder nicht so gut findet, das kommt drauf an. Wenn man lieber etwas entspannter lebt, und nicht so viel arbeiten und konsumieren will, oder ob man um jeden Preis immer höher, schneller und weiter will, das macht hier den Unterschied.

Unsere Leistungsgesellschaft mit allen unseligen Nebenwirkungen ist doch nicht in Stein gemeißelt. Es geht letztlich auch darum, wieder Luft zu haben, bestandserhaltenden Kinderreichtum zu realisieren. Das ist doch kein Dauerzustand, das man so wenige Kinder hat. Egal wie man es macht, ob man jetzt mehr Kindergeld zahlt oder viel mehr Kitaplätze bereitstellt, der Aufwand für durchschnittlich 2 Kinder pro Frau macht deutlichen Mehraufwand für die Kinderaufzucht. Diese Arbeitszeit muss anderweitig eingespart werden, das geht letztlich nur mit weniger Konsum im Inland und mit weniger Exporten in alle Welt.

Nach Belieben immer mehr Migranten einladen wäre noch eine Alternative. Da ist mir aber eine gewisse Reduktion der Arbeits- und Wirtschaftsleistung lieber.

@Mussi 03.06. 19:40

„Denken Sie nochmal über die Wechselwirkung über Freiheit vs Abhängigkeit nach…“

Ein freier Austausch von Gütern ist doch immer sinnvoll. Aber solche Abhängigkeiten wie jetzt in der Ukrainekrise sind doch wirklich besser zu vermeiden. Wir haben jetzt die Wahl, entweder Russland sein Verhalten durchgehen zu lassen, oder uns mit den Sanktionen auch selber massiv zu schaden. Das sieht so aus, dass das für uns richtig teuer wird.

Wenn sich sowas in Zukunft vermeiden lässt, weil man sich ja sowieso schon aus Klimaschutzgründen eine komplette Energiewende leisten will, dann müssen wir tatsächlich auch keine Autokratien mehr mit unseren Energieimporten finanzieren.

Ein Austausch von Produkten, die vor allem mit produktiver Arbeit hergestellt werden, der fördert in den beteiligten Ländern doch eben auch florierende Marktwirtschaft und vielleicht nachfolgend sogar Freiheit und Demokratie.



Kommentar vom 03.06.2022 13:35
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/warum-die-hirnforschung-die-psychologie-braucht/

@Stegemann 03.06. 10:44

„Man muss also nach den inneren Mechanismen dieser Struktureigenschaft suchen, die diese von außen beobachtbaren Eigenschaften von Selbstorganisation hervorbringt, wie etwa Adaption, Evolution oder die Aufrechterhaltung der Systemstabilität.“

Genau. So sind unsere Blutgefäße als Rohrleitungen implementiert, und entsprechend in der Lage, dafür zu sorgen, dass das Blut im ganzen Körper zirkuliert. So wie eine Zentralheizung, die Wärme in einer ganzen Wohnung verteilt.

Entsprechend sind psychologische Fakten, dabei insbesondere die innere Erlebniswelt, auch Strukturelemente, ohne die der gesamte Organismus nicht funktionieren könnte.

Wir sind von einer Aufklärung dieser Strukturelemente wohl in vielen Bereichen noch weit entfernt. Neben der Zellchemie ist insbesondere die Psyche sehr komplex und undurchsichtig, weil sie eben evolutionär gewachsen ist und nicht auf Verständlichkeit hin konstruiert wurde.

Unsere technischen Systeme sind immer so gebaut, dass wir sie noch verstehen können. Jeder Programmierer hat viel damit zu kämpfen, dass er in seinen eigenen Programmen noch den Überblick behält, und große Projekte, die die Mitarbeit von ganzen Programmierabteilungen brauchen, müssen gut organisiert sein. Die evolutionäre Natur ist hier anders, sie übernimmt alles, das funktioniert, und häuft über die Jahrmillionen immer mehr Tricks an, die neue Funktionen mit der vorhandenen Systemstabilität vereinbaren können.

So haben wir dann im Endergebnis ein höchst stabiles System, dass mit den vielfältigsten Störungen klar kommt, und sich dabei immer neuen Herausforderungen stellen kann. Nur auf Verständlichkeit hin ist es nicht konstruiert. Vieles ist offensichtlich und einfach zu verstehen, z.B. der Rohrleitungscharakter der Blutgefäße. Anderes dagegen, etwa wer konkret an Covid19 stirbt und wem die Erkrankung nichts ausmacht, das ist nicht so einfach festzustellen. Hier kann man nur zugucken, was passiert, wenn sich jemand mit dem Virus ansteckt. Und Beatmen, falls es kritisch wird, oder vorher alle Impfen. Speziell die Menschen vorher ermitteln, die im Falle einer Infektion schwer erkranken, ist nicht möglich, man kennt hier nur ein paar Risikofaktoren.



Kommentar vom 03.06.2022 00:27
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/warum-die-hirnforschung-die-psychologie-braucht/

@Stegemann 02.06. 12:30

„Wie funktioniert aber (lebende) Selbstorganisation, was sind die inneren Regeln?“

Genau das ist es doch, was wirklich interessant ist. Hier gibt es auch gleich mehrere Baustellen. Einmal die Regulation der gesamten Zellchemie, dann Wachstum und Pflege des ganzen Organismus und speziell dabei die Funktionalität des Gehirns mitsamt den zu beobachtenden Innenwelten.

Wenn wir jetzt noch geistige Mitwirkung auf diesen Ebenen haben, dann werden wir die wahrscheinlich mitberücksichtigen müssen. Wenn diese keine Rolle spielen, dann natürlich nicht. Wir werden sehen, schätze ich mal, was eben genau eine umfassende Analyse dieser Selbstorganisation auf den einzelnen Ebenen ergibt.

Psychologisch betrachtete Innenwahrnehmung wird jedenfalls mit zu den Systemen gehören, und auf dem Weg der Aufklärung der Selbstorganisation der Systeme seine Rolle spielen.



Kommentar vom 02.06.2022 18:44
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verbieten-verbreiten-kommentieren-zum-umgang-mit-verschwoerungsmythen-und-terror-texten/

@lioninoil 01.06. 18:09

„Deutschland ist ein Land mit sehr wenig Rohstoffen und ein Land , das im Agrarsektor auf den Zukauf von Nahrungsmitteln angewiesen ist.“

Das lässt sich mittelfristig bis langfristig ändern. Fossile Energieträger sind auf jedem Fall weg, nachdem man sie genutzt hat, andere Rohstoffe lassen sich aber letztlich zu fast 100% recyceln. Haben wir erstmal eine Grundausstattung in der Energiewende, dann lassen sich z.B. neue Windräder komplett aus dem Schrott von alten Anlagen herstellen. Wir sind dann so gut wie unabhängig, und müssen nirgends mehr Rentierstaaten füttern.

Auf dem Agrarsektor sieht es auch nicht so sehr nach Importbedarf aus. Schon jetzt stehen unseren Importen von Soja und Gemüse ein nicht unerheblicher Export von Fleisch und Milchprodukten gegenüber. Ohne diesen Export wären wir deutlich unabhängiger. Und zusätzlich haben wir ein großes Einsparpotenzial, wenn wir weniger Tierisches essen und wenn wir weniger Nahrungsmittel wegwerfen.

Insektenzucht und mit grünem Wasserstoff gefütterten Bakterienkulturen haben möglicherweise auch ein großes Potential, dass wir sogar Luft für einen kompletten Umstieg auf Biostandard und mehr extensiven Anbau im Sinne von Artenschutz für Insekten und Vögel bekommen.

Energiepflanzen machen dagegen nur Sinn, wenn wir Überschüsse haben, die zur Ernährung nicht gebraucht werden. Also z.B. bei den aktuellen kriegsbedingten Engpässen eben nicht.

So oder so, wenn wir langfristig keine Importe von Rohstoffen mehr brauchen, dann sind wir auch nicht mehr darauf angewiesen, entsprechende Mengen an Exporten zu realisieren. Meine Hoffnung wäre dann, dass wir dann auch weniger arbeiten müssen, und z.B. auch wieder Zeit und Geld haben, um uns wieder einen bestandserhaltenden Kinderreichtum zu leisten.



Wegmoderierter Kommentar vom 02.06.2022 00:33
https://scilogs.spektrum.de/hlf/die-widerspenstige-navier-stokes-gleichung/

@molekulare Details

„Steckt man dieselben Anfangsbedingungen hinein, kommt jedesmal dasselbe Ergebnis heraus.“

Das Verhalten von einem Medium wie ein Gas ist ja kein Kontinuum und besteht ja in der Wirklichkeit aus einzelnen Molekülen, die wechselwirken.

Wenn man ein ganz kleines System betrachtet, und bis auf die Molekülebene herunterrechnet, dann muss man doch das konkrete umherschwirren der einzelnen Moleküle und die zufälligen Kollisionen in allen Details berechnen. Da die Anfangszustände nie bekannt sein können, muss man hier einfach Anfangswerte annehmen. Wenn man dann konkrete Ergebnisse bei kleinen Systemen mit verschiedenen Anfangswerten durchrechnet, bekommt man ein ganzes Ensemble von möglichen Lösungen. Erst in noch viel größeren Systemen kommt man dann an die Formeln heran, die ein ganzes Medium zu beschreiben versuchen.

Dazu kommt noch eventuell, dass im Moment einer Molekül-Kollision Quantenzufälligkeiten mitentscheiden, in welche Richtungen die 2 Moleküle nach einer einzelnen Kollision weiterfliegen. Das wäre dann prinzipiell variabel, jede Kollision mit genau den gleichen Ausgangsparametern hätte bei jedem Versuch ein etwas anderes Ergebnis.

Berechenbarkeit ist also sowieso nur bei Systemen mit großen Teilchenzahlen möglich, und in der Genauigkeit dann immer begrenzt.



Kommentar vom 01.06.2022 13:43
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verbieten-verbreiten-kommentieren-zum-umgang-mit-verschwoerungsmythen-und-terror-texten/

@Michael 01.06. 07:49

„Feiges Zurückweichen vor Diktatoren hat niemals wirklichen Frieden gebracht…“

Wirklicher Friede ist doch sowieso nicht im Bereich des Möglichen. Gewisse Spannungen bleiben, solange hier die Autokraten an der Macht sind und wir uns gegenseitig als Bedrohung einschätzen.

„Weichen die Demokratien zurück und geben die Ukraine auf, werden die Autoritären nach Georgien und eben Taiwan greifen.“

Ich befürworte inzwischen durchaus unsere Waffenlieferungen, bin aber immer noch gegen einen Nato-Kriegseintritt. Wenn wir Glück haben, dann kommt der russische Vormarsch auch so zum Erliegen, und das kann auch demotivieren, dass man nicht in Georgien weiter macht.

China ist auch eine Autokratie, aber China ist auch nicht Russland. Eine Auseinandersetzung zum Schutze von Taiwan wäre insofern eine andere Nummer, weil Chinas Wirtschaftskraft ganz andere Möglichkeiten zu einer Aufrüstung hat.

Wenn der Preis für die Freiheit von Taiwan eine massive Rüstungsspirale bedeutet, dann ist das in jedem Fall suboptimal. Wir haben noch andere Probleme auf der Welt, die auch viel Geld kosten. Damit konkurriert eine Aufrüstung auf beiden Seiten.

Immerhin sind weder in der Ukraine noch in Taiwan die Nato als Verteidigungsbündnis bedroht.

Ich bin auch durchaus der Meinung, dass diese Autokratien gar nicht gut sind vor allem für die Menschen, die dort leben müssen. Ich sehe aber keine Möglichkeit, hier mit militärischen Mitteln was zu verbessern. Wenn hier von Innen heraus keine Fortschritte kommen, dann bleibt es wie es ist.