www.introspektiva.de - Tobias Jeckenburger: Die Reise des Kosmos - Online-Diskussion - KLuW e.V.: Die Wirklichkeit psychischer Krankheiten

Meine Kommentare auf scilogs.spektrum.de 2022/04 (T.J.)


Kommentar vom 30.04.2022 01:30
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/religion-mehr-als-ein-abfallprodukt-der-evolution/

@Videobeitrag auf YouTube

Diese 90 Minuten fand ich ja wirklich interessant. Auch das Format finde ich gut. Solche Zoom-Diskussionen haben wir auch schon gemacht, gute Idee, dass dann aufzuzeichnen und zur Verfügung zu stellen.

Zum Inhalt:

Ich finde die Idee gut, dass die Voraussetzung von Religion ist, dass man sich Gedanken über das Leben insgesamt macht, und dabei auch automatisch über den Tellerrand guckt. Und allein das ist dann schon ein Faktor auch für biologischen Erfolg.

Für mich persönlich ist die Frage, was denn nun an Geisteswelten tatsächlich dran ist, und was diese denn wirklich sind, doch eine Frage, die es wert ist, sie weiter zu verfolgen. Auch wenn man noch nicht viele Ideen hat, was das denn sein kann.

Die Frage, wie denn die Menschen auf Religion kommen, ist auch interessant. Eingebaut scheint bei uns tatsächlich zu sein, dass wir hinter Phänomenen gerne Wesenheiten vermuten. Ich denke aber, dass es sicherlich auch ein Ansatzpunkt ist, wenn man sich einfach die Frage stellt, was nach dem Tod kommt. Hier kommt man schnell auf die Idee, dass man in einen anderen Zustand an einem anderen Ort weiterexistiert, und so auch ganze Geisteswelten gebraucht werden, in dem sich dann die Ahnen aufhalten.

Spinnt man das dann weiter, dann kommt man auch zunächst auf sowas wie Götter, und denkt man das wiederum weiter, dann kommt man auch irgendwann auf einen Monotheismus.

Die Frage, wie man darauf kommt, kann natürlich viele Antworten haben. Etwa, dass sich Menschen mit diesen Eigenschaften besser fortpflanzen. Es kann m.E. auch einfach daran liegen, dass Geisteswelten schlichtweg real sind, und wir als Gläubige überall deswegen besser klar kommen, weil wir mit der Vermutung von wirklichen Geisteswelten schlichtweg recht haben.

Indizien für die Wirklichkeit von Geisteswelten sind in der Tat gezielte Spezialkonstruktionen in den Naturgesetzen. Die zahlreichen Naturkonstanten, die alle genau die richtigen Werte haben, damit sich Atome, Sterne, Planeten, Leben und psychische Innenwelten bilden können, kann man sich nun mal am Einfachsten mit einer Art Schöpfung erklären. Kein Beweis, aber ich finde doch starke Indizien.

Und wenn es um die Innenwelten geht, dann wird in der Tat auch ein Panpsychismus interessant. Der erklärt ein wenig, wie es möglich sein kann, dass aus Nervenzellen in Aktion Innenwelten werden können. Alternative Ideen dazu sind schwierig, scheint mir.

Plausibilität ist ebenfalls überhaupt in der Tat ein gutes Argument, wo man eben (noch) kein genaues Wissen hat.

Derweil ich mir selber denke, das die Zeiten für Religionsgemeinschaften in modernen demokratischen Gesellschaften eigentlich vorbei sind, und nicht mehr sonderlich nötig sind. Sie haben keine Herrschaft zu legitimieren, und vielfältiges Wissen und Wissenswertes finden wir auch in Wissenschaft, Kunst und Kultur. Die Inhalte der Religionen bleiben aber hochinteressant, nur der Vereinscharakter hat seinen Sinn verloren. So kann sich doch jeder selbst auf die Suche nach seiner eigenen Spiritualität inmitten des Lebens auf diesem wunderbaren Planeten machen.

In den einzelnen Fachgebieten der Wissenschaften gibt es auch keine verschieden Vereine, denen man beitreten kann, wenn man bestimmten Varianten des aktuellen Forschungsstandes zugeneigt ist. Man ist insgesamt in einer freien Diskussion, die sich kreuz und quer und durcheinander weiter entwickelt. Und es fährt sich doch ganz gut damit.



Kommentar vom 29.04.2022 17:35
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/ukrainekrieg-worum-es-russland-eigentlich-geht/

@Holzherr 29.04. 14:28

„Warum eigentlich reden sie immer von einem Einsatz der Nato, wenn dies von Beginn weg ausgeschlossen wurde. Mir ist ihre Motivation nicht klar.“

In diesem letzten Beitrag machte ich Überlegungen, was passiert, wenn Russland Nato-Territorium angreift. Und dass die derzeitige Medienstimmung hierzulande so weit eskalieren kann, dass ein Natoeingriff gefordert wird, ohne das ich denke, dass das dann auch von der Politik realisiert wird.

Mir geht es darum, dass wir uns unserer eigenen Stärke bewusst werden. Aber auch unserer Unfähigkeit, anderswo die Freiheit zu verordnen. Wenn ich mich hier nicht ganz vertue, mangelte es auch in der Ukraine an demokratischer Qualität, weshalb die auch noch kein EU-Mitglied sind.

Jedenfalls bringen wir den Russen noch lange keine Freiheit, wenn wir sie durch Waffenlieferungen im Krieg gegen die Ukraine aufhalten. Und auch China können wir kaum positiv beeinflussen, indem wir militärische Drohkulissen aufbauen. Gerade China hat das wirtschaftliche Potential, militärisch mit uns gleichzuziehen. Russland nicht mal das.

Wenn wir den Menschen in China und Russland die Freiheit bringen wollen, müssen wir uns was Besseres als Aufrüstung und Wirtschaftssanktionen überlegen. Und solange das nicht möglich ist, müssen wir mit Koexistenz auskommen. Alles andere hat doch überhaupt keinen Sinn. Ich kann es doch auch nicht ändern.

Auch der Kampf gegen den Klimawandel kommt nicht besser voran, wenn wir jetzt in einen umfassenden kalten Krieg gegen Russland und China einsteigen. Und den jetzt sehr armen Menschen in Afrika, Südasien und Lateinamerika bringt das auch überhaupt nichts. Hier scheint mir eine produktive Systemkonkurrenz sogar ein Gamechanger werden zu können. Und die Idee, die politische Besserung in Russland und China nur mit militärischer Gewalt herbeiführen zu können ist doch letztlich auch eine Bankrotterklärung der eigenen Kultur.

Dem will ich mich nicht anschließen.

„Ich hoffe auf mehr Macht der UNO und weniger Macht der Grossmächte.“

Gut wäre das. Aber wie soll das denn jetzt gehen?



Kommentar vom 29.04.2022 13:42
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/ukrainekrieg-worum-es-russland-eigentlich-geht/

@Propaganda und tatsächliches Kriegspotential

Die Propagandaschlacht in den russischen Medien kann ich mir vorstellen. Als damals der Irak Kuwait besetzt hatte, und auf den amerikanischen Angriff wartete, hat er auch von der „Mutter aller Schlachten“ geredet. Dem dann folgenden Angriff der Koalition der Willigen hatte er dennoch so gut wie nichts entgegenzusetzen.

Sieht das aktuell in Russland auch so aus? Die Nato gibt jährlich 15 mal mehr für Rüstung aus als Russland. Wenn jetzt hier die russische Waffenindustrie nicht 5 mal effektiver ist als unsere, dann müsste das tatsächliche militärische Potenzial in einer direkten Konfrontation für Russland praktisch aussichtslos sein.

Es kann gegen die Ukraine so gerade eben reichen. Aber als Auftakt für einen Feldzug gegen Nato-Staaten kann man das nun wirklich nicht sehen. Putin würde gegen die konventionelle Nato-Feuerkraft keinen Meter vorwärts kommen. Vorausgesetzt wir verteidigen uns eben mit allem was wir haben, und ich denke, das wir dazu auch keine Alternative haben.

Also: wenn wir die Ukraine unterstützen, schützen wir nicht unsere Freiheit, weil diese gar nicht in Gefahr ist. Falls Putin wahnsinnig wäre, und doch noch Nato-Territorium angreift, können wir recht entspannt dann immer noch dagegenhalten. Wir schützen aber in der Tat die Freiheit der Ukrainer. Die Frage wäre jetzt aber schon: Wenn wir überall die Freiheit von Ländern, mit denen wir gar keine Bündnisse haben, verteidigen würden, dann wären wir im Dauerkriegszustand mit regelmäßigen Atomwaffeneinsätzen inclusive.

Kann denn Putin mit Hilfe seiner taktischen Atomwaffen dann eventuell doch z.B. das Baltikum erobern? Ich fürchte, dass wir dann dazu bereit sein müssten, jeden taktischen Atomwaffeneinsatz mit einem vergleichbarem zu vergelten. Das Ergebnis wäre voraussichtlich ebenfalls, das solch ein Angriff überhaupt nicht vorwärts kommt.

Kann sich die interne Propagandaschlacht in Russland so verselbstständigen, dass sie dennoch das Unmögliche versuchen? Ja, möglich. Es wäre aber auch möglich, dass die Medienlage sich auch bei uns immer mehr verschärft, bis das wir tägliche Forderungen eines direkten Einsatzes von Nato-Truppen in der Ukraine haben werden. Das, fürchte ich, ist womöglich auch nicht auszuschließen.

Nun gut, wahrscheinlich bliebe das auch ein Medientheater.

Was die wirtschaftlichen Folgen der Sanktionen und eines Lieferstopps für Gas angeht, so mache ich mir da auch Sorgen um unsere Wirtschaft. Wenn Russland in China und Indien Ersatzhandelspartner findet, dann schaden wir uns mit den Sanktionen wohl mehr selber als Russland. Auch führt das überhaupt nicht dazu, dass Russland das Geld ausgeht, eher dazu, dass insbesondere uns in Deutschland das Geld ausgeht. Sowohl für Aufrüstung als auch für die Energiewende.

Ich will hier den USA gar nicht vorwerfen, Kriegstreiber zu sein. Aber rein wirtschaftlich machen die richtig Plus mit den Sanktionen gegen Russland, so ist einfach die Lage. Wir haben uns auf den wirtschaftlichen Austausch mit Russland eingerichtet, die USA eben nicht. Und die USA exportieren wie Russland Weizen, Gas und Waffen, und wenn unsere Industrie wegen Gasmangel Produktionsausfälle bekommt, können US-Firmen da einspringen und entsprechend mehr absetzen.

Ein Herz für die Ukrainer hab ich auch, und ich wünsche mir auch, das die Russen mit ihrem Angriff nicht weiter vorwärts kommen. Aber die drumherum liegenden Realitäten sind nun mal auch maßgeblich.



Kommentar vom 27.04.2022 00:45
https://scilogs.spektrum.de/medicine-and-more/die-wahrheit-ist-das-erste-opfer/

@Holzherr 26.04 14:16

„Die Nato führt ja keinen Krieg. Dann braucht Russland auch seine Atomwaffen nicht einzusetzen.“

Das weiß ich selber. Mir geht es darum, was passieren würde, wenn die Nato hier Kriegspartei würde.

„Überhaupt schreiben sie immer von Angriff, dabei ist der einzige vernünftige Grund für Militär und Verteidigungsausgaben der, Angriffe zu verhindern, indem man potenzielle Angreifer abschreckt.“

Naja, die USA und diverse Koalitionen der Willigen greifen mit ihren Waffen auch selber mal an. Und geben auch sehr viel mehr Geld aus, als für reine Verteidigung nötig wäre. Auch im Kalten Krieg war die Nato deutlich stärker, und noch deutlicher ist das derzeitige Kräfteverhältnis. Nur die Ukraine stand nicht unter unserem Schutz, fast das Einzige, was jetzt überhaupt noch frei war.

„Mir schwebt sowieso eine viel mächtigere UNO vor, die Angriffe gar nie zulässt indem die UNO selbst über mehr Eingriffsmittel verfügt als jeder einzelne Staat, so dass die UNO Angreifer blockieren kann.“

Dazu müsste wohl gehören, dass alle Staaten auf Atomwaffen verzichten. Andernfalls wären auch Auseinandersetzungen zwischen UNO und Übeltäter nicht durchführbar, ohne die halbe Welt dabei zu beschädigen. Ich sehe hier keine Idee, wie man das machen könnte. Derweil bleibt dann eben das Faustrecht auf internationaler Bühne bis auf Weiteres. Die UNO hat nun größtenteils nur Kommentarbefugnis.

Was Wirtschaftssanktionen angeht, da hätte die Staatengemeinschaft dann eigentlich doch einige Macht. Wenn auch China und Indien den Handel mit Russland einstellen würden, dann hätten die derzeitigen Sanktionen wesentlich mehr Wirkung. Allerdings stehen nicht alle Staaten Putins Krieg so kritisch gegenüber wie wir, und man ist teilweise selber auf den Handel mit Russland angewiesen. Das betrifft nicht nur russisches Gas für Europa, sondern auch ärmere Länder, die günstigen Weizen brauchen, oder sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen, billiges Öl aus Russland einzukaufen.

„Sie dagegen haben immer wieder ihre Bewunderung für Grossmächte durchscheinen lassen und sind für das Recht Chinas eingetreten, Taiwan zu erobern.“

Bewundern tue ich weder Russland noch China, aber den Weg Chinas beobachte ich mit Interesse. Ein Sozialismus, der floriert, ist mal was wirklich Neues. Ob das jetzt doch wieder in mehr Unterdrückung führt, oder sich als Weg in demokratischere Verhältnisse entpuppt, das finde ich spannend. Taiwan zu erobern wäre wohl hauptsächlich Faustrecht, was ich nun irgendwie als real ansehe. Ein Recht im Rechtssinne sehe ich da nicht.

In unserem Sinne wäre es jedenfalls nicht, uns in die Taiwanfrage militärisch einzumischen. Es muss schon jeder selber sehen, wie er durch die Zeiten kommt. Wir haben nicht die Aufgabe, jedem Recht und Unrecht vorzuschreiben. Wir können nur Vorschläge machen, und uns vor allem darum kümmern, dass wir selber kein Unrecht begehen. Und uns natürlich selber verteidigen.

Waffenlieferungen in Krisengebiete sind eigentlich in Deutschland nicht mal erlaubt, mit durchaus vernünftiger Begründung. Dass wir hier aus Sympathie mit der Ukraine doch Waffen liefern, sollte meine ich die Ausnahme bleiben. Wir sind und bleiben eben keine Weltpolizei, können aber Bündnisse eingehen und auch selber bestimmen, mit wem wir Lust haben, Handel zu treiben. Und womöglich auch die eigene wie die europäische Verteidigungsfähigkeit verbessern. Neben einem aggressivem Putin, von dem keiner so recht weiß, was der noch macht, könnte auch noch ein nochmal gewählter Trump z.B. einfach aus der Nato aussteigen.



Kommentar vom 26.04.2022 15:04
https://scilogs.spektrum.de/medicine-and-more/die-wahrheit-ist-das-erste-opfer/

@Mussi 26.04 10:30

„Wann haben Sie das letzte mal über Feigheit und Feigling nachgedacht?“

Meinen Sie, das es feige war, den Kalten Krieg nicht heiß werden zu lassen? Ich finde es war letztlich erfolgreich, den 3. Weltkrieg zu verhindern, auch wenn es viel Zeit und noch mehr Geduld gekostet hat. Letztlich hat ein Gorbatschow das Problem zunächst gelöst.

Eine Neuauflage des Kalten Krieges in reduziertem Ausmaß könnte sich hier gerade anbahnen. Erstmal mit kleinerem Ostblock, und ich hoffe auch, dass hier weniger Ideologie dahinter steckt, mit der Perspektive, das Putins Nachfolger wieder vernünftiger wird.

Das atomare Patt besteht in jedem Fall immer noch.



Kommentar vom 26.04.2022 14:35
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-47-die-antisemitischen-moses-verschwoerungsmythen-der-sog-insm-gegen-annalena-baerbock/

@Joachim Fischer 25.04 15:41

Die Zeiten ändern sich. Im Prinzip kann ich hier 3 Phasen gut unterscheiden. Im Zeitalter der Naturreligionen haben die Menschen bei allen wichtigen Entscheidungen die Geister und Ahnen angerufen, um um Rat und um Erlaubnis zu bitten.

„Nach Augustinus haben wir durch Adams Biss in den Apfel einen Gendefekt erworben, der uns zwingt, immer zu sündigen.“

Mit dem Ackerbau und der Etablierung großer Königreiche hat man die großen Weltreligionen erfunden, und damit ging man in eine feudale Zeit über. Die Obrigkeit hat die Ahnen als Entscheidungshilfe abgelöst, die Könige und Priester bestimmten im von nun an feudalem Zeitalter so ziemlich alles. Die religiösen Schriften dienten hier auch als Leitfaden, aber die weltliche Macht wurde doch eher nur legitimiert, und die Könige machten das Meiste in Eigenverantwortung selber.

„Damit auf der Welt noch irgendwie ein menschliches Leben möglich ist, gab Gott das “Gesetz” , das als Notmaßnahme dafür sorgt, dass sich die Menschen nicht gegenseitig ausrotten.“

Inzwischen haben wir die Aufklärung hinter uns, und wir haben die feudalen Zeiten mit Demokratie und Wissenschaft abgelöst. Jetzt entscheiden wir selber, was vernünftig ist, und fordern dies auch von der Politik und der Wirtschaft ein.

„Dem liberalen Christentum wird vorgeworfen, diese Sichtweise nicht zu teilen und damit für Häresie und das schwindende Interesse an Religion verantwortlich zu sein.“

Letztlich bleibt in modernen Zeiten auch den Schriften keine Autorität mehr. Die brauchen wir auch gar nicht mehr. Wir können uns im wesentlichen an der Wissenschaft orientieren, und der verbleibende Raum für Spiritualität kann Privatsache bleiben.

Längst haben die verschiedenen Weltreligionen fast überall ihr Monopol verloren, und was schwerer wiegt, die Menschen vertrauen vernünftigerweise zunächst mal dem besser gesichertem Wissen, das die Wissenschaft findet. Als grundsätzliches Ziel hat sich inzwischen auch wieder eine Pflege und Erhaltung wilder Natur wie auch der ökologischen Gesamtheit der Biosphäre etabliert. Dieser Themenkomplex ist im mittleren Feudalem Zeitalter ziemlich in den Hintergrund geraten, da hatten selbst die Naturreligionen noch mehr drauf geachtet.

Und um naturverträglich zu wirtschaften und zu leben brauchen wir ja auch die Wissenschaft, um eben naturverträgliche Lösungen überhaupt erst mal zu finden. Eine Motivation, die so gefunden Lösungen umzusetzen, kann durch persönliche Spiritualität gefördert werden, kommt aber auch ganz ohne aus. Keinerlei Bekehrungen sind hier erforderlich, das offensichtlich Lebenspraktische ist direkt einsehbar. Hier reichen schon Bildung und Kultur vollkommen aus.

Als religiöse Perspektive sehe ich eher ganz persönliche Ansichten, es gibt hier nichts mehr zu organisieren. Jeder kann glauben was er will, es geht hier nur noch um das eigene Leben, die Religion muss keine weltliche Macht mehr legitimieren, und ist damit letztendlich auch genau davon frei geworden. Weltliche Macht gründet sich inzwischen auf demokratische Legitimation und wissenschaftlich begründete Vernunft. Wir Menschen haben deshalb eben Geistesfreiheit bekommen. Das ist auch gewöhnungsbedürftig, aber es hat viel mehr Vorzüge als Nachteile.



Kommentar vom 26.04.2022 01:04
https://scilogs.spektrum.de/medicine-and-more/die-wahrheit-ist-das-erste-opfer/

@Holzherr 25.04 13:48

„Vielleicht hat sich das ja so tief in den Köpfen eingeprägt, dass man damit etwa „German Angst“ erklären kann. Angst aber ist selbst ein gefährliches Agens, welches neue Gewalt hervorbringen kann.“

Ich denke mal, der Begriff „German Angst“ könnte aus dem Kalten Krieg kommen. Da waren wir das vorgesehene Hauptschlachtfeld einer eigentlich recht wahrscheinlichen atomaren Auseinandersetzung. Insgesamt gab es 4 bekannt gewordene Vorfälle, die jede für sich eigentlich den 3. Weltkrieg ausgelöst hätte, aber jedes mal haben wir einfach nur Glück gehabt.

Unsere Ängste waren also sehr berechtigt, und andere Länder wie die USA waren deutlich weniger bedroht. Insbesondere gab es ein Szenario, dass der 3. Weltkrieg mit konventionellen und taktischen Atomwaffen auf Europa beschränkt bleibt. Hier wären wir in Deutschland praktisch alle zu Tode gekommen, in anderen europäischen Ländern weit weniger, und vor allem in den USA kaum jemand.

Im Moment wäre die Ukraine Hauptschlachtfeld auch einer Eskalation dieser aktuellen Auseinandersetzung. Offenbar ist den meisten Ukrainern und den direkten Nachbarn nur noch nicht wirklich aufgefallen, dass sie hier einen ganz zentralen Platz bewohnen.

„hier trauen auch sie Tobias Jeckenburger, Putin alles zu bis hin zum Abwurf von Atombomben“

Niemand hat Atomwaffen, um sie unter keinen Umständen einzusetzen. Ich gehe davon aus, dass auch Putin seine Atomwaffen nur zur Abschreckung benutzt. Etwas anders ist es aber doch. Putin kann sich gegen einen konventionell geführten Krieg der Nato gegen ihn nicht nur mit seinen konventionellen Streitkräfte zur Wehr setzen, er muss sich im Notfall mit taktischen Atomwaffen wehren.

Das hätten wir gar nicht nötig. Wenn Putin mit konventionellen Mitteln Natogebiet angreift, werden unsere konventionelle Kräfte ganz alleine dafür sorgen, dass er keinen Meter weit kommt.

Wir könnten sogar mit unserer konventionellen Feuerkraft ganz Russland erobern, ohne eine einzige Atombombe. Wir brauchen die dann nur, wenn Russland sich eben mit taktischen Atomwaffen zur Wehr setzt. Aber diese Asymmetrie nützt uns gar nichts, auch ein Angriff unsererseits würde angesichts des Einsatzes taktischer Atomwaffen auf beiden Seiten in den Anfängen stecken bleiben, und sich auch noch ganz schnell zum strategischem Schlagabtausch weiter entwickeln können.

Obwohl die Nato etwa 15 mal soviel für Rüstung ausgibt wie Russland, haben wir angesichts der Atomwaffen Russlands dennoch keine vernünftige Option, Russland unsererseits komplett anzugreifen und zu entwaffnen. Das atomare Patt bleibt. Schade um das viele Geld?



Kommentar vom 25.04.2022 13:30
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-47-die-antisemitischen-moses-verschwoerungsmythen-der-sog-insm-gegen-annalena-baerbock/

@Michael 24.04 16:10

„Genau deswegen dürfen sich Demokratien nicht einschüchtern lassen. Wer einem Aggressor ständig von der eigenen Angst erzählt, stachelt diesen nur an.“

Ich glaube, die Situation Russlands ist etwas paradox. Gegenüber der Ukraine sind sie der Aggressor aus einer Position der Stärke heraus, die eventuell noch nicht mal eine wirkliche völlige Übermacht ausmacht. Gegenüber der Nato allerdings sind sie konventionell völlig unterlegen, es wäre für Russland völlig aussichtslos irgendwo Nato-Territorium anzugreifen.

Ohne die russischen Atomwaffen könnten wir problemlos Kriegspartei werden, und die russischen Truppen in ein paar Wochen aus der gesamten Ukraine wieder vertreiben. Ich schätze sogar, dass es keine Problem wäre für uns, weiter gen Moskau zu marschieren, und dort zu versuchen, eine vernünftige Demokratie zu verordnen. Das wäre höchstens politisch schwierig, nicht militärisch.

Aber Russland hat eben seine Atomwaffen, und wir haben vernünftigerweise Angst davor. Wir könnten den Einsatz von Atomwaffen dann nur noch mit entsprechenden Vergeltungs-Einsätzen beantworten, mit der Gefahr, dass es zu einem umfassenden strategischem Schlagabtausch kommt.

Ich sehe hier keine Gefahr, das Russland gegen die Ukraine Atomwaffen einsetzt, aber sehr wohl gegen Natotruppen, wenn die in der Ukraine Kriegspartei würden. Ich denke, hier sind rote Linien, die auch aus gegenseitiger Angst nicht überschritten werden, und genau das verhindert den 3. Weltkrieg.

Putin ist ein intelligenter Mensch, und kein Raubtier, dass auf Angst instinktiv mit mehr Aggression reagiert. Es wäre für Putin vollkommen aussichtslos, irgendwo Nato-Territorium anzugreifen, er kann überhaupt nicht mehr als die Ukraine, Moldawien und Georgien angreifen und besetzen. Wenn wir hier mit Sanktionen und Waffenlieferungen was ausrichten könnten, dann ist das sicher gut. Aber wenn Putin das doch schafft, wäre das eben nicht das Ende der Freiheit in Europa. Es wäre auch das Ende der möglichen russischen Aggressionen.

Wenn Putin aus mangelnder konventionellem Potential die Nato gleich mit taktischen Atomwaffen angreifen würde, dann kann er das jederzeit tun, wie es ihm beliebt. Nur würden wir auch gleich jeden Atomwaffeneinsatz mit taktischen Atomwaffen entsprechend vergelten. Ein derartiger Versuch z.B. die baltischen Staaten anzugreifen, würde schon nach dem Einsatz von hundert taktischen Atomwaffen recht schnell stecken bleiben. Das führt eben auch für Russland zu nichts. Und genau deswegen wäre es für Putin auch keine wirkliche Option.

Ein solcher Versuch könnte außerdem schnell zum Schlagabtausch mit allen Strategischen Atomwaffen führen. Das will Putin nicht, und wir wollen das nicht. Wie schafft man das, davor keine Angst zu haben? Und ist es hier nicht sogar lebenswichtig, genug Angst zu haben?



Kommentar vom 25.04.2022 00:36
https://scilogs.spektrum.de/medicine-and-more/die-wahrheit-ist-das-erste-opfer/

@Holzherr 24.04 23:06

„Dass die Ukrainer alle Mittel ergreifen um ihre Verteidigungsposition zu verbessern ist doch natürlich, denn die Alternative wäre sich zu ergeben.“

Bei aller Sympathie für die Ukraine, die sich uns gerne anschließen wollen, erscheinen mir deren Bemühungen um Beistand durchaus auch die Gefahren eines richtigen 3. Weltkrieges in Kauf zu nehmen. Dass im Falle einer Eskalation bis hin zu taktischen Atomwaffen zunächst mal vor allem die Ukraine zum atomaren Schlachtfeld wird, scheint hier wohl angesichts der ganz akuten konventionellen Bedrohung nicht recht einkalkuliert zu sein.

Besser also, wenn wir in der Nato eben selber entscheiden, was wir riskieren können. Und was lieber nicht. Ein wirksamer Stopp der russischen Invasion wäre echt gut, aber die zu erwartenden Schäden einer Eskalation wären um einige Größenordnungen höher, was unbedingt vermieden werden muss.

„Im weiteren war von Beginn des Ukraine-Krieges an klar, dass die Nato und auch die Nachbaarstaaten keine Soldaten schicken und es auch keine Flugverbotszone geben wird.“

Und ich hoffe, dass man dabei auch wirklich bleibt. Angesichts der Pressemeldungen im Medienmainstream wird hier eine stetige Verschlimmerung der Lage berichtet, und eine immer akuter nötige Nachlieferung immer weiterer Unterstützung soll immer dringlicher sein. Wenn diese stetige Steigerung der Berichterstattung so immer weiter zunimmt, dann wird in einigen Monaten doch noch die Forderung einer direkten Natobeteiligung in diesem Krieg als unausweichlich präsentiert.

Hier kann man wiederum nur hoffen, dass die Regierungen nicht der Presse-Stimmung hinterher laufen, und weiterhin verantwortlich mit dem Leben auf diesem Planeten umgehen. Ein Eintritt der Nato in diesen Konflikt würde in der Tat die Freiheit Europas verteidigen, aber eben nicht nur das, sondern wäre auch eine ernst zu nehmende Gefahr, die zur Vernichtung Europas führen kann. Und noch weit darüber hinaus.



Kommentar vom 24.04.2022 18:12
https://scilogs.spektrum.de/medicine-and-more/die-wahrheit-ist-das-erste-opfer/

@KRichard 24.04. 05:04

„Der Donbass wird als Landverbindung zur Krim benötigt.“

Ja aber dafür haben die ja diese Brücke zur Krim gebaut. Zusätzlich gibt es noch kleinere Häfen am Schwarzem Meer, und ganzjährig eisfrei neben Wladiwostok noch Murmansk. Kaliningrad und Sankt Petersburg sind im Winter nicht eisfrei, aber sonst übers Jahr nutzbar. Ich glaube also wirklich nicht, dass es hier um Häfen geht. Dafür ist dieser Krieg einfach viel zu teuer, die alternativen Häfen und mehr Zufahrtswege dahin auszubauen wäre schlichtweg kostengünstiger.

@Holzherr 24.04 14:20 / 14:21

„Das ist auch ein Denken in vergangenen Kategorien, denn heute ist die wirtschaftliche Entwicklung und Entfaltung eines Landes viel wichtiger als der Besitz von Rohstoffen und Waffen.“

Das ist eben wesentliche Realität, die ein Putin wohl irgendwie nicht so recht zu kennen scheint. Hier kann man aber tatsächlich auf Besserung hoffen, für Putins Nachfolger. Putin ist auch glaube ich schon 70, also wird er wohl bald schon altersmäßig abtreten.

„Ein Land, das so etwas tun könnte, darf es eigentlich nicht geben. Dem denke ich würden die meisten zustimmen.“

Ich denke nicht, dass Putin einfach mal Nato-Großstädte mit Wasserstoffbomben vernichten täte. Eine schrittweise Eskalation kann ich mir aber vorstellen. Wenn etwa die Nato in den Ukraine-Konflikt eingreift, und sich daran macht, die russischen Truppen zu vertreiben, mit der Option danach weiter gen Moskau zu marschieren, dann kann ich mir einen taktischen Einsatz von Atomwaffen vorstellen. Wenn wir den dann auch mit taktischen Atomwaffen beantworten müssen, weil sonst die Vernichtung unserer eigenen Einsatztruppen droht, kann sich das dann in der Tat auch zu einem strategischem Schlagabtausch hochschaukeln.

Diese Gefahr sehe ich ganz konkret. Ein Land, das es eigentlich nicht geben darf, existiert dann womöglich tatsächlich, genauso real wie die zur Verfügung stehenden Waffensysteme. Wegwünschen geht nicht, und militärisch vernichten geht eben ohne den umfassenden Schlagabtausch auch nicht. Wir können hier wohl nichts anderes machen, als hoffen, dass die Sanktionen was bringen, oder es den Russen zu teuer wird, noch mehr Gebiete in der Ukraine, in Moldawien oder Georgien zu erobern.

Unsere Waffenlieferungen könnten hier in der Tat doch noch in dieser Weise nützlich werden.



Kommentar vom 24.04.2022 00:47
https://scilogs.spektrum.de/medicine-and-more/die-wahrheit-ist-das-erste-opfer/

@Holzherr 23.04 18:21 / 15:20

„Er wollte/will noch mehr Länder unter seinen „Einfluss“ bringen. Diese Pläne gibt er nur auf, wenn er verliert,“

Außer Moldawien mit 3 mio Einwohnern und Georgien mit 6 mio Einwohnern ist doch nichts mehr frei. Der Rest gehört Putin schon, oder ist China oder Nato-Gebiet. Wenn jetzt eine Le-Pen in Frankreich gewinnt, und ein wiedergewählter Trump Europa alleine dastehen lässt, dann sieht die Sache aber schon ganz anders aus.

Vielleicht hofft hier drauf Putin sogar. Das würde Sinn machen.

Was die Dimension dieses Krieges betrifft, so ist das ja noch sehr moderat. Der 2. Weltkrieg war, was die schlichte Zahl von 40 Mio beteiligten Soldaten betrifft 100 mal umfangreicher, und mit 60 Mio Toten auch ähnlich verheerender. Und wenn der 3. Weltkrieg mit nuklear-strategischem Schlagabtausch jetzt noch die Folge dieses Krieges wird, dann müssen wir mit mindestens 6 Mrd Toten rechnen. Also noch mal um den Faktor 100 intensiver. Insgesamt wäre dies dann 10.000 mal schlimmer als das, was hier in der Ukraine gerade läuft.

Ich finde, man sollte hier wirklich lieber etwas vorsichtiger sein, auch mit massiven Waffenlieferungen bzw. erst recht mit eine Invasion von Nato-Truppen direkt vor Ort. Ich bin hier ganz bei unserem Scholz, also lieber wirklich vorsichtig.

Unrecht ist Unrecht, aber das Ausmaß der drohenden Gewalttätigkeiten in der Menge ist genauso ein Faktor. Geduld ist auch hier nützlich, die Sanktionen werden wohl mittelfristig Wirkung zeigen, das können wir abwarten. Und wenn Putin auf die Idee kommt, Nato-Gebiet anzugreifen, dann wird er wohl in der gegenwärtigen Bündnislage sowieso keinen Meter weit kommen.

„Der Staatsbürger im russischen und sowjetischen Herrschaftsbereich dagegen ist apolitisch und unterwirft sich dem Herrschaftswillen des politischen Apparats, solange dieser politische Apparat die Stabilität, Kontinuität und Sicherheit gegen aussen gewährt.“

Gorbatschow hatte was Anderes im Sinn, war aber im Westen weit beliebter als im eigenen Land. Aber er kam mit seinen Reformen auch nur vorwärts, weil die wirtschaftliche Lage kollabierte. Das könnte in ein paar Jahren tatsächlich nochmal passieren. Das wird letztlich vielleicht dadurch entschieden, ob China und Indien als Ersatzhandelspartner einspringen.

@KRichard 23.04. 19:09

Es geht nicht um die Menschen der Ukraine – sondern um die Krim.

Wieso braucht er dann den Donbass? Das macht doch überhaupt keinen Sinn. Es geht meine ich doch um die Menschen, auch um das russische Volk und die gesamte russische Einflusssphäre. Nur scheint hier Putin schlecht zu verstehen, wenn man ihn woanders wirklich nicht will. Leben tut er und seine Oligarchen hauptsächlich von Rohstoffexporten, vielleicht ist das tatsächlich der Ressourcenfluch, dass man den Blick auf die eigenen Staatsbürger irgendwie nicht mehr richtig hinbekommt, weil man diese Staatsbürger kaum braucht.



Kommentar vom 23.04.2022 14:51
https://scilogs.spektrum.de/medicine-and-more/die-wahrheit-ist-das-erste-opfer/

@Holzherr 23.04 09:33

„Was bedeutet das nun für die aktuelle Situation mit dem Ukraine-Krieg? Nun, wenn im Ukraine-Krieg die Verteidiger gewinnen, dann gewinnt die Zivilisation und das hat womöglich Auswirkungen für hunderte von Jahren. Ja, der Sieg der Gerechten, der wirkt sich als Segen aus und ermöglicht eine bessere Zukunft.“

Naja, der 2. Weltkrieg ist auch von den Gerechten gewonnen worden, und doch folgte der Kalte Krieg direkt hinterher. Auch im Irak hat der Westen gewonnen, und doch ist das Ausmaß der politischen Katastrophe in der Region eher deutlich größer geworden.

Dann haben wir im derzeitigen Ukrainekrieg schätzungsweise 400.000 beteiligte Soldaten, im 2. Weltkrieg waren es 40 Millionen. Entsprechend ist der Beitrag zur Weltgeschichte wohl auch kleiner.

Hoffnung mache ich mir insofern, dass Eroberungskriege sowieso schon seit Jahrzehnten eigentlich längst unrentabel sind. Diesen völlig unsinnigen Krieg eingeschlossen, hier werden die Kosten und der politisch-wirtschaftliche Schaden die eigentlich geringen Profite damit weit übersteigen.

Die Kontrolle nur über Land ist kaum lukrativ, und nicht mal Bodenschätze sind hier als Gewinn zu verbuchen. Das wertvollste in der Ukraine sind die Menschen, und Russland ist gerade dabei, sich diese nachhaltig zu Feinden zu machen. Egal wie dieser Krieg jetzt endet.



Kommentar vom 22.04.2022 10:53
https://scilogs.spektrum.de/hirn-und-weg/die-menschen-werden-immer-duemmer/

@Anti-Flynn-Effekt

Womöglich haben wir auch noch einen Effekt, der in der Gleichberechtigung der Frau liegt. Seit den 70ern können Frauen vermehrt Karriere machen, dass konkurriert oft mit Kinderkriegen. Intelligentere Frauen können mehr Karriere machen, und bekommen in der Folge dann weniger Kinder. Für weniger intelligente Frauen ist die Karriere weniger verlockend, und die bekommen dann entsprechend mehr Kinder.

So könnte ein Teil der Intelligenzabnahme zustande kommen, das wäre dann erblich bedingt. So würde die Leistungsgesellschaft nicht nur tendenziell zum Aussterben neigen, sondern dabei auch noch dümmer werden.

Während der Flynn-Effekt auf einer bessere Anpassung an die Anforderungen der schulischen Leistungen beruht, der dann auch weiterhin zu besseren Testergebnissen führt, kommt dann immer mehr der Karriere-Effekt dazu, der schlechtere Testergebnisse mit sich bringt, und der ist dabei, zu überwiegen.



Kommentar vom 21.04.2022 16:27
https://scilogs.spektrum.de/medicine-and-more/die-wahrheit-ist-das-erste-opfer/

@Holzherr 21.04 12:51

„Ich denke, das Ziel muss sein, dass zivilrechtliche Regeln in Zukunft auch für Staaten gelten, selbst für Grossmächte.“

Im Sicherheitsrat der Uno haben nun mal die Atommächte jeweils ein Vetorecht. Das ist eine praktische und auch alternativlose Regelung. Selbst wenn die ganze Welt einstimmig gegen Russland stimmen würde, und z.B. Putins Absetzung verlangt, wird Putin sagen: Dann kommt mich doch holen, dann wird eben im Zuge meiner Absetzung die ganz Welt atomar vernichtet. Da das dann keiner will, ist dann eben das Russische Veto schlicht und einfach Faust-Rechtmäßig. Defakto Realität in der Zerstörungskraft von Wasserstoffbomben mit zuverlässigen Trägersystemen. Da können wir soviel diskutieren wie wir wollen.

Uns bleibt hier nur eine wirkliche Isolation, wenn dabei alle mitmachen, wirkt das wesentlich besser. Wenn jetzt im Ukraine-Konflikt auch China und Indien den Handel mit Russland im wesentlichen einstellt, dann hat Putin die Wahl. Entweder Rückzug von den Weltmachtphantasien, oder eben wirtschaftlich einsame Zeiten.

Jetzt ist aber wohl nicht mal das umfassend und sofort praktikabel. Putins gelenkte Demokratie ist vor allem im Westen in der Kritik, mindestens die halbe Welt ist auch nicht demokratischer und wird entsprechend rein gar nichts gegen Putins Regierungsstil haben. Und wegen dieser Kleinigkeit wie diesem Angriff auf die Ukraine so viel Aufhebens zu machen, das wird auch nicht von der ganzen Welt so geteilt, so wie wir das sehen.

Zumal ja tatsächlich ein gewisses Minderheitenproblem in den östlichen Provinzen der Ukraine besteht. Wenn hier ein vernünftiges Weltgericht zu entscheiden hätte, dann wären hier wohl auch Auflagen an die ukrainische Zentralregierung zu erwarten, denen hinreichend Autonomie zuzugestehen. Immerhin hatte man 2014 im Zuge eines nicht unbedingt demokratischen Regierungswechsels dann fast als erste Maßnahme Russisch als 2. Amtssprache in den mehrheitlich von Russen bewohnten östlichen Provinzen abgeschafft.

Ohne dem wäre womöglich überhaupt nichts passiert.

Eine zivilrechtliche Regelung, die das bestehende Faustrecht ablöst, müsste zunächst mal von der absoluten Nummer 1, den USA, gewollt werden. Das ist derzeit auch überhaupt nicht in Sicht. Aber klar, ich wäre dafür. Da müssen aber die Atommächte dann am Ende alle mitmachen.

Eine Rechtsreform, die direkt in den Atomkrieg führt, ist nun mal kein wirklicher Fortschritt. Gerade, wenn es nur darum geht, solche kleineren Konflikte zu regeln. Letztlich geht es hierbei um eine Reduktion von Gewalt, nicht um eine Entfesselung von atomaren Auseinandersetzungen.



Kommentar vom 21.04.2022 13:40
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-47-die-antisemitischen-moses-verschwoerungsmythen-der-sog-insm-gegen-annalena-baerbock/

@Webbaer 21.04 07:01

„Es ist schon so, dass der Humanist Religionen gegenüber freundlich kritisch gegenüber steht und sich hier manche Warnung erlaubt.“

Religion ist ja nicht nur Tradition, sondern kann ganz aktuelle Auseinandersetzung mit Lebensfragen sein. Auch ist es erlaubt, ganz neue Religionen zu basteln. Warum auch nicht.

„Es gibt ja so etwas wie eine Klimareligion, eine besondere Rückbindung zur Natur ist gemeint, alles solle terrestrisch möglichst so bleiben, wie es aktuell ist,...“

Hier versucht man sogar gerne eine gewisse Reaktivierung der teils noch in Refugien erhaltenen Naturreligionen. Ob die großen Weltreligionen denn jetzt wirklich nur Fortschritt waren, kann ja auch durchaus ernsthaft angezweifelt werden. Eine Legitimierung und Stabilisierung einer langen Phase der Feudalherrschaft ist wohl durchaus mit in den Eigenschaften der großen Religionen enthalten. Sich zumindest davon zu distanzieren ist nicht verkehrt. Schließlich sind wir dabei, uns von feudalem Patriarchat zu befreien.

Im hier dann brachliegenden Gegenden unserer Vorstellungswelten mag man dann auch gerne gucken, wie man auch auf Basis von Naturreligionen was für das Leben Praktisches finden kann.

Gleichzeitig findet die Wissenschaft immer mehr Wissenswertes, was dann noch von einer ganz anderen Seite auch ins Gebiet der Religion hineinspielt. Als Grundprinzip bleibt, gesichertes Wissen zu akzeptieren, widerlegte Vorstellungen aufzugeben und dann aber dennoch Glauben insbesondere bezüglich von Hoffnung da zu erhalten, wo die gesicherten Erkenntnisse noch Platz lassen.

Darüber hinaus wird auch immer wieder mal eigentlich als gesichert gedachte Erkenntnis dann doch wieder widerlegt. Gleichzeitig kann der individuelle Mensch nur begrenzte Kenntnis des gesamten Wissensfundus seiner Zeit haben, und ist dann entsprechend auch mal auf einer ganz persönlichen Reise durch real existierende Glaubenswelten unterwegs.

Die Idee, möglichst die ganze Welt in ein Naturschutzgebiet zu verwandeln und überall wo man hinsieht Betreten-Verboten-Schilder aufzustellen finde ich auch recht schlecht. Der moderne Mensch braucht seinen Lebensraum, hier gibt es Lösungen, dies mit vernünftigem Naturschutz zu vereinbaren. Gerade der Mensch will doch auch Natur erleben, sei es der eigene Garten, der Park um die Ecke oder auch das Urlaubsziel. Kompromisse sind hier jede Menge praktikabel.

Auf der technischen Seite wiederum gibt es eben auch wirkliche Lösungen. Erneuerbare Energien, umfassendes Recycling aller wichtigen Rohstoffe, effektiver Bioanbau und vielleicht sogar Lösungen wie Insektenzucht und Bakterienkulturen als Fleischersatz.

Klar dürfte aber sein, dass es um so einfacher wird, naturverträglich zu leben, je weniger wir sind bzw. werden. Das muss nun wirklich nicht menschenfeindlich sein.

Ansonsten kann eine Wiederannhäherung an die Natur auch spirituelle Elemente haben, warum auch nicht. Zumal es wohl noch keine traditionelle Religion wirklich geschafft hat, uns den Kosmos und unser Leben darin wirklich vernünftig zu erklären. Entsprechend ist auch unser Platz zum Leben in Teilen unklar und umstritten, und wir sind immer noch auf der Suche nach einer Erkenntnis unserer Selbst.

Wissenschaft arbeitet gründlich, aber sehr langsam. Um akute Antworten auf akute Fragen zu finden, müssen wir mehr wagen, und uns auch in unübersichtlichem Terrain konkret positionieren. Und so bleiben Glaubensfragen sowohl als belief wie auch im Sinne von faith Optionen.

Lobbyisten, die ihre Geschäfte fördern wollen, können schon ziemlich stören. Wir selber können aber auch ganz schön stören und vernünftige Lösungen verhindern, wenn wir zu wenig über den eigenen Tellerrand hinaus schauen. Oder uns von der realen Vielfalt abzuschotten versuchen, weil es uns zu kompliziert wird. Soviel Mut muss sein, dass wir der Wirklichkeit ins Gesicht sehen und uns unseren Platz im Leben so schaffen, dass Andere und die Natur auch noch klarkommen.



Kommentar vom 21.04.2022 00:48
https://scilogs.spektrum.de/medicine-and-more/die-wahrheit-ist-das-erste-opfer/

@Holzherr 20.04 13:31 / 21:10

„Mit einem imperialistischen Russland kann Europa nicht leben.“

Wir haben 45 Jahre im Kalten Krieg verbracht. Irgendwie ging das auch. Und das war sehr viel besser als der 3. Weltkrieg.

„Den russischen Imperialismus wird man am ehesten los, indem man Russland besiegt.“

Was heißt besiegen. Wenn Russland nicht weiter als zur Besetzung des Donbass kommt, wäre das schon ein gewisser Sieg für die Ukraine. Und praktischerweise könnte Putin dies sogar zuhause als eigenen Erfolg verbuchen können. Auf der Basis dann eine Verhandlungslösung zu suchen, könnte man ja wenigsten probieren.

Oder meinen Sie mit Sieg gegen Russland, dass alle Truppen aus der Ukraine wieder vertreiben werden, bzw. gleich weiter dann ganz Russland besetzt wird? Das müsste dann schon die Nato machen. Da gibt es dann aber immer noch das atomare Patt.

Und wenn es dann länger dauert, tritt aber auch Putin vielleicht wieder ab, und es kommt ein neuer Gorbatschow ans Ruder. Derweil üben wir dann eben noch ein paar Jahre Kalten Krieg, wir wissen ja wie es geht.

„Wenn Russland Atombomben einsetzt, weil es im Ukraine-Krieg nicht weiter kommt, dann zeigt das umso mehr, dass Russland in seiner heutigen Form nicht weiter existieren darf. Das heisst: Putin muss weg.“

Als unsere Reaktion darauf wäre dann ein Totalangriff mit allen strategischen Atomwaffen jetzt aber immer noch auch Selbstmord. Man müsste dann wohl jeden taktischen Atomsprengsatz mit einem gleichwertigen vergelten, dann hätte die Welt noch eine kleine Chance, dass man nach 5 oder 10 Atombomben dann doch die Lust wieder verliert.

Ganz schlecht aber auf jeden Fall für die Ukraine als Schlachtfeld dieser Auseinandersetzung. Denkt da ein Selenskyj auch mal dran?

Einen russischen Einsatz von taktischen Atomwaffen kann ich mir aber nur vorstellen, wenn die Nato in den Krieg eintritt und sich bereit macht, Putin eben wirklich weg zu machen.



Kommentar vom 20.04.2022 13:58
https://scilogs.spektrum.de/medicine-and-more/die-wahrheit-ist-das-erste-opfer/

@Holzherr 20.04 10:02 / 11:30

„Russland ist doch der Aggressor im Ukraine-Krieg.“

Klar ist er das. Aber doch hat Putin mehr Angst vor uns als wir vor ihm. Wir treiben ihn auch noch nicht in die Enge. Würden das aber tun, wenn wir als Nato eingreifen und die Ukraine wieder befreien würden.

„Im übrigen fahren sie damit fort, der Ukraine etwas aufzwingen zu wollen wie etwa eine Aufteilung der Ukraine.“

Das war nur mein Vorschlag für eine Lösung. Hier muss die Ukraine selber sehen, was sie will.

„..man solle weiterhin mit Russland Handel treiben und bald schon zum Courant normal übergehen.“

Ich meine, dass wir uns nicht selbst ins Bein schießen sollten, und uns mit einem Gasembargo selbst mehr Schaden als Russland. Eine Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen spätestens nach einer Verhandlungslösung fände ich tatsächlich gut. Ebenso aber auch eine Energiewende, die neben Klimaschutz auch die Unabhängigkeit von undemokratischen Energielieferanten bringen würde. Da ist ja Russland nicht das einzige problematische Land, dessen Rohstoffe wir brauchen.

„Ich denke ebenfalls, Russland muss den Ukraine-Krieg verlieren, nur dann kehrt wieder echter Frieden in Europa ein.“

Das sehe ich anders. Es gäbe in der Tat die theoretische Option, dass Putin sich nach einer Niederlage komplett aus der Ukraine zurückzieht und seine sowieso unrealistischen Großmachtphantasien an Acta legt. Eine Teilung der Ukraine wäre eine andere Option. Ebenso eine komplette und dauerhafte Besetzung der Ukraine ist nicht auszuschließen, nachfolgend eine lange Eiszeit in den Beziehungen zum Westen.

Was wäre echter Frieden? Wenn wir Russland wirklich in Ruhe lassen, und alle Grenzen wieder respektiert würden. Echter Frieden würde auch bedeuten, dass wir unsere Aufrüstungspläne wieder streichen können. Was will man mit Militär, wenn der passende Feind fehlt? Die Steuergelder kann man besser woanders investieren.

Aber gehört nicht auch Demokratie in Russland selbst dazu? Ich jedenfalls bin Putin gegenüber doch recht misstrauisch, und bin auch mit unseren aktuellen Aufrüstungsplänen einverstanden. Allerdings eher angesichts der Möglichkeit, dass eine eventuelle neue Trumpregierung aus dem Schutz Europas aussteigt. In der derzeitigen Situation ist die Nato vermutlich so stark, dass wir praktisch unangreifbar sind.



Kommentar vom 20.04.2022 00:53
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/das-false-balance-problem-der-deutsch-evangelischen-friedensethik/

@W. Bülten 17.04 16:45

„dass der Mensch aus Sicht der Bibel und damit des Schöpfers zuerst als Geistwesen erschaffen wurde und damit Teil der Geisteswelt ist. Danach kommt er auf diesem Planeten durch Zeugung und Geburt in einem materiellen Leib zur Welt, um nach seinem Ableben wieder dahin zu gehen, woher er gekommen ist.“

Aber was soll denn dann dieses Intermezzo auf Erden? Das ist meine ich hier eher zum reinen Vergnügen, sich hier in dieses Leben zu stürzen. Das Leben als Geisteswesen vor und nach dem Erdenleben wiederum halte ich für eher abstrakt, und auch nicht als klar zu trennende Geisteswesen, eher als eine Geisteswelt, in der man Individuen nicht mehr so recht zuordnen kann.

Das ist ja gerade das Interessante am Erdenleben, dass jeder Individuum ist, und doch mitten unter anderen Individuen inmitten einer Welt leben darf, die auch durchaus durch und durch mit Geist bereichert ist.

„Wer seinen Nächsten verachtet, verachtet dessen Schöpfer und damit seinen eigenen, klingt nach Selbstmord.“

Ja, das hört sich gut an. Wir sind einfach zu seelenverwandt, als dass wir den Anderen wirklich zum Unmensch machen könnten. Und wir sollten schon gar nicht nach Vorwänden suchen, um uns gegenseitig umzubringen.

Streit und auch eine gewisse Gewalttätigkeit gehört aber wohl dennoch zum Leben dazu. Wo es Gerichte und Polizei gibt, die als Staatsgewalt unser Zusammenleben ordnen, genügt dieses meistens. In rechtsfreien Räumen wie auch auf der internationalen Bühne müssen wir allerdings schon unsere Streitigkeiten dann letztlich auch mit eigener Gewalt regeln.



Kommentar vom 20.04.2022 00:11
https://scilogs.spektrum.de/medicine-and-more/die-wahrheit-ist-das-erste-opfer/

@Holzherr 19.04 11:00

„Auch Tobias Jeckenburger, ein Kommentarkollege von ihnen, meinte, zum Ausgleich für das Unrecht und Leid, das das dritte Reich Russland angetan habe, dürfe jetzt Russland in der Ukraine zugreifen.“

Ich meinte mal, dass die Russen bei uns noch was gut haben. Damit meine ich insbesondere die deutsche Einheit, wie auch, dass alle ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten inzwischen unabhängig, demokratisch, zur EU und zur Nato gehören. Überhaupt rechne ich Russland das friedliche Ende des kalten Krieges hoch an. Dass wir den Russen im 2. Weltkrieg so viel angetan haben, ist sicher auch noch ein Fakt.

Sie haben natürlich Recht, dass wir der Ukraine nicht weniger angetan haben.

Es ist auch nicht meine Auffassung, den Russen die Ukraine zuzugestehen. Ich meine nur, dass die Ukraine eben nicht unsere Einflusssphäre ist. Wenn wir als Nato vor diesem Krieg die Ukraine eindeutig unter Nato-Schutz gestellt hätten, hätte ich auch dagegen nicht protestiert. Die Gelegenheit haben wir nun aber verpasst.

Jetzt oder demnächst eine Wende in Richtung Nato-Beteiligung zu machen, wäre allerdings zu gefährlich. Angesichts der beteiligten Atomwaffenpotentiale ist Unberechenbarkeit unsererseits nicht anzuraten.

Dagegen halte ich eine Teilung der Ukraine aber für eine mögliche Verhandlungslösung. Da wo überwiegend Russen wohnen, das kann man von mir aus Russland überlassen. Das wäre jedenfalls weit besser, als wenn Russland die ganze Ukraine besetzt oder wenn der Krieg noch gewaltig eskaliert, weil wir als Nato doch noch als Kriegspartei einsteigen.

Wir in der EU geben 5 mal so viel für Militär aus als Russland, und die USA nochmal das 10-fache. Wer hier wirklich Angst haben muss, dürfte angesichts dessen eigentlich klar sein. Aber wenn wir Russland so in die Enge treiben, das denen alles egal wird, und die anfangen ihr Problem mit Atomwaffenexperimenten zu lösen, dann fragt hinterher keiner mehr, wer Recht hatte, sondern dann ist keiner mehr da, der überhaupt noch Fragen stellen könnte. Zumindest nicht auf der Nordhalbkugel dieses dann ehemals wunderbaren Planeten. Putin ist nun mal leider kein Gorbatschow, das können wir so schnell nicht ändern.



Kommentar vom 19.04.2022 14:25
https://scilogs.spektrum.de/beobachtungen-der-wissenschaft/auf-dem-weg-zu-neuen-grundlegenden-theorien-in-der-physik-oder-wieder-mal-nur-das-resultat-von-messungenauigkeiten/

@Hauptartikel

"So liess sich in den letzten fünf Jahrzehnten diesem uneleganten Teilchenmodell nichts hinzufügen. Auch folgen die Werte zahlreicher wichtiger Parameter (insgesamt 17) nicht aus dem Modell, sondern müssen experimentell bestimmt werden, was im Detail die Arbeit von zwei ganze Generationen von Teilchenphysikern war."

Was sucht man denn hier vergeblich? Wenn die Wirklichkeit eher wie ein Computerspiel aufgebaut ist, dann wäre schon klar, dass diese 17 Parameter eben speziell so eingestellt sind, dass Atome, Sterne, Planeten, Leben und Bewusstsein möglich und wohl auch verbreitet ist.

Die dazwischen liegende Systematik von "(eben die SU(3) x SU(2) x U(1) – Gruppe)" wären die Grundstruktur dieses Wirklichkeitsspiels im Kleinen, und im Großen völlig unabhängig davon die Gravitationstheorie.

Was fehlt denn hier überhaupt? Offenbar ist eine konsistente Lösung für alles im Kosmos in einer Formel unmöglich. Es gibt viel Konsistenz, aber eben doch auch eine fast willkürliche Konstruktion, mit dem offensichtlichem Ziel von Leben und Bewusstsein auf möglichst vielen geeigneten Planeten.

Hierbei könnte auch die Gravitationssystematik und die kosmische Grundkonstruktion noch Überraschungen bereithalten. Was wenn nicht nur eine Variabilität der Gravitationskräfte bei Entfernungen größer als 1000 Lichtjahre vorhanden ist, sondern Gravitation auf diesen Skalen individuell verschieden sein kann. Und so ein gezielter Einfluss auf die Galaxien- und Sternentwicklung möglich wird. Das würde ja zu einem Computerspiel-Kosmos gut passen, neben den speziellen Werten dieser 17 Parameter.



Kommentar vom 19.04.2022 13:37
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/zur-wahl-in-frankreich-haben-demokratien-ein-eingebautes-false-balance-problem/

@Holzherr 17.04. 13:45

"Der Irakkrieg war eine Militäroperation der USA, Großbritanniens und einer „Koalition der Willigen“ im Irak, nicht aber ein Krieg der NATO."

Das war ja wohl fast dasselbe. Im Jugoslawienkrieg war dann auch die Nato noch direkter beteiligt. Wenn jetzt eine Koalition der Willigen die russischen Truppen aus der Urkaine vertreibt, und die formal unbeteiligten Natomitglieder nur Unterstützung leisten, dann genügt das völlig, um das Kriegsziel zu erreichen.

Das einzige Problem dabei sind doch die russischen Atomwaffen.

"Erstaunlich viele Kommentatoren hier auf scilogs verteidigen Russland als imperiale Macht..."

Ich finde das Verhalten Russlands nicht nur rechtswidrig, sondern auch unsinnig. Aber respektieren tue ich Russland trotzdem, als die Atommacht Nummer 2 auf der Welt. Hier wäre zivile Zusammenarbeit der einfachste Weg zur Sicherheit. Wir sind hier offenbar in einer schwierigen Situation. Verhandlungen über eine Teilung der Ukraine könnten eventuell eine Lösung sein.

"Mir scheint, im Verhältnis zwischen den Staaten sollten zunehmend Regeln gelten wie sie auch im Zivilleben gelten..."

Das sehe ich auch so. Und eine demokratische Weltpolizei, die bei mangelnder Demokratie und Pressefreiheit eingreifen kann gleich mit. Nur haben wir das eben nicht, und es ist auch nicht in Sicht. Es bleibt also beim freien und kompliziertem Spiel der Kräfte, im Prinzip eben auch als Faustrecht bekannt.

Öfter gibt man sich einige Mühe, eine Aggression als Recht zu verkaufen, maßgeblich ist das aber sowieso nicht.

"...und wenn das global nicht erreichbar ist, sollten Zivilisten sich zusammenschliessen."

Wie? Immerhin gibt es ja eine Vollversammlung der UNO, die ja auch öfter kommentiert.



Kommentar vom 18.04.2022 14:35
https://scilogs.spektrum.de/medicine-and-more/die-wahrheit-ist-das-erste-opfer/

@Stegemann 18.04 12:07

„Welches ist also das aggressivste und gefährlichste Land der Welt?“

Die Nummer 1 ist sicher eher militärisch aktiv. In einer Welt, in der das Faustrecht denn letztlich doch das maßgebliche Recht ist, verwundert dies auch kaum.

„Um diese einseitigen und illegalen Interventionen zu rechtfertigen, wurden sie immer unter dem Deckmantel «Menschenrechte» und «Demokratie» verübt.“

Die USA sind freilich eine Demokratie, man muss hier aber wohl differenzieren, dass das gar nicht bedeuten muss, dass sie woanders Demokratie wirklich fördern. Auch wenn das gerne vorgeschoben wird.

Andererseits haben wir im demokratischen Europa ein Bündnis mit den demokratischen USA, hier scheinen denn doch neben purer Machtpolitik auch gemeinsame Werte tatsächlich eine Rolle spielen. Wenn auch nicht zu 100 %.

Es wird auch nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Die USA haben in den letzten 20 Jahren so in etwa 15 Billionen Dollar für Rüstung ausgegeben, diese Aufwendungen müssen nun mal auch irgendwie gegenüber dem eigenen Steuerzahler gerechtfertigt werden. Also braucht man irgendeine grundsätzliche Bedrohung, auch wenn man hier nur im Droh-Modus bleiben kann. Andererseits braucht man auch wieder regelmäßige echte „Feldübungen“ im realen, lebensgefährlichem Einsatz. Das erhöht ja nun tatsächlich die Kampfkraft immer wieder erheblich. Nicht nur die neusten Waffen müssen ausprobiert werden, auch die Fähigkeiten der eigenen Soldaten wachsen mit Realeinsätzen ganz erheblich. Das wussten schon die alten Römer.

Wer so viel Geld für sein Militär ausgibt, der will dann auch gerne wirkliche Schlagkraft haben, und diese bei Gelegenheit politisch und wirtschaftlich nutzen.

Ein richtiger Krieg mit Russland wäre allerdings eigentlich eine Nummer zu groß, dass man das wirklich suchen würde. Zumal eben trotz der investierten Billionen ein atomares Patt immer noch besteht. Wenn man aber z.B. einen Krieg mit Russland auf die Vertreibung der russischen Invasionstruppen aus der Ukraine begrenzen könnte, dann wäre das ziemlich genau im amerikanischem Beuteschema.



Kommentar vom 18.04.2022 13:56
https://scilogs.spektrum.de/hirn-und-weg/autismus-spektrum-aktuelle-forschung/

@Bartel 15.04 12:11

„Eine häufig von Autisten gewählte Lösung dieser Problematik ist die Maskierung oder Camouflage des eigenen autisti­schen Verhaltens. Bevor sie sich in die Welt der NT Mehrheitsgesellschaft begeben, ziehen sie sich ei­nen NT-Avatar über und (schau)spielen NT Verhalten.“

Das findet man auch bei anderen psychischen Erkrankungen. Genau hier setzen auch soziologisch orientierte Konzepte an, in denen man die normalen NT-Menschen besser über die Eigenheiten der verschiedenen psychisch andersartigen Menschen informiert, und dann daraus auch Konsequenzen im Miteinander zieht. Dann kann man eine Ausgrenzung der nicht-NT-Menschen verhindern. Und dann muss auch keiner mehr Schauspielern.

Das könnte fast so weit gehen, dass man die Definition von NT sogar erweitert, und psychisch Kranke als eben etwas spezielle Menschen betrachtet und mit ihnen einfach so umgeht, wie es eben praktikabel ist.



Wegmoderierter Kommentar vom 18.04.2022 01:08
https://scilogs.spektrum.de/medicine-and-more/die-wahrheit-ist-das-erste-opfer/

@Holzherr 17.04 19:54

„Wie kommen sie darauf die NATO wolle militärisch in den Ukraine-Krieg eingreifen.“

Wenn ich die Kriegsmeldungen so verfolge, erscheint mir das russische Vorgehen als immer verwerflicher zu erscheinen, mit einer konstanten Steigerungsrate. Zusätzlich sollen immer mehr immer schwerere Waffen geliefert werden, die gleichzeitig immer dringender gebraucht werden, und auch die Sanktionen werden regelmäßig mit immer mehr Steigerungen verschärft. Wenn ich diese mediale Entwicklung auf die Zukunft hin extrapoliere, dann werden wir in einigen Monaten mit Natotruppen in der Ukraine stehen.

Das ist zwar nur der medial vermittelte Eindruck, dem der Medienmainstream folgt. Aber beruhigen tut mich das eigentlich nicht. Die Natogeneräle werden eine entsprechende Medienlage und die daraus folgende Stimmungslage in der Bevölkerung auszunutzen wissen.

„Jörg Biden hat das für die USA von Beginn weg ausgeschlossen.“

Ja, das hat er. Aber wenn die angesprochene Extrapolation eintritt, könnte z.B. eine versehentlich in Polen explodierte russische Rakete das Maß dennoch voll machen, und wir als Nato machen von unserem eigenen Faustrecht Gebrauch, und vertreiben die Russen eben wieder aus der Ukraine. Mit praktisch unbegrenztem weiterem möglichen Eskalationspotential. Und genau davor habe ich Angst.

„Fazit: Russland war und ist als Imperium am Ende aber als rohstoffreiches Land hätte es eine grosse Zukunft vor sich gehabt. Doch auch das ist nun vorbei.“

Da haben sie wohl recht. Allerdings abgesehen davon, dass Russland mit Abstand die atomare Nummer 2 ist, mit deutlichem Weltvernichtungspotential. Bleibt zu hoffen, dass Russland einerseits einsieht, mit konventionellem Waffen keine Weltmacht zu sein, und andererseits nicht noch auf die Idee kommt, mit seinen Atomwaffen Experimente zu wagen.

Und es bleibt zu hoffen, dass der Westen weiter gut zusammenarbeitet. Was eine LePen macht, wenn sie gewählt wird oder ein Trump, wenn er nochmal antritt und gewinnt, das weiß jetzt wohl noch keiner. Mag sein, dass Putin sich auch Hoffnungen in diese Richtung macht. Wären ja nicht aus der Luft gegriffene ganz neue Chancen für ihn. Wer so unter Druck steht, der kann auf die Idee kommen, ganz auf sein Glück zu setzen und auch auf das Eintreten derzeit unwahrscheinlicher Optionen zu hoffen. Und wenn es nur ein Strohhalm ist.



Kommentar vom 17.04.2022 14:51
https://scilogs.spektrum.de/hirn-und-weg/wie-funktioniert-eigentlich-ein-kuenstliches-neuron/

@Stegemann 15.04 18:30

„Ein einfaches Beispiel: Ein Computer rechnet die Aufgabe 8 mal 7 tatsächlich aus. Das menschliche Gehirn kann das nicht, es assoziiert lediglich 8 mal 7 mit dem Ergebnis 56. Es lernt dies auswendig. Das Hirn kann gar nicht rechnen. Es assoziiert selbst die komplexesten Gleichungen.“

Die Kombination menschlicher mathematischer Erkenntnis mit der Funktionsweise von Computern macht ja erst die Erfolge dieser Maschinen aus. Die reine Rechenleistung des assoziierenden Gehirns bei äußert energiesparender Architektur ergibt dann das biologische Vermögen. Das Gehirn ist in der Evolution gewachsen, nach Versuch und Irrtum größtenteils, kein detaillierter Plan stand dahinter. Entsprechend ist es nicht in der Lage, mathematische Berechnungen wie ein Computer auszuführen.

Die Informatik hat da ganz andere Möglichkeiten. Hier kann geballte mathematische Kenntnis direkt in Algorithmen umgesetzt werden. Bei Anwendungen, die dieses Vorgehen möglich machen, ist der Computer dem Gehirn millionenfach überlegen. Selbst der Prozessor eines einfachen Taschenrechners kann mehr als eine ganze Abteilung von Menschen, die vor der Erfindung des Computers entsprechende Rechenaufgaben lösen mussten.

So hatte man in den 50er und 60er Jahre die Vorstellung, dass die immer schneller und billigeren Computer schon bald den Menschen überflügeln werden. Hierbei hat man aber übersehen, dass eben nur wenige wirkliche Probleme mit mathematisch bekannten Verfahren zugänglich sind. Und so die Effektivität der Computer gepaart mit mathematischen Algorithmen schnell an Grenzen stoßen wird, genau da wo eben keine einfachen Formeln vorhanden ist.

Hier ist dann das Gehirn in seinem Element. Als Universal-Assoziationsmaschine kann es Probleme lösen, für die es keine Algorithmen gibt. Man ist inzwischen dabei, das auch den Computern beizubringen, ist hier allerdings vor allem im Punkt Energieverbrauch wiederum millionenfach dem Gehirn unterlegen.

Eine Kombination von Algorithmen und Assoziationsvermögen mag noch ein Feld sein, dass noch deutliche Steigerungen an künstlicher Intelligenz bereit hält. Und eine ganz neue Computerarchitektur, die sich an natürlichen Neuronenverschaltungen orientiert. Wenn man heute neuronale Netze im Computer nachbaut, werden nacheinander riesige Datenraten ständig im Prozessor hin und hergeschoben, statt sie wie im natürlichem Gehirn parallel und ganz direkt in speziellen Schaltkreisen ablaufen zu lassen.



Kommentar vom 17.04.2022 13:49
https://scilogs.spektrum.de/medicine-and-more/die-wahrheit-ist-das-erste-opfer/

@Holzherr 16.04 16:52

„Überhaupt ist Russland nur gerade in Bezug auf die Anzahl der Atomwaffen eine Grossmacht, in keiner anderen Hinsicht.“

Genau, also wieso dieses immer mehr zunehmende Kriegsgeschrei? Wenn Russland kaum mit der Ukraine fertig wird, und danach nur noch Moldawien mit 3 mio Einwohnern und Georgien mit 6 mio frei ist, dann kann die russischen Expansion so weit kaum führen.

Der Rest ist ja Nato und China, hier hat Russland keinerlei Optionen irgendetwas zu erobern. Etwa würde Russland bei einem Versuch das Baltikum anzugreifen voraussichtlich keinen einzigen Meter weit vorwärts kommen.

Wir haben es vielleicht versäumt, den neutralen Staaten Ukraine, Georgien und Moldawien unsere volle militärische Unterstützung zu versprechen, bzw. diese in die Nato aufzunehmen. Man kann nur spekulieren, was dann passiert wäre. Jedenfalls ist es dafür zu spät, wir haben klar gesagt, dass wir nicht militärisch eingreifen werden, und daran sollten wir uns jetzt auch halten.

Alles andere wäre in der Tat Kriegstreiberei von unserer Seite aus. Und auch zumindest aus europäischer Sicht mehr als ein Eigentor. Nicht nur ein Importstopp von Gas betrifft nur Europa, auch erfordert ein derzeit zerstörtes Vertrauen Russland gegenüber deutlich höhere Rüstungsanstrengungen unsererseits. Das Geld wäre anderswo besser angelegt, als in der Bekämpfung von Diktaturen, die wir mit Krieg nicht wirklich verbessern können.

Die einzigen, die hier überwiegend Vorteile einfahren sind die USA. Die exportieren auch Gas, Lebensmittel und vor allem Waffen, und werden hier einen starken Konkurrenten los. Gleichzeitig haben die kaum wirtschaftliche Verflechtungen mit Russland, und die Option, dass wir in den USA jetzt richtig viel Rüstungsgüter einkaufen müssen. Die letzten 30 Jahre waren gerade für Deutschland sehr komfortabel. Nirgends war ein gefährlicher Feind in Sicht, der Unterhalt der Bundeswehr zunehmend eher eine Liebhaberei, nur um nicht ganz zu verlernen, wie man eine Armee in Bereitschaft hält.

Die Auslandseinsätze der Bundeswehr waren entsprechend auch eher Übungen. Das war alles sehr schön billig, und auch mussten keine Wehrpflichtigen mehr eingezogen werden, was für junge Männer sehr komfortabel ist. Ich musste noch dienen, und empfand das in meinem Lebenslauf als sehr entbehrlich. Mich ärgert das, dass diese komfortablem Zeiten jetzt vorbei sein könnten. Womöglich hätte nur etwas mehr Respekt vor den Ängsten und Interessen Russland genügt, um diesen blöden Kleinkrieg zu verhindern.

Ich bin kein Freund des Systems Putin, aber mangelnde demokratische Qualität muss kein Grund sein, keine vernünftige Zusammenarbeit mehr zu suchen. Das wäre sehr im europäischem Interesse gewesen. Zumal man auf die Qualität von Demokratien von außen her sowieso sehr wenig Einfluss hat. Das merken wir inzwischen sogar innerhalb der EU.

Ich bin auch ein wirklicher Fan von funktionierender Meinungsfreiheit und einer Mitbestimmung des Volkes bezüglich der Regierung, aber ich kann es nicht ändern, dass das die Länder größtenteils von Innen heraus schaffen müssen. In Vietnam, Irak und in Afghanistan haben die USA nur Tod und Zerstörung hinterlassen, und bezüglich Demokratie einfach gar nichts erreicht. So funktioniert das eben nicht.

Dagegen hat dann ein Gorbatschow seine eigene Niederlage dazu genutzt, nicht nur den Kalten Krieg zu beenden. In der Folge konnten die meisten osteuropäischen Länder demokratisch werden, und selbst Russland ist inzwischen deutlich demokratischer als das vorherige Sowjetsystem. Immerhin das, klar fehlt da noch Einiges. Aber wie gesagt, das muss wohl eher von Innen heraus kommen.



Kommentar vom 17.04.2022 00:43
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/das-false-balance-problem-der-deutsch-evangelischen-friedensethik/

@W Bülten 16.04 00:40

„Zunächst muss man berücksichtigen, dass wir Erdlinge (Menschen) uns aus der Sicht des Schöpfers auf diesem Planeten, einmal krass ausgedrückt, in einer Art Erziehungsanstalt befinden. Das gilt erst recht für Nachfolger (Follower) Jesu. Es geht im Prinzip um eine Befähigung (Zurüstung) für den Fortbestand nach dem materiellen Tod.“

Interessant, das mal so genau zu hören. Auch wenn ich es nicht plausibel finde. Das Leben als Mensch oder anderes Getier ist sehr biologisch geprägt. Was man hier hauptsächlich lernt, ist wohl doch sehr an biologischen Erfordernissen orientiert. In reinen Geisteswelten ist das dann kaum zu gebrauchen, vermute ich mal.

Ich stell mir aber ein Weiterleben nach dem Tod auch nur eingeschränkt vor. Ich denke, dass wir durchaus eine echte Geistesseite haben, diese stellt aber nur den psychischen Innenraum zur Verfügung. Die Inhalte des Lebens werden erst von dem lebenden Gehirn dorthinein abgebildet. Uns bekanntes Innenleben ist also ohne biologisches lebendigsein nicht möglich. Insbesondere pausiert die erlebende Existenz sogar im Schlaf bzw. im Koma. Der angesprochene Geistesraum ist allerdings auch von einer Art und Weise, die uns wohl derzeit nicht wirklich bekannt ist.

Dennoch bin ich mir ziemlich sicher, dass unsere Geistesseite ein Teil allgemeinen Geistes ist, der dann aber nur im persönlichem Leben auf Erden wirklich persönlich ist. Nach dem Tod löst sich unserer Geistesraum im allgemeinen kosmischem Geist wieder auf, genau dahin, wo er auch hergekommen ist.

Genau betrachtet ist mir derartige Perspektive auch viel lieber, als auf das Ende der Zeiten im Grab zu warten, dann vor Gericht zu stehen, dann noch ein Urteil anhören zu müssen, aber vor allem dann ein ewiges Weiterwurschteln auf Basis des kurzen Erdenlebens erdulden zu müssen. Ich bekomme hier eine Ahnung einer schwer beschränkten Existenz und dazugehöriger ewiger Langeweile. Das ist nicht wirklich was Gutes.

Natürlich kann man hier nur Spekulieren und Hoffen, aber immerhin das können wir ja. Ich wäre vorsichtig mit alten Traditionen, die sollte man stets an der zur Verfügung stehendem Wissen und an der eigenen Erfahrung prüfen. So wie man das mit jeder Erkenntnis machen sollte. Nur weil das Thema gerade Religion ist, ist das kein Grund, auf gründliche kritische Prüfung zu verzichten.

So kommt man dann auch zu mehr Toleranz gegenüber Andersgläubigen, und überhaupt zu mehr Respekt Andersdenkenden gegenüber.



Kommentar vom 16.04.2022 13:22
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/zur-wahl-in-frankreich-haben-demokratien-ein-eingebautes-false-balance-problem/

@Michael 15.04 22:30

„Die Tyrannen fürchten den Drang auch der eigenen Noch-Untertanen zur Demokratie. Diktaturen sind stets ein Verstoß gegen die Menschenwürde,...“

Ja, und wenn man sie einfach abwählen könnte, wäre es ja auch keine Diktatur. Allerdings fürchten in der Demokratie auch die Machthaber, dass sie abgewählt werden. Und zuweilen bauen sie genau deswegen auch die Demokratie ab. So ergibt sich dann kein entweder-oder, sondern ein Kontinuum von mehr oder weniger Demokratie. Wir haben auch in der Nato einiges Teil-Diktatorisches, also etwa die Türkei, Ungarn und auch Polen.

Das ist jetzt kein Thema, aber das russischen System soll jetzt aber unbedingt schnellstmöglich abgesägt werden? Tut mir leid, das sieht mir mehr nach Machtpolitik als nach Demokratie-Hilfe aus. Und auch die Ukraine selber liegt im Ranking des Demokratieausmaßes unter den Standards, die eine EU-Mitgliedschaft erfordert. Man könnte fast meinen, hier streiten sich eine große halb-Demokratie mit einer kleinen zweidrittel-Demokratie. Unsere Sympathien gehen mit dem kleinerem. Nun gut, unsere Sympathien sind unsere Wahl.

Ich teile die Kritik am Russischen wie auch am chinesischem System. Sehe aber keinen Grund, nur wegen dem mangelhaftem System die Wirtschaftsbeziehungen einzuschränken, geschweige denn militärisch aktiv zu werden.

Der Krieg in der Ukraine mag Waffenlieferungen rechtfertigen, und auch Sanktionen. Aber das ist einmal eben nicht Natogebiet, und auch nicht unsere Einflusssphäre. Was auch für Taiwan wohl gilt. Natürlich können wir als Nato auch ganz einfach und unkompliziert das international gültige Faustrecht selber in die Hand nehmen, und versuchen einen richtig großen Krieg zunächst gegen Russland und später gegen China zu führen. Wir brauchen hier niemanden um Erlaubnis fragen, wir sind einfach die Stärksten.

Das dumme ist, dass das erstens viel zu teuer wäre, zweitens angesichts der dortigen Atomwaffen Selbstmord wäre und drittens mit Sicherheit nicht im Sinne der russischen bzw. chinesischen Bevölkerung wäre.

Wenn wir unser Bündnisgebiet klar definieren und mit angekündigter Entschlossenheit verteidigen, dann dürften wir maximale Sicherheit haben. Sind wir selber unberechenbar, gewinnen wir keine weitere Sicherheit, sondern das verkomplifiziert die Lage beträchtlich. Wenn Putin damit rechnen muss, demnächst aus irgendwelchen Vorwänden heraus sowieso von der Nato angegriffen zu werden, dann mag er sich sagen, was solls, dann mach ich eben auch was mir gerade passt, es hilft ja eh nix.

Man kann das dann als in die Ecke drängen ansehen, und das motiviert dann eben auch zu hohen Risiken. Das Sowjetsystem hat sich unblutig verabschiedet, das war ein wirklicher Glücksfall nicht nur für das russische Volk, sondern das hat die Vernichtung der gesamten Welt verhindert. Ich würde dringend vorschlagen, das nicht noch einmal zu provozieren. Ich denke, wir können uns nicht da drauf verlassen, dass wir nochmal so viel Glück haben werden.



Kommentar vom 15.04.2022 15:24
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/zur-wahl-in-frankreich-haben-demokratien-ein-eingebautes-false-balance-problem/

@Michael 14.04 18:44

„Das chinesische Volk altert rapide und tendiert entsprechend nationalistisch. Der Immobilienmarkt steht auch bereits am Abgrund.“

Aus meiner Sicht laufen in China ein paar zumindest interessante Experimente. Zunächst hat China zu wenig eigene Nahrungsproduktion, was dann den Bevölkerungsrückgang zunächst mal auch zum Vorteil macht.

Als nächstes könnte China mit den klassischen Überflusskrisen des Kapitalismus ganz anders umgehen können. Während bei uns z.B. in der Finanzkrise 2008 die Börsenzocker noch aus massiven Steuermitteln ihr verzocktes Geld erstatten bekamen, könnte China heute in einer solchen Krise sogar Vermögenssteuern erheben können, und damit die Wirtschaft in Gang halten können.

Auch wären Vermögenssteuern ein Mittel gegen den allgemeinen Kapitalüberfluss, man schöpft so überschüssiges Geld ab, und kann im Gegenzug Einkommenssteuern reduzieren und damit das Leben gerade junger Menschen leichter machen. Womöglich sogar mit dem Effekt, dass junge Menschen weniger Stress haben, und entsprechend mehr Luft, wieder mehr Kinder zu bekommen.

Die digitale Autokratie bei gleichzeitig florierender Wirtschaft ist auch ein bisher einmaliges Experiment. Die Überwachung dürfte so dicht sein, dass man entspannt warten kann, bis ein Regimegegner tatsächlich aktiv wird und nennenswerten Einfluss gewinnt. Man muss Niemanden schon inhaftieren, der eventuell mal zum Problem werden kann. Der Verfolgungsdruck ist entsprechend niedrig, und keiner muss Angst haben, willkürlich verfolgt zu werden. Und da der Laden ja insgesamt läuft, ist auch die Zustimmung gegenüber der Regierung wohl vergleichbar mit dem in unserer liberalen Welt.

Mal abgesehen von Hongkong, Tibet und den Uiguren zumindest. Minderheitenprobleme gibt es bei uns aber auch.

Chinas Umgang mit Ländern in Afrika finde ich auch zumindest interessant. China braucht vor allem Nahrungsmittel, und investiert dort in effektive Landwirtschaft. Da China selbst weiß, wie man auch angesichts des Vorsprungs des Westens aus der Armut herauskommt, werden sie dort in Afrika womöglich richtig wirksame Entwicklungshilfe leisten.

Vielleicht sehe ich das zu positiv. Aber ich sehe hier tatsächlich Chancen und beobachte mit Interesse, wie es mit China weitergeht.

„Aktuell scheitert auch die brutale ZeroCovid-Politik der KP-Diktatur.“

Omikron macht offenbar einen Strich durch die Rechnung einer ZeroCovid-Politik. Schlimmstenfalls muss auch China demnächst den Kampf gegen Omikron aufgeben. Wir machen das ja gerade selber. Und klar ist die Impfsituation in China schlecht und der Anteil inzwischen Genesener gering, dass in China eine erhebliche Infektionswelle droht. Aber auch in China ist die Schwere der Verläufe mit Omikron vergleichsweise milde, die werden es überleben.

Vielleicht können die das anstehende Sommerhalbjahr nutzen, um eine mäßige Durchseuchung, wie derzeit bei uns in diesem Winter realisiert, hinzubekommen. Mal gucken, ob es die chinesische Regierung schafft, einen tatsächlichen Kurzwechsel mit dem Umgang mit Corona anzufassen.

Diktaturen müssen ja nicht zwingend Narzisstisch sein. Eine Zustimmung für gute und auch flexible Politik kann man auch in Diktaturen erzielen.



Kommentar vom 14.04.2022 14:00
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/zur-wahl-in-frankreich-haben-demokratien-ein-eingebautes-false-balance-problem/

@Michael 13.04 17:41

„In meiner Sicht kann das für Rechtspopulismus dann ein riesiges Einfallstor werden.“

Noch ein Grund mehr für regional besser verteilte Wirtschaftsstandorte. Einem Verfall der Immobilienwerte in den Abwanderungsregionen steht außerdem die Wohnungsnot in den Zuwanderungsstädten gegenüber. Das ist nicht gut. Wenn das weniger und langsamer von statten ginge, wäre das Problem entsprechend kleiner.

Die Vorteile eines freien Arbeitsmarktes und der freien Wahl der Standorte seitens der Arbeitgeber sind groß, aber der Preis dafür ist auch nicht klein. Was nützt denn diese unternehmerische Freiheit, wenn sie zu einem Ende des Euro und der Freizügigkeit innerhalb Europas führt?

Und die Armut in vielen Ländern außerhalb Europas, die kaum eine florierende Produktivwirtschaft hinbekommen, ist finde ich auch ein Problem. Sicher ist hier öfter auch der Ressourcenfluch Teil des Problems. Es braucht aber noch mehr Zutaten für eine funktionierende Demokratie. Wirklich wirksame Entwicklungshilfe müsste doch möglich sein, wenn wir es denn nur wollten.

Möglicherweise bekommen das die Chinesen in Afrika besser hin als wir. Ich beobachte mit großem Interesse, wie die Chinesen wirtschaftlich immer weiter vorwärts kommen. Vielleicht schaffen die es in den nächsten Jahrzehnten sogar zu mehr Meinungsfreiheit. Eine Basis dafür kann ja auch ein überwiegend zufriedener Bürger sein.



Kommentar vom 13.04.2022 00:45
https://scilogs.spektrum.de/hirn-und-weg/wie-funktioniert-eigentlich-ein-kuenstliches-neuron/

@Hauptartikel

„Interessiert man sich dagegen eigentlich gar nicht dafür, wie die Aktionspotentiale zustande kommen, sondern vor allem über deren zeitliche Zusammenfassung, gibt es bestimmte Zufallsprozesse, welche das Auftreten gut nachahmen können – ohne eine Simulation der zugrunde liegenden Biologie.“

Die zugrunde liegende Biologie dürfte recht komplex sein, und noch einen langen Weg brauchen, bis wir dies verstanden haben. Es dürfte von den Genen im Zusammenhang mit dem aktuellen Zustand der Zellchemie bestimmt werden. Und das Verhalten könnte auch z.B. von Hormonen abhängig sein.

Also irgendwie kommt die Nervenzelle dann zu den Entscheidungen, zwischendurch mal Aktionspotentiale abzuschicken.

Meinen Sie mit bestimmten Zufallsprozessen, das die Nervenzelle selbst auch grundsätzlich variiert, und hier neben einer speziellen Summenfunktion dann in der Aktivierungsfunktion auch ein überlagernder Zufallseffekt gezielt eingesetzt wird?

Dann wäre der ganze Informationsverarbeitungsprozess eine Verbundes von Nervenzellen ja mit gewissen Unsicherheiten verbunden, und wenn mehrmals der gleiche Input kommt, wird trotzdem jedes mal ein wenig anders reagiert. Je größer der Verbund, desto mehr mitteln sich die Zufallseffekte heraus, bleiben aber wohl doch ein grundsätzliches Element.

Wenn ich mir etwa ganz kleine Stechfliegen angucke, so bewegen die sich ja auch so unkoodiniert hin und her, während sie ihrem Ziel dabei nur auf Umwegen immer näher kommen. Diese Tierchen haben ja wohl ziemlich wenige Neurone, dass sich ein Zufallsverhalten dann eben schon aus dem grundsätzlichem Zufallsanteil bei der Arbeit der einzelnen Nervenzellen ergibt.



Kommentar vom 13.04.2022 00:22
https://scilogs.spektrum.de/gehirn-und-ki/k-i-krimis-kann-kuenstliche-intelligenz-bewusstsein-haben/

@Stegemann 12.04 21:05

„Das gängige Argument ist die eigene spirituelle Erfahrung. Sollte man psychische Erscheinungen nicht besser psychologisch erklären statt physikalisch?“

Tue ich ja auch überwiegend. Aber der physikalische Rest ist dann doch zu attraktiv, um ihn ganz zu verwerfen.

„Ist das nicht ein etwas großer Gedankensprung über eine zu große Erklärungslücke?“

Ich will ja auch gar nicht die ganze Erklärungslücke zwischen den neurologisch bekannten Fakten und den von innen zu beobachteten Erlebniswelten mit einem Geistesraum füllen. Ich meine einfach nur, dass es da mehr geben muss als nur die richtigen Verschaltungen. Zusätzlich zu den nötigen Verschaltungen.

Dass wir dann in der Konsequenz einen weiteren Horizont erhoffen können, das ist mir wesentlich wichtiger als eine höhere Autorität. Die suche ich jetzt nicht unbedingt. Ich habe ja auch mit keiner Kirche was zu tun.

Wenn es aber mal KI gibt, die vieles automatisiert, was heute recht schlecht von Menschen organisiert wird, dann wäre dieses u.U. eine Autorität, die man den heutigen Verhältnissen in vielen Bereichen vorziehen könnte. Beamte, die ihre Arbeit machen, dem Bürger gegenüber flexibel sind und keine Bestechungsgelder fordern sind nun mal nicht überall selbstverständlich. Hier würde KI nicht nur Gehälter einsparen, sondern auch den Service deutlich verbessern können.



Kommentar vom 12.04.2022 23:41
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/zur-wahl-in-frankreich-haben-demokratien-ein-eingebautes-false-balance-problem/

@Michael 12.04 23:02

Als es noch die Lira gab, konnte man diese abwerten, und dadurch wurden Exporte billiger und Importe teurer. Das fördert dann den an sich nicht so guten Wirtschaftsstandort Italien. So viel macht es kurzfristig nicht aus, aber langfristig dann wohl schon.

Die dann zuwenigen Arbeitsplätze machen die Menschen unzufrieden und das fördert dann eben Extremisten. Die nutzen dann den Mythos Kulturmarxismus und das Mehrheitswahlrecht fördert die Schwierigkeiten noch. Wenn die Extremisten tatsächlich an die Regierung kommen, besteht in der Tat die Gefahr, dass der Euro wieder abgeschafft wird. Einer Le Pen in Frankreich wäre das wohl zuzutrauen.

Also besser mit gezielter Wirtschafts- und Steuerpolitik mehr gucken, dass schwache Regionen ein besserer Wirtschaftsstandort werden, dann können wir auch langfristig mit unserer gemeinsamen Währung klarkommen.

Das Problem beim Populismus ist ja eigentlich weniger, dass die Gefahr besteht, dass eine andere Politik es den Menschen tatsächlich besser gehen lässt. Wenn man hier vernünftige Konzepte hätte, ginge es ja noch. Das Problem mit dem Populismus ist eher, dass die, wenn überhaupt, nur ein Strohfeuer hinbekommen. Wer die Dinge zu einfach sieht, hat dann auch eher keinen nennenswerten Erfolg.



Kommentar vom 12.04.2022 17:19
https://scilogs.spektrum.de/gehirn-und-ki/k-i-krimis-kann-kuenstliche-intelligenz-bewusstsein-haben/

@hto 12.04 14:11

„“Wenn Kinder Kinder bekommen” – Schöpfung/Zentralbewusstsein:..“

Vielleicht lässt sich Ihr ewig beworbener Evolutionssprung zum Zentralbewusstsein ja dann in Wirklichkeit tatsächlich wenigstens in Maschinen umsetzen. Wenn man diesen Maschinenwesen dann die Organisation der entsprechenden gemeinschaftlichen Aufgaben übertragen kann, dann haben wir es doch womöglich. Und können selber schnöder Mensch bleiben, der wenig dazu neigt, über den eigenen Tellerrand hinaus zu gucken.

Die alte Frage der Macht stellt sich dann auch neu. Mensch sucht ja gerade Machtpositionen, weil er eben gerade keinen Gemeinsinn im Sinn hat, sondern nur einen Weg sucht, sich ganz persönlich zu bereichern. Wenn diese Personen sich dann nicht mehr nach oben drängeln können, weil sie auf eine Konkurrenz mit KI stoßen, wo sie als einfacher Mensch nicht mehr gegen an kommen, dann wären wir möglicherweise einen Schritt weiter.

Diese Ober-KI kann dann gerne von Grund auf unegoistisch und bedürfnislos sein. Sie braucht als Ressource ja nur noch Strom. Als einzige eingebauten Motive genügen dann das Gedeihen der Menschen und der übrigen Biosphäre.

Die Organisation in Logistikzentren wie bei Amazon übernimmt ja längst eine KI. Die Menschen braucht man nur noch als „Picker“, die komplett von der KI kommandiert werden. Welche Ware wann an wen verschickt werden muss, und wo die sich im Zentrallager befindet, das weiß längst schon kein Mensch mehr.

In der Online-Druckerei, wo wir unsere Drucksachen bestellen, ist auch der gesamte Ablauf vollkommen automatisiert. Das ganze System funktioniert wie ein Netzwerkdrucker im Nebenzimmer, nur der Versand der Ware dauert einen Tag länger. Der einzige Einsatz von Menschen ist das Verpacken für den Versand. Und prompt bekamen wir auch mal die Flyer von einem anderen Kunden zugeschickt. Der Verpacker hatte sich vertan. Ansonsten war hier noch nie auch nur der kleinste Fehler vorgekommen.



Kommentar vom 12.04.2022 14:02
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/zur-wahl-in-frankreich-haben-demokratien-ein-eingebautes-false-balance-problem/

@Michael 12.04 12:24

„Zur Problematik des Kulturmarxismus-Verschwörungsmythos habe ich vor einer Weile einen Gastbeitrag bei Belltower eingestellt“

Feindbilder basteln ist eine altbewährte Methode. Allerdings treffen die Feindbilder eher auf fruchtbaren Boden, wenn es einem nicht so richtig gut geht. Das Ausmaß der „Globalisierung“ ist ja nun tatsächlich nicht nur mit Vorteilen gesegnet. Entsprechend sind Extremisten eher da anzutreffen, wo die reale Globalisierung wirklich nicht so vorteilhaft ist.

In Deutschland wie in Nordeuropa, wo die Globalisierung viele Arbeitsplätze bringt, so viele, dass es schon zu Engpässen in manchen Berufen führt, da bekommen die Extremisten auch weniger Zulauf. Wo es dagegen nicht gut läuft, und die Menschen massenhaft abwandern, da sind Extremisten längst an der Regierung.

Eine lokalere Orientierung der Wirtschaftspolitik könnte, meine ich, durchaus von Vorteil sein. Wenn wir der Konzentration von Wirtschaftsstandorten auf günstige Regionen mehr entgegenwirken könnten, dann würde auch zumindest ein Risikofaktor für Extremismus reduziert werden können.

Letztlich nützt es auch Deutschland wenig, wenn die EU an der Ungleichverteilung der Produktivwirtschaft zerbricht. Und nebenbei meine ich, dass die gute wirtschaftliche Lage hierzulande längst übers Ziel hinaus ist. Nicht nur der ständige Migrantennachschub ist m.E. ungut, auch ist der Arbeitsdruck in vielen Bereichen höher als es den Menschen lieb ist. Ganz nebenbei stoßen wir längst an Grenzen, die sich dadurch schon zeigen, das Arbeitskräfte im Pflegebeireich und im Handwerk immer mehr fehlen.

Es ist einfach nicht der Fall, dass mehr Wirtschaftstätigkeit immer auch immer besser ist. Hier gibt es auch mal ein Zuviel, ein Übermaß, das anderswo auch noch einen Mangel erzeugt.

Der Euro war wirklich eine gute Idee. Aber eine gemeinsame Währung braucht auch eine gemeinsame europäische Wirtschafts- und Steuerpolitik. Vor dem Euro wurde z.B. die Lira gegenüber die D-Mark immer mal wieder abgewertet, was dazu führte, dass italienische Produkte wieder konkurrenzfähiger wurden. Dieser Mechanismus ist auf die Dauer wichtig. Wenn wir einen dauerhaft erfolgreichen Euro haben wollen, dann müssen wir die Standortvorteile und Nachteile anderweitig ausgleichen. Sonst laufen wir noch in Gefahr, dass zumindest der Euro von den Menschen wieder abgewählt wird.



Kommentar vom 12.04.2022 00:31
https://scilogs.spektrum.de/gehirn-und-ki/k-i-krimis-kann-kuenstliche-intelligenz-bewusstsein-haben/

@Stegemann 10.04 18:26

„Man verfällt immer wieder gern in einen Reduktionismus. Natürlich spielen physikalisch-chemische Prozesse im Gehirn die basale Rolle. Sie sind aber eingebettet in das biologische System namens Hirn.“

Mit der physikalischen Natur der Innensicht meine ich nicht Reduktionismus. Ich sehe es auch so, dass die spezielle Form unserer Innensicht von einer Funktionalität des ZNS ausgemacht wird. Nur für die grundsätzliche Möglichkeit von Innensicht überhaupt scheint mir eine eigene Voraussetzung in der Physik dieses Kosmos nötig zu sein.

Ich vermute, dass der Innenraum ein Geistiger ist, in den Zustände unseres Gehirns hinein abgebildet werden. Die Konsequenz daraus ist eben, dass hier etwas grundsätzlich Physikalisches mitspielt, das nur noch nicht entdeckt wurde.

Simple Mechanik von Verschaltungen kann vielleicht allerhand, aber egal wie viel davon da ist, die Innensicht braucht einfach mehr. Wenn die Innensicht dann aber überhaupt erst mal da ist, dann hat sich die Evolution von Nervensystemen über die Jahrmillionen längst darauf eingestellt. Entsprechend können wir mit Innenwelten bei allen Tieren mit Nervensystemen rechnen.

Richtiges Selbstbewusstsein findet man nur bei höheren Tieren, aber eine von innen erlebte Existenz ist wohl wirklich verbreitet. Ebenso eine gewisse Empathie auch über Artgrenzen hinweg.

@Jaromir 11.04. 09:11

„Leider wollen viele KI-Experten bald Allgemeine Künstliche Intelligenz entwickelt haben, ohne sich bei der Gehirnforschung zu informieren.“

Künstliches Bewusstsein werden diese Experten so schnell nicht finden, aber wohl doch vielerlei Nützliches, was dann später, wenn man mehr übers Gehirn herausgefunden hat, dann doch noch weiter führt. Die Prinzipien, wie Innenwelten implementiert werden können, können ja neben der biologisch gefundenen Lösung auch auf komplett andere Weise dann als eigene Lösung in der Technik verwirklicht werden. Da Computer ganz anders funktionieren als neuronale Netze, würde ich mich auch nicht wundern, wenn künstliches Bewusstsein ganz anders laufen kann als biologisches Bewusstsein.

Nur die grundsätzliche Zutat könnte eben auch ein Geistesraum sein, den aber schon die Physik bereitstellt. Ohne dem werden es auch die Computer nicht können. Vermute ich zumindest.



Kommentar vom 10.04.2022 16:57
https://scilogs.spektrum.de/gehirn-und-ki/k-i-krimis-kann-kuenstliche-intelligenz-bewusstsein-haben/

@Video

Das derzeitige KI kein Bewusstsein hat, wurde nun ganz gut begründet. Ein inneres Modell fehlt komplett, das müsste man erstmal implementieren. Hier wurde auch dieser Wurm mit den 302 Neuronen vorgestellt, wobei hier noch keine Simulation gefunden werden konnte, die dessen Funktionalität so abbildet, dass sich der simulierte Wurm so wie der echte verhält.

Solange man das nicht mal hat, hat man offenbar noch keinesfalls verstanden, wie sich Neurone wirklich im konkreten Zusammenspiel verhalten. Und also noch keine Möglichkeit, gar menschliches Bewusstsein irgendwie zu verstehen. Zumindest nicht von der neurologischen Seite her. Was bleibt, ist natürlich die psychologische Perspektive, die ja gerade unsere Innensicht als Ausgangspunkt nutzt.

Mit der Psychologie müssen wir uns freilich noch lange abfinden. Die hochgelobte Hirnforschung hat noch nicht viel Nutzbares hervorgebracht scheint mir. Da fehlen eben alle Grundlagen.

Für mich interessant ist allerdings die Innensicht sehr. Letztlich ist sie mein Leben. Die Frage, wie in einem Gewusel von Neuronen und Dendriten sich irgendwie ein Innenraum öffnet, ist dann aber auch eine Frage an die Physik, meine ich. Wie immer die Verschaltung funktionieren mag, das Ergebnis Innensicht muss Teil der physikalischen Welt sein. Die Physik selbst muss einen Weltmodus bereitstellen, der eben Innensicht prinzipiell überhaupt erst ermöglicht.

Diesen Modus kennen wir noch überhaupt nicht. Aber angesichts der Evidenz von Milliarden Menschen, die alle Bewusstsein erleben, muss ich hier z.B. an den Panpsychismus denken. Wenn die physikalische Wirklichkeit innensichtsfähig ist, dann wird sich dieses nicht auf den Menschen beschränken. In absteigender Komplexität werden wir Vorläufern unseres Bewusstseins in Primaten, Säugetieren, Mehrzellern, Einzellern und letztlich auch Steinen erwarten können.

Und neben einer solchen Rückwärtsrechnung gibt es noch die Perspektive in Richtung höheres Bewusstsein. Also eben in Richtung besonders bewusster Menschen, lokalem Bewusstsein ganzer Ökosysteme, eines Zentralbewusstseins des ganzen Planeten, wie letztlich des ganzen Universums. Und im Sinne einer künstlichen Intelligenz sind dann nun auch Perspektiven für was deutlich höheres als den Menschen zumindest denkbar.

Das wäre weit mehr als nur billige Arbeitskraft, dass wären Erkenntnismaschinen, die über uns weit hinausführen können. Aber zunächst mal müssen wir wohl ganz unten anfangen, also erstmal mit diesem Wurm mit den 302 Neuronen.

Und mit den Experimenten, die der reinen Informatik so einfallen. Es könnten sich ja auch Lösungen finden lassen, die eben ganz aus der Informatik kommen, aber am Ende auch nicht nur mit uns mitziehen können, sondern auch darüber hinaus weiterführen könnten. In Spezialfällen gibt es das ja längst, also bei Schachcomputern oder der Verwaltung von großen Datenbanken.



Kommentar vom 10.04.2022 14:48
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-northstream-wahnsinn-war-vorhersehbar/

@Webbaer 10.04. 07:08

„Diese Entwicklung hatte sicherlich auch etwas mit der sog. Entspannungspolitik zu tun, die von Willy Brandt stark vertreten worden ist, von ihm ist womöglich auch die Formulierung mit dem ‘Wandel durch Annäherung’.“

Ich vermute allerdings sehr, dass gerade die deutsche Entspannungspolitik dazu beigetragen hat, dass das Ende der Sowjetunion so friedlich abgelaufen ist. Das wäre dann als Riesenerfolg zu werten sein. Man kann sich dieses System-Ende auch mit einem großem atomaren Knall vorstellen.

Und im weiteren hat dieser durchaus friedliche Charakter dieses Umbruchs eine gewisse Sorglosigkeit bezüglich einer Gefährlichkeit Russlands nach sich gezogen. Einerseits hat man sich dort vom Kommunismus tatsächlich abgewendet, allerdings dann eben mehr als nun nichtkommunistischer Rentierstaat als wie zu Demokratie und florierender Produktivwirtschaft.

Das dürfte von vorn herein wohl nicht mal so geplant gewesen sein. Viele Russen werden tatsächlich versucht haben, eine florierende Wirtschaft aufzubauen, nur die Öl- und Gaseinnahmen waren einfach viel zu leicht zu erzielen. Viel leichter als Rechtsstaatlichkeit und Gewerbefreiheit, die Grundlagen einer florierenden Wirtschaft. Uns war das auch zunächst mal Recht, günstige Energieimporte waren auch bei uns willkommen.

Die Chinesen dagegen haben es geschafft, und das sogar ohne Demokratie. Das Paradigma des Westens, dass eine florierende Wirtschaft ohne Demokratie nicht möglich ist, kann denn nun nicht so ganz stimmen. Vielleicht liegt das einfach daran, dass es dem kleinen Chinesen inzwischen wirtschaftlich so viel besser geht als noch vor Jahrzehnten. Und in der Folge die Zustimmung zum System entsprechend hoch ist, auch wenn man als einfacher Bürger erstmal nichts zu sagen hat.

Wenn man auf die Politik zwar keinen Einfluss hat, aber doch alles bestens läuft, dann geht es ja noch, würde ich sagen. Wie ist das denn bei uns wirklich? Ist es die Möglichkeit, alle vier Jahre wählen zu gehen, um danach zuzusehen, wie die Lobbyisten doch wieder mehr bewegen als man selbst als Wähler, oder sind es doch vor allem die florierenden Verhältnisse, die unsere Zustimmung finden?

Vielleicht sollten wir mehr darauf achten, dass es uns selber weiter wirklich gut geht, insbesondere in den Gegenden Europas, wo es nicht sonderlich floriert. Und uns beispielsweise nicht mit einem Gasembargo gegen Russland selbst ins Bein schießen. Öl und Kohle kann man recht flexibel transportieren, mit Gas geht das nur bedingt.

Wenn wir wirklich die Rentierstaaten austrocknen wollen, dann hilft hier sowieso nur die erfolgreiche Energiewende. Selbst wenn Russland seine Rohstoffe nicht hinreichend nach China und Indien verkaufen kann, führt dies nur zu höheren Weltmarktpreisen und damit zu noch mehr verhängnisvollen Einnahmen für die übrigen Rentierstaaten dieser Welt. Das Problem schieben wir so nur hin und her.

@Michael 10.04. 07:37

„Dagegen bestehe ein Vorteil echter Demokratien doch darin, die Regierenden ständig mit medialem Feedback zu konfrontieren, was einem kollektiven Abgleiten in Verschwörungsglauben entgegenwirke.“

Dummerweise verlieren wir gerade an Medienmacht, und über das Internet verbreiten sich immer mehr alternative Fakten, die es schon bis zur US-Präsidentschaft geschafft haben. Es kommt wohl auch sehr darauf an, wie die Lebensbedingungen der Menschen wirklich aussehen. Und wie der Kampf um die Interpretation der Welt und des Lebens ausgeht. Eine reine Leistungsorientierung jedenfalls ist nicht mehr die einzige Maßgabe, was wiederum auch Chancen enthält.



Kommentar vom 09.04.2022 15:26
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/der-northstream-wahnsinn-war-vorhersehbar/

@Michael 09.04. 13:09

„Auch schon die sowjetische Diktatur war korrupt und wirtschaftlich am Ende – sie wurde von “unseren” Rohstoffeinkäufen verlängert. Putin bezog bereits seine KGB-Gehälter aus “westlichen” Rohstoff-Geldern...“

Aber wo waren die Alternativen? Schon damals von der Sowjets nichts einzukaufen hätte die Weltmarktpreise hochgetrieben und die Lage in den anderen Rentierstaaten durch noch höhere Preise nur noch verschärft. Und das Problem nur herumgeschoben.

Wir haben jetzt Alternativen für die Zukunft, eben eine erfolgreiche Energiewende. Aber nicht in den 80ern. Auch damals gab es schon Forderungen nach Klimaschutz, allerdings noch keine bezahlbare Technik, den Klimaschutz auch umzusetzen. Die haben wir inzwischen, und auch die Erkenntnis, dass das Klima wirklich gerettet werden muss, ist dabei, sich auszubreiten. Recht spät, aber dann doch.

Rund um den persischen Golf hat man einen Großteil der Öleinnahmen in Rüstung investiert, und ich schätze mal, dass dies dem Westen gar nicht mal ungelegen kam. Hätte man das Geld nicht verpulvert, sondern in den Aufbau einer eigenen Produktivwirtschaft investiert, dann könnten wir dort jetzt eine florierende Wirtschaft mit so viel Zustimmung in der Bevölkerung vorfinden, dass sogar Demokratie und Meinungsfreiheit praktikabel wäre.

So ist es nicht gekommen. War das aber wirklich alternativlos? Inzwischen ist hier Krieg und Bürgerkrieg rund um den persischen Golf Dauerzustand. Mit wenig Perspektive einer Besserung.

Wie wäre es denn, wenn wir dort die ganze Region besetzen und uns das Öl da raus holen, ganz ohne dafür zu bezahlen? Das Öl macht das Klimaproblem, aber das Geld macht erst den Ressourcenfluch. Am Anfang, vor der Ölkrise in den 70ern, haben wir das ja quasi fast schon so gemacht, und fast nichts für das Öl bezahlt. Ein simpler Raub des Öls wäre für die Menschen besser als ständig neue Waffenlieferungen und ständiger Krieg, und für uns auch kostengünstiger. Zumal man dann die Produktion rund um den Persischen Golf so sehr erhöhen könnte, dass die Weltmarktpreise so niedrig wären, dass die anderen Förderländer dieser Welt auch vom Fluch hoher Öleinnahmen befreit wären.

Insbesondere Russland.

Ich denke, wir können an der Realität der Dynamik des Rohstoffhandels nichts grundsätzliches ändern. Wir müssen damit leben, und eben einfach unser Nato-Territorium entschieden verteidigen. Die Mittel haben wir ja.

Und wir müssen auch nicht noch Öl ins Feuer gießen, und uns an Kriegen im Nahen Osten auch noch aktiv beteiligen. Die Energiewende kann das Problem dann aber nachhaltig lösen.



Kommentar vom 09.04.2022 13:23
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/endlich-trauer-wird-als-psychische-stoerung-anerkannt/

@Stephan 09.04. 07:14 / 07:21

„bei den allermeisten Menschen in psychiatrischen Einrichtungen handelt es sich aber doch nicht um Zwangseinweisungen, oder?!“

Es wird besser, aber es ist immer noch verbreitet. Neben denen, die direkt per PsychKG eingewiesen werden, gibt es noch mal so viele, die „freiwillig“ in die Klinik gehen, um ein PsychKG zu vermeiden.

Ich habe auch gar nichts gegen Zwangseinweisungen, im Gegenteil kenne ich einige Fälle, wo die Leute jahrelang unbehandelt bleiben, weil sie es schaffen, eben keinen Anlass für eine Zwangseinweisung zu bieten. Aber dann immer weiter in den Wahnsinn abstürzen. Hier würde ich mir sogar wünschen, dass man nicht nur bei akuter Gefahr Zwangseingewiesen werden kann, sondern auch, wenn eine Behandlung aus gesundheitlichen Gründen sehr wichtig wäre.

Bevor man die Einweisungsmöglichkeiten erweitert, sollte man allerdings die Prüfung durch einen Richter verbessern, und z.B. einen unabhängigen Genesungsbegleiter mit einbeziehen. Derzeitig winken die Richter praktisch alles durch, und folgen einfach der Argumentation der Mediziner. Hier fehlt sowas wie ein Anwalt, als Gegengewicht zur alleinigen Expertise des einweisenden Psychiaters.

Mir ging es darum, dass man sich einfach wenig Mühe gibt, den Patienten von einer konkreten Behandlung zu überzeugen, weil man es eben nicht muss. Auch wenn viele inzwischen freiwillig in die Klinik gehen, wird bei der Medikation selten diskutiert. Die wird verordnet, und notfalls mit Fixierung erzwungen. Das geht einfach schneller, als den Patienten davon zu überzeugen, dass er seine Medikamente braucht.

„Ich kann mir vorstellen, dass hierfür auch eine Rolle spielt, ob man denkt, dass man gut gelebt – oder so viel verpasst hat.“

Das bleibt in jedem Fall übrig, egal wie man sich ein Leben bzw. eine Nichtexistenz nach dem Tod vorstellt. So lässt die Angst vor dem Tod mit dem Alter auch immer mehr nach, weil man inzwischen immer mehr Leben gelebt hat. Aber eben auch, weil man sich mit der Zeit immer besser mit dem Thema auseinandergesetzt hat.

„Eigene Kinder sind für viele Menschen ja so etwas wie eine Verlängerung des eigenen Egos über die eigene Sterblichkeit hinaus...“

Das müssen keineswegs eigene Kinder sein. Die eigenen Gene sind als tausendfache Kopien im Genpool unterwegs. Auch wenn man selber keine Kinder hat, lebt man in den Kindern anderer weiter. Die persönliche Komposition der eigenen Gene geht in jedem Fall verloren, da helfen auch Kinder nicht, da müsste man sich schon klonen lassen.

Und überhaupt können auch die Werke des eigenen Lebens noch nachwirken, und einen selbst überleben. Vor allem aber geht das Leben selbst weiter. In dem Maße, wie man sich als Teil eines allgemeinen Lebens versteht, in dem Maße lebt man im Prinzip auch in den anderen weiter. Nicht nur in Kindern, auch in der physischen Welt allgemein.



Kommentar vom 09.04.2022 01:04
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/endlich-trauer-wird-als-psychische-stoerung-anerkannt/

@Hauptartikel / Stephan 08.04. 11:37

„Dann rede ich aber von einer Hilfestellung im Sinne dieser Menschen – und nicht der behandelnden Expertinnen und Experten.“

Sollte selbstverständlich sein, ist es aber öfter nicht. Gerade im psychischen Bereich ist vieles undurchsichtig, dazu kommt noch die spezielle Situation im stationären Bereich. Die meisten Patienten sind nicht freiwillig da, und entsprechend verzichtet man schnell ganz darauf, dass der Patient der konkreten Behandlung auch zustimmt.

Der widerwillige Patient ist dann eben krankheitsuneinsichtig, und damit ist das Thema auch schon erledigt.

„Das Problem eines bestimmten Individuums mit einem bestimmten Körper in einer bestimmten Lebenssituation und einem bestimmten sozialen Kontext einschließlich seiner Historie.“

Genau so sieht man sich das auch am besten an.

„und gerade wegen dieser Komplexität und Tiefe von Trauer, die uns in diesem Fall auch mit unserer eigenen Sterblichkeit konfrontiert, sollte man sie meines Erachtens nicht auf ein Etikett wie PGD reduzieren.“

Die Auseinandersetzung mit Tod und Sterblichkeit ist ein ganz wesentlicher Teil des ganzen Lebens. Hier geht es um sehr viel mehr als nur um das Vermeiden von Unpässlichkeiten. Hier spielen Religion, Kultur und auch Wissenschaft als Weltbild herein, und dies braucht eine gründliche Auseinandersetzung nicht nur für den Tod, sondern für das ganze Leben vor dem Tod. Eine gelungene Akzeptanz von Sterblichkeit führt auch zu Lebenshaltungen, die ein sinnvolles Leben trotz Befristung gewährleisten.

Hat man hier Lösungen gefunden, kommt man nebenbei auch mit Todesfällen besser klar. Der Schmerz ist unvermeidbar, aber die Perspektiven hängen mehr von der eigenen Einstellung gegenüber dem Leben und dem Tod ab. An dem Thema kommt man kaum vorbei, man muss sich hier positionieren, sonst kann der konkrete Tod das ganze Leben lähmen.

Allein überhaupt an den eigenen Tod konkret erinnert zu werden, kann schon so manchen aus der Bahn werfen. Da kann man dran arbeiten.



Kommentar vom 08.04.2022 14:21
https://scilogs.spektrum.de/babylonische-tuerme/wie-krank-ist-wladimir-putin/

@Putin

Seit Kriegsbeginn sieht Putin in der Tat deutlich schlechter aus. Mit 70 noch solche Risiken einzugehen, könnte einfach richtig belasten. Mensch hält ja auch nicht alles aus.

Die Risiken sind ja auch gewaltig. Wie die Nato mittelfristig reagiert, wissen wir wohl selber noch mal nicht genau. Putin mag uns für dekadent halten, das sind wir aber nicht. Und der Widerstand der Ukraine und womöglich auch unsere gelieferten Panzer- und Flugabwehrraketen richten womöglich erheblichen Schaden an.

Das wirkliche Kräfteverhältnis zwischen Russland und der Nato sieht wohl für Russland wirklich ganz schlecht aus. Hätten die keine Atomwaffen, dann wäre die Natotruppen womöglich längst vor Moskau. Putin kann nur hoffen, dass wir uns berechenbar verhalten, und dass wir weiterhin versuchen, die Kriegstätigkeiten nicht eskalieren zu lassen.

In diesem Schlamassel irgendwie die Krim und den Donbass nach Verhandlungen zugesprochen zu bekommen, ist wohl das tatsächliche Kriegsziel. Es sieht nicht gut aus für Putin, ich fürchte, das wird er nicht bekommen. Einen Versuch war es wert, mag er denken. Wie es ihm langfristig mit unseren Sanktionen und einem mittelfristigen Ausstieg aus dem Gasgeschäft geht, ist jetzt auch kaum vorhersehbar. Letztlich würde ein Energieembargo auch dem Klimaschutz entgegenkommen, und Russland muss damit rechnen, mittelfristig tatsächlich nicht mehr viel verkaufen zu können.

Dass hier diese Sorgen auf seine Physis und Psyche drücken, ist nachvollziehbar. Dass er angesichts vermutlich intern verkündeter Erfolge bei der eigenen Bevölkerung noch Zustimmung erntet, könnte sich als Strohfeuer erweisen. Militärischer Stillstand und wirtschaftliche Schwierigkeiten werden die Propaganda womöglich bald überholen.



Kommentar vom 08.04.2022 00:43
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@einer 07.04. 08:34

„im Prinzip sind wir doch schon im 3. Weltkrieg, nur dass dieser bisher asymmetrisch geführt wird.“

Das Ausmaß der Gewalttätigkeiten ist kein Weltkrieg, und unsere Sanktionsmaßnahmen sind auch nicht die Welt. Indien und China stehen als Ersatzhandelspartner zur Verfügung. Wir verlieren mit Recht die Lust, mit Russland Handel zu treiben, das würde ich nicht mal Krieg nennen.

„Aber Selenskyi zu unterstellen, er wolle den 3. Weltkrieg, halte ich für unredlich.“

Mir kommt seine Forderung nach einer Flugverbotszone nach einem Auftakt für den tatsächlichen Weltkrieg vor.

„Angenommen Putin vernichtet die Ukraine, woher wissen wir, dass er dann aufhört?“

Ja wie stark ist Putins Militär denn tatsächlich? Wenn er nicht mal die ganze Ukraine schafft, dann brauchen wir uns hier in der Tat überhaupt keine weiteren Sorgen machen. Wenn er bei einem theoretischem Angriff auf Nato-Territorium auf die ganz Streitmacht der Nato trifft, wird er wohl keinen Meter weit kommen. Da mach ich mir jetzt überhaupt keine Sorgen. Wenn er wahnsinnig wäre, und versucht mit taktischen Atomwaffen vorwärts zu kommen, wäre das ein Problem. Aber wahnsinnig ist er wohl nicht, und wenn doch, dann hilft hier sowieso nichts.

Wir sind in jedem Fall in der komfortablen Lage abzuwarten, ob Putin tatsächlich noch die Nato angreifen will. Wir sind eben sowieso entsprechend gerüstet. Es wäre eventuell auch eine Option gewesen, die Ukraine noch vor dieser Invasion unter Nato-Schutz zu stellen. Die Gelegenheit ist aber abgelaufen. Wir haben ganz klar signalisiert, dass wir nicht mit eigenen Kräften eingreifen werden, und dabei sollten wir nun auch bleiben. Wenn wir uns auch noch als völlig unberechenbar erweisen, dann gewinnen wir damit keine Sicherheit.

@Holzherr 07.04. 05:56

„wegen dem Schicksal, das den Ukrainern nach der Besetzung durch Russland droht, nämlich die Auslöschung als Nation und eine fortgesetzte Unterdrückung.“

Optimal wäre sicherlich, wenn Russland seine Ziele gar nicht erreicht. Aber nicht zu jedem Preis. Eine Eskalation bis zum 3.Weltkrieg zu verhindern geht wirklich vor. Es wird den Ukrainern vermutlich nicht viel anders ergehen wie den Weißrussen, den Kasachen wie den Russen selbst. In Freiheit leben die alle nicht.

Immerhin haben wir die Deutsche Einheit bekommen, und das Baltikum, Polen, Rumänien und Bulgarien in Sicherheit gebracht. Und das ohne einen Schuss abzugeben. Das geht auch auf das Konto der ehemalige Sowjetunion, die ihren Zusammenbruch ohne jede Schießerei hinbekommen hat. Das rechne ich denen immer noch hoch an.



Kommentar vom 08.04.2022 00:37
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@Schwarze 07.04. 18:00

„Die großen Kriege des letzten Jahrhunderts waren die wenigen signifikanten Einbrüche eines sonst ungehemmten Emissionswachstums der Welt.“

Der Urkrainekonflikt ist ja nun vom Ausmaß her nicht mit dem 2.Weltkrieg vergleichbar.

„Ich kann mir eine Variante grünen und resilienten Wiederaufbaus nach dem Krieg vorstellen.“

Mag sein, unterm Strich ginge es mit dem Klimaschutz dann angesichts dieses Krieges aber wohl nicht schneller. Die Neuinvestitionen zerstörter Häuser und Infrastruktur wären deutlich teurer als eine klimafreundliche Modernisierung, und bräuchten entsprechend mehr Zeit.

Der Hauptnachteil von hohen Rüstungsausgaben ist aber wohl, dass sie die knappen Mittel der Staatshaushalte verbrauchen, die man alternativ auch in Klimaschutz investieren könnte. Wenn man viel Geld in die Hand nimmt, und PV-Anlagen und Windräder bezuschusst, dann wird der Strom unterm Strich billiger, und die Zustimmung für diese Technik wäre deutlich größer. Wenn man das Geld in Rüstung investiert, und hinterher noch nicht mal ein Feind da ist, gegen den man soviel Ausrüstung auch braucht, dann ist das pure Verschwendung.



Kommentar vom 07.04.2022 17:26
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@Hauptartikel

„In ihrer Schlusserklärung erklärte die Ukraine, dass mehrere Mitglieder ihrer Delegation aus dem Untergrund arbeiten mussten und betonte, dass die Invasion „in vielerlei Hinsicht eine Folge der Nutzung fossiler Brennstoffe“ ist.“

Überhaupt ist zur Bewältigung der Klimakrise Zusammenarbeit erforderlich, und nicht Krieg. Nebenbei ist Kriegstätigkeit und auch nur der Unterhalt einer Armee wie der der USA schon ein Emissionsfaktor. Und die hierfür erforderlichen Kosten würden einen erheblichen Unterschied machen, wenn man das Geld in Klimaschutz investieren könnte. Immerhin sind Rüstungsausgaben wertvolle staatliche Mittel, die mit anderen staatlichen Ausgaben konkurrieren müssen.

Von einer Friedensdividende wurde nach Beendigung des Kalten Krieges 1990 nur kurz geträumt. Man hat dann wohl umgehend neue Feinde gefunden. Bis dass sich inzwischen auch die russischen Großmachtsphantasien wieder gemeldet haben. Bleibt aber begründet zu hoffen sein, das da nicht viel draus wird.



Kommentar vom 07.04.2022 15:57
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@Paul S 06.04. 14:18

„Ob wir sie diesmal sinnvoll nützen, oder erst beim nächsten Weltuntergang, ist der Evolution egal. Die Lektion wird wiederholt, bis sie gelernt wurde. Die Wahrheit sucht uns. Wir verlernen nur langsam, uns vor ihr zu verstecken.“

Wer ist denn die Evolution? Das ist offenbar kein Akteur. Geisteswelten könnten hingegen auch Mitakteure sein. Und in ihrem Sinne auch in der Evolution der Kultur sinnvoll mitmischen. Die biologische Evolution im engeren Sinne findet sowieso kaum statt, biologisch sind wir längst ausgewachsen, und hier feilt die Evolution nur noch an gesundheitlichen Details, und wohl auch an der Lust, Kinder zu haben.

Die Evolution der Kultur ist keine biologische. Hier besteht das Spannungsfeld wohl eher zwischen wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe auf der einen Seite und den wirklichen Überzeugungen auf der anderen Seite. Wie sich hier inmitten einer digital beschleunigten Kommunikation die Dinge entwickeln, darauf kommt es wirklich an.

Hier sind vielfältige Meme durchaus im Zusammenspiel mit persönlichen Geisteswelten dabei, sich zu entwickeln. Unguten Einfluss haben immerhin digitale Konzerne, und in einigen Ländern auch autokratische Regierungen. Der Rest ist allerdings tatsächlich auch ein freies Spiel wahrhaftiger Auseinandersetzungen.

Es geht uns auch nicht das Fressen aus. Wir sind sogar in der Tat dabei, dass sich immer mehr Menschen vernünftig ernähren können. Die derzeit kurzfristig erhöhten Weltmarktpreise werden auch zügig dazu beitragen, dass sich die Weltproduktion erhöht. Nicht nur durch keine Nutzung von Erträgen als Energiepflanzen, auch gibt es noch reichlich Flächen vor allem in Afrika, auf denen ein intensiverer Anbau möglich ist. Und es kann sehr viel weniger weggeworfen werden. Und wenn weniger Fleisch ein Trend bleibt, wird das auch dazu beitragen, dass es genug zu essen gibt. Insektenzucht und Bakterienkulturen sind zusätzliches Potential für mehr Produktion.

Dass es so viele Menschen gibt, die hungern, liegt nicht an einem nicht ausreichendem Potential für landwirtschaftliche Erträge, das hat rein finanzielle Ursachen.

Und genau hier liegen die eigentlichen Probleme. Hier steht meistens ein mangelnder Gemeinsinn einer aus dem Ruder gelaufenen Leistungsorientierung gegenüber. Der Kapitalismus kann weiter produktiv sein, wenn er mittelfristig in noch armen Ländern investiert, und er kann entschärft werden, wenn Vermögens- und Erbschaftsteuern es ermöglichen, dass die Weltwirtschaft langfristig nicht mehr wachsen muss.

Das führt dann nur zu einem gewissen Mangel an erforderlicher Arbeitszeit. Hier kommt dann das Unwesen einer überschießenden Leistungsorientierung zum Tragen. Und ich denke, dass es den Menschen letztlich sogar entgegen kommt, wenn sie nur noch 30 Stunden die Woche arbeiten müssen, und auch alles an Wohlstand haben, das Sinn macht. Man hätte dann sogar wieder Zeit, normal Kinder zu bekommen.

Nur die Gier nach immer mehr Umsatz und Besitz muss aufgegeben werden. Ein gegenseitiges Auffressen ist wohl nicht zwingend erforderlich.

Einer zu erwartenden Erhöhung des Lebensstandards in vielen armen Ländern steht ein nicht unerhebliches Potential für ein Aufgeben von Verschwendung bei uns entgegen. Zusammengenommen werden dann auch die Rohstoffressourcen ausreichen, um eine durchgreifenden Energiewende in maximal 30 bis 40 Jahren hinzubekommen.

Wenn wir wie die Verrückten anfangen, um die militärische Vorherrschaft zu kämpfen, dann wird es länger dauern. Aber gerade Angesichts der Realität von Atomwaffen in Russland und China wird das atomare Patt weiterbestehen, es wäre vollkommen nutzlos, noch mehr in Rüstung zu investieren. Hier wäre sogar weniger Rüstung drin, nicht bei uns, aber in den USA. Wir müssen Russland und China respektieren, das Atomwaffenpotential bleibt, egal wie viel wir für unser Militär ausgeben. Wenn wir uns gegen konventionelle Angriffe hinreichend verteidigen können, haben wir schon alles erreicht, was überhaupt sinnvoll möglich ist. Das atomare Patt schützt uns ja auch.

Auf eine zivile und geistige Auseinandersetzung dagegen wird es wohl eher ankommen. Erfolgreich gelebte Vernunft dürfte ansteckend sein, hoffe ich zumindest.



Kommentar vom 07.04.2022 00:45
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@Michael 06.04. 00:36

„Sie verzichtete darauf, weil ihr u.a. Russland im Budapester Memorandum von 1994 Sicherheit vertraglich zusagte“

Die Geschehnisse von 2014 waren ja nun tatsächlich ein Aufstand gegen einen vernünftig gewählten Präsidenten, auch wenn der nach Osten hin orientiert war. Und erst nachdem der so zur Macht gekommene westlich orientierte Präsident Russisch als 2. Amtssprache abgeschafft hatte, war wohl bei Putin das Maß voll.

„Wer sich vor Tyrannen fürchtet und ihren Zusagen vertraut, macht sie immer stärker.“

Das Budapester Memorandum wurde auch nicht von Putin gemacht, und ist nebenbei inzwischen 28 Jahre alt. Insofern haben Sie natürlich recht, dass ein Versprechen eines Despoten erfahrungsgemäß nicht viel wert ist. Aber auch Demokratien können ihre Meinung ändern, und Vereinbarungen für hinfällig erklären.

„Wenn Sie – berechtigte – Sorge vor einem Atomkrieg haben, dann sollten auch Sie keine weitere Schwäche gegenüber Putin zeigen.“

Ich glaube das Wichtigste hierbei ist Berechenbarkeit. Wenn wir entschlossen sind, unser Nato-Vertragsgebiet zunächst mit allen konventionellen Mitteln zu verteidigen, und einen Atomwaffeneinsatz mit gleicher Münze zurückzahlen, dann wird sich auch Putin davor vorsehen. Aber wenn wir doch noch militärisch in diesen Konflikt eingreifen wollten, dann hätten wir das vorher auch so androhen müssen. So eine Wende wäre eine Eskalation, die darauf schließen lässt, dass wir genau solch eine Eskalation von Anfang an gesucht haben.

Es ist schon schwierig genug, wenn Putin unberechenbar ist. Wenn wir das auch noch sind, wird alles noch viel schwieriger. Und wir sind auch eigentlich ganz deutlich in einer Position der Stärke, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch militärisch. Wir müssen keine Risiken eingehen, und können uns problemlos verteidigen, ob jetzt im Baltikum, in Rumänien oder der Türkei.

Und wenn wir entschlossen ankündigen, dass wir Finnland auch wie ein Natomitglied verteidigen würden, dann wird das wohl genügen, dass Putin dort nichts versucht. Und wenn doch, dann wird er gegen unserem Widerstand dort auch nicht viel ausrichten können. Und wenn er 5 taktische Atomwaffen einsetzt, dann kommen von uns 5 zurück. Und wenn das nicht reicht, dann geht es eben nicht.

Dass Selenskyj fast täglich einen 3. Weltkrieg fordert, spricht nicht für ihn. Seit 2014 waren 7 Jahre Zeit für einen Beitritt zur Nato, das ist nicht passiert, warum auch immer. Und so ist die Nato eben definitiv nicht verpflichtet, hier Kriegspartei zu werden.



Kommentar vom 05.04.2022 17:33
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@Ohne Atomwaffen

Gäbe es die Atomwaffen nicht, würden sich ganz neue Möglichkeiten ergeben. Zunächst kann man Russland komplett befreien. Als nächstes können wir aus Konsequenz aus dem Ressourcenfluch doch einfach die ganze Golfregion besetzen, und uns das Öl heraus holen, ganz ohne zu bezahlen. Mit dem gesparten Geld dann können wir noch mal ausgiebig Aufrüsten, und uns als nächstes China vornehmen.

Der Sieg der Freiheit wäre in Sicht. Ich hab aber irgendwie das Gefühl, dass das doch gar nicht so schlecht ist mit den Atomwaffen. Es erzwingt einen gewissen Respekt, der nicht unbedingt ungut ist. Was wäre, wenn die freien Länder dieser Welt dann mangels äußerer Feinde dann doch wieder untereinander aufeinander losgehen? Und wenn nur, weil die Waffenlobby doch noch maßgeblicher ist, als die Freiheit der Menschen.

Ich habe auch in der Parlamentsarmee gedient. Der Umgang dort war wesentlich ziviler als etwa in der NVA. Und doch hatte ich nie den Eindruck, dass diese Streitkräfte sich nicht eignen, auch Angriffskriege durchzuführen. Man kennt das ja schon: Ab 5 Uhr 30 wird zurückgeschossen. Die US-Parlamentsarmee hat nun auch schon eine ganze Reihe von Angriffskriegen geführt. Vietnam, Irak und Afghanistan etwa. War alles theoretisch gut begründet, wenn auch auf Lügen, hatte aber nirgends die Freiheit der Menschen zur Folge.

Putin als Diktator, Aggressor und Kriegsverbrecher ist da voll im westlichen Beuteschema. Hat aber Atomwaffen, und davon sogar genug, um die ganze Welt mehrfach zu vernichten. Ich kann schwer nachvollziehen, dass mancher meint, dass man das nicht respektieren sollte. Das Faustrecht auf der Weltbühne ist und bleibt Realität. Gut finde ich das auch nicht. Eine UN, die vernünftiges Recht spricht, und dieses auch durchsetzen kann, wäre mir auch lieber. Aber das gibt es so eben nicht.



Kommentar vom 05.04.2022 14:01
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@Michael 05.04. 08:08

„Aber wir sehen ja, wie schwer es auch vielen Christ:innen noch fällt, ein demokratisches Selbstbestimmungsrecht auch für osteuropäische Völker zu denken.“

Das Selbstbestimmungsrecht der russischen Bevölkerung könnte auch Unterstützung gebrauchen. Dummerweise sitzt Putin noch fest im Sattel, und die Realität von 6500 Atomsprengköpfen machen die Lage kompliziert.

Angesichts der Realität der autokratischen Führung in Russland und ihrer Bewaffnung sind unsere Optionen eben begrenzt. Wie viel Krieg wir haben wollen, ist auch unsere freie Entscheidung. Ich stimme dem derzeitige Kurs zu, nur Waffen zu liefern und Sanktionen nur soweit gehen zu lassen, dass wir nicht selber frieren müssen. Mehr wäre eben der 3. Weltkrieg.

Darf ich mal spekulieren? Hätte Russland keine Atomwaffen, wäre die Nato inclusive der Bundeswehr längst vor Moskau und dabei, Russland von der Diktatur zu befreien.

Aber Russland hat die Atomwaffen. Und ich keine Lust auf einen 3. Weltkrieg, nur um einer Ukraine zu helfen, mit der wir vertraglich eigentlich nichts zu tun haben. Ich schätze auch mal, dass wir mit der Ukraine in der EU noch mehr Probleme als mit Polen und Ungarn hätten. Ganz unabhängig von diesem Krieg.

Die Option, dauerhaft 5 Millionen Urkrainern in der EU eine neue Heimat zu ermöglichen, die finde ich richtig gut. Wir brauchen die Arbeitskräfte, und angesichts der ukrainischen Korruptionskultur würde auch ein EU-Beitritt genau dazu führen, dass eben genau diese 5 Millionen Menschen hierherkommen, um hier ihr Geld zu verdienen. Das läuft jetzt eben auf diese Weise. Ist doch gut, wir haben als Zuwanderer Ukrainer offenbar viel lieber als Muslime, aus Gründen, die zumindest in Teilen nachvollziehbar sind.

Wenn der Krieg in einer Teilung der Ukraine endet, dann wäre das immerhin ein gewisses Ergebnis. Die Bevölkerung in den östlichen Landesteilen will wohl tatsächlich lieber zu Russland gehören, alles westliche davon definitiv zur EU. Der Umgang mit Seperatisten ist generell schwierig. Wir hatten auch in der EU mit den Basken, Nordirland und zuletzt Katalonien auch schon schwierige Situationen.

Auch der Jugoslawienkrieg hatte ein definitives Ergebnis, und eine Festlegung von Grenzen, die inzwischen respektiert werden.

Der Brexit war eigentlich auch nicht so vorgesehen. Und Ungarn könnte man auch einfach aus der EU rausschmeißen, das wäre zumindest eine Option. Eine Befreiung Russlands jedenfalls ist einfach keine Option.



Kommentar vom 04.04.2022 18:00
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@lioninoil 04.04. 10:09

„Gemeinschaftseigentum muss auch verwaltet werden. Mit Planwirtschaft geht das nicht.“

Genau das ist ja das Problem. Es gibt Genossenschaften wie den Spar-und-Bau-Verein in Dortmund, der funktioniert seit über 100 Jahren wunderbar und ist mit Abstand der beste Vermieter in Dortmund. Aber es gab auch eine Neue Heimat als gewerkschaftliche Genossenschaft, die von den eigenen korrupten Angestellten ausgeplündert worden ist und in der Folge pleite gegangen ist.

Deshalb wäre ich für eine Entschärfung des Kapitalismus durch Vermögens- und Erbschaftssteuern, damit die Gemeinschaft mitverdienen kann, und gleichzeitig die Effektivität von Führungsetagen, die auf eigene Rechnung arbeiten können, erhalten bleibt.

hto 04.04. 12:26

Sie hat ÜBERHAUPT NICHT FUNKTIONIERT, denn sie STAND DAMALS grundsätzlich weiterhin im nicht kompatiblen Wettbewerb mit der Weltwirtschaft!

Ich denke eher im Gegenteil. Es gab im kalten Krieg eine lange Liste von Gütern, die nicht in den Ostblock geliefert werden durften, und das hat auch durchaus zum Zusammenbruch dieses Systems beigetragen. Ein offener Güteraustausch fördert doch letztlich jede Wirtschaft, das hat doch gerade gefehlt. Auch der Sozialismus hatte Stärken und Schwächen, die man mit freiem Handel besser hätte ausgleichen können.

Was zum Zusammenbruch sicher mit beigetragen hat, dass waren die sowjetischen Rüstungsausgaben. Die Nato hatte auch einfach mehr als doppelt so viele Einwohner als der Warschauer Pakt, dass macht sich nicht nur in den produzierbaren Mengen von Wirtschaftsgütern bemerkbar, sondern auch indem es mehr schlaue Menschen gibt, die in Entwicklungsabteilungen neue Produkte entwickeln können. Letztlich haben auch unsere weit besseren Computer den Kommunismus mit zum Scheitern gebracht, insbesondere weil diese eben nicht in den Osten geliefert werden durften.

Das ging nicht alles auf die Rechnung der Planwirtschaft, aber unterm Strich war sie eben dann doch wirklich ineffektiver. Man hat sich davon auch wirklich nachhaltig abgewendet, sowohl in Russland wie auch in China. Einfach aus der eigenen Erfahrung heraus.

Speziell in Russland hat man inzwischen ein gegenteiliges Problem: Oligarchen, die so gut vernetzt sind, dass sie kaum Steuern zahlen müssen, die sich dann auch mit Öl-und Gaseinnahmen zufrieden geben, und die eigentliche Produktivwirtschaft auch wieder leidet. Eine florierende Marktwirtschaft kann auch auf diese Weise eingeschränkt werden.



Kommentar vom 04.04.2022 14:21
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/demografie-die-archen-die-niederlagen-der-demokratie-in-russland-ungarn-und-serbien/

@Zitat Rückzug oder Kreuzzug

„Nach meiner Prognose gehen wir auf eine Welt zu, in der sich regionale, monistische und multireligiöse >Archen< mit kleineren, aber weiseren Kirchen gegenüber zurückfallenden, ja aussterbenden Regionen behaupten.“

Archen hört sich als kleine Minderheit an. Wir können in exclusiven Weltgegenden ein gutes Gefühl damit haben, dort vollen Klimaschutz zu realisieren, wenn sich der aber auf exclusive Regionen beschränkt, bringt das der Welt ziemlich wenig.

Wenn mehr nicht geht, dann geht es eben nicht. Dennoch würde ich es versuchen. Wenn sich durch entsprechende Fortschritte im Zubau von EE die Preise so günstig entwickeln, dass das zum Selbstläufer wird, dann geht es eben so herum.

Der Mangel an jungen Menschen scheint mir hier tatsächlich ein wesentlicher Teil des Problems zu sein, und gleichzeitig sehr vorteilhaft zu sein. Ein vorbildlich ökologisch eingestellter Mensch braucht immer noch mehr Ressourcen als einer, der gar nicht erst geboren wurde.

Begrüßen wir also einfach die Entwicklung, freuen uns auf innovative florierende Regionen und ein zusätzliches Nachlassen jeder Ressourcenknappheit durch allgemein schrumpfende Bevölkerungsbelastung.

Das Grundprinzip, dass junge fitte Menschen woanders hinziehen, das haben wir allerdings schon öfter gehabt. Gerade die generelle Landflucht, oder der Zuzug in Industriegebiete, der durch den unwiderstehlichen Sog freier Arbeitsplätze entsteht, das ist nun wirklich nichts Neues.

Einerseits ist hier das generelle Weltwirtschaftswachstum in Gefahr, andererseits mag sich das Kapital notgedrungen jetzt noch armen Ländern zuwenden, und dort investieren, um überhaupt noch die Möglichkeit haben, weiter zu wachsen.

Ohne Wachstum drohen Überflusskrisen, als Entschärfung würde ich Vermögens- und Erbschaftssteuern empfehlen, zumindest soweit Investitionen in noch arme Länder nicht reichen.

Hier bieten sich zunächst Länder ohne Ressourcenfluch an, die nebenbei offen für liberalere Verhältnisse sind. Die anderen müssen wohl warten, bis die Energiewende fertig ist.

Praktischerweise fangen wir bevorzugt mit den Ländern an, die noch ein ungutes Bevölkerungswachstum haben. Je weniger Menschen auf der Welt leben, desto einfacher ist es, im Einklang mit der Natur zu leben. Das ist nun ganz technisch bedingt, jenseits aller Moral und jenseits aller wirtschaftlicher Zusammenhänge.

Und ich würde auch empfehlen, hier bei uns Verschwendung abzubauen. Wenn man z.B. mit guten Radwegen zu deutlich weniger Privat-PKW kommt, hilft das neben dem Umwelt- und Ressourcenvorteil sogar Arbeitsstress abzubauen. Wenn wir bevölkerungsmäßig genug geschrumpft sind, dann haben wir mit weniger Arbeitsbelastung auch gleich mehr Luft, wieder normal Kinder großzuziehen.



Kommentar vom 04.04.2022 00:05
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/die-reiter-der-apokalypse/

@hto 03.04. 23:01

„…,werden wir dann nicht ein Sterben durch Hunger, Durst und Krieg in der Weltbevölkerung erleben,...“

Kann ich auch nicht sagen, wie die Geschichte wirklich weitergeht. Auf jeden Fall wären zunehmende Vermögens- und Erbschaftssteuern auf dem Weg zu einem zumindest relativen Gemeineigentum. Soweit wie es praktikabel ist, und insbesondere wenn weiteres Wirtschaftswachstum immer sinnloser wird, könnte man diesen Weg ja gehen.

Noch gibt es richtig viel zu investieren, insbesondere in den derzeit noch armen Ländern. Einerseits stehen dem eine Menge Probleme entgegen, also etwa Bildungsmangel oder übermäßige Einnahmen durch Export von Rohstoffen, andererseits muss sich letztlich auch das Kapital selber auf die Suche nach neuen Märkten machen, und kommt dabei hoffentlich an den noch armen Ländern gar nicht vorbei.



Kommentar vom 03.04.2022 17:47
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/die-reiter-der-apokalypse/

@hto 02.04. 15:33

„...ohne wettbewerbsbedingten Zwang zu Gewinnorientierung und Expansionskurs.“

Wo ist das Problem? Wenn Futtermittel knapp werden, wird Fleisch teurer, und die Verbraucher reagieren, und kaufen weniger Fleisch. Besser als die Preise künstlich niedrig halten, und dann Schlange zu stehen. Zumal die höheren Preise auch dazu führen können, das man etwa guckt, wie man Insekten züchten kann, oder ob man nicht auch tierisches Eiweiß mittels Bakterien herstellen kann, die man mit grünem Wasserstoff füttern kann.

Solche Innovationen fallen doch mehr oder weniger weg, wenn man die Markteffekte wegreguliert.

Hier profitiert nicht nur der, der die Innovationen einführt, sondern am Ende auch die Kunden.

Wenn sich allerdings mehr Kapital sammelt, als wieder angelegt werden kann, dann ist es nötig, von dem Kapital mittels Vermögens-und Erbschaftssteuern so viel abzuzweigen, dass das System stabil weiter laufen kann.

So muss man eben nicht für stetiges Wirtschaftswachstum sorgen, und keine Verschwendung fördern. Also z.B. Privatautos kann man vermeiden, wenn man eben nicht ständiges Wirtschaftswachstum braucht. Das kommt nicht nur der Umwelt entgegen, sondern wäre auch eine Basis für kürzere Arbeitszeiten und unkompliziertere Sozialsysteme, also z.B. ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Wichtig für die Beschäftigten ist doch, dass sie nicht unter so viel Druck stehen, und jede angebotene Arbeit annehmen müssen. Wer effektiver arbeitet, soll aber auch mehr verdienen können, das gilt für Unternehmen als ganzes wie auch für die Angestellten.

Grundsätzlich wären mit mehr Vermögens- und Erbschaftssteuern auch gleich weniger Lohn- und Einkommenssteuern verbunden, ein zusätzlicher Vorteil. Soweit wie aber die Wirtschaft sinnvoll weiter wachsen kann, kommt hier auch das wachsende Kapital letztlich den Menschen zugute. Wenn hier in mehr Immobilien und Maschinen investiert wird, muss dieses auch irgendeinen Besitzer haben, deshalb müssen Vermögens- und Erbschaftsteuern auch wieder niedrig genug sein, dass hier sinnvolles Wachstum überhaupt möglich ist.

So müsste man doch auf die Dauer eine entspanntere Lebensweise hinbekommen. Gerade angesichts der wohl zügig zu finanzierenden Energiewende und auch noch angesichts womöglich höherer Rüstungsausgaben wäre es an der Zeit, im Gegenzug die grassierende Verschwendung abzubauen. Das macht dann noch mal Einiges mehr möglich, schätze ich.

Ein verstaatlichter Stillstand dagegen gerade nicht.



Kommentar vom 02.04.2022 15:34
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-deutschen-kirchen-im-rueckzug-neue-zahlen-und-ekd-austrittsstudie-nun-online/

@hwied 01.04. 11:03

„…,auf den zweiten Blick ist die Institution Kirche das Gegengewicht zu einer materialistischen Lebenseinstellung.“

Meine Sie nicht eher eine persönliche spirituellere Lebenseinstellung, und nicht konkrete Organisationen?

Kirchen neigen dazu Wasser zu predigen und Wein zu trinken. Und bieten sich auch regelmäßig Autokraten an, deren Herrschaft zu legitimieren. Was dann sogar eine Arbeit gegen die Demokratie sein kann. Damit meine ich nicht nur die orthodoxe russische Kirche, die gut mit Putin kann, sondern auch die Evangelikalen in den USA, denen Trump lieber ist, weil er auch auf Wissenschaft pfeift.

Kirche sollte vielleicht ein Gegengewicht gegen Materialismus sein. Und besser nicht ein Gegengewicht zu wissenschaftlicher Evidenz. Eine Politik des Unwesens gegen jede Vernunft ist noch kein Sieg einer guten Spiritualität. Das grenzt vielmehr an Wahnsinn.

Wenn sich Kirchen tatsächlich für vernünftigere Lebenseinstellungen einsetzen, begrüße ich das. Und die geistigen Seiten des Lebens überhaupt sehen. Und in der Folge integrieren, dann gefällt mir das auch. Aber eine Konkurrenz gegen die Evidenz braucht das wohl nicht. Meine ich zumindest.



Kommentar vom 02.04.2022 14:53
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/die-reiter-der-apokalypse/

@hto 02.04. 04:52

„...und Arbeitsverteilung von privatwirtschaftlich-unternehmerischen Abwägungen keine Macht mehr.“

Privatwirtschaftliche Unternehmen bringen eine Menge Vorteile mit sich. Hier wird effektiv gearbeitet, und hier wird recht schnell auf sich ändernde Bedarfssituationen reagiert. Und hier werden Risiken auf eigene Rechnung eingegangen, die sich ein Staatsbetrieb normalerweise nicht leisten kann. Da möchte ich nicht drauf verzichten. Ich halte nicht viel von Planwirtschaft wie zu Sowjetzeiten, zentral gelenkte Staatsbetriebe funktionieren einfach zu schlecht.

„Es fällt dann einiges weg, wenn Inflation und manipulativ-schwankende “Werte” keine Rolle mehr spielen können!?“

In der Tat gibt es auch gravierende Nachteile der Privatwirtschaft, allem voran eine immer größere Anhäufung von Privatvermögen, welches ein ständiges Wirtschaftswachstum erfordert. Ohne Wachstum gerät der Kapitalismus sofort in Überflusskrisen, dass ist finde ich nicht nur ungut, sondern sogar gefährlich.

Um diesen Nachteil auszugleichen, wären allerdings mehr Erbschaftssteuern und auch Vermögenssteuern durchaus geeignet, und könnten eine wachstumsfreie Wirtschaft praktikabel machen. Aber so weit sind wir wohl noch nicht. Einerseits müsste man entsprechende Steuern eher weltweit koordiniert einführen, weil sich sonst das Kapital dieser Besteuerung entzieht, und andererseits gibt es derzeit auch noch Potential für ein sinnvolles Wirtschaftswachstum. Nicht unbedingt bei uns, aber eben in den vielen noch ziemlich armen Ländern dieser Welt. Das mit der wachstumsfreien Wirtschaft hat also eigentlich noch Zeit.

Irgendwann fährt aber der Kapitalismus unvermeidlich wirklich vor die Wand, wenn hier nicht irgendwann steuerliche Bremsen eingebaut werden. So sehe ich das zumindest.

Wie jetzt göttliche Inspirationen unternehmerische Abwägungen ersetzen sollen, ist mir nicht klar. Irgendwie muss es doch organisiert werden, was wer wie konkret produzieren soll, und wer dann das Recht hat, sich was und wieviel davon zu leisten. Hier ist eine Marktwirtschaft sinnvoll, vor allem, wenn sie in ein vernünftiges Gesamtkonzept eingebunden ist.



Kommentar vom 02.04.2022 14:05
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-deutschen-kirchen-im-rueckzug-neue-zahlen-und-ekd-austrittsstudie-nun-online/

@Holzherr 01.04. 20:27

„Würde man den Weltenergiebedarf allein mit Photovoltaik abdecken bräuchte es mehr Fläche als heute für den Reisanbau verwendet wird.“

Wir müssen nicht den derzeitigen Primärenergiebedarf mit EE decken, sondern nur in etwa die Hälfte davon, weil EE gleich in konzentrierter Form als elektrischer Strom anfällt. Und dann gibt es neben PV auch noch die Windenergie.

Der verbleibende Flächenbedarf für PV kann in Deutschland größtenteils auf Dächern von Wohn- und Gewerbebebauung untergebracht werden. Wir werden außerdem einen Schwerpunkt von PV rund ums Mittelmeer haben, weil dort der Ertrag wesentlich höher ist als bei uns. Und am Mittelmeer ist jede Menge Platz für die Module, der nicht mit einer landwirtschaftlichen Nutzung konkurriert. Hier kann man zwischen den Modulen noch Ziegen weiden lassen, das Wachstum auf diesen Flächen ist durch das Wasserangebot begrenzt, und wird von der teilweisen Beschattung durch die Module praktisch nicht verringert. Auch bei uns gibt es Flächen, wo man Viehweide und PV-Module gut kombinieren kann, so weit die Dächer nicht reichen.

„In meinen Augen sind PV+Wind nur Übergangslösungen. Kernfusion wird sie in 50 Jahren abgelöst haben und wird dann auch die Energie liefern um CO2 wieder aus der Luft zu entfernen.“

Dass das mit der Kernfusion doch noch was wird, hoffe ich eigentlich auch, wäre aber schon froh, wenn es wenigstens für interstellare Raumfahrt taugt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das sündhaft teuer bleiben wird, wenn es denn überhaupt funktioniert. Aber wir werden sehen. Ich fürchte es bleibt uns nichts anderes übrig, als die Energiewende jetzt anzufassen, und da können wir derzeit konkret nur mit EE arbeiten.



Kommentar vom 02.04.2022 00:58
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/die-reiter-der-apokalypse/

@Holzherr 01.04. 16:36

„...und mit diesem neuen anthropologischen Ansatz genau die Extreme zu vermeiden, die in den Abgrund führen. Und ja, es braucht auch Machtmittel um diejenigen auszubremsen, die mit Tod und Verderben spielen.

@Holzherr 01.04. 16:54

„Wer an den wahren Menschen erst nach der Zerstörung des falschen Menschen glaubt, wird Zerstörung ernten und wer total daran glaubt, wird totale Zerstörung ernten.“

Offenbar macht es hier den Unterschied, wie man denn mit menschlicher Unzulänglichkeit klar kommen will. Verstehen und bearbeiten plus ausbremsen mit Gewalt ist sicher friedlicher als einfach gleich umbringen. Und vermutlich auch aussichtsreicher. Wer selber sofort zu radikaler Gewalt greift, ohne überhaupt mal zu fragen, wie es der zu bekämpfende Mensch selber sieht und wie er seine Haltung begründet, der verspielt doch selber seine eigene Glaubwürdigkeit.

@hto 01.04. 22:51

„Das hat er wohl in der Erkenntnis von Gott und Vernunft gesagt haben, weil die philosophisch Reine Vernunft in der Systemrationalität des reformistischen Zeitgeistes zum Wohle des imperialistisch-faschistischen Erbensystems verkommen ist!?“

Wirtschaftssystem und Steuermodalitäten sind jetzt aber nicht unbedingt so philosophisch. Wie stellst Du dir denn ein allgemeines Übereinkommen der Menschen mit der wahren Vernunft vor? Ich denke immer, man kann sich mit guten Argumenten durchaus gegenseitig näherkommen, auch wenn manchmal persönlicher Profit Vorrang haben kann.

Das ist sicher nicht jedem bewusst, wenn er dessen Lied singt, dessen Brot der isst. Aber das kann man nur mit geduldiger Kleinarbeit bearbeiten, und oft muss man nicht nur auf eine neue Generation von Menschen warten, sondern auch noch solange warten, bis die Vertreter des alten Paradigmas wirklich ausgestorben sind.

Gerade der Abbau des Patriarchats brauchte bei uns seine Zeit, und ist noch nicht mal vollständig errungen. Wie kommt man auf die Idee, dass das in anderen Kulturen schneller gehen kann? Kulturelle Errungenschaften wollen errungen sein, dass dauert seine Zeit. Mit Bombardierungen wie in Afghanistan kommt man nicht zum Ziel, man müsste letztlich zu viele Menschen töten, und dann kommt die Frage auf: Für wen macht man das denn dann?

Kultur braucht immer Zeit, und Mühe und immer wieder neue Ideen, wie man denn doch wieder was bewegen kann. Und genau das ist auch unsere Chance, die wir haben.



Kommentar vom 01.04.2022 14:51
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/die-reiter-der-apokalypse/

@hwied 01.04. 09:36

„Wir befinden uns gerade auf „dünnem Eis“, nach dem Klimaschock kam der Coronaschock und jetzt der Ukraineschock.“

Eigentlich kommen alle drei Schocks historisch gesehen regelmäßig vor. Nur für die individuellen Menschen sind sie Neuigkeiten, die sie jetzt selbst erleben dürfen.

Der Klimaschock war früher meistens nur lokal, regionales Ausnahmewetter kommt immer wieder vor und führt zu Ernteausfällen. In Zeiten globalen Handels ist der lokale Mangel allerdings kein Problem mehr, lokale wetterbedingte Produktionsausfälle lassen sich leicht mit Importen ersetzen, wenn man nur eine halbwegs florierende Wirtschaft und entsprechend Geld dafür hat. So haben wir jetzt allerdings ein globales Klimaproblem, da hilft dann importieren nur noch, wenn man deutlich mehr Geld als andere Länder hat. Also haben wir die früher üblichen lokalen Wetterrisiken inzwischen als Klimawandel auch global.

Der Coronaschock ist auch historisch gesehen sehr normal, eigentlich sogar noch reichlich glimpflich. Pest und Ebola sind da eine andere Nummer. Oder man denke erstmal an die Ureinwohner Amerikas, die zu 90% von den eingeschleppten Seuchen der Europäer dahingerafft wurden.

Naja, und der Urkrainekrieg ist immer noch eher ein Kleinkrieg, verglichen mit dem 1. und 2. Weltkrieg, und vor allem wenn man diesen Krieg mit den zu erwartenden Auseinandersetzung vergleicht, wenn der Kalte Krieg heiß geworden wäre.

Ängste kommen hier immer auf, wenn es eben noch schlimmer kommen kann. So bewegen sich die Prognosen des Klimawandels zwischen 1,5° und 4,5°, und wenn sich jetzt eine tatsächliche Erwärmung von z.B. 4° einstellt, dann ist das eine Katastrophe. Oder wenn eine richtige Seuche aufkommt, an der gleich 30% der Menschen sterben oder eben wenn sich der Ukrainekrieg zu einer vollen Auseinandersetzung zwischen der Atom-Welt-Macht Russland und der Nato entwickelt.

Die begründeten Ängste übersteigen hier also um ein Vielfaches das, was derzeit (noch) wirklich passiert. Der Schock beim individuellem Menschen, der die Probleme erstmals wirklich wahrnimmt, ist natürlich ein Resultat davon, dass er vorher die eigentlich normalen Gefahren verdrängt hat.

Das religiöse Spiel mit der Angst hat darüber hinaus eine lange Tradition. Ein Strafe der Götter, die auf mangelnde Gehorsamkeit gegenüber den Göttern folgt, wird gerne von Priestern aller Art angedroht.

Wenn man dies genau untersucht, scheint hier allerdings eine Motivation seitens der Götter an einer Vernichtung der Biosphäre nicht plausibel zu sein. Mit der Ausnahme einer gefährlichen Seuche, die könnte tatsächlich die Belastung der Ökosysteme durch den Menschen auf diesem Planeten reduzieren helfen.

Aber noch sieht es so aus, als wären wir durchaus in der Lage, die ökologischen Probleme, die wie verursachen, selber zu lösen.