www.introspektiva.de - Die Wirklichkeit psychischer Krankheiten - Subjektivität als Maßgabe und Menschenrecht - ein Buchprojekt vom KLuW e.V.

Visionen an das Leben – Update 2018 (T.J.)


Als Psychisch Kranker bin ich auch langzeitarbeitslos, und muss mich damit selber um meine Beschäftigung kümmern. Auch bin ich schneller von Wirtschaftskrisen betroffen, von daher mach ich mir da eher Sorgen. Ohne finanzielle Reserven, und mit geringen Chancen auf dem Arbeitsmarkt, wäre ich sofort in argen Schwierigkeiten, wenn der Staat in die Pleite ginge, was z.B. in Griechenland und anderswo längst Realität ist.

Wie lebe ich? Ich mache mir was zu tun. Ich habe meine Aufgaben: Einkaufen, mit dem Geld haushalten, Putzen, Kochen, das ist recht schnell erledigt. Darüber hinaus mache ich, was ich spannend finde.

Wir können unsere Freiräume füllen, an Erkenntnis arbeiten. Viele schöpfen ihre Freiräume gar nicht aus, verklüngeln noch ihre Aufgaben, und machen streckenweise gar nichts. Die eigenen Ressourcen werden nicht genutzt, oder nicht mal erkannt.

Ich habe gelernt, in dem System zu leben, und mir Freiräume geschaffen. Wenn man auf vielen Konsum verzichtet, ist Geld nicht mehr das Problem. Wie erhalte ich meine Lebensqualität und Zufriedenheit? Genug Gemeinsamkeit ist wichtig.

Welche Mangelhaftigkeit habe ich zwangsweise integriert? Auf Reisen gehen mit Flug und Hotel läuft nicht, kein Geld. Mit Zelt und Fahrrad auf Reisen gehen ginge, aber es fehlt in Europa an vielen kleinen kostengünstigen Campingplätzen. Im Süden und Osten von Europa gibt es ungünstig viel Kriminalität, zu viel, um wild zu zelten. Dafür müsste ich schon in den Norden fahren, da kann man ganz gut wild Zelten, aber das geht nur im Sommer, und selbst dann kann das da kalt werden. So attraktiv ist das alles nicht. Also bleibe ich in Dortmund.

Meine Lebensvision ist unterwegs zu sein, die Wunder der Natur zu erleben und zu erkennen. Dazwischen sein und die Natur nicht wegdrängen, sondern fördern, ihr Platz lassen und nicht so viel Natur kaputt nutzen und kaputt arbeiten. Das Wetter im Jahreslauf erleben, die Pflanzen und Tiere in der Stadt und Umgebung wahrnehmen, ruhig und einfach das planetare Wunder in Dortmund sein lassen und mit dabei sein.

Erkenntnislust und Kultur gehören zusammen. Bildung kann aber auch wenig sinnvoll sein. Die organisierte Bildung, wenn sie nur den kommerziellen Fähigkeiten dient, verhindert doch oft gerade die Erkenntnis, weil sie die Zeit raubt und den Kopf vollstopft. Experten sollten keine Fachidioten sein.

Man kann nicht einfach in andere Länder gehen, nur wenn man genug Geld mitbringt oder da Arbeit findet, existiert eine Reise- und Aufenthaltsfreiheit. Das ist sehr bedauerlich. Eine grenzenlose Welt ist ein Traum, genau wie eine Weltwirtschafts- und Weltsozialpolitik, die den Menschen und der Natur dient. Ohne diese riesigen Unterschiede im Lebensstandard gibt es nicht das Problem, dass so viele Leute zu uns kommen wollen, und man müsste die Freizügigkeit nicht einschränken.

Wenn erst China, dann Indien und sogar Afrika endlich genug Geld haben, dass sie sich dort Fleisch leisten können, wird keiner mehr Futtermittel an uns verkaufen wollen. Wenn wir hier in Deutschland von dem, was hier wächst, uns ernähren müssen, gibt’s womöglich kein Fleisch mehr für die Hälfte der Bevölkerung, wenn wir noch mehr Leute ins Land holen. Dann gucken wir dumm aus der Wäsche, wenn wir selber nicht mehr genug zu essen haben. Also lieber jetzt nicht noch mehr Ausländer importieren. Wir müssten dazu beitragen, den Krieg in Syrien und anderswo und die Armut in Afrika zu beenden. Wir müssen in der Welt nicht überall die Entwicklung stören, um die da klein zu halten. Wir sind kein rohstoffarmes Land, dass auf massive Exporte angewiesen ist, wie uns das in der Schule erzählt worden ist. Aber je weniger Bevölkerung, desto besser das Essen, falls wir in Zukunft alles hier anbauen müssen, was wir essen wollen.

Angesichts fortschreitender Automatisierung braucht es neben funktionierenden Sozialsystemen auch eine Lösung des Sinnproblems der Erwerbslosigkeit. Sonst wird es dazu kommen, dass Rechtsradikalismus mit seinen Versprechungen zur Maßgabe wird, so wie es zur Zeit anderswo in der westlichen Welt schon im vollen Gange ist. Den Exportweltmeister Deutschland wird es als letzten treffen. Die nötigen Lösungen werden sich dann leider auf die Zeit nach dieser rechtsradikalen Phase verschieben. An den Lösungen arbeiten kann man dennoch schon mal, solange das Überleben gelingt wenigstens.

Diktaturen und diktatorische Demokratien sind auf dem Vormarsch, der zur Zeit ausufernde Datenklau fördert diese Entwicklung. Der Staat ist immer besser informiert, was welcher Bürger macht, und kann in seinen undemokratischen Zumutungen immer weiter gehen. Wer das Internet kontrolliert, kennt die gesamte Kommunikation, und kann sie letztlich auch inhaltlich kontrollieren. Der Staat kann Widerstand immer früher erfolgreich begegnen, ohne damit groß aufzufallen und ohne Widerständler gleich bei Verdacht einsperren zu müssen. Im Prinzip kann es ausreichen, jemanden den Internetzugang so zu sperren, dass er zwar downloaden, aber nichts mehr uploaden kann, wenn er Mißliebiges von sich gibt. Bei der Dichte der Überwachung müsste das auf allen erreichbaren Geräten durchsetzbar sein. Die offene Gesellschaft könnte so zum Auslaufmodell werden.

Passend dazu streiten sich die Religionen auch wieder mit Gewalt untereinander, und es werden wieder Nationalkulturen erfunden und mit in den Kulturkampf geschickt. Der Streit zwischen Wissenschaft und Religion flammt wieder auf, Religionsverfechter und Materialisten gehen immer öffentlicher aufeinander los.

Derweil entfalten neben Automatisierung und Robotern auch Kampfroboter weiter ihre Wirkungen, und damit wird der Mensch nicht nur zum Arbeiten, sondern auch für den Krieg immer weniger gebraucht. Die Rolle als ziviles Kriegsopfer wird es aber in jedem Fall weiter geben. Ohne eine komfortable Ernährung, wenn zu viele Menschen zu wenig Ackerfläche zur Verfügung haben, wird allerdings erst recht militärische Beschäftigung die Agenda bestimmen. Die Freiheit der Erkenntnis als qualitative Lebensgrundlage wird sich dann wohl noch verzögern.

Ausländerghettos sind nicht so gut, der Zuzug macht auf die Dauer wenig Sinn. Aber geringe Geburtenzahlen sind immer noch positiv zu bewerten, mehr Platz auf der Welt für die Menschen und für wilde Natur ist was Feines. Wenn wir keinen Egoismus hätten, wäre das anders. Man muss den Egoismus mitrechnen, denn wer Hunger auf Fleisch hat, und genug Geld in der Kasse, der kauft ein. Ob dann Arme noch satt werden, auch wenn sie Zwangsvegetarier aus Kostengründen werden, interessiert den Wohlhabenden erfahrungsgemäß nicht.

An positiven Wirtschaftsvisionen fehlt es aber auch nicht, nur deren Umsetzung könnte sich noch verzögern. Technische Innovationen können allen zugute kommen, genauso kann die Produktivität der Roboter auch allen zugute kommen, die Güter brauchen, und nicht nur denen, die noch Arbeit haben oder sowieso auf dem Kapital sitzen. Die Wirtschaft muss sich doch nicht in einer großen Überflusskrise selbst zerstören. Man muss sie nur kontrolliert auf ein vernünftiges Maß herunterfahren, indem man von der Konkurrenz um Investoren und Arbeitsplätze wegkommt, und die Kapitaleinkünfte so stark besteuert, dass nicht mehr Kapital entsteht, als überhaupt angelegt werden kann. So bleibt das Geld der Welt in Fluss, auch bei schrumpfender Wirtschaft.

Mehr Steuern auf die ganze Produktion, nicht nur auf die Löhne, und damit auch genauso hohe Abgaben auf die Zinseinkünfte würde die Grundlage schaffen, nicht auf Wirtschaftswachstum und hohe Beschäftigungsrate angewiesen zu sein. Das Steueraufkommen muss dann auch hinreichend weltweit verteilt werden. In den Ländern, wo die Waren verkauft werden, sollten mindestens soviel Steuern anfallen wie an den Produktionsstandorten.

Vernünftig wirtschaften heißt auch, dass wir nicht Exportweltmeister sind, sondern die anderen Länder in der Lage sind bzw. versetzt werden, ihre Sachen selber herzustellen. Dann gibt es aber auch die Importe nicht mehr, was im technischen Bereich aber kein Problem sein sollte. Wenn wir vernünftigen Konsum auf technisch vernünftige Weise praktizieren würden, bräuchten wir kaum Bodenschätze einzuführen. Insbesondere die Energie-Rohstoffe brauchen wir gar nicht mehr, sobald die Energiewende vollzogen ist. Und diese ist mit einem vernünftigerem Konsum sehr schnell erreichbar, wenn das eingesparte Geld, das noch für sinnlosen Konsum ausgegeben wird, in Umwelttechnik investiert wird.

Mit Konsumgütern, die angebaut werden müssen und Ackerfläche brauchen, sieht das anders aus. Wir brauchen genug Ackerfläche pro Einwohner. Zur Nachhaltigkeit gehört, dass wir es nicht zu voll werden lassen in Deutschland. Ein paar Millionen Einwohner weniger sind hier besser als ein paar Millionen mehr. Natürlich könnte man erst einmal weniger Lebensmittel wegwerfen und keine wertvollen Ackerflächen für Energierohstoffe verschwenden. Die Energierohstoffe kann man mit Solar- und Windkraft ersetzten, und nur unvermeidliche Abfälle ernergietechnisch verwerten. Also ohne Importe brauchen wir auch keine Exporte mehr. Dann kann auch jeder seinen Maschinen selber bauen und wir müssen nicht mehr die Welt mit unseren konkurrenzstarken Qualitätsprodukten nerven. Nur Kaffee, Bananen und Mangos gegen Weizen tauschen reicht dann wohl aus.

Es existiert keine internationale Essensplanungspolitik. Hier müssen wir national gucken, dass wir auch genug zu essen haben. Noch können wir den Menschen in den armen Ländern das Essen vom Teller wegkaufen. Wenn das mal nicht mehr läuft, dann haben wir keinerlei Solidarität zu erwarten. Nur eine nationale Bevölkerungsplanung kann hier für Sicherheit sorgen.

Ich bin hier nicht grundsätzlich gegen Welthandel, zumal insbesondere fairer Handel auch friedensstiftend sein kann. Ökologisch wenig sinnvoll ist es natürlich, Autos aus Deutschland und Japan, Massenstahl aus China und Weintrauben aus Chile über die halbe Welt zu schippern. Aber wenn wegen wirtschaftlichem Aufschwung auch in Indien und Afrika sich die Menschen Fleisch leisten können, haben wir eine neue Situation. Bevor dann wieder Lebensraum im Osten gesucht wird, sollte man besser mal sehen, dass wir mit unserem Ackerland hierzulande auskommen können.

Ich kann mir auch vorstellen, dass die niedrigen Geburtenzahlen noch ein oder zwei Generationen weiterbestehen, und wir dann nur noch mit 50 Millionen Menschen in Deutschland leben. Wir könnten dann auf der halben Fläche wieder Moore, weite offene Flächen in extensiver Nutzung und jede Menge Urwald wachsen lassen. Wenn man dann da noch überall schön zelten dürfte, stelle ich mir das sehr attraktiv vor. Ich werde es nicht mehr erleben, aber die Vision gefällt mir für sich schon, dass das ein gutes Gefühl macht.

Für mich ist das auch ein ökologischer Traum, dass man ohne wesentlichen Welthandel auskommt. Wenn wir das hier selbst im Griff haben, könnten wir auch schon in naher Zukunft unser Knowhow und unsere Patente verschenken, und den notleidenden Menschen überall auf der Welt ein gutes Leben ermöglichen. Das wäre internationale Solidarität konkret, nachhaltig und vor allem schnell. Besser jedes Land stellt selber her, was es braucht.

Autos, die selbst fahren, als fahrerlose Sammeltaxis werden in naher Zukunft derart kostengünstig sein, dass nicht nur der private Autoverkehr verschwinden wird, selbst Busse und U-Bahnen können dann zu machen. Das wird die Mobilität wesentlich verbessern, weil schneller, unkomplizierter und viel kostengünstiger. Und die frei werdenden riesigen Parkplatzflächen werden den Städten zugute kommen. Das wird den Markt für Autos im wesentlichen vernichten, und die Grundlage der deutschen Exporte wird wegfallen, egal, was wir oder die EU davon halten. Das wäre zu begrüßen, wenn wir nur richtig damit umgehen, und unser Wirtschaftsvolumen geordnet auf ein vernünftiges Maß reduzieren.

Generationen, die nach uns kommen, was wollen die vom Leben? Ich würde erst mal sagen, dass Menschen eigentlich immer dasselbe wollen, und nur verschiedene Lösungen für die selben Anforderungen finden. Wenn es wenig Arbeit gibt, ohne materiellen Mangel, werden sich die Leute, vor allem junge Leute, schnell was anderes an Erkenntnisraum suchen, auch Beziehungsarbeit wird dann wohl mehr Raum einnehmen. Reisen, Bauen und Gartenbau und Viehhaltung bietet einiges an Raum, der frei gemacht werden kann. Kreativraum und Kunstraum sind längst offen für den Menschen. Das ist nicht jedermanns Sache, aber in jedem Fall noch ausbaufähig, wenn uns die Arbeit langsam wirklich ausgeht.

Nicht jeder kann selbstständig arbeiten, und vieles geht nur gemeinsam. Betriebe und Werkstätten für alle, in denen auch an nichtkommerziellen Projekten gearbeitet werden kann, werden wir dann brauchen. Und noch viel mehr freigestellte Menschen, die nicht kommerziell unterwegs sind, und dies nicht als Mangel, sondern als Chance sehen. So können wir gemeinsam was unternehmen. In der Welt unterwegs sein, und rund um Bauen, Lebensmittelanbau und Tierhaltung richtig tätig und kreativ werden können.

Will der Mensch bedeutsam sein? Selber leben, und ein Miteinander will der Mensch allemal. Will der Mensch Wirksamkeit? Auf jeden Fall, soweit sie nötig ist. Aber wenn es mal fertig ist, geht es auch ohne Bedeutung und Wirksamkeit. Leuten, die eh nicht viel können, geht’s heute schon so. Wenn die dafür nur verachtet werden, das mögen sie nicht, das ist doch klar. Aber wenn Mensch für sein Sein alleine schon anerkannt wird, dann geht’s doch. Die Achtung vor der bloßen Existenz ist möglich, und macht viel aus.

Die Erkenntnis von den eigenen Ressourcen sollte doch lebbar sein. Kannst du gut schreiben, aber lässt das auf Zetteln stapelweise in den Ecken rumliegen, wird es Zeit das mal zu ordnen und zu veröffentlichen, und wenn nur mit kleiner Auflage. Wer nicht weiß, wie er seine Tage gestalten soll, der kann daran zugrunde gehen. Wer selber meint, dass ohne ökonomische Wirksamkeit kein Sinn vorhanden ist, der hat ein dickes Defizit.

Die Verachtung durch die Menschen im Umfeld kann aber Realität sein, das ist keine eigene Dummheit, das ist eine Kulturkatastrophe für sich. Vielerorts musst du dir anhören, dass du andern auf der Tasche liegst, und Sachen machst, die nichts bringen. Dagegen muss du Resistenz entwickeln, nur so kannst du leben.

Erkenntnis wollen wir haben, dass ist die stärkste Kraft im Menschen. Das machen wir auch, wenn wir die Erkenntnis nicht für das Herstellen von Produkten und das Anbieten von Dienstleistungen brauchen. Heute sind wir zwangsweise in kommerzielle Strukturen eingebunden, die meiste Zeit und auch die meiste Ausbildungszeit. Aber das Bedürfnis nach Erkenntnis ist davon völlig unabhängig. Wenn es die halbe Zeit ohne Kommerz geht bzw. gehen muss, geht das ganz schnell, dass wir uns viel mehr z.B. mit Astronomie und ähnlich nutzloser, aber lustvoller Erkenntnis beschäftigen.

Die Sehnsucht im Kosmos, die Sehnsucht nach Kosmos ist in mir präsent. Werden wir zu den Sternen fliegen? Besser das, als sich um Klüngel zu streiten und sich gegenseitig umzubringen. Wem nützt der Geist dieser Welt, was werden die Götter wohl eher unterstützen? Mitglied in der galaktischen Gemeinschaft werden, falls diese existiert, wäre eine Perspektive. Wann kommt dann das intergalaktische Fernsehprogramm? Bis das mal Realität wird, können wir mit neuen Großteleskopen und Weltraumteleskopen selber fremde, bewohnte Welten entdecken und beobachten. Das ist wirklich interessant. Hier sollte viel mehr investiert werden. Und der Blick in den Kosmos kann am Ende auch ein Blick in die eigene Seele sein.
(Tobias Jeckenburger)