www.introspektiva.de - Die Wirklichkeit psychischer Krankheiten - Subjektivität als Maßgabe und Menschenrecht - ein Buchprojekt vom KLuW e.V.

Wer sind die Götter? (T.J.)


So manche Psychose dreht sich um religiöse Inhalte. Da ist es hilfreich, sich mit Religion bzw. mit der Realität und Nichtrealität von Religionen und ihren Göttern auseinander zu setzen.

Die alten Ideen von den Göttern orientierten sich neben Sonne und Mond oft am Sternenhimmel. Diese Idee ist aus moderner Sicht gar nicht mal so schlecht. Heute weiß man, dass wir ein winziger Planet inmitten eines riesigen Kosmos sind. Wenn überhaupt etwas über uns Menschen hinausreicht, dann ist das in den Weiten des Kosmos zu suchen.

Dass sich die alten Götter um das Leben der Menschen herum streiten, ist eine nachvollziehbare Idee, in Zeiten, in denen außerhalb des Menschenlebens und der Natur auf der Erde nichts wirklich Lebendiges und damit Interessantes bekannt war.

Berücksichtigt man den aktuellen Stand der Astronomie, drängt sich da eine andere Lösung auf. Heute weiß man, dass es höchstwahrscheinlich schon in unserer Galaxie Milliarden von bewohnbaren Planeten gibt, auf denen es wahrscheinlich überall Leben gibt. Wie oft es da komplexes oder gar intelligentes Leben gibt, ist zwar noch ziemlich unsicher, aber man kann vermuten, das auch dieses mindestens millionenfach vorhanden ist.

Wenn es überhaupt was Gottähnliches gibt, dann scheint mir die Idee attraktiv, dass für jeden Planeten, auf dem es interessantes Leben gibt, ein einzelner Gott zuständig ist. Die bewohnten Planeten, die jeweils um ihre eigenen Sterne kreisen, sind dermaßen weit von einander entfernt, dass es da rein gar nichts Übergreifendes zu koordinieren gibt. Die verschiedenen Götter der jeweiligen Planeten hätten praktisch nichts miteinander zu tun. Es macht also Sinn, wenn da jeweils ein eigener Gott zuständig ist.

Zugleich macht es gar keinen Sinn, wenn da für einen Planeten mehr als ein Gott zuständig ist. Das Leben auf der Erde mit seiner mindestens 3,5 Milliarden Jahre alten Evolution sieht gar nicht so aus, als würden sich da verschiedene Götter einen Kampf gegeneinander liefern und sich über den Gang der Dinge hier streiten.

Die Christliche Idee mit seiner eigenen Geschichtsversion von einer Schöpfung vor ca. 8000 Jahren, dem baldigen Weltenende und dem Streit zwischen Gott und dem Teufel um die Menschenseelen, ist, wie man heute klar sehen kann, schlichtweg Unfug.

Gar kein Gott bzw. nichts Geistiges im Kosmos, dass sich um überhaupt irgendetwas kümmert, ist zwar in der Wissenschaft beliebt, aber meiner Erfahrung nach auch Unfug.

Also ich würde sagen, einen Gott, der sich um diese Erde kümmert, und uns Menschen, die nicht nur für ihr eigenes Auskommen kämpfen, sondern sich mit um diese Erde zu kümmern haben, fände ich nachvollziehbar. Das ist schon länger als die spirituelle Auslegung der sogenannten Gaia-Hypothese bekannt, Gaia ist hier die Göttin der Erde.

Reizvoll an dieser Idee ist, dass es vergleichsweise gut nachvollziehbar ist, was diese Hypothetische Gaia macht, und was sie von uns erwartet. Sie kümmert sich um die Evolution, um die Schönheit der Biologie, der Geologie, und um jedes einzelne Lebewesen, dass von ihr mitgetragen wird.

Ich meine, dass die Schönheit der Welt nicht einfach durch eine Zufallsansammlung derartige Ausmaße an Schönheit annehmen konnte, da muss wesentlich mehr dahinter stecken. Und Gaia erwartet logischerweise von uns, dass wir hier mitmachen, und nach bestem Wissen und Gewissen auch an der Schönheit der Welt weiter mitarbeiten. Dass wir unsere Kultur naturverträglich gestalten, und dass wir untereinander menschlich miteinander umgehen.

Die seelenlose Auffassung vom alleinigen Überleben des Stärkeren gehört meiner Ansicht nach genauso ins Reich der Fantasie wie die Idee, dass nur der Mensch eine Seele hat, und dass es nur um diese Seelen geht und der Rest der Welt keine Rolle spielt.

Der Naturwissenschaftliche Rahmen der Erdgeschichte zählt in Jahrmilliarden, und die Größe des Kosmos in Milliarden Lichtjahren. Diese astronomischen Fakten sind komplett überzeugend bewiesen. Wer heute daran zweifelt, ist entweder sehr uninformiert oder
ignoriert einfach die Regeln vernünftiges Denkens.

Ich will hier keine neue Religion propagieren. Hier muss jeder selber gucken, inwieweit er über seinen persönlichen Lebenskampf hinaus was Gutes für das Leben auf der Erde und ihre Schönheit machen kann. Und jeder kann selber gucken, was er konkret auf dieser Welt bewirken möchte, und wie er das selber anstellt.

Aber eine Hoffnung auf göttliche Unterstützung, wenn man echt gute Sachen zu machen versucht, halte ich insgesamt für berechtigt. Auch wenn die Idee von Göttern, auch von Gaia, schwierig ist, weil wir eigentlich nicht intelligent genug sind, um auf diesem Gebiet kompetent zu sein. Über grobe Mutmaßungen kommen wir hier wohl kaum hinaus.
(Tobias Jeckenburger)