www.introspektiva.de - Die Wirklichkeit psychischer Krankheiten - Subjektivität als Maßgabe und Menschenrecht - ein Buchprojekt vom KLuW e.V.

Gefangen im psychiatrischen Filz! (G.T.)


Mach es überhaupt einen Sinn wieder “Gesund“ zu werden. Und wenn ja für wen? Und für wen nicht!
Zuerst möchte ich vorweg nehmen, das die nachfolgenden Behauptungen als Meinungsäußerungen, die auf eigenen Erfahrungen und den Erfahrungen anderer basieren zu werten sind.
Dieser Text ist zum Zwecke der Verdeutlichung einseitig und teilweise zugespitzt.

Was ist der psychiatrische Filz, auch „Psychiatrie-Mafia“ genannt“?
Der psychiatrische Filz ist ein Geflecht aus Kliniken, Heimen, Tagesstätten, Arbeitshäusern (Behindertenwerkstätten), Kontaktstellen, betreutem Wohnen, nicht unabhängigen Selbsthilfe- Gruppen usw..

Was zeichnet den Filz aus?
Diese Einrichtungen schieben sich die Patienten, Klienten usw. gegenseitig zu.
Z. B. Klinik→ Tagesstätte→ Arbeitshaus→ ambulant betreutes Wohnen→ Klinik.
Der Filz ist nicht wirklich am Wohlergehen der Patienten interessiert sondern nur an seinem Selbsterhalt bzw. an seinem Wachstum. Es geht um Geld und nicht um Moral. Im Filz gilt das Prinzip: Eine Hand wäscht die andere.

Welche Institutionen gehören zum Filz?
Z.B. Psychiatrische Kliniken, die drei großen Wohlfahrtskonzerne, Caritas, Diakonie und AWO, deren Beschäftigtenzahl im 7- Stelligen Bereich liegen sollen und viele andere Einrichtungen.

Mit welchem Menschen hat man in diesem Filz zu tun?
Mit Psychiatern, Psychologen, Ergotherapeuten, Sozialpädagogen, Sozialarbeitern, Anleitern, Pflegern, Betreuern usw..

Welche Ziele hat der Filz?
Die Betroffenen sollen abhängig und damit gefügig gemacht werden.
Um die Betroffen möglichst wirtschaftlich verwertbar zu machen, werden z. B. in Arbeitshäusern die Leistungsanforderungen stetig gesteigert, bis zum nächsten Klinikaufenthalt.
Übrigens ist es den Betreuern, Anleitern usw. sehr egal, wenn die Leute dort für ein paar Cent die Stunde so hart arbeiten wie regulär Beschäftigte. Wenn es um ihre eigenen Arbeitsbedingungen geht sind diese Damen und Herren aber sehr empfindlich.
Ein Bekannter putzt für eine der oben genannten Institutionen für einen Hungerlohn. Nur hat er im Gegensatz zu “normalen“ Beschäftigten keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Ist das nicht rührend wie sich die Wohlfahrtsorganisationen um behinderte Menschen kümmern? Ich könnte noch weitere Fälle aufzeigen, aber das soll erst mal reichen.
Im Übrigen ist der Begriff Therapie irreführend, denn Therapie bedeutet ja Heilbehandlung. Wenn im Filz von Therapie die Rede ist, handelt es sich meistens um Umerziehung.

Welche gesundheitlichen Folgen hat der Filz?
Der “Krankheitsrückfall“ gehört mit zum System, denn das bringt Geld und Arbeitsplätze. Der “Rückfall“ wird zumindest billigend in Kauf genommen.
Im Extremfall die totale Hospitalisierung. Endstation Pflegeheim.

Welche wirtschaftlichen Folgen hat der Filz für die Betroffenen?
Manchmal die totale Enteignung bis zum völligen wirtschaftlichen Ruin. Wenn man vermögend ist oder ein hohes Einkommen hat, muss man für das o.G. teilweise auch noch selber bezahlen und das kann sehr teuer sein.
Wenn man einen vermögenden Partner hat (Bedarfsgemeinschaft) soll dieser die Zeche zahlen, was oft zur Trennung und Isolation führt und damit die Abhängigkeit vom Filz erhöht.
Wenn man Probleme hat, das zu verkraften, was ja wohl verständlich ist, wird einfach die Dosis der Drogen, auch Psychopharmaka genannt, erhöht.

Wie funktioniert der Filz?
Mit der altbewährten Methode, Zuckerbrot und Peitsche. Oft sind die Therapeuten, Betreuer anfangs sehr einfühlsam und freundlich aber die Damen und Herren machen das nicht ohne Hintergedanken. Wenn man sich aber mal irgendwann querstellt, wird man oft mit knallharten Drohungen und Nötigungen konfrontiert.
Der Filz ist praktisch wie ein Sumpf in den man langsam einsinkt. Wenn man es merkt ist man schon zur Hälfte weg und kann sich nur schwer befreien.
Man könnte auch sagen, dass der Filz mit sektenähnlichen Methoden arbeitet.
Übrigens habe ich in Internetforen gelesen, dass “behinderte“ Hartz 4- Bezieher unter Sanktionsdruck dazu gezwungen werden in Behindertenwerkstätten (Arbeitshäusern) zu arbeiten. Wenn das stimmt und das auch rechtens ist, dann kann man die ganze romantische Verklärungsscheiße mal beiseite wischen und nüchtern zur Feststellung gelangen, dass Behindertenwerkstätten auch Zwangsarbeiter beschäftigen. Denn das wäre nach den Definitionen der Internationalen Arbeits Organisation (IAO) Zwangsarbeit!

Wie kann man sich wehren?
Manchmal reicht ein klares Nein, das mach ich nicht. Sich nicht erpressen lassen!
Ich wurde zum Beispiel mal von der Klinik zur Tagesklinik geschickt. Dort wurde mir gesagt, dass ich zwar kommen könne aber nur wenn ich mich bereiterkläre danach in eine andere Einrichtung zu gehen. Daraufhin habe ich der Frau Sozialpädagogin freundlich aber bestimmt zu verstehen gegeben, dass sie mich mal gerne haben kann.
So was kann man aber nur, wenn man nicht abhängig von Filz ist, und dabei hilft das Durchschauen der Mechanismen.
In drastischen Fällen würde ich auch Gebrauch von einer Dienstaufsichtsbeschwerde machen. Am besten in zweifacher Ausfertigung. Eine für die Institution und eine für den Kostenträger damit die mal merken, für was für einen Unsinn da Beitrags- oder Steuergelder verschwendet werden.
Diesbezüglich fällt mir da ein Fall ein, wo jemand in einem Arbeitshaus von seinem Anleiter angeschrien und bedroht worden ist, weil er einen kleinen Fehler gemacht hat. Der Betroffene war danach reif für den nächsten Klinikaufenthalt.
Bei einem Bescheid, wo die Bewilligung der Leistung an bestimmte Auflagen gekoppelt ist, z. B. in eine Selbsthilfe- Gruppe oder ins Arbeitshaus zu gehen, würde ich auf jeden Fall einen Fachanwalt für Sozialrecht einschalten und die Rechtmäßigkeit überprüfen lassen, und ggf. Widerspruch einlegen.
Wenn man arm ist hat man Anspruch auf Beratungskosten- und Prozesskostenhilfe.
Allgemein gilt: Wer sich nicht wehrt der Lebt verkehrt. Aber immer schön sachlich bleiben.

Schlechtere Karten hat man, wenn man einen gesetzlichen Betreuer am Arsch hat.
Die haben einen ganzen Blumenstrauß voller Folterinstrumente. z.B. Freiheitsentzug oder Taschengeldentzug, aber auch hier kann man sich wehren. Nur da kenn ich mich nicht so gut aus.
Wichtig ist auch nichts Voreilig zu unterschreiben! Es ist sehr wichtig sich alles was da einem vorgelegt wird genau durchzulesen. Im Zweifel Bedenkzeit einfordern, den z.B. Vertrag mitnehmen und sich ggf. beraten lassen. Übrigens auch eine Vereinbarung ist ein Vertrag. Ich habe z.B. von einem Heim gehört, wo die Bewohner bei Fehlverhalten mit Taschengeldentzug bestraft werden. Das ist Rechtswidrig! Es sei denn es ist vertraglich so geregelt. Problematisch ist es auf jeden Fall wenn man nur die Wahl zwischen Heim und Obdachlosigkeit hat. Allgemein gilt, Vertrag ist Vertrag, es sei den der Vertrag ist sittenwidrig. Verfassungswidrig ist auch ein sanktionsbewehrter Kontraktionszwang d.h. wenn man unter Androhung von Strafe genötigt werden soll einen Vertrag zu unterschreiben. Wann die o.g. Fälle eintreten kann aber nur letztendlich in der Rechtsberatung bei einem Rechtsanwalt und dann ggf. vor Gericht geklärt werden. Angebracht ist auf jeden Fall eine gesunde Portion Misstrauen. Übrigens kann auch eine mündliche Vereinbarung Gültigkeit besitzen.
Super wäre es auch mal einen Streik in einem Arbeitshaus zu organisieren.
Aber davon kann man zur Zeit nur träumen. Von den Gewerkschaften wird man keine Hilfe erwarten dürfen, denn die vertreten die regulär Beschäftigten und gehören somit mit zum Filz. Bei den Sozialverbänden bin ich auch eher skeptisch. Daran kann man auch sehen wie mächtig der Filz ist. Übrigens sind Grundsicherungsbezieher (SGB 12), die in einer Behindertenwerkstatt arbeiten, finanziell noch schlechter gestellt als sogenannte 1- Eurojobber (AGH). Dies könnte eventuell als Diskriminierung gewertet werden.
Richtig toll war es, in einer Rehaklinik an einem kompletten Boykott der Paartherapie mitzuwirken, nachdem der vorherige Paartherapeut sich reichlich danebenbenommen hatte. Da ging den sonst so arroganten Therapeuten auf einmal reichlich die Düse. Es hat in dem Fall zwar eine Retourkutsche für mich gegeben, aber ich kann euch versichern, es hat sich trotzdem gelohnt.
Und liefer Dich nicht völlig den o.g. Personen, Therapeuten, Betreuern aus.
Für Naivität muss man manchmal teuer bezahlen. Ich spreche da aus eigenen Erfahrungen. Gebt den Therapeuten nicht zu viel Macht! Macht wird im Filz oft missbraucht. Das kann auch auf eher subtile Weise geschehen.
Hilfreich können auch unabhängige Selbsthilfe- Gruppen/Organisationen sein.
Dort kann man dann über Missstände reden. Und darüber Reden ist wichtig. Und auch selbstverständlich darüber Schreiben.
Aber diese Gruppen müssen wirklich unabhängig sein. Der Filz versucht über Kooperation solche Gruppen zu assimilieren.
(Gil Thunder)