www.introspektiva.de - Die Wirklichkeit psychischer Krankheiten - Subjektivität als Maßgabe und Menschenrecht - ein Buchprojekt vom KLuW e.V.

Ist die Stigmatisierung etwa auch ein Geschäftsmodell? (G.T.)


Es ist nun mal so, dass Therapie auch einen wirtschaftlichen Aspekt hat. Wenn es weniger Kranke gäbe, würde das die Existenz von so manchen Therapeuten bedrohen. Und wenn sogenannte Kranke sich uneinsichtig zeigen, dann muss manchmal eben etwas nachgeholfen werden, damit diese bedauernswerten Geschöpfe endlich „Hilfe“ in Anspruch nehmen. Ich habe mal bei einer Selbsthilfegruppe den Spruch gelesen: Es ist zwar keine Schande krank zu sein, es ist aber eine Schande, nichts dagegen zu unternehmen. Aha, wer krank sein soll und nichts dagegen macht, ist also ein böser Mensch? Wer von seinem gutem Recht Gebrauch macht, sich keiner Behandlung zu unterziehen, die immer auch mit gewissen Risiken und Nebenwirkungen verbunden ist, verhält sich unmoralisch?

Auf einer Webseite werden Personen, die kontrolliertes Trinken machen, als “tickende Zeitbomben“ denunziert. So so, Menschen die Kontrolliertes Trinken machen, auch in Absprache mit ihrem Arzt, sind alle potentielle Terroristen? Bedauerlicherweise unterstützen die meisten „Selbsthilfegruppen“ diese Ressentiments, weil da auch viele selbsternannte „Experten“ sitzen, die dort wohl ihren Narzissmus ausleben können. Außerdem habe ich auch sehr großen Zweifel an der empirischen Seriösität dieser Seite. Konsequenterweise müssten sich auch Unterstützer dieser Seite selber als „tickende Zeitbomben“ bezeichnen, da die meisten „Alkoholiker“, die sich für ein abstinentes Leben entscheiden, rückfällig werden.

Zwar kann man Selbsthilfegruppen nicht pauschal unterstellen, dass bei ihnen wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund stehen, aber mir ist aufgefallen, dass sie von therapeutischen Einrichtungen manchmal kostenlose Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt bekommen und sie im Gegenzug bestimmte Einrichtungen mit Patienten versorgen.

Nebenbei gesagt sind im Rahmen der Medikalisierung nicht nur viele Krankheiten entdeckt, sondern auch welche erfunden worden. So wurde Homosexualität früher als Krankheit angesehen.

Wenn es aber nicht reicht, den sogenannten Kranken ein schlechtes Gewissen einzureden, muss man zu härtere Maßnahmen greifen. Nach dem Prinzip: Der Zweck heiligt die Mittel. Dann werden auch Angehörige instrumentalisiert, und wenn diese sich querstellen, werden sie selber als co-abhängig pathologisiert und stigmatisiert. Dann werden psychisch- und suchtkranke Menschen als notorische Lügner, asozial und gemeingefährlich gebrandmarkt, und somit massiv unter Druck gesetzt.

Und wenn diese dann unter diesem Druck leiden wird das als Symptom der Krankheit gewertet. Wo kein Leidensdruck vorhanden ist, wird eben künstlich einer erzeugt, denn Leidensdruck bringt Profit. Letztendlich landet man dann z.B. in einer Suchtklinik, wo man sich dann einem Umerziehungsprogramm unterwerfen muss, bei dem mit Methoden gearbeitet wird, die man sicherlich auch als Indoktrinierung und Gehirnwäsche bezeichnen kann. Man wird dort nicht nur von den „Therapeuten“ traktiert, sondern auch noch von einigen indoktrinierten Mitpatienten. Was aber noch nicht mal zielführend funktioniert, den etwa 65% der Patienten werden schon innerhalb des 1. Jahres nach der Therapie rückfällig.

Zudem wird in so einer „Therapie“ großen Wert darauf gelegt, dass die Patienten Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Für alles, was im Leben schlecht gelaufen ist und läuft, soll man selbst verantwortlich sein. Offenbar versuchen die „Therapeuten“ und Andere, sich damit gegen Kritik zu immunisieren. Für das Unheil, dass die „Therapeuten“ auch damit anrichten, werden diese aber nicht zu Rechenschaft gezogen. Und so bleibt alles wie es ist. Es lebe der Krieg gegen die Kranken, es lebe das Feindbild Patient!

Um deutlich zu machen welche Nebenwirkungen die Stigmatisierung haben kann, zeige ich mal ein Lied das ich gefunden habe. Das Lied heißt „Der Denunziant“, und ist von Max Kegel. Denunzieren hat eine ähnliche Bedeutung wie Stigmatisieren und ist, da es negativ konnotiert ist, in unserem Fall noch präziser. Denunzieren bedeutet: 1. aus niedrigen Beweggründen anzeigen, 2. bloßstellen, brandmarken, öffentlich verurteilen.(www.wissen.de/fremdwort/denunzieren)

Übrigens, mit den gleichen Methoden wird auch gegen Hartz4-Bezieher gehetzt, um sie dann in der Arbeitslosen-Industrie verwerten zu können.
(Eine Meinung von Gil Thunder)


Der Denunziant (Zitat von Max Kegel)

Willst wissen du, mein lieber Christ,
wer aller Menschen Auswurf ist?
Die Antwort liegt ja auf der Hand:
Es ist allein der Denunziant.

Gefährlich ist ein toller Hund,
gefährlich ist ein Lügenmund,
gefährlich ist, wer stiftet Brand,
gefährlicher der Denunziant.

Verpestet ist fürwahr die Luft,
wo atmet solch ein Schelm und Schuft.
Verpestet ist ein ganzes Land,
wo schleicht herum der Denunziant.

Durchs ganze Leben Schimpf und Schmach,
geht ihm voran und folgt ihm nach.
Der Menschheit Schandfleck wird genannt,
der niederträcht’ge Denunziant.

Wird er erblickt im Freundeskreis,
macht man ihm bald die Hölle heiß.
Und ruft, ist er einmal erkannt:
Hinaus! Er ist ein Denunziant.

Und wenn er einst im Grabe liegt,
und seine Seel` nach oben fliegt,
Ruft Petrus: Fort, Halunk!
Verbannt von hier ist jeder Denunziant.