www.introspektiva.de - Die Wirklichkeit psychischer Krankheiten - Subjektivität als Maßgabe und Menschenrecht - ein Buchprojekt vom KLuW e.V.

Geistiges Heilen aus meiner Sicht (T.J.)


Ich will hier auf das Konzept von Regina eingehen. Ich sortiere für mich die menschliche Existenz etwas anders. Ich folge hier zunächst der aktuellen Hirnforschung. Demnach finden sich die 3 Bereiche Körper (Wahrnehmung und Motorik), Seele (Gefühlswelt) und Geist (Gedankenwelt) durchaus komplett im zentralen und peripheren Nervensystem bei Menschen und Säugetieren wieder.

Die Wahrnehmung und Motorik sind im Gehirn stark repräsentiert und über das Nervennetz eng mit dem Körper verknüpft, dass man hier fast von einer Einheit sprechen kann, die dem entspricht, was man als körperlich bezeichnen kann.

Die Gefühlswelt ist im Gehirn auch gut zu identifizieren, und nicht nur über die Nervenverbindungen sondern vor allem über die Neurotransmitterchemie stark mit dem ganzen Gehirn und dem ganzen Körper mitsamt dem Immunsystem verbunden. Dies kann man mit gutem Grund als die seelischen Zustände identifizieren, in denen man sich als Mensch befinden kann.

Die Sprache und die Gedankenwelt finden sich auch im Gehirn wieder. Man kann mit Hirnscannern dem Menschen beim Denken zusehen, und teilweise schon erkennen, womit sich jemand in seinen Gedanken gerade beschäftigt. Somit wäre der menschliche Geist, wenn man damit die Gedankenwelten meint, auch im Gehirn repräsentiert.

So denke ich, dass die 3 Bereiche Körper, Seele und Geist zunächst einmal im materiellen Zustand des Menschen gut auffindbar sind. Probleme bereitet der Forschung aber das Bewusstsein. Mit Bewusstsein meine ich hier die Innensicht. Dies ist der Ort aller Qualität, die einem das Leben bieten kann. Die Unerklärlichkeit dieser Innensicht wird als das sogenannte Bindungsproblem bezeichnet. Niemand hat eine Ahnung, wie aus verstreuten Nervenimpulsen diese durchsichtige, wunderbare Welt werden kann, in der unsere subjektive Existenz sich offensichtlich befindet, wenn wir „bei Bewusstsein“ sind.

Aus meiner Sicht ist genau hier jetzt ganz viel Platz für „Übernatürliches“. Das ist natürlich das Natürlichste von der Welt, dass man eben lebt in seiner eigenen Existenz. Das lässt sich aber mit einer mechanischen Vorstellung, wie es in der wissenschaftlichen Methode üblich ist, komplett nicht abbilden.

Wir müssen irgendwie neben unserer materiellen Existenz Teil einer allgemeinen, grundlegenden Geisteswelt sein, um als eigenexistentes Bewusstsein existieren zu können. Diese allgemeine Geisteswelt stelle ich mir als eine Art Supercomputerfunktion des ganzen Kosmos vor, in der wir als lokales Bewusstsein mitexistieren.

Wenn man hier forschen will, muss man die Unregelmäßigkeiten im Leben suchen und ergründen, aber alle wissenschaftliche Forschung filtert mit Methode die Regelmäßigkeiten aus dem Forschungsgegenstand heraus. Alle Unregelmäßigkeit geht dabei durchs Netz, auch wenn das Leben voll davon ist.

Ein Leben in Eigenexistenz jedenfalls ist für mich richtig magisch, wobei ich meine materielle Konstitution mit Körper, Seele und Geist als freiheitsbegrenzenden Faktor meines Seins als Mensch respektieren muss.

Ich finde Verbindung zum Kosmos, wenn ich nachts in die Sterne schaue, ich finde Verbindung zu meinen geliebten Mitmenschen, wenn ich mit ihnen zusammen bin oder noch besser an etwas zusammen mit ihnen arbeite. Ich finde Verbindung zur biologischen und geologischen Natur, wenn ich mit dem Fahrrad rumfahre oder noch besser gärtnerisch z.B. mit meinem geliebten Tabak zu tun habe.

Die Elemente Körper, Seele und Geist findet man im Gehirn und im peripheren Nervensystem aller Säugetiere. Auch Sprachverständnis und damit eine gewisse Form der Denkfähigkeit findet man mehr oder weniger auch bei Tieren. Ein Stück vom kosmischen Bewusstsein in Form einer subjektiven Innenwelt kann ich den Tieren in keinster Weise absprechen. Die Tiere sind wissenschaftlich gesehen zu 95% genauso strukturiert wie wir. Der Unterschied in der Konstitution ist nur quantitativ. Unsere Kultur und Zivilisation macht uns erst zum Top-Predator dieser Welt. Nicht unsere seelische Qualität.

Ein Bewusstsein im Sinne einer Eigenexistenz haben die Tiere genauso wie wir, wenn auch ohne ständige mentale Textbegleitung. Und das betrifft mindestens alle Säugetiere, aber wohl auch Insekten oder Pflanzen, allerdings hier in einer Form, die wir nicht so gut nachvollziehen bzw. mitfühlen können.

Aber gerade im Umgang mit Hunden, Kaninchen oder Hühnern meine ich aus Erfahrung sagen zu können, dass diese Wesen genauso an der allgemeinen kosmischen Innenexistenz teilhaben wie wir. Ich respektiere diese Tiere, wie ich auch andere Menschen respektiere. Aber Fleisch essen tue ich trotzdem, weil ich da Hunger drauf habe. Was soll ich machen, ich bin als Mensch eben auch ein Raubtier.

Eine Vorexistenz oder Nachexistenz meiner „Seele“ kann ich nicht erkennen. Ich gehe davon aus, dass ich mich als Bewusstsein nach meinem Tod wieder im Meer des Geistes auflösen werde, von wo ich auch hergekommen bin. Von daher wäre ich kein Kunde von Geistheilern, die sich um eventuelle frühere Leben kümmern wollen oder um Aufgaben, die über mein derzeitiges Leben hinausgehen.

Trotzdem halte ich Geistig Heilen wie von Regine beschrieben nicht grundsätzlich für Unsinn. Ärzte und Psychologen arbeiten auch viel mit fantastischen Geschichten. Ob jetzt eigentlich chemisch kaum wirksame Medikamente oder Gesprächsrunden mit unklarer Substanz, beides kann trotzdem im Krankheitsfall für eine Heilung entscheidend sein. Krankheiten haben oft mit Blockaden zu tun, die einen Anstoß von außen brauchen, da kann auch eine Fantasie als Heilmittel geeignet sein. Eine richtig passende Fantasie, eine freundlichen Vision oder eine Legende, die Lebensweisheit enthält, gehört zum Inventar eines jedes Heilberufes.

Hilfe im kosmischen Geist zu suchen, lohnt sich meiner Erfahrung nach durchaus, obwohl diese dann in der Praxis doch recht eigensinnig und unzuverlässig kommt, oder eben auch gar nicht. Man müsste wissen, wer die Götter sind, und was die Götter wollen. Ich fürchte, dass wir das nicht verstehen können, weil wir eben nur Menschen sind.
(Tobias Jeckenburger)