www.introspektiva.de - Die Wirklichkeit psychischer Krankheiten - Subjektivität als Maßgabe und Menschenrecht - ein Buchprojekt vom KLuW e.V.

Das sind die ganz einfachen Sachen. (J.W.)

Gedicht über die sogenannte Minussymptomatik

Das sind die ganz einfachen Sachen,
die mir zu schaffen machen:

Es ist das Spazieren gehen im Wald oder Park.
Was mir schwer fällt, was sonst nicht der Fall war.

Das sind die ganz einfachen Sachen,
die mir zu schaffen machen:

Es ist das Folgen einer ganz normalen Konversation, sprich Gespräch.
Was mir schwer fällt, und mich auslaugt und
ohne Kraft und Energie zurücklässt.

Das sind die ganz einfachen Sachen,
die mir zu schaffen machen:

Ja, zum Beispiel: Kann ich nicht immer lesen,
wenn ich, weil ich meine Augen nicht scharf genug einstellen und so die Buchstaben und Zahlen vor meinen Augen zerfließen.

Das sind die ganz einfachen Sachen,
die mir zu schaffen machen:

Kein Wunder: Mein Krankenhausaufenthalt hat mehre Wochen, ja Monate gedauert,
da kommt man schon mal neben die Spur,
empfinde alles als so surreal:
Der Sonnenschein scheint dann nicht echt zu sein, ich erlebe ihn anders als vorher.

Das sind die ganz einfachen Sachen,
die mir zu schaffen machen:


Im Supermarkt beim Einkaufen bin ich unruhig, wie sonst auch, angespannt und nervös, hoffe dass das bald wieder vergeht
und ich bald wieder aufrecht steh.

Das sind die ganz einfachen Sachen,
Die mir zu schaffen machen!

Doch eins: Das weiß ich gewiss:
Es wird schon.
Es wird schon alles wieder gut werden,
genau wie es vor der Krise war,
das weiß ich genau: das habe ich bereits drei mal an der Zahl erfahren,
warum also auch nicht dieses mal.
(Jonas Winter)