www.introspektiva.de - Die Wirklichkeit psychischer Krankheiten - Subjektivität als Maßgabe und Menschenrecht - ein Buchprojekt vom KLuW e.V.

Aggression und Resignation (I.H.)


Beispiel Einladung in der Familie zu einem fünfzigsten Geburtstag.
Er sagt nicht zu, er sagt mal sehn, Lust hab ich keine. (Vielleicht braucht er einen Grund) Mittlerweile ist es zur Gewohnheit geworden, aufkommende Gefühle zu unterdrücken. Vor allem Gefühle wie Wut, Ärger, Ungeduld. Spontane Reaktionen unterdrücke ich, mit dem Ergebnis, mich lustlos, erschöpft und missmutig zu fühlen. In der Einladungssituation konnte ich nicht planen, weil er nicht zu und nicht abgesagt hatte. Dadurch war ich auch nicht gut vorbereitet bzw. eingestimmt auf eine lebhafte Feier, zu der mitmachende Gäste nämlich dazu gehören.
Das Unterdrücken von Wut führt bei mir oft zur Resignation. Die Energie die ich für´s Unterdrücken aufwende, fehlt mir dann für eigene Ideen, für´s Handeln, Planen. Ich weiß wirklich nicht, wie ich mit meiner Wut umgehen kann, außer sie zu unterdrücken. Und: jetzt bitte keine klugen Tipp´s oder therapeutische Finessen, die machen mich mittlerweile auch nur noch wütend.
Klugscheißerei, grenzenloses Verständnis, Rücksichtnehmen, alles bis zur Selbstaufgabe. Wo führt das denn hin? Und wem soll das helfen? Ich bin´s jetzt erstmal leid.
(Ina Herweg)