www.introspektiva.de - Die Wirklichkeit psychischer Krankheiten - Subjektivität als Maßgabe und Menschenrecht - ein Buchprojekt vom KLuW e.V.

Eine kleine Reise durch eine verwirrte Zeit (G.E.)


Der Tod meines Vater brachte mich dazu, mein Leben noch einmal aufs Neue in die Hand zu nehmen und meinen Malermeister zu machen. Ich war 24 Jahre alt. Als ich nach einer Schule suchte, stieß ich auf die Fachschule für Farbe und Gestaltung in Stuttgart. Dort konnte man nicht nur seinen Meister machen, sondern mit einem weiteren Jahr auch einen Techniker für Gestaltung. Also ging ich nach Stuttgart und suchte mir dort ein Zimmer in einer WG. Meine alte Wohnung in Dortmund versuchte ich unterzuvermieten, um sie halten und nach meiner Rückkehr aus Stuttgart wieder dort einzuziehen zu können. Mein Onkel Karl-Heinz zog ein, zahlte zwei Mieten und bezahlte dann keine Miete mehr. Als Hauptmieter musste ich aber pünktlich die Miete an den Spar- und Bauverein zahlen und musste die Miete und die Ausbildung in Stuttgart finanzieren. Ich bekam nur Schülerbafög und so musste mir meine Mutter oft finanziell aushelfen, damit ich alles bezahlen konnte. Ich versuchte Gespräche mit meinem Onkel zu führen, die aber nichts brachten, bis ich eines Tages das Schloss von einem Schlüsseldienst austauschen ließ und mir einen Anwalt nahm. Mein Onkel, der selbst Schlosser war, wechselte das Schloss wieder aus und kam wieder in die Wohnung. Wir konnten aber nicht warten, bis wir ihn raus geklagt hatten. Bis dahin wären wir Pleite gewesen, und ich hätte meine Ausbildung nicht weiter finanzieren können. So wechselten wir noch einige Male das Schloss aus, bis wir uns dazu entschlossen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Wohnung leer zu räumen und die Wohnungstür mitzunehmen. Dann kann keiner mehr ein Schloss auswechseln. Wir bekamen dann Post von der Staatsanwaltschaft, die uns dazu aufforderte, die Wohnung wieder bewohnbar zu machen. Also organisierten wir uns Sperrmüll von Freunden, stellten diesen in die Wohnung und hängten die Tür wieder ein. Aber kurz darauf kam auch die Räumungsklage des Gerichtes. Unser Anwalt erkannte die Lage und hatte versucht alles schnellstmöglich durchzukriegen, so dass ich die Wohnung endlich wieder abgeben konnte und mich auf meine Ausbildung konzentrieren konnte. Es war eine sehr schöne Zeit in Stuttgart mit einer tollen Klassengemeinschaft. Oft gingen wir zum Feiern in den "Eimer" oder zu den "Stuttgarter Vasen". Ich schloss meine Ausbildung recht erfolgreich ab und war nun Malermeister und staatlich geprüfter Gestalter mit der Fachrichtung Farbtechnik und Raumgestaltung und mit dem Schwerpunkt Architekturgestaltung.

Zurück nach Dortmund

Ich zog zurück nach Dortmund in den Ortsteil Neuasseln, doch ich fühlte mich sehr einsam in der Wohnung. Ich nahm eine Stelle bei der Firma Die Malermeister an, doch dort hatte ich kein Glück. Mein Vorgesetzter sah in mir einen Konkurrenten und machte mir das Leben schwer, was dazu führte, dass ich Fehler bei der Arbeit machte und letztlich die Kündigung bekam. Nun hatte ich von der freien Wirtschaft erst einmal die Schnauze voll und bewarb mich als Ausbilder für ein Berufsvorbereitungsjahr bei den Dortmunder Diensten. Die Jugendlichen waren nicht einfach, sie galten als nicht "ausbildungsfähig", aber mit Hilfe der Sozialarbeiter war meine Arbeit dann doch recht erfolgreich. Doch es kamen neue Sozialarbeiter von denen mir die nötige Unterstützung fehlte, also mischte ich mich mehr in den Bereich ABM-Maßnahmen ein und begann teilweise damit, die ABM-Maßnahmen zu betreuen, doch ich merkte, die Dortmunder Dienste sind nicht meine Zukunft.

Umzug in die WG, Gründung der "Die Maler Elfen"

Da ich mich in meiner Neuasselner Wohnung sehr einsam fühlte, nahm ich das Angebot von Freunden an, mit in ihre WG in der Chemnitzerstraße 10 zu ziehen. Sie räumten extra ein Zimmer für mich. Wir haben viele Partys gefeiert und oft die Nacht zum Tag gemacht. Gelegentlich rauchten wir auch mal eine. Es war eine gute Zeit, doch irgendwann kam es zu Streitigkeiten. Einige zogen aus, andere zogen ein. Zum Schluss war nur ich noch übrig von der alten Garde. Ich fing an, mich selbständig zu machen und gründete die Firma "Die Maler Elfen". Ich bekam eine Teilzeittätigkeit bei der AWO in Gevelsberg. Ich führte den fachtheoretischen Unterricht für nicht ausbildungsfähige Jugendliche im Berufsvorbereitungsjahr. Später führte ich noch Kunstunterricht für Spätaussiedler durch, doch das war sehr schwer. Erfolgreicher war ich später im Jugendassessment, wo ich als Beobachter tätig war. Es ging darum, darauf zu schauen, welche Fähigkeiten junge Schulabgänger mit Schwierigkeiten besitzen, um geeignete Maßnahmen oder Ausbildungsplätze zu finden. Eine Arbeit, die ich sehr gern gemacht habe. Ansonsten war die Firma "Die Maler Elfen" nicht sonderlich erfolgreich. Ich bekam keine Kunden, und wenn, dann welche, die nicht recht zahlen wollten. Also gab ich die Firma wieder auf, bevor ich in Schulden geriet. Ich beschloss die freie Zeit zu nutzen und bewarb mich für ein Ehrenamt bei der Telefonseelsorge und wurde auch genommen. Und so begann ich die Ausbildung für einen Dienst am Telefon!

3 mal Sabine, Rockergruppe Pandas und Gewahrsam, der Beginn der Psychose und die Klinik!

Durch einen Freund aus der WG kam ich in den Kontakt zu einer Nebentätigkeit von einem Mitglied der Rockergruppe Pandas. Dort lernte ich Fritzi kennen, der an vielen Türen in Dortmund arbeitete. So kam ich oft umsonst in Diskos rein und brauchte für Getränke nicht immer zahlen. Dann lernte ich in der Disco SIXX-PM Sabine Eins kennen. Sie nahm mich gleich am ersten Abend mit nach Hause und wir hatten eine schöne Nacht. Ich verliebte mich schwer, doch es war schwierig, sie zu treffen. An den Wochenenden arbeitete sie auf einem Reisezug nach Italien. So konnten wir uns nur in der Woche treffen, doch sie hatte nicht soviel Zeit für mich. Meistens kam sie in der Nacht. Wenn ich wusste, dass sie in der Nacht kommen würde, zündete ich viele Kerzen im Zimmer für sie an, damit sie nicht im Dunklen ist und in einen warm beleuchteten Raum kommt. Leider wollte ich irgendwann mehr und wollte auch sie mal Zuhause besuchen. Doch das gefiel ihr gar nicht, und sie beendete die Beziehung. Ein mal bin ich mit dem Auto betrunken zu ihr gefahren und die Polizei hielt mich an und so verlor ich meinen Führerschein, nun wurde es noch schwerer Arbeit zu finden. Durch Fritzi und die Pandas fing ich auch stärker an zu Kiffen. Es gab viele Partys, Alkohol und Drogen. Ich lernte Sabine Zwei kennen, doch auch aus dieser Beziehung wurde nichts. Irgendwann lernte ich Sabine Drei kennen. Sie studierte Medizin, doch irgendwie war es schwierig mit Sex für sie. Wenn es dann doch mal dazu kam, brauchte man drei verschiedene Verhütungsmittel: Kondome, Schaum und was weiß ich nicht. Problem war nur, dass sich die Verhütungsmittel untereinander nicht vertrugen. Naja, aber irgendwie mochte ich sie! Irgendwann ging sie für einige Wochen nach Nepal, um dort in einem Krankenhaus zu arbeiten. Ich gab ihr ganz viele Luftballons für die Kinder dort mit. Kurz vor ihrer Rückreise kam es zu Unruhen, und sie konnte nicht zurück fliegen. Bei mir stellten sich dadurch die ersten psychotischen Effekte ein, wie in einem Wahn versuchte ich sie per Internet und Telefon zu erreichen, doch es war nicht möglich. Ich schrieb ihr im Wahn hunderte Emails, als sie das mitbekam, machte sie Schluss. Sie besuchte mich noch einmal nach ihrer Rückkehr und das war es dann!

Mein erstes Kunstprojekt kam ins Leben. Ich schrieb in den Paternoster des Stadthauses ein Gedicht. In jede Kabine kam eine Zeile, 16 Kabinen gab es. Die Aktion kam sehr gut bei der Presse an, und ich bekam sehr gute Kritiken. In der Zeit lernte ich auch Franz Keller kennen, ein Künstler, der schon viele Ausstellungen hatte. Durch ihn bekam ich die Möglichkeit, im Cafe Max auszustellen und in einer Kantine in einer Hörder Disko. In meiner Psychose schrieb ich an das Arbeitsamt, dass ich nun Arbeit hätte, denn Kunst ist ja schließlich auch Arbeit. Das Arbeitsamt verstand das nicht richtig, und so gingen noch einige Briefe hin und her, und ich bekam eine Sperre und versuchte nun, vom Sozialamt Geld zu bekommen. Die wollten mich in eine Maßnahme stecken, ASS Arbeit statt Sozialhilfe, aber ich hatte doch Arbeit als Künstler! Die Telefonseelsorge bemerkte auch allmählich meine Psychose, und sie warfen mich etwas unsanft heraus. Den genauen Grund kann ich nicht mehr benennen.

Vor Wut über die enttäuschten Liebschaften und den Verlust des Führerscheins und dem Stress mit Arbeitsamt und Sozialamt zerschlug ich an einem Abend mein Zimmer. Irgendwer rief die Polizei, und so kam ich das erste Mal in Polizeigewahrsam und musste für eine Nacht in der Zelle bleiben. Bevor man in die Zelle kommt, muss man alle Gegenstände in den Taschen ablegen, die Schuhe ausziehen und den Gürtel abnehmen. Als ich am Morgen aufwachte, schaute ich mir die eingeritzten Texte und Bilder an der Wand an. Mir fiel ein, dass ich noch meinen Ohrring habe. Damit ritzte ich auch etwas in die Wand, leider weiß ich heute nicht mehr was. Am nächsten Tag kam meine Mutter und räumte mit meinem Mitbewohner Dieter, der erst vor Kurzem eingezogen war, mein Zimmer auf.

Durch die Pandas bekam ich Arbeit im Nachtleben. So arbeitete ich für das Q10 als Parkplatzwächter, eine sehr harte Arbeit. Die Gäste waren oft sehr aggressiv und rücksichtslos mit ihren Autos. Dann arbeitete ich als Gläsersammler im Cafe Humburg, ein Technoladen, und ich machte Security bei einem Festival. Ich kam immer tiefer in die Pandasszene hinein. In der WG zog ein junges Mädel ein. Irgendwie kam sie nicht damit zurecht, dass ich abends gerne laut Musik hörte. Es kam zu kleineren Streitigkeiten. Als ich eines Abends wieder laut Musik hörte, stand plötzlich wieder die Polizei in meinem Zimmer, und ich kam wieder ins Gewahrsam. Als ich am nächsten Morgen entlassen wurde, feierte ich meine Freiheit. In der "Sause", einer Disco von den Pandas lernte ich einen Typen kennen, der mir 2 mal Amphetamine gab und durch Franz Keller bekam ich Einladungen von den Freimaurern in Dortmund. Und ich ging regelmäßig zu den Treffen. In der WG kam es zu immer heftigeren Streitigkeiten. Zweimal kam ich in die Psychiatrie wegen einer Mischintoxikation, doch ich blieb immer nur für ein Nacht. Ich hatte Panik und konnte nicht schnell genug wieder draußen sein. Die Streitigkeiten in der WG wurden immer schlimmer. Einmal standen meine Mutter und meine Tante in der Tür mit dem Rettungsdienst. Sie wollten mich in die Klinik bringen, doch ich weigerte mich. Nach einiger Zeit beschloss ich auszuziehen. Fritzi besorgte mir eine Wohnung in Holzwickede in einem Haus, wo nur Leute wohnten, die mit den Pandas zu tun hatten. Und er wohnte direkt gegenüber mit seiner Frau. Ich war oft auf Partys im Clubhaus. Dort probierte ich auch Kokain, doch ich merkte nichts von der Wirkung. Fast täglich kiffte ich allein oder mit Fritzi. Mein Tag begann oft schon mit dem Kiffen!

Fritzi gab mir ein Handy. Es lief auf dem Namen seiner Frau. Meine Psychose verschlimmerte sich. Ich fühlte mich vom Geheimdienst verfolgt und beobachtet. Ich dachte, das Telefon wird abgehört und unser Hausmeister, der eine Kamera an der Haustür hatte, observiert mich und kontrolliert meine Post. Ich sah geheime Botschaften auf Plakatwänden, im Fernsehen und im Radio. Gelegentlich hatte ich schwere Depressionen und lag wie gelähmt im Bett und nahm einen Krebsgeruch an mir wahr. Ich kannte ja diesen Geruch noch von meinem Vater. Manchmal dachte ich, dass durch den 11.09.2001 das Geld abgeschafft wird und der Kapitalismus am Ende ist. Ich dachte, ich bräuchte nur noch mein restliches Geld ausgeben und bekomme die Sachen, die ich brauchte dann auf anderen Wegen. Doch ich konnte nicht heraus finden, wie es funktioniert. Der Kontakt zu den Pandas verschlechterte sich und von meinen Freunden kam keiner mehr. Die Einzigen, die mich besuchten, waren die Zeugen Jehovas. Sie kamen, um mit mir in der Bibel zu lesen und mit mir darüber zu diskutieren. Sie holten mich gelegentlich auch ab zu Gottesdiensten in ihrem Königssaal usw.! Durch die Einsamkeit, die ich erlebte, rief ich abends 0190 Rufnummern an und unterhielt mich mit den Damen am anderen Ende. Dadurch kam es zu einer Rechnung von über 800 Euro, was Fritzi gar nicht lustig fand. Er nahm mir das Handy wieder ab.

Meine Mutter bemerkte meinen Drogenkonsum. Sie kam einmal die Woche zu mir, um bei mir aufzuräumen, zu helfen. Sie zahlte mittlerweile auch meine Miete, da ich kaum noch Geld vom Sozialamt bekam. Irgendwie schaffte sie es, mich dazu zu bewegen in der Psychiatrie in Dortmund Aplerbeck auf eine Suchtstation zu gehen. Eine Ärztin fragte mich, ob ich Stimmen höre. Ich sagte, natürlich würde ich Stimmen hören, ihre hörte ich ja auch! Ich hielt es nur eine Woche aus. Ich kam mit der Art und Weise nicht zurecht, wie Urinproben entnommen wurden. Immer unter Beobachtung. Irgendwann weigerte ich mich, mir in dieser Form Urinproben entnehmen zu lassen und so flog ich raus nach ca. 1 Woche.

In der Stadt lernte ich einen Stadtstreicher kennen. Er kam mit nach Holzwickede und zeigte mir wie man an Lebensmittel dran kommt. Er ging mit mir zu verschiedenen Geschäften, wie den Bäcker, und fragte nach übrig Gebliebenem. Er blieb über Nacht. Am nächsten Morgen stand Fritzi mit einem Nachbarn vor meiner Tür. Den Stadtstreicher schmissen sie aus der Wohnung. Kurze Zeit später stand ein Betreuer und ein Richter vor meiner Tür. Man wollte sehen, wie es mir geht. Meine Mutter und meine Tante hatten das Gericht beauftragt, einen Betreuer für mich zu bestellen, doch durch den Stress mit den Pandas und meiner wachsenden Angst ging ich irgendwann freiwillig in die Klinik. Ich hatte große Angst und suchte Schutz. Ich nahm meine wichtigsten Sachen mit, weil ich Angst hatte, die Pandas könnten in der Zwischenzeit meine Wohnung räumen. Das Wichtigste was ich mitnahm, war eine seltene Live EP Schallplatte von den Tindersticks, meiner Lieblingsband. Vorne auf dem Cover war eine Katze zu sehen. Zuerst kam ich auf eine Station für Alkoholabhängige, doch dort war ich nur für 2 -3 Tage. Dann kam ich auf eine Station für Psychose und Sucht. Hier fühlte ich mich endlich sicher, und ich kam zur Ruhe. Ich bekam Medikamente. Ich wusste anfangs nicht wofür, aber ich nahm sie in aller Regel.

Abends hörten wir im Aufenthaltsraum immer Musik. Einmal legte ich ein Stück von Schiller auf, und ein Patient fing an, dazu zu tanzen. Beim Duschen oder Baden konnte man auch Musik hören. Auf der Station war noch ein älterer Herr mit langen grauen Haaren, er trug immer seltsame Umhänge. Ich dachte, er sei ein Lehrmeister, also unterhielt ich mich öfters mit ihm, und wenn er keinen Tabak hatte, gab ich ihm etwas von meinem. Manchmal schenkte er mir etwas, wie z.B. so eine ägyptische Figur und so. Einmal die Woche kam meine Mutter und brachte mir Tabak und so mit, und der eingesetzte Betreuer kam zu mir und erledigte für mich die Behördenangelegenheiten, damit ich wieder Geld bekam. In der Klinik hatte ich einen großen Druck etwas zu schreiben, also bekam ich eine Ergotherapie, wo ich an einem Computer Aufgaben zu lösen hatte und mir Visitenkarten machen konnte. Das Problem war nur, dass ich nicht mehr zurück nach Holzwickede konnte und eine neue Wohnung noch nicht in Sicht war. So konnte ich keine Anschrift auf den Visitenkarten drucken. Dann war ich noch bei der Kunsttherapie, die von einer älteren Dame geleitete wurde. Das hat mir etwas Freude bereitet. Einmal die Woche mussten wir eine Urinprobe abgeben, aber ohne dabei beobachtet zu werden. Einmal war meine Probe aus irgendeinen Grund positiv, und ich wusste nicht warum. Mir viel ein, dass ich bei einem Ausgang bei meiner Mutter einen Mohnkuchen gegessen hatte, und ich hatte gehört, dass auch dadurch ein Test positiv sein könnte. Dies erzählte ich dem Arzt, der zur Kontrolle eine neue Urinprobe unter Beobachtung anordnete. Das erinnerte mich an die Suchtstation, wo ich für eine Woche wegen des Kiffens war und bat um meine Entlassung. Da ich aber noch keine Wohnung hatte, rief ich unter Tränen meine Mutter an und bat sie darum, mich bei ihr aufzunehmen, bis ich eine neue Wohnung habe. Sie war einverstanden, und auch der Arzt war mit einer Entlassung einverstanden. So ging ich erst einmal zu meiner Mutter und schlief im Wohnzimmer auf der Couch.

Vorsichtige Wege in ein neues Leben!

Ich musste mir eine neue Wohnung suchen und schaute mir gemeinsam mit meiner Mutter und ihrem Partner Manni einige Wohnungen an. Meinen Behördenkram hatte mein Betreuer erledigt, und so bekam ich auch wieder Geld vom Sozialamt. Irgendwann fand ich eine Wohnung, die mir einigermaßen gefiel. Zwei Zimmer, Küche, Bad, einen Flur gab es nicht. Die Zimmer gingen ineinander über, aber ok, dachte ich, erst einmal wieder eine Wohnung. Ich nahm sie und renovierte sie ein wenig. Dann zog ich ein. Nun wohnte ich in Dortmund-Aplerbeck. Einmal die Woche kam meine Mutter vorbei, um mir im Haushalt zu helfen. Meine Tage bestanden daraus, im Bett zu liegen und Fernsehen zu schauen. Das Einzige, was ich machte, ich ging jeden Morgen zum Rewe einkaufen, holte mir Brötchen für das Frühstück und die Bildzeitung mit dem Tageshoroskop. Jeden Donnerstag holte mich Klaus mit dem Auto ab. Ihn hatte ich in der Klinik kennengelernt. Und wir gingen ins Kino und tranken danach noch ein Bier in einer irischen Kneipe. Doch irgendwann brach ich den Kontakt zu Klaus ab. Es gefiel mir nicht, dass er jedes Mal so viel Bier trank, und mich dann angetrunken nach Hause brachte. Ich wollte das nicht mehr! So blieb es beim Fernsehschauen. Zum Musikhören hatte ich keine Energie mehr. Ich fühlte eine innere Leere und hatte zu nichts mehr Lust. Malen konnte ich auch nicht mehr. Mir blieb nur der Fernseher. Ich hatte Schlafstörungen und Depressionen, doch meine Ärztin wollte mir dafür keine Medikamente verschreiben! Besuchen kam mich niemand, außer meiner Mutter. Meine Freunde waren alle weg. Der Einzige, der mich besuchen kam, war jemand von der GEZ, aber das erledigte mein Betreuer. Aber es war eine nette Abwechslung. Mein Betreuer kam nur ein-zweimal vorbei. Ich versuchte, meinen Behördenkram wieder alleine zu regeln und rief ihn nur an, wenn ich Hilfe brauchte!

Irgendwann entdeckte meine Mutter eine Anzeige in der Zeitung von der Neugründung einer Gruppe für Einsame. Das gab mir etwas Mut. Und ich ging hin. Es entstand eine kleine Runde von fünf bis sechs Personen, die sich regelmäßig trafen. Ich ging zu jedem Treffen. Manchmal trafen wir uns auch so, um ein Bier trinken zu gehen. Auch Silvester feierten wir Mal zusammen oder wir gingen zum Lichterfest in den Westfalenpark. Ich fing auch an, wieder einmal in die Disco zu gehen, alleine, aber das brachte mir nichts. Manchmal besuchte ich auch mal wieder ein Konzert oder ging in die Kneipe von nebenan, dem "Meister Fass", um ein Bier zu trinken oder um dort etwas zu essen, es gab einen guten Koch dort und vor Weihnachten machte er schon mal Hirsch. Meine Mutter kam auf die Idee, mir eine Katze zu besorgen, und so kam Baby zu mir. Ich nannte ihn Baby, weil er so klein war, als er kam. Nun war ich nicht mehr alleine! Er kletterte auf sämtlichen Schränken und Türen herum, aber er war etwas ängstlich! Meine Mutter machte mir den Vorschlag, doch einmal in die Männerrunde der evangelischen Kirche zu gehen. Sie wurde von Herrn Biedermeier geleitet, der Pfarrer, der meinen Vater beerdigte. Also ging ich dort mal hin. Es war eine Runde von alten Männern, bis auf einen waren alle bereits Rentner, doch man nahm mich ganz freundlich auf. Man traf sich alle zwei Wochen zu Gesprächen und alle zwei Wochen zum Kegeln. Einmal machten wir auch einen zweitägigen Ausflug mit Übernachtung. Meine Mutter finanzierte mir die Reise. Es war ganz schön.

Ich ging aber noch auf die Suche nach einer Gruppe für psychisch Kranke, aber ich entdeckte nur eine Gruppe für Seelische Gesundheit. Aber ich ging dort hin. Aber irgendwie war es seltsam dort, jeder konnte von sich erzählen, was ihn bedrückt und beschäftigt. Doch die anderen durften nichts dazu sagen. Das fand ich komisch. Ich wollte doch in einen Dialog kommen. Also ging ich dort nicht mehr hin, dann war ich noch in einer Gruppe für Depressionen, doch das war alles noch nicht das richtige für mich! Irgendwann fand ich einen Aushang bei der KISS (Kontakt und Informationsstelle für Selbsthilfe). Es gab in der Nordstadt eine Psychosegruppe, also ging ich dort hin und lernte das KLuW kennen. Ich wurde warm begrüßt und ging nun alle zwei Wochen zum Psychosegesprächskreis. Geleitet wurde die Gruppe von Heidi, der Gründerin des Vereins! Die Gruppe für Einsame, in der ich vorher war, löste sich wieder auf, irgendwie entstand kein richtiges Zusammengehörigkeitsgefühl. Aber nun hatte ich ja das KLuW. Irgendwann bekam Heidi mit, dass ich Malermeister und Gestalter bin und früher auch gerne gemalt habe, so schlug sie vor, eine Malgruppe zu gründen. Na, zum Malen hatte ich nun keine Lust mehr. Mir fehlten die Ideen und Inspirationen, doch man bat mich darum, den anderen doch etwas von der Farbenlehre beizubringen. Dazu hatte ich Lust. So ist doch die Farbenlehre einer meiner Lieblingsthemen, und so gab ich vor dem eigentlichen Malen immer eine theoretische Einführung und zeigte den anderen den 12-teiligen Farbkreis, wie man Farben aus den Grundfarben mischen kann und brachte ihnen etwas über Farbharmonien und Farbkontrasten und die psychologischen Wirkung von Farben bei. Das eigentliche Malen gefiel mir aber nicht und ich schmierte nur irgendwas auf meinen Papier!

Durch meine Aktivitäten im KLuW beschloss ich, die Männerrunde der Kirche aufzugeben. Die waren alle schon so alt und irgendwie passte ich dort nicht richtig rein. Also verabschiedete ich mich dort. Dann entdeckte ich noch eine Gruppe für Menschen mit psychischen Störungen. Ich ging zwei-,dreimal hin, aber auch das war nicht das Richtige. Also konzentrierte ich mich auf das KLuW. Ich versuchte wieder, eine leichte Tätigkeit zu finden und fand eine Stelle bei einem Betonteile-Hersteller als Steinschneider. Meine Aufgabe war es, KIinkersteine passend für Betonteile zu schneiden. Doch es war keine angenehme Arbeit. Man musste draußen arbeiten bei jedem Wetter, und der Herbst kam, und es wurde kälter, und die Steine wurden mit Wasserkühlung geschnitten, so dass man trotz einer Gummischürze nass wurde. Aber für mich war diese Arbeit einfach nicht gut bis ich irgendwann nicht mehr hingegangen bin und die Kündigung bekam. Als Ausrede erzählte ich meinem Chef, dass meine Partnerin gestorben sei. Er kam persönlich bei mir an der Wohnung vorbei, um mir die Kündigung zu überreichen!

Mein Betreuer bemerkte, dass ich wieder ganz gut allein zurecht komme und hob die Betreuung wieder auf! Was an Schwierigkeiten blieb, waren meine Depressionen und meine Schlafstörungen. Doch meine Ärztin wollte mir dafür nichts verschreiben, also suchte ich mir einen neuen Arzt und fand schnell einen. Meine Mutter hatte sich auch einen Psychiater gesucht für ihre Schlafstörungen und so ging ich dann auch dort hin zu Dr. Glanz. Er verschrieb mir etwas gegen die Depressionen und gegen die Schlafstörungen und mein Zustand besserte sich und meine Aktivitäten im KLuW vermehrten sich. So nahm ich an einer philosophischen Runde teil und wirkte beim Kindermalen mit. Auch wenn wir nur ein Kind hatten, manchmal auch 3 und vier Erwachsene, die mit den Kindern malten. Dann wollte ich meinen Führerschein zurück, aber den konnte ich nur wieder bekommen, wenn ich eine MPU mache, es gab einige Auflagen die ich erfüllen musste um den Führerschein wieder zu bekommen und die MPU zu bestehen. Aber gleich beim ersten mal kam ich durch und bekam meinen Führerschein wieder, das war eine große Freude!

Eines Tages fuhr ich mit meiner Mutter zur Documenta nach Kassel. Meine Mutter kam mit, weil ich nicht alleine fahren wollte. Während wir so durch die Ausstellung gingen, fragte mich meine Mutter, ob ich nicht noch irgendeinen beruflichen Wunsch habe, und ich sagte spontan zu ihr, ich würde gern Kunsttherapeut werden. Also machte ich mich in der Nähe meines Wohnortes auf die Suche und fand die Werkstatt für Kunst und Therapie in Münster und meldete mich für ein Auswahlwochenende an! Das Wochenende war im Herbst 2007. Drei Tage lang ich war sehr nervös und hatte die Wegbeschreibung nicht richtig gelesen. Die Werkstatt war auf dem Lande in Schöppingen und ich fand den Weg nicht, so dass ich den ersten Tag versäumte. Am nächsten Tag konnte ich dann nach dem genauen Studieren der Wegbeschreibung den Weg finden und wurde warm empfangen. Wir machten einige Übungen, mit denen aus dem dritten Ausbildungsjahr und mussten einen Fragebogen ausfüllen, auf dem es eine Frage gab, ob wir in psychiatrischer psychotherapeutischer Behandlung sind. Ich überlegte eine Weile und mir war klar, wenn ich nun Ja ankreuze, dann werden Fragen entstehen und dann klappt es mit der Ausbildung vielleicht nicht, aber es war mein Traum diese Ausbildung zu machen und kreuzte dann "Nein" an! Am letzten Abend mussten wir spontan auf die Bühne gehen und etwas vortragen. Mir fiel nur folgender Text ein, den ich mal geschrieben hatte: „Wenn nichts nichts ist, dann ist nichts nicht nichts, sondern dann ist nichts nichts!“ Am nächsten Tag mussten wir noch zu einen Vorstellungsgespräch, und dann wurde entschieden, ob wir genommen wurden.

Und ich wurde angenommen. Noch am selben Tag mussten wir die Verträge unterschreiben, und ich konnte keine Rücksprache mehr mit meiner Mutter halten die das Ganze ja finanzieren musste, aber ich wollte diese Ausbildung machen, und so begann eine wundersame Ausbildung voller Liebe und Nähe, Tränen, Schmerzen und Aufgefangen werden, eine großartige Erfahrung. Und das Beste, was ich bisher in meinem Leben erlebt hatte, soviel Liebe die ich geben und empfangen konnte! Erst hier fing ich wieder an, selbst zu malen und mich künstlerisch zu betätigen.

Kurz nach Beginn der Ausbildung zog meine Mutter um, und ich konnte ihre alte Wohnung übernehmen, die ich einmal liebevoll für sie gestaltet hatte. Und so kam ich nach 20 Jahren in meine alte Heimat zurück und habe nun endlich einen Ort gefunden, wo ich mich wohlfühle und wo ich gerne alt werden möchte! Die Ausbildung zum Kunsttherapeuten kam gut voran! Dass ich mal eine Psychose hatte, verriet ich meiner Ausbilderin erst nach drei Monaten und der Gruppe erst nach dem Abschluss des ersten Jahres. Ich wollte, dass man mich erst einmal normal kennenlernt, aber meine Offenbarung war für keinen ein Problem! Wir arbeiteten zu Themen wie Integration und Ausdruck meiner ungelebten Gefühle oder Selbstliebe, Loslassen, Vertrauen, lustvoll Leben, Angst oder "Wie erfülle ich meine Bedürfnisse" und Sexualität usw.. Es war eine große Liebesschule, wo ich da hineingeraten bin, und es war großartig und ich war mit dieser Ausbildung auch für die kommenden drei Jahre gut ausgefüllt! Im zweiten Ausbildungsjahr ging ich für sechs Wochen zur Kur nach Bad Zwesten. Es war eine gute Zeit dort, die Kurklinik entließ mich als nicht arbeitsfähig!

Kurz vor Ende der Ausbildung entwickelte ich die Idee, nochmal eine Stelle bei der AWO in Dortmund anzunehmen, als Ausbilder des Berufsvorbereitungsjahres. Meine Mutter freute sich sehr, dass ich endlich wieder arbeiten wollte, doch die Konflikte mit den Jugendlichen waren mir zu heftig und ich brach die Arbeit nach drei Wochen wieder ab. Und mein Arzt und das Arbeitsamt entschieden sich dazu, mich in Rente zu schicken. Nun war ich von dem Druck des Arbeitsamtes erst mal geschützt!

Mittwochs ging ich gern in die „Hirsch-Q“, eine gute Punkerkneipe, die mit dem Slogan „Asozial aus Tradition“ Werbung machte, weil es dort Bier für einen Euro gab. Dort kam ich in Kontakt mit einer Initiative, die sich für ein unabhängiges Zentrum (Unser Zentrum) einsetzte. Wir trafen uns regelmäßig und bereiteten eine Hausbesetzung vor. Im Sommer 2010 kam es dann zur Besetzung, doch wir wurden schon nach drei bis 5 Stunden wieder geräumt und von der Polizei fotografiert mit einem Schild unter dem Kopf, auf dem eine Nummer stand. Das geplante Programm versuchten wir dann auf einer Autonomen Wiese weiterzuführen, die dem Mauerblümchen e.V. gehörte. Danach gab es noch einige Aktionen in der Stadt! Dadurch, dass das Museum am Ostwall in den U-Turm am Dortmunder Hauptbahnhof umzog stand das alte Museum leer und so gab es Verhandlungen, das alte Museum für ein Wochenende zu nutzen.

Dies gelang auch, und so konnten wir dort Kunst ausstellen und eine Party feiern, ein großer Spaß! Leider ließ die Motivation der Meisten nach dieser Aktion nach und nur Wenige trafen sich noch bis das Ganze ganz einschlief. Durch das UZ kam ich in einen engeren Kulturkreis und konnte dadurch z.B. an der Kunstaktion "Unbehaust-100 Zelte Kunst" zum Thema Armut teilnehmen, dies war eine Kunstaktion des Theaters in Dortmund, die 100 Zelte an Künstler und Vereine verteilte, einige Zelte bekamen die Leute vom UZ und eins davon bekam ich. Mein Zelt gestaltete ich so, dass ich auf dem Zelt ganz viele Vornamen schrieb und mögliche Gründe für Ausgrenzung, das Zelt stellte ich dann in einen Stacheldrahtkäfig. Nach der dreitägigen Aktion, fragte ich bei der Stadt nach, ob man das Zelt, das ich mit Stacheldraht gestaltet hatte, für ein bis zwei Monate noch an anderer Stelle aufbauen kann. Und so kam ich in den Kontakt zu der Referentin für Kunst im öffentlichen Raum und diese suchte nun nach einer Ausstellungsmöglichkeit, es fand sich aber keine Möglichkeit!

In der gleichen Zeit begann auch meine EX-IN-Ausbildung zum Genesungsbegleiter, die es mir ermöglichte, ein Praktikum in der Psychiatrie in Bochum zu machen, für mich war es ein Traum in einer Klinik tätig werden zu können, doch der LWL war damals noch nicht so weit um Leute einzustellen und so fing ich erst mal in einem Wohnheim von Bethel an zu arbeiten und leitete dort eine Malgruppe und gab Einzelstunden: Ich war später in 3 Wohnheimen tätig, bekam aber immer nur einen Honorarvertrag, ein Mal machte ich auch eine Radiosendung mit den Bewohnern, wo wir über das Leben dort berichtet haben und warum man in einem Wohnheim lebt und gingen für 1 Stunde im Bürgerfunk auf Do 91,2 auf Sendung! Später fing ich noch eine Tätigkeit beim Zentrum für soziale Dienstleistungen an. Im ABW dort war ich für ein Frühstücksangebot zuständig und machte Hausbesuche und bot eine Beratung an, aber auch hier bekam ich nur einen Honorarvertrag!

Etwas später ging es in Dortmund auch los mit einer Beratung von Psychiatrie- Erfahrenen für Psychiatrie-Erfahrene, wo ich eine Beratung in der Klinik in Lütgendortmund anbot. Diese Beratung ist durch die KMPE entstanden, der Koordinierungsgruppe Mitbestimmung Psychiatrie-Erfahrener, dort treffen sich leitende Persönlichkeiten mit Psychiatrie-Erfahren um zu überlegen, was man in Dortmund bewirken oder verändern könnte und dort ist auch die Beratung entstanden! Heute biete ich immer noch ein mal im Monat eine Beratung beim Gesundheitsamt in Dortmund an. Dann fing der LWL endlich an Leute anzustellen und ich bewarb mich für Herten und wurde auch genommen, die Arbeit im Wohnheim und beim ZSD gab ich auf. Ich fing mit 19,5 Stunden an und erhöhte nach einem Jahr auf 26 Stunden. Hier bekam ich nach eineinhalb Jahren auch endlich einen Festvertrag, darauf hatte ich nun seit meiner Krise 14 Jahre gewartet!

Mittlerweile gibt es dort viele Aufgaben für mich, dazu gehört es natürlich mit den Patienten in Kontakt zu sein und Gespräche zu führen, ich biete aber auch ein Busfahrtraining an für Leute, die Angst haben mit dem Bus zu fahren oder unsicher sind. Ich begleite bei besonderen Terminen oder zum Einkaufen, oder in die Stadt zu gehen, aber ich bin auch bei der Psychoedukation dabei und leite eine Nachsorgegruppe für Patienten, die bereits entlassen worden sind und noch für 10 Termine in diese Gruppe kommen können! Aber es gibt auch eine Wortfabrik, die ich mit einer anderen Genesungsbegleiterin leite und wo wir versuchen, die Leute zu einem kreativen Schreiben anzuregen. Ich bin aber auch in einer Gruppe für Angehörige dabei, in der ich von mir und meinen Erfahrungen berichte. Es gibt ein Schulprojekt, in dem ich Schulklassen besuche, um dort meine Geschichte zu erzählen, wie es zur Krise kam und wie ich doch wieder einen Weg heraus aus der Krise habe finden können! Seid einiger Zeit kommt es auch immer wieder mal dazu, dass ich einen Vortrag halten muss wie z.B. bei einer Pflegefachtagung oder bei einem Internationalen Psychiatriekongress in Bern, wo ich dann meine Geschichte erzähle. Es wird nun auch bald eine Malgruppe geben.

In der Kunst bewegt sich auch einiges und ich schaffe es immer wieder an Ausstellungen teilzunehmen, wie dem Marler Kunststern oder in der LWL Klinik in Dortmund, oder mache eine Kunstaktion wie z.B. einer Aktion wo ich einen Raum gebaut habe, der mit Stacheldraht durchzogen ist, da mich immer wieder die Grenzen beschäftigen von denen wir umgeben sind oder auch jene Grenzen, die wir selbst setzen! Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich so schaffe und habe heute das Gefühl, dass es mir besser geht als vor der Krise und denke manchmal auch, dass ich diese Krise vielleicht auch brauchte, um noch mal anders auf dieses Leben zuzugehen und andere und neue Wege gehen zu können. Was noch fehlt ist eine Partnerschaft, aber sonst bin ich doch sehr zufrieden.
(Guido Elfers)