www.introspektiva.de - Die Wirklichkeit psychischer Krankheiten - Subjektivität als Maßgabe und Menschenrecht - ein Buchprojekt vom KLuW e.V.

Ungünstige Denkstrategien: Eingebungen zu ernst nehmen (T.J.)


Es taucht immer wieder die schwierige Frage auf, was „Eingebungen“ sein können. Eine höhere Wirklichkeit oder auch geisterhafte Wesen senden Botschaften an Menschen in dieser Welt. Entscheidend ist hier, dass Informationen weder auf Fakten, noch auf Logik und auch nicht auf nachvollziehbare Intuition begründet sind.

In der Psychose kann das eine richtige Stimme sein, die man hört, aber auch eine Art innere Stimme, die wie ein eigener Gedanke daherkommt. Diese Stimmen können sich auch als Telepathie selbst erklären, dass man meint, sie kämen von anderen Menschen. Es gibt auch z.B. Marienerscheinungen, in der man von der Mutter Gottes Aufträge für sein Leben bekommt. Es kann auch ein weissagender Traum sein, der Fakten nahelegt, die nicht begründet sind. Auch Verfahren wie Tarotkartenlegen und Auspendeln produzierten Fakten, die in der selben Art problematisch sein können. In schamanistischen Praktiken versetzt man sich mit oder ohne Drogen in Trance und kann dann auch unbegründete Fakten produzieren.

Wenn man solche verschiedenen „Eingebungen“ zu ernst nimmt, kann man sich in Schwierigkeiten bringen. Die Herkunft ist weniger ausschlaggebend als der Inhalt. Wenn sich ein Herr Adolf Hitler berufen fühlt, ein 1000-jähriges Reich zu erschaffen und dann auch noch die Mittel hat, einen ernsthaften Versuch der Umsetzung zu starten, haben wir im Ergebnis 50 Millionen Tote. Wenn einem Psychotiker die Jungfrau Maria sagt, dass Gott ihn liebt, und dass er sich keine Sorgen um sein Seelenheil machen braucht, ist das nett, und vor allem in der Praxis unproblematisch.

Insbesondere wichtig ist, dass einem Verrücktem etwas einfallen kann, was dann andere, die nicht krank sind, übernehmen und in die Tat umsetzen. Der entscheidende Fehler ist hier, dass Unbegründetes ernst genommen wird. Das Problem ist genau das selbe, wenn nicht Verrückte, sondern Betrüger ihren Unfug in die Welt setzen.

Es empfehlen sich hier gute Strategien, mit solchen „Eingebungen“, also mit im Wesentlichen unbegründeten Aussagen, umzugehen. Eine gute Einschätzung der Wahrscheinlichkeit hilft dabei am meisten. Sollte sich die gegen null bewegen, ist man gut beraten, die Sache zu vergessen. Ist die Wahrscheinlichkeit größer null, aber immer noch klein, kann man sich die Sache vielleicht als theoretische Möglichkeit merken, aber ansonsten davon ausgehen, dass man es wahrscheinlich mit Unfug zu tun hat.

Ist die Wahrscheinlichkeit am unteren Rand des durchaus Möglichen, sollte man sich auf den Fall vorbereiten, dass das Unwahrscheinliche eintritt, aber erst einmal nicht auf die Eingebung reagieren. Ist es dagegen wirklich gut möglich, dass die Eingebung den Tatsachen entspricht, sollte man auf beides vorbereitet sein. Ist die Eingebung wahrscheinlich richtig, sollte man danach handeln, aber immer noch einen Plan B bereithalten für den Fall, das es doch nicht stimmt.

Wenn man Schwierigkeiten hat, die Wahrscheinlichkeiten einzuschätzen, kann es helfen, sich mit der Sache kundig zu machen, je nachdem wie wichtig oder interessant der Sachverhalt ist. Es kann sehr viel besser und vor allem nachhaltiger sein, sich kundig zu machen, als ständig mit dem gleichen Unsinn herum zu eiern.

Es ist wirklich wichtig, als Psychotiker mit den eigenen Eingebungen so umzugehen wie mit anderen unbegründeten Aussagen auch. Überhaupt ist es wichtig, sich nicht von Verrückten oder Betrügern Unfug weismachen zu lassen.
(Tobias Jeckenburger)