www.introspektiva.de - Die Wirklichkeit psychischer Krankheiten - Subjektivität als Maßgabe und Menschenrecht - ein Buchprojekt vom KLuW e.V.

Ein gescheitertes Interview (M.G.)


Das Thema ist Alltagsbegleitung und Lebensbegleitung von Menschen in psychischen Krisen. Hierzu hatte ich Fragen an meinen Psychiater zusammengestellt, in der Hoffnung, dass er sie mir beantworten möge. Leider war die Antwort, dass er mir diese Fragen nicht beantworten kann.

Diese Fragen sind Fragen, die wir Psychatrie-Erfahrene uns stellen. Gerichtet an die Ärzte/innen, die Pfleger/ innen, die Therapeuten/ innen, und auch an unsere Angehörige und an ebenso Betroffene:

I. Über die Ängste der Menschen vor und in der Krise

a. Kennen sie die Phantasien, die sich die Menschen von einem Aufenthalt und der Behandlung in der LWL-Klinik Aplerbeck machen?

b. Ist es für Sie Alltag, dass Patienten Angst haben, dem behandelnden Arzt offen und ehrlich zu begegnen?

c. Kennen Sie es aus ihrer langjährigen Berufspraxis, dass Patienten Angst vor einer psychiatrischen Behandlung und den für Sie nicht abschätzbaren Folgen haben, vor allem beim Erstkontakt mit dem Psychiater/-in?

II. Über die Menschen in und nach der Krise

a. Ist die Begegnung mit dem Patienten/-in immer nur ein Erlebnis im Hier und Jetzt? Ist das Verhalten und Erleben psychisch erkrankter Menschen während der akuten Krankheitsphase für die Ärzteschaft und Pflegekräfte nachvollziehbar, und begreifbar?

b. Gehört es zur Weiterbehandlung nach einem Klinikaufenthalt, mit dem Patienten/-in über das was er/sie dort erlebt hat, zu sprechen?

c. Gehört es zum Behandlungskonzept eines Psychiaters/-in, nach einem Klinikaufenthalt mit dem Psychiatrie-Erfahrenen, eine Lebensplanung zu entwickeln, die das Ziel hat, auch ohne ständigen Kontakt zum Arzt/-in als Begleiter, ein selbstbestimmtes Leben zu führen?
Die lebenslange Einnahme von Medikamenten kann zum Alltag eines psychisch erkrankten Menschen gehören. Das bedeutet, der Patient/-in muss regelmäßig den Kontakt zu einer Klinikambulanz oder einer psychiatrischen Praxis als Teil seiner normalen Lebensführung akzeptieren.

d. Muss der Patient/-in eine gewollte Abhängigkeit durch die Schulmedizin befürchten?

III. Psychische Krisen. Krankheit oder Entwicklungsprozesse der Menschen

Wir sind Menschen. Auf Grund einer Erkrankung begeben sich Patienten und Ärzte in bestimmte Rollen und begegnen sich.

a. Ist es ein Zeichen von Gesundung, wenn der Patient/-in dies erkennt?

b. Ist es ein Ziel der psychiatrischen Behandlung, dass der Patient/-in (wieder) zu sich selber findet?
- Mensch wird.
- Identität entwickelt
- Die gesellschaftliche Realität, in der er/sie leben will/muss realisiert.

(Michael Günther)