www.introspektiva.de - Die Wirklichkeit psychischer Krankheiten - Subjektivität als Maßgabe und Menschenrecht - ein Buchprojekt vom KLuW e.V.

Meine Kommentare auf scilogs.spektrum.de 2021/10 (T.J.)


Kommentar vom 31.10.2021 17:19
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rueckzug-oder-kreuzzug-die-krise-des-christentums-und-die-gefahr-des-fundamentalismus/

@hwied 31.10. 11:00

„Das Christentum hat sich mit der Wissenschaft arrangiert. Deshalb sind die Christen für die Moslems die Ungläubigen.“

Wissenschaft ist ein Projekt, mit dem jeder vernünftige Mensch auf der Welt gut was anfangen kann. Verfügbares Wissen einzusetzen ist nebenbei die Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg, und Bildung für alle gehört untrennbar dazu. Unsere wirtschaftlich-technische Dominanz allerdings benutzen wir im Westen vor allem eher für uns selbst.

Was niemand davon abhalten muss, diesen Weg auch zu gehen. China ist hier sehr erfolgreich dabei, auch wenn Ideen wie Menschenrechte offenbar anders interpretiert werden. Bildungsverweigerung ist jedenfalls kein chinesisches Problem.

Diejenigen Muslime, die quasi einen Rückzug ins Mittelalter suchen, kann man da eigentlich nur bedauern. Da kann wohl nichts Vernünftiges draus werden. Weltliches Leben ohne Weltoffenheit passt einfach nicht zusammen.

Das Christentum ist unsere Herkunft, aber eben in der Überwindung desselben. Politisch durchgesetzte Religionsfreiheit ist letztlich auch die Grundlage von einer freien Wissenschaft, und ohne dem sind alternative Weltauffassungen nicht möglich. Solange ein spezieller Glaube Pflicht ist, ist praktisch keine Entwicklung möglich. Es ging in Europa zunächst um die Akzeptanz eines Nebeneinander von verschiedenen Varianten des Christentums, was dann aber die revolutionäre Nebenwirkung hatte, dass auch offener Unglaube möglich wurde.

Die Wissenschaft kann nicht arbeiten, wenn es Denkverbote gibt, egal von welcher religiösen Seite her. Ich denke, das hat nichts speziell mit dem Christentum zu tun. Ein Buddhist oder ein Schintoist kann auch aus seiner Herkunft heraus Wissenschaft betreiben, und am wissenschaftlichen Weltbild mitarbeiten. Vorausgesetzt, dass er nicht beim Priester um Erlaubnis fragen muss.

Ich denke schon, dass wir weltweit dabei sind, ein allgemeines Weltbild zu erarbeiten, dass eben nicht auf die christliche Herkunft beschränkt sein muss. Die Methoden, mit denen man gesicherte Erkenntnisse erarbeitet sind universal. Man kann durchaus auch religiöse oder spirituellen Traditionen oder auch ganz aktuelle Erfahrungen ins eigene Weltbild einbeziehen, aber es dürfte klar sein, dass man dies vernünftigerweise nicht im Gegensatz zu wirklich gesicherten Erkenntnissen praktizieren sollte.

Der Glaube kollidiert eben nicht komplett mit der Wissenschaft, sondern muss sich nur in Teilen daran anpassen. So gibt es dann durchaus ziemlich interessante Varianten, auch mit Wissenschaft umzugehen. Dass z.B. Japaner Robotern eher ein Eigenleben zugestehen, weil sie grundsätzlich allem ein Eigenleben zuschreiben, das finde ich sehr sympathisch.

Es gibt natürlich wissenschaftlich orientierte Menschen, die meinen, dass es grundsätzlich nichts Spirituelles gibt. Aber das ist nur eine Variante der philosophisch möglichen Auffassungen, und das muss einen spirituell orientierten Menschen nicht unbedingt stören.



Kommentar vom 30.10.2021 11:52
https://scilogs.spektrum.de/hirn-und-weg/split-brain-unsere-zwei-gehirne/

@Holzherr 26.10. 23:45

„Beherbergt ein gespaltenes Gehirn ein gespaltenes Bewusstsein oder ist das Bewusstsein vereint? Der derzeitige Konsens ist, dass die Evidenz nicht ausreicht, um diese Frage zu beantworten,…“

Interessante Frage. Eventuell liegen die Grundstrukturen des Bewusstseins schon im Stammhirn. Oder die Grundstrukturen sind zusätzlich nicht ganz von dieser Welt und Bewusstsein ist sowieso im wesentlichen ein Geisteswesen.



Kommentar vom 29.10.2021 16:11
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/das-jiddische-der-zionismus-der-antisemitismus-die-alpine-these/

@Paul S 25.10. 15:05

„Was übersetzt heißt, der Mensch nimmt die Identität an, die ihn gerade am besten dafür bezahlt.“

Wobei Bezahlung nicht nur in Geld zu messen wäre. Insbesondere Jenseitsversprechen sind hier ganz besonders billig. Weil man die nicht einlösen muss vor allem.

„Im Wesentlichen ist Geschichtsschreibung der fortlaufende Versuch, die Propaganda von Gestern an die Propaganda von Heute anzupassen.“

So kam mir auch unserer Geschichtsunterricht vor. Die ganze Geschichte war Schritt für Schritt im Gange, bis wir endlich unsere heutige Demokratie, Freiheit und Wohlstand erlangt haben, als Prozess, der nun endlich am Ergebnis angekommen ist.

„Doch gerade weil unsere Identitäten so instabil sind, fordern sie einen gigantischen Kraftaufwand, um sie zu erhalten.“

Die eigenpsychologische Logik ist offenbar sehr mächtig, und führt dann eben doch nicht dazu, einfach ein Gewinnmaximum zu suchen. Der Mensch ist einerseits kompliziert, aber eben auch wiederum einfach. Wenn er sich selbst als Geisteswesen gerecht wird, lebt er erst so richtig auf. Das ist eigentlich einfach, aber eben nicht einfach zu finden – vor allem in unserer aktuellen unzensierten Kultur, wo sich jeder ausbreiten darf, und nichts vorgeschrieben ist.

„Menschen werden gekauft, nicht überzeugt. Sie tun das, was ihnen nützt, und sehen die Welt, wie es ihnen nützt.“

Wie gesagt, Nutzen kann auch rein psychologisch sein. Und Wahrhaftigkeit gehört eigentlich zu den Grundzügen der menschlichen Psyche. Ideologien, die nur vorgeben zu nutzen, sind deshalb darauf angewiesen, die Macht einer praktikablem Zensur zu haben. Wenn ein Konzept entsprechend löchrig ist, funktioniert es auf die Dauer nur, wenn jeder massakriert wird, der die Löcher findet. Nur dann ist es leicht, etwas zu verkaufen, das vorne und hinten nicht passt.

Nebenbei ist der Mensch natürlich auf der Suche nach einer Kultur und einer Gesellschaft, die funktioniert. Im Sinne von einem gewissem Wohlstand auch, aber auch im Sinne einer gewissen persönlichen Freiheit und der Möglichkeit, eigene Wahrhaftigkeit pflegen zu dürfen.

Das ist wichtig. Der Mensch mag es nicht, wenn er veräppelt wird, vor allem nicht, wenn er es merkt. Eine Wirtschaftspolitik, die am Ende die Lebensgrundlagen auf diesem Planeten beschädigt, die will man kritisieren und nach Kräften ändern wollen. In diesem Sinne sehen die Menschen die Welt tatsächlich so, wie sie ihnen nützt. Nutzen ist aber eben doch nicht so rein egoistisch. So asozial wie manche sind ziemlich viele nicht.

„Der Nutzen schafft die Identität, und die Sprache ist dabei nur ein Mittel zum Zweck.“

Eine Verständigung auf das, was man wirklich braucht, und auf das, was wirklich die Welt zusammen hält, die ist doch das beste, was wir machen können.



@Holzherr 27.10. 10:45

„Der Wirkungsgrad der Brennstoffzelle im Auto liegt bei etwa 60 Prozent und nicht bei 80% wie sie schreiben.“

Ok, ich hatte mal was von 80% gehört.

Dann würde eine Brennstoffzelle im Keller genug Abwärme erzeugen, die für die Heizung verwendet werden kann. Ideal erscheint mir dann eine Kombination von Brennstoffzelle und Wärmepumpe. Ist es mäßig kalt und weht genug Wind, dann reicht die Wärmepumpe, ist es sehr kalt, läuft die Brennstoffzelle zusätzlich zur Wärmepumpe, und wenn kein Wind weht und es dunkel ist, dann läuft die Brennstoffzelle als Backup für das Stromnetz, und kann nebenbei noch Wärme abgeben, die meistens zusätzlich für Heizung und Warmwasser genutzt werden kann.

Aber das ist wohl noch Zukunftsmusik. Wenn die Redoxflowbatterien energetisch und preislich günstiger sind, werden die dem Wasserstoff Konkurrenz machen. Auch bei den PKW dachte man vor einigen Jahren noch, dass das Wasserstoffauto die Technik der Wahl wäre, inzwischen sind die Lithiumakkus so gut und günstig, dass es jetzt überwiegend da lang geht.



Kommentar vom 27.10.2021 00:35
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/die-welt-als-komplexes-system/

@Holzherr

Es gibt auch noch die Möglichkeit Wasserstoff per Brennstoffzelle zurück in Strom zu verwandeln. Da ist der Wirkungsgrad eher bei 80%. Das wird ja schon bei Fahrzeugen testweise eingesetzt.

Wenn wir mal viele Wärmepumpenheizungen haben und in den Städten auch unsere Batterieelektrischen Fahrzeuge aufladen wollen, könnte an kalten dunklen Wintertagen nicht nur die Stromerzeugung Probleme bekommen, sondern auch das lokale Stromnetz an seine Grenzen kommen.

Wenn das lokale Gasleitungsnetz irgendwann auf Wasserstoff aus Überschüssen umgestellt wird, wäre es vielleicht eine Option , dass so mancher in der Stadt in Strommangelsituationen mit eigener Brennstoffzelle im Keller Strom produziert. Und so mit der Abwärme noch seine Heizung unterstützt. Dieser Strom kann nicht nur die eigene Wärmepumpe versorgen, sondern auch an die Kunden in der Umgebung weitergegeben werden, um dort die Wärmepumpen mit Strom versorgen. Ansonsten müssten die Wärmepumpennutzer noch eine alternative Heizung bereithalten. Gerade wenn es am kältesten ist, sinkt auch noch der Wirkungsgrad der Wärmepumpe.

So weit müssen wir aber erst mal kommen. Noch kann die vorhandene fossile Versorgung alle Dunkelflauten ausgleichen, weil sie noch darauf ausgelegt ist, die gesamte Versorgung zu bestreiten. Wenn jetzt Elektromobilität, Grüner Wasserstoff in der Industrie und elektrische Wärmepumpen als Heizung zunehmend dazu kommen, steigt der Gesamtstrombedarf entsprechend an, und wir müssen dann gucken, dass wir dann noch genug Backup haben.

Solange wir keine kostengünstigen Redoxflowbatterien haben, sollten wir wohl möglichst keine derzeitigen Kraftwerke abreißen, sondern alles was noch gut läuft als Backup bereithalten. Auch Kohlekraftwerke. Solange sowieso noch reichlich fossile Anteile im Energiemix sind, machen die keine Probleme, wenn sie nur einigen Wochen im Jahr laufen. Insbesondere angesichts der Preisentwicklung beim Erdgas macht das wohl doch Sinn. Das gilt im Prinzip auch noch für die letzten deutschen Atomkraftwerke.

Ich denke mal, ein Zubau von regenerativer Leistung ist das nächste, was jetzt zu tun ist. Neben dem Netzausbau inclusive Stromzähler, die den aktuellen Strompreis im Netz an den Verbraucher weitergeben können.



Kommentar vom 27.10.2021 00:32
https://scilogs.spektrum.de/positive-psychologie-und-motivation/der-sprung-zum-niegewesenen-03-was-uns-ernst-bloch-und-die-positive-psychologie-ueber-ein-glueckliches-leben-sagen/

@Golzower 23.10. 11:20

„Was wollen sie denn entdecken ? Die entscheidende Welt ist in ihnen selbst.“

Das meine ich doch gerade. Wenn wir uns neu erfinden, wie wir uns sehen, und wie wir an unser Leben heran gehen, dann fangen wir sogar an, die Welt selbst zu verändern. Und entdecken genauso neue Welten da draußen, mit neuen Menschen und neuen Aufgaben, die wir vorher übersehen haben.



Kommentar vom 26.10.2021 18:10
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/die-welt-als-komplexes-system/

@Holzherr 25.10. 09:05

„Wie kommen sie dazu, dass 5 bis 10% Überkapazität genügt? Aus dem Bauch heraus?“

Weil wir letztlich auch mit einer erfolgreichen Energiewende eine Weltmarkt haben werden. Es kommt so auf die weltweiten Schwankungen im Angebot wie auch in der Nachfrage an. Dazu kommt, dass das Primärenergieangebot in Form von Solarpaneelen und Windrädern sowieso zu 5% jedes Jahr erneuert werden muss. Wenn sich hier ein weltweiter Mangel abzeichnet, wird man etwas mehr dazubauen, und einige alte Anlagen noch ein paar Jahre länger laufen lässt, bevor man sie abbaut.

Und wenn wir weltweit Überschüsse haben, kann man dann zunächst die übermäßig hergestellten synthetischen Energieträger lagern, und später verwenden. Und eben weniger neue Anlagen in Betrieb nehmen bzw. Altanlagen früher abbauen.

Unsere derzeitige fossile Versorgung muss ja auch Erzeugung und Nachfrage miteinander in Beziehung setzen, so viel anders wird es nach der Energiewende auch nicht funktionieren.



Kommentar vom 26.10.2021 17:27
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/uni-duisburg-essen-studie-belegt-untersterblichkeit-trotz-corona/

@Solidarversicherung und Herdenimmunität

Das Wesen der Krankenversicherung ist ja gerade, dass nicht jeder für seine persönlichen Risiken zahlen muss. Dass wir hier zwei Systemen haben, ist ja schon eine Zumutung. Eine wirkliche Solidargemeinschaft ist das nicht, wenn Arbeitnehmer ihre eigenen Kassen haben. Auch ist sowohl der Mindestbeitrag wie der Höchstbeitrag ziemlich unsozial. Eigentlich sollten alle einen festen Prozentsatz vom Einkommen in dieselbe Kasse zahlen, oder so wie in England der Staat das Gesundheitswesen komplett aus Steuern finanzieren.

Wenn jeder gemäß der eigenen Risiken einzahlt, insbesondere bei Selbstverschulden, dann könnte man eigentlich auch ohne Versicherung besser wegkommen. Einfach was zurücklegen: Die Kassen geben für die letzten zwei Lebensjahre 80% ihrer Geldes aus. Wenn man gar nicht versichert ist, dann hat man auch die Kosten besser in der Hand. Das kann sehr viel Geld sparen. Überflüssige Maßnahmen soll es wohl reichlich geben, und insbesondere gegen Lebensende wird hier nochmal alles probiert, was irgendwie möglich ist.

Und wovor viele sowieso schon so viel Angst vor haben, dass sie Patientenverfügungen machen, um zu vermeiden, dass sie am Lebensende auch noch monatelang auf der Intensivstation vegetieren müssen. Der Tod ist eigentlich schon hart genug, dann auch noch gequält zu werden, das wollen viele nicht. Und das ist nebenbei auch noch richtig teuer.

Was die mangelnde Impfbereitschaft angeht, da wäre eine wirkliche Impfpflicht für die Herdenimmunität gar nicht nötig. Erstmal die Impfstoffe schon mal für Kinder zulassen, dann noch früher eine dritte Impfung anbieten, und dann mit Impfteams durch die Häuser ziehen wie die Zeitschriftenwerber. Einfach anklingeln, und wenn einer noch eine Impfung vertragen kann, mit der Spritze in der Hand vor die Alternative stellen: Entweder 200 Euro Spätimpfprämie als Anreiz anbieten, oder bei Verweigerung einmalig 200 Euro Pandemiepauschale verlangen.

Damit sollten die Verweigerer dann auch genug gezahlt haben, und nicht weiter behelligt werden. Aber man könnte so vor allem diejenigen erreichen, die ihre Impfungen bisher nur verklüngelt haben oder einfach nur gleichgültig sind. Es ist ja nun so, dass zumindest Jüngere Menschen für sich selber keine Impfung brauchen, und sich nur im Interesse der Gemeinschaft bzw. im Interesse von sonst überlasteten Intensivstationen impfen lassen.



Kommentar vom 25.10.2021 01:02
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/die-welt-als-komplexes-system/

@Holzherr 24.10. 21:25

„Deshalb muss ein allein auf Sonne, Wind uns Speicher basierendes System eine Sicherheitsreserve besitzen und mindestens etwa 1.5 Mal mehr Strom erzeugen als im Durchschnitt eines Jahres gebraucht wird.“

Im Prinzip ja, aber es gelten hier wohl eher europaweite Schwankungen von Jahr zu Jahr zu berücksichtigen. Allein schon die existierenden grenzüberschreitenden Stromtrassen sind geeignet, etwa die Überschüsse, die in einem Land im Laufe eines Jahres angesammelt wurden, langsam zu einem anderem Land fließen zu lassen, wo sich ein schwaches Ertragsjahr abzeichnet. Zumal wenn wir ja sowieso auch noch mehr Fernstromleitungen bauen.

So weit wir aus Überschüssen, die nicht anders verwertet werden können, Wasserstoff herstellen und daraus weitere Energieträger herstellen kann man diese nicht nur länger als ein Jahr lagern, sondern auch durchaus durch ganz Europa transportieren und sogar darüber hinaus, um dann zusätzlich auch die langfristigen überregionalen Variationen ausgleichen zu können. Hier könnte sogar Methan oder Methanol aus der Atacamawüste genutzt werden, das per Schiff transportiert überall auf der Welt eingesetzt wird, um längerfristige lokale Engpässe auszugleichen.

Auf der anderen Seite haben wir zusätzlich zu den langfristigen Angebotsschwankungen nationale wie europaweite Bedarfsschwankungen, insbesondere was den winterlichen Heizbedarf betrifft, oder wie ganz aktuell wirtschaftliche Nebeneffekte z.B. von Pandemien.

Ich schätze mal, dass hier insgesamt 5 bis 10% Überkapazität in jedem Fall reichen wird, eher sogar weniger.

Was die Versorgungssicherheit angeht, da mach ich mir eher Sorgen, dass zuwenig Backupleistung zur Verfügung steht, wenn Dunkelflaute ist und gleichzeitig europaweit große Kälte herrscht. Insbesondere wenn zukünftig zuviele elektrische Wärmepumpen unsere Häuser heizen, die nicht noch mit einer alternativen Holz- oder Gasheizung für eben diese Situation ergänzt sind.

Wenn dann auch noch Weihnachtsreiseverkehr ist, und die meisten Autos Batterieelektrisch fahren, kommt das auch noch dazu.



Kommentar vom 24.10.2021 15:05
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/die-welt-als-komplexes-system/

@Elektroniker 24.10. 12:48

„Man geht einfach davon aus, dass Wind sozusagen fast unendlich zur Verfügung steht. Dies bezweifle ich jedenfalls.„

Ich schätze mal, dass das Potential in Deutschland mit dem 5-fachen der derzeit installierten Leistung schon ganz gut ausgeschöpft wäre. Und das könnte dann auch reichen. Damit wären wir etwa bei 200% des derzeitigen Stromverbrauchs, das würde bedeuten, das wir noch mal etwa 100% an Photovoltaik bräuchten. Wenn wir dann alles elektrifizieren wollen, also auch Verkehr, Heizung, Industrie und synthetische Kraftstoffe, kämen wir dann am Ende auf 300% das aktuellen Strombedarfs, schätze ich mal.

Ob so viele Windränder dann das Wetter beeinflussen, das habe ich mich auch schon gefragt. Wenn die Windräder bis über 200 m Höhe den Windstrom bremsen, müsste das wohl schon jetzt bei den Wettervorhersagesimulationen berücksichtigt werden.

Ob das nur die Tiefdruckgebiete mal hierhin und mal dahin ein wenig verschiebt, oder sogar das Klima beeinflusst, dass z.B. in Russland weniger feuchte Atlantikluft ankommt, das wäre wohl eine Frage, die noch zu klären ist. Insbesondere wenn wir noch 4 mal mehr Windräder dazu bauen wollen.

Rein optisch gesehen, da finde ich Photovoltaikpaneele eigentlich nicht hässlich. Da finde ich Stromleitungen eher unschön. Windräder bewegen sich, und sind damit immer ein Hingucker. Wenn man in Küstennähe von Windrädern umzingelt ist, ist das schon bestimmend für das Landschaftsbild. Aber hässlich finde ich die nicht. Wenn die so modern und windschnittig aussehen wie Flugzeugpropeller vor allem. Aber das ist wohl auch Geschmackssache.

Auch sind wohl wenige große Windräder weniger auffällig als viele kleine. Auch weil sich die großen Windräder langsamer drehen. Das sind auch Landmarken, an denen man sich orientieren kann, so wie derzeit an den großen Halden und den Kühltürmen der Kraftwerke hier im Ruhrgebiet. Wenn man in einer technisierten Welt groß geworden ist, stören Windräder vielleicht weniger. Da ist man schon zufrieden, wenn die Luft sauberer wird.

Wenn Fusionskraftwerke mal möglich wären, aber doch deutlich teuer wären als Sonne und Wind, dann wäre für mich jedenfalls das Landschaftsbild kein Argument für deutlich höhere Energiekosten. Wenn es nicht teurer wird schon.



Kommentar vom 24.10.2021 00:15
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/die-welt-als-komplexes-system/

@Holzherr 15:29 / 16:02

„Es ist viel teurer Überschussstrom in einen Wasserstoffkreislauf einzuschleusen als den Überschussstrom einfach abzuregeln, zumal ja die Erzeugung von erneuerbarem Strom immer billiger werden soll.“

Die Elektrolyseanlagen können praktisch überall stehen, und auch recht gleichmäßig betrieben werden, eher mehr als 6 Monate im Jahr. Soviel wie an Wasserstoff verwertet werden kann, so viel wird es sich lohnen hier Kapazitäten aufzubauen. Wenn andere darüber nachdenken, mitten auf den Ozeanen Methanol zu produzieren, kann das so abwegig nicht sein, hier an Land Überschüsse zu verwerten, die sonst nur abgeregelt werden können. Für die Weiterverarbeitung sollten CO2-Quellen in der Nähe sind. Das CO2 braucht man für die meisten synthetischen Energieträger.

„Redox-Flow-Batterien haben den Vorteil einer sehr geringen Spontanentladung. Eine geladene Redox-Flow Batterie könnte als Monate halten.“

Hört sich gut an, insbesondere für mittelfristige Speicheraufgaben bei hohen Wirkungsgraden wäre das natürlich super.

Eventuell braucht man dann gar keine Backupkraftwerke mehr. Es würde genügen vor allem im Sommer die verbleibenden Überschüsse in Wasserstoff umzuwandeln, so dass im Herbst die Batterien noch alle schön voll sind. Ein Zurückverwandeln von Wasserstoff zurück in Strom wäre dann nicht mehr nötig – die anderen Einsätze in Industrie und für synthetische Kraftstoffe wären aber immer noch sinnvoll. Und solange Gas noch von Privatkunden nachgefragt wird, kann man die auch noch bedienen, zumindest solange das Gasverteilernetz nicht modernisiert werden muss. Bei mir hier im Stadtteil hat man erst vor einigen Jahren alle Gasleitungen erneuert, ich schätze mal die halten jetzt noch 40 Jahre.

Fragt sich jetzt nur noch, ob diese Redox-Flow-Batterien auch in großem Maßstab billig genug einsetzbar werden.

Bis das dann wirklich umgesetzt wird, da muss aber erst mal ganz viel regenerative Leistung installiert werden und die Elektromobilität in Gang kommen. Bis dahin brauchen wir zunächst noch die bestehenden Kraftwerke, die im Laufe der Zeit immer weniger laufen, und hinterher nur noch als Backup – eventuell auch mit gespeichertem Wasserstoff. Bis dann genug Backupkapazität mit diesen Redox-Flow-Batterien steht.



Kommentar vom 23.10.2021 14:46
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/die-welt-als-komplexes-system/

@Holzherr 23.10. 08:06 / 10:13 / 11:29

„Nur 1/3 der berechneten Fläche ist wirklich mit aktiver PV-Fläche belegt.“

Zusammen damit, dass nicht der bisherige Primärenergieverbrauch gerechnet werden muss, brauchen wir eben eher 33 qm pro Person und nicht 300 qm reine Kollektorfläche. Die Zwischenräume spielen in der Wüste überhaupt keine Rolle, auf Dächern auch nicht, und rund ums Mittelmeer gibt es reichlich halbverwilderte Flächen, wo nur ein paar Ziegen unterwegs sind. Denen schadet ein bisschen Verschattung durch Solarpaneele mit Zwischenräumen auch nicht. Und bei uns kann man einen Solarpark noch als ökologisch wertvolle Blumenwiese mit Schafbeweidung nutzen. Die Schafe verhindern auch gleich, dass da Bäume hochkommen.

„Die relative Flaute im ersten Halbjahr 2021 kann abgedeckt werden, wenn 1.5 bis 2 Mal soviel Windstrom erzeugt wird wie im Durchschnitt benötigt wird.“

Anstatt die hierbei anfallenden Überschüsse, die die Batterien nicht mehr aufnehmen können, einfach abzuregeln, kann man nun damit auch Wasserstoff herstellen. Der Wirkungsgrad von 33% ist nun deutlich höher als 0% beim Abregeln. Mir schwebt hier auch keine „Wasserstoffwirtschaft“ vor, sondern nur ein Anteil von 5 bis 10%, der dann in der Industrie verwertet werden kann, zu weiteren Produkten wie Methanol verarbeitet, Saisonal gespeichert und auch per Pipeline etwas mobil sein kann. Und dieses kann man dann auch als zusätzliches Backup für die Stromversorgung nutzen.

„Aber Methanol oder ein anderer synthetischer Treibstoff könnte eine solche frei flottierende Energieinsel, ein solches Energieschiff, produzieren.“

Wo kommt denn dann das dafür nötige CO2 her? An Land könnte man z.B. auch den CO2-Anteil von Biogasanlagen nutzen, um z.B. aus Wasserstoff in der Weiterverarbeitung Methanol und andere Produkte herstellen.

„..synthetischer, CO2-neutraler Treibstoff nicht nur alle Schiffe der Erde, sondern auch alle Flugzeuge mit CO2-neutralem Treibstoff versorgen.“

Ja, eben dafür ist doch auch der Wasserstoff aus Überschüssen von Solarparks in Afrika und rund ums Mittelmeer geeignet. Den Wasserstoff erst an Ort und Zeit des Überschusses herstellen, und dann dahin bringen, wo CO2-Quellen sind, und dann damit eben soviel weitere Kraftstoffe herstellen, wie man noch gebrauchen kann. Und die kann man dann teils sehr gut lagern, sogar für länger als ein Jahr.

So könnten auch Liebhaber von alten Verbrennerfahrzeugen noch weiter rumfahren dürfen, ziemlich teurer zwar, aber dann doch klimaneutral. Oder finanzschwache Hausbesitzer noch weiter mit Gasheizung heizen, die noch kein Geld für eine Wärmepumpenheizung aufbringen konnten. Auch klimaneutral.



Kommentar vom 23.10.2021 01:02
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/die-welt-als-komplexes-system/

@Holzherr 22.10. 16:58 / 17:53

„Es ist nicht wenig 1.6% der Erdoberfläche oder 2.4 Millionen Quadratkilometer mit Solarpaneln zu überdecken,..“

Nach meiner Rechnung wären das bei 8 Mrd Menschen 300 qm pro Person, bei einem Wirkungsgrad von 20% dann 60 Kw Nennleistung, was pro Tag im mitteleuropäischem Sommer 300 Kwh bringt. In Nordafrika noch mehr, bei uns im Winter weniger. Ich denke mal ihre 2.4 Mio Quadratkilometer ist 10 mal mehr, als was benötigt wird.

„Nur schon das benötigte Kupfer für ein Welt-Solarkraftwerk ist damit mehr als 30 Mal so gross wie das 2021 geförderte Kupfer.“

Entsprechend kommt dann auch ihre Rechnung mit dem Kupfer nicht mehr hin. Was in 3 Jahren gefördert wird reicht dann ja, das passt doch.

„Auch die weltweit mit Strassenbelag gepflasterte Fläche ist sehr viel kleiner. Sie beträgt weniger als 0.5 Millionen Quadratkilometer.“

Passt auch nicht mehr, es reichten für 30 kwh pro Tag dann 0.24 Millionen Quadratkilometer Solarfläche. Und Windenergie gibt es ja auch noch.

„Der Glaube an die Erneuerbaren hat es quasi auf die gleiche Stufe geschafft wie der Glaube an den Erlöser, den Salvatore Mundi.“

Ich kann hier nur für mich sprechen. Ich suche nur nach Lösungen für konkrete Probleme. Dass ich mich persönlich als Teil der Welt sehe, und mich dafür verantwortlich fühle, wie ich mich in dieser Welt bewege, das mag in der Tat religiös bzw. spirituell begründet sein.

„Der saisonale Ausgleich ist ganz anders als sie schreiben überhaupt kein Problem: Deutschland muss völlig auf Windenergie vertrauen und nicht auf Sonnenenergie. Offshore-Wind sollte ganz gross ausgebaut werden.“

In der Tat folgt das heimische Angebot von Windenergie in etwa dem aktuellem Verbrauch über die Jahreszeiten hinweg. Soweit dies ausgebaut werden kann, braucht man dann für diesen Anteil am Strommix keine saisonale Speicherlösung, hier reichen einige Wochen Speicherzeit aus, da sind dann Lösungen jenseits von Wasserstofftechnik denkbar.

Aber Offshore-Wind ist recht teuer, und wieviel Platz es in der Nordsee dafür gibt wäre zu prüfen. Zusätzlich würden die Stromleitungen noch mal extra kosten. Windenergie im Hinterland ist kostengünstiger und näher am Verbraucher, aber vom Platz her wohl nicht ausreichend, da gibt es einige Widerstände in der Nachbarschaft. Bleibt dann also doch ein guter Anteil an Solarenergie, und dazu gehört dann eben auch eine gewisse saisonale Speicherung per Wasserstofftechnik. Und wenn man die sowieso hat, sind dann auch die Windstromvariationen teilweise mit abgedeckt.

Hinzu kommt, dass Photovoltaik mehr Potential hat, noch deutlich kostengünstiger zu werden. Eventuell wird man sogar in 30 oder 40 Jahren Windturbinen nicht mehr erneuern, weil die Solarpaneele einfach viel günstiger geworden sind, insbesondere beim Einsatz an Standorten rund ums Mittelmeer. Aber das wird man dann sehen.

Ganz klar ist aber auch, das momentan vor allem der Ausbau von Windenergie im Hinterland in der Nähe zum Verbraucher am meisten hängt. Hier müsste eine neue Bundesregierung als erstes eingreifen, und die Abstände zur Wohnbebauung reduzieren und die Genehmigungsverfahren beschleunigen.



Kommentar vom 22.10.2021 17:36
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/die-welt-als-komplexes-system/

@Holzherr 22.10. 15:27

„Billige Batterien grosser Kapazität wie etwa die Eisen-Luft Batterien von Form Energy eignen sich besser für 3-wöchige Dunkelflauten.“

Das würde mich aber wundern. Die kurzfristigen Schwankungen lassen sich voraussichtlich schon mit den Batterien der Elektroautos ausgleichen. Was bleibt, ist vor allem der saisonale Speicherbedarf. Auch Eisen-Luft-Batterien werden sich dafür nicht rechnen, wenn sie einen Ladezyklus von nur einmal in einem Jahr haben.

„Und wie gesagt: auf eine saisonale Energiespeicherung sollte man ohnehin verzichten. Das wird viel zu teuer.“

Ich meine, dass wir da nicht dran vorbei kommen. Wollen wir im Winter standardmäßig Arbeitsfrei machen und auf Reisen verzichten? Wir haben nun mal im Sommer vergleichsweise viel Sonne, und nur im Winterhalbjahr müssen wir unsere Wohnungen heizen. Und ja, das wird vergleichsweise deutlich teurer, als wenn wir den produzierten regenerativen Strom direkt verwerten können.

Die Gasleitungen zum Kunden sind verlegt, und unterirdische Gasspeicher gibt es längst, die auf saisonalen Einsatz konzipiert sind. Fehlt noch die Umstellung von Erdgas auf Wasserstoff. Wir brauchen den dann am Ende auch nur für einen Teil der Wintersaison. Ist es windig genug oder können wir per neuer Fernstromtrasse genug Solarenergie aus dem Süden beziehen, werden wir dafür den Wasserstoff nicht brauchen. Der ist dann nur Backup für ein paar Wochen, aber eben für eine verlässliche Versorgung wichtig.

Auch Power-to-X kann eine saisonale Komponente haben, wenn wir eben den dafür nötigen Wasserstoff aus den Stromüberschüssen herstellen. Die damit erzeugten Produkte sind gut lagerbar, und ein wesentlicher Beitrag, die saisonalen Schwankungen in Mitteleuropa aufzufangen. Und wenn wir einen Teil der Überschüsse sowieso zunächst in Wasserstoff verwandelt haben, dann kann man auch erhebliche Energiemengen per Wasserstoffpipeline kostengünstig transportieren. Nicht als Alternative zu Stromtrassen, aber als Ergänzung.

Man muss hier auch bedenken, dass neben dem derzeitigem Strombedarf noch der Strombedarf für Akkufahrzeuge und für elektrische Wärmepumpen dazu kommt. Entsprechend leistungsfähiger muss das Stromnetz dann noch werden. Wenn hier neben neuen Stromleitungen noch Wasserstoffpipelines mithelfen Energie zu transportieren, kann das nur gut sein.



Kommentar vom 22.10.2021 15:16
https://scilogs.spektrum.de/die-monacologin/behandlung-von-impfverweigerern-medizin-richtet-nicht/

@hto 21.10. 16:44

„Nach über zehn Jahren zur ersten Behandlung mit Ciprobay, hat mein Körper/Immunsystem beim zweiten Mal eine deutliche allergische Reaktion gezeigt,...“

Die allergische Reaktion ist bei Impfstoffen zunächst mal doch genau die angestrebte Reaktion. Man soll ja nach der Impfung noch eine viertel Stunde beim Arzt warten, falls man umkippt, wird einem dann gleich geholfen. Selten ist das aber wohl.



Kommentar vom 22.10.2021 14:31
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/die-welt-als-komplexes-system/

@Holzherr 22.10. 07:26

„1) wie lange soll diese Überbrückungsphase andauern und
2) ist der Ersatz von Kohle durch Erdgas überhaupt eine Überbrückung?, denn wir wissen doch, dass entweichendes Erdgas – und es entweicht immer etwas – selber ein starkes Treibhausgas ist.“

Auch angesichts der derzeitigen Gaspreisentwicklung muss ich feststellen, dass auch bestehende Kohlekraftwerke durchaus als Backup noch für viele Jahre taugen. Und auch unsere alten Atomkraftwerke im momentanen Energiemix noch reichlich Treibhausgase sparen.

Sowieso ist aktuell über Jahre vor allem Zubau von Wind und Solar angesagt, danach dann die Elektromobilität, und erst wenn wir dann entsprechende Überschüsse haben, wird Wasserstoff interessant, vor allem, wenn sich ein guter Teil der Überschüsse anders gar nicht mehr verwerten lässt.

Wir brauchen dann aber für Dunkelflauten genug Backup, diese Leistung muss bereitstehen, ob die jetzt so effektiv ist, ist gar nicht wichtig, man braucht sie ja nur ein paar Wochen im Jahr. Alternativ wären natürlich auch flächendeckend Stromzähler, die den aktuellen Netzpreis direkt an alle Verbraucher weitergeben. Dann würden viele Betriebe Urlaub machen, wenn Dunkelflaute ist, und manch ein Elektroautofahrer würde auch längere Strecken aus Kostengründen aufschieben, bis der wieder Wind weht und der Strom billiger wird. Und wenn es alle paar Jahre für eine Woche mal ganz dick kommt, machen wir alle Energieferien mit Fahrverbot für Elektroautos. Geht auch. Dann muss man eben Fahrradfahren oder zuhause bleiben.

Kann also gut sein, dass neue Gaskraftwerke im Moment nicht nötig sind, und auch in Zukunft weniger davon gebraucht werden, als man denkt. Dann lieber erstmal in Zubau von Primärenergie mit Wind und Sonne investieren, und in Fernstromleitungen.

@Tim 22.10. 10:20

„Man darf nicht vergessen, dass in wüstennahen Gegenden Photovoltaikanlagen einen sehr hohen Wasserbedarf für Kühlung & Reinigung haben.“

Ich bin hier etwa irritiert. Ist es in Afrika und im Nahen Osten üblich, Photovoltaikanlagen zu kühlen? Bei Wikipedia habe ich gelesen, dass die Kollektorleistung bei 25° höherer Temperatur nur um 10% auf dann 90% der Nennleistung zurückgeht. Damit kann man leben, wenn man im Jahr 2500 Sonnenstunden hat.

Eine Kühlung wäre mit Meerwasser möglich. Die nordafrikanische Küste ist sehr lang, und entlang der Küste kann man dann gleich noch Windräder aufstellen. Auch die Europäische Mittelmeerküste ist kein schlechter Standort, die ist noch viel länger, und auch noch von der Sonne ganz gut verwöhnt. Optimal ist ganz klar die Atacamawüste, nur von Europa, Afrika und Asien sehr weit weg.

Das Wasser für die Reinigung kann jedenfalls nicht viel sein. Ein Liter pro qm im Monat müsste reichen, soviel regnet es sogar mitten in der Sahara.



Kommentar vom 21.10.2021 17:06
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/die-welt-als-komplexes-system/

@Holzherr 21.10. 15:47 / 16:32

„Doch wie gesagt, wenn in Marokko aus Solarenergie Wasserstoff hergestellt wird und nach Transport der Wasserstoff in Deutschland wieder verstromt wird, bleibt nur 1/3 des ursprünglich erzeugten Stroms übrig.“

Ja, aber dann doch gerade als Reserve für Dunkelflauten, und in der Industrie, wo er auch direkt zu einem kleinerem Anteil eingesetzt wird.

Ansonsten haben Sie völlig recht, dass direkt genutzter Strom sehr viel wertvoller ist als wenn er zwischendurch in Wasserstoff verwandelt werden muss. Deshalb macht der Wasserstoff ja auch nur Sinn, wenn er aus Überschüssen hergestellt wird, die eben nicht aktuell genutzt oder anderweitig wie etwa in Autobatterien gespeichert werden können.

Und eben diese Überschüsse fallen eben auf die Dauer reichlich an, auch in Marokko, gerade weil dort fast 3 mal mehr Sonne pro qm Kollektorfläche zu ernten ist wie bei uns hier. Wenn man nun Wasserstoff schon mal hat, kann man den auch per Pipeline transportieren. Und der Transport von Wasserstoff in der Pipeline wird vermute ich deutlich günstiger sein, als die selbe Energiemenge per Hochspannungsleitung zu transportieren.

„Wo in Deutschland würde man eine solch grosse „industrialisierte“ Fläche wollen und akzeptieren?“

Müsste man gucken wie das hier aussieht mit 5 mal mehr Windenergie und 10 mal mehr Photovoltaikfläche, wofür nur die Dächer nicht reichen werden. Wenn dann Import, dann eben über Kabel, Pipeline und durch Verlagerung von Power-to-X und Energieintensiver Produktion an den Nordrand von Afrika.



Kommentar vom 21.10.2021 16:35
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/die-welt-als-komplexes-system/

@Paul S 19.10. 14:09

„Dies ist keine Welt der Menschen. Dies ist eine Welt der Selbstorganisation. Wir dürfen mitspielen, doch die Regeln machen wir nicht.“

Naja, zumindest nicht, wenn unserer eigener Lebensentwurf auf dem maximal möglichen Geldverdienst inmitten einer neoliberalen Politik basiert.

Wenn wir andere Werte leben, dann eröffnen sich dennoch Welten. Gerade in D als relativer Exportweltmeister ist hier ein besonderes Potential. Wenn wir etwa über den eigenen Schatten springen, und uns gegen die Geschäftspotentiale der heimischen Autoindustrie wenden und einfach die Städte fahrradfreundlich gestalten, dann haben wir hier wirklich was bewegt. Kopenhagen macht es uns vor, so kann man den Autoverkehr halbieren. Durch entsprechende Umstrukturierung des städtischen Verkehrsraumes im Rahmen der ohnehin nötigen Instandhaltungsmaßnahmen.

Erstmal natürlich wäre dies ganz direkt ein großer Schritt im Klimaschutz, aber zusätzlich haben wir so jede Menge Geld gespart. Das können wir einsetzen, um weniger zu arbeiten, weniger Migranten einzuladen oder um z.B. mehr Windräder und mehr Photovoltaik zuzubauen.

Hierzu müssen wir in keinster Weise die Motivationen der Autofirmen ändern. Es genügt, wenn wir deren Lobbyisten einfach nein sagen. Und in den Städten anfangen, auf Fahrradverkehr umzubauen.

Die nächste große Baustelle wäre, dass wir selbst auf Carsharing umsteigen. Die hierbei entstehenden Freiräume durch den möglichen Rückbau von Parkplätzen würde das mit den Radwegen nochmal beschleunigen, und insgesamt den Wohnwert unserer Städte ganz wesentlich steigern. Die Umstellung auf Elektromobilität würde Carsharing mehrfach fördern: Elektroautos verschleißen nicht schneller, wenn sie ständig von anderen Fahrern gefahren werden, wie dies bei Verbrennerfahrzeugen ist. Und Carsharing-Elektrofahrzeuge können mit kleineren Batterien auskommen: wenn man ausnahmsweise mal längere Strecken damit fährt, kann man auch einfach das Fahrzeug wechseln, wenn die Batterie leer ist, anstatt zu warten, bis sie wieder aufgeladen ist.

Die Entscheidung, ob man sich weiterhin ein Statussymbol vor die Tür stellt, die wird dann zumindest in den Städten nur noch eine ganz persönliche sein. Die Regeln der Wirtschaft mit ihrem Streben nach Umsatz und Gewinn können wir als Kunde dann getrost ignorieren. Finanziell sehr viel günstiger wird für uns dann das Carsharing kombiniert mit Fahrradfahren sein.

„Wir haben Götter gespielt, jetzt merken wir, dass wir mit den Göttern spielen. Als Spielzeug.“

Müssen wir aber gar nicht. Energierohstoffe brauchen wir bald gar nicht mehr, und die sonstigen Rohstoffe können wir bei entsprechender Technik und entsprechendem Recycling durchaus noch auf dem Weltmarkt einkaufen, ohne weiterhin ein maximales Wirtschaftswachstum zu fahren. Eine ausgeglichene Handelsbilanz dürfte für uns in D auch dann kein Problem sein, wenn wir den Weltmarkt nicht mehr mit Premiumfahrzeugen versorgen, die dann irgendwann in dieser Anzahl keiner mehr braucht.

Wenn wir uns von sinnloser Wirtschaftstätigkeit wirklich befreien wollen, dann können wir diesen Weg auch gehen. Die Basis dafür ist angesichts der ewig reichlich positiven Handelsbilanz nirgendwo besser als in bei uns in Deutschland. Ich schätze mal, das wir das in 30 Jahren schaffen können, wenn wir nur wollen.

„Evolve or die.“

Eben, wenn wir gucken, dass wir nach unseren eigenen Regeln leben, dann geht das auch.



Kommentar vom 21.10.2021 14:09
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/die-welt-als-komplexes-system/

@Holzherr 21.10. 06:50

„...eine eigentliche Wasserstoffwirtschaft in Deutschland aus und in dieser Wasserstoffwirtschaft würden dann eher 16 Millionen Tonnen Wasserstoff pro Jahr verbraucht als die heutigen 1,6 Millionen.“

In der Tat wäre dieses wohl zu hoch gegriffen, aber vielleicht wären 5 bis 10 Millionen Tonnen schon sinnvoll.

„Heizen mit Wasserstoff sei Unsinn und wer behaupte Erdgasheizungen könnten später mit Wasserstoffheizungen ersetzt werden will wohl nichts anderes als täuschen.“

Nicht ganz. Wärmepumpen verbrauchen immer mehr Strom, je kälter es ist, weil dabei der Wirkungsgrad auch noch durch die wachsenden Temperaturunterschiede immer weiter abnimmt. Es war schon immer eine sinnvolle Ergänzung zu einer elektrischen Wärmepumpe, auch noch einen Holzofen einzubauen, den man an besonders kalten Tagen nutzen kann. So kann man einerseits die Wärmepumpe kleiner dimensionieren, und gleichzeitig belastet man dann an eben diesen kalten Tagen nicht mehr übermäßig das Stromnetz.

Hier wäre eine zusätzliche Wasserstoffheizung durchaus sinnvoll, auch wenn sie nur an besonders kalten Tagen eingesetzt wird. Die Alternative wäre, an eben diesen kalten Tagen erst Strom in Backupkraftwerken aus gespeichertem Wasserstoff herzustellen, um ihn dann zeitgleich für den dann aktuell sehr hohen Strombedarf der Wärmepumpen zu verbrauchen. In dieser Situation wäre es dann energetisch gleichwertig, Wasserstoff direkt zum Heizen zu verwenden. Aber dann eben bei der Dimensionierung der Wärmepumpen wie auch dem Vorhalten von Backupkraftwerken sehr viel Geld zu sparen.

Außerdem würde in der Übergangszeit wohl noch reichlich Erdgas genutzt werden, solange die Primärproduktion grüner Energie ohnehin noch nicht reicht. Und nicht jeder Hausbesitzer kann sich den Einbau einer neuen Wärmepumpenheizung leisten, insbesondere wenn die existente Gasheizung noch gut und lange läuft. Und wie gesagt, kann eine Wärmepumpe deutlich kleiner dimensioniert werden, wenn sie von einer Gas- oder Holzheizung ergänzt wird. Hier könnte man sogar an normalen wenig kalten Tagen mit dem Umschalten auf die Gasheizung das Stromnetz zusätzlich stabilisieren, wenn Dunkelflaute herrscht. Dann kann man im Netz insgesamt weniger Backupleistung vorhalten, und diese dürfte durchaus teuer sein.

Was noch für Wasserstoff spricht, ist dass man diesen etwa in Marokko mit der dort zur Verfügung stehenden Sonnenleistung herstellt und per Gasleitung nach Norden transportiert. Vermutlich wäre solch eine Rohrleitung sehr viel kostengünstiger als eine Fernstromleitung, die die entsprechende Strommenge transportiert. Zumal man wohl auch beides machen kann, also Fernstromleitungen plus Wasserstoffpipelines.



Kommentar vom 21.10.2021 00:08
https://scilogs.spektrum.de/die-monacologin/behandlung-von-impfverweigerern-medizin-richtet-nicht/

@Mehrkosten

Es ist ja gar nicht klar, ob ein ungeimpfter Covidpatient wirklich höhere Kosten verursacht. Dieser wird eher älter und vorerkrankt sein, und wenn der an Corona stirbt, hat nicht nur er es hinter sich, sondern die Krankenkasse auch. Ich habe mal gelesen, das die Krankenkassen 80% ihres Geldes für die letzten 2 Lebensjahre ausgeben. Kostenmäßig entscheidend ist hier offenbar der finale Lebenskampf im Krankenhaus und auf Intensivstationen. Hier ist Covid sicher eher unteres Mittelfeld.

Die Kosten fallen ohnehin sehr unterschiedlich aus. Manch einer bekommt mit 58 einen Herzinfarkt, der Rettungswagen kommt zu spät und er verstirbt komplett ohne die üblichen 80% der durchschnittlichen Kosten für die letzten 2 Jahre. Das machen andere wieder wett, die etwa mit einer Krebserkrankung etliches über sich ergehen lassen müssen, bis sie denn endlich abtreten können.

Auch sollen Raucher für die Krankenkassen eine gute Partie sein, und insgesamt weniger Kosten verursachen als Nichtraucher. Das mag an mehr schnell tödlichen Herzinfarkten und Schlaganfällen liegen.

Soweit die Kosten. Eine Impfpflicht fände ich besser, als in eine Kostenrechnung einzusteigen, die wie oben ausgeführt noch nicht mal aufgeht.

Allerdings möchte ich noch anmerken, dass man erst mit Monaten Verspätung angefangen hat, auch auf breiter Basis Kinder und Jugendliche zu impfen. Wenn man es nicht vertrödelt hätte, hier die nötigen Untersuchungen als Grundlage für eine Impfempfehlung für alle über 5 Jahre zu machen, dann hätten wir seit Monaten die Herdenimmunität längst erreicht. Und selbst die Impfverweigerer hätten arge Schwierigkeiten sich noch zu infizierten, selbst wenn sie es wollten.

Mir scheint es auch, dass immer noch nicht genug Versuche unternommen wurden, um diejenigen zu impfen, die es bisher nur verklüngelt haben. Und eine frühere 3. Impfung könnte auch nicht schaden.

Von mir aus ok wäre auch eine Impfpflicht, von der man sich mit 200 Euro Bußgeld freikaufen kann, oder einen Impfbonus für Spätimpflinge von 200 Euro, der die motivieren könnte, die einfach vor allem gleichgültig sind und nur keine Lust haben, zum Impfen zu gehen.



Kommentar vom 19.10.2021 17:23
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/die-welt-als-komplexes-system/

@hwied 19.10. 09:23

„Die Probleme der Kernkraft kommen erst später, nach dem Abschalten. Wohin mit dem radioaktiven Müll. Der strahlt mindestens 10 000 Jahre.“

Insbesondere wenn der Atommüll noch Plutonium enthält, sind die Zeiträume noch viel länger. Bei einer Halbwertszeit von 50.000 Jahren braucht es ein Endlager für 500.000 Jahre. Die Erdkruste ist ständig in Bewegung, selbst eine Landhebung von 1 mm pro Jahr könnte ein Endlager in 500.000 Jahren um 500 m anheben. Und sich derweil die Gletscher von gleich 3 Eiszeiten darüber bewegen.

Die neuen Konzepte mit Flüssigsalzreaktoren sollen es ja möglich machen, dass kein Plutonium mehr als Abfall anfällt. Plutonium ist spaltbar, und könnte theoretisch solange im Prozess bleiben, bis es verbrannt wurde.

Wenn das denn mal so funktioniert. Vielleicht keine schlechte Idee, immerhin könnte man so ja auch den inzwischen angesammelten Atommüll entsprechend aufarbeiten und dabei noch als Brennstoff nutzen.

Die Aufarbeitung und die restliche Entsorgung könnte aber immer noch sehr teuer werden. Es wäre gut, wenn das nicht hinterher der Steuerzahler zahlen muss. Diese Kosten müssen eingepreist werden. Eigentlich auch die eventuellen Kosten von großen Unfällen. Hier würde ich eine Haftpflichtversicherung vorschlagen, die auch wirklich Unfallschäden von 200 Mrd Euro und mehr bezahlen kann.

Wenn sich dann die Kernkraft immer noch rechnet, hätte ich nicht mehr viel dagegen.

Hier muss man allerdings bedenken, dass wenn wir immer mehr Zubau von Windrändern und Photovoltaik bekommen, dass dann die Laufzeiten der Backupkraftwerke immer kürzer werden. Wenn die AKWs in Zeiten von Überschüssen trotzdem weiterlaufen, hat der dann verkaufte Strom recht wenig wert. Wirklich brauchen werden wir die Backupkraftwerke am Ende nur einige Wochen im Jahr. Da sind dann die Gaskraftwerke klar kostengünstiger als AKWs, und wenn sie dann mit zuvor aus Überschüssen hergestelltem Synthesgas laufen, dann sind sie ebenso klimaneutral.

Für den momentanen Ausbau der regenerativen Energien sind AKWs noch gut dabei, ganz konkret Treibhausgase einzusparen, das wäre ein Argument, sie vielleicht doch noch ein paar Jahre länger zu betreiben, wobei allerdings eine Haftpflichtversicherung eigentlich vernünftig wäre. Die Firmen verdienen ihr Geld damit, und im Schadensfall zahlt dann die Allgemeinheit, sowas geht eigentlich nicht, finde ich.

Wir können wohl auch unsere Kohlekraftwerke noch durchaus länger als Backup in Betrieb halten. Wenn die dann später auch nur noch 4 Wochen im Jahr laufen, würde das relativ wenig CO2 freisetzen, aber eben einen ganz wichtigen Backupdienst leisten. Da bei der Erdgasgewinnung nun doch einiges an Methan entweicht, wäre die Treibhauswirkung gegenüber Gasbackupkraftwerken nicht schlechter. Zumindest kurzfristig.

Das Methan ist als Treibhausgas zwar 30 mal stärker als CO2, wird aber mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren in der Atmosphäre abgebaut, das CO2 erst nach 1000 Jahren, hab ich mal gelesen.



Kommentar vom 19.10.2021 00:23
https://scilogs.spektrum.de/positive-psychologie-und-motivation/der-sprung-zum-niegewesenen-03-was-uns-ernst-bloch-und-die-positive-psychologie-ueber-ein-glueckliches-leben-sagen/

@Positives, das auch wieder fehlen kann

Früher hat sich Psychotherapie auf die Defizite konzentriert. Vielleicht am wenigsten hilfreich dabei war die Auffassung, dass man in der Regel lebenslänglich von Defiziten bestimmt wird, die ihren Ursprung in der Kindheit haben.

Die Positive Psychologie lässt einem wenigstens mehr Spielraum, neue Welten zu entdecken und sich auch als Erwachsener noch neu erfinden zu können.

Wenn man sich dann nicht doch noch wieder darauf konzentriert, das einem eben die positiven Eigenschaften jetzt fehlen. Eine wirklich positive Einstellung könnte auch beinhalten, das „negative“ Emotionen doch der Situation und vor allem der einzelnen Person eigentlich ganz gut stehen. Den Erfolg in natürlichem Dopamin zu messen, ist sicher näher dran, als alles in Geld zu messen. Aber irgendwie ist es das auch nicht, schwant mir. Das geht nur in die richtige Richtung.

Ein anderes Thema ist in der Tat, wenn es in einer Sache mal keine Hoffnung gibt. Wenigstens kann man sich dann aber anderen Aufgaben zuwenden, die mehr Potential haben.



Kommentar vom 15.10.2021 17:06
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rueckzug-oder-kreuzzug-christentum-in-der-krise-erscheint-am-2-11-2021/

@hwied 16.10. 19:04

„In 7 Tagen hat Gott die Welt erschaffen, reale Zeit 4,5 Mrd. Jahre und in 7 Tagen werden wir vernünftig werden, dann wenn sich die Sonne zu einem roten Riesen aufbläst.“

Oh ne, solange warten geht echt nicht.

Immerhin hat der Mensch in Steinzeitverhältnissen auch längst eine passable Organisation seiner eigenen Natur hinbekommen. Wir müssen nur in modernen Nationalstaaten mitsamt internationaler Regeln uns so gut organisieren und auch kulturell aufstellen und einordnen, dass wir eine globale Gemeinschaft leben können, in der es auch dem Einzelnen ganz gut geht.

Das müsste doch in ein paar Jahrzehnten schon fertig werden können.



Kommentar vom 16.10.2021 14:30
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/ampel-koalition-kaeme-dann-die-cannabis-legalisierung/

@Holzherr 17.10. 12:58

„Meine Schlussfolgerung: Egal ob legal oder illegal, der Drogenkonsum ist und bleibt ein gesellschaftliches Problem und die Gesellschaft tut gut daran, eine Atmosphäre zu schaffen, in der weniger Drogen konsumiert werden.“

Unbedingt, und auch das Individuum tut gut daran, sich von Drogen aller Art fernzuhalten.

Die Legalisierung ist aber nach wie vor als Option diskussionswürdig. Wenn man Cannabis legalisiert, kann das passieren, dass die selben Personen, die jetzt mit der Droge handeln, dann auch die Läden betreiben, wo man Cannabis dann legal einkaufen kann. Diese Personen hören dann aber nicht auf, kriminell zu sein, und werden nebenbei weiterhin das ganze Sortiment an illegalen Drogen auch noch unter der Theke anbieten. Der Effekt, dass man schlechter an harte Drogen herankommt, wenn man die weiche Droge Cannabis legalisiert, dürfte wohl nur gering ausfallen, bzw. sogar andersherum ablaufen.

Man hat z.B. bei der Legalisierung der Prostitution auch voll ins Klo gegriffen. Die jetzt legal arbeitenden Zuhälter wurden nicht per Gesetz geläutert, und fingen erst recht an, Frauen aus Osteuropa zur Prostitution zu zwingen. Das hat zu einem rasant steigendem Angebot, sinkenden Preisen und Sextourismus aus ganz Europa geführt. Und die soziale Absicherung der „freiwilligen“ Prostituierten hat praktisch niemand angenommen. Man muss hier die Realität von kriminellen Personen beachten, sonst läd man die regelrecht ein, eben das zu tun, was ihnen möglich ist.

Ich würde also dringend vorschlagen, Drogen aller Art nur für mindestens viele Monate Süchtige zu bezahlbaren Preisen freizugeben, wenn es eben kaum noch vermeidbar ist, dass die sich ihre Droge sonst illegal besorgen. Das wiederum würde den illegalen Markt ganz entscheidend kleiner machen, und es damit auch Gelegenheitskonsumenten und vor allem potenziellen Einsteigern erschweren an Stoff zu kommen, eben weil es dann viel weniger Dealer gibt.

Es mag ja sein, das gelegentlicher Cannabiskonsum für Erwachsene mit stabiler Psyche eine harmlose Sache ist, und in Einzelfällen sogar positiv wirken könnte, und auch als Medikament etwa gegen Schmerzen. Dann sollen die sich eben entweder um eine Anerkennung als Süchtige bemühen, und sich ansonsten weiter auf dem Schwarzmarkt bedienen. Oder sich selber ein paar Pflanzen ziehen, das geht gerade bei Cannabis mit modernen LEDs ganz gut.



Kommentar vom 16.10.2021 00:05
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/ampel-koalition-kaeme-dann-die-cannabis-legalisierung/

@hwied 15.10. 09:32

„Bei den Alkoholikern bin ich mir noch nicht im Klaren, ob Alkoholsucht nur eine schlechte Angewohnheit. ist. Man bekommt doch nur Kopfschmerzen, ich verstehe das nicht.“

Der Schaden kommt ja auch erst nach Jahrzehnten, dann aber doch. Schon mäßiger aber täglicher Alkoholkonsum kann die Leber ruinieren, und die Spitzen, wenn öfter bis zur Besinnungslosigkeit gesoffen wird, gehen aufs Gehirn. Man verblödet ganz schleichend über Jahre und Jahrzehnte, das kann bis zu geistiger Behinderung gehen.

Überhaupt spielt es rund um das Thema Sucht eine große Rolle, dass der Spaß bzw. die Erleichterung sofort kommt, der gesundheitliche Schaden aber erst nach Jahrzehnten akut wird. Ich hab mal von einer Untersuchung gelesen, dass Zukunftsaussichten, die weiter als 7 Monate weg sind, nicht so recht emotional angemessen bewertet werden. Der Mensch ist wohl einfach so, was heute und in naher Zukunft passiert, das wiegt viel mehr, als was erst in 20 Jahren auf uns wartet.

So müsste man sich bei der Prävention auf die ersten 7 Monate konzentrieren, dass genau in dieser Zeit die Droge so teuer und so schwer zu beschaffen ist, wie möglich. Dieser Zeitraum wird noch emotional angemessen bewertet, und steht dann gegen die Versuchung auf einen Drogenrausch mit Suchtpotential.

Wer längst süchtig ist, den kann man mit hohen Preisen und schlechter Qualität kaum erreichen, der kommt doch sowieso da meistens nur sehr schwer wieder heraus. Anstatt dass das halbe oder das ganze Leben dabei draufgeht, sollte man spätestens nach nachgewiesenen 7 Monaten dann Drogen in der Apotheke zu bezahlbaren Preisen beziehen können, bzw. eine teilweise Tabaksteuerrückerstattung bekommen können, je nachdem, wie arm man ist.

Das würde vermutlich der Prävention wenig schaden, aber den Suchtkranken und auch der Gesellschaft sehr entgegenkommen. Organisierte Kriminalität und Beschaffungskriminalität kann so sehr viel weniger werden.



Kommentar vom 15.10.2021 12:47
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rueckzug-oder-kreuzzug-christentum-in-der-krise-erscheint-am-2-11-2021/

@hwied 14.10. 18:46

„Die Unsterblichkeit der Seele. Wenn die Seele geistiger Natur ist, dann gelten die Kategorien von Raum und Zeit nicht mehr.“

Hier wird es interessant. Wir reisen zwar durch die Zeit quasi auf der Welle der Gegenwart, der wir körperlich nicht entkommen können. Aber doch hat der immerwährende Augenblick einen Aspekt von Ewigkeit. Insbesondere die Vergangenheit könnte im Kosmos noch irgendwie als Archiv gespeichert sein, und einen gewissen Schatz darstellen. Und so auch der Zukunft einen zusätzlichen Sinn verschaffen.

„Auch der Himmel oder die Hölle sind keine Räume, sie sind Seelenzustände. Der Himmel und die Hölle, die sind in uns und wir haben sie selbst erschaffen.“

Finde ich auch spannend. Was man im Leben überhaupt sucht, hat großen Einfluss darauf, was man dann findet. Das erscheint mir jetzt nicht rein christlich, sondern schon eine Quintessenz aller Religionen zu sein, die zu suchen Perspektiven bietet.

@hto 14:10. 19:09

„Das Problem dabei ist: Eine Seele, zur Stärkung/Erweiterung der Schöpfung, gibt es nur in der nachhaltigen Ganzheitlichkeit des menschlichen Lebens – Mensch bedeutet ALLE, Gott ist die Vernunft des Geistes, laut Bibel!“

Je mehr Menschen Vernunft suchen und sich verantwortungsbewusst benehmen, desto eher bekommen wir es hin, mit uns und der Natur fördernd und nachhaltig umzugehen. Den großen Knall, ab dann alle auf einmal auf einen Schlag vernünftig werden, werden wir wohl nie bekommen, und müssen wohl eher mit einer langsamen Verbesserung mit Rückschlägen und doch wieder Fortschritten leben. Machen wir uns doch einfach an die Arbeit.

„Die Bewusstseinsentwicklung wirkt sich mit Sicherheit weiter auf unser biologisches Leben aus, als wir uns das jetzt im konfusionierten Zustand von ... vorstellen können.“

Es scheint mir, dass es nicht so leicht fassbar ist, was Bewusstseinsentwicklung denn eigentlich ist. Inspiration allgemein wirkt vielfältig, öfter fast unbemerkt. Ist es effektives Verantwortungsbewusstsein, oder reicht schon die einfache Kenntnis, wer wir wirklich sind und wie wir uns entsprechend vernünftig bewegen können?

„..wenn es nur auf den Versuch eines weiteren Zyklus hinausläuft, mit den “144000 auf dem Berg Zion”.“

Wenn Du hier einen vernichtenden Atomkrieg meinst, wäre das in der Tat ein Einschnitt, der so ziemlich jede Anstrengung der Vernünftigen doch wieder zunichte macht. Demokratie, Menschenrechte, Klimaschutz und Artenschutz brauchen wir dann alles nicht mehr. Ab, wieder zurück in die Steinzeit. Mit dem Risiko müssen wir tatsächlich immer noch leben. Versuchen wir es trotzdem, würde ich vorschlagen. Vielleicht haben wir ja weiter Glück damit.



Kommentar vom 14.10.2021 16:17
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rueckzug-oder-kreuzzug-christentum-in-der-krise-erscheint-am-2-11-2021/

@Holzherr 12.10. 10:50

„Wenn hier im Titel des Beitrags von Rückzug oder Kreuzzug im Zusammenhang mit der zukünftigen Rolle des Christentums die Rede ist, so lässt sich schon jetzt mit einiger Bestimmtheit sagen, dass vom europäischen Mainstream-Christentum eher mit Rückzug zu rechnen ist und dass sogar die ganze europäische Gesellschaft sich in einer Rückzugsposition eingeordnet und eingelebt hat.“

Ein Rückzug erschient mir eigentlich als gar nicht mal so unvernünftig. Wir haben einen technischen Vorsprung und auch eine gewisse Schuld, die aus der Kolonialvergangenheit resultiert, und somit eigentlich einen Grund, die Entwicklung in Afrika und dem Nahen Osten zu fördern. Aber haben wir und unserer Verbündeter, die USA, das denn dort wirklich je gemacht?

So, wie wir uns da eingemischt haben, jedenfalls, da hätte es den Staaten und den Menschen besser getan, wenn wir uns da ganz rausgehalten hätten. Der erste Irakkrieg z.B. hätte ohne unsere Einmischung zu einer Eroberung der gesamten arabischen Halbinsel durch den von Saddam Hussein geführten Irak geführt, was den Menschen in der Region wohl eher geholfen hätte, als die ständigen Kriege und Bürgerkriege, die in der Folge unserer Einmischung jetzt Realität sind. Mit dem Iran hätten wir dann auch keine Last, da würde sich der so ausgeweitete Irak schon drum kümmern. Und die El Kaida und die Taliban in Afghanistan hätten einige Motive weniger, uns zu hassen. Möglicherweise wären die Anschläge vom 11. September dann sogar ausgefallen.

Die USA hat hier auch nicht eingegriffen, damit es den Menschen da besser geht, sondern weil sie keinen so mächtigen Akteur in der Region haben wollte, der über einen erheblichen Teil der Erdölquellen verfügt und über ausreichend Bevölkerung unter einer stabilen Diktatur mit vergleichsweise florierender Wirtschaft.

Ich würde mich auch gar nicht mal wundern, dass manche christlichen Kräfte in den USA es gerne sehen, wenn man muslimische Länder klein hält, notfalls durch militärische Einmischung.

Christentum und Demokratie mögen eine gewisse Verbindung haben, allerdings haben wir unsere Demokratien eher gegen den Widerstand der Kirchen durchgesetzt. Nun gut, inzwischen haben sich die Kirchen damit angefreundet. Läuft ja auch ganz gut.

Was bleibt, ist unser technischer Vorsprung, der eigentlich eine gewisse Verantwortung mit sich bringen müsste. Den sogannten Entwicklungsländern fehlen in erster Linie die technischen Kenntnisse, die sie bräuchten, um mit uns wirtschaftlich mithalten zu können. Da hilft es eben leider nichts, wenn wir eine Demokratie installieren, die sich aufgrund der eklatanten wirtschaftlichen Lage in wenigen Jahren von selber wieder zerlegt.

Wenigstens gibt es inzwischen China, die mit uns technisch gleichgezogen sind. Vielleicht sind die nicht so knauserig wie wir, und teilen ihre technische Kenntnisse mit den armen Ländern, im Gegenzug für einen Import von Nahrungsmitteln. Genau daran fehlt es zumindest in China, und bei uns bzw. vor allem in den USA nicht, unter Strich haben wir hier wohl Überschüsse, trotz Fleischkonsum und Wegwerfkultur.



Kommentar vom 14.10.2021 12:31
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/ampel-koalition-kaeme-dann-die-cannabis-legalisierung/

@Abenteuer Gelegenheitsrausch und die Not der Süchtigen

Ich denke, das macht hier einen Unterschied. Wer nur gelegentlich illegale Drogen benutzt, mag ja auf dem Schwarzmarkt fündig werden, ohne dass es wirklich ein dickes Problem wird. Wer wenig konsumiert und dabei an unsaubere Drogen gerät, da ist das Problem kleiner. Entsprechend ist der gesundheitliche Schaden auch kleiner.

Was hier wirklich wichtig ist: den Gelegenheitskonsum zu verhindern ist sowieso unmöglich.

Aber wer wirklich süchtig ist, der hat hier doch erst die wirklichen Probleme.

An Alkohol kommt man noch ganz gut und auch relativ kostengünstig heran, allerdings kann hier auch schon ein finanzielles Problem die Lage verschärfen, manchmal bleibt nur noch wenig Geld für die Ernährung übrig. Und bei richtigen Trinkern geht Alkohol vor.

Bei Tabak kommt hier oft ein finanzielles Problem dazu, wenn man sowieso schon am Existenzminimum lebt. Starke Raucher sind hier schwer betroffen. Die Tabaksteuer ist sicher wichtig, dass vor allem Jugendliche gar nicht erst anfangen zu rauchen. Aber diese Vorteile müssen die Süchtigen teuer bezahlen. Wie wäre das, erstmal die Tabakwerbung zu verbieten, und Nikotinkaugummis und Nikotinpflaster von der Apothekenpflicht zu befreien, dass man hier ausweichen kann, wenn man richtig knapp bei Kasse ist?

Bei nachweislich Süchtigen ist die Tabaksteuer doch im wesentlichen wirkungslos, eben weil es so schwer ist, von der Tabaksucht wegzukommen. Ich würde hier vorschlagen, dass man eine teilweise Tabaksteuerrückerstattung bekommen kann, wenn man nachweislich seit mindestens 3 Monaten süchtig ist. Dann könnte man auch die Tabaksteuer erhöhen, dass sich Jugendliche nochmal überlegen, das auszuprobieren, weil es eben schon sofort zur Sucht werden kann. Die ersten 3 Monate wären dann entsprechend noch viel teurer, das könnte besser abschrecken, als Probleme, die sonst erst langfristig auftauchen.

So ähnlich würde ich es mit illegalen Drogen, die süchtig machen, auch handhaben. Wer eine Sucht von mindestens 3 Monaten nachweisen kann, der kann saubere Drogen zu bezahlbaren Preisen aus der Apotheke beziehen. Wer noch nicht lange genug süchtig ist, muss sich auf dem Schwarzmarkt bedienen, was dann optimalerweise nochmal deutlich teurer werden könnte, weil den Dealern der Hauptmarkt fehlt. Es gäb aufgrund des viel kleineren illegalen Marktes dann entsprechend weniger Dealer, es wäre auch schon schwieriger, überhaupt noch einen zu finden.

Und das wichtigste für die Gesellschaft dabei wäre, dass die organisierte Kriminalität sehr viel weniger würde, wie auch die Beschaffungskriminalität. Den Süchtigen würde es auch sehr viel weniger schaden, gesundheitlich wie auch finanziell. Dagegen stände nur weniger Leidensdruck, um sich um eine Drogentherapie zu bemühen. Aber so weit ich weiß, hilft die sowieso eher selten wirklich, und ist dabei richtig teuer.

Wenn man nun bedenkt, dass eben auch soziale Defizite in der Gesellschaft Teil des Problems sind, kann man, meine ich, so wie hier beschrieben den wirklich Süchtigen entgegenkommen. Ich kann mir gut vorstellen, das die kostenerträgliche Versorgung von wirklich Süchtigen nicht zu mehr Drogenkarrieren führen wird, dafür aber das auch gesellschaftliche Suchtproblem seinen Schrecken verliert, für alle Beteiligten.

Nur den Dealern würde es das Geschäft ordentlich vermasseln.

Speziell Cannabis ist hier noch recht wenig problematisch, es macht seltener und weniger stark süchtig. Ich würde eher noch das Cannabisverbot so belassen, wie es ist, dann aber auch den wirklich Cannabissüchtigen einen Kauf von sauberem Cannabis in der Apotheke ermöglichen, auch weil hier einfach die konsumierten Mengen dann doch problematisch werden, wenn die Droge unsauber ist.

Wenn jetzt ein Teil der Drogen auf Rezept weiter verkauft werden, ist das auch nicht schlimmer, als wenn sie aus dem Ausland ins Land hereingeschmuggelt werden. Wenigsten sind sie dann sauberer. Und man kann wohl auch per Blutuntersuchung feststellen, wenn ein Süchtiger seine Drogen nicht konsumiert, sondern weiterverkauft.




Kommentar vom 14.10.2021 00:18
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rueckzug-oder-kreuzzug-christentum-in-der-krise-erscheint-am-2-11-2021/

@hwied 12.10. 09:30

„Vernünftiger scheint mir die kerygmatische Sichtweise, in der die Bibel nicht nur wissenschaftlich analysiert wird sondern der Heilsgedanke, die Verkündigung der Frohen Botschaft für uns Menschen.“

Das erscheint mir durchaus als einen Fortschritt, insbesondere wenn man hier auch mehrere Varianten des christlichen Glaubens einbeziehen kann.

Plausibilität, eigene Beobachtungen, philosophische Überlegungen wie auch wissenschaftliche Erkenntnisse würde ich jetzt auch beim analysieren von Heilsgedanken mitberücksichtigen. Ich würde jetzt auch nicht der Bibel eine Absolutheit zugestehen. Wo sie überzeugt, ist sie beachtenswert, wo nicht, dann nicht.

Konkret irritiert mich die versprochene Unsterblichkeit der Seele. Je länger ich dieses betrachte, desto unattraktiver erscheint mir das. Was soll ich als ehemaliges biologisches Wesen denn mit meiner Psyche im Himmelreich anfangen? Das ist keine frohe Botschaft, sowenig wie die ermüdende Wiedergeburt im Buddhismus.

Da löse ich mich lieber im kosmischem Geist wieder auf, das ist eine Perspektive. Und das wäre auch recht plausibel: Wofür habe ich im Leben ein Gehirn, wenn ich ohne dieses als Seele nach dem Tod weiterexistieren kann? Was da weiterexistiert, kann nur ein Teil von mir sein, der vermutlich allgemeinerer Natur ist. Meine Individualität ist an mein Gehirn gebunden, nach dem Tod lebt die höchstens in meinen Werken und meinen Freunden weiter.

Für mich ist eigentlich klar, dass man nicht sehr weit kommt, wenn man das Geistesleben rein christlich betrachtet. Besser, man betrachtet auch die Heilsgedanken anderer Religionen, und vergleicht das und guckt, was hier gemeinsam ist. Und man kann sich auch auf die Suche nach ganz neuen Gedanken machen. Starwars etwa ist nicht uninteressant.



Kommentar vom 13.10.2021 00:14
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/von-terroranschlaegen-zur-willensfreiheit/

@Stegemann 12.10. 23:01

„Was haben spontan feuernde Neuronen mit Quanten zu tun?“

Wenn Quanteneffekte in Ionenkanälen Zufälle produzieren, kann dies in den laufenden Prozessen in den Nervenzellen eine Auswirkung auf das Feuern der Neuronen haben.

Dieser Zufallsanteil am Beitrag der einzelnen Nervenzellen wird sicherlich von der Gesamtkonstruktion des Nervensystems kreativ eingebunden. Sorgt dann aber auch vielleicht mal zu einer gewissen Offenheit im psychischem Geschehen.

Jedenfalls scheitert hier der durchgängige Determinismus dann spätestens am Quantenzufall im Ionenkanal. Auch wenn die Willensfreiheit sowieso im psychischem System liegt und längst gegeben ist.



Kommentar vom 12.10.2021 00:11
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rueckzug-oder-kreuzzug-christentum-in-der-krise-erscheint-am-2-11-2021/

@hwied 11.10. 11:55

„Der Titel Religion in der Krise, der meint nicht nur die Institution Kirche, sondern auch das Verständnis zur Welt. Ich bin mir sicher, dass die Vorstellung von Welt ohne einen Gott auch nur eine vorübergehende Erscheinung bleibt.“

Ich finde es auch unbefriedigend, auf der einen Seite religiöse Traditionen und auf der anderen eine rein materialistische Wissenschaft zu haben. Deshalb suche ich ja nach einer Vereinbarkeit von Spiritualität und Naturwissenschaft.

Ein personifizierter Gott ist einfacher im Gebet, sozusagen als Kontaktportal. Eine allgemeine, eher abstrakte Geisteswelt, die sich durch den ganzen Kosmos zieht, erscheint mir aber als realistischer. Und ohne menschliche Züge eigentlich sogar unkomplizierter und letztlich auch vertrauenswürdiger.

Eifersüchtige Götter, die Anbetung einfordern, erinnern mich an Diktatoren, die nur um sich selber kreisen und von ihrer eigenen Herrschaft selbst besessen sind.



Kommentar vom 12.10.2021 00:07
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rueckzug-oder-kreuzzug-christentum-in-der-krise-erscheint-am-2-11-2021/

@Holzherr 10.10. 17:32

„Photovoltaische Anlagen arbeiten in der Hitze schlecht und ab einer Temperatur von 60 Celsius praktisch überhaupt nicht mehr.“

Bei Wikipedia Stichwort Photovoltaik habe ich gefunden:
„So ändert sich die Leistung eines monokristallinen Siliziummoduls um −0,4 % pro °C, bei einer Temperaturerhöhung von 25 °C nimmt die Leistung somit um ca. 10 % ab.“

Wir haben also bei 50° im Schatten 10 % weniger Leistung als bei 25° im Schatten. Das sind immer noch 90 %, und das geht wohl noch, immerhin ist in Nordafrika und im Nahen und Mittleren Osten die jährlichen Einstrahlung fast 3 mal höher als der Durchschnitt in Deutschland. Als Standort für Energiewirtschaft und energieintensive Produktion also immer noch sehr gut, weil ziemlich zentral. Also doch noch ein wirtschaftliches Potenzial, wenn denn die politischen Verhältnisse sich mal bessern würden.

Die kühlere Atacamawüste ist klar im Vorteil, allerdings eher für Kunden in Süd und vielleicht noch Mittelamerika. Etwas weit weg für Europa, Afrika und Asien.



Kommentar vom 10.10.2021 16:06
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-44-islamischer-rechter-und-linker-querfront-antisemitismus/

@hto 09.10. 10:54

„Das Problem mit KI ist, die wird so lange programmiert bis die Antworten so schizophren sind wie die Realität ist, also kann das nichts mit Problemlösung werden, eher das Gegenteil.“

Kommt drauf an, was man damit macht. Z.B. Selbstfahrsysteme könnten für Kleinbus-Sammel-Taxis genutzt werden, aber auch für normale Privatautos, die auch nur eine Stunde am Tag mit einem Fahrgast genutzt werden. Das eine könnte den öffentlichen Nahverkehr revolutionieren, das andere wäre alles andere als effektiv, und würde nur den Missbrauch von Technik als Statussymbol fortsetzten.



Kommentar vom 10.10.2021 00:14
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rueckzug-oder-kreuzzug-christentum-in-der-krise-erscheint-am-2-11-2021/

@Michael Artikeltext

„Ich prognostiziere u.a., dass unter dem Druck der Klimakatastrophe mehr und mehr Regionen insbesondere im eurasischen Gürtel, Meso- und Südamerika sowie Afrika unbewohnbar werden und sich auch darüber hinaus – etwa in Russland – ganze Gebiete entvölkern.“

Ich weiß nicht recht, da sind mir die politischen Unzulänglichkeiten wohl deutlich maßgeblicher als die Erderwärmung. Man muss unterschieden: Wir brauchen Wohnraum, Arbeitsplätze und Anbauflächen. Das muss nicht alles am gleichen Ort passieren. In der Wüste kann man mit moderner Technik und hinreichender Klimatisierung passable Städte bauen, notfalls mit Wasser aus Entsalzungsanlagen. Ebenso Fabriken und Büros, hier ist ein Zugang zum Hafen und günstiger Strom wichtiger, als das hier gleich vor Ort auch Anbauflächen vorhanden sein müssen. Die können auch ganz woanders sein, wo das Klima eben auch im Klimawandel für Landwirtschaft noch günstig ist. Nahrungsmittel lassen sich leicht transportieren.

Die landwirtschaftlichen Arbeitsplätze sind minimal, viel größer ist hier der Faktor Maschinen. Der Maschinenbau für die Landwirtschaft dürfte wesentlich mehr Aufwand sein, als für den Fahrer, der seine Runden auf dem Acker dreht. Wenn man den Fahrer in Zukunft auch noch wegautomatisiert, dann brauchen wir noch weniger Arbeitskräfte an den Standorten der Anbauflächen.

Gerade in den Wüstengegenden, wo die Hitze am unerträglichsten wird, sind auch die besten Standorte auf der Welt für Solarenergie. Entsprechend viele neue Industriestandorte wären dort sehr attraktiv. Nicht nur in der Energiewirtschaft selbst, auch alles, was viel Strom verbraucht, wäre dort günstig anzusiedeln, auch KI.

Ein Klimawandel, der auf politisch bedingte Handlungsunfähigkeit trifft, wäre in der Tat dann aber katastrophal, und würde dann erst zu Abwanderungsversuchen führen.

„Auf der anderen Seite entstehen Archen, also Regionen mit höherer Resilienz, Wohlstand und Bildung, die aber auch wegen des steilen Geburtenrückgangs auf Zuwanderung angewiesen bleiben.“

Soweit es unvermeidbar ist, wird es wohl noch zu weiterer Migration kommen. Vermutlich aber weniger innerhalb der EU, dann eher tatsächlich aus den angesprochenen Ländern, die politisch quasi handlungsunfähig sind. Langfristig halte ich aber dann doch bei uns eine Kombination von mehr Nachwuchs, weniger steigenden Konsum und auch KI und Robotern für fähig, die Migrationsvorgänge größtenteils zu beenden. Da kann man nur hoffen, dass die Migranten vernünftig integriert werden. Die, die doch noch kommen werden, und auch die, die längst hier sind.

Bleibt auch zu hoffen, dass sich die politisch-wirtschaftliche Situation in Afrika und im Nahen Osten doch nachhaltig bessert. Vielleicht führt ja gerade die Konkurrenz mit China dazu, das wir diese Länder wirklich unterstützen und dabei helfen, dort politisch stabile und wirtschaftlich florierende Verhältnisse zu schaffen. Letztlich im gemeinsamen Interesse einer friedlichen und umweltfreundlichen Weltwirtschaft.



Kommentar vom 09.10.2021 14:44
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rueckzug-oder-kreuzzug-christentum-in-der-krise-erscheint-am-2-11-2021/

@hto 08.10. 10:30

„…,aber “Vernunft und Wissenschaft” ist noch immer Heuchelei, Lüge, systemrationale Schizophrenietät und Materialismus,..“

Wenn gesicherte Erkenntnis und vernünftige Überlegungen Unsinn wären, bliebe wohl leider nichts mehr übrig, auf das man sich verständigen könnte. Zusammenhanglose Inspiration und reine Hoffnung auf göttliche Mitbestimmung führt vielleicht in den Wahnsinn, aber sonst nirgendswohin.

Dann gibt es noch Leute wie Stalin, die machen sich in einer geistigen Wüste dann einfach selber zum Gott. Helfen tun die dann aber auch nicht.



Kommentar vom 09.10.2021 00:53
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-44-islamischer-rechter-und-linker-querfront-antisemitismus/

@Michael 05.10. 11:26

„Eine Bevölkerungsimplosion – wie es sie auch in Deutschland ohne Migration längst gäbe – wäre dagegen m.E. eine nicht nur wirtschaftliche Katastrophe. Mein Argument ist also nicht, dass Migration den Bevölkerungsrückgang ausgleichen müsste; Abbremsen aber schon.“

Ganz Europa ist vom Nachwuchsmangel betroffen. Die innereuropäische Arbeitsmigration hat wohl auch Grenzen. Am Rande habe ich gehört, dass z.B. Polen gerne viele Arbeiter wieder haben möchte, die derzeit in Deutschland arbeiten. Muslimische Flüchtlinge aus Afrika und dem nahen Osten sind offenbar unbegrenzt zu haben, die sind hier aber weniger beliebt. So schleppend, wie die hier integriert werden, sehe ich persönlich diese auch als problematisch an. Selbst die 2. Generation hat viel zu wenig Kontakt zu deutschen Mitschülern, da in den entsprechenden Stadtteilen, wo die wohnen, kaum noch Deutsche mit Kindern wohnen, und die Migrantenkinder viel zu oft unter sich bleiben.

Hier müsste unbedingt was passieren, so wie es läuft machen ich mir Sorgen, dass das mitgebrachte Patriarchat samt radikalem Islam sich dauerhaft festsetzt. Und wenn hier in den nächsten 15 Jahren noch 5 Millionen oder mehr dazukommen, dass das dann schwierig werden kann. Also wenn wir die wirklich noch brauchen, weil aus Polen und Rumänien keiner mehr kommt, sollte hier jetzt schon mal radikal mehr Integration angefangen werden.

Also z.B. soviel Deutsch lernen wie irgend geht, vorhandene Berufsabschlüsse anerkennen, Ghettoisierung entschärfen und muslimischen Schüler im ganzen Stadtgebiet verteilen.

So einfach wird das mit immer neuen Migranten wohl nicht werden. Dann eben selber mehr Kinder kriegen. Also 100% Kitaversorgung in allen Lebenslagen und 500 Euro Kindergeld für alle, auch für Harz4-Empfänger. Wenn das man überhaupt reicht. Es gibt viele, die würden gerne mehr Kinder bekommen, wenn entsprechendes umgesetzt würde, andere wiederum wollen wirklich keine Kinder, das kann man gar nicht ändern.

Das mittelfristige Problem dabei: selbst wenn wir wieder normal Kinder bekommen würden, würden die erst in 20 Jahren auf dem Arbeitsmarkt ankommen, und auch noch bis dahin jede Menge zusätzliche Arbeit machen.

Offenbar haben wir hier ein dickes Problem.

Wir müssten wohl oder übel wirtschaftliche Tätigkeit reduzieren. Es sieht so aus, als kämen wir genau da nicht dran vorbei. Also erst mal den chronischen Außenhandelsüberschuss abbauen, jegliche Verschwendung reduzieren, und so kurzfristig 2 bis 3 mio EU-Arbeitsmigranten wieder loswerden, damit der Bauboom ein Ende hat. Das wäre eine Basis für Handlungsspielraum.

Aber vielleicht haben wir Glück, und KI und Roboter lösen das Problem.

Die Verschwendung ist allerdings auch riesig, für meinen Geschmack zumindest. Da ist richtig was drin. Was hier alles als Statussymbol motiviert ist, könnte locker ein Drittel von dem sein, was wir uns so anschaffen. Nebenbei wäre der Klimaschutz allein dadurch schon zu einem guten Teil auch gleich erledigt. Wie wäre es z.B. mit einem Werbeverbot für Privatautos und Flugreisen?



Kommentar vom 07.10.2021 18:46
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/rueckzug-oder-kreuzzug-christentum-in-der-krise-erscheint-am-2-11-2021/

@Michael

„Was meinte Karl Popper genau, als er das Akzeptieren von Vernunft und Wissenschaft mit dem “Tragen des Kreuzes” identifizierte? Kann das Wege zu einer neuen, auch wissenschaftlich aufgeklärten Religiosität und Spiritualität weisen?“

Einfach gucken, was an gesichertem Wissen da ist, und sich dann auf die Glaubensinhalte konzentrieren, denen das Wissen nicht entgegensteht, das kann man nun machen. Sofern man eine Überlieferung mag, und sich da nach Möglichkeit dran halten möchte.

Es fragt sich dann aber auch noch, ob man nicht auch Vergleiche mit anderen Glaubenssystemen machen sollte, um dann zu gucken, was gemeinsam ist und was sich unterscheidet. Spezielle Mythen mögen dann eben speziell sein, und wahrscheinlich weniger realistisch sein, auch wenn sie vom Wissen noch nicht widerlegt worden sind. Findet man aber Gemeinsamkeiten, dann stehen die Chancen besser, dass an diesen Mythen tatsächlich was dran ist.

Man muss hier immer unterscheiden, was die Wissenschaft weiß, und was Wissenschaftler nur glauben. Dass alles mit rechten Dingen zugeht, ist eben kein gesichertes Wissen, und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Welt nicht geistlos ist. Und ich finde die Frage sehr interessant, wie eine geistige Beteiligung in der physischen Welt wie in uns selbst funktionieren mag.

Und man sollte auch die Motive der einzelnen religiösen Überlieferungen untersuchen. Wenn mir ein Leben nach dem Tod versprochen wird, dann muss ich damit rechnen, dass man mich hier einfach billig abspeisen will, um mich im Leben aufs jenseits zu vertrösten, auf dass ich mich widerspruchslos ausbeuten lasse. Solche Jenseitsversprechen treten meistens zusammen mit gottgewollten Herrschaftsordnungen auf.

Natürlich müssen Mythen nicht zutreffen, es ist schon viel gewonnen, wenn sie im Leben hilfreich sind. Aber was jetzt hinterher auch noch wirklich stimmt, dass ist ganz klar noch viel besser.


Kommentar vom 07.10.2021 14:39
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/von-terroranschlaegen-zur-willensfreiheit/

@Stegemann 07.10. 10:06

„Dynamische Systeme mit deterministisch chaotischem Verhalten sind nur scheinbar stochastische Systeme. Das Verhalten wird nicht durch zufällige äußere Umstände, wie beispielsweise Rauschen, verursacht. Es folgt aus den Eigenschaften des Systems selbst.“

Im Prinzip finde ich das nachvollziehbar, sehe es aber detaillierter.

Ich denke, wir sind biopsychosoziale Wesen, die hauptsächlich ihren eigenen Lebensplan abarbeiten. Im Chaos der sozialen Welt wird es allerdings recht unvorhersehbar, wie wir im Alltag aufeinanderprallen, zusammenarbeiten oder streiten. Man hat eine Menge Probleme, an denen man arbeitet, und niemand weiß, welche eventuellen Lösungen uns nächste Woche einfallen werden.

Letztlich leben wir im ewigen Augenblick, und reisen dabei durch die Zeit. Dieser Augenblick produziert ständig eine Mannigfaltigkeit von Neuem, was es nie zuvor gegeben hat, und eigentlich wehren wir uns die ganze Zeit gerade dagegen. Und versuchen ständig, dieses Neue so zu verarbeiten, dass unser Lebensplan fortgesetzt werden kann.

Immer wieder passen wir diesen unseren Plan an, die täglichen Details werden abgearbeitet, und hin und wieder müssen wir uns ganz neu aufstellen. Etwa wenn wir plötzlich unsere Arbeitsstelle oder den Partner verlieren.

Das Sein selbst ist dabei die ganze Zeit aber auch einfach ein Miterleben, zeitreisend zusammen mit der ganzen Natur um uns herum, und diese innere Erlebniswelt, als Teilhabe an diesem wunderbaren blauen Planeten, ist das Leben selbst. Neben dem täglichem Lebenskampf, haben wir hiermit eine Teilhabe, die mehr zum wirklichen Leben beiträgt, als unser Lebensplan, der eigentlich nur die Struktur liefert. Das konkrete Sein im Augenblick selbst ist der eigentlichen Lebensinhalt. Darum geht es, der Lebensplan, und wie er gelingt, ist nur die Form.

Praktischen Determinismus gibt es auch, vieles ist vorhersehbar. Das ist wichtig für unsere Arbeit mit dem Leben. Aber das meiste, das jeder Augenblick mit sich bringt, ist einmalig, ganz aktuell was Neues, was nie da war und nie mehr wiederkommt. Ein Rauschen, das dann aber doch eine Symphonie sein kann. So jedenfalls mein Eindruck vom Spaziergang von heute morgen durch den herbstlichen Park.



Kommentar vom 06.10.2021 00:54
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/sterbehilfe-bei-vollendetem-leben-oder-entsorgung-der-alten/

@Abbau im Alter

Wer ein glückliches und ausgefülltes Leben hatte, mag beim Gedanken langsam immer hinfälliger zu werden auch an Selbsttötung denken.

Meine Oma, Mutter von 8 Kindern, hatte nach einem bewegtem Leben mit 75 große Probleme mit dem Hüftgelenk. Sie bekam dann ein künstliches, was aber nicht einheilte und wieder raus musste. Das hätte dann ein Leben im Rollstuhl bedeutet. Das wollte sie gar nicht, dann wollte sie lieber sterben. Sie wollte dann einfach nicht mehr zum Arzt gehen, was dazu geführt hätte, dass die Infektion um das künstliche Gelenk sie umgebracht hätte.

Sie hat sich das aber nochmal überlegt. Man hat das künstliche Gelenk dann wieder entfernt, und sie war dann im Rollstuhl. Einer von ihren zahlreichen Enkeln zog in die Nachbarwohnung, und hat beim Staubsaugen geholfen, kochen konnte sie aber noch selber, und hat sogar öfter Gäste zum Essen eingeladen. Die halbe Treppe nach unten konnte sie mit ihrem einen funktionsfähigem Bein und Unterstützung noch gehen, es war also kein Problem täglich mit dem Rollstuhl eine Spazierfahrt zu machen. Die Toilette war auch schnell umgebaut. Sie lebte dann noch 5 Jahre, und ist dann einfach tot umgefallen.

Was ich damit sagen will ist, dass eine deutlich schlechtere Situation ziemlich schnell mit entsprechender Organisation dann doch wesentlich erträglicher wird, als man zunächst glaubt. So ist z.B. eine fortschreitende Demenz für einen fitten, im Leben stehenden Menschen eine absolute Horrorvorstellung. Aber wie es sich damit dann konkret wirklich lebt, ist dann meistens doch nicht so fürchterlich. Und eventuell immer noch ein Geschenk des Lebens.

Auch Menschen mit Downsyndrom meinen nicht, dass man sie besser abgetrieben hätte. Natürlich haben die kein normales Leben, aber in ihrer eigenen Weise doch Lebensqualität.

Das ist eine wirklich schwierige Frage, ab wann man denn wirklich nicht mehr leben will. Dann ist das vielleicht gar nicht so schlecht, wenn es auch entsprechend schwierig ist, sich selbst zu töten.

Ich wünsche mir im Prinzip auch, lieber einfach unerwartet tot umzufallen, als mich langsam über Monate immer mehr dem Tod zu nähern, und dann selber vor der Frage zu stehen, weiter zu machen oder lieber gleich zu sterben. Ein schneller natürlicher Tod würde diese schwierige Situation vermeiden.



Kommentar vom 05.10.2021 17:35
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/von-terroranschlaegen-zur-willensfreiheit/

@Balanus 05.10. 14:03

„Das verstehe ich so, dass, wenn der Determinismus wahr ist, in jeder möglichen Welt die dynamischen Systeme die gleichen Informationen generieren.“

Ja, aber so weit ich weiß ist der Quantenzufall nicht auf versteckte Parameter rückführbar, so wie man Pseudozufallszahlen mathematisch erzeugen kann. Deshalb haben wir eben keinen Determinismus, und die Welt hat in jedem Augenblick der zeitreisenden Gegenwart die Möglichkeit was anderes zu machen. Der Quantenzufall lässt sich nicht vorab festlegen. Die Zukunft ist nur im Groben vorherbestimmt, etwa bei Phänomenen wie Umlaufbahnen zweier Körper oder beim Ablauf von Computerprogrammen.

Wie gesagt, der Willensfreiheit ist dies zunächst mal egal, sie arbeitet psychologisch indem sie die aktuelle Situation im eigenem Sinne zu gestalten versucht. Und der Wille ist nur vorhersehbar, wenn er auf einen Reiz so eindeutig reagiert, dass man sich darauf verlassen kann. Wenn jemand nach einem heißen Tag durstig nach hause kommt, und es ist noch eine Flasche Bier im Kühlschrank, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass er als erstes zum Kühlschrank geht, und sich das Bier herausholt.



Kommentar vom 05.10.2021 00:42
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/sterbehilfe-bei-vollendetem-leben-oder-entsorgung-der-alten/

@Stephan 04.10. 21:41

„Das Wohlsein eines Menschen hängt mit seinen Lebensumständen zusammen.“

Ist einer beim Psychiater. Nach einem langem Gespräch sagt dieser: „Sie haben keine Depression, Sie haben ein Scheißleben.“

Bei Sterbehilfe geht es wohl hauptsächlich um Menschen, die sich nicht mehr selber töten können, etwa weil sie ihr Bett nicht mehr verlassen können. Aber doch macht es Sinn, dass man auch normalen Selbsttötungen dadurch entgegenwirkt, dass das Leben weniger hart und einsam ist, und sich mehr mit dem Sinn des Menschenlebens beschäftigt wird.

Das wiederum mag auch in Sterbehilfefällen helfen. Auch ist eine vernünftige Palliativversorgung nicht immer gegeben, was sonst wohl manchen Sterbewunsch gegenstandslos machen kann.

Wenn man an den Strippen hängt, und die Ärzte nur darauf gucken, den Tod möglichst lange hinauszuzögern, und dann wegen Corona nicht mal mehr Besuch hereingelassen wird, dann ist das was anderes, als wenn man in wohnlicherer Atmosphäre im Hospiz vor allem eine gute Schmerzbehandlung bekommt, in Ruhe Fernsehen gucken kann und täglich Besuch bekommt. Auch Bier und Zigaretten wären ganz nett. Und wenn man von sinnlosen kaum Lebensverlängernden Maßnahmen verschont wird, etwa von einer Chemotherapie, die keine Erfolgsaussichten mehr hat.

Ich kenne auch noch ein Fallbeispiel im Bekanntenkreis. Jemand lag im Koma, und die Ärzte meinten, das wird nichts mehr. Seine Freunde wussten, dass es eine Patientenverfügung gibt, wo drin steht, dass in diesem Fall die Maschinen abgestellt werden sollen. Also haben die die ganze Wohnung auf den Kopf gestellt, aber eben diese Verfügung nicht gefunden. Die Maschinen liefen also weiter. Ein paar Tage später wird der Patient wieder wach, und kann eine Woche später wieder nach hause, wenn auch noch recht lädiert.

Und seine Patientenverfügung war die ganze Zeit in der Brieftasche, da hatte keiner gesucht.

Wie man sieht, öfter wissen auch die Ärzte nicht, wie die Chancen stehen. Vielleicht doch noch etwas länger abwarten, ob sich die Situation vielleicht dann doch bessert, wenn wenigstens eine kleine Chance da ist.

Das gilt auch für Depressive. Wenn die ihre Krise einmal überwunden haben, sehen sie erst die Möglichkeiten, die zwar vorher auch schon da waren, aber eben aufgrund der Depression nicht gesehen werden konnten. Lieber warten und aushalten kann doch noch viele schöne Jahre Leben bringen. Wenn es eben irgendwie noch geht. Umbringen kann man sich später immer noch.

Erstaunlich sind auch die vielen Suizidversuche. Es ist beachtlich, wie zahlreich und untauglich diese Versuche oft sind. Man könnte diese als unbewussten Weckruf für das persönliche Umfeld verstehen, wie auch als Anlass, in einer Klinik professionell behandelt zu werden.

Hier wäre natürlich eine professionelle Suizidberatung, wie man es schmerzfrei und sicher macht, katastrophal. Ich bin hier in der lokalen Selbsthilfe aktiv, und kenne da nicht viele, die nie wenigstens einen Suizidversuch irgendwann mal versucht haben. Die wären dann alle Tot.

Das wäre auch ein Aspekt für die Sterbehilfe: wenn die dann gut tauglich ist, ist das wesentlich tödlicher, als wenn es einer alleine selber probiert.



Kommentar vom 04.10.2021 13:12
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-44-islamischer-rechter-und-linker-querfront-antisemitismus/

@Michael 03.10. 12:30

„…neben der Resilienz werden die Familienförderung und die Bereitschaft zur Integration von Migrant:innen wesentlich über die Erfolgsaussichten von Regionen und Staaten entscheiden.“

Fragt sich noch, was Erfolg denn ist. Eine Fortsetzung von Verschwendung liest sich in Wirtschaftszahlen positiv, ist es aber eigentlich nicht. In Abwanderungsregionen gehen die Immobilienpreise in den Keller, was aber in erster Linie die Immobilienbesitzer betrifft. Sinkende Bevölkerungszahlen haben immerhin eine gewisse Entspannung für die Natur zur Folge, was auch zu niedrigen Erzeugerpreisen für Nahrungsmittel sorgt.

Es ist nicht recht eindeutig, ob sinkende Einwohnerzahlen nun gut oder schlecht sind. Bei uns jedenfalls wird der Kindermangel derzeit noch von Migration so gerade eben ausgeglichen. Familienförderung und vernünftige Integration der schon vorhandenen Migranten ist aber irgendwie doch gut und auch recht akut vorrangig, scheint mir.

Eine andere Sache ist die nicht unerhebliche Verschwendung. Wenn ich mir z.B. die immer fetteren SUVs angucke, die durchaus noch das innerstädtische Platzproblem langsam aber sicher verschärfen, so denke ich, dass hier Luft nach unten ist. Fehlende Arbeitskräfte kann man auch mit einer Reduzierung von Konsum ausgleichen. Wenn dann hinterher mit weniger Zuzug der Kindermangel zur tatsächlichen Bevölkerungsreduktion führt, dann entspannt das den Wohnungsmarkt, es wird weniger neu gebaut, und das reduziert noch mal den Arbeitskräftebedarf deutlich.

Dazu kommt die immer weiter fortschreitende Automatisierung. KI und Roboter werden weiter den Menschen ersetzen, was bisher wieder durch neue Produkte und weiter wachsende Wirtschaft ausgeglichen wurde. Aber macht das denn wirklich Sinn? Zumal auch die Produktivitätssteigerungen in den letzten 25 Jahren an den meisten Arbeitnehmern ziemlich vorbei gegangen sind. Die leben die ganze Zeit schon ohne wachsenden Konsum, und kommen damit auch klar. Nur dass sie trotzdem immer noch so viel arbeiten müssen, das zu ändern wäre wohl eher angebracht, als dass hier der Konsum steigen sollte.

Ich kann mir irgendwie eine schrumpfende Wirtschaft mit einer schrumpfenden Bevölkerung bei gleichzeitig eher weniger, aber dafür sinnvolleren Konsum auch vorstellen. Die KI und die Roboter machen so tatsächlich auch weniger Arbeit möglich, wenn man es denn will.

Natürlich können dann Immobilienvermögen nicht weiter steigen, eher schrumpfen, und auch sonstiges Kapital hätte kaum noch Wachstumschancen. Aber von mir aus wäre mir das jetzt ziemlich egal, die reichen Leute haben sowieso viel mehr als was ein Mensch braucht.

Der Kampf gegen den Klimawandel und auch weniger Ausbeutung von Menschen in armen Ländern jedenfalls würde so durchaus schneller gehen. Und weniger Arbeitsstress bei uns noch als Zusatz dabei herauskommen. Dann haben wir auch wieder Zeit Kinder groß zu ziehen.



Kommentar vom 03.10.2021 17:31
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-44-islamischer-rechter-und-linker-querfront-antisemitismus/

@Michael 03.10. 12:09

„Hinzu kommt die Klimakrise, denn auch die kapitalistisch-kommunistische Mischwirtschaft des Landes stößt steigende Mengen an CO2 aus.“

Die Probleme die China mit dem Klimaschutz hat sind vermutlich ähnlich wie unsere. Kurzfristige Geschäfte sind näherliegender als gemeinschaftliche Aufgaben.

Interessant finde ich den Ausdruck „kapitalistisch-kommunistische Mischwirtschaft“. So wir mir scheint haben wir die im Westen auch. Es gibt viele staatliche Betriebe, die Bundesbahn oder die Wasserversorger etwa, und die ganzen öffentlichen Einrichtungen, wie Schulen und Gefängnisse, was auch ganz gut ist. Dann gibt es neben den Privatfirmen noch etwa den Spar- und Bauverein in Dortmund, der als Genossenschaft hervorragende Arbeit macht.

Interessant am chinesischem System finde ich etwa, dass man keinen privaten Grundbesitz erwerben kann. Das ist finde ich keine schlechte Idee, Grundstücksgeschäfte sind komplett unproduktiv, das bringt der Gemeinschaft nichts, wenn hier private Gewinne gemacht werden. Wenn die Grundstückspachten von Behörden verwaltet und eingetrieben werden, beeinträchtigt das nicht die sinnvollen Geschäfte von Privatfirmen, und das Geld aus Wertzuwächsen beim Grundbesitz bleibt komplett in der Staatskasse.

Ich weis ansonsten sehr wenig über das aktuelle chinesische Wirtschaftssystem. Und wie weit Repressionen gegen unliebige Meinungen gehen, wenn sie recht privat bleiben und kaum in die Öffentlichkeit getragen werden, da weiß ich auch wenig von.

Eine demografische Implosion haben wir hier auch. Die wird bei uns seit Jahrzehnten mit Migration ausgeglichen, was aber viel weniger Sinn machen würde, wenn ohnehin Nahrungsmittel knapp wären, wie es wohl in China einfach aufgrund der geografisch-demografischen Lage der Fall ist, die zunächst mal nichts mit Wirtschaft und Politik zu tun hat. Anbauflächen und Bevölkerungsgröße sollten optimalerweise zueinander passen.



Kommentar vom 03.10.2021 15:49
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/sterbehilfe-bei-vollendetem-leben-oder-entsorgung-der-alten/

@hwied 03.10. 15:08

„Das mit der Lebenszwangskrankheit ist Kappes.“

Das ist nicht meine Meinung, ich habe hier Paul S zitiert.

„Beobachten Sie doch mal Kinder beim Spiel. Die Jungs hacken und stechen aufeinander ein, sie kämpfen und toben und anschließend essen sie zusammen Kuchen mit Schlagsahne.“

Hier bin ich ganz bei Ihnen. Wenn sich die Erwachsenen aber mit Atomwaffen so benehmen, gibts dann hinterher keinen Kuchen mehr.



Kommentar vom 03.10.2021 15:38
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/sterbehilfe-bei-vollendetem-leben-oder-entsorgung-der-alten/

@Stephan 03.10. 14:26 14:29

„Und dann wird eben der Existenzdruck auf diejenigen erhöht, die – Schicksal sei dank – vor allem für den Wohlstand der Anderen arbeiten mussten, sobald sie damit aufhören (müssen).“

Die Arbeit, die die Existenz erfordert ist in der Tat zunächst zu leisten. Nur wenn dann noch Zeit ist, kann man sich mit dem Leben selbst beschäftigen. Wenn man mit weniger Konsum auskommt, hat man allerdings schneller mehr Zeit.

„Aber in dieser Welt gehört doch so gut wie jeder Platz schon irgendjemandem, wie bei einem Monopolispiel, bei dem bereits alle Felder verkauft sind.“

Man muss ja nicht die Welt besitzen, man kann die Natur miterleben, im Park spazieren gehen, auf Fahradtour gehen, oder im Fernsehen Dokumentationen gucken. Oder öfter mal Leute zum Essen oder zum Skat einladen, und sich mit guten Freunden beschäftigen. Das kostet alles nichts extra.

Auch online diskutieren oder Bücher schreiben kostet nichts.

Bei uns geht eher viel, in ärmeren Ländern sieht es aber deutlich schwieriger aus. Mit Hunger im Bauch und ohne Heizung ist schlecht philosophieren.

Ich glaube aber, das ziemlich Vielen gar nicht wirklich die Zeit fehlt. Die haben viel Zeit, oder könnten viel Zeit haben, können damit aber nicht viel anfangen. Die sehen nur den Leistungswettkampf, und ihnen fällt nichts anderes ein, als sich da zu engagieren. Was hinterher sogar Teil des Problems wird, weil der Leistungsdruck ja gerade so realisiert wird, indem so Viele rauszuholen versuchen, was irgendwie drin ist.

Der überschüssige Konsum, der wiederum der Erfolg der Anstrengung ist, wird dann wieder zum Stress, der andere mit hereinzieht.



Kommentar vom 03.10.2021 13:30
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/sterbehilfe-bei-vollendetem-leben-oder-entsorgung-der-alten/

@Paul S 01.10. 19:07

Interessant Ihr Beitrag, Pluralismus mal konsequent.

„Menschen, die andere zum qualvollen Leben zwingen, weil sie darin ihr Seelenheil suchen, halte ich für Soziopathen.“

Die Psychiatrie ist in der Tat öfter eiskalt, behandelt Menschen zuweilen wie defektes Material und verdient dennoch ihr Geld damit.

„wenn man die Karten auf den Tisch schmeißt und aufsteht, kann man auf alle Pokerregeln pfeifen, denn dann ist man kein Spieler mehr.“

Man kann sich aber auch auf die Suche nach ganz neuen Spielen machen.

„Trotzdem – die meisten Leute würden lieber leben. Ich auch, nur nicht unbedingt als ich und nicht unbedingt in diesem Universum.“

Wie wäre es sich auf die Suche zu machen, wie man dieses Universum mal ganz anders sieht, um sich selbst eine ganz andere Rolle zu geben?

„hätten wir genetisch keine von schweren Wahnvorstellungen und Realitätsverlust geprägte Lebenszwangskrankheit einmontiert, würde die Menschheit in drei Minuten von den Bäumen baumeln, statt sich seit zigtausend Jahren die Fressen-und-gefressen-werden-Gladiatorenarena schönzureden.“

Ich bin gar keine Feind von wildem biologischem Leben, gerade weil ich denke, dass wir eben keine reine Biologie sind. Sondern dass wir geistige Aspekte haben, die vom Kosmos her schon grundsätzlich zum biologischem Leben dazu gehören, und über Fressen und Gefressenwerden weit hinausreichen. Die inneren Erlebniswelten sind mindestens in der Tierwelt weit verbreitet, und sind keine reine Funktionalität, sondern auch Qualität zum Leben. Da kann man richtig was draus machen. Unser blauer Planet ist zuweilen ein hartes Pflaster, aber auch das schönste, das man im Universum derzeit finden kann.

„Das gesunde Gehirn ist wahnhaft und irrational, konsequente Rationalität führt zu Systemkollaps und psychotischen Störungen – oder ist Folge davon, geht auch.“

Ja dann machen wir uns doch auf die Suche nach Rationalität, die den Wahnsinn respektieren und vielleicht kultivieren, wenn nicht sogar integrieren kann.

„Doch bei so vielen widersprüchlichen Fluchtwegen sind Konzepte wie Krankheit und Gesundheit höchst relativ.“

Die riesige Pluralität der menschlichen Existenzen sind in der Tat viel zu wenig bewusst.

„Nach dem, was ich da draußen, im Outer Space des Inner Space, gesehen habe, kann ich weder Psychiatrie noch Gesellschaft verdenken, dass sie die Sicherheit ihres Mauselochs so verbissen verteidigen. Nur ist jedes Mauseloch anders, und das, in dem Sie happy sind, ist nicht unbedingt das, in dem Andere happy sind.“

Die Mauselöcher müssen ja nun nicht kleine Löcher zum Verkriechen sein, das können auch kosmische Weiten sein, die nicht nur geträumt sind, sondern auch wirkliche Verbindungen mit dem echten lebendigem Kosmos haben.

Insgesamt würde ich also sagen, dass Menschen, die keine Perspektive mehr sehen, und sich mit Selbstmordgedanken herumtragen durchaus noch Lösungen finden können. Die in der aktuellen Situation aber hinter dem aktuellem Horizont liegen, wo man dann therapeutisch tatsächlich auch was erreichen kann, indem man neue Horizonte findet.

In der Tat hat unsere Leistungsgesellschaft wenig Platz für Nichtleistung, aber man kann sich diesen Platz auch einfach nehmen. Und sich mit dem Leben selbst beschäftigen, damit was Leben alles noch sein kann, auch jenseits einer nur vermeintlichen reinen Biologie.



Kommentar vom 02.10.2021 17:26
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/von-terroranschlaegen-zur-willensfreiheit/

@Chrys 02.10. 15:32

„Wenn man einer Ereignisfolge, die augenscheinliche Randomess erkennen lässt, aber nicht ansehen kann, ob sie ein stochastisches oder ein deterministisches Modell erfordert, sind beide Fälle observationell äquivalent, und es macht dann keinen bedeutsamen Unterschied, welche Art der Modellierung man bevorzugt.“

Genau, die Willensfreiheit ergibt sich aus den psychologischen Vorgängen, egal ob nun versteckte Parameter oder tatsächlicher Zufall den Quantenzufall von z.B. Ionenkanälen produzieren. Nur ein geistig bedingter, auch mal auf die Zukunft hin gezielter Quantenzufall würde etwas hinzufügen, das nebenbei auch auf die Dauer feststellbar sein müsste, wenn dem denn tatsächlich so ist.

Was ich in dieser Diskussion noch interessant finde, dass ist der Aspekt, dass der Quantenzufall eigentlich ständig neue Informationen generiert. So ist die Gegenwart als Grenze zwischen unbestimmter Zukunft und fester Vergangenheit der Ort, in der der Quantenzufall stattfindet. Und die zeitreisende Gegenwart ist so ständig dabei was Neues zu produzieren, was einen unfertigen, sich erst noch entwickelnden Kosmos bedeutet.

Wir sind da mittendrin dabei. Und können klar beobachten, dass sich der Mensch und seine Kultur ständig weiterentwickeln, und alles andere im Kosmos auch.



Kommentar vom 02.10.2021 16:53
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-44-islamischer-rechter-und-linker-querfront-antisemitismus/

@hto

Ich denke mal, dass es reichen würde, einige internationale Standards einzuführen: Unternehmens, Vermögens und Erbschaftssteuern hinreichend und überall in etwa gleich zu erheben, dass sich keiner mehr darum drücken kann, dass genug Geld in die Kassen kommt für die gemeinschaftlichen Aufgaben, und dass genug Vermögen abgeschöpft werden kann, dass die Wirtschaft auch mit weniger oder ohne Wachstum klarkommt.

Dann könnte man auch zusehens mit weniger Stress und Leistungsdruck leben können, was neben der Umwelt auch den Menschen zugute käme. Ein gewisser internationaler Sozialausgleich wäre dann auch immer einfacher. Solange wir im Westen diesen großen technischen Vorsprung haben wäre dieser Sozialausgleich sinnvoll. Noch einfacher wäre es, einfach unser technisches Wissen zu teilen.

Neue Religion brauchen wir hierfür nicht, Humanismus und Vernunft müssten eigentlich schon reichen. Dass wir geistig sehr verwandt sind und im Prinzip verbunden sein können, vor allem auch über Religionsgrenzen hinweg, wäre aber noch mal eine fördernde Erkenntnis.

Ihre Ansicht, dass die Wege des Herrn nicht unergründlich sind, das könnte allerdings schon in die richtige Richtung führen. Nachvollziehbarkeit ist nun nicht unbedingt aussichtslos.



Kommentar vom 02.10.2021 00:34
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-44-islamischer-rechter-und-linker-querfront-antisemitismus/

@Paul S 30.09. 08:26

Ich denke, der Mensch kann doch mehr als nur Affenhordeninstinkte. Auch ist ein Nationalstaat was anderes als eine autonome Stammesgesellschaft. Es gehört hier einiges an Organisation dazu, wenn man auch manchmal auf die Instinkte zurückgreift, die noch aus Hordenzeiten übrig geblieben sind.

Letztlich bleibt uns vorerst der Nationalstaat, mangels einer weiteren optimalerweise weltweiter funktionierender Organisation. Innerhalb der EU ist schon einiges erreicht. Weltweite Standards, an die man sich überwiegend hält, die sind finde ich durchaus in Sicht. Sofern man die gemeinschaftlichen Aufgaben und Herausforderungen sicherstellt, und sich ansonsten friedlich verhält, wäre auch schon das meiste geschafft.

Dagegen stehen die, die aus Partikularinteresse heraus den Weg der Vernunft nicht wollen, und die dann am meisten stören. Und dann auch versuchen, an den Instinkten anzuknüpfen.