www.introspektiva.de - Die Wirklichkeit psychischer Krankheiten - Subjektivität als Maßgabe und Menschenrecht - ein Buchprojekt vom KLuW e.V.

Meine Kommentare auf scilogs.spektrum.de 2021/01 (T.J.)


Kommentar vom 09.01.2020 16:34
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/wie-gefaehrlich-fake-news-wirklich-sind/

@Bitte nur wirklich Gefährliches angehen

Angefangen hat das Thema Fake-News damit, dass Facebook und dergleichen gezielt krasse Meldungen gefördert hat, um die Nutzer länger auf ihren Plattformen zu halten. Die so immer mehr umsichgreifende Radikalisierung hat u.a. Trump zum Präsidenten gemacht, und dessen Administration hat dann noch mal richtig nachgelegt, und an allen etablierten Medien vorbei ihre Öffentlichkeitsarbeit einfach in die eigene Hand genommen.

Dennoch ist es anscheinend gelungen, diese Politik abzuwählen, wenn auch recht knapp. Offenbar ist die Reichweite derart selbstgemachter Öffentlichkeitsarbeit dann doch begrenzt. Die Leser sind anscheinend doch kompetenter als befürchtet.

Brauchen wir also wirklich ein Wahrheitsministerium, dass generell Meinungsäußerungen im Internet prüft und ggf. entfernt? Gleich mit betroffen wären wohl auch Bücher, Rundfunkbeiträge und z.T. sogar Musik und Kunst. Und neben politischen Themen wären dann auch schnell Religion und die persönlichen Auffassungen über wissenschaftliche Inhalte aus der Sicht des normalen Menschen betroffen, der nicht im Wissenschaftsbetrieb tätig ist.

Ich würde also vorschlagen, erstmal die staatlichen Stellen selbst ins Auge zu fassen, dass hier zweifelhafte Aussagen letztlich gerichtlich geprüft und ggf. entfernt werden können. Hier kann auch zukünftige KI hilfreich sein, als erste schnelle Reaktion, die dann im Streitfall per Eilantrag vor Gericht entschieden werden kann.

Als nächstes wären die sozialen Portale an der Reihe, und hier speziell die Newsfeeds, mit denen die Nutzer ungefragt mit Fake-News konfrontiert werden.

Erst wenn das nicht reicht, wäre ich dafür, auch Beiträge von Privatpersonen zu prüfen und zu filtern. Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, und ohne eine freie Diskussion können letztlich auch gesellschaftlichen Themen nicht vernünftig bearbeitet werden. Insbesondere würde ich mir Sorgen machen, wenn die Wissenschaft die Macht bekäme, Widersprüche gegen ihre Auffassungen rechtlich bekämpfen zu können.

Corona ist hier ein gutes Beispiel. Die Mediziner haben es fast weltweit geschafft, ihre spezielle Sicht auf die Pandemie den Regierenden zur Agenda zu machen, was kein Fehler sein muss. Aber man kann das hier doch auch anders sehen, ohne hier grundsätzlich auf Konfrontation mit der Realität gehen zu müssen. Mediziner haben neben ihrer Expertise auch ihre Spezialinteressen. Diese Interessen sollte sich weder die Politik, noch der Normalbürger ungeprüft zu Eigen machen.

Die Mediziner sind die Hauptleidtragenden von hohen Infektionsraten. Erst sind die Krankenhäuser überfüllt, und dann stirbt auch noch ein guter Teil ihrer besten Kunden dabei weg. Und letztlich stellen sich die Mediziner gerne selber als die großen Bewahrer von Leben und Gesundheit hin, was sie zum Teil auch sind. Aber wo sie an ihre Grenzen stoßen, realisieren die das oft nicht so genau.

Ich fände es nicht gut, wenn ich sowas nicht mehr sagen dürfte.



Kommentar vom 08.01.2020 18:10
https://scilogs.spektrum.de/gehirn-und-ki/kuenstliche-intelligenz-verschwoerungstheorien-das-boese-das-dumme-die-maenner-und-die-frauen/

@Jaromir Konencny 08.01. 14:17

„Klar werden Diktatoren KI missbrauchen und mehr kontrollieren, als sie kontrollieren sollen. Wir müssen nun mal schauen, dass unsere Firmen und Regierungen das nicht missbrauchen. Was sonst?“

Ich denke auch, dass wir daran nicht vorbeikommen. Man müsste hier wirklich gut gucken, wer und nach welchen Maßstäben Inhalte als Illegal einstufen darf bzw. einfach löschen kann.

Martin Holzherr 08.01. 15:23

„Kann so etwas, also Trumps Verhalten, ein normaler Teil der politischen Auseinandersetzung sein?“

Irgendwie wäre dass dann Illegal, und würde durchaus auch bei uns politische Parteien betreffen können, je nachdem, welcher Unsinn verbreitet wird. Neben einer Beobachtung bzw. Verbote von Organisationen durch den Verfassungsschutz, wäre dies eine ganz neue Handhabe gegenüber grenzwertigen Aktivitäten, wenn die Anarchie im Internet wirksam begrenzt werden könnte.

Martin Holzherr 08.01. 15:54

„Künstliche Intelligenz wird erst gefährlich wenn sie an menschliche Intelligenz heranreicht.“

Als Werkzeug in der Hand von Verbrechern ist auch heutige KI längst gefährlich. Gerade eine Behörde, die in Diktaturen nicht nur die Anarchie begrenzt, sondern jegliche Opposition gleich mit zensiert, hätte hier mächtige Werkzeuge zur Verfügung.

Auch kann KI, die auf Smartphones läuft, alle Audiomitschnitte erst in Text verwandeln, und dann per Textdatei schön reduziert auf ein paar KB zum Betreiber hochladen. Wenn der komplette Textmitschnitt jetzt mittels weiterer KI bearbeitet wird, und die Inhalte automatisiert herausgelesen werden können, dann haben wir hier Überwachungsmöglichkeiten, die wirklich kaum weitergehen könnten.

So dicht aufgezeichnet und ausgewertet, wie das heute u.a. durch KI möglich ist, dafür hätte die Stasi mindestens 10 Mitarbeiter pro so Überwachtem für gebraucht. Das können die mit allen Ihren Nutzern machen, komplett automatisiert, ohne dass hier irgendeiner überhaupt mitbekommt, wozu das dann hinterher in vielfältigster Weise alles verwendet wird.

Hier ermöglichen die wachsenden Kompetenzen von KI-Techniken auch immer mehr Wege, Daten einzusammeln, Auszuwerten, Zusammenzuführen und auch immer mehr Möglichkeiten, diese Erkenntnisse dann anzuwenden. Ohne dass man hier einen Anspruch darauf hätte, dass die eigenen Daten nicht gegen einen selbst verwendet werden dürfen.



Kommentar vom 08.01.2020 13:51
https://scilogs.spektrum.de/gehirn-und-ki/kuenstliche-intelligenz-verschwoerungstheorien-das-boese-das-dumme-die-maenner-und-die-frauen/

@KI-Filter und KI-Bots

Mit KI, die den Inhalt von Posts und Tweeds erfasst, kann man wohl durchaus massentaugliche und detailliert einstellbar Zensur praktizieren. Gleichzeitig kann eine KI, die Texte versteht, auf dem selben Niveau auch selber welche schreiben.

Eine unangenehme Vision einer möglichen Zukunft drängt sich hier auf: Die meisten Posts werden unterdrückt, statt dessen schreibt die KI gleich selber, was der Auftraggeber sich als Diskussion wünscht. Jeder Kommentierende, der die Argumentationen stört, wird weggefiltert. Das Diskursergebnis ist genau das, was man haben will. Und die nur Mitlesenden, die weder wissen, was ausgefiltert wurde, noch welche Beiträge von Bots kommen, haben den Eindruck, hier eine freie, authentische und interessante Diskussion mitzulesen.

So hätten Fake-News keine Chance mehr, es sei denn, der Betreiber selbst ist der Obertroll.

Die Anarchie des Internets wäre tatsächlich entschärft. Das ähnelt dann einer Tageszeitung, die eine Redaktion und einen Chefredakteur hat, der peinlich seinen Stil und seine Agenda überwacht. Und wo dann auch entsprechende redaktionelle Vorgaben nicht nur Falschmeldungen wirksam unterdrücken, sondern auch Meinungen und Haltungen unterdrückt werden, die die Redaktion nicht in ihrer Zeitung haben will. Ob nun aus guten Gründen oder nicht so guten Gründen.



Kommentar vom 08.01.2020 00:50
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/qanons-sind-keine-verschwoerungstheoretiker-fuer-ein-ende-der-verharmlosung/

@Harmlos?

Den Angriff aufs Kapitol könnte man vielleicht doch Trump so zuschreiben können, dass der in den Knast dafür geht. Das wär mal was.

Ich fand diese dreiste Unredlichkeit, die als Methode überall spaltet, eine derartige Unkultur, dass es mich etwas ratlos macht, wie es möglich ist, dass so viele Amerikaner darauf abfahren.

Soziale Härte mag eine Ursache sein, aber gerade hier hauen die Rechten die Leute doch erst recht in die Pfanne. Ein paar bekommen Arbeitsplätze, noch viel mehr werden nach unten hin ganz ausgegrenzt. Wo mancher noch meint, dass er ja zu denen nicht gehört. Was sich aber auch schnell ändern kann. In den USA reicht schon eine schwere Krankheit, um durch alle Raster zu fallen.

Bei uns landet man wenigstens auf Harz4-Niveau, man hat dann noch das Nötigste. Aber die Träume eines ehrenhaften Lebens, für das man sich Jahrzehnte abgerackert hat, sind trotzdem geplatzt. Nur ein Jahr gibts Arbeitslosengeld, danach muss man die meisten Ersparnisse erst mal verbrauchen, bevor es Arbeitslosenhilfe gibt. Neue Arbeit hat man dann noch lange nicht, aber die Schikanen schon. Bis man aufgegeben wird, und endlich Grundsicherung bekommt. Aber was ist ein Leben ohne sinnvolle Beschäftigung? Manch Einer findet eine sinnvolle Beschäftigung auch jenseits von Erwerbsarbeit, viele nicht.

So ist die Unfähigkeit, die sich ausbreitende Armut, in Deutschland vor allem auf dem Niedriglohnsektor, zu korrigieren, eine Motivation Politik und Medien zu dämonisieren. Aber genau diese Rechten benutzen die Menschen nur. Die greifen nur die Unzufriedenheit auf, um den Zusammenhalt zu zerstören. Durch Lügen erzielt man genau das. Was die dann am Ende wirklich wollen, ist mir ziemlich unklar. Mehr Demokratie gehört sicher nicht dazu. Vielleicht einfach noch ein paar Jahre Extralaufzeiten für die alten Kohlekraftwerke rausholen? Neben dem war es bei Trump mutmaßlich die Senkung der Steuern für Spitzenverdiener. So einfach kann Politik manchmal sein.

Wenn es dann wenigstens unsere Eliten zu einer Politik bewegen würde, die auch den Menschen wirklich nützt? Konkurrenz belebt das Geschäft? Na hoffentlich.



Kommentar vom 07.01.2020 14:48
https://scilogs.spektrum.de/gehirn-und-ki/kuenstliche-intelligenz-verschwoerungstheorien-das-boese-das-dumme-die-maenner-und-die-frauen/

@Trice 07.01. 12:50

„Angesichts der zunehmend chaotischer werdenden Lage, höre ich von ihnen auch, dass sie nicht nur auf den Corona-Impfstoff, sondern auch auf eine KI warten, die ihnen sagt, wie sie zu denken, was sie zu sagen und wie sie zu handeln haben.“

In der Tat würde ich unterscheiden zwischen wirklichen Unwahrheiten und Respektlosigkeiten einerseits und nur unpässlichen Meinungen und Haltungen andererseits.

Wenn jemand meint, wir sollten wieder normal Kinder bekommen und dann auch nicht mehr den Personalmangel per Zuwanderung ausgleichen, kann man das so oder so sehen. Wenn jemand zur Unterstützung seiner Haltung gegenüber Zuwanderern behauptet, 50% von denen wären kriminell, dann ist das erst eine richtige respektlose Falschmeldung.

Egal ob jetzt per KI oder von Hand eine quasi öffentliche Plattform wie Facebook hier zensiert, so sollte man hier tatsächlich nur die wirklichen Unwahrheiten bzw. Respektlosigkeiten aussortieren.

Eine nicht wirklich öffentliche Plattform wie Scilogs kann natürlich alles aussortieren, auch was ihr aus welchen Gründen auch immer einfach nur nicht passt. Sollte aber im konkreten Fall dennoch überlegen, ob das der Diskussion auch wirklich nützt. Unliebsame Standpunkte können eventuell besser diskutiert werden, wenn sie wirklich angesprochen werden. Solange die Diskussionskultur vernünftig und respektvoll bleibt alle mal.



Kommentar vom 07.01.2020 13:39
https://scilogs.spektrum.de/gehirn-und-ki/kuenstliche-intelligenz-verschwoerungstheorien-das-boese-das-dumme-die-maenner-und-die-frauen/

@hto 06.01. 11:18 / 19:51

„Rosa Luxemburg: “Es war seit jeher den Epigonen vorbehalten, befruchtende Hypothesen des Meisters in starres Dogma zu verwandeln und satte Beruhigung zu finden, wo ein bahnbrechender Geist schöpferische Zweifel empfand.”“

„Alain Finkielkraut: “Nicht Mangel an Geist, sondern ein Geist*, der sich ununterbrochen selbst gegenwärtig ist, eine Ausgeglichenheit gegen die nichts und niemand ankommt. Die Menschen reden, die Karawane zieht vorüber: Die Dummheit erkennt man an jenem ruhigen Fortschreiten eines Wesens, das Worte von aussen weder ablenken noch berühren können. Sie ist nicht das Gegenteil der Intelligenz, sondern jene Form der Intellektualität, die alles auf ihr eigenes Maß zurechtstutzt und jeden Anfang in einem vertrauten Vorgang auflöst. Der Dummheit ist nichts menschliches jemals fremd; die macht – über die Lächerlichkeit hinaus – ihre unerschütterliche Kraft und ihre mögliche Grausamkeit aus.”“

Lieber hto, endlich mal konkrete, verständliche Beiträge. Klasse.

Die Macht der Dummheit ist eine Faktor in der Welt. Das ist tatsächlich gefährlich.



Kommentar vom 07.01.2020 13:15
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-35-karl-popper-und-george-soros-zwischen-liberalismus-und-verschwoerungsglauben/

@Thomas Fechner 06.01. 11:45

„Das Grundübel der Menschheit und Ursache für Not und Elend vieler Menschen auf der Welt ist das „Ich-bin-besser-als-Du-Gehabe“ einiger selbsternannter Auserwählten. Dieses Phänomen, der überbordenden Überheblichkeit gegenüber Mitmenschen, zieht sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte und manifestiert sich vor allem in allen Religionen.“

Das ist sicherlich ein wesentlicher Aspekt für Egoismus, Rücksichtslosigkeit und Grausamkeit, dass man sich für wesentlich Erhaben hält. Man meint hier Privilegien zu haben, z.T. direkt von den Göttern verliehen. Das kann durchaus massentauglich sein, und betrifft dann nicht nur einige wenige, die sich hier für Auserwählt halten.

Weltoffenheit in Verbindung mit wirklichem Selbstbewusstsein scheint mir aber ein wirksames Mittel dagegen zu sein.

„Und ist darüber hinaus die Grundlage des Machtanspruchs dieser „Auserwählten“ bzw. Macht- und Finanzeliten.“

Ich glaube, dies ist nochmal ein ganz anderes Problem. Die Milliarden des Milliardärs sind ja nun selbstwirksam. Die Macht des Arbeitgebers gegenüber den eigenen Angestellten ist grundlegend in unserem System. Zusätzlich kann das Kapital bzw. dessen Halter selbst entscheiden, wo es sich niederlässt, und so in gewissem Rahmen mitbestimmen, welche Rahmenbedingungen sich ganze Länder geben, wenn sie sich auf den Wettbewerb um Investoren einlassen. Hinzu kommt die meistens ziemlich kompetente Geschäftstüchtigkeit der ganz großen Kapitalisten.

Das muss aber gar nicht ein so großes Problem sein. Erstmal müssen ja die ganzen Fabriken, Patente und Immobilien Irgendwem gehören. Und wenn hier die einzelnen Staaten auch nur etwas zusammenhalten, können auch die Milliardäre kaum ausweichen, und haben dann in der Praxis doch nicht so viel Macht.

Und sowieso müssen das keine Unmenschen sein. Und Träumer, die sich für Auserwählt halten, sind das auch nicht unbedingt. Wer so erfolgreich ist, wird wohl ein Realist sein. Aber die sind effektiv, da müssen wir sogar als EU aufpassen, dass die uns nicht über den Tisch ziehen.

Wie können wir uns wehren? Mit Unternehmens-, Zins-, Vermögens- und Erbschaftssteuern wohl. Wenn wir hier das Kapitalwachstum begrenzen möchten, zumindest. Antisemitismus ist aber auf jeden Fall sinnlos. Der erklärt nichts, und hilft auch nichts.



Kommentar vom 06.01.2020 14:25
https://scilogs.spektrum.de/wild-dueck-blog/ich-will-es-mikro-mord-nennen/

@Martin Holzherr 05.01. 01:20

„...weil ohne Konsum die Wirtschaft nicht lief und die Leute ohne Arbeit und Einkunft dastanden.“

Ich meine, hier kann man auch die Unternehmens-, Zins- und Erbschaftsteuern erhöhen, dann ist die Wachstumsabhängigkeit der Wirtschaft dann gleich kleiner.

Entsprechend weniger Kapitalwachstum und weniger Steuern für Beschäftigte hält das Geld dann auch bei weniger Neuinvestitionen im Fluss.

Wachstum sollte sich daran orientieren, dass es auch sinnvoll ist. Statt „Einkaufen bis zur Erschöpfung“ dann eher Zurückhaltung bei klimarelevantem Konsum wäre von Vorteil. Zumal auch Vielen weniger Arbeitszeiten sowieso gut tun würde. Wir sollten hier machen, was wir wirklich wollen. Weniger Leistungswettkampf wäre durchaus praktikabel, meine ich.



Kommentar vom 05.01.2020 12:41
https://scilogs.spektrum.de/wild-dueck-blog/ich-will-es-mikro-mord-nennen/

@Martin Holzherr 05.01. 01:20

„Wer eine Firma gründet oder sich wegen einer Investition verschuldet braucht Kunden, ein steigendes Einkommen und gesamtgesellschaftlich Wachstum,“

Ich habe nichts gegen sinnvolles Wirtschaftswachstum. Aber wir brauchen nicht in allen Bereichen Wachstum, und wenn es mal nicht so viele Gelegenheiten gibt, eine neue Firma aufzumachen, ist das auch kein Drama. Man muss ja nicht unbedingt eine eigene Firma haben, und auch nicht unbedingt Riesenumsätze machen. Das sollte keine Selbstzweck sein, meine ich.



Kommentar vom 04.01.2020 17:33
https://scilogs.spektrum.de/wild-dueck-blog/ich-will-es-mikro-mord-nennen/

@Martin Holzherr 03.01. 23:21

„...die Armen, wollen so reich werden wie die jetzt schon Wohlhabenden, also wie wir.
Fazit: Ich kenne viele Prediger des Wachstumsverzichts aber die Gemeinde der Zuhörenden und der Predigt Folgenden ist überschaubar.“

Teuer ist nicht immer Wohlstand. Kopenhagen hat sich wirklich nachhaltig fahrradfreundlich gemacht, und neben dem damit erzieltem Klimaschutz dafür gesorgt, das man mit weniger Einkommen mehr Wohlstand genießen kann. Viele Kopenhagener können schön und sicher Fahrradfahren, und brauchen ihr Auto nur noch ab und an, oder können ganz drauf verzichten. Das eingesparte Geld kann dann entweder anderweitig wohlstandsfördernd eingesetzt werden, oder man macht sich Zeit fürs Leben frei und reduziert seine Arbeitszeiten.

Ähnlich sinnvoll kann es sein, wenn man in seinen Privathaushalt gründlich überflüssige „Plünsen“ ausmistet. Als Faustregel kann man anwenden, das man alles, was man im letzten Jahr nicht gebraucht hat, entsorgt, spendet oder verkauft. Die freiwerdende Wohnfläche kann bis zu 50 % ausmachen. Wenn man bei Gelegenheit mal umzieht, reicht dann eine kleinere Wohnung. Das spart dann viel Geld, und zusätzlich auch Zeit, weil es deutlich weniger zu putzen und abzustauben gibt. Auch hier kann man sich mit dem freien Geld und der freien Zeit auf die Suche machen, wie man dies sinnvoll einsetzen kann.

Der Klimaschutz ist in diesem Zusammenhang natürlich immer eine Möglichkeit, frei gewordenen persönliche Ressourcen an Geld und Zeit vernünftig einzusetzen. Aber man kann auch weniger arbeiten und mehr auf Reisen gehen. Zumindest, wenn man noch jung genug ist, geht das auch per Fahrrad und Campingplatz ohne ökologische Nebenwirkungen.

Menschen in Gegenden, die wirtschaftlich noch weit hinter uns liegen, müssen die Fehler unserer Wachstumsgesellschaften gar nicht erst machen, und können beim Aufbau ihrer Infrastruktur von vornherein fahrradfreundlich vorgehen. Und die Menschen selbst können sich von vorn herein darauf konzentrieren, qualitativ gut zu wohnen und gut zu essen, anstatt recht überflüssigen Hausrat anzusammeln.

Das hat erstmal nichts mit Buße und Verzicht zu tun, sondern ist schlichtweg konsequent ökonomisch. Und ökologisch trotzdem sehr wirksam. Es lohnt sich auch, darüber nachzudenken, welche Statussymbole man wirklich haben will, und ob man überhaupt welche braucht.



Kommentar vom 03.01.2020 00:43
https://scilogs.spektrum.de/wild-dueck-blog/ich-will-es-mikro-mord-nennen/

@Elektroniker 02.01. 18:01

„Mir tut sozusagen das Herz weh, wenn ich daran denke, wie sorglos man mit ökonomischen Werten, z.B. Kraftwerken, Heizanlagen, …. Autos umgeht, die vorzeitig, lange vor der „ökonomischen Lebensdauer“ verschrottet werden und andererseits gegen wichtige Investitionen „querschießt“ z.B. Stromleitungen.“

Das sehe ich genauso. Ich wäre völlig dagegen, Benziner zu verschrotten. Aber man sollte gucken, dass schon in ein paar Jahren jede Menge verkaufte Neuwagen Batteriefahrzeuge sind. Wenn die jetzigen Neuwagen in die Jahre gekommen sind, und der Sprit aufgrund von zusätzlichen CO2-Steuern noch etwas teurer wird, hat man dann die Wahl, das Auto dennoch weiter zu fahren, oder eben ins Ausland zu verkaufen und sich einen Elektrischen zuzulegen. Je nachdem wie man sein Fahrzeug liebt, und je nachdem, wieviel man mit dem dann teureren Sprit pro Tag fahren muss.

Statt der vorzeitigen Verschrottung u.a. von Benzinern dann besser in mehr Fotovoltaik und weitere Windräder investieren. Gerade wenn wirklich zunehmender Strombedarf für die Batteriefahrzeuge anfällt, der zusätzlich noch beim Aufladen auf ein paar Tage hin flexibel ist, kann hier reichlich in die Produktivseite investiert werden. Und auch die derzeitigen Kohle- und Gaskraftwerke kann man dann noch recht sinnvoll als Backup bereit halten, bis hier zusätzliche Speicherlösungen einspringen können.

Nur die AKWs sind in diesem Mix weniger gut zu gebrauchen, die müssen durchlaufen, und können soweit ich weiß nicht tageweise an und ausgeschaltet werden. Aber deren Abschaltung ist doch längst beschlossene Sache. Aus möglicherweise nachvollziehbaren Sicherheitsgründen.

Was die Stromleitungen, und auch die Windräder im Binnenland betrifft, so sieht das fast so aus, als würde man hier absichtlich querschießen, um noch möglichst viel Laufzeiten für fossile Technik rauszuholen. Das gleiche gilt für ein nicht existierendes Konzept für Aufladestationen für Batteriefahrzeuge.

Auf Investitionen wie Erdölraffinerien können wir allerdings keine Rücksicht nehmen, zumal diese nur einen sehr kleinen Teil der Benzinkosten ausmachen.

„Die EEG-Umlage finanzieren (leider auch die nicht grünen) Wähler die sie letztlich gefordert haben. Die Industrie würde wegen der internationalen Konkurrenz eingehen, die mit billigen Atomstrom produziert.“

Ich finde gar nicht, dass wir ein Problem damit gehabt hätten, wenn die Industrie hier an der EEG-Umlage beteiligt worden wäre. Selbst wenn ein paar Produktionsstätten tatsächlich ins Ausland abgewandert wären, störte das wohl wenig. Wir haben seit mindestens 50 Jahren einen Außenhandelsüberschuss, und etwas weniger Arbeit und kürzere Arbeitszeiten kämen auch vielen Beschäftigten entgegen. Da ist speziell in Deutschland noch jede Menge Luft nach unten, bis dass wir hier ein Problem damit hätten.



Kommentar vom 02.01.2020 15:39
https://scilogs.spektrum.de/wild-dueck-blog/ich-will-es-mikro-mord-nennen/

@Elektroniker 02.01. 11:15

„Der Mensch musste sich schon immer ans Klima anpassen, da braucht man keine Hysterie anzufachen, außer es geht womöglich um andere Interessen.“

Wir haben inzwischen eine Erwärmung von 1.1° gegenüber vorindustriellen Niveau, und die Klimaforscher erwarten eine Erwärmung von 1.5° bis 4.5° bei einer Verdoppelung der Treibhausgase. In der Tat wären das dann zusätzlich 0.4° bis 3.4°, also ist es ziemlich unklar, was uns wirklich erwartet.

Aber es macht hier einen Unterschied, wie alt man ist, wenn es um Ängste und Sorgen dabei geht. Wer noch 20 Jahre vor sich hat, für den erscheint es womöglich sogar interessant, wenn es noch mal etwas wärmer wird. Wer aber 70 Jahre vor sich hat, den betrifft das ganz anders.

Wie man in einer so unklaren Lage vernünftig handelt, ist sicher unterschiedlich, und orientiert sich auch daran, wie man generell mit Risiken umgeht. Ich persönlich favorisiere den Mittelwert der Klimaprognose, als 3.0° bzw. zusätzlich zu den erreichten 1.1° nochmal 1.9° dazu. Für Deutschland ist die Klimaerwärmung gegenüber dem Weltdurchschnitt nochmal höher, als aktuell 1.9° und dann noch 3.3° mehr.

Und da ist für mich klar, dass das zu viel ist, und dass wir gucken müssen, dass wir so viele Treibhausgase gar nicht mehr produzieren, und das es dazu dann nicht kommt. Und ich befürworte hier entsprechend, dass alle Neuinvestitionen auf dem Energiesektor möglichst mit Techniken zu erfolgen haben, die ohne Treibhausgase auskommen.

„Den „Klimahysterikern“ geht es nicht wirklich um eine realistische Bewältigung der Probleme, die eben bei langfristigen Temperaturerhöhungen anstehen“.

Die Bewältigung der Auswirkungen des Klimawandels kommen auf uns zu, und dies ist überhaupt nicht umstritten. Was die eigentliche Streitfrage ist, das ist, wie viel wir unternehmen sollten, um weitere Temperaturerhöhungen zu verhindern.

„die sich einen kleinen „Wohlstand“ erworben haben und denen es wegen der immer höheren Preise (Energie, Heizung,….) an den Kragen geht.“

In der Tat hat man die EEG-Umlage so konstruiert, dass alles an den privaten Stromverbrauchern hängengeblieben ist, und dann noch so, dass die Industrie ihren Strom noch günstiger als vorher beziehen konnte. Unsozialer hätte man hier gar nicht sein können. Wenn das so weitergeht, und der Gasverbraucher, der wenig Möglichkeiten hat, seinen Gasverbrauch der Heizung zu reduzieren, dann per Extrasteuer den 2.5-Tonnen-Elektro-SUV subventionieren muss, dann freut mich das auch nicht mehr.

Ansonsten ist es wohl so, dass wenn sich die klimafreundliche Technik einmal richtig etabliert hat, dass dann die Preise immer niedriger werden, und wir schon in 10, spätestens in 20 Jahren sogar stellenweise Energiepreise haben können, die unter den derzeitigen liegen. Wenn Fahrzeugbatterien entsprechend günstiger werden, und der regenerative Strom auch, dann werden Elektroautos sowohl in der Anschaffung wie im Betrieb kostengünstiger als Benziner werden. Mit CO2-Steuern werden wir zwar zunächst mehr bezahlen, aber schon mittelfristig werden wir dann teilweise keine höhere Kosten mehr haben.



Kommentar vom 02.01.2020 12:43
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/eine-nachlese-zur-coronavirus-impfpflicht/

@Chrys 02.01. 10:21

„Gemessen an den gängigen Standards, nach denen noch kein Vakzin gegen SARS-CoV-1 oder MERS-CoV eine Zulassung erhalten hat, würden gewiss auch alle aktuellen SARS-CoV-2 Impfstoffe bei der Prüfung durchfallen. Das wäre dann allerdings politisch “absolut inakzeptabel”.“

In der Tat ist die Sicherheit der Covid19-Impfstoffe noch nicht bekannt, was eventuelle langfristige Nebenwirkungen betrifft. Deshalb erscheint es mir als unangemessen, eine Impfpflicht für Menschen einzuführen, die selbst nur ein geringes Risiko haben, im Falle einer Infektion schwer zu erkranken.

Bei den Risikogruppen sieht das wohl anders aus. Hier ist ganz akute Lebensgefahr für den Fall einer Infektion, und bei den derzeitigen Infektionsraten auch die Gefahr einer Infektion ziemlich relevant. Ich würde hier sogar eine Impfpflicht für über 70-Jährige nicht ablehnen.

Für eine Durchimpfung von 70% um eine Herdenimmunität zu erreichen werden vermutlich die Freiwilligen ausreichen, hier brauchen wir keine Impfpflicht, dann eher mehr Impfstoff und mehr Impfzentren, dass das schneller geht.

Aber nun gut, wir impfen jetzt sowieso erstmal die Risikogruppen, und werden in ein paar Monaten mehr über mögliche Nebenwirkungen wissen.

SARS-CoV-1 oder MERS-CoV waren eine Randerscheinung, und einen Impfstoff dafür braucht man nicht. Die Impfung gegen Covid19 ist ein Notfall, der auch eine Notfallzulassung der Impfstoffe rechtfertigt.

Hier wäre es sogar besser gewesen, man hätte sich noch mehr damit beeilt. Hätten wir die Massenproduktion und die Zulassung schon im Oktober gehabt, dann hätten wir jetzt das Schlimmste schon hinter uns. Die Risikogruppen wären zu 90% geschützt, und bei den aktuellen Infektionsraten hätten wir 10 mal weniger Todesfälle und entsprechend auch weniger schwer Erkrankte, und keine wesentliche Überlastung der Krankenhäuser.

Die Wiedereinführung eines ungestörten sozialen und wirtschaftlichen Lebens rechtfertigt meiner Ansicht eine Notfallzulassung, auch wenn eventuell noch Nebenwirkungen auftreten werden, die jetzt noch nicht bekannt sind. Der Preis dafür, noch Jahre mit der Zulassung zu warten, wäre zu hoch.



Kommentar vom 01.01.2020 15:03
https://scilogs.spektrum.de/wild-dueck-blog/ich-will-es-mikro-mord-nennen/

@Zeitstrafe für 1 Mikromord

Wenn man für 1 Mord 15 Jahre Gefängnis bekommt, dann müsste man für einen Mikromord dann 15 Jahre / 1.000.000 Haft bekommen, das sind dann ungefähr 8 Minuten Haft.

Wenn ich also mit überhöhter Geschwindigkeit 1 Mikromord begehe, und nur 1 Minute Zeit dabei einspare, wäre das also um den Faktor 8 unangemessen.

Anders wenn man das religiöser einschätzt: Wenn ein Mord die ewige Verdammnis bedeutet, wäre dann ein Millionenstel Ewigkeit nicht zu berechnen. Weil man nun mit unendlich eben nicht rechnen kann, man verliert sich in Maßlosigkeiten, wenn man es trotzdem versucht.