www.introspektiva.de - Die Wirklichkeit psychischer Krankheiten - Subjektivität als Maßgabe und Menschenrecht - ein Buchprojekt vom KLuW e.V.

Meine Kommentare auf scilogs.spektrum.de 2020/08 (T.J.)


Kommentar vom 30.08.2020 12:56
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-25-von-wegen-covidioten-verschwoerungsmythen-verstehen-mit-heidegger-und-platon/

@tranquebar 29.08. 10:41

„Also ja, ich stimme Ihnen zu: Wir können grundsätzlich schon wahrnehmen, was nötig ist, aber es kostet uns Kraft und Zeit, und wer sich die nicht nehmen will, muss sich darüber klar sein, dass er dann auch keinen qualifizierten Beitrag zu einer Diskussion leisten kann. Und zu dieser Selbstkritik kann einen das Höhlengleichnis bringen.“

Genau, wobei wir eben oft nicht die Zeit haben, und doch unter Zugzwang stehen, und mit ziemlich voreiligen Einschätzungen arbeiten müssen. Gerade am Anfang der aktuellen Coronakrise war die Rede von „Wir müssen auf Sicht fahren“. Im persönlichem alltäglichen Lebenskampf ist dieses Fahren auf Sicht sogar die Regel.

Andererseits ist Ihr Beispiel von der Wahrnehmung eines steigenden Migrantenanteils wiederum leicht lösbar: Einfach bei Wikipedia Stichwort Migrationshintergrund gucken. Da findet man viele Antworten, wenn man nur einen Nachmittag investiert.

Und auch sonst sind wir nicht alleine. Bei konkreten zwischenmenschlichen Irritationen bespricht man dies gerne im ganzen sozialen Umfeld, und findet hier oft auch hinreichend starke Einschätzungen, dass man klarkommt. Was man auf die Schnelle erstmal sicherheitshalber paranoid verarbeitet, kann man meistens im Austausch dann auflösen.

Dieser zwischenmenschliche Austausch macht ja gerade den Menschen als Kulturwesen aus. So kommen wir gemeinsam zu Einschätzungen, die sich im Laufe der Zeit immer weiterentwickeln. Hier läuft ein ständiger Mikro-Kultur-Prozess, der im kleinen sozialem Umfeld anfängt, sich über Blogs wie diesem hier und über Bücher fortsetzt, und am Ende von der wissenschaftlichen Gemeinde weiterverarbeitet wird und dann sogar in Lehrbüchern auftauchen kann.

Dass der Mensch grundsätzlich in der Lage ist, auf dieser Welt klar zu kommen, dürfte zutreffen. Insbesondere wenn “verprügelt alle anderen solange, bis die vor euch kriechen und eure Sklaven sind” nicht mehr die vorherrschende Strategie ausmacht.



Kommentar vom 29.08.2020 00:43
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/antisemitismus-semitismus-der-kampf-der-mythologien/

@hwied 28.08. 11:36

„Geist steht über Sprache, über Logik, über Zeit und Raum. Am nächsten kommt man ihm als philosophisches Prinzip.“

Mag sein, aber sofern er sich an den Niederungen der konkreten psychischen Existenz beteiligt, so muss er eben die Nebenbedingen von Zeit und Raum, und auch von Sprache und Logik beachten.

Und ein kosmischer Geist interessiert mich in erster Linie, wenn er sich mit dem Irdischen beschäftigt. Aus welcher Perspektive er dieses nun macht, ist womöglich auch selbst ziemlich irdisch: Das Leben und insbesondere das Bewusstsein, die Subjektivität der eigenen Innenwelt, brauchen einfach geistige Unterstützung, um wirklich vernünftig funktionieren zu können.

Das Endergebnis ist dann hoffentlich als nächstes, dass auch der Mensch sich in die Ökosysteme dieses Planeten wieder so integriert, dass wir in, mit und zusammen mit der übrigen Natur hier unser Paradies wiederherstellen können – zumindest im Wesentlichen.

„In der Religion wird er heiliger Geist genannt, weil er das Gute im Visier hat, das Gute für alle, das , was die Welt im Innersten zusammenhält.“

Was jetzt darüber hinaus geht, an Eigenschaften und Agenda des kosmischen Geistes, so würde ich diese Fragen gerne einfach für das 22. Jahrhundert aufschieben. Und erstmal die dringenden Probleme des 21. Jahrhunderts anfassen.

Soweit hier religiöser und weltanschaulicher Fanatismus und die folgende Intoleranz problematisch sind, so wäre hier gerade mein Vorschlag, doch erstmal die offensichtlichen irdischen Angelegenheiten zufriedenstellend zu gestalten, und den Streit um den richtigen Glauben weiter hinten anzustellen.



Kommentar vom 29.08.2020 00:07
https://scilogs.spektrum.de/medicine-and-more/covid-19-zwischenbilanz-3-3-der-lockdown-und-die-notfaelle/

@Sinkender Anteil der Rate der Todesfälle bei den positiv Getesteten

Kann es nicht auch sein, dass die Risikogruppen und ihr näheres Umfeld die Schutzmaßnahmen ernster nehmen, und auch im Laufe der Zeit immer besser lernen, z.B. mit den Masken umzugehen? Während bei den jüngeren Leuten die Akzeptanz der Schutzmaßnehmen eher abnimmt, was gerade angesichts der geringen Todeszahlen nachvollziehbar ist:

Ich habe mal die Grafik in https://www.spektrum.de/wissen/kommt-die-zweite-corona-welle/1700384 bezüglich der Todeszahlen ausgewertet:

01.03. . . .0 . . .0 . . .0
15.03. . .11 . .11 . . .1
01.04. . 920 . 909 . .61
15.04. 3840 2920 . 208
01.05. 6736 2896 . 207
15.05. 7897 1161 . .83
01.06. 8555 . 658 . .44
15.06. 8807 . 252 . .18
01.07. 8995 . 188 . .13
15.07. 9080 . .85 . . .6
01.08. 9145 . .65 . . .5
15.08. 9235 . .90 . . .6
25.08. 9276 . .41 . . .4

In der 3. Spalte sind die jeweiligen Todeszahlen für ca. 14 Tage für ganz Deutschland, in der letzten Spalte finden sich die täglichen Todeszahlen.

Das ist ja jetzt nicht soo viel. Man muss aber bedenken, das die Todeszahlen gegenüber den Infektionszahlen verzögert sind. Die Menschen müssen erstmal sterben, und es dauert noch ein paar Tage, bis die Todesfälle auch gemeldet werden. Aber bei der Einschätzung der aktuellen Gefahr würde ich die absoluten Todesraten als wesentlichstes Maß ansehen. Folgenlose Infektionen dagegen sind eben auch tatsächlich folgenlos. Eine in den Medien beschworene Verschärfung der Pandemie ist aktuell offenbar ohne Grundlage, zumindest momentan und in Deutschland. Was allerdings der nächste Winter bringt, das werden wir dann sehen.

Gleichzeitig könnte es eine Rolle spielen, dass das Reservoir der Todeskandidaten etwas abnimmt, weil diese zu einem höheren Anteil bereits erkrankt und inzwischen entweder Tod sind, oder die Sache überstanden haben. Gerade wenn viele nur vorübergehend eine hohes Risiko haben, z.B. weil sie gerade eine Chemotherapie machen mussten. Ich kann mir gut vorstellen, das die Risikopatienten sich auch wesentlich schneller infizieren können als der Durchschnittsmensch, so verbraucht sich dieses Reservoir dann eben auch schneller.



Kommentar vom 28.08.2020 11:29
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-25-von-wegen-covidioten-verschwoerungsmythen-verstehen-mit-heidegger-und-platon/

@tranquebar 27.08. 14:05

Ein Artikel zum Thema https://www.spektrum.de/kolumne/schluss-mit-dem-selbstbetrug/1761336

„Wir alle tun uns schwer damit, die Schwächen unserer eigenen Arbeit zu erkennen– das ist eine normale Eigenschaft des menschlichen Denkens. Aber wenn wir um unsere blinden Flecken wissen, können wir sie vermeiden.“

Statistische Fallstricke sind vielfältig. Dies betrifft auch Wahrnehmungen, die von unseren Sinne eigentlich ausreichend erfasst werden. Wenn wir zu sicheren Erkenntnissen kommen wollen, müssen wir uns etwas mehr anstrengen.

Neben der Wahrnehmung von Kriminalitätsraten gibt es noch ganz viele solcher Beispiele. Die Häufigkeiten von Kopftuchträgerinnen, die Gefährlichkeit von psychisch Kranken, die Gefahr von Flugreisen gegenüber dem Straßenverkehr. Ich war auch mal in Pompeii zu Besuch, und hatte angesichts des an sich noch gefährlichen Vesufs ein mulmiges Gefühl dabei. Die Millionen Neapolitaner nicht, die wohnen da seit Generationen und haben sich so an die Gefahr so gewöhnt, dass sie sie gar nicht mehr wahrnehmen.

Oder aktuell die Corona-Panik. Gewohnte Lebensgefahren werden völlig anders verarbeitet als neu auftretende Gefahren.

Aber grundsätzlich halte ich die menschlichen Sinne, unser Bewusstsein und unseren Verstand für sehr wohl in der Lage, nicht nur Schatten, sondern auch die Dinge an sich zumindest in so weit zu verstehen, dass wir damit richtig gut klarkommen können. Das Höhlengleichnis halte ich für sehr übertrieben.



Kommentar vom 27.08.2020 01:24
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-25-von-wegen-covidioten-verschwoerungsmythen-verstehen-mit-heidegger-und-platon/

@tranquebar 26.08. 13:29

„Aber unsere Körper können das nicht, wir sind an unsere menschliche Natur gebunden. Unser Geist ist also in den Fesseln unserer menschlichen Wahrnehmung gefangen. Manche versuchen, durch Wissenschaft diese Fesseln zu lockern…
Der Grund für dieses Scheitern ist, dass er nicht willens oder in der Lage ist, die Grenzen seiner eigenen Wahrnehmung zu akzeptieren und über sie hinaus zu denken….
Anhänger einer solchen Theorie, die es nicht schaffen (oder gar nicht erst wollen), den Blick von den Schatten abzuwenden, glauben, all jene, die dies schaffen, seien die bösen “Gaukler”….
Und ihr Geschwurbel von der Meinungsdiktatur zeugt von der Verbreitung der Wahrheit, die sich immer mehr durchsetzt und ihnen ihre “Theorien” “verbietet”, indem sie sie widerlegt….
Mit dem Internet und den “Sozialen” Medien haben sich diese Verschwörungsgläubigen gefunden und gewinnen den Eindruck, doch nicht allein zu sein….
Ihre “Sozialen” Medien sind das Naturschutzgebiet…
Nach mehr Erkenntnis suche ich nicht, und wenn, dann auch wieder nur an der Wand. Um dies zu durchbrechen, muss man es aus dem Verschwörungsglauben heraus schaffen wie im Gleichnis aus der Höhle.“

Sind unsere Schwurbler tatsächlich nicht in der Lage, die Grenzen der direkten Wahrnehmung zu erkennen? Kann man denn so doof überhaupt sein? Die Verweigerung von Fakten aus welchen Gründen auch immer scheint hier allerdings tatsächlich ein Teil des Problems zu sein.

Aber ich sehe hier überhaupt keinen Widerspruch zwischen Wissenschaft und Sinnlichkeit. Die ganze Psychologie dreht sich doch um Originalerfahrung. Kunst auch, und auch ein Urlaub richtet sich an die Sinne des Urlaubers. Was ist das Leben ohne Sinne. Und welcher Sinn fehlt uns denn? Wir können doch Wissenschaft betreiben, z.B. mit Infrarotkameras und Großteleskopen oder Elektronenmikroskopen. Deren Abbildungen kann man in für uns sichtbare Bilder verwandeln, und so werden diese für uns selbst zur ureigenen Erfahrung.

Worum geht es denn hier konkret? Verzögerung von Klimaschutz, Rechtfertigung und Streit um Migration, penetrante „Kritik“ an der Relativitätstheorie? Stecken da nicht auch einfach nur die Eigentümer der Kohlekraftwerke dahinter, und eine Politik, die es für Jahrzehnte versäumt hat, für Nachwuchs zu sorgen und die jetzt immer noch mehr ausländische Arbeitskräfte und Mieter als Ersatz ins Land holen muss? Und die Relativitätstheorie ist so unangenehm unanschaulich, das macht sie ausbeutbar für jeden, der gegen die Wissenschaft und gegen Juden gleichermaßen hetzen möchte.

Schlechte Bildung, eine Neigung zu einer negativen Weltsicht, das sind noch mal Argumente. Aber mangelnde Ausstattung mit naturgegebener Wahrnehmung, das kann ich so nicht sehen. Um darüber hinaus zu denken brauchen wir doch gerade auch die Grundlage der sinnlichen Welterfahrung und der inneren Weltmodelle, die jeder Mensch für sich immer wieder neu entwickeln muss. Ohne dem könnten wir uns nicht mal den flachen Euklidischen Raum vorstellen, der Zugang zur Relativitätstheorie muss leider unanschaulich bleiben. Deren Evidenz akzeptieren und damit arbeiten geht aber doch, wenn man nur will.



Kommentar vom 25.08.2020 11:42
https://scilogs.spektrum.de/uhura-uraniae/die-universitaet-ist-krank/

@Betriebsblindheit

Das hier beschriebene Finanzierungssystem reduziert die Freiheit der Forschung und fördert die ohnehin auch in der Wissenschaft vorhandene Betriebsblindheit, wie mir scheint. Das Ergebnis ist dann Forschung in einseitige Richtungen.

Was die prekäre Lage von jungen Wissenschaftlern betrifft, so ist es auch in der übrigen Gesellschaft seit Harz4 immer schwieriger geworden, eine feste Stelle zu bekommen.

Ein Bedingungsloses Grundeinkommen und viel Geld für Kinder generell und speziell für Wissenschaftler könnten beide Probleme entschärfen: Mit dem Geld kommt man eher hin, wenn man nur einen Zuverdienst braucht, und man kann auch schon mal mit der Familiengründung anfangen, wenn man noch nicht Professor geworden ist. Und man kann auch eher in die Richtung forschen, die einen wirklich interessiert, was einem als wirklich brennende Frage erscheint. Und muss weniger Zeit mit Anträge Schreiben verschwenden.



Kommentar vom 25.08.2020 00:28
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/antisemitismus-semitismus-der-kampf-der-mythologien/

@hwied 24.08. 18:17

„Die Geisteswelt ist schon ein Widerspruch in sich, denn der Geist unterliegt nicht den Kategorien von Raum und Zeit.“

Kosmischer Geist kann sich sicher auch wirklich außerhalb der Kategorien von Raum und Zeit bewegen. Wenn sich ein Teil der Geisteswelt mit unserem konkreten psychischem Leben befasst, muss sich das aber auch an unseren Ort und an unsere laufende Zeit halten.

„…,warum gibt es das Universum?“

Weil es schön ist und Spaß macht, darin zu leben, vielleicht?

„Das muss sich jeder selbst beantworten.“

Jeder hat seine Traditionen, sein eigenes Wissen und seine eigenen spirituellen Erfahrungen. Von daher sind Mythen schon unbedingt vielfältig. Aber mehr Wissen, vielleicht auch mehr Theologie und Religionswissenschaft, und am Ende sogar Hirnforschung könnten den Raum des Wissens auf Kosten des Raums der Mythen doch noch etwas ausweiten. Aber klar, das Leben wird immer zumindest zu einem guten Teil persönlich bleiben.

@j „Ist es die naive Sehnsucht zurück zu wyswyg( What you see, is what you get) ?“

Warum nicht? Mensch muss mit dem arbeiten, was in seinen eigenen Kopf passt. Der eine hat Zeit und Muße zu philosophieren, der andere nicht. Das Leben bleibt persönlich. Zuweilen primitiver Pöbel – aber aus wessen Sicht? Auch einfache Menschen machen sich ein Bild von der Welt. Und dieses unterscheidet sich mehr oder weniger von der akademischen Welt. In der Demokratie nochmal konfliktträchtig, aber ok. Das geht eben nicht anders.

Streiten muss also sein. Wenn es um Fakten geht, aber auch wenn es um die Qualität von Mythen geht. Einfach ad hominem Menschen, die Unsinn glauben, den Mund verbieten und das Wahlrecht entziehen ist schwierig.



Kommentar vom 24.08.2020 11:22
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/antisemitismus-semitismus-der-kampf-der-mythologien/

@hwied Gott

Den Ursprung der kosmischen Geisteswelt würde ich dann naheliegenderweise in den Urknall verlegen. Wo sie bzw. er schon mal direkt dabei ist, hätte er auch gleich die Gelegenheit, die Details der Naturgesetze so auszuarbeiten, dass hier Sterne, Planeten, Leben, Menschen und menschliches Bewusstsein draus werden kann.

Im weiteren Verlauf der 13,8 Mrd Jahre ist im Kosmos eine Menge passiert. Wir Menschen sind gerade dabei, zu verstehen, wie das alles funktioniert. Mag sein, dass so manche außerirdische Intelligente Art schon ein paar Milliarden Jahre weiter ist. Aber offenbar lassen die uns – zumindest vorerst - in Ruhe.

Überhaupt sind die Distanzen zwischen belebten Planeten so groß, dass man miteinander eigentlich nichts zu tun hat. Von daher ist der Mensch im weiten kosmischen Umkreis von mindestens 100 Lichtjahren die einzige Intelligenz, und die Abteilung des kosmischen Geistes, die sich mit uns befasst, ganz auf uns und unseren Planeten konzentriert.

Was Verschwörungsmythen und Mythen von einer bösartigen Übermacht in der Geisteswelt angeht, so denke ich dass das wirklich unzutreffende Fantasien sind. Eine Zerstrittene Geisteswelt könnte so wenig funktionieren wie ein Internet, in dem sich die Server und Netzknoten gegenseitig bekriegen würden. Daher gehe ich von einer durchgängig organisierten Geisteswelt aus, der man grundsätzlich vertrauen kann.

Streit und Kampf der Menschen um Macht, Reichtümer und Lebensraum sind unser eigenes ganz menschliches Bestreben. Die Geisteswelt muss damit nur leben, sie initiiert dieses nicht. Die Fähigkeit des Menschen zur Zusammenarbeit steht auf der anderen Seite, und bringt die Perspektive ein, die wir angesichts unserer umfassenden Wirkung auf den ganzen Planeten brauchen. Hier würde ich dann tatsächlich auch mit geistiger Unterstützung seitens der Geisteswelt rechnen.



Wegmoderierter Kommentar vom 23.08.2020 13:23
https://scilogs.spektrum.de/beobachtungen-der-wissenschaft/der-ursprung-von-corona-verursacher-von-krebs-eine-chinesische-machtinstrument-gegen-den-westen-wie-gefaehrlich-ist-5g/

@Martin Holzherr 21.08. 11:22

Meine Zustimmung, dass wir mit China keinen Lagerkrieg anfangen sollten. Wir haben genug sinnvolle Probleme zu lösen, die in Zusammenarbeit mit China wesentlich lösbarer werden. Mit den undemokratischen Verhältnissen in China und anderswo sollten wir uns eher abfinden, und stattdessen besser unsere eigene Demokratie weiter verbessern. Wenn wir hier noch vorbildlicher werden, hilft das mehr, als auf anderen herum zu hacken.

Was allerdings die digitale Spionage angeht, so sollten wir in Europa nach Möglichkeit unsere eigene Internet-Hardware und Software verwenden. Auch wenn das teurer wird. Und überhaupt mehr gegen die Datensammelei von Privatfirmen unternehmen. Hier geht es einerseits um Industriespionage, aber auch um den gläsernen Nutzer und Kunden, dem Fakenews untergeschoben werden und dem gezielt Mist verkauft wird.

Bei der Gentechnik finde ich, dass es ein Problem ist, wenn Privatfirmen ein Patent auf ihre Sorten bekommen. Das hat gar nichts mit Gentechnik zu tun, aber damit, dass gentechnisch veränderte Sorten eben ein Patent bekommen können, und niemand diese Sorten für anderer Anforderungen weiter züchten darf. Das ist auf Dauer eine Katastrophe, wenn dann irgendwann fast alle Sorten in der Hand weniger Konzerne sind, die nebenbei vor allem auch ihre Düngemittel und Pestizide verkaufen wollen.

Als Kompromiss würde ich hier vorschlagen, den Patentschutz zwar zu gewähren, aber auf 7 Jahre zu begrenzen. So wie man das ja bei Medikamenten schon immer macht. Dann wären die Züchter hinreichen motiviert, in ihre Züchtungen zu investieren, aber jeder könnte hier die Sorten dann später aufgreifen, und für andere Anforderungen weiterzüchten.



Kommentar vom 23.08.2020 00:51
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/antisemitismus-semitismus-der-kampf-der-mythologien/

@Ewige Ideen

Mit Ideen meint man meistens, was sich Menschen denken können. Das ist immer wieder neu, und auch öfter ziemlich speziell menschlich sowie individuell.

Wenn es sich auf ganz bestimmte Sachverhalte bezieht, wird es aber manchmal doch sehr absolut. Zum Beispiel die Idee vom Wildschwein an sich hat einen harten Kern in der Wirklichkeit, nämlich dass eine Tierart als sexuelle Fortpflanzungsgemeinschaft wirklich absolut abgegrenzt existieren kann. Oder eben das aktuelle Coronavirus, genetisch fast identisch verursacht es Covid19, und ist damit ein Ding an sich, dass eine Art ewiges Urbild hat.

Aber wenn das Coronavirus in den nächsten Jahrzehnte mutiert, und sich gleichzeitig die Menschen durch Immunität daran anpassen, wird es sich als Ding an sich auch wieder verändern, aufspalten oder auch wieder ganz verschwinden.

Der genetische Code sorgt bei Tierarten wie Viren dazu, dass hier eine ewige Idee denkbar wird. Der Code selbst ist hier das Urbild.

Mit den meisten Sachen ist das nicht so einheitlich. Bei Bergen zum Beispiel. Hier ist jeder Berg vergleichsweise einzigartiger, es gibt eben keinen Bergcode in der Natur.

Wieder anders verhält es sich mit chemischen Elementen und deren Verbindungen, den Molekülen. Hier hat die Natur eine Art Legobaukasten hervorgebracht, der auch absolut gültig ist. Die Idee von Methan wird jede intelligente Spezies im gesamten Universum irgendwann entdecken, und in ihrer Chemischen Industrie entsprechend seiner Eigenschaften einsetzen.

In der Chemie gibt es eben tatsächlich Urbilder, bei Bergen oder Stränden ist es dagegen uneindeutig, mit fließenden Übergängen und je nach Weltgegend in verschiedenen Varianten vorkommend, gibt es hier kein eindeutiges Urbild.

Zu Platons Zeiten waren die heute bekannten tatsächlichen Urbilder allesamt nicht bekannt. Von Genetischem Code und von chemischen Formeln wusste man rein gar nichts, hat aber in der Natur durchaus beobachten können, das es eben Wildschweine, Sumpfgas und andere Chemischen Verbindungen gibt, die sich verhalten, als würden sie Urbildern folgen.

Die Idee war naheliegend, dass alle Formen dieser Welt ihre Urbilder haben könnten. Heute weiß man da einfach mehr: Es gibt allerhand, dass fest existiert wie nach einer ewigen Idee, aber das Meiste zwischen Himmel und Erde ist dann doch vielfältig, variabel, subjektiv und vorübergehend. Und muss wirklich ständig neu gedacht, diskutiert und ausgelegt werden.

Wichtig ist hierbei, dass unsere Konstitution sehr gut geeignet ist, diese Welt zu entdecken, zu entschlüsseln, zu verstehen und uns sehr wohl zurecht zu finden, sowie auch unsere Freude an der Welt um uns herum zu haben. Als Kulturwesen mit einer inzwischen weltweiten Zusammenarbeit erreichen wir eine Effektivität, die es uns sogar ermöglicht, dass wir gemeinsam Wissenschaft betreiben und uns gemeinsam um weltweite Probleme wie den Klimawandel kümmern können.

Und wir können auch mehr Freude an diesem Planeten haben, wenn wir weniger arbeiten müssen, und umso mehr Zeit haben, persönlich die Welt kennen und lieben zu lernen. Hierbei kommt uns unsere Konstitution auch gut entgegen. Mit unseren eigenen Sinnen ist diese Welt wohl recht optimal wahrnehmbar, in abgespeckter Form sogar auf Bildschirmen zu bewundern.

Wie interessant mag das noch werden, wenn wir mal tausende von belebten Exoplaneten kennen und kilometergroße Riesenweltraumteleskope haben, mit denen wir da Details von beobachten können?



Kommentar vom 21.08.2020 15:53
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/nicht-alles-was-wir-diagnostizieren-ist-eine-krankheit-im-engeren-sinn/

@Querdenker/Martin Holzherr Psychopathen

Die Emotionen anderer zu erkennen und zu verstehen, sowie im Sinne von Zielen zu nutzen und zu manipulieren, sind ein weites Feld.

Zunächst braucht man oft eigene Erfahrung, um die Situation, und auch den anderen Menschen zu verstehen, und wie der sich in einer Situation fühlen kann. Und Übung im Umgang mit vielen Menschen mit einem Fokus auf Emotionalien hilft auch viel. Gerade Polizisten sind mir schon öfter mit einer ausgeprägt starken emotionalen Kompetenz aufgefallen, gepaart mit einer guten Portion Diplomatie. Das führt im täglichem Einsatz dazu, dass man deutlich weniger mit Gewalttätigkeiten zu kämpfen hat.

Die Arbeit von Psychotherapeuten ist ja auch keine praktizierte Psychopathie. Sollte sie zumindest nicht sein. Je besser der Therapeut dich versteht, desto mehr kann er dir helfen. Klar, wenn er gezielt versucht, dich von ihm abhängig zu halten, desto schlimmer kann das werden, je kompetenter der Therapeut dabei ist.

Die Qualität von Beziehungen besteht generell vor allem darin, was man dem Anderem wünscht. Der Dalai Lama sagte dazu: Mitgefühl heißt, dass man nicht möchte, dass der Andere leidet, und Liebe heißt, dass man möchte, dass der Andere glücklich wird.

Aber den Anderen zu verstehen, das hat auch was mit Lebenssituationen und mit den jeweiligen Persönlichkeiten zu tun. Das lässt sich kaum auf simple Grundemotionen reduzieren. Die individuelle Philosophie des anderen lässt sich oft erst nach Jahren von intensiver Zusammenarbeit erschließen. Man lernt so im Laufe der Zeit, wie der andere tickt. Das merkt man am Meisten, wenn man mit Migranten aus fernen Weltgegenden zu tun hat.

Was die Ziele angeht, wenn sich jemand nur für sich interessiert, so hat er wohl eventuell auch Schwierigkeiten als Verkäufer. Nicht umsonst versorgt so manche aggressive Handelskette ihre eigenen Verkäufer mit gezielten Falschinformationen über die Eigenschaften der vertriebenen Waren. So versucht dann der Verkäufer mit voller Überzeugung, dem Kunden überteuerte und weniger optimale Geräte zu verkaufen.

Dazu können auch mal Medikamente gehören. Die Vertreter der Pharmafirmen sind viel unterwegs, um die Ärzte zu motivieren, die neuesten Medikamente mit noch aktivem Patentschutz zu verschreiben.



Kommentar vom 21.08.2020 14:31
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/nicht-alles-was-wir-diagnostizieren-ist-eine-krankheit-im-engeren-sinn/

@Dr. Wolfgang Stegemann 20.08. 19:46

„Ich verabschiede mich hiermit aus der Diskussion und danke Stefan Schleim dafür, daß er sie ermöglicht.“

Schade, Ihr Realismus ist bemerkenswert.

Was den anthropozentrischen Blickwinkel angeht, so empfinde ich es auch als eine sinnvolle Variante, sich auf diesen einfach einzulassen. Offenbar gibt es in der Physik zahlreiche Konstanten und andere Zusammenhänge, die sehr spezielle Werte und Wertigkeiten haben. Die meisten dieser durchaus möglichen Werte würden Sterne, Planeten und Leben unmöglich machen. Von daher ist es eine Überlegung wert, wieso das so ist.

Die eine Idee ist, dass es noch zahlreiche andere Schrottuniversen gibt, die zwar auch existieren, aber eben völlig sinnloserweise. Und nur wir leben eben nur in dem einen Universum, dass unser Leben auch möglich macht. Sonst ginge das ja nicht mit unserem Leben.

Die andere Idee ist eigentlich sehr viel platzsparender: Unser Universum ist das Einzige, und es ist und wird tatsächlich auf unser Leben hin optimiert. Von wem, ist nicht wirklich bekannt. Aber wer die ganzen anderen sinnlosen Nebenuniversen betreiben soll, ist schließlich auch nicht bekannt.

Dass es Milliarden Planeten in unserer Galaxis gibt, die eben nicht so oft intelligentes Leben beheimaten, ist Stand der Forschung. So viel Platz hat dieses Universum für sich schon.

Was die Verifizierbarkeit angeht, da ist das Eine geistig unterstützte Universum auch eher näher dran: Wenn es z.B. geistige Unterstützung für das menschliche Bewusstsein gibt, dann ließe sich dieses sogar eventuell nachweisen. Die anderen Abermilliarden Schrottuniversen jenseits von unserer Raumzeit wären wohl schwieriger nachzuweisen, wenn es sie denn gibt.

Nun gut, die Physik ist noch nicht komplett, würde ich sagen. Religiöse Traditionen und modernere Mythen haben zumindest in Teilen durchaus noch Perspektiven, sich im Möglichkeitsraum zu befinden, meine ich.



Kommentar vom 21.08.2020 13:25
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-25-von-wegen-covidioten-verschwoerungsmythen-verstehen-mit-heidegger-und-platon/

@j 19.08. 23:05

„Die Ordnung und Regelmäßigkeit an den Erscheinungen, die wir Natur nennen, bringen wir selbst hinein,...“

Wir leben eben nicht in einer Höhle, und bekommen nicht das Wesentliche gar nicht mit. Unser Wahrnehumgssystem, unser Denken und unser Bewusstsein sind gut geeignet, ziemlich viel von der Realität zu erfassen. Und wir finden uns nicht nur gut zu recht, sondern haben auch die Sinne, sehr viel Freude an der Schöpfung zu haben.



Kommentar vom 20.08.2020 17:17
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/nicht-alles-was-wir-diagnostizieren-ist-eine-krankheit-im-engeren-sinn/

@Dr. Wolfgang Stegemann 19.08. 09:52

„Wenn ich sage, ein Planetensystem hat eine bestimmte Dynamik, die sich berechnen läßt, was hat das mit Subjektivität zu tun? Wenn ich sage, Leben folgt einer bestimmten Form der Selbstorganisation, was hat das mit Subjektivität zu tun? Und wenn ich sage, es gibt Prozesse, die Leben in eine Form bringen, in der Leben nicht mehr möglich ist, es also so gestört ist, daß es stirbt, was hat das mit Subjektivität zu tun?“

Subjektiv ist doch immer auch dass, was man will oder nicht will. Nicht jeder Mensch will weiterleben. Ein Freund von mir wollte schon seit vielen Jahren nicht mehr leben, und ist nach einem Asthmaanfall endlich verstorben, aber von Sanitätern wiederbelebt worden. Darüber war er so sauer wie er es in seinem ganzen Leben nicht gewesen ist. Auf seinen Protest gegenüber den Sanitätern sagten die nur: „Wir mussten das tun.“

An diesem Beispiel sieht man: So sehr kann man damit stören, wenn man nur Leben retten will.

Was die Dynamik von Planetensystemen angeht: wir wollen gerne wissen, wie lange die Erde noch bewohnbar ist. Das ist eine subjektiv motivierte Frage.

Die Art der Selbstorganisation hat doch in der menschlichen Konstitution gerade einen meistens vorhandenen Lebenswillen zur Folge. Dieser ist doch die Subjektivität schlechthin.

Die Lebensprozesse, die Formen annehmen können, dass Leben nicht mehr möglich ist, widersprechen meistens dem subjektivem Bestreben. Und motivieren Menschen eine Krankenversicherung abzuschließen, und stets zum Arzt zu gehen, wenn hier Lebensgefahr droht. Das ist absolut subjektiv.

Aus Sicht der objektiven Biologie ist das weniger nötig: Der Tod von Organismen gehört fest zum Konzept von Mehrzellern, die sich sexuell fortpflanzen und sich immer wieder neu an die sich wandelnden Ökosysteme anpassen. Damit kann man sich auch abfinden. Als mein Vater im Sterben lag, sagte er nur noch: Dann mach ich mal Platz für Jüngere.

Die Frage, was man mit psychisch Kranken macht, die nicht mehr leben wollen, ist eine sehr schwierige Frage, finde ich. Viele haben wirklich keine Lust mehr, und führen ein zurückgezogenes Leben in jahrzehntelanger Langzeitarbeitslosigkeit und Armut, ohne jede Perspektive für wirklich interessante Erlebnisse.

Was die Frage angeht, ob es der Welt ohne Menschen besser ginge, so denke ich, dass wir ein Riesenpotenzial haben, dem ganzen Leben auf diesem Planeten hilfreich zur Seite zu stehen. Es gibt Subjekte die sich nur für sich interessieren, aber generell neigt der Mensch dazu, sich auch für das Leben anderer Spezies einzusetzen. Auf die Dauer wird sich genau das durchsetzten, da bin ich mir sicher. Die bis dahin entstandenen Schäden werden wir am Ende wieder wettmachen.

Bei der Frage, wie viele Menschen optimal sind, so schweben mir da 5 Mrd vor. Bei entsprechender Technik wie Bakterienkonverter, die mit überschüssigem grünen Wasserstoff hochwertige Nahrungsmittel produzieren, aber womöglich bis zu 25 Mrd.



Kommentar vom 19.08.2020 00:02
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-25-von-wegen-covidioten-verschwoerungsmythen-verstehen-mit-heidegger-und-platon/

@j 18.08. 16:28

„Vielleicht habe ich Sie falsch verstanden, aber: seit Immanuel Kant und Konrad Lorenz sollte eigentlich klar sein, dass wir die Wirklichkeit immer wie durch eine gefärbte Brille wahrnehmen. Diese Wahrnehmungsstruktur scheint uns biologisch mitgegeben zu sein, nach Lorenz“

Natürlich sehen wir kein Infrarot und keine radioaktive Strahlung. Aber die Evolution hat uns dennoch sehr gut ausgestattet, und wir leben im Prinzip in einer hervorragend guten Weltabbildung, die uns zur Verfügung steht.

Einerseits ist dies unsere erste Evidenz, auf der auch die Wissenschaft nur aufbauen kann. Anderseits präsentiert unser Wahrnehmungsapparat uns die Welt als ein wunderschönes Kunstwerk, dass selbst die besten Spielegrafiken nicht toppen können. Frei nach dem Motto: Das Leben ist scheiße, aber die Grafik ist geil.

Wenn sich dann in die materiellen Wahrnehmungen und die Konstruktion unseres Bewusstsein in den Tiefen des Gehirns noch geistige Aspekte einmischen, und die Welt noch mal extra verzaubern, dann ist das Leben richtig gut.



Kommentar vom 18.08.2020 11:30
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-25-von-wegen-covidioten-verschwoerungsmythen-verstehen-mit-heidegger-und-platon/

@Einer 17.08. 17:26

„Der Unterschied bzgl. der Überprüfbarkeit von Geisteswelt und Schwerkraft ist aber schon offensichtlich, oder? „

Naja, das Higgsteilchen nachzuweisen war jetzt auch nicht einfach.

„Selbst wenn jeder Mensch diese hätte, so könnte sie einfach nur ein psychologisches Artefakt sein.“

So oder so, ob geistiges Faktum innerhalb einer ganzen Geisteswelt oder Artefakt eines rein materiellen Gehirns, das eigene Bewusstsein in der eigenen inneren Erlebniswelt hat die Evolution fest im Menschen eingebaut. Es spielt eine herausragende Rolle in der Funktionstüchtigkeit des Menschen, und wohl mindestens auch bei allen anderen Säugetieren.

In diesem Sinne machen vielleicht auch Meditationspraktiken wie im Buddhismus Sinn, indem sie das Bewusstsein kultivieren und trainieren. Dass derartige Aktivitäten die psychische Konstitution verbessern, dürfte bekannt sein.

Wobei es hier auch um Glaubensfragen geht. Wie man sich selbst nur betrachtet, macht auch schon einen Unterschied, unabhängig davon was jetzt als Realität dahinter steckt.



Kommentar vom 17.08.2020 17:17
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/nicht-alles-was-wir-diagnostizieren-ist-eine-krankheit-im-engeren-sinn/

@Normvarianten

Diesen Terminus zwischen gesund und krank einzuführen halte ich für weiterführend. Die Frage, was schon krank ist, und was noch als Normvariante durchgehen kann, ist aber schwierig und komplex.

Was ist ein IS-Kämpfer? Paranoid durch Ausbildung?

Ein Selbstmordattentäter? Einer der seinen Todeswunsch mit Nützlichkeit kombiniert?

Ein Querschnittsgelähmter, der an den Rollstuhl gefesselt ist, aber sowieso Schriftsteller ist? Der ist doch wenig behindert.

Ein Psychotiker, der nur eine akute Krise hatte, und auch ohne Medikamente den Rest seines Lebens von weiteren Krisen verschont wird, ist sicher nicht mehr wirklich krank. Aber der Andere, der nach 7 Krankenhausaufenthalten über 25 Jahre hinweg immer wieder mit Medikation auch stabile Phasen hatte, die über die Zeit gegenüber den akuten Phasen dennoch überwiegen?

Was ist eine mittelalterliche Massenpsychose, die die Menschen in Progrome gegen Hexen und Juden treibt?

Kann man die grassierende Coronapanik als kollektive Angststörung einordnen, dessen Ursache als eine allgemein nichtverarbeitete Todesangst eingestuft werden kann? Angststörung hier als Krankheit, oder hier besser als Normvariante?

Die Frage stellt sich auch, wer hier die Definitionsmacht hat. Ist das in der Tat das Psychiatriesystem, oder ist die Auffassung der Mehrheit der Laien dann doch maßgeblich, wo sich auch Psychiater dran halten müssen, wenn sie dauerhaft ernst genommen wollen?



Kommentar vom 16.08.2020 13:41
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-26-jesus-bei-max-liebermann-vom-arischen-weltenherrscher-zurueck-zum-juedischen-arbeiterkind/

@Religionsvielfalt

Ich hatte die Tage eine kurze Diskussion mit einem alten Kollegen, der in einer Baptistengemeinde untergekommen ist. Die Baptisten vertreten die Auffassung, dass wer ein gottgefälliges Leben führt, von Gott dafür auch mit Wohlstand belohnt wird. Ich meinte dazu, dass das doch eigentlich nicht chirstlich sei. In der europäischen christlichen Tradition ist ja auch tatsächlich ein gewisses Armutsgebot vorhanden.

Er hat dem entschieden widersprochen, und meint, dass die Baptisten Jesus Rolle darin sehen, dass wir das alte Testament wieder erster nehmen sollen. Und das alte Testament ist voll davon, dass gottgefälliges Verhalten u.a. mit Wohlstand belohnt werden kann.

Ich selbst halte die Bibel nicht wirklich für Gottes Wort, über die Bibel argumentieren macht bei mir also nicht viel Sinn. Aber nun gut, ich muss anerkennen, das eben auch die christlichen Traditionen im europäischen Mittelalter nur eine Variante christlichen Glaubens waren.

Wir waren uns aber darüber einig, dass der Umkehrschluss nicht gültig und auch wirklich gefährlich ist: Wenn jemand mit hervorragend geschicktem Betrug reich geworden ist, soll er nicht glauben, dass er von Gott belohnt worden ist, und er soll nicht denken, dass sein Reichtum davon kommt, dass er ein gottgefälliges Leben führt.

Und wir waren uns darüber einig, dass materieller Wohlstand an sich keine Schande ist, aber in seinem Ausmaß auch deutliche Grenzen an Sinnhaftigkeit hat. Auf heutigem Niveau lohnt es sich nicht mehr, alles mitzumachen, und sich immer noch fettere Autos und sich immer noch mehr Fernreisen und Kreuzfahrten zu leisten. Sich mit dem Leben jenseits von käuflichem Konsum zu beschäftigen macht in moderne Zeiten immer mehr Sinn, einfach weil man immer schneller genug vom Konsum hat.



Kommentar vom 15.08.2020 15:47
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/echtes-neuro-strafrecht-ab-welchem-alter-ist-man-voll-verantwortlich/

@Balanus 15.08. 11:33

„So arbeitet man halt in den empirischen Wissenschaften, und das aus gutem Grund.“

In der Tat. Ich kann Ihnen das in keinster Weise vorwerfen, weil das wirklich Mainstream ist, aber genau das bringt eben auch Probleme mit sich.

Der methodische Determinismus lässt alles durch das Raster fallen, dass sich individuell und eben nicht methodisch-regelmäßig verhält. Alles was geistig bedingt ist, kann dann aus der Wahrnehmung herausfallen, wenn es nur hin und wieder mal wirksam wird.

Gerade im Gegensatz von Neurologie und Psychologie führt das dann zu den handfesten Konflikten, die wir hier gerade diskutieren. Was in der Psychologie als regelmäßig festgestellt werden kann, kann auch geistige Ursachen haben. In der Nähe des menschlichen Bewusstseins gibt es eine Menge geistig bedingter Effekte, die so regelmäßig auftreten, dass der beobachtende Wissenschaftler sie gar nicht als geistig bedingt einschätzt. Und die Psychologie so dann vieles als Fakten einstuft, das eigentlich nicht-materielle Ursachen hat.

Dummerweise findet man gerade diese Effekte dann in der neurologischen Perspektive nicht wieder. Was klar ist, weil diese Effekte eben nicht aus dem Gehirn kommen, sondern nur mit dem Gehirn arbeiten.

Wenn ein Mensch wirklich glaubt, das es keinen Geist in diesem Kosmos gibt, und die wissenschaftliche Methode für geeignet hält, wirklich alles zwischen Himmel und Erde zu beschreiben, dann respektiere ich dies als persönliche Glaubensentscheidung. Ich will aber doch darauf hinweisen, dass man die Dinge auch anders sehen kann, und sich inmitten eines auch geistigen Kosmos bewegen möchte, der dem persönlichen Leben dann eine Menge von weiterführenden Dimensionen hinzufügen kann.

Licht ins Dunkel könnte hier gerade die Hirnforschung bringen. Wenn es sich beim Versuch, Bewusstsein im Computer zu realisieren, herausstellt, dass das nur mit geistiger Unterstützung funktionstüchtig werden kann, so wäre entschieden, dass wir eben auch ohne geistige Unterstützung kein Bewusstsein in einer inneren Erlebniswelt entwickeln können.

Es gibt auch nicht die eine religiöse Einstellung, hier ist ein ganzer Kosmos von Glaubensinhalten Realität. Religiöse und auch esoterische Einstellungen aller Art können dabei auch ziemlich destruktiv ausgeformt sein, aber einen gewissen Respekt gegenüber Andersgläubigen will ich in meinem Leben gerne praktizieren.

Einerseits ist man die Gaubensdiskussion um den richtigen religiösen Glauben los, wenn man den Kosmos für grundlegend geistlos annimmt. Das hat schon was. Anderseits verpasst man aber auch mehr als das halbe Leben dabei.

@h.wied: „Alles hängt mit Allem zusammen. Die Psychologie beschäftigt sich mit der Reife und den Motiven, die Biologie beschäftigt sich mit unserem Gehirn, die Soziologie beschäftigt sich mit den Gegebenheiten, den Zwängen und als Ergebnis bekommen wir ein Gesicht, aus dem sich alles ablesen lässt.“

Genau.



Kommentar vom 15.08.2020 00:36
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@Balanus 14.08. 20:29

„Mir ist bloß wichtig, dass nicht vergessen wird, dass, ich sag‘s mal so, dass das Biologische die Basis aller Phänomene des Lebendigen ist (Psychologie, Soziologie, Kultur). Wir müssen nicht immer, vielleicht sogar eher selten, auf die Ebene der Biologie herabsteigen, wenn wir Verhalten oder bestimmte soziale Zusammenhänge erklären wollen, aber diese Ebene ist nichtsdestotrotz da, ohne sie würden alle Erklärungen frei in der Luft schweben.“

Wieso ist das denn so wichtig, dass alles auf die biologische Basis zurückgeführt werden kann? Wenn hier geistige Inspiration ins Spiel kommen kann, so geht die ja offenbar aus Geisteswelten hervor und mischt auch an der biologischen Basis mit. Wieso muss das denn unbedingt ausgeschlossen werden?

„Was „Reduktionisten“ und „Naturalisten“, zumindest nach meinem Verständnis, sagen, ist, dass es keine Lücke im naturwissenschaftlichen Weltverständnis gibt, eine Lücke, die Raum ließe für alternative, wissenschaftsfremde Erklärungen.“

Die mögen ja glauben, was sie wollen. Aber gerade dass es keine Lücken geben soll, ist konsequenterweise keine gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis. Allenfalls eine Fiktion, und vielleicht sogar nur ein Mythos, und davon sogar ein ziemlich unguter Mythos, der das eigentliche wilde geistige Leben in diesem Kosmos nicht haben will.



Kommentar vom 15.08.2020 00:13
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@Martin Holzherr 14.08. 17:46

„Wenn sie jetzt von Wasserstofftechnologie in Afrika sprechen, dann sprechen sie über eine Zeit irgendwann um 2050.“

Das hab ich mir zeitlich so auch vorgestellt. Gaskraftwerke, die in den nächsten Jahren schon gebaut werden, würden auch zunächst mit Erdgas und auch fast den ganzen Tag laufen. Erst wenn der PV-Anteil maßgeblich wird, sinken dann auch die Laufzeiten immer mehr. Bis dahin sind die Anschaffungskosten dann auch nicht mehr so maßgeblich. Wasserstoff kommt ja noch etwas später erst dazu.

Aber wie soll das denn sonst gehen?

„Eine komplizierte Energietechnolgie in der alles korrekt zusammenspielen muss, damit der Strom nicht ausfällt, ist doch für Techniker/Politiker in den Entwicklungsländern gar nicht handhabbar.“

Naja, vielleicht schafft es ja China, den technisch wenig versierten Ländern funktionierende Komplettlösungen auf Leasingbasis anzubieten. Wenn alles aus einer Hand ist, und auch die Steuerung der Stromnetze inclusive ist, und nur alles was geht von lokalen Vertragsfirmen übernommen wird, dann müsste das doch funktionieren können.

Beim Kundendienst für Mercedes haben wir das ja vermutlich drauf, auch in Afrika unsere Luxuskarossen nicht nur zu verkaufen, sondern auch einen funktionierenden Ersatzteilservice mitzuliefern. Wenn man sich die westliche Entwicklungspolitik ansieht, so scheint es hier aber nicht zu interessieren, ob man in Afrika eine funktionierende Stromversorgung hat.



Kommentar vom 14.08.2020 14:11
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@Michael 12.08. 18:45

„Faszinierend auch, dass Sie das unterliegende Thema der „wirklichen Wirklichkeiten“ ansprechen – denn die stärkste Problematisierung des Platonismus finde ich tatsächlich in Hans Blumenberg „Wirklichkeiten in denen wir leben“ (1981). Hier schildert er, dass der platonistische Elitarismus (nur wenige sind zur Philosophie und Herrschaft geboren, die Mehrheit darf belogen werden) plus dem Höhlengleichnis auf das Menschenbild vom erkenntnistheoretisch „armen“ Menschen hinausläuft.“

Ich finde das Höhlengleichnis eigentlich sowieso ungeeignet. Wir haben als erste Evidenz doch unsere eigenen Wahrnehmung, unser eigenes Bewusstsein in unserer Erlebniswelt. Das ist nicht nur oberste Evidenz, sondern auch letztendliche Qualität, und im Prinzip richten wir alle unsere Anstrengungen gerade auf diese inneren Qualitäten.

Die physikalischen Untersuchungen mit Apparaten und Messgeräten, die mathematische Regeln in der Wirklichkeit jenseits unserer konkreten Wahrnehmungswelt zu suchen, das ist doch die eigentlich sekundäre Schattenwelt. Gerade hier ist man sich doch prinzipiell unsicher, ob wir hier wirkliche physikalische Evidenz ermitteln. Das zeigt sich auch in der Genauigkeit von 5 Sigma, die man in der Teilchenphysik fordert. Man kann sich hier nur schwer sicher sein, ob die Theorien wirklich schon fertig sind.

Nicht umsonst macht man im Physikunterricht echte Experimente, damit die Kinder mit eigenen Augen sehen, dass hier echte Effekte untersucht werden, und wir der Wissenschaft prinzipiell vertrauen können.

Der erkenntnistheoretisch „arme“ Mensch hat sein innere Welt als erste Evidenz, selbst wenn er weder lesen noch schreiben kann, und von Mathematik noch nie was gehört hat.

Von daher halte ich jeden Elitarismus für unangebracht. Mit relativ wenig Bildung weiß man genug von den Erkenntnissen der Wissenschaft, dass man sich als Mensch im Leben gut bewegen kann. Die inneren Welten, in denen wir leben, haben einen angeborenen und sehr guten Kontakt zur realen Welt, den uns die Evolution mitgegeben hat.

Und insofern kosmische Geisteswelten zur Welt-Wirklichkeit dazu gehören, so haben wir auch direkten persönlichen Kontakt zu diesen Geisteswelten. Das scheint mir hier der Kern aller Religiösität zu sein. Die Wissenschaft klammert dieses Thema zwar im wesentlichen komplett aus, aber mit Ignoranz kann man eben Wirklichkeiten auch nicht ändern. So wie die Schwerkraft wirksam bleibt, wenn man nichts von Physik versteht, so verschwindet auch der Geist nicht aus der Welt, wenn man meint, es gäbe keinen.



Kommentar vom 14.08.2020 13:02
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@Human Brain Projekt

Das Gehirn im Computer zu simulieren, wenn man das ganze Konnektom mal eingescannt hat, fände ich auch sehr interessant. Dann könnte sich womöglich sogar die Frage klären lassen, ob unser Bewusstsein in seiner inneren Erlebniswelt nicht doch auch kosmisch-geistige Anteile hat. Klar dürfte sein, dass die entsprechenden Forscher dieses ganz bestimmt nicht suchen. Aber ich beobachte die Entwicklungen auf diesem Gebiet mit großem Interesse.

Für den psychiatrischen Alltag hilft das aber wohl erst einmal nichts. Allerdings hat auch die Psychologie sehr schnell ihre Grenzen, wenn es um handfeste psychische Krankheiten geht. Was wirklich interessant ist, sind aber die sozialen Nebenbedingungen, die bisher von dem Hilfesystem immer noch nicht genügend berücksichtigt werden. Den längerfristig psychisch Kranken eine vernünftige Arbeit mit einem vernünftigem sozialen Umfeld zu organisieren, erscheint mir als sehr aussichtsreich.

Zur Zeit ist man in Dortmund dabei, sogenannte Stationsäquivalente Leistungen aufzubauen. Dann müssen viele Patienten im Krisenfall nicht gleich stationär untergebracht werden, und können alternativ zuhause täglich aufgesucht und behandelt werden. Der Gedanke dahinter ist, dass so der Megastress einer Einweisung vermieden werden kann. Man muss sich mal klar machen, wie anstrengend das ist, über Wochen und Monate mit 15 ebenfalls schwer verrückten Mitgefangenen 24 Stunden und 7 Tage die Woche auf ziemlich beengten Stationen klarkommen zu müssen. Das ist kein Klima, in dem man eine akute Krise gut überwinden kann.

Noch nicht mal ein eigenes Zimmer, wo man sich zurückziehen kann, bekommt man da. Da sind Gefängnisinsassen oft besser dran, da kann man sich seine Kontakte zu Mitgefangenen aussuchen, und bei Bedarf auch wenigsten seine Ruhe haben. Und Freistunde gibts in der Psychiatrie auch nicht. Schnell kommt man 6 Wochen lang nicht an die frische Luft. Hier kann man dran arbeiten, da ist Potenzial. Genuntersuchungen und Neuroforschung sind weit weg von der Realität, nahezu vollkommen abstrakt gegenüber der psychiatrischen Wirklichkeit.



Kommentar vom 14.08.2020 01:03
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@Martin Holzherr 11.08. 17:29

Das dauert in der Tat alles recht lange. Aber hinreichende Lösungen sollten dennoch möglichst kostengünstig sein. Hier gehören Gaskraftwerke sicherlich dazu. Auch ist es sinnvoll, die getätigten Investitionen wie neuere Kohlekraftwerke mit in Reserve zu behalten, bis wir wirklich die Menge an Windrädern und Solarpaneelen installiert haben, die ja für alle weiteren Maßnahmen die Grundlage sind.

„Insgesamt ist/wird der Energiepark in Deutschland auch zu kompliziert.“

Das verstehe ich nicht so recht. Die Ingenieure und Monteure, die das alles bauen, die müssen das so gut verstehen, dass es funktioniert. Ich denke, das tun die auch. Der Verbraucher muss hier nichts verstehen.

„Entwicklungsländer benötigen viel einfachere Lösungen. In Afrika beispielsweise wäre eine Lösung ein paar Kraftwerke vor jeder grossen Stadt und auf dem Land eine Kombination von Solarpanel und Batterien. Und die CO2-freien Kraftwerke sollte man einfach so hinstellen können. Sie müssten also vorfabriziert sein und sie dürfen nicht teurer sein als Kohlekraftwerke und sie sollten keine zusätzlichen Ausgleichskraftwerke benötigen.“

Diese CO2-freien Kraftwerke können doch Gaskraftwerke sein. Die können vorerst auch mit Erdgas laufen, und später dann mit Biogas und Wasserstoff aus Solarstromüberschüssen voll CO2-frei betrieben werden. Der Übergang von Fossil zu regenerativ kann dann fließend sein. Hier kommt es dann auch darauf an, wie sich der Verbrauch entwickelt, wenn die Menschen dauerhaft und verlässlich bezahlbaren Strom haben. Und dass die da endlich auch mal Strom haben, dass wäre nebenbei mindestens genau so wichtig, wie die Lösung des Klimaproblems.

In Afrika scheint die Sonne wesentlich mehr, gleichmäßiger übers Jahr verteilt und mit weniger Bewölkung reduziert als bei uns in Mitteleuropa. Außerdem sind die Stromnetze dort erst im Aufbau, und eine CO2-freie Technik entwertet dort wenig bereits getätigte Investitionen. Die Eigentümer genau dieser alten fossilen Technik sind doch mutmaßlich die Haupturheber der Widerstände, die bei uns den Umbau so erfolgreich verzögern. Verständlicherweise.

Für Afrika könnte sich bald ergeben, dass die hier entscheidende Fortschritte machen, wenn die PV-Module noch billiger werden, und jemand hier die Gaskraftwerke liefert, die bei genug PV-Ausbau hauptsächlich nur abends und in der ersten Nachthälfte laufen müssen, sowie auch an manchen Tagen mit starker Bewölkung. Die Gasrechnung wäre überschaubar, und mit der Perspektive auf 100% Klimaneutral, sobald die PV-Überschüsse so groß werden, das hinreichend Wasserstoff produziert werden kann.

Den Wasserstoff muss man in Afrika nicht so wie bei uns für lange Dunkelflauten im Winter bei gleichzeitig erhöhtem Bedarf speichern. Der Haupteinsatz von Wasserstoff in den Gaskraftwerken wäre regelmäßig für die ersten Abendstunden, bis die Leute ins Bett gehen. Es müsste also nicht viel Wasserstoff gespeichert werden. Wenn man dann noch Biogasanlagen baut, müsste das dort produzierte Gas auch nur für den abendlichen Einsatz kurz gelagert werden.



Kommentar vom 11.08.2020 16:52
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@Erdgaskraftwerke

Ich finde es ziemlich sinnvoll, aktuell noch neue Erdgaskraftwerke zu bauen. Kurzfristig halbiert es schon mal die CO2-Emmisionen, wenn hier Kohlestrom ersetzt wird. Wenn wir mittelfristig hinreichend Windräder, Solarpaneele und Elektroautos haben, brauchen wir diese Erdgaskraftwerke dann nur noch bei Dunkelflauten, die länger als 24 Stunden dauern. Das passiert nicht so oft, aber genau diese Reserve brauchen wir unbedingt. Da kommen wir nicht dran vorbei, auch mehr Fernstromtrassen helfen nicht bei länderübergreifenden Dunkelflauten.

Um diese 10 bis 20 Tage im Jahr auszugleichen lohnt es sich schon gar nicht, Atomkraftwerke mit Hitzespeicher zu bauen. Die würden sich höchstens lohnen, um jede Nacht, wenn die PV-Anlagen nichts liefern, standardmäßig einzuspringen.

Und langfristig lassen sich die Erdgaskraftwerke ohne große Umbauten weiternutzen, wenn sie mit Wasserstoff und anderen synthetischen Energieträgern betreiben werden, die zuvor aus Stromüberschüssen hergestellt und u.a. für den Einsatz bei mehrtägigen Dunkelflauten gelagert wurden. Um die täglichen Stromschwankungen aufzufangen gibt es genug andere Lösungen.

Auch Nordstream 2 macht jetzt noch Sinn, finde ich. Aber aktuell noch mehr Sinn machen mehr Windräder im Inland und jede Menge mehr PV-Anlagen. Und mehr Fernstromtrassen können wir allemal auch gebrauchen.

Was die Kosten von Synthetischen Energieträgern angeht, so muss man hier die langfristige Kostenentwicklung von PV-Modulen, aber auch von Windrädern berücksichtigen. Wenn die sich in 20 oder 30 Jahren nochmal halbieren, sehen hier die Kosten ganz anders aus als heute. So werden 100% Emmissionsvermeidung dann entsprechend kostengünstiger und damit praktikabler.



Kommentar vom 10.08.2020 13:54
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@Vernünftiger Psychiater

Ich bin beeindruckt, derart vernünftige Psychiater, die so genau wissen, was sie machen, machen natürlich Spaß. Wie kriegen wir mehr davon?

„Sie können aber nun einmal als einzelner Arzt an der Gesellschaft nicht so viel ändern. Die Sozialpsychiatrie thematisiert die Passung eines Individuums in seine Umgebung. Und natürlich macht eine fehlende Passung oft krank.“

Kreative Lösungen sucht sich der kreative Mensch gerne selbst. Wir haben hier eine gute Subkultur in der Dortmunder Selbsthilfe, und schaffen uns unsere Sozialräume zum Teil einfach selber. Die mangelnde Teilhabe am gesellschaftlichem Leben lässt sich gut aushalten, wenn man einmal angefangen hat, Kultur einfach selber zu produzieren.



Kommentar vom 09.08.2020 14:22
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-25-von-wegen-covidioten-verschwoerungsmythen-verstehen-mit-heidegger-und-platon/

@Mythen, die möglich sind

Ich finde, es macht schon einen großen Unterschied, ob ein Mythos jetzt wissenschaftlich gesehen unmöglich ist, oder ob da eben doch im Kern was dran sein kann.

@Michael: „Die Mythologie von „Star Wars“ kann durch den wissenschaftlichen Hinweis, dass Raumschiffe im All keine Geräusche machen, nicht „getoppt“ werden.“

Das macht jetzt wenig, man kann die Actionszenen im Film dennoch genießen. Aber der Gesamthintergrund von Starwars, dass wir hier eine gut bevölkerte Galaxie haben, mit der Möglichkeit von überlichtschneller Kommunikation und mit überlichtschnellen Raumschiffen hat aber doch noch viel mehr. Wenn man dieses auch aus wissenschaftlicher Sicht nicht ausschließen kann, macht dies die Starwarsgeschichten um ein mehrfaches interessanter, finde ich. Und in der Tat weiß die Physik zwar nicht wie man diese Raumschiffe bauen kann, aber die Physik weiß auch nicht was dunkle Energie und dunkle Materie ist. Es kann Möglichkeiten geben, solche Raumschiffe zu bauen, und dies macht eben solche Geschichten wie Starwars um ein Mehrfaches attraktiver.

@Michael: „Ebenso sollte man die biblischen (und generell: die religiösen) Schöpfungsberichte als Mythen verstehen, nicht als Naturwissenschaft.“

Generell finde ich Mythen, die wenigstens möglich sind, wesentlich attraktiver als solche, die wissenschaftlich gesehen mit Sicherheit Unsinn sind. Bei den Unsinnigen macht es vielleicht Spaß, die nette Geschichte anzuerkennen. Auch das ganze Universum der Naturreligionen kommt mit einer Vielzahl von netten Geschichten daher, wie die Welt entstanden ist. Aber ein wissenschaftlich gebildeter Mensch kann an diese Mythen eben unmöglich glauben.

Wenn es aber um die Stellung der menschlichen Seele im Universum geht, so geht es hier doch erst ans Eingemachte. Da sind Konzepte, die den gesicherten Erkenntnissen der Wissenschaft nicht direkt entgegenstehen, doch eine andere Kategorie, als Aussagen, die vorne und hinten nicht passen. Dass wir nach dem Tod zum Ende der Zeit aus den Gräbern auferstehen und dann einzeln vor dem Richter antreten müssen, das hört sich wenig glaubhaft an. Dass aber irgendetwas in uns eine kosmisch-geistige Natur hat, die eine Verbindung zum Kosmos und zur Ewigkeit des Kosmos hat, dass kann die aktuelle Wissenschaft eben keinesfalls ausschließen. Und hierum geht es auch bei Starwars, neben den sehenswerten Actionszenen und dem Universum von skurrilen Gestalten.

Vielleicht bin ich persönlich ein ungewöhnlicher Mensch, aber mir ist es nicht möglich, Dinge zu glauben, die mit Sicherheit nicht wahr sein können. Aber ich glaube gerne, was möglich ist, wenn es mir gefällt, und schrecke auch nicht davor zurück, im Möglichkeitsraum selber umfassend zu spekulieren.

Auch was die Einschätzung von Rechtsesoterik und die Gefahren des Antisemitismus angeht, so sind hier destruktive Einstellungen, die widerlegbar sind, weit weniger gefährlich, als solche, die geschickt mit den Möglichkeiten spielen, die die Welt tatsächlich zu bieten hat.



Kommentar vom 08.08.2020 00:43
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@Subventionen und Atomenergie

Einen guten Teil der Gelder, die man zur Wiederankurbelung der Wirtschaft aufwenden will, falls die Coronakrise mal beendet ist, wären Subventionen. Das Wichtigste daran ist, dass die reduzierte Wirtschaftsleistung schneller überwunden wird, wenn man mit den Subventionen zusätzliche Wirtschaftstätigkeit und auch wieder neue Arbeitsplätze schaffen kann.

Die Idee, dass wir hier auch in eine Subvention der Klimaschutztechnik investieren können, wo wir sowieso gerade am Subventionieren sind, die finde ich sehr gut.

Was die Atomkraftwerke angeht, da bin ich mir nicht sicher, ob das im Vergleich zu Wind, Sonne und Wasserstofftechnik wirklich kostengünstiger ist. Das Hauptproblem ist, das Atomkraftwerke 24 h und 365 Tage laufen müssen, um wirtschaftlich zu sein. Wir können damit doch keine richtigen Dunkelflauten ausgleichen. Die Ersatzkapazitäten würden durch den Kernkraftanteil im Energiemix nur wenig reduzierbar. Ein guter Teil der Ersatzkapazitäten würde nur an wenigen Tagen im Jahr benötigt, da fällt der Erdgasverbrauch bzw. später der Wasserstoffverbrauch nicht so ins Gewicht, das teuerste daran wäre der Unterhalt, diese Ersatzkraftwerke bereit zu halten.

Die derzeitigen abgeschriebenen aber noch mit hinreichender Sicherheit laufenden Atomkraftwerke produzieren wenigstens billigen Strom, das gesparte Geld kann man noch viele Jahre in neue Wind- und Solaranlagen investieren, bis hier die Überschüsse so groß werden, das Wasserstoff und andere Speicherlösungen akut werden.

Ich bin mal gespannt auf die Preisentwicklung bei Windrädern, und vor allem auf die Preise von Photovoltaik-Modulen. Wenn sich hier die Preisentwicklung der letzten Jahrzehnte fortsetzt, dann geraten hier womöglich neue Atomkraftwerke komplett außer Konkurrenz.



Kommentar vom 07.08.2020 23:53
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/echtes-neuro-strafrecht-ab-welchem-alter-ist-man-voll-verantwortlich/

@Balanus Räubergehirn

„Es geht hier doch gar nicht darum, das „Räubergehirn“ neurowissenschaftlich zu untersuchen, sondern es geht um die Frage, ob uns die Neurowissenschaften bei der Frage helfen können, ab welchem Alter man voll verantwortlich (für seine Straftaten) ist“

Wenn ich nicht weiß, wie ein Erwachsener es schafft kriminellen Neigungen zu widerstehen, dann kann ich doch auch wenig dazu sagen, inwieweit Jugendliche noch nicht diese Kontrollfunktionen haben. Die genaue neurowissenschaftliche Kenntnis, was Kriminelle von gesetzestreuen Bürgern unterscheidet, würde ich aber schon fordern, wenn jemand Änderungen im Strafrecht neurowissenschaftlich begründen will.

Offenbar hat man das im beschriebenen Fall mit der Altersgrenze in den Niederlanden auch nur gemacht, weil sich das gut und modern anhört. Im wesentlichen fehlte hier offenbar die Evidenz. Und das Ergebnis in der Praxis sind dann auch willkürliche Entscheidungen im Einzelfall. Das ist für alle Beteiligten eine unangenehme Angelegenheit.

Ich will hoffen, dass wir nicht noch mehr Gesetzesänderungen bekommen, die auf ungesicherter neurowissenschaftlicher Grundlage motiviert werden und in der Praxis nur zu Willkür und Unberechenbarkeit führen. Das greift letztlich die Rechtssicherheit an.

Zur Frage nach dem Kategoriefehler meine ich, dass wir hier in jedem Fall zwei ganz verschiedene Beschreibungsebenen haben. Um zu wissen, dass hier beides genau das selbe Subjekt, unser Bewusstsein in unserer inneren Erlebniswelt beschreibt, bräuchten wir sehr viel mehr neurowissenschaftliche Erkenntnis, meine ich. Diese Frage kann man aktuell schlecht beantworten, da muss man wohl verschiedene Provisorien nebeneinander stehen lassen.



Kommentar vom 07.08.2020 15:12
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/echtes-neuro-strafrecht-ab-welchem-alter-ist-man-voll-verantwortlich/

@Balanus Kategoriefehler

„Die psychischen Fähigkeiten unterliegen dem Nervensystem. … Worin sollte diese Schuldfähigkeit begründet sein, wenn nicht in den psychischen Fähigkeiten, die dem Nervensystem unterliegen? Es ist mir schleierhaft, wieso der eine oder andere meint, es läge hier ein Kategorienfehler vor. (Es ist mir schleierhaft, wieso der eine oder andere meint, es läge hier ein Kategorienfehler vor.)“

Die Betrachtung von innen, wie wir unsere eigene Innenwelt erleben, ist ja zunächst mal etwas ganz anderes, als die Betrachtung des Nervensystems mit Mikroskopen oder mit den „Bildgebenden Verfahren“. Die Untersuchung menschlichen Verhaltens hat so auch in erster Linie mit den Zielen zu tun, die der konkrete Mensch hat. Den Bankräuber versteht man am ehesten, wenn man sich dessen Ziele vor Augen führt, also das Bestreben schnell an Geld zu kommen. Dazu mag eine gewisse Lust an Gewalttätigkeiten kommen.

Genau diese Ziele jetzt mit der Untersuchung des Räubergehirns zu ermitteln, ist heute unmöglich, und wäre auch überflüssig umständlich. Soviel zu den praktischen Unsinnigkeiten der Perspektive aus Sicht des Nervensystems.

Ein anderes Problem ist die Sicht auf geistige Aspekte der menschlichen Psyche. Das allein das Nervensystem die Psyche produziert ist eine Sichtweise, die davon ausgeht, dass unsere Psyche keinerlei geistige Anteile hat. Wenn es diese aber doch gibt, wovon die meisten traditionellen Religionen ausgehen, dann kommt hier eine weitere, eine geistige Komponente ins Spiel. Das bezieht sich dann logischerweise auch auf das Thema Schuld und Verantwortung. So kann man auch z.B. von bösen Geistern geritten werden, wer weiß das schon so genau?

Ich persönlich gehe davon aus, dass das menschliche Bewusstsein durch eine Synthese aus dem lokalen Gehirn mit einem kosmischem Geist entsteht. Das muss nicht stimmen, aber meine Sichtweise widerspricht eben ganz klar der Einschätzung, dass das Gehirn hier alles alleine macht. Es ist also Realität, dass der Mensch sich hier anders definieren kann. Nicht nur in meinem Fall.



Kommentar vom 05.08.2020 12:36
https://scilogs.spektrum.de/wild-dueck-blog/psychologie-der-corona-akzeptanz/

@Lebensgefahr und Diskussionsstil

Der Hinweis von @Lopez, dass die Kübler-Ross-Kurve eigentlich für eine erhebliche Lebensgefahr gilt, ist nicht verkehrt. Wir haben hier in der Tat eine angstbedingte Überreaktion, die eben die Sterblichkeit von unter 1% als akut lebensbedrohlich einschätzt. Die ständige Präsenz des Themas in den Medien und zusätzlich die ständige Präsenz durch die Maskenpflicht im Live-Alltag scheint hier die gefühlte Gefahr um den Faktor 10 bis 100 zu steigern.

Insofern gilt die Kübler-Ross-Kurve dann doch wieder, weil hier die nur gefühlte Gefahr die gleiche Wirkung wie eine Echte entfaltet. Aber die Endphase der Akzeptanz ist jetzt wohl eher, dass die Menschen wieder auf den Teppich kommen, und eben die tatsächliche Sterblichkeit auch emotional entsprechend des realen Ausmaßes einordnen. Die Konsequenz daraus heißt jetzt nicht, die Gegenmaßnahmen komplett einzustellen, aber weniger wäre zumindest bei dem derzeitigem Ausmaß der Neuinfektionsraten wohl mehr.

Ich muss aber selbst auch sagen, dass die Beiträge von @Lopez mir nicht soo viel Spaß machen, weil dort einfach zu viele „Fakten“ herangezogen werden, die mir unglaubhaft erscheinen.



Kommentar vom 05.08.2020 00:43
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/echtes-neuro-strafrecht-ab-welchem-alter-ist-man-voll-verantwortlich/

@Martin Holzherr 04.08. 15:57

Volle Zustimmung meinerseits.

„Klar gibt es keinen freien Willen zu wollen was man will. Aber …Es gibt den freien Willen zu tun, was man will. Das nennt man Handlungsfreiheit.“

Die Diskussionen über die Willensfreiheit, die die Hirnforschung immer wieder aufgreift, erscheint mir als ein Trick, die Menschen zu entmündigen.

Wenn ich dir erklären kann, was dein Gehirn mit dir macht, kenne ich dich besser als du dich selbst. Und dann kann ich dir helfen, mit dir selber klar zu kommen, aber dich auch vor dir selbst zu schützen. Und wenn nötig, auch die Gesellschaft vor dir zu schützen. Ob das angebracht ist, entscheidet ich als Gehirnexperte. Du selbst kannst da nicht viel zu sagen, du bist ja nur das Produkt deines Gehirns.

Eigentlich ist Hirnforschung nur ein neuer Zugang zur Psyche des Menschen. Neben der Erfahrung mit sich selbst, der Erfahrung im Miteinander und auch der Beobachtung des Verhaltens von Menschen, ist Hirnforschung ein interessanter Aspekt, eine interessante neue Perspektive, von der aus man Menschen beobachten kann.

Aber wirklich viel hat das bis heute nicht gebracht. Mal von Neurologischen Störungen abgesehen, liefert die Hirnforschung auch heute noch kaum was brauchbares, ist nur öfter eine kleine Ergänzung zur psychologischen und soziologischen Grundlage der Beobachtung und Systematisierung von konkreten Menschen.

Darüber hinaus, jenseits von aller Wissenschaft und klinischer Perspektive, ist die Introspektion und Reflexion ein ganz wesentliches Element, wie der Mensch sich selbst und die Menschen in seinem Umfeld versteht. Das hat immer noch den meisten Erklärungswert. Dostojewski lesen hilft da Einiges. Und auch konkrete therapeutische Experten sind vor allem dann hilfreich, wenn sie mittels Introspektion und Reflexion in ihrem eigenen Leben und in ihrem eigenem sozialen Umfeld das menschlichen Leben und sein Risiken und Chancen gut kennen.

Die Wissenschaftliche Basis nicht nur der Hirnforschung, sondern auch der Psychologie und der Soziologie ist einfach zu dünn, der Mensch ist zu vielfältig, hat zu viele Dimensionen, als dass man das in einfachen Regelwerken erfassen könnte. Die Erfahrung im direkten Gegenüber sind mit Nichts zu ersetzen, um Andere einschätzen zu können.

Und die Hirnforschung hat noch einen sehr langen Weg vor sich. Erst braucht man das komplette Konnektom, um zu sehen wie ein Mensch auf der Ebene der Nervenzellen prinzipiell verschaltet ist, und dann muss man sich auch noch durch eine ungeheure Komplexität durcharbeiten, um hier wirklich schlau draus zu werden. Und die individuellen Unterschiede zwischen den Menschen sind noch mal ein Kosmos für sich, und der wird das auch voraussichtlich bleiben.

Und inwieweit das menschliche Bewusstsein jetzt auch noch geistige Anteile an einem kosmischem Bewusstsein hat, ist hier noch nicht mal mitgerechnet.

Angesicht dieser Schwierigkeiten, die auch die besten Experten in der Einschätzung von Straftätern haben, ist natürlich ein Strafrecht, das sich an den eventuellen zukünftigen Taten orientiert, eigentlich aussichtslos. Hier wird es zu einem Lotteriespiel, wie die Gutachter entscheiden, dessen Ausgang vom zufälligem Zusammentreffen der Strategie des Kriminellen, der wieder in Freiheit möchte, und der jeweiligen Ausbildung und der jeweiligen persönlichen Einstellung und Erfahrung des Gutachters.

Das reine bestrafende Strafrecht hat den sehr attraktiven Vorteil, dass eben die tatsächlichen Taten auch tatsächlich nachweisbar sind, und auch nachweisbar sein müssen. Resozialisierung kann man ja trotzdem versuchen, und auch Therapie bei psychischen Störungen aller Art kann man ja im Gefängnis bzw. im Maßregelvollzug gerne anbieten. Aber die Dauer der Strafe sollte man in erster Linie an den tatsächlich begangenen Straftaten ausrichten. Einfach aus praktischen Gründen.

Es wäre ja toll, wenn man im Vorfeld schon mittels Therapie bzw. Verwahrung die meisten Straftaten verhindern könnte. Aber das geht eben einfach schon deswegen nicht, weil menschliches Verhalten grundsätzlich nicht vorhersehbar ist.



Kommentar vom 03.08.2020 13:36
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@Herr Senf 02.08. 17:59

„Hohe Übersterblichkeit bei Grippe haben wir (nur) alle 2-3 Jahre – Impfmüdigkeit.
Nicht pharmazeutische Maßnahmen, die gegen Covid helfen, helfen auch gegen Grippe.
Das geht bei mündigen aufgeklärten Bürgern auch per Eigenverantwortung, man weiß
doch, was zu machen ist – muss nicht auf die Behörde warten, um dann rumzuschimpfen.“

Auch eine Idee, hier die Erfahrungen mit der Bekämpfung von Covid19 im Kampf gegen die gewohnte, aber durchaus nicht ungefährliche Grippe zu nutzen. Maskenpflicht in jedem 2. Jahr für 3 Monate vielleicht? Oder doch lieber eine jährliche Impfpflicht gegen Grippe?

Wenn jemand persönlich dies für sinnvoll hält, so viel ist klar, kann er das ja machen. Aber verpflichtende Maßnahmen würde ich hier doch für Unrecht halten. Masken stören das soziale Miteinander ganz erheblich, finde ich, und wenn jemand Impfungen grundsätzlich ablehnt, so ist das meiner Ansicht nach zu respektieren, immerhin handelt es sich hier um einen Eingriff in den eigenen Körper.

„Wenn wir schon Probleme bei Grippe haben, muß sich doch kein zweites Virus etablieren.“

Ich gehe eigentlich davon aus, dass wir Covid19 nie wieder loswerden, egal was wir dagegen unternehmen. Wir können froh sein, wenn ein Coronaimpfstoff zu 70% schützt, meine ich von den Experten insgesamt gehört zu haben. Das reicht, die Krankheit so weit einzudämmen, dass alle Distanzierungsmaßnahmen eingestellt werden können, und wäre eine Erlösung auch von diesen Diskussionen hier in diesem Blog. Aber die 70% reichen nicht, das Virus auszurotten, schätze ich mal. Das wird sich immer wieder irgendwo auf geringem Niveau fortpflanzen, aber in einem Ausmaß, dass das in der Regel keine große Rolle mehr spielt.

Das Wesentliche an Corona scheint mir aber zu sein, dass es sich hier um eine neue Lebensgefahr handelt, die wegen der ständigen Medienpräsenz nicht verdrängt werden kann. Aber Verdrängung ist eben so ziemlich die Regelstrategie des modernen Menschen, um psychisch mit Lebensgefahren klar zu kommen. Entsprechend hat sich inzwischen Panik ausgebreitet, und die emotionale Reaktion auf die konkrete Gefahr ist um den Faktor 100 höher als bei vergleichbaren, aber gewohnten und verdrängten Lebensgefahren. Hier passt das ins Bild, wenn hier jetzt auch verwandte Gefahren wie die normale Grippe höher bewertet werden. Gleichzeitig steigt die Gefahr von Herzinfarkten, weil manch einer mit entsprechenden Symptomen aus Angst vor Corona-Ansteckung zu spät den Arzt holt.

Die Angst kann ein Helfer sein, um Gefahren abzuwenden, ja, unbedingt. Die Angst kann aber auch unterm Strich richtig destruktiv werden, und das ganze Leben lahmlegen. Das weiß eigentlich jeder, der persönlich mal mit Angststörungen zu tun hatte. Aber manch einer scheint sich hier richtig angegriffen zu fühlen, wenn man seine Angst nicht teilt.



Kommentar vom 02.08.2020 13:04
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@Paul Stefan 02.08 09:24

„Wie wollen Sie eine Anzahl von 10 000 Infektion pro Tag konstant halten?“

Ja genau so wie es jetzt auf niedrigem Niveau gemacht wird. Die individuelle Nachverfolgung wird teilweise nicht mehr möglich sein, aber dafür sind die Menschen dann auch vorsichtiger, weil die akute Gefahr entsprechend 10 mal höher ist als jetzt. Die beiden Effekte würden sich wohl ausgleichen. Und konstant muss die Rate ja nicht sein, wenn wir sie zwischen 5.000 und 15.000 halten reicht das ja.

„Sie unterschätzen komplett die Dynamik einer exponentiellen Verbreitung, wenn man das Virus laufen lässt.“

Das Virus einfach laufen lassen, war jetzt nicht mein Vorschlag. Eine freiwillige Kontaktzurückhaltung wird völlig unabhängig von Zwangsmaßnahmen stattfinden. Ich bin nur dafür, Zwangsmaßnahmen erst zu verordnen, wenn die Infektionsraten bundesweit über 10.000 pro Tag steigen.

Ich mache mir insbesondere Sorgen, wenn im nächsten Winter die Infektiösität witterungsbedingt stark ansteigt. Dann muss eventuell eine neuer Lockdown her. Aber das Problem können wir jetzt im Sommer, wo das Wetter uns wahrscheinlich entgegenkommt, sowieso nicht lösen. Wir steigen nur mit höheren Infektionszahlen in den Winter ein, da muss ich zugeben, dass das etwas gefährlicher wäre. Aber ein vernünftiges Sozialleben ist dieses Risiko wert, das meine ich ganz entschieden.

Und die wirtschaftlichen Schäden ufern völlig aus, wenn das noch Jahre so weitergeht. Wenn hier zu viele Betriebe pleite gehen, bricht hinterher das gesamte System zusammen, davor habe ich wesentlich mehr Angst als vor Covid19 selbst.



Kommentar vom 02.08.2020 01:03
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@Wie lange noch? Vergleich mit einer Grippewelle


Die letzten Neuinfektionszahlen in Deutschland sind noch unter 1000 pro Tag. Wenn ich das jetzt in Beziehung zur Sterblichkeit bei einer typischen Grippewelle setzte, komme ich dort auf:

Die Grippewelle mit 25.000 Tote in 90 Tagen, also pro Tag 278 Todesfälle.

Bei positiv getesteten Covid19-Kranken haben wir eine Sterblichkeit von etwa 3,5 %, das gibt 35 Todesfälle pro Tag. (die Sterblichkeit liegt bei unter 1%, wenn man die symptomlosen nicht Getesteten mitrechnet)

Offenbar wäre eine normale Grippewelle 278 / 35 = 7,9 mal schlimmer als Covid19 mit 1000 bestätigten Fällen pro Tag ist.

Hierzu würde ich sagen, dass also Zwangsmaßnahmen auf dem derzeitigen Nivea 7,9 mal weniger gerechtfertigt sind, als bei einer typischen Grippewelle. Das Problem scheint hier zu sein, dass man wirklich gründlich in Panik geraten ist, und dem entsprechend irrational handelt.

Wenn wir mehr als 8000 Neuinfizierte am Tag hätten, kämen wir grade mal in den Bereich einer normalen Grippewelle, was die täglichen Todeszahlen angeht. Bis dahin könnten wir, meine ich, mit einem Minimum an verpflichtenden Gegenmaßnahmen auskommen. Herr Lauterbach sagte heute im Fernsehen, dass die derzeitigen Nachverfolgungen der Infektionsketten durch die Gesundheitsämter nicht sehr viel bringt, weil das Verfahren so lange dauert, dass die Infizierten erst isoliert werden, wenn sie schon fast die Sache hinter sich haben, und nicht mehr lange ansteckend sind.

Daraus wiederum würde ich den Schluss ziehen, dass wir es auch riskieren könnten, eben um die 10.000 Neuinfektionen pro Tag zu haben. Klar, dass dann die individuelle Verfolgung nicht mehr möglich ist, weil die Gesundheitsämter das nicht schaffen können. Aber so schlimm wäre das dann wohl nicht.

Wir müssen bei der ganzen Sache auch bedenken, das wir als Menschen wirklich extrem soziale Wesen sind. Immerhin machen wir die ganzen Corona-Gegenmaßnahmen in erster Linie, um die Risikogruppen zu schützen. Das tue ich voll unterstützen, aber wir brauchen trotzdem reichlich Sozialkontakte, um vernünftig Leben zu können. Nach inzwischen 5 Monaten Distanzierung merke ich und alle, die ich kenne, dass das kein Dauerzustand sein kann. Aber so wie wir jetzt mit voller Energie dafür kämpfen die Neuinfektionen unter 1000 pro Tag zu halten, wird uns die ganze Geschichte noch mindestens 5 Jahre beschäftigen.

Alles auf eine Impfstoff zu setzten, das ist auch riskant. Kann sich jemand vorstellen, was mit der Psyche der Menschen und mit der Weltwirtschaft passiert, wenn wir jetzt noch 2 Jahre so weitermachen wie jetzt? Falls dann überhaupt ein Impfstoff kommt.

Was sind die Alternativen? Neuinfektionszahlen von 10.000 pro Tag zu tolerieren würde dazu führen, dass wir in Deutschland in 2 Jahren ca 7 mio positiv Getestete hätten. Aufgrund der Dunkelziffer, die so weit ich weiß bei 1 : 10 ist, wären dann also 70 mio Menschen hoffentlich einigermaßen immun, weil sie die Infektion durchgestanden haben. Das kann reichen, um zu einem Ende der Pandemie zu kommen, auch wenn das dann mit dem Impfstoff doch nichts wird.

Aber wenn wir jetzt mit viel Mühe und unter großen menschlichen und wirtschaftlichen Opfern die 1000 Neuinfektionen pro Tag weiter realisieren, dann dauert das 20 Jahre, bis wir 70 mio Menschen haben, die die Infektion durchgestanden haben. So setzten wir alles auf eine Karte, eben auf einen gut wirksamen Impfstoff. Nebenbei: das sieht nach dem besten Pharmageschäft des 21. Jahrhunderts aus.