www.introspektiva.de - Die Wirklichkeit psychischer Krankheiten - Subjektivität als Maßgabe und Menschenrecht - ein Buchprojekt vom KLuW e.V.

Meine Kommentare auf scilogs.spektrum.de 2019/10 (T.J.)


Kommentar vom 17.10.2019 10:59
https://scilogs.spektrum.de/mente-et-malleo/wie-lange-wissen-wir-um-den-drohenden-klimawandel/

@Martin Holzherr 16.10. 17:07

„1) Wind-+Solarkraft so auslegen, dass es für den Winter reicht (das Zuviel im Sommer einfach abregeln).
2) Batterien als Kurzfristspeicher bis maximal 1 Tag
3) Längere Unterversorgungsphasen mit fossilen Kraftwerken abdecken, die in Reserve gehalten werden.
Allein schon mit dieser Lösung könnte Deutschland seinen CO2-Ausstoss auf einen Viertel des Heutigen reduzieren.“

Na das wär ja was. Wenn Photovoltaik noch günstiger wird, wäre das auch weniger teuer. Ich denke, das man schon Nutzungen für den abgeregelten Strom in diesem Modell finden würde, insbesondere wenn die aktuellen Netzpreise an die Verbraucher weitergegeben werden. Neben Produktion von Wasserstoff, Methan und flüssigen Kraftstoffen, wäre z.B. eine Produktion von Aluminium, die nur im Sommer mit Überschüssen läuft, denkbar. Den nicht nutzbaren Rest Abregeln kann man dann immer noch.

Neben dem Streben nach Selbstversorgung können dennoch über die Europäischen Fernleitungen durch Stromaustausch noch die Synchronisierung von Produktion und Nachfrage verbessert werden. Auch stelle ich mir den Einsatz von Photovoltaik in Südeuropa sehr lukrativ vor, bei den selben Kosten hat man dort teils den doppelten Ertrag wie in Deutschland. Hier werden sich wohl neue Stromtrassen in Nord-Süd-Richtung lohnen, wo dann auch umgekehrt Windstrom nach Süden transportiert werden kann, ja nach Wetterlage. Je weiter der Strom verteilt werden kann, desto mehr gleichen sich die lokalen Wetterlagen gegenseitig aus. Dann braucht man auch etwas weniger installierte Leistung, und hat weniger Bedarf bzw. weniger Laufzeiten und damit Energieverbrauch für die vorerst noch fossilen Backupkraftwerke.

Ganz nebenbei könnte man auch den Fahrradverkehr in den Städten fördern, das spart nicht nur installierte regenerative Leistung, sondern spart den Radfahrern auch viel Geld, wenn die kein Auto mehr brauchen, weil man mit dem Fahrrad sicher und zügig überall hinkommt. Das wäre keine Konsumeinschränkung zum Nachteil der Stadtbewohner, sondern eine Bereicherung der Möglichkeiten im urbanen Leben.

Was die Groko angeht, so scheinen tatsächlich die Lobbyisten der Kraftwerksbetreiber erfolgreich noch ein paar Jahre Laufzeit ihrer alten abgeschriebenen Kraftwerke heraus holen können. Und auch die Autoindustrie bekommt noch ein paar Jahre mehr, in denen sie fette, schwere Autos mit Verbrennungsmotor verkaufen kann.

Wer wirklichen Klimaschutz haben will, kommt wohl nicht drum herum, die Grünen zu wählen, da gibt’s offenbar keine Alternative.



Kommentar vom 16.10.2019 13:01
https://scilogs.spektrum.de/mente-et-malleo/wie-lange-wissen-wir-um-den-drohenden-klimawandel/

@Backupkraftwerke

Wenn wir Sonnen- und Windenergieproduktion auch auf Heizung und Mobilität ausbauen, brauchen wir dennoch nicht mehr Backup-Kraftwerke als für die reine Stromversorgung. Als Heizung bietet sich eine Kombination von Elektro- und Gasheizung bzw. sparsamer eine aus Wärmepumpen- und Gasheizung an. Die läuft dann nur auf Strom, wenn regenerativer Strom ausreichend zur Verfügung steht, wenn nicht läuft sie auf Gas, dass zuvor aus Überschussstrom hergestellt wurde und das ausreichend für die Heizsaison gespeichert werden kann.

Auch bei der Elektromobilität kann man die Privatfahrzeuge auch zeitverzögert aufladen, weil typischerweise bei 30 km Fahrleistung pro Tag für 150 km aufgeladen werden kann. Dann kann man auch mal 3 Tage auf das Aufladen verzichten. Wenn die aktuellen Netzstrompreise auch an die Kunden über entsprechende Stromzähler weitergegeben werden können, würde bei Stromknappheit auch durch die entsprechend hohen momentanen Preise einiges an Leistung nicht mehr nachgefragt werden. So manche energieintensive Industrieproduktion würde dann vorübergehend ausgesetzt werden. Insgesamt bräuchten wir also gar nicht so viele Backupkraftwerke.

Die derzeitige Umstellung von Kohle auf Gas bei den Kraftwerken macht dann auch Sinn, weil die zwar zunächst noch mit Erdgas laufen, aber dann später einfach auf synthetischen Wasserstoff oder Methan aus Stromüberschüssen umgestellt werden können.

Das mit dem vollen Ausbau der regenerativen Produktion wird wohl mindestens 20 Jahre dauern, allein weil Kapital einerseits und Ausbaukapazitäten bei den Herstellern der Anlagen andererseits begrenzt sind. In den weniger reichen Ländern wird der Umbau wohl erst in Fahrt kommen, wenn Solarpaneele noch mal deutlich günstiger geworden sind, was allerdings in den nächsten Jahrzehnten auch zu erwarten ist.

Also wir können das schaffen, und das auch bezahlbar gestalten, denke ich.



Wegmoderierter Kommentar vom 15.10.2019 00:42
https://scilogs.spektrum.de/fischblog/aussterben-menschheit-klimawandel/

@Atomkraftwerke

Na ja, falls die Zivilisation mal zusammenbricht, und sich wirklich keiner mehr um die Nachzerfallswärme in den abgeschalteten Atomkraftwerken kümmert, setzt das dann noch einen oben drauf. Das betrifft alle Reaktorkerne, die vor dem Zusammenbruch in Betrieb waren, und teilweise sogar die abgebrannten Brennstäbe in den Abklingbecken. Wenn da nicht mehr aktiv gekühlt wird, müsste sich ein Großteil der dort vorhandenen Spaltprodukte im Umland verteilen. Bei allen betroffenen Kraftwerken gleichzeitig.

Gründe für einen Zusammenbruch gäbe es ein paar. Eine Superseuche aus dem CRISPR-Cas9 Labor, ein schwerer Sonnensturm oder ein schwacher Gammablitz, der Stromnetze und Computer zerstört. Oder in vielleicht 20 Jahren, wenn wir uns weltweit von Computern und dem Internet der Dinge total abhängig gemacht haben und ein richtig fies geführter Cyberkrieg ausbricht, indem die Regierungshacker der Kontrahenten alles aufbieten, was sie haben, und wechselseitig jeden feindlichen Computer zerstören, der irgendwie am Internet hängt.

Neben den handfesten Problemen im Sektor Wasserbeschaffung, Nahrungsverteilung, winterfeste Unterkunft, und dann später auch Nahrungsanbau käme dann noch alllgemeine und auf Dauer ziemlich tödliche radioaktive Verseuchung dazu.



Kommentar vom 14.10.2019 18:48
https://scilogs.spektrum.de/mente-et-malleo/wie-lange-wissen-wir-um-den-drohenden-klimawandel/

@Martin Holzherr 14.10. 11:03

„Gäbe es CO2-freien Strom für weniger als 3 Cents pro Kilowattstunde, dann wäre das Klimaproblem zu 80% gelöst.“

Klar wäre das eine Lösung. Aber das gilt doch auch für höhere Kosten als 3 ct/Kwh. Meine Gasrechnung berechnet mir 5,2 ct/Kwh plus Grundgebühr. Benzin kostet ca. 11 ct/Kwh, und für Strom zahle ich astronomische 24,2 ct/Kwh plus Grundgebühr.

Zitat Wikipedia Stichwort Windenergie:

„Laut Fraunhofer ISE (Stand 2018) können Windkraftanlagen mit 3,99 ct/kWh bis 8,23 ct/kWh zu niedrigeren Stromgestehungskosten produzieren als neue Steinkohle- und Gaskraftwerke, die Stromgestehungskosten von 6,27 ct/kWh bis 9,86 ct/kWh bzw. 7,78 ct/kWh bis 9,96 ct/kWh aufweisen. Auch Braunkohlekraftwerke haben mit 4,59 ct/kWh bis 7,98 ct/kWh etwas höhere Stromgestehungskosten als Windkraftanlagen an Land. Offshore-Anlagen sind aufgrund des größeren Bauaufwandes sowie höherer Finanzierungs- und Betriebskosten trotz mehr Volllaststunden deutlich teurer; ihre Stromgestehungskosten lagen 2018 bei 7,49–13,79 ct/kWh.“

Neue Windkraftanlagen an Land produzierten also 2018 zwischen 4,0 ct/kwh und 8,2 ct/Kwh.

Wenn wir hier einen Durchschnittspreis von 6 ct/Kwh nehmen, ist das nur knapp überm Gaspreis, und nur halb so hoch wie der Benzinpreis. Und nur ein viertel vom Strompreis für Privatverbraucher. Klar kommen hier noch die Netzdurchleitungen dazu, und eventuell auch Abregelungen, Speicherkosten bzw. Umwandlung in Wasserstoff bzw. Weiterumwandlung in Methan und flüssige Kraftstoffe, und wohl noch Steuern (?).

Aber so viel teurer scheint das doch gar nicht zu werden. Ich denke, wir sind uns darüber einig, dass die Energiewende durchaus zu etwas höheren Energiepreisen führen darf – vielleicht 30% bis 50%? Es sieht so aus, dass das dicke genügt. Zumal die Stromkosten für die Privatverbraucher angesichts des derzeitigem astromomischen Niveaus dabei sogar sinken könnten, incl. dem Strom für Elektroautos.

In den letzten Jahrzehnten war die Photovoltaik anfangs noch sehr teuer, und hat wesentlich durch die EEG-Umlage zu den derzeit astronomischen Strompreisen für die Privatverbraucher beigetragen. Die Preise für neue Photovoltaikanlagen sind aber inzwischen stark gesunken, und werden voraussichtlich weiter sinken.

Zitat Wikipedia Stichwort Photovoltaik:

„Seit 2018 sind neu gebaute große Photovoltaikanlagen die günstigsten Kraftwerke in Deutschland. … So werden sich bis 2025 die Erzeugungskosten in Mittel- und Südeuropa auf 4–6 Cent pro Kilowattstunde verringern, bis 2050 auf 2–4 Cent. Zugrunde liegen konservative Annahmen zur technologischen Weiterentwicklung von Solaranlagen.“

Bei einer konsequenten Energiewende wird es mittelfristig teurer, aber mit dem Potential, in Jahrzehnten doch wieder günstiger zu werden. Offenbar sind die von Herrn Holzherr anvisierten 3 ct/Kwh durchaus in Sicht. Wir können aber kaum bis 2050 warten, und müssen jetzt schon anfangen in großen Umfang zu investieren.



Kommentar vom 13.10.2019 18:54
https://scilogs.spektrum.de/mente-et-malleo/wie-lange-wissen-wir-um-den-drohenden-klimawandel/

@Dr. Webbaer 13.10. 13:50

Ich meine tatsächlich, dass Natur unabhängig vom Menschen selber einen Wert hat. Das Leben der Dinosaurier in ihrer Zeit hatte einen Wert für sich, meine ich.

Auf jeden Fall ist darüber hinaus mir die Natur was wert, was in der Praxis wichtiger ist. Die Ökologisten, die Sie beschreiben, mag ich so sehr auch nicht. Bei allen Schwierigkeiten, die wir diesem Planeten machen, sind wir doch eine wesentliche Bereicherung. Wegen unserem Bewusstsein, unserer Kulturfähigkeit und auch für die Dienste, die wir potentiell dem Leben auf diesem Planeten leisten können.

Also Ausbreitung unseres planetaren Lebens in der Galaxis, aber auch Stabilisierung des Klimas, dass es nicht zu weiteren Eiszeiten kommt, oder die Abwehr von Asteroiden.

Inwieweit jetzt ein menschlich bereichertes Leben in mitten einer guten Kombination von Kultur- und Naturlandschaft besser ist als eine reine Naturlandschaft, ist schwer zu sagen, mit Tendenz zu positiv. Auf jeden Fall hat der Mensch selbst, und zwar jeder einzelne, einen intrinsischen Wert, den wohl manche Ökologisten wiederum ablehnen. Wenn ich als Mensch süchtig nach Tabak bin, oder Hunger auf Fleisch habe, wird mir das von Manchem vorgehalten, dass ich dazu nicht berechtigt wäre.

So wie sich der Mensch allerdings teilweise verhält, kann man ihn doch auch als planetaren Krankheitserreger, der gleichzeitig immer noch intrinsichen Wert hat, betrachten. Das hängt zum Teil auch einfach mit der Zahl der Menschen zusammen. Der Organismus Weltökologie kann jedenfalls derzeit durchaus als etwas Homosapienskrank betrachtet werden. Wenn Populationsstärke und dazu passendes Verhalten sich aber wieder in planetar gesunde Bereiche bewegen, sind wir meiner Ansicht ganz klar eine Bereicherung, und keine Krankheit.



Kommentar vom 13.10.2019 13:54
https://scilogs.spektrum.de/mente-et-malleo/wie-lange-wissen-wir-um-den-drohenden-klimawandel/

@Yadgar 12.10. 23:57

Wenn die neuen Flüssigsalzreaktoren mehr Atommüll verwerten als sie produzieren, und die Haftpflichtversicherung gegeben ist, ist das für mich im wesentlichen nur noch eine Kostenfrage. Ich stell mit das aber sehr schwierig vor, sowas zu bauen. Die sehr heiße Salzschmelze mit den ganzen Spaltprodukten in einem Milieu von massivster radioaktiven Strahlung müsste eigentlich so aggressiv sein, dass der Reaktorkern nur 1 oder 2 Jahre durchhält, fürchte ich. Dann müsste man den Reaktorkern entsprechend oft quasi als Ersatzteil austauschen, was dann natürlich entsprechend teuer wird.

Deshalb glaube ich das erst, dass das nicht zu teuer ist, wenn das tatsächlich einer fertig bringt, dass zu den erforderlichen moderaten Kosten zu bauen.

Was Sie über die Möglichkeiten zur Verwertung von temporär überschüssigem Strom schreiben, ist ein Aspekt, der für das Gelingen einer kostenerträglichen Energiewende ganz entscheidend ist. Diese Verwertungsmöglichkeiten gelten natürlich nicht nur für Kernenergie, sondern auch für Solar- und Windenergie. Wenn man die Verwertung des Überschussstroms entsprechend organisiert, dann braucht man gar keine neuen Techniken der Stromspeicherung, auch nicht bei 100% Dekarbonisierung. Insgesamt würden aber bestehende Kernkraftwerke, die nur als Grundlast laufen können, dann doch im gesamten Mix nicht mehr gut zu gebrauchen sein. Neue Kernkraftwerke mit Hitzespeicher, die in gewissen Grenzen nach Bedarf Strom liefern können, wären aber eine gute Ergänzung zu den Regenerativen Energien. Wenn sie denn nicht zu teuer sind.

Was die Möglichkeiten angeht, dass man beim Betrieb von Flüssigsalzreaktoren auch entstehendes Plutonium abzweigen kann, da bin ich mir nicht sicher, ob das ein Problem ist. Das Plutonium fällt doch auch in den derzeitigen Kernkraftwerken an, und ist teilweise sogar in den Brennstäben als Teil des Brennstoffs enthalten. Dennoch ist es technisch sehr schwierig das Plutonium daraus zu extrahieren, weil das alles so fürchterlich gesundheitsschädlich ist, damit umzugehen. Wer das schafft, der kann auch Uran anreichern und damit dann Atombomben bauen. Das ist auch schwierig, aber der Umgang mit reinem Uran ist vergleichsweise harmlos.

Zur Photovoltaik in Deutschland: hier haben wir im Winter ein Minimum, wo wir aufgrund der Heizperiode den höchsten Energiebedarf haben. Bei Windenergie ist das genau andersrum, da haben wir auch in der Produktion im Winter das Maximum. Hier müssen nur Flauten von ein oder zwei Wochen überbrückt werden, bei Photovoltaik quasi die gesamte Heizperiode. Deshalb müssen wir neben neuen Stromleitungen für mehr europaweiten Energieaustausch vor allem auf Windenergie setzten, auch wenn die Windräder im Landschaftsbild mehr stören als die Solarpaneele. Das ist dann einfach drei mal kostengünstiger, und eben deswegen vermutlich die einzige Lösung, den deutschen Beitrag zum Klimaschutz zügig auf den Weg zu bringen.



Kommentar vom 12.10.2019 23:44
https://scilogs.spektrum.de/mente-et-malleo/wie-lange-wissen-wir-um-den-drohenden-klimawandel/

@Yadgar 12.10. 21:24

Ich vermute, Sie meinen kleine Flüssigsalzreaktoren, die keine Brennstäbe mehr haben, sondern das spaltbare Material in flüssigem Salz gelöst im Reaktorkern zirkuliert.

Damit Kernkraftwerke zu den regenerativen Energien passen, müssen sie nur dann laufen können, wenn gerade Strom im Netz fehlt. Das geht mit konventionellen Kernkraftwerken nicht, die müssen Tag und Nacht durchlaufen. Wenn die Energiewende weiter fortgeschritten ist, müsste man den vielen dann überschüssigen Atomstrom auch wieder zwischenspeichern. Damit hätten diese Kraftwerke dann nicht mehr viel Sinn.

In neu gebaute Kernkraftwerke kann man aber noch einen Speicher für heißes flüssiges Salz einbauen, dann kann die Turbine für die Stromversorgung in Minuten ans Netz und für ein paar Stunden Strom liefern, während der Reaktorkern die ganze Zeit durchläuft. Diese Technik hat man schon in Solarkraftwerken, die mit Spiegeln das Sonnenlicht bündeln, ausprobiert. Diese Kraftwerke können dann auch in gewissen Grenzen nach Bedarf Strom liefern.

Die Variante der Flüssigsalzreaktoren soll auch in der Lage sein, Atommüll zu verwerten, und sicherer sein. Vollkommene Sicherheit kann ich mir aber nur schwer vorstellen, weil das Hauptsicherheitsproblem immer noch die Nachzerfallswärme ist, die auch nach Abbruch der Kettenreaktion weiter frei wird. Das ist eine direkte Folge der Kernspaltung und kann mit keinem Reaktordesign vermieden werden. Wenn dann die Kühlung eine Woche ausfällt, wirds wohl auch bei kleinen Flüssigsalzreaktoren gefährlich.

Wie dem auch sei, ich bin kein Kraftwerkstechniker. Wenn so ein Flüssigsalzkernkraftwerk tatsächlich mehr Atommüll verbraucht, als es produziert, und wenn es nach Bedarf Strom liefern kann zu Kosten von unter 10 ct/Kwh, und wenn der Betreiber eine Haftpflichtversicherung findet, die bereit ist für wirklich alle Schäden eines Unfalls aufzukommen, dann hätte ich nicht mehr viel dagegen.

Soweit ich weiß, hat man so einen kleinen Flüssigsalzreaktor mit Flüssigsalzwärmespeicher bisher noch nicht in Serie gebaut, und ich fürchte, das diese Technik nicht unter 10 ct / Kwh Strom liefern kann. Wenn doch ein Hersteller das schafft und die Dinger sich als Zuverlässig erweisen, bin ich überzeugter Kernkraftbefürworter, vorher aber nicht.

Es wäre vielleicht schade für das schöne spaltbare Uran, möglicherweise werden wir das noch als Energiequelle für Raumschiffe brauchen, die zu anderen Sternen fliegen können. Das wäre für mich schon ein Argument, auch diese Kraftwerkstechnik nur solange zu betreiben, bis wir mit dem Ausbau von regenerativen Energiequellen weltweit fertig sind.

Was ihre Einschätzung zu Solar und Windenergie betrifft, da unterschätzen Sie das Potential wohl deutlich. Windenergie lohnt sich vor allem an der Küste, aber auch im deutschen Hinterland, wo es inzwischen an günstigen Standorten auch ohne Förderung schon konkurrenzfähig ist. Hier fehlen zur Zeit einfach nur die Baugenehmigungen. Photovoltaik ist in gewissem Ausmaß auch in Deutschland sinnvoll, solange da nur wenig Überschüsse produziert werden. In der Wüste hat man damit zwar den meisten Ertrag, aber in Südeuropa ist der Ertrag auch jetzt schon zufriedenstellend. Und gerade bei Photovoltaik ist noch Potential da, dass die Paneele in Zukunft noch einiges billiger werden.



Kommentar vom 12.10.2019 13:00
https://scilogs.spektrum.de/mente-et-malleo/wie-lange-wissen-wir-um-den-drohenden-klimawandel/

@MDr. Webbaer 11.10. 20:18

Die reine Wirkung von CO2 auf den Strahlungshaushalt konnte auch zu Ditfurths Zeiten schon berechnet werden. Soweit ich weiß, ist die Klimasensitivität ohne Berücksichtigung alle Rückkopplungseffekte bei recht genauen 1,2 Grad, was sich auch ohne Supercomputer leicht berechnen lässt. Also eine Bemerkung Wert war das Thema damals auch schon.

Heute wissen wir mehr, und haben aktuell einen Wert für die Klimasensitivität zwischen 1,5 und 4,5 Grad, den die modernsten Klimamodelle hergeben. So genau ist das jetzt ja auch nicht. Und was dann vielleicht noch evidenter ist, wir haben eine bereits eingetretene Erwärmung von 1,1 Grad.

Zitat Dr. Webbaer:
„Der Ökologismus, vs. das sinnhafte ökologische Bemühen kann so definiert werden, dass der Ökologist, abweichend vom (biblischen) Dominium Terrae, der Natur einen intrinsischen (!) Wert beimisst.“

Also ich messe der Natur auch einen intrinsischen Wert bei. Als mitfühlendes Wesen ist mir das vollkommen selbstverständlich. Ich bewege mich inmitten einer lebendigen Welt, und meine Lebensqualität ergibt sich nicht nur aus den Beziehungen zu meinen Mitmenschen, sondern auch im Miteinander mit dem Rest der Natur. Ein bewusstes Dasein im ganzem Kosmos ist sogar Teil meiner Identität.

Die Sorge um die Natur war vor dem Aufkommen der Weltreligionen auch weltweiter Standard. Die moderne reine Fixierung auf Geld und Profit ist bemerkenswert, und in der Weltgeschichte relativ neu. Die meisten Menschen finden dass auch nicht wirklich gut, und wissen nur noch nicht so recht, was sie dagegen machen können.

Die biblischen Sprüche „Seid fruchtbar und mehret euch“, und „Macht euch die Erde Untertan“ würde ich heute als „Ihr könnt Verantwortung für das Leben übernehmen“ aktualisieren. Wir haben heute die Wissenschaft, die uns zeigt, wie die Ökosysteme funktionieren, und wir haben die Technik und das Geld, um hier wie ein Gärtner mit der Welt zu arbeiten, und das Gedeihen der Natur mit unserer Kultur zu vereinbaren.

Einerseits sind wird mitten in einem anthropogenen Massenaussterben, anderseits haben wir mittlerweile auch die Macht, langfristig das Klima zu stabilisieren. Der Wechsel von Eiszeiten und Warmphasen in den letzten 3 Millionen Jahren tat der Natur nicht so gut, wenn wir das in Zukunft stabilisieren könnten, wäre das für die gesamte Natur eine gute Sache. Wie das geht, lernen wir ja gerade.

Und wir haben es selber in der Hand, ob wir mit 10 Milliarden Menschen hier alles platt machen wollen, oder besser nur mit 5 Milliarden Menschen ein gutes Leben inmitten von viel freier Natur haben wollen. Nicht nur um unserer Selbst willen, auch wegen des Wertes, den wir der Natur zugestehen, wenn wir es den wollen.

Ganz nebenbei betrifft die Möglichkeit, dass der Mensch womöglich auch das Leben mittels Raumfahrt im Kosmos verteilen könnte, nicht nur den Menschen. Auch die restliche belebte Natur der Erde hätte so eine weitere Perspektive. Und diese Perspektive wäre dann, kosmisch gesehen, die Naturkatastrophe wert, die mit der Entwicklung des Menschen zu verbunden sein scheint.



Kommentar vom 11.10.2019 17:44
https://scilogs.spektrum.de/mente-et-malleo/wie-lange-wissen-wir-um-den-drohenden-klimawandel/

@Martin Holzherr 11.10. 08:59

Ihr wohl leider realistisches Scenario kommt dann in etwa der Verdopplung der Treibhausgaskonzentrationen gleich. Bei einer Klimasensitivität von 1,5 – 4,5 Grad ist das dann auch genau das, was auf uns zukommt. Im Mittel 3 Grad, aber der Bereich von 1,5 – 4,5 Grad ist offenbar sehr ungenau. Wie warm es wirklich wird, kann man jetzt noch nicht sagen. Aber in 10 Jahren werden wir es wohl deutlich genauer wissen, und im sich ungünstig entwickelndem Fall werden dann auch mehr Anstrengungen möglich sein.

Offenbar haben wir wahrscheinlich eine rechtzeitige Abwendung des Klimawandels bzw. der Klimakatastrophe verpennt und verpasst. Einen möglichen Ausweg sehe ich dennoch. Es bleibt ja noch die Option einer grundlegenden Änderung der Konsumeinstellung der Menschen. Wenn es den Menschen dann doch wichtiger wird, an einer gemeinsamen Zukunft zu arbeiten, und dafür einen Teil der Konsumgewohnheiten opfern, haben wir eine neue Situation. Wenn die Anstrengungen im Klimaschutz von einem Rückgang des Konsums begleitet werden, muss viel weniger investiert werden, und es stehen gleichzeitig viel mehr Mittel für die nötigen Investitionen zur Verfügung.

Falls sich eine Änderung der Einstellung zum Konsum innerhalb von 20 Jahren auf breiter Basis entwickelt, kann das doch noch was werden, deutlich unter der Vordopplung der Treibhausgase zu bleiben. Das hängt auch direkt davon ab, wie rasant sich das Klima und auch schon das Wetter sich in diesem Zeitraum entwickelt. Die Menschen reagieren wesentlich konsequenter, wenn sie eigene persönliche Erfahrungen machen, als wenn nur eine Theorie Aussagen macht, auch dann wenn es eine gut gesicherte Theorie ist. Wobei der Bereich von 1,5 bis 4,5 zwar gut gesichert ist, aber dafür ist er umso ungenauer.

Mit überraschenden Weiterentwicklungen von einzelnen Techniken kann man auch rechnen. Wenn z.B. Photovoltaik oder Akkus noch mal wesentlich kostengünstiger werden, wird das den Klimaschutz wesentlich beschleunigen können.

Wer hätte 1985 damit gerechnet, dass sich der Kalte Krieg 5 Jahre später in Luft auflöst? Menschen und ganze Gesellschaften ändern sich ähnlich unvorhersehbar wie das Wetter, und sind langfristig noch schwerer einzuschätzen wie die Entwicklung des Klimas. Also Hoffnung gibt es schon. Aber auch Perspektiven für Katastrophenfreunde.



Kommentar vom 11.10.2019 00:34
https://scilogs.spektrum.de/umweltforsch/hebemechanismus-fuer-das-klimapaket/

@Ökonomische Energiewende

Ich denke, je ökonomischer die Energiewende gestaltet wird, desto schneller kann sie vorwärts kommen. Die EEG-Umlage war wenig ökonomisch, weil zu viel teure Photovoltaik und Offshore-Windräder gefördert wurden. Hätte man das Geld mehr in Windräder im Hinterland investiert, wären wir bei den selben Kosten schon viel weiter.

Auch war die EEG-Umlage so ungünstig gestaltet worden, dass der Strom für die Industrie sogar billiger wurde, was von den Privathaushalten über die Umlage mitbezahlt worden ist. Das hat nicht nur den Industriestromverbrauch gefördert, sondern auch die Akzeptanz des Klimaschutzes bei den Privatkunden gar nicht gefördert.

Es erscheint mir auch wichtig, generell die getätigten Investitionen nicht ohne Not zu entwerten. Z.B. sollte die Elektromobilität nur so schnell vorangetrieben werden, dass die bereits angeschafften Fahrzeuge bis zum Ende ihrer Nutzungsdauer gefahren werden können. D.H. das schon bald nur die meisten Neuwagen elektrisch sein können. Das würde auch zu den zu tätigenden Investitionen in die regenerative Stromproduktion passen. Das dauert ja seine Zeit, dass alles zu finanzieren, und auch die Windkraftanlagenbauer brauchen bestimmt noch 20 Jahre, bis die mit dem Zubau von Anlagen fertig sind.

Deswegen muss jetzt auch schnell damit angefangen werden.

Was die Urlaubsflüge angeht, macht es auch keinen Sinn mit einer Radikallösung in ein paar Jahren den Urlaubsflugverkehr auf 20 % runterzufahren. Nicht nur die Investitionen in die Flugzeuge wären dann verloren, sondern auch die riesigen Investitionen in die Hotels an den entfernten Urlaubszielen wären damit verloren. Wenn jetzt innerhalb von 5 Jahren in mit dem Zug erreichbaren Urlaubszielen überall neue Hotels gebaut werden müssten, wäre die Emmissionseinsparung dahin, und das dafür nötige Kapital würde auch beim Aufbau der neuen Energieinfrastruktur fehlen.

Also ruhig den Flugverkehr so reduzieren, dass auf Jahrzehnte kaum noch neue Flugzeuge mehr neu gebaut werden müssen, und auch die Investitionen in die Infrastruktur in den Urlaubsländern langsam, kontrolliert und in Ruhe angepasst werden kann. Eben nur so schnell alte Investitionen auslaufen lassen, dass die Investitionen in was besseres auch hinter herkommen.

Bei alten, längst abgeschriebenen Kohle- oder Atomkraftwerken ist es eher noch ökonomisch vertretbar, diese vom Netz zu nehmen, wenn der Ausbau der Erneuerbaren Energien und die neuen Stromleitungen soweit ausgebaut sind, dass die alten Kraftwerke überflüssig geworden sind.



Kommentar vom 10.10.2019 00:14
https://scilogs.spektrum.de/meerwissen/das-eis-das-meer-und-der-weltklimarat/

@Martin Holzherr 09.10. 19:09

Sie haben Recht, meine Angabe von 1 bis 3 Grad für die Klimasensitivität stimmt so nicht. Bei Wikipedia unter dem Suchbegriff Klimasensitivität habe ich auch 1,5 – 4,5 Grad für die Klimasensitivität gefunden. Wobei dort noch mehr Interessantes zum Thema steht:

„Seit Beginn der industriellen Revolution ist nicht nur die Konzentration von CO2 angestiegen; rechnet man den Konzentrationsanstieg der übrigen Treibhausgase über ihr Treibhauspotential in CO2-Äquivalente um, ergibt sich für das Jahr 2016 ein Gesamt-Strahlungsantrieb, der einer CO2-Konzentration von 489 ppm entspräche.“

Der Bezugswert für eine Verdopplung von 280 auf 560ppm wäre also bereits früher erreicht, wenn man die anderen Treibhausgase mitrechnet.

Soweit wie ich jetzt die Fakten verstanden habe, ist es immer noch ziemlich ungewiss, wie viel wärmer es wirklich wird. Jedenfalls kämen wir bei der Verdopplung mit viel Glück auf 1,5 Grad Erwärmung, und mit viel Pech auf 4,5 Grad. 1,1 Grad davon haben wir bereits erreicht.

Ich meine nicht, ein paar Windräder dazuzubauen, sondern richtig viele. Und klar, Braunkohlekraftwerke kann man auch ganz schnell vom Netz nehmen, dann lieber vorübergehend bestehende Gaskraftwerke mehr laufen lassen, als Schnellmaßnahme, bis mehr Windräder aufgebaut sind. Photovoltaik ist auch nicht verkehrt, aber noch ist die Windenergie an Land in unseren Breiten deutlich kostengünstiger. Sollte die Photovoltaik in vielleicht 30 Jahren doch günstiger als die Windkraft werden, kann man ja anfangen, Windräder, die ihre Betriebszeit erreicht haben, nicht wieder durch Neue zu ersetzen. Dann stören sie auch das Landschaftsbild nicht mehr.

Als nächste Maßnahme sind die Erweiterungen des Stromnetzes und neue variable Stromzähler sinnvoll. Erst wenn dann genug Regenerativer Strom bereit steht, macht es Sinn in die Elektromobilität voll einzusteigen.

Ich bin kein Freund von Atomkraft, und unabhängig vom Klimaschutz auch kein Freund von SUVs. Ich bin viel als Radfahrer im Stadtverkehr unterwegs, und diese SUVs sind einfach ein Stück breiter. Sowohl fahrend als auch im ruhenden Verkehr schränken sie meinen Platz auf der Straße deutlich ein. Zumindest bei dem mangelhaftem Zustand des Radverkehrskonzeptes hier in Dortmund. Und das hat indirekt sehr viel mit Klimaschutz zu tun. Die meisten Leute, die ich kenne, trauen sich nicht mit dem Fahrrad in den hiesigen Stadtverkehr, weil ihnen das zu gefährlich ist.



Kommentar vom 09.10.2019 18:33
https://scilogs.spektrum.de/meerwissen/das-eis-das-meer-und-der-weltklimarat/

@Reichtum und Flugzeugträger / Konsum

Die klassische Art, Krisenzeiten zu überstehen, ist anscheinend immer noch, eben möglichst reich zu sein. Das verschärft natürlich das Klimaproblem für die Welt als Ganzes, ist aber für den, der reich ist, eine wirksame Maßnahme. Wer genug Geld hat, hat auch immer so viel Fisch, wie er essen möchte. Die USA setzen noch eins drauf, und investieren in Flugzeugträger, Autonome Waffen und neue Atomraketen.

Soweit wie ich die Fakten verstanden habe, ist es noch ziemlich ungewiss, wie viel wärmer es wirklich wird. Bei der CO2-Sensitivität liegen die wahrscheinlichen Werte zwischen 1 und 3 Grad. Das hieße, dass wir auch bei einer Verdopplung der bis heute emmitierten CO2-Menge noch bei 1,5 Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten landen könnten, wenn wir ganz viel Glück haben. Im anderen Fall mit ganz viel Pech aber auch bei 4 Grad landen können. Das ist ein weites Feld.

Wir können jetzt noch nicht wissen, wie schlimm es wirklich kommt. Aber wir können nicht mehr weiter darauf warten, genauere Zahlen zu haben. Wir müssen dringend schon mal anfangen, und falls es ungünstig kommt, haben wir dann die Basis, dass Problem noch in den Griff zu bekommen. Wenn es doch günstiger kommt, können wir immer noch langsamer machen. Zumal es auch immer teurer werden kann, noch einzusparen, wenn wir die letzten Reste der Emmissionen vermeiden wollen.

Also als erstes Baugenehmigungen für neue Windräder im Hinterland ermöglichen, dass ist im Moment das Kosteneffektivste. Und sonst bleibt ja auch noch, etwas am Konsum zu reduzieren. Statt eines 2-Tonnen-SUVs kann man zu den selben Kosten einen 1-Tonnen-Elektro-Stadtflitzer anschaffen und betreiben. Mit 30% weniger Wohnfläche kann man auch im Niedrigenergiehaus wohnen bzw. mit Synthesegas aus Windstromüberschüssen heizen, und so zur selben Warmmiete wohnen. Und wenn man statt 2 mal Gran Canaria im Jahr nur ein mal da hin fliegt und eben gleich 6 Wochen Urlaub am Stück macht, dann ist das auch nicht mehr teurer, wenn man mit Synthesesprit aus Windstromüberschüssen fliegt.

Also wo ist eigentlich das Problem? Wir leben in Freiheit in einer Demokratie, wir dürfen wählen gehen und selbst entscheiden, wofür wir unser Geld ausgeben.



Kommentar vom 07.10.2019 00:37
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/das-neue-realitaetsschock-von-sascha-lobo/

@Gesamtgesellschaftlicher Konsens

Wir haben nach dem Ende des Kalten Krieges auch die Auswirkungen von Zeiten kennengelernt, in denen die Systemkonkurrenz weggefallen ist. Der Kapitalismus legte mit dem sich ausbreitendem Neoliberalismus reichlich zu, und mit Harz4 und dem immer mehr umsichgreifendem Niedriglohnsektor ging das Leben für sehr viele Leute nicht mehr vorwärts, sondern rückwärts weiter. Die vielen EU-Arbeitsmigranten und Asylbewerber haben einiges zum Verfall der Löhne im Niedriglohnbereich beigetragen. Wenn der unqualifizierte Ostdeutsche sagt, integriert doch erstmal mich, hat das eine Berechtigung, finde ich.

Die hier angelegte Unzufriedenheit spielt sicherlich neben den neuen Medien bei der Auflösung des gesamtgesellschaftlichen Konsens eine Rolle. Ich vermute, dass hier die neuen Medien nicht direkt rechtes Gedankengut fördern, sondern die Entwicklung insgesamt vor allem stark beschleunigen. Und das dann in alle möglichen Richtungen. So meine Hoffnung.

Wie man das auf die Dauer wieder zusammenbekommt, und funktionierende Regierungen bilden kann, ist eine Herausforderung für die Politiker. Wenn die sich mal weniger mit den Lobbyisten beschäftigen würden, müssten die doch auch die Zeit dafür haben, auch in schneller veränderlichen Konstellationen noch brauchbare Politik zu machen.

Von wegen Medienkompetenz hoffe ich, dass die Menschen zügig lernen, Fakenews zu erkennen, auch wenn sie ihnen entgegenkommen. Einfach aus Erfahrung, dass sie mit jedem weiteren Bären, den man ihnen aufgebunden hat, dann doch was lernen.

Die dänischen Sozialdemokraten hatten vor kurzem eine Wahl gewonnen, indem sie eine Kombination aus weniger Zuwanderung und guter Sozialpolitik angeboten haben. Vielleicht hilft es ja, wenn man erst mal die eigenen Bürger integriert, bevor man Millionen von Menschen in Not ins Land holt. Kann sein, das sich damit sogar die Zustimmung zu Klimaschutzmaßnahmen verbessert.



Kommentar vom 06.10.2019 18:20
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/franziskus-glocken-laeuten-am-4-10-fuer-den-christlich-islamischen-dialog/

@christlich-islamischer Dialog

Ich finde es eine sehr gute Idee, wenn sich verschiedene Religionen unter einander austauschen. Die Frage, was denn die geistige Wirklichkeit wirklich ist, ist eine sehr Interessante. Das setzt natürlich eine gewisse Weltoffenheit voraus. Wer wirklich meint, dass seine eigene Religion die einzig Wahre ist, hat wenig Gesprächsbedarf, von Missionstätigkeit mal abgesehen.

Wer mit Lügen und Gewalt arbeitet, ist selten ein fruchtbarer Gesprächspartner. Öfter scheint es, dass Muslime mehr dazu neigen, eben nicht weltoffen zu sein. Aber das kann auch daran liegen, dass sich Muslime von Israel, Großbritannien und den USA ziemlich schlecht behandelt fühlen, und vor allem eine Weltoffenheit aus dieser Richtung ablehnen.

Zwischen Religiösität und spiritueller Einstellung aller Art gibt es auch einen oft wortreichen Nichtdialog mit vielen Anhängern einer materialistisch geprägten Wissenschaft. Auch hier scheint es schwierig, wenn auch nicht unmöglich, zu sein, sich wirklich zu verständigen.

Wobei ich hier das Positive aus beiden Lagern schätze. Eine spirituelle Heimat als Teilnehmer in einem geistigen Kosmos einerseits, und die Einsicht in die Mechanismen von Klima und Ökologie anderseits geben mir beide zusammen die Möglichkeit, mich im Leben vernünftig zu bewegen. Das Experiment Zivilisation ist an einem interessanten Punkt angekommen, scheint mir.

Die wissenschaftlich bedingte Technik versetzt uns in die Lage, aus unserem Planeten einen ziemlich wunderbaren Garten zu machen, indem wir Menschen uns wirklich zuhause fühlen können. Und eine spirituelle Orientierung kann uns die Motiviation geben, das auch anzufassen und umzusetzen, auch wenn es dem persönlichem finanziellen Vorteil nicht unbedingt entspricht.

Die moderne Kommunikation hat das Potential, dass es dazu kommt, dass wir unsere technischen Möglichkeiten nutzen, um tatsächlich aus der Erde das zu machen, wovon Mensch noch nur träumen kann. Mit den Möglichkeiten der neuen Medien geht die Diskussion in eine neue Runde, aber auch die Nichtdiskussion und die Arbeit mit Lügen und Gewalt.



Kommentar vom 02.10.2019 11:59
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/zeit-erinnerung-und-gemeinschaft/

@Schleim Mathematik „Von Naturgegenständen keine Spur.“

Nicht ganz, ich denke da an das Zählen von Äpfeln. Unserer Kosmos ist so gestaltet, das die Äpfel in einem Korb nicht einzeln verschwinden und später vielleicht wieder auftauchen. Auf dieser Art Raumordnung beruhen auch die Grundlagen der Mathematik.

Man stelle sich ein Computerspiel vor, in dem die Dinge ständig mal auftauchen oder wieder Verschwinden. In solch einer Welt würde es sich kaum lohnen, überhaupt Zählen zu lernen.

@foobar407 30.09. 17:29

Ich habe das Thema externe Prüfungen statt Schulnoten vom Lehrer hier nur kurz angeschnitten. Ich wünsche mir hier natürlich auf keinen Fall noch mehr Leistungsdruck und auch nicht weniger individuellen Unterricht.

Die Bezahlung der Lehrer nach den Prüfungsergebnissen ihrer Schüler sollte eher nur ein Bonus sein. Ich denke, dass das so mancher Lehrer als Anreiz gebrauchen kann. Natürlich wäre dieser Bonus auf das Leistungsniveau der einzelnen Schüler bezogen. So lohnt es sich dann vor allem, auch weniger Leistungswillige zu motivieren, weil die noch viel Potential haben, ebenso Leistungsstarke, die bisher eher unterfordert wurden.

Ich stelle mir das so vor, dass man pro Fach 4 bis 8 themenbezogene externe Prüfungen im Jahr macht, und insgesamt viel Flexibilität praktiziert wird. Vor allem das sich die Themen auch an den Wünschen der Schüler orientieren, und kein fester Lehrplan vorgegeben ist. Auch viel Gruppenarbeit, so dass die Schüler jeweils an verschiedenen Themen arbeiten können, und auch verschiedene Prüfungsthemen absolvieren, kann ich mir gut vorstellen.

In jedem Fall würden externe Prüfungen die Konkurrenzsituation innerhalb der Klassen abschaffen. Man müsste gucken, das das Bonussystem zu weniger Leistungsdruck seitens der Lehrer führt. Aber dass die Lehrer motiviert sind, ihrerseits die Schüler zu motivieren, wäre sinnvoll. Dass mehr das gelernt wird, was der einzelne Schüler für seinen späteren Beruf auch braucht wäre einerseits gut, und dass noch viel Zeit bleibt, auch einfach nur interessante Themen zu bearbeiten, soll hier das Ziel sein. Auch hier kann der Lehrer das loswerden, was er seinen Schülern fürs Leben mitgeben möchte, nur nicht mehr mit (Noten-)Gewalt.

Mit der eigenen Auswahl der Fächer kann man doch auch langsam anfangen, soweit wie es sich entwickelt, dass die Schüler lernen damit umzugehen.