www.introspektiva.de - Die Wirklichkeit psychischer Krankheiten - Subjektivität als Maßgabe und Menschenrecht - ein Buchprojekt vom KLuW e.V.

Meine Kommentare auf scilogs.spektrum.de 2019/04 (T.J.)


Kommentar vom 30.04.2019 13:35 auf
https://scilogs.spektrum.de/die-natur-der-naturwissenschaft/dialektischer-schluss/

@Pokern

Bei Pokervarianten mit eigenen verdeckten Karten, die man selber sehen kann, kommt es weniger drauf an, die Stärke des eigenen Blattes einzuschätzen. Reine Mathematik zählt da nicht so viel. Man muss ja nur ein besseres Blatt haben als der Gegner. Viel wichtiger ist, am Spielverhalten des Gegners einzuschätzen, wie gut dessen Blatt wohl ist – und das eigene Spielverhalten so zu gestalten, dass die Gegner nur schlecht erkennen können, wie stark das eigene Blatt ist. Man muss variieren und den Gegner erziehen, auch wenn man mal kleinere Einsätze dabei verliert.

So kann man die dicksten Pötte gewinnen, wenn die Gegner glauben, dass man nur mittelmäßige Karten hat, aber man in Wirklichkeit starke Karten hat. Wenn man zu durchsichtig spielt, gewinnt man wenig.

Das drum herum, Intuition und Menschenkenntnis und letztlich Glück, entscheiden beim Pokern dann auch noch. Das macht das Spiel ja so spannend.



Kommentar vom 28.04.2019 13:48 auf
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mensch-wo-bist-du-wie-neue-medien-menschenhass-befoerdern/

@elelektroniker

Wenn allein die Tradition existiert, kann die sich sehr wohl immer weiter aufspalten, aber nicht wieder fusionieren. Damit meine ich, dass religiöse Akteure ohne eigene spirituelle Erfahrung sich ganz auf ihren speziellen Propheten beziehen müssen. Das kann sich dann nicht mehr bewegen. Wenn ein neuer (Unter-)Prophet auftaucht, kann sich die betroffene Kirche nur noch aufspalten – die Akteure können sich nur entscheiden, wem sie folgen wollen. Eine Integration des alten und neuen Propheten ist nur Menschen möglich, die eigene spirituelle Erfahrungen haben und damit dann auch inhaltlich mitdenken können.

Das Phänomen der Integrationsunfähigkeit vieler religiöser Akteure ist wohl die Ursache der unzähligen Kirchen und Sekten, die die menschliche Kultur besiedeln. Auch in der Psychologie sind ähnliche Effekte zu beobachten, wo sich immer neue Therapieschulen um immer neue Koryphäen des Fachs bilden.

Sie schreiben: „Ich habe früher im IT Bereich gearbeitet und hatte mit „Information“, letztlich „Geist“, als wirklich real existierendes zu tun.“
Im Prinzip kann man die Information in der Computertechnik auch Geist nennen, und dem entsprechend auch die Information, die in unseren Gehirnen zirkuliert.

Mit meinen spirituellen Erfahrungen muss ich aber auch zusätzlich noch Geist überall in der Wirklichkeit vermuten, der auch eine Art kosmisches Bewusstsein bildet. So verstehe ich mein lokales Bewusstsein als eine Synthese aus meinem lokalem Gehirn mit dem kosmischen Bewusstsein.

@hto „..Glaube gehört in die Kategorie fusionierte Vernunftbegabung,..“

Hört sich gut an, warum nicht? Ein individuelles Leben hat man aber auch noch.

@bote19 „Glaube gehört in die Kategorie Selbsterfahrung.“

Finde ich auch richtig, vor allem in Abgrenzung zum reinem Buchstabenglauben. Aber die fusionierte Vernunftbegabung sagt noch mehr aus.



Kommentar vom 27.04.2019 14:39 auf
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mensch-wo-bist-du-wie-neue-medien-menschenhass-befoerdern/

@Mussi overview-effect

Hoffen wir, dass der freie Austausch im Internet erhalten bleibt. Neben dem Datenklau und der Gefahr, dass der Staat diese Daten gegen seine Untertanen einsetzt, hat das Internet im wesentlichen positive Wirkung. Ich denke, hier ist ein Potential für eine entscheidende Weiterentwicklung der Menschen. Gerade eine planetare Perspektive kann sich hier gut entwickeln.

@Blume „Es ist faszinierend zu sehen, wie ähnlich die Schlüsse, Varianten und auch Paradoxien großer Traditionen werden…“

Das wundert mich wenig, da ich vermute, dass hier eine geistige Wirklichkeit am Werke ist, die nicht von den Religionen erzeugt wird, sondern umgekehrt. Die geistige Wirklichkeit erzeugt die spirituellen Erfahrungen der Menschen, und die machen daraus denn ihre Religionen. Zwischendurch wird ständig versucht, in der Konstruktion der Religionen die Interessen der Mächtigen mit zu berücksichtigen, aber wenn sich die Menschen dann doch wirklich mit dem Thema beschäftigen, kommt dann die geistige Wirklichkeit immer wieder durch.

Ich habe tatsächlich schon Pfaffen kennengelernt, die komplett materialistisch und vollkommen glaubensfrei waren, aber gerade deswegen so überzeugt davon waren, dass ihre Mission für die Menschen so wichtig ist. Wo es keinen Geist gibt, muss man eben die Menschen einen Geist glauben lassen, nur so kann man das im Kern trostlose Leben der Menschen erträglich machen. Ich vermute mal, das Religionsausübung mit dieser Einstellung eher nicht konvergiert. Wenn allein die Tradition existiert, kann die sich sehr wohl immer weiter aufspalten, aber nicht wieder fusionieren.

Wo die geistige Wirklichkeit das Wesentliche im Glauben von Menschen ist, kann das wirklich auch konvergieren. Heutzutage wechseln dementsprechend auch viele Menschen ihre Konfession, weil sie mit ihren eigenen spirituellen Erfahrungen auf der Suche nach besseren Religionen sind, vermutlich? Was sagt da der Religionswissenschaftler?



Kommentar vom 26.04.2019 00:34 auf
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mensch-wo-bist-du-wie-neue-medien-menschenhass-befoerdern/

@China

China als Modell einer Diktatur, die aus eigener Kraft wirtschaftlich floriert, finde ich bemerkenswert. Das das mit den modernen Überwachungsmöglichkeiten zusammenhängt, ist möglich. Niemand wagt es, überhaupt kritisch zu denken, geschweige denn Widerstand zu leisten. So kann sich alles ungestört der Wirtschaft zuwenden.

Das macht mir insofern Angst, dass das weltweit und auch bei uns als Vorbild dienen könnte. Die ganze Demokratielast, ständig die Politik vor dem Wähler zu verkaufen, könnte eingespart werden. Die Mächtigen – wer immer das gerade ist - machen einfach was sie wollen, und im Klima von totaler Überwachung kann es niemand mehr wagen, irgendwie aufzufallen und Widerstand würde komplett wegfallen.

Weil jeglicher Widerstand sofort erkannt wird, und auch sofortige Konsequenzen haben kann. Man muss niemanden mehr einsperren oder gar foltern. Wer Unerwünschtes kommuniziert, bekommt einfach eine komplette Publikationssperre, erst im Netz, und wenn das nicht reicht auch im privaten offline-Rahmen. Solange, bis er sich wieder beruhigt hat, und sich mit seinen Äußerungen im erlaubten Rahmen bewegt.

Und das kann niemand mehr unterlaufen, jeder Raum ist verwanzt und alles ist im Blickfeld von Kameras. KI macht dann den Rest.

Das hört sich irgendwie machbar an. Es wird nicht mehr lange dauern, dann ist die technische Seite dieser Horrorvision Realität. Ob das eine vernünftige Regierung im vollen Ausmaß nutzen will, ist eine andere Frage. Aber unvernünftige Regierungen kommen vor. Auch in Demokratien.



Kommentar vom 25.04.2019 13:38 auf
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mensch-wo-bist-du-wie-neue-medien-menschenhass-befoerdern/

@Kopfsteuer versus Vermögenssteuer

Die Tabaksteuer ist eine Kopfsteuer ohne Sozialausgleich. Die Tabakkosten sind erheblich, wenn auch 70% (bei Feinschnitt zum Selberdrehen) für die Bundeskasse sind, bleibt doch noch einiges für die Tabakkonzerne übrig. Wir haben auch schon mal Experimente mit Eigenanbau gemacht, das macht ziemlich viel Arbeit, und braucht eine riesengroßen Garten. 150 m² für einen Raucher, und man kann nur alle 3 Jahre auf dem selben Land Tabak anbauen, weil die Tabakpflanzen Starkzehrer sind. Also braucht man 450 m² Gartenland in sonniger Lage und kann dann auch gleich Gemüse und Kartoffeln anbauen. So große Gärten gibt es nicht in der Großstadt, da müsste ich aufs Land ziehen. Als Plan B für wirtschaftlich finstere Zeiten habe ich das aber im Hinterkopf.

Das Gegenteil von Kopfsteuern sind Vermögenssteuern. Auf dem Weg in eine wachstumsfreie Wirtschaft sind Vermögenssteuern von 1 – 3% im Jahr wohl eine Grundvoraussetzung. Das wachsende Kapital muss abgeschöpft werden, dann muss es nicht in neuen Märkten reinvestiert werden. Vermögenssteuern machen auch Spielräume für weniger Lohnsteuer, für eine Bürgerversicherung und für ein BGE. Eine nicht mehr wachsende Wirtschaft wird auch den Klimaschutz wesentlich erleichtern.

Bevor man Vermögenssteuern einführt, müsste man wohl erst mal die Steueroasen zu machen, und man müsste da mindestens Europaweit gemeinsam vorgehen. Sonst wandert das Vermögen schnell in Nachbarländer ab. Vermögenssteuern wären Hauptbestandteil einer gemeinsamen Steuerpolitik, die zu einer funktionierende EU, und erst recht zur gemeinsamen Euro-Währung dazu gehören müssten.

Wie sieht die Agenda der europäischen Parteien da aus? Offenbar nur eines: Wirtschaftsförderung! Das Ergebnis kann ein Ende der EU sein, und potenziell auch ein Ende der Demokratien in Europa.

Nur liberale Demokratien können dauerhaft wirtschaftlichen Erfolg haben? Das hat man im Kalten Krieg immer gesagt, und unter dem Druck der Systemkonkurrenz war das auch so. Wie Herr Hilsebein treffend formuliert hat: „Heutzutage ist das gar nicht mehr notwendig. Die kalte Fratze des Kapitalismus darf heute wieder ganz offen gezeigt werden.“

Ein unsozialer Kapitalismus, braucht der überhaupt Demokratie? Was macht denn China da gerade vor? Mit den modernen Überwachungsmöglichkeiten und mit voller Kontrolle über das Internet könnte eine Diktatur nun doch dauerhaft wirtschaftlich erfolgreich sein.
Die Demokratie brauchte man vielleicht wirklich nur, um den Kommunismus abzuwehren. Und da es den nicht mehr gibt, braucht es also in Zukunft dann eventuell auch keine Demokratie mehr. Weltweit am besten. Dann stört überhaupt keiner mehr.



Kommentar vom 22.04.2019 16:28 auf
https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/mensch-wo-bist-du-wie-neue-medien-menschenhass-befoerdern/

@Populismus

In modernen Zeiten kann man im Internet auch ohne einen zahlungskräftigen Verlag als Partner alles veröffentlichen, was die Menschen interessiert, und wohl auch Leser finden. Die seit Jahrzehnten gewohnte Kontrolle der Medien durch Staat, Kirchen und die großen Verlagshäuser hat an Einfluss verloren. Das ist unterm Strich wohl eine gute Sache. Das erklärt dann, dass heutzutage rechte Parteien schnell wachsen können, weil sie ihre Öffentlichkeitsarbeit einfach selber machen können. Aber auch ein Macron oder jetzt der Komiker in der Ukraine können offenbar sehr schnell Mehrheiten gewinnen, dass hätte früher 10 mal länger gedauert bzw. wäre unmöglich gewesen, hier gegen die Medienmacht der Etablierten anzukommen.

Können wir hier aber dennoch eine Andersrum-Verschwörungstheorie konstruieren? Dass den Kapitalisten der Neoliberalismus nicht mehr schnell genug geht, und diese die Befeuerung des Rechtradikalimus via Internet mit dem zur Verfügung stehendem Billionenvermögen fördern. Gerade die Datenklaumonopolisten Google, Facebook, Mikrosoft, Appel und Amazon und damit auch die NSA haben alle Informationen über die Menschen weltweit, die man braucht, was man wissen muss, wie man jeden einzelnen über das Internet an die rechte Szene optimal heranführen kann.

Milliardär-Oligarchen aus der CO2-Industrie hätten ein Motiv, und auch sonst sieht es nach einem Sieg im Klassenkampf aus, der in Zukunft auch ohne Demokratie weltweit vollendet werden kann.

Ich hoffe mal, dass diese Andersrum-Verschwörungstheorie nur Fantasie ist, und der Rechtspopulismus nur mit Erfolg die Unzufriedenheiten aufgreift, um politisch mitspielen zu können:

1. Die Klimaschutz-Perversion wie die EEG-Umlage, die den Kleinverbrauchern aufnötigt, den Industriestrom zu subventionieren, auch aus dem Sozialhilfesatz heraus. Und fette SUVs erlaubt sind und Flugbenzin noch steuerlich gefördert wird. Vor solchen Klimaschutzmaßnahmen haben Geringverdiener begründete Angst.

2. Eine Einwanderungswelle, die wenig mit Menschlichkeit und viel mit Profiten von Immobilienbesitzern in Zeiten von sinkender Stammbevölkerung zu tun hat. Wieder die Unqualifizierten und Geringverdiener bezahlen dies mit noch mehr Niedriglohnsektor und massiven Problemen bei der Wohnungssuche.

3. Eine EU wirtschaftlicher Destabilität, die den Euro ohne die nötige gemeinsame Wirtschafts- und Steuerpolitik gegen die Menschen am Rande von Europa und für die Profite der Großkonzerne durchziehen will. Hier überflüssiger Leistungsdruck und einen Sog auf EU-Ausländer in den deutschen Arbeitsmarkt, zum Rand von Europa hin zunehmende Arbeitslosigkeit mit katastrophaler Situation für die kleinen Leute dort.

Wie wärs denn mal, wenn die Politik hier mal ansetzen würde, und die Ursachen der Verzweiflung der weniger qualifizierten Menschen in Deutschland und ganz Europa ernst nehmen würde? Ich bin ein großer Fan von Ökologie und Klimaschutz. Wenn ich Gutverdiener wäre, könnte ich guten Gewissens die Grünen wählen. Aber als nikotinsuchtkranker Geringverdiener kann ich eine weitere Erhöhung der Tabaksteuer finanziell nicht mehr verkraften. Das Risiko ist mir einfach zu groß.



Kommentar vom 18.04.2019 16:08 auf
https://scilogs.spektrum.de/die-natur-der-naturwissenschaft/boolesche-verbaende/

@Elektroniker

„Er meinte, „Gott“ als Bezeichner für eine Art „transzendentes Objekt“ existiert ganz genau so wie es sich wirklich verhält.“ Auch wenn das ein katholischer Bischof sagte, dem würde ich ganz klar zustimmen. Wir wissen kaum, womit wir es zu tun haben. Aber was ist, das ist eben.

Wenn man immer nur Regelmäßiges erforscht, muss man sich nicht wundern, wenn alle Einmaligkeit und Transzendenz davon nicht erfasst wird. Es gibt viele Menschen, die in ihrer Erfahrungswelt auch nichts Transzendentes selbst erfahren. Für die ist das Vorgehen der Wissenschaft zunächst keine Einschränkung.

Aber für Menschen, die durchaus spirituelle Erfahrung in ihrem eigenem Leben machen, und insbesondere wer fast alltäglich am Wunder des Lebens teilzunehmen glaubt, sieht hier wohl einen Mangel im Vorgehen der Wissenschaft. Das Problem ist hier nicht die Evidenz von Fakten und Messkampangen, und auch nicht die mathematische Beschreibbarkeit dieser Messergebnisse. Wenn die spirituelle Erfahrung aber eine Entsprechung in der Wirklichkeit hat, muss diese auch irgendwo zwischen den physikalischen, biologischen und psychologischen Theoriegebäuden seinen Platz haben.

Eben genau so, wie es ist. Wenn man da überhaupt nicht nach guckt, wird man da mit Sicherheit wenig finden. Das muss nicht so bleiben. Wenn wir mal das Konnektom des menschlichen Gehirns entschlüsselt haben, könnte sich zeigen, ob unser lokales Bewusstsein nur Gehirninhalt ist, oder doch mit kosmischem Bewusstsein verbunden ist. Je mehr die Erforschung des Regelmäßigen fortschreitet, desto mehr grenzt sich auch der Bereich ein, in dem das Spirituelle in der Wirklichkeit gesucht und gefunden werden kann.

Inwieweit hier dann noch was verstanden werden kann, wird man dann sehen, wenn man hier Fakten gefunden hat. Die Fakten der Relativitätstheorie und der Quantenphysik sind ja bereits von den meisten Menschen leider nicht mehr zu verstehen. Selbst die hier diskutierte Logik wird nicht von jedermann verstanden. Das ändert aber nichts an ihrer Gültigkeit, und auch nichts an ihrer immens nützlichen Verwendbarkeit.



Kommentar vom 17.04.2019 13:52 auf
https://scilogs.spektrum.de/die-natur-der-naturwissenschaft/boolesche-verbaende/

@Boolesche Verbände

Anscheinenden führen ihre Ausführungen darauf hinaus, dass das Rechnen mit natürlichen und rationalen Zahlen gemeinsame formal-mathematischen Wurzeln mit der Aussagenlogik hat. Das finde ich interessant.

Dass das alles in der Wirklichkeit nutzbar ist, spricht dafür, dass in der Wirklichkeit die entsprechenden mathematischen Strukturen vorhanden sind. Beim einfachem Rechnen mit natürlichen Zahlen, kann man das gut sehen, wenn man z.B. mit verschiedenen Körben mit Äpfeln drin arbeitet. Die Rechenregeln brauchen die Eigenschaft der Wirklichkeit, das keine Äpfel zwischendurch verschwinden oder sich neu materialisieren. Wenn hierfür gewisse Wahrscheinlichkeiten bestehen, wird es komplizierter.

Zu dem Beispiel mit dem Regen fällt mir ein, dass es in der Wirklichkeit auch unklar sein kann, ob es geregnet hat. Wenn es nur etwas getröpfelt hat, oder nur am Wohnort aber nicht im Zoo, kann man hier nicht einfach wahr oder falsch sagen. Die entsprechende Logik müsste irgendwie Wahrscheinlichkeiten berücksichtigen, wenn man existenten Unsicherheiten Rechnung tragen will. So geht das Problem dann von der Aussagenlogik direkt in die Wahrscheinlichkeitsrechnung über.

Ein Witz: Es watscheln drei Enten lang. Die Erste Ente sagt: Ich gehen vor zwei Enten. Die zweite Ente sagt: ich gehe zwischen zwei Enten. Die dritte Ente sagt: ich gehe auch zwischen zwei Enten.

Wie geht das?
Die dritte Ente lügt.

So wird es wieder mal komplizierter.



Kommentar vom 14.04.2019 14:52 auf
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/ein-intermezzo-zur-produktion-von-wissen-in-den-wissenschaften/

@Wissenschaftsfilz

Man könnte meinen, dass viele Forscher sich für das Thema Psyche schon interessieren, aber einmal keine Lust haben, sich mit realen psychisch Kranken zu befassen, und auch keine Lust haben, sich in die Nähe von spirituellen Untiefen zu wagen. Was bleibt übrig? Nach genetischen Kleinigkeiten suchen, mit teuren Geräten in grober Auflösung von außen Zuschauen und Nervenzellen erforschen.

Macht nichts, ist ja auch interessant. Nur wenn dann immer wieder konkrete Anwendungen phantasiert werden, um mehr Forschungsmittel einwerben zu können, das nervt schon. Selbst unter von psychischer Krankheit Betroffenen kursieren die vielen Legenden, dass ihr Zustand vor allem genetisch-physiologisch bedingt ist. Vermutlich vor allem, weil Ärzte und auch Psychologen die vielen Wissenschaftsmeldungen unkritisch übernehmen, und das an ihre Patienten weiter geben.

Das lenkt davon ab, sich ein vernünftiges Leben aufzubauen. Und nimmt oft die Hoffnung, dass das überhaupt möglich ist.

Generell scheint manchen Wissenschaftlern ihr Ansehen und ihre Forschungsgelder wichtiger zu sein, als die Ergebnisse ihrer Forschung. Das kann ich schwer nachvollziehen, aber ich bin auch kein Wissenschaftler. Ich hatte nie Lust, mich zu spezialisieren, und auch keine Lust, Lehrpläne abzuarbeiten. Das muss man wohl schon machen, um offizieller Wissenschaftler zu werden.

Von Beruf her bin ich Künstler, aber Neugier und Begeisterung für die Wunder des Lebens treiben mich im wesentlichen an. Auch die Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Wissenschaft macht mir Freude. Neben dem Thema psychische Krankheiten, das mir als Betroffener am Herzen liegt, interessiert mich auch das Thema Astronomie und Religion. Als Nichtwissenschaftler kommt es mir hier so vor, als wenn ich wesentlich mehr Freiheiten dabei habe.

Mit relativer Armut leben zu können, vervielfacht in modernen Zeiten offenbar die Möglichkeiten, die das Leben so bietet. Sicherheit durch Reichtum schützt nur vor Wirtschaftskrisen, vor den Nebenwirkungen von Kriegen und Bürgerkriegen sowieso nicht. Gelebte Zeit dagegen kann auch eine finstere Zukunft nicht mehr nehmen.



Kommentar vom 12.04.2019 13:01 auf
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/irrefuehrung-zur-genetik-der-depression/

@top down - bottom up

@balanus: „Was die Software macht, ist seit langem hinreichend bekannt.“
Das sehe ich überhaupt nicht so. Gerade die soziologische Aspekte im Leben von psychisch Kranken werden in der Therapie auch heute noch vernachlässigt. Man muss ein vernünftiges Leben führen können, mit einer Arbeit, die einen Leben lässt, und mit einem sozialen Umfeld, in dem man sich wohl fühlt. Die Psychologie steckt immer noch in den Kinderschuhen, würde ich mal sagen. Das Rätsel Mensch ist immer noch aktuell. Die Dimensionen von religiösen und spirituellen Fakten in der Psyche des Menschen sind kaum verstanden.

Der top-down-Ansatz ist keinesfalls ausgereizt. Die entsprechende Wirkung von zukünftigem sozialen und psychologischen Verständnis des Menschen auf Kultur und Psychiatrie wird auch in Zukunft noch viel Arbeit vor sich haben.

Der bottom-up-Ansatz ist meiner Ansicht nicht uninteressant, aber bis auf weiteres in der Praxis so gut wie unwirksam. Klar ist die Psyche von der Evolution erzeugt worden, indem immer effektivere genetische Ausstattungen selektiert wurden, was dazu führte das der Mensch nach und nach immer schlauer wurde. Aber die hier entstandene Funktionalität und Qualität ist von der psychologischen Seite her dennoch viel besser zu verstehen. Gerade weil dieses Verstehen selbst ein wesentlicher Faktor in unserer Funktionalität ist.

Die Kausalität der Gene und ihre Wirkung auf die Eigenschaften der Psyche ist eben im unbekannten Konnektom versteckt, und ihre Entschlüsselung wird eher noch Jahrhunderte als Jahrzehnte brauchen schätze ich.

Bis dahin müssen wir uns umeinander kümmern, mit den menschlichen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen.



Kommentar vom 12.04.2019 00:02 auf
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/irrefuehrung-zur-genetik-der-depression/

@bote19 10.04.2019 19:11

„Zuerst da war die reine Logik. Darüber hat sich der Schachspieler gefreut und dann wurden die Endorphine ausgeschüttet. Die biologische Erklärung trifft nicht immer zu, auch der reine Geist kann zu Glücksgefühlen führen.
So funktioniert Religion.“

Das finde ich einen interessanten Gedanken und gut formuliert! Spirituelle Alltagserfahrung ist so selten nicht, wenn man drauf achtet wird das deutlicher. Ich bin kein großer Fan von Religion im engeren Sinne, und vor allem kein Fan von Irrationalität. Aber was nur (noch) nicht rational eingeordnet werden kann, aber konkret erlebbar und damit existent ist, ist eben noch nicht unbedingt irrational.



Kommentar vom 10.04.2019 18:58 auf
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/irrefuehrung-zur-genetik-der-depression/

@Riesige Erklärungslücke

Die Anmerkung von Herrn Hoppe, dass Biologie eigentlich bedeutet, das eher die funktionalen Strukturen beleuchtet werden, finde ich richtig und wichtig. Das sind in diesem Fall die psychischen Fakten, wie sie von innen erlebt werden oder am Verhalten ablesbar sind. Die genetischen Aspekte, die Aspekte von fRMTs oder Studien an Gehirnzellen sind da sehr speziell, und dass diese heute als biologisch bezeichnet werden, ist eigentlich irreführend.

Wir haben hier eine riesige Lücke in dem, was heute beobachtet werden kann. Auf der einen Seite sind die Dinge, die man mit chemischen Untersuchungen von Genen, Hormonen oder Transmitterstoffen herausfinden kann, oder die man mit Hirnscanneraufnahmen beobachten kann. Auf der anderen Seite sind die psychischen Geschehnisse, die man unter anderem den ganzen Tag lang als lebender Mensch erlebt.

Dazwischen sind die Strukturen des gesamten Konnektoms und dessen Veränderung mit der gelebten Zeit. Und genau von diesen Strukturen ist fast nichts bekannt. Der Weg von der Nervenzelle bis zum fertigen Gedanken ist endlos weit und endlos komplex, darüber ist bisher praktisch nichts konkretes herausgefunden worden. Was Bewusstsein auf der Ebene überhaupt ist, ist doch noch völlig unbekannt.

Genau deshalb ist die derzeitige „biologisch“ orientierte Psychiatrie für den Patienten ziemlich untauglich. Sich mehr an den realen Menschen zu orientieren und zu gucken, wie man denen wirklich inmitten ihrer sozialen Situation helfen kann, ist weiterführend und ein wirklich lohnendes Forschungsgebiet.

Weitere Forschung am Gehirn erscheint mir dennoch als interessant. Diese riesige Erklärungslücke anzufassen und vielleicht doch irgendwann mal wenigstes etwas zu schließen, macht schon Sinn. Aber man sollte da ehrlich sein, und nicht jede Kleinigkeit, die so noch keinerlei Nutzen für jegliche Praxis hat, als Meilenstein hinstellen.

In dem Kosmos des Konnektoms versteckt wäre auch die geistige Seite der Existenz, zumindest wenn diese tatsächlich existiert. Ich vermute für mich, dass mein lokales Bewusstsein eine Synthese meines lokalen Gehirns mit dem kosmischen Bewusstsein ist. Die Schnittstelle dafür müsste sich in der Funktionalität des Konnektoms finden lassen. Das fände ich schon sehr spannend, wenn man auf dem Gebiet mal was finden würde. Aber das ist ein anderes Thema. Solche Möglichkeiten unterstreichen in jedem Fall, wie riesig die derzeitige Erklärungslücke noch ist.



Kommentar vom 10.04.2019 00:20 auf
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/irrefuehrung-zur-genetik-der-depression/

@Balanus was ist Stress

Von mir aus kann man gerne erforschen, was Stress ist. Ich würde aber auf jeden Fall sagen, dass Stress eine relativ natürliche Reaktion ist, mit der man nur vernünftig umgehen muss. Sich damit zu beschäftigen, in der Lebenspraxis die richtige Dosis Stress zu haben, erscheint mir aber auch sehr erfolgversprechend. Dafür sollten gerne auch Forschungsgelder für fließen.

Hier ist auch die Gesellschaft gefragt. Ich muss auch die Möglichkeit haben, mein Leben so zu gestalten, dass ich nicht vor lauter Stress verrückt werde. Harz4 z.B. trägt wesentlich zu dem Druck bei, dem weniger Qualifizierte in Deutschland ausgesetzt sind. Hochqualifizierte haben oft auch zu viel Stress, die haben aber die Möglichkeit auszusteigen, und was anderes zu machen. Die stehen sich höchstens selbst im Weg. Aus Harz4 kann man meistens nicht aussteigen, das ist dann wesentlich existenzieller.



Kommentar vom 09.04.2019 19:02 auf
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/irrefuehrung-zur-genetik-der-depression/

@anton reutlinger Empathiegene

Fragt sich erst mal wie groß der Effekt ist. Mit 20% höherem Autismusrisiko zu leben, würde wohl keinen wesentlichen Unterschied ausmachen. Zumal Autismus eher selten ist. Hat man eine Handvoll Gene, die dafür sorgen, dass man zu 20% Autismus bekommt, könnte man darüber nachdenken, ob man per Gentherapie da was dran ändern kann. Oder ein Medikament entwickeln, dass bei den Genen irgendwie ansetzt.

Das würde wenigstens was nützen können. Aber das müsste man dann erst mal hinbekommen. Bis dahin: Mit den Autisten vernünftig umgehen, würde ich vorschlagen.



Kommentar vom 09.04.2019 15:16 auf
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/irrefuehrung-zur-genetik-der-depression/

@Diffuse Psyche

Die gesamte Psyche kommt aus ihrer Diffusität nicht heraus. Auch klare Gedanken und gute Strategien sind ein Produkt einer Diffusität, die eben auch dieses produziert. Auch das Betreiben von Mathematik ist ein Ergebnis von Kenntnissen und Konzentration. Auch das Erforschen von biologischen Fakten ist ohne eine eben diffuse Psyche nicht möglich.

Wir müssen gucken, was wir als Menschen brauchen, und wie wir das realisieren können. Das gilt allgemein wie speziell, wenn wir psychisch erkrankt sind. Neben den rein lebenstechnischen Angelegenheiten wie zu viel oder zu wenig Arbeit, sind wir hoch soziale Wesen, die ein hinreichendes Miteinander brauchen.

Wenn mal einer ein einfaches Mittel gegen eine psychische Störung hat, finde ich das super. Wie in dem Beispiel mit der infizierten Wunde, wo die Gabe von Antibiotika die schizophrenieartigen Symptome beseitigen konnte. Aber wir müssen uns eben mit den Niederungen der menschlichen Existenz auseinandersetzen und den Anforderungen unserer Situation gerecht werden. D.h., wir müssen ein für Menschen erträgliches Leben führen, weil wir was anderes nicht ertragen können.

Davon wird uns die Biologie bis auf weiteres nicht erlösen.

Wir müssen gucken, was wir brauchen, wie das gehen kann und dann zur Tat schreiten. Also eine Arbeit finden, die uns so gut beschäftigt, dass wir wieder Lust haben, morgens aufzustehen. Und Mitmenschen finden, mit denen wir so gut können, dass wir uns jeden Tag auf sie freuen können. Ohne dem kann Mensch nicht vernünftig leben.

Wo helfen da denn genetische Untersuchungen, ob wir ein bisschen mehr zu Depressionen neigen?



Kommentar vom 09.04.2019 14:06 auf
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/irrefuehrung-zur-genetik-der-depression/

@anton reutlinger

Die diffusen „schweren Lebensereignisse“ und „psychosozialen Faktoren“ sind aber genau die Ansatzpunkte, mit denen man uns psychisch Kranken wirksam helfen kann. Wir können nichts dafür, dass die Psyche nun mal diffus ist. Ihre theoretischen biologischen Ursachen sind doch komplett nutzlos, wenn man sie noch gar nicht so genau kennt, dass man damit was anfangen könnte.

Auch die teils durchaus wirksamen Medikamente sind eher nach Versuch und Irrtum entwickelt worden, und es ist auch heute nicht bekannt, warum sie überhaupt wirken. Da gibt es zwar schöne Legenden von den Herstellern, z.B. dass Neuroleptika den Dopaminüberschuss bei Psychotikern ausgleichen, aber das sind eben Legenden. Die 20 verschiedenen Neurotransmitter und die tatsächliche Struktur des kranken Konnektoms sind eben nicht erfassbar. Punkt.

Übermäßig stressige Lebenssituationen machen krank, und lassen einen auch krank bleiben, wenn es dabei bleibt. Vernünftige Lebensverhältnisse braucht auch ein kranker Mensch, ohne dem geht gar nichts. Hier ist Handlungsbedarf.



Kommentar vom 09.04.2019 13:19 auf
https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/wie-viel-co2-kann-deutschland-noch-ausstossen/

@Enderwärmung?

Ich interpretiere ihre IPCC SR15, Tabelle 2.2 so, dass hier die Enderwärmung gemeint ist. Also wenn die entsprechende CO2-Menge dann über einige Jahrzehnte in der Atmosphäre ist und sich dann ein neues Temperaturniveau eingependelt hat.

Nehmen wir mal optimistisch an, dass wir noch 800 Gigatonnen in den nächsten 30 Jahren emittieren werden, und dann aber dauerhaft auf 0 kommen werden.

Wir haben dann mit 30% Wahrscheinlichkeit unter 1,5° mehr zu erwarten, mit 50% unter 1,7° und mit 67% unter 1,8° zu erwarten. Das wäre die selbe Aussage, wenn wir sagen, dass wir dann ungefähr zwischen 1,5° und 1,8° landen werden - gegenüber vorindustriellem Niveau.

Gegenüber heute aber nur noch 0,5° bis 0,8° als eingependelter Endzustand. Genauer kann man z.Z. nicht rechnen.

Wir werden also im Verlauf der nächsten 50 Jahre ungefähr auf diesem Niveau landen, aber der Weg dahin kann mal schneller und mal langsamer ablaufen, und das auch regional in der gewohnten Unregelmäßigkeit des Weltklimasystems. Neben grundsätzlich systembedingten Schwankungen spiele hier große Vulkanausbrüche eine wesentliche Rolle, soweit mir das bekannt ist. Der konkrete Verlauf der nächsten 50 Jahre wird also sehr variabel sein. Inwieweit, wann und wo wir dann die aktuelle Erfahrung mit Klimakatastrophen machen werden, ist kaum vorhersehbar.

Aber angesichts dessen, dass CO2 500 bis 1000 Jahre in der Atmosphäre bleibt, werden wir eventuell feststellen müssen, das wir anfangen müssen, hunderte von Gigatonnen wieder aus der Atmosphäre heraus zu holen, und das wird dann richtig teuer. Da protestiert dann unsere Jugend zu recht, die müssen das dann bezahlen.

Wir könnten aber zumindest vorübergehend z.B. Schwefelsäure per Flugzeug in die Stratosphäre ausbringen, falls es über einen relativ kurzen Zeitraum von vielleicht 10 Jahren sinnvoll erscheint. Also wenn auf diese Enderwärmung noch eine natürliche Schwankung im Dekadenbereich dazukommt. So lange, bis wir das CO2 in langwieriger und mühevoller Arbeit wieder aus der Atmosphäre entfernt haben.

Das Treibhausgas Methan taucht in dieser Rechnung gar nicht auf. Immerhin bleibt dieses nur 30 Jahre in der Atmosphäre. Das bedeutet aber, dass wir hier eine Stellschraube haben. Wenn wir also in vielleicht 30 Jahren ein echtes Hitzeproblem haben, können wir auch die Methanemmissionen radikal reduzieren, das wird dann auf einige Jahrzehnte einen deutlichen Effekt haben. Wenn wir demnächst sowieso kein Erdgas mehr fördern, und Biogasanlagen gasdicht machen sowie die Kühe besser füttern, wird das nicht unrealistisch sein.

Hab ich hier richtig gerechnet?



Kommentar vom 08.04.2019 14:05 auf
https://scilogs.spektrum.de/gedankenwerkstatt/klimaschutz-jetzt-mal-ernsthaft/

@Kostenfrage

Offenbar ist davon auszugehen, dass wir ab einem Zeitpunkt, der in wenigen Jahren erreicht sein wird, jede Tonne CO2, die wir noch in die Luft blasen werden, wohl in spätestens 50 Jahren wieder aus der Atmosphäre herausholen müssen. Wenn man die Kosteneinsparung z.B. durch Nutzung von Benzin für die Mobilität statt regenerativem Strom fürs Elektroauto mit den Kosten vergleicht, die anfallen, wenn man das ganze CO2 wieder einfangen und irgendwo deponieren muss, dann wird das vielleicht 10 mal teurer sein.

Das ist natürlich ein ganz simpler finanzieller Generationenkonflikt. Deshalb demonstriert hier auch die Jugend.

Die andere Idee, z.B. mit von Flugzeugen versprühter Schwefelsäure einen Teil der Sonneneinstrahlung in den Weltraum zu reflektieren, ist wohl kurzfristig wesentlich günstiger als CO2 einfangen und speichern. Dummerweise bleibt das CO2 dabei 500 oder 1000 Jahre in der Atmosphäre, und der Schwefelsäureschutzmantel muss aber ständig erneuert werden, weil die Schwefelsäure wieder in in die Atmosphäre absinkt und dann schnell ausgewaschen wird. 500 oder 1000 Jahre lang Flugzeuge losschicken und den Schutzmantel immer wieder neu ausbringen wird dann wohl noch viel teurer.

Aber wenigstens auf die nächsten 50 Generationen verteilt, und die können ja jetzt nicht dagegen demonstrieren.



Kommentar vom 08.04.2019 11:58 auf
https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/irrefuehrung-zur-genetik-der-depression/

@Psychosoziale Aspekte

Was nützt es mir, wenn ich weiß, dass meine Gene bei mir eine Depression etwas wahrscheinlicher machen? Ich muss doch sowieso gucken, dass ich mich weder auf der Arbeit noch privat überlaste. Das ist immer ungesund, da kann man alle möglichen Krankheiten von bekommen.

Gerade eine Depression oder eine Psychose sind vor allem Summeneffekte. Wenn die Gesamtsumme der Belastung eine Grenze überschreitet, bricht die Krankheit aus. Dummerweise will mich danach die Leistungsgesellschaft gar nicht wiederhaben, auch wenn der grassierende Leistungsdruck das Problem erst verursacht hat.

So folgt auf eine psychische Erkrankung meistens eine lange Zeit ausgeprägter Unterbeschäftigung und Unterbelastung. Psychotherapeutische Behandlung braucht hier überhaupt nicht an psychologischen Ursachen für den Ausbruch der Krankheit ansetzen. Der Patient muss sich in den meisten Fällen ein neues soziales Umfeld aufbauen und eine neue erfüllende Beschäftigung finden, und innerhalb dieses Prozesses langsam eine neue Belastbarkeit durch behutsames Training aufbauen.

Hier brauchen wir Unterstützung. Durch Betreutes Wohnen, Kontaktstellen, Tagesstätten und Behindertenwerkstätten. Psychotherapie eher nur am Rande. Was eher fehlt, ist dass die Zeit nach der Entlassung in den Kliniken schlecht vorbereitet und angebahnt wird. Tageskliniken im Anschluss an einen Klinikaufenthalt sind hilfreich, um hier Kontakte zu den ambulanten Hilfen und zur Selbsthilfe herzustellen.

Eine freundlichere Gesellschaft, in der man sich nicht erst ganz kaputt arbeiten muss, bevor man Hilfe bekommt, wäre schön. Und eine Gesellschaft, die einen nicht ausschließt und komplett an das Hilfesystem überweist, und von uns möglichst nichts mehr sehen will, das wär mal was. Das wünsche ich mir als Betroffener.

Die theoretischen biologische Vorgänge sind so weit weg von der psychischen Lebensrealität, dass man damit nichts anfangen kann.

Hätten wir schon das Konnektom des menschlichen Gehirns entschlüsselt, und könnten dies im Computer simulieren, und würde dann dort eine „Seele“ in der Maschine laufen, die genau so reagiert wie der reale Mensch, dann hätten wir wohl einen Ansatz, die Brücke zwischen dem innerem Erleben und den einzelnen Aktionen der Nervenzellen zu bauen. Aber das werden wir nicht mehr erleben. Bis dahin sind biologische Ansätze für die Praxis nutzlos.

Vielleicht ist das spannend für die Forscher, die sich gerne mit Nervenzellen beschäftigen, und keine Lust auf Kontakte mit echten kranken Menschen haben. Sollen sie forschen, wenn sie es nicht lassen können. Ich als Betroffener lese das hier auf spektrum.de meistens auch, wenn die Hirnforscher mal wieder was Neues entdeckt haben. Jetzt war mal die Meldung, das eine neue Art Nervenzellen entdeckt wurde, oder dass die Gliazellen wohl eine größere Rolle spielen als gedacht. Ich finde das interessant, aber helfen tut mir das natürlich nicht.



Kommentar vom 07.04.2019 13:50 auf
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@Geerbte Verantwortung

Unser Wohlstand entstand auch durch die Emissionen in unserer europäischen Vergangenheit. Insbesondere das erworbene Kapital wird an nachfolgende Generationen tatsächlich real übertragen. Gerade dieses Kapital sollte sich nicht beschweren, wenn es zur Lösung des Problem eingesetzt werden soll.

Moral ist die eine Sache, das funktioniert nicht bei jedem. Man ist ja oft so frei, sich zu sagen: Ist mir doch scheißegal, wenn ich asozial bin.

Verbundenheit mit der Wirklichkeit der Natur und der Mitmenschen im näheren Umkreis und auch weltweit ist aber möglich, und kann eine richtig starke Motivation sein. Sich von Religionen und anderen Weltanschauungen abwenden, die sich für die Wirklichkeit gar nicht interessieren, ist aber möglich, schließlich genießen wir Religionsfreiheit.

Ganz nebenbei habe ich schon immer Schwierigkeiten mit dem Gerede über noch weiter steigenden Wohlstand. Wohlstand wäre für mich eine gesündere Natur, und eine Zukunftsperspektive für die Menschen und die restliche Natur. Viel gesunde Natur in erreichbarer Umgebung muss man ja nicht besitzen. Besuchen und genießen können reicht ja. Ich brauche weder ein Auto, noch eine größere Wohnung, keine neuen Möbel und auch nicht mehr Fleisch auf dem Teller. Ich verstehe die Leute nicht mehr. Gute Beschäftigung ist mir was wert, und meinen kleinen Kulturbeitrag zu leisten, das macht mir Spaß.



Kommentar vom 06.04.2019 00:32 auf
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@Thomas Grüter Radwege in Münster

In Münster müsste der Autoverkehr wohl auch deutlich geringer sein als z.B. in Dortmund. Tut mir leid, aber ich war schon seit 25 Jahren nicht mehr mit dem Fahrrad in Münster. Das war damals noch etwas holprig finde ich. Die besten Radwege sind durchgehende Wege, auf denen man zügig weitere Strecken fahren kann, ergänzt durch Nebenstraßen als Verkehrsberuhigte Zonen, die aber so, dass Radfahrer nicht über Buckel und Kanten fahren zu müssen. Wenn ein Radweg an einer gut befahrenen Straße langführen muss, dann am besten direkt am Straßenrand lang aber breit genug und mit einer kleinen Kante zur Autofahrbahn hin. Radwege zwischen den Fußgängern durch sind ungut, das gibt ständig Konflikte mit den Fußgängern und an jeder Straßeneinmündung muss man wieder die Buckel rauf und runter.

Ich habs nur im Fernsehen gesehen, dass man das in Kopenhagen so macht, mit dem Erfolg, dass der Autoverkehr tatsächlich halbiert werden konnte. Die haben da aber auch gezielt Parkplätze für PKW abgebaut, alleine schon um auch Platz für die guten Radwege zu schaffen.

Bei großer Kälte und kräftigem Regen bleib ich auch lieber zuhause, wenn das möglich ist. Aber nur selten muss ich einen Kollegen fragen, ob er mit mir zum Baumarkt fährt. In meine Satteltaschen passen 30 Kg, auf den Vordergepäckträger auch sperrige Sachen bis Umzugskartongröße und max. 10 Kg. Was langes dünnes bis 2,5 m passt mit Klebeband längs man Fahrrad befestigt, und hinten übers Ende hinausragend. Ansonsten gibt es auch Lastenfahrränder, aber ich bräuchte keins. Wenn ich für große Feten einkaufe, fahr ich eben 2 mal.



Kommentar vom 05.04.2019 16:45 auf
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@Radwege

Wir haben in Europa schon eine gewisse Vorbildfunktion, immerhin haben wir die Industrialisierung erfunden. Wenn wir jetzt gangbare Wege in unserer Verantwortung finden und umsetzen, sind die Chancen gar nicht so schlecht, dass die anderen, die letztlich auch die ganze Zeit uns nacheifern, dass die unserem Beispiel folgen. Zumal auch die bei uns weiter entwickelte und ausgereifte Technik helfen wird, klimaneutrale Technik allgemein zu etablieren. Die Entwicklungskosten sind dabei ja nicht unerheblich.

Gut fahrbare Radwege bauen wie in Kopenhagen bringt richtig viel weniger Autoverkehr im Stadtbereich. Viele Dänen können sich ihr Privatauto deswegen sparen. Und ein eigenes Auto ist richtig teuer. Wenn nur die Hälfte von dem eingesparten Geld in gute klimaneutrale Technik für Heizung und Strom fließt, ist das Problem auf dem Sektor Privatverbrauch gelöst, schätze ich mal. In 6 bis 7 Jahren will Kopenhagen die erste emmissionsfreie Hauptstadt der Welt sein. Dazu gehört dann auch der verbliebene Autoverkehr, vermute ich in dieser Rechnung, das weiß ich jetzt aber nicht so genau.

Und warum kann Kopenhagen das, und Dortmund nicht? Weil Kopenhagen in Dänemark liegt, und Dänemark keine Autoindustrie hat. Und weil Dortmund in Deutschland liegt, und die Autoindustrie in Deutschland den Politikern Stellen in der Wirtschaft verspricht, in denen sie noch 10 mal mehr Geld verdienen können, als in ihrer Politkarriere. Deshalb gibt es in Dortmund eben keine Radwege, und wenn Radwege, dann meistens schlecht fahrbare, die nicht zu billig, sondern oft einfach nur dumm konstruiert sind.

Radwege sind nicht mal teurer als Straßen für Autos, eher deutlich günstiger. Fast schon im Zuge von ohnehin nötigen Instandhaltungsarbeiten ließe sich das in 5 bis 10 Jahren ohne große Kosten umsetzen. Hier ist wirklich nur intelligente Wegeplanung und der dazu nötige politische Wille erforderlich.

Ich selbst kämpfe mich durch den Dortmunder Stadtverkehr, aber das ist recht gefährlich und ich habe die entsprechende Fahrerfahrung und die detaillierte Ortskenntniss, die man dafür braucht, weil ich sowieso schon immer gerne Fahrrad fahre. Für mich ist das die schönste Art der Fortbewegung. Die meisten bräuchten wirklich bessere Radwege, denen ist das mit gutem Grund so zu gefährlich. Wer nur die Tretleistung nicht hat, dem helfen die inzwischen ausgereiften Elektrofahrräder. Deren Stromverbrauch ist so gering, der ist komplett zu vernachlässigen.



Kommentar vom 05.04.2019 00:22 auf
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@Martin Holzherr 04.04.2019 17:39

Eine Lösung, die den üblichen Konsum beibehält und nur auf klimaneutrale Technik setzt, kann das Problem eben in der nötigen Geschwindigkeit nicht lösen. In Deutschland nicht, und weltweit genauso wenig. Nur wenn wir gleichzeitig auf einen vernünftigen Konsum runter kommen, wird das funktionieren. Z.B. Radfahren ist nicht nur klimafreundlich und gesund, vernünftige Radwege wie in Kopenhagen sind einfach konkurrenzlos kostengünstiger als Autos bauen und Sprit verfahren.

Genau deswegen passiert auch in Deutschland auf dem Gebiet Radwege fast nichts, weil die Autoindustrie im Land das von der Politik so verlangt.



Kommentar vom 04.04.2019 17:05 auf
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@Wie soll das gehen?

Was sollen wir sonst machen, als das was hier geht? Was bezahlbar ist, möglichst zügig umsetzen, und wenn z.B. Flüge mit synthetische Flugsprit aus Windstromüberschüssen sehr teuer wird, eben weniger fliegen. Muss ja nicht sein, so viel zu fliegen.

Als Exportweltmeister haben gerade wir das größte Potential, auch auf das eine oder andere Exportgut zu verzichten. Nebenbei haben wir auch ein Problem mit unserer Wirtschaftsüberhitzung, dass dazu führt dass immer mehr Menschen von der Arbeitsbelastung krank werden. Weniger Export heißt weniger Arbeit, das heißt weniger Arbeitsplätze und weniger Druck auf Arbeitnehmer, das wäre doch gut.

Wenn unser Engagement die Entwicklung von klimafreundlicher Technik mit voran bringt, umso eher werden ärmere Länder in der Lage sein nachzuziehen, z.B. wenn Photovoltaikpaneele preiswerter werden. Was darüber hinaus weltweit doch nicht umsetzbar ist, wird dann wohl zu einer kritischen Erwärmung führen. Aber jede Tonne, die einspart ist, reduziert in jedem Fall das Problem, selbst wenn am Ende die Erwärmung nur auf 3° begrenzt werden kann. Sonst droht doch 4° und 5°, das Ende dürfte hier offen sein.

Weniger Konsum wird in jedem Fall auch wirksam sein. Die Waren müssen mit Energieaufwand hergestellt werden, Die Rohstoffe müssen beschafft werden, die Arbeiter müssen zur Arbeit fahren, die Waren müssen transportiert und in Ladenlokalen verkauft werden, die verbrauchen Heizung und Strom, der Kunde muss einkaufen fahren, und viele Waren, z.B. Autos, verbrauchen auch im Gebrauch noch Energie.

Ich finde, dass das Konsumniveau in Deutschland sowieso schon jenseits des Vernünftigen liegt. Wenn ich mir z.B. den gängigen Fahrzeugpark so ansehe, frage ich mich, wofür man zum Autofahren soviel Gewicht und PS braucht.

Ein Kapitalismus ohne Wachstumszwang erscheint mir theoretisch ohne weiteres machbar, eine intelligente Steuerpolitik wird das ermöglichen. Hierzu würden vor allem empfindliche Vermögenssteuern und Erbschaftssteuern gehören, um den sich ansammelnden Kapitalzuwachs abzuschöpfen, damit der nicht mehr neu investiert werden muss.

Leider scheint im wesentlichen die ganze Politikerriege auf der Gehaltsliste der Wirtschaft zu stehen. Die werden grundsätzlich nur wirtschaftsfreundliche Maßnahmen umsetzen, egal welchen Partei wir wählen. Klimapolitik wird bis auf weiteres immer nur so weit gehen können, wie es die Geschäfte des Kapitals fördert. Unsere real existierende Demokratie ist doch eine halbe Oligarchie.

Wir bräuchten dringend ein Verbot von Karrieren in der Wirtschaft vor und nach einer Karriere in der Politik. Und Wahlprogramme müssten amtlich festgelegt werden, und Abgeordnete, die gegen Gesetze stimmen, die im Wahlprogramm ihrer Partei drin stehen, müsste man wegen Betrugs anklagen können. Dann könnte das doch noch was werden.