www.introspektiva.de - Die Wirklichkeit psychischer Krankheiten - Subjektivität als Maßgabe und Menschenrecht - ein Buchprojekt vom KLuW e.V.

Meine Kommentare auf scilogs.spektrum.de 2018/11 (T.J.)



Kommentar vom 25.11.2015 13:45 auf https://scilogs.spektrum.de/wild-dueck-blog/geheimstudie-hirnforschung-hohe-bildung-macht-das-gehirn-untuechtig-wird-spitzer-erneut-zuschlagen/

Vom Wunder des Lebens nur die halbe Realität

Der statistische Unsinn treibt Blüten, in der Hirnforschung ganz besonders. Die Ersatz-Realität der Hirnscannerbilder wird beliebig interpretiert, um die Realität des menschlichen Geistes weiter zu versachlichen.

Die Entzauberung der menschlichen Seele führt dann zur Entzauberung des eigenen Lebens. Aber wenigstens nur zum Nachteil der Menschen, die diesen Unsinn ernst nehmen. Wohl dem, der das nicht aus beruflichen Gründen auch noch auswendig lernen muss.

Auch jenseits der Hirnforschung ist die Wissenschaft schwer damit beschäftigt, alles auf regelmäßige und ungeistige Effekte zu reduzieren. Geist und Seele gibt es nicht! Es wird von vorn herein nur nach Regelmäßigkeit gesucht, alles Einmalige und Lebendige geht dabei komplett und auch absolut regelmäßig durchs Netz.

Bei der ganz interessanten Frage: „Wo fängt Geist und Einmaliges im Leben an?“, hilft die Kenntnis der regelmäßigen Effekte dann aber doch. Das Wissen um die regelmäßigen Bereiche des Kosmos kann auch die Bereiche aufzeigen, die eben nicht regelmäßig, sondern ganz persönlich und magisch sind.

Das wissenschaftliche Wissen bildet offenbar die tatsächliche leerlaufende Mechanik des Kosmos ab. Erst dahinter fängt dann irgendwann der Geist in der Welt und der Geist in uns an. Wo genau die Magie im Leben anfängt, wird die Zukunft zeigen, dazwischen kommen dann noch die Regelmäßigkeiten, die es noch zu finden gibt. Weitere wissenschaftliche Forschung ist also in jedem Fall zu begrüßen.

Aber wo dann die Regelmäßigkeiten wirklich aufhören, da fängt der Geist des Lebens an. Den kann man längst leben, das hat der reale Mensch schon immer praktiziert. Man weiß nur manchmal nicht genau, ist es wirklich Leben und Magie, oder doch nur Biologie.

Leider hat der historische Mensch die regelmäßigen Anteile der Welt mit in Wunderwelten einbezogen, was in die Irre führte. Das geistert heute noch als wissensblinde Religion durch die Köpfe, das kann aber überwunden werden. Hier hilft Wissenschaft und die Vermittlung von Wissenschaft weiter.(T.J.)



Kommentar vom 17.11.2018 auf https://scilogs.spektrum.de/anatomisches-allerlei/fragment-einer-rede-ueber-bildung/ (inzwischen komplett gelöscht)

Bildung und Kultur – Werde, wer du bist

Angeregt durch diese Blogbeitrag haben wir (Tobias Jeckenburger und Heidi Waldstädt) dieses Thema neben anderen Themen zum Schwerpunkt für unsere jährliche Vereinszeitung Avocado Nr. 17 Winter 2019/2020 gemacht. Das Thema ist komplex genug, um uns im nächsten Jahr damit eingehender zu beschäftigen.

Fragen:

Neugier, Begeisterung, Leidenschaft: Was ist spannend und warum?

Schulziel guter Staatsbürger: Sinnvoll, nur langweilig oder sogar kontraproduktiv?

Vorbereitung aufs Berufsleben: Gibt es für die heutigen Schulanfänger denn überhaupt noch Arbeit, dann in 12 bis 18 Jahren, wenn die fertig sind?

Ist, bzw. wann, ist personalisierte Schule möglich?

Kommt dann, in vielleicht 30 Jahren, die komplette Auflösung von Tagesstruktur in einer arbeitslosen Gesellschaft?

Erkenne Dich selbst: reicht das als Bildungsauftrag?

Warum braucht man überhaupt Bildung?

Oder bin ich das vorher schon? Wenn man vor der Bildung schon ist, wieso muss man dann noch was lernen?

Urteilsfähigkeit aufbauen – aber was braucht man dafür?

Antworten?:

Bildung hilft, um angstfrei durch das Leben gehen zu können.

Gestaltung von Demokratie ist nötig, nicht nur Zuspruch für Demokratie.

Selber Denken lernen, die Fakten sammeln, die relevant sind.

Mitdenken. Lösungen finden.

Man muss nicht komplett eigene Gedanken haben, die Zusammenstellung ist schon maßgeblich, wenn es um Wirksamkeit geht.

Wie sich Gedanken verbreiten, macht die Kultur.

Du bist was du bist, nutze dein Potential und werde.

Angefangen als Eizelle bin ich erst einmal gar nichts, und lerne mit der Zeit erst die Einzelheiten, aus denen ich hinter her bin. Wie ich das mache, was ich mir aktiv aus dem Bildungsangebot heraussuche, das bin ich dann hinterher. So werde ich auch ein Kind meiner Zeit. Ich war das vorher nur als Potential, und so werde ich dann erst ich selbst wirklich. Wenn man mich lässt allerdings nur.

Ich muss mir entsprechend meines Potenzials die Leute heraussuchen, mit denen ich mich verbinden möchte. Es ist teilweise meine eigene Aufgabe, mir den Nährboden zu suchen, den ich brauche. Erst bin ich von meinen Eltern und auch meinen Lehren abhängig, aber schon recht früh kann ich damit anfangen, mich selber auf die Suche zu machen.

Man muss auch genug zu essen haben. Wie bei den Pflanzen, brauche ich viele Bedingungen, die alle erfüllt werden müssen, damit ich gut wachsen kann. Wenn ich in der Kindheit den Nährboden nicht hatte, dann fehlt der. Wenn ich zum Beispiel in einem Kinderheim aufwachse, wo erst totale Vernachlässigung und später statt Schulbildung Kinderarbeit auf dem Programm steht, hat das Folgen.

Intelligenz ist nicht lehrbar, Urteilsfähigkeit ist nicht von Bildung bestimmt. Material, Informationen brauche ich, aber etwas bin ich schon vorher, in dem Sinne wie gut ich fähig bin, das einzuordnen und das dann weiterzuführen. Gute Fragen und gute Antworten reichen eben nicht, die Vernetzung im Kopf macht die Intelligenz aus, und auch überhaupt am Ende das Bildungsergebnis. Intelligenz ist weder lehrbar, noch durch schlechte Bildung zu verhindern. Höchstens z.B. durch Alkoholkonsum in der Kindheit.

Aber ohne gutes Material läuft Intelligenz schnell ins Leere. Urteilsfähigkeit muss auf gute Fakten zurückgreifen können, die muss man einsammeln.

Was nützt dir die Theorie, wenn du nicht auf die Handlungsebene kommst?

Sich mit den Dingen in Beziehung setzen ist nötig, sonst passiert da was nicht. Man ist entfremdet. Spaß und Freude muss du an der Sache haben, authentisch sein mit dem was du tust, ist unabdingbar, wenn das etwas werden soll. Manch einer macht zwar seine Arbeit, aber hat gar keine Freude dabei, das ist ja auch nicht egal.

Läuft heute so die Welt? So ein Trauerspiel. Die Leute kochen zwar einen guten Pudding, und der schmeckt auch, und sie bekommen ihr Geld dafür. Aber der Koch vegetiert nur, getröstet mit den Sachen, die er sich dafür kaufen kann, von anderen produziert, die genauso unglücklich dabei sind.

Manche werden doof gemacht? Geht das? Wenn man zu vertrauensselig ist, und trotz Intelligenz reihenweise Unfug übernimmt, könnte das dann dumm machen. Vielleicht braucht man auch eine gewisse Renitenz, um seinen eigenen Weg gehen zu können.

Gute Förderer und Wegbegleiter können deine Ressourcen unterstützen und dir Wege zeigen, die du gehen kannst.

Aus Zwillingsstudien weiß man, das viele Menschen ihr Thema haben, dass man kaum aufhalten kann. Ein Mensch kann seine Berufung haben, die nicht aufzuhalten ist.

Viele Menschen müssen einer Berufung folgen, für die sie von anderen vorgesehen sind, z.B. die Firma der Eltern übernehmen, jemand bestimmten heiraten, oder einen Job annehmen, weil das Arbeitsamt das verlangt.

Aber ein Mensch kann auch eine Berufung haben, die überhaupt nicht aufzuhalten ist, in dem Sinne, dass das Schicksal selbst das so haben will.

Göttliche Qualität in der Kunst sollte selbstverständlich sein, das ist hier nicht gemeint.
Die Leichtigkeit des Seins erkennen, sich vom Leben berühren lassen, und adäquat das Leben ergreifen, in Freude und Gelassenheit. (H.W./T.J.)



Kommentar vom 15.11.2018 auf https://scilogs.spektrum.de/anatomisches-allerlei/fragment-einer-rede-ueber-bildung/ (inzwischen komplett gelöscht)

Werde, wer du bist

Was bleibt von mir übrig, wenn man das Wissen ausklammert? Diese Frage macht keinen Sinn, weil wir ein Wissensverwertungssystem sind. Nur im Umgang mit Wissen werden wir erst subjektive Menschen. Unsere ganze biologische Konstitution ist auf Wissen ausgelegt.

Die Komposition des gesammelten Wissens macht das Seinserlebnis aus, macht das Subjekt am Ende der Ausbildung aus und darüber hinaus.

Form und Inhalt sind schwer zu trennen. Das Vermögen ist ja gerade der Umgang mit dem Wissen. Die Möglichkeiten der Selbststeuerung des Wissenserwerbs ist ein wesentlicher Teil der Freiheit und bestimmt wesentlich den Weg, den man im Leben geht.

Neugier, Begeisterung und Leidenschaft sind vermutlich eine Kraft der Geisteswelt, die in jedem Fall ihre Wirkung hat. Wenn man die Gelegenheit hat, diesen eigenen Kräften zu folgen, wird man ein Lebenssubjekt, das mitten im Leben steht, das Leben gestaltet und für sich und andere eintritt. (T.J.)



Kommentar vom 07.11.2018 auf https://scilogs.spektrum.de/anatomisches-allerlei/fragment-einer-rede-ueber-bildung/ (inzwischen komplett gelöscht)

Relevanz der Neugier

Grundsätzlich gibt es mehrere Bildungsmotive:

Kenntnisse, die man fürs Berufsleben braucht
Unterricht, der bessere Staatsbürger macht
Kenntnisse, die man immer gebrauchen kann
Neugier, die den Menschen antreibt

Beim letzten Fall ist die Frage relevant, ob die Themen, auf die man neugierig ist, nur mehr oder weniger zufällig gestreut sind und nur einer Laune nach auftauchen. Oder ob hier eine ernstzunehmende Inspiration vorhanden ist, die den Menschen genau dahin treibt, wo er hin gehört.

Das „Werde, wer Du bist“ kann eine Substanz haben, die nicht nur Dich selbst sondern auch die Menschheit und die ganze Kultur weiterbringt. Sollte das tatsächlich so sein, wäre es wohl wichtig, das die Themen, auf die die Schüler neugierig sind, in großem Umfang ernst genommen werden und nach Möglichkeit auch angeboten werden. Hier macht es Sinn, den Unterricht persönlicher zu gestalten, dass jeder Schüler seinen eigenen Themen nachgehen kann, auf die er neugierig ist.

Die Idee, sich erst mal ganz auf das Berufsleben zu konzentrieren, und dann erst mit 40, 50 oder gar erst mit 60 Jahren anzufangen, sich damit zu beschäftigen, was einen wirklich interessiert, finde ich richtig trostlos. So wichtig sind ein Haus, ein Boot und ein Auto nicht. Wenn man aber gerade das Geld verdienen und das Geld ausgeben so superspannend findet, dann soll es so sein. Solche Schüler würde man wohl mit Angeboten, die die pure Neugier befriedigen sollen, eher nerven.

In jedem Fall lernt der Mensch sehr viel schneller, wenn er auf das Thema neugierig ist. Und die Lerninhalte, die wirklich interessieren, bleiben auch nach der Klausur weiter gespeichert, oft ein Leben lang. Wenn z.B. ein Schüler sich mit 10 Jahren überhaupt nicht für Englisch interessiert, könnte man ihn vorerst davon befreien, und lieber Fächer wie Astronomie oder Gartenbau anbieten, wenn manche Schüler das spannend finden. Man kann ja hoffen, das frühere Englischmuffel mit 15 Jahren dann doch noch Lust auf eine Fremdsprache bekommen, oder dass sie eben später an der Uni erst einmal 2 Semester einen Intensivkurs Englisch machen, falls das für den Beruf benötigt wird.

Genauso wie Mathematik. Die Idee, ab der 5. Klasse Mathematik nur als Wahlfach anzubieten, ist gar nicht so schlecht. Wichtig ist doch nur, dass der Mensch wenigstens mit seinem Geld umgehen kann, und bei vielen Schülern ist mehr sowieso nicht drin. In vielen Studienfächern braucht man später nur Statistik, da wäre in der Schule vielleicht eine Spezialisierung des Matheunterrichts sinnvoll. Wenn Schüler schon wissen, dass sie so etwas später studieren wollen, könnte dann sogar Neugier aufkommen, was dann den Lernerfolg beflügeln kann.

Mit dem Alter, wenn sich die Interessen eines Menschen immer mehr konkretisieren, kommt dann auch konkretere Neugier auf, und manche einst ungeliebten Fächer können dann doch noch Begeisterung entfachen. Was vorher nur zarte Inspiration war, die heute vom Schulalltag schnell platt gemacht wird, wird mit der Zeit ein fester Wille mit einem umsetzbaren Konzept, für ein Leben, in dem es nicht nur um Geld geht. (T.J.)



Kommentar vom 03.11.2018 15:27 auf https://scilogs.spektrum.de/wild-dueck-blog/schulfach-mikado-was-faellt-weg/

Personalisierte Schule

Ich hatte vor einiger Zeit einmal darüber nachgedacht, welche Art Schule mir wirklich gut getan hätte. Schulbildung zu meiner Zeit und heute wohl immer noch hat das Ziel, nutzbare Arbeitnehmer und treue Staatsbürger heranzuziehen. Was hier fehlt, sind Kompetenzen mit dem privaten Papierkram umzugehen, grundlegende Kompetenzen im Umgang mit Gesundheit und Ärzten, aber vor allem seine kindliche verspielte Kreativität und Neugier zu erhalten und auszubauen. Gartenbau und Kleintierhaltung hatte ich im Elternhaus lernen dürfen, was mir in meinem weiteren Leben eine sehr wichtige Erfahrung geworden ist. Das wäre auch was für die Schule.

Was den Schulstoff angeht, ist es absolut grausam und Zeit verschwendend, allen Schülern auf dem Gymnasium den gleichen Stoff rein zu würgen. Im Prinzip ist das ja alles nicht ganz uninteressant, aber erfahrungsgemäß interessiert ein bestimmter Stoff im Schnitt vielleicht nur ein viertel der Schüler. Das kann mal an dem Lehrer liegen, dass der unfähig ist zu begeistern, aber meistens liegt es echt nur am Stoff, der eben die meisten Schüler jetzt in der Situation eben nicht interessiert. Nach dem in der 11. Klasse das Kurssystem eingeführt wurde, konnte ich in meiner Schulzeit aufatmen, dass ich 15 Stunden Mathe, Physik und Informatik machen konnte, was mich sehr begeistert hat. Und ich musste mich nicht mehr mit Fremdsprachen herum ärgern, die mich damals nicht interessiert haben.

Ich stelle mir eine Schule vor, in der man von Anfang an aus einem breiten Angebot aus Fächern und Themen sich jedes Schuljahr sein eigenes Programm zusammenstellen kann. Wenn einem ein Fach gefällt, oder wenn man in einem Fach hochbegabt ist, könnte man in diesem Fach mehr Wochenstunden machen oder auch mit älteren Schülern zusammen lernen, und dort am Ende der Schulzeit dann auch in dem Fach sehr weit kommen. Andersherum kann man dann auch in seinen schwachen Fächern weniger Wochenstunden machen oder teils mit jüngeren Schülern Kurse zusammen machen.

Leistungsnachweise für jedes Halbjahr in einem Kurs, z.B. Statistik Stufe 1 bis Stufe 4 oder Englisch Stufe 1 bis Stufe 20 könnten im Detail gemacht werden. Jedes halbe Jahr kann man dann Klausuren machen, die zentral für alle Schüler im Land das gleiche Niveau haben und nicht von den eigenen Lehrern, sondern unabhängig ohne Kenntnis des Elternhauses benotet werden. Das würde auch die Diskriminierung von Schülern aus „sozial schwachen“ Elternhäusern reduzieren.

Wenn man die einzelnen Leistungsnachweise in einer Datei über die Schulzeit hinweg einfach sammelt, hätte ein potentieller Arbeitgeber ein komplettes Bild über die Kenntnisse und Interessen des Bewerbers, was sicher aussagekräftiger wäre als ein üblicher Abschluss wie wir ihn heute haben. Mit entsprechenden Analysetools wäre das auch nicht zu unübersichtlich.

Jeder Schüler müsste sich regelmäßig intensiv mit den Lehrern zusammensetzen, um den persönlichen Unterrichtsplan für das nächste Jahr besprechen. Sollte sich ein Berufswunsch herauskristallisieren, müsste man dann genau gucken, wie der individuelle Lernstand ist und was man für diesen Beruf alles noch lernen sollte. Auch manche unangenehmen Sachen müssen dann auch mal angefasst werden, das wird man den Schülern wohl klar machen können, dass sie da nicht darum herum kommen. Bestimmte Fähigkeiten sind eben sehr wichtig, wenn man da Problemen mit hat, kann man auch gerade in seinen Schwächen mehr Wochenstunden investieren.

So könnte man auf Schulformen verzichten, und alle in einer Schule unterrichten. Selbst die Zahl der Schuljahre könnten irgendwo zwischen 8 und 14 Jahren sein, je nach Berufsziel bzw. Studienfach, Lerngeschwindigkeit und auch nach Lust und Laune, wenn dafür noch Zeit ist. Es wäre auch gut, das persönliche Wochenpensum variabel zu halten. Etwa ab 20 Stunden für Schüler, die sich z.B. zu Hause um den Haushalt kümmern müssen, weil der alleinerziehende Elternteil chronisch krank ist, oder man als Schüler schon nebenbei jobben muss, weil die Eltern chronisch pleite sind. Auf der andere Seite könnten Schüler auch 35 Wochenstunden machen, wenn sie sehr gerne in der Schule lernen, z.B. weil sie unbändig neugierig sind oder sonst kaum Interessen haben.

Nebenbei könnten auch jugendliche Schüler, die um 8 Uhr morgens wegen Müdigkeit noch lernunfähig sind, erst um 9 Uhr anfangen. Man könnte auch zwischendurch immer mal wieder Berufspraktika oder auch bezahlte Minijobs einschieben, da lernt man die Welt kennen und bekommt etwas Geld in die Kasse. Oder sogar zwischendurch eine Lehre machen und dann gleich wieder in die Schule und noch 2 Jahre genau das weiter lernen, was noch fehlt, und sich dann selbstständig machen. Wir hätten dann in vielen Kursen Schüler mit deutlich verschiedenem Alter, was wohl auch gerade für die Jüngeren eine Bereicherung sein kann.

Insgesamt sollte der Mensch befähigt werden, seine Eigeninitiative zu kultivieren, und sich auch in Zeiten von Arbeitslosigkeit, längerfristiger Arbeitsunfähigkeit und nach dem Berufsleben selbstständig beschäftigen können. Eine Schulausbildung zum ganzem Leben hätte ich mir gewünscht, nicht nur eine Ausbildung zum verwendbaren Arbeitnehmer und zum treuen Staatsbürger. Wirkliche Lernleistung auf der einen Seite und kultivierte Neugier und Kreativität auf der andern Seite würde die Menschen zum Leben befähigen, was bei einem individuellem Zuschnitt der Kurse und Fächer sicher besser funktionieren würde. Und eben auch Lebenspraktisches wie privater Papierkram, Kompetenzen im Umgang mit Gesundheit und Ärzten, Gartenbau und Kleintierhaltung kann man im ganzen Leben gut gebrauchen.

Die Frage nach dem Mikado der Fächer stellt sich dann nicht mehr, die Schüler entscheiden dann selber, was sie lernen. Lehrer, die Inhalte anbieten, die nicht nachgefragt werden, müssen sich dann zwangsweise umorientieren oder sich woanders Arbeit und Beschäftigung suchen. Aber die Schüler müssen auch aus den Kursen auswählen, die an ihrer Schule überhaupt angeboten werden, oder müssen sich eine andere Schule suchen. So könnte sich dann auch jede Schule selber Gedanken machen, was sie ihren Schülern anbieten kann.
(T.J.)